Bereits 1942 hat Isaac Asimov die drei Robotergesetze verfasst:
* Ein Roboter darf keinem Menschen Schaden zufügen, oder ihn zu Schaden kommen lassen.
* Ein Roboter muss dem Menschen gehorchen, es sei denn es widerspricht Regel Eins.
* Und schließlich muss der Roboter sich selber schützen, es sei denn es widerspricht der ersten oder zweiten Regel.
Diese Regeln sind nicht einfach nur Asimovs Überlegungen für seine Romane. Die Robotergesetze haben Einzug in alle Bereiche der Science Fiction gefunden,
bis zum heutigen Tag. Manchmal werden sie auch ignoriert, ab und an vielleicht variiert. Aber Asimov hat damit einen entscheidenden Einfluss auf das Genre gehabt. Und wer weiß, wie diese Gesetze in die wirkliche Robotik eingegangen sind. Gabe Ibáñez jedenfalls hat in seinem Film diese Vorgabe etwas abgekürzt und vereinfacht. Ein Roboter muss unter allen Umständen Menschen vor Schaden bewahren. Und ein Roboter darf sich niemals selbst reparieren oder modifizieren.
Seit zweihundert Jahren ist Chicago mit einem Zaun abgeriegelt. Jenseits des Zaunes ist Leben nicht möglich. Innerhalb des Zaunes gibt es fünf Fraktionen. Die Amite sind für die Lebensmittelversorgung zuständig. Die Ferox bilden die Schutzmacht. Wissenschaftler und Lehrer sind bei den Ken. Die niemals lügenden Candor verwalten das Rechtsystem. Die selbstaufopfernden Altruan stellen die eigentliche Regierung. Es ist eine Zukunft, in der niemand gegen seine Bestimmung ankommt. Ein Ferox ist immer ohne Angst und kampfbereit. So wie ein Candor niemals lügen kann, oder ein Altruan immer nur bis zur Selbstaufgabe dienend ist. Doch da sind noch die Unbestimmten, welche alle diese Tugenden in sich vereinen, und nicht nur nach einem einzigen Kodex leben. Unkontrollierbare Individuen, die dieser Gesellschaftsordnung schaden könnten. Und die den Ken vorstehende Jeanine setzt alles daran, diese Gesellschaftsordnung zu bewahren. Was zu einem Massaker führte. Aber vier als Rebellen verfolgte Ferox und Ken gelang die Flucht. Jetzt suchen die Heldin Tris, ihr Freund Four, der Bruder Caleb, und der niederträchtige Peter Zuflucht bei den äußerst friedfertigen Amite. Die Ruhe hält nicht lange an, denn die Schutztruppen der Ferox sind schlau, und machen die Flüchtigen ausfindig. Vielleicht sind sie auch nicht so schlau, aber der Film muss endlich mal in die Gänge kommen.
Mit EX MACHINA und AUTOMATA ist dies der dritte Film innerhalb eines Jahres, der sich mit künstlichen Intelligenzen beschäftigt. Und Robotern, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln. Behandelt AUTOMATA mehr die Frage nach dem Recht der Selbstbestimmung von Robotern, stellt EX MACHINA die Frage, inwieweit das angenommene Bewusstsein nicht doch aus programmierten Aktionen besteht. CHAPPIE hingegen will alles, und darüber hinaus noch viel mehr. Er will Sozialkritik vertreten, ein knallharter Action-Film sein, sich als Darsteller-Kino präsentieren, und die Auswirkungen von künstlichen Intelligenzen beleuchten.
Und damit wollte Neill Blomkamp zu viel. In keiner seiner Absichten schafft es der Regisseur und Co-Autor in die Tiefe zu gehen, sondern sich nur in der Breite aufzustellen. Man könnte mit CHAPPIE den Karriereweg Neill Blomkamps, mit dem von M. Night Shyamalan gleichstellen. Auch wenn Shyamalan schon zwei kleine Filme gemacht hatte, bevor er mit der Kino-Sensation SIXTH SENSE Zuschauer und Kritiker in Euphorie versetzte. Hat er seitdem sieben weitere Kinofilme gemacht, war die Talfahrt eben verhältnismäßig geruhsam. Neill Blomkamp hat sich mit nur drei Filmen von ganz oben ins Mittelmaß und nun nach unten gearbeitet.
Found Footage, das leidige Thema. Es mag ein Trend sein, alle möglichen und unmöglichen Situationen im eigenen Leben mit dem Smartphone festzuhalten. Aber beim Aussteigen aus dem Auto, auf dem Weg zu Schule? Wenn jemand zu seinem Tisch in der Cafeteria geht? Wenn man auf dem Dachboden mit dem Bruder nach Schätzen aus der Kindheit stöbert? Es ist so mühselig, und nicht nachvollziehbar. Warum Found Footage, wenn PROJECT ALMANAC als normal gedrehter und aufgelöster Film sogar ein sehr angenehmer Spaß geworden wäre? Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, aber sehr ärgerlich. Josh Trank hat mit CHRONICLE als einziger bewiesen, dass man das Format sehr schlau und auch gerechtfertigt einsetzen kann, wenn man die Vernunft und Logik in die Inszenierung mit einbezieht. Dean Israelite ist das bei PROJECT ALMANAC nicht gelungen, und einer vielversprechenden Prämisse, steht eine nicht nachvollziehbare Bildführung im Weg.
Mit THE MATRIX waren wahre Meister geboren. Andy und Larry, jetzt Lana, Wachowski revolutionierten das Mainstream-Kino, veränderten visuelle Stilmittel, und vervielfachten die Erzählebenen. Das ein oder andere Element war dem Arthouse-Kino lange nichts Fremdes mehr. Doch alles zusammen geballt auf das Popcorn-Publikum loszulassen, sprengte die Grenzen des bisher Zumutbaren. Herunter gebrochen, blieb MATRIX ein reduzierter Action-Film. Doch alles in seiner Inszenierung, Geschichte, Ausstattung, Visualisierung, Kostüme, Darsteller griff so perfekt ineinander, dass man das Genie hinter den Gebrüdern nicht leugnen konnte. Selbst als MATRIX RELOADED auf eher verhaltenen Jubel stieß, war es immer noch Matrix der Wachowskis, was zur Liebe fast schon verpflichtete. Der Absturz von MATRIX REVOLUTIONS war bitter für Filmwelt und Fans, konnte paradoxerweise aber nicht am Genie-Status rütteln. Es blieb immer noch Bullet-Time. Ein visueller Effekt, der erstmals 1967 bei der Anime-Serie SPEED RACER genutzt wurde. Genau der Film, mit dem die Wachowskis nach fünfjähriger Schaffenspause 2008 grandios scheiterten. Da musste man auf etwas zurückgreifen, das Anspruch versprach, visuell und konzeptionell die Grenzen sprengen würde, und den Intellekt herausforderte. Während das künstlerische Konzept von CLOUD ATLAS stürmischen Beifall fand, wurde er mit 130 Million Dollar weltweit trotzdem nicht, was man als Erfolg bezeichnen könnte.
PREDESTINATION – Seit 05. Februar 2015 im Handel
Eines muss man den Brüdern Michael und Peter Spierig lassen, sie nehmen sich die Zeit, die ein Film tatsächlich verdient. Mit UNDEAD und DAYBREAKERS ist dies seit 2003 erst ihr drittes Werk, obwohl sie durchaus das Zeug dazu hätten, im Pool der Großen zu schwimmen, und sich dort auch zu behaupten. Aber die Gebrüder Spierig sind genau die Filmemacher, die ein Genre-Publikum einfach braucht, um immer wieder einen Blick über den Tellerrand gegönnt zu bekommen. Und das wird regelmäßig besonders heikel, wenn es um Zeitreisen geht. Zeitreisen, das sind immer diese Geschichten, wo sich ganz schlaue Köpfe hervortun, die exakt erklären können, wo das Paradox oder der Fehler, oder das Paradox und gleichzeitige Fehler liegen. Und jedes noch so geartete Szenario einer Zeitreise kann begrüßt oder in Grund und Boden gestampft werden. Die Begründungen in den Ausführungen sind dabei stets mit Logik erklärt. Was wiederum andere Fragen aufwirft: Wie will jemand allen Ernstes ein theoretisches Phänomen mit Logik erklären? Führt zu einer weiteren Frage: Sind Zeitreisen wenigstens in der Theorie wissenschaftlich betrachtet möglich? Und so kann diese Diskussion endlos geführt werden. Letztendlich entscheidet das Publikum über jede Form von Paradoxen in Zeitreisen individuell damit, ob die Erzählung in seiner Inszenierung eine Akzeptanz zu vermitteln versteht.
THE MAN IN THE HIGH CASTLE – Vorerst nur bei Amazon Instant Video
Es ist 1962. Nazi-Deutschland hat den Krieg 1947 gewonnen, und die Vereinigten Staaten von Amerika mit der zweiten Siegermacht Japan aufgeteilt. Nur die Rocky Mountain States bilden eine neutrale Zone zwischen den beiden Großmächten. Die Nazis waren schon auf dem Mond und dem Mars, und die gesamte Technologie ist weit fortgeschrittener, als es in der alternativen Wirklichkeit zu dieser Zeit war. Der junge Joe Blake lässt sich in New York vom Widerstand rekrutieren, um mit einem LKW voll Kaffeemaschinen in die neutrale Zone zu fahren. Gleichzeitig fällt der in San Francisco lebenden Juliana Crain eine mysteriöse Filmrolle mit alten Wochenschauen in die Hände. Nach diesen alten Nachrichten-Filmen hätte Amerika mit Großbritannien 1945 den Krieg gewonnen. Die einzige Information für Juliana ist, dass diese Filmrolle nach Canon City in die neutrale Zone gebracht werden muss. Das Ziel von Joe Blake. Währenddessen geht SS-Obergruppenführer John Smith in New York mit aller Härte gegen den Widerstand vor, und foltert den Mann, der Joe Blake angeheuert hat. In San Francisco gibt es ein geheimes Treffen des japanischen Regierungsbeamten Tagomi und dem Nazi-Offiziellen Wegener, die übereinkommen, dass der anstehende Tod von Hitler nur Chaos in die Führungsriege des Groß Nazi Reichs bringen wird. Und gewisse Elemente in Deutschland sind gewillt, auch den japanischen Teil der Vereinigten Staaten ins Reich zu holen.
Da haben wir wieder einmal so einen Fall: Ein Autor schreibt ein brillantes Buch und blitzt bei allen angefragten Verlegern gnadenlos ab. Dabei preisen sich die Publikumsverlage doch immer gern als diejenigen, die genau im Bilde zu sein meinen, wie der Publikumsgeschmack ist, und was die Leser lesen wollen. Dass das Bullshit ist, wissen wir nicht erst seit J. K. Rowlings Zauberlehrling. Andy Weir machte aus der Not eine Tugend und veröffentlichte die Story des Astronauten, der auf dem Mars strandet, 2012 kapitelweise auf seiner Webseite. Kostenlos. Die Fans überredeten ihn irgendwann, das gesamte Buch für 99 Cent auf Amazon als eBook anzubieten. Er wollte einen noch niedrigeren Preis ansetzen, aber das ist nicht möglich. Und dann ging das Ding ab – man vergebe mir den flachen Witz – wie eine Rakete. Innerhalb von drei Monaten wanderte THE MARTIAN 35000-mal über die virtuelle Ladentheke. Und wenn so etwas passiert kommen natürlich auch die vorher so ablehnenden »Profi-Verleger« aus ihrem Tiefschlaf. Zuerst verkaufte er die Audiobook-Rechte im Januar 2013 an Podium Publishing und danach griff im März desselben Jahres Crown zu – für einen sechsstelligen Betrag. Der Roman erschien im Februar 2014 und landete aus dem Stand auf Platz 12 in der Kategorie »Hardcover« der New York Times Bestsellerliste.
THE ZERO THEOREM – Bundesstart 27.11.2014
Die Besprechung basiert auf der amerikanischen BluRay-Fassung
Wenn Terry Gilliam einen Film dreht, dann hat man was zu erzählen. Auch weil Gilliam selber so viel erzählen will. Aber man darf nicht unbedingt Antworten auf die sich häufenden Fragen erwarten. Gilliam ist ein sehr eigenwilliger Regisseur, sicherlich gibt es weit exzentrischere in der Filmlandschaft, doch der Filmemacher ist in diesem illustren Kreis einer der ganz wenigen, die sich direkt an der Grenze von Arthouse- und Mainstream-Publikum entlang bewegen. Cronenberg wäre vielleicht noch einer dieser Namen. Wenn Terry Gilliam einen Film dreht, dann ist dieser etwas Besonderes. Das kann gleichermaßen positiv wie negativ ausgelegt werden. Zerlegt man diese Filme in ihre einzelnen Bestandteile, ist es am wahrscheinlichsten, dass sich positiv und negativ die Waage halten. Bei ZERO THEOREM wäre das zum Beispiel eine sehr gute Schauspielerin, die eine sehr schlecht inszenierte Figur spielen muss. Oder dass Nicola Pecorini mit einer tadelloser Kameraführung überzeugt, die Ausstattung allerdings viel zu überladen und chaotisch ist. Wenn Terry Gilliam einen Film dreht, dann ist er der einzige, der eine schreiend bunte Welt, richtig deprimierend wirken lässt.
THE HUNGER GAMES: MOCKINGJAY – Part 1 – Bundesstart 20.11.2014
Vor zwei Generationen gab es als großes Idol und besten Bogenschützen Robin Hood zu bewundern, eine generationenübergreifende Ikone unter den Heldenentwürfen. So ändern sich eben die Zeiten. Denken die über Vierzigjährigen bei einer Nickelbrille an John Lennon, ist es bei jenen unter Vierzig Harry Potter. Der Harry Potter der Bogenschützen ist jetzt Katniss Everdeen. Und wie Katniss Everdeen in einer brutal hierarchischen Gesellschaft an sich selbst wachsen musste, ist mit ihr eine Jugendbuchverfilmung erwachsen geworden.
Ist bei einer Trilogie der Mittelteil das schwächste Glied in der Kette, Ausnahmen gibt es wenige, ist es bei einer Quadrologie unweigerlich der dritte Teil. Er schließt selbst nur an ein offenes Ende an, und entlässt den Zuschauer mit einem offenen Ende. Für Quereinsteiger ein kaum zu bewältigendes Unterfangen. Und für den versierten Kinogänger oftmals ein Ärgernis. Oftmals, aber nicht zwangsläufig auch bei MOCKINGJAY 1. Ein ausgezeichneter Film, dessen finale Fortsetzung allerdings beweisen muss, dass das Zweiteilen eines einzelnen Romans gerechtfertigt war.
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