HANNA sollte man kennenlernen

War­um spricht ein in tota­ler Iso­la­ti­on auf­ge­wach­se­nes Mäd­chen, per­fek­tes Eng­lisch, wenn der allein­er­zie­hen­de Vater nur mit stark deut­schem Akzent auf­war­ten kann? HANNA wirft vie­le die­ser Fra­ge auf, ver­schwen­det aller­dings kei­ne Zeit dar­an, die­se zu beant­wor­ten. Das ist umso erstaun­li­cher, da HANNA durch­weg das Flair euro­päi­schen Kinos ver­sprüht. Gemeint ist damit das euro­päi­sche Kino, wel­ches sich vom ame­ri­ka­nisch dik­tier­ten Main­stream durch Anspruch und Anders­ar­tig­keit abhebt.

Die ers­ten Bil­der sind geni­al, wenn der Zuschau­er glaubt, das the­ma­ti­sier­te Mäd­chen als Jäge­rin wahr­neh­men zu kön­nen, wäh­rend sie sofort wie­der ver­schwun­den zu sein scheint. Das Herz des gejag­ten Hirschs ver­fehlt das jun­ge Mäd­chen in die­ser Sze­ne. Ein Leit­mo­tiv, denn in dem Augen­blick wird sie von ihrem Vater über­rascht – ein Geg­ner hät­te sie töten kön­nen. Aber war­um soll­te jemand ein so schi­ckes Ding töten wol­len? Ein stän­di­ges Katz-und-Maus-Spiel, bei dem das Publi­kum immer wie­der die Rol­len von der Kat­ze und der Maus wech­seln darf. Das Dreh­buch lässt sich Zeit mit sei­ner Geschich­te, was geschieht und war­um es geschieht. Die Hand­lung han­gelt sich an Infor­ma­ti­ons­fet­zen ent­lang. Das ist zum Teil sehr span­nend, wird aber auch immer wie­der von kur­zen, aber über­ra­schen­den Action-Ein­la­gen auf­ge­lo­ckert.
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THOR

Als unbe­le­se­ner Zuschau­er tut man sich natür­lich schwe­rer als das Comic-begeis­ter­te Ziel­pu­bli­kum. Wür­den Gold in Gold erstrah­len­de Thron­räu­me nicht reich­lich über­la­den wir­ken? Kann man denn allen Erns­tes einen Body­buil­der mit Flü­geln am Helm dem moder­nen Kino zumu­ten? Und dann der Ham­mer. Soll­ten Hel­den, oder in die­sem Fall sogar ein Gott, nicht etwas Schick­li­che­res tra­gen? Wie ernst kann man einen Film neh­men, der einem Namen wie Mjöl­nir und Heimd­all, Bif­röst und Sif zumu­tet? Es ist tat­säch­lich schwer vor­stell­bar, und dem­nach muss man es ein­fach gese­hen haben.

Neun Wel­ten sind es, die der nor­di­schen Sage nach wie ein Baum mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Eine davon ist Asgard, eine wei­te­re die Erde. Wegen gro­ben Unfugs ver­bannt Gott­va­ter Odin sei­nen ange­dach­ten Thron­fol­ger Thor von einer Welt auf die ande­re. Aber wei­se, wie Odin eben ist, schließ­lich wird er von Tony Hop­kins ver­kör­pert, steckt hin­ter der Ver­ban­nung ein weit tie­fe­rer Sinn. All sei­ner Mäch­te beraubt, gibt die Ver­ban­nung Thor auf der Erde die Gele­gen­heit, sich ober­kör­per­frei zu zei­gen, schließ­lich wird der Don­ner­gott von Chris Hems­worth dar­ge­stellt. So kann sich die über­dreh­te Wis­sen­schaft­le­rin Jane in toll­pat­schi­gem Eifer umge­hend in den Super­hel­den ver­lie­ben, schließ­lich wird die­se Jane Fos­ter von Nata­lie Port­man por­trä­tiert. Und weil Asgards Ange­le­gen­hei­ten aus­ge­rech­net in New Mexi­co aus­ge­tra­gen wer­den, ruft das wie­der ein­mal Agent Coul­son auf den Plan, schließ­lich wird der von Clark Gregg gespielt, und der ist das ver­bin­den­de Glied unter all den Mar­vel-Super­hel­den-Ver­fil­mun­gen.

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RED RIDING HOOD

Neil Jor­dan, wo bist du, wenn man dich braucht? Herr­je, ent­schul­di­ge. Du warst ja längst da, aber man ver­gisst leicht. In der heu­ti­gen Film­welt meint man zu glau­ben, dass Ver­gan­ge­nes nicht ein­fach nur alt ist, son­dern sogleich aus dem Gedächt­nis von Cine­phi­len und der His­to­rie getilgt sein muss. Hät­ten sich die Macher von TWILIGHT nicht den­ken kön­nen, dass sie mit ihrer Adap­ti­on eines Mär­chens nicht nur ver­träum­te Mäd­chen­her­zen anspre­chen, son­dern auch einen nicht uner­heb­li­chen Anteil von fan­ta­sy-affi­nen Kino­gän­gern?

Nun, wenigs­tens lügt die Wer­bung nicht. Wenn auf die­ser Ver­pa­ckung über das rot-beschürz­ten Mäd­chen steht, dass die­ser Film von den Machern von TWILIGHT gemacht wur­de, dann erwar­tet das Publi­kum auch tat­säch­lich ein Film, der mit bru­ta­ler Offen­heit auf ein puber­tie­ren­des Mäd­chen­pu­bli­kum hin kon­zi­piert wur­de, das im Fahr­was­ser einer ande­ren Serie Geld ein­spie­len soll.

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PAUL flieht auf bekannten Pfaden

Nach Jah­ren der erfolg­rei­chen Zusam­men­ar­beit könn­te dies Nick Frosts gro­ßer Sprung wer­den. Sonst der lus­ti­ge, dicke Side­kick von Simon Pegg, steht er hier als gleich­be­rech­tig­ter Dreh­buch­au­tor neben sei­nem ver­trau­ten Film­part­ner. Macht das PAUL zu dem, was man von die­sem Film erwar­ten möch­te?

Die Zusam­men­ar­beit mit Regis­seur Edgar Wright hat Pegg und Frost schwin­del­erre­gend schnell auf­stei­gen las­sen. Die in Deutsch­land kaum bekann­te Fern­seh­se­rie SPACED und der aus die­ser Arbeit resul­tie­ren­de Kino­film SHAUN OF THE DEAD waren ein schrei­end komi­sches Pan­op­ti­kum für alle Fan­boys und ‑girls, aber geris­sen genug, auch den unvor­ein­ge­nom­me­nen Zuschau­er bes­tens unter­hal­ten zu kön­nen. Serie wie Film strotz­ten den­noch der­art von Insi­der­wis­sen und Zita­ten, dass selbst dem auf­merk­sams­ten Nerd schwin­de­lig wer­den muss­te. Nicht ganz in die­ser Liga, aber immer noch extrem über­ra­schend, tur­bu­lent und wohl durch­dacht konn­ten die Part­ner Pegg und Frost unter Wrights Regie in HOT FUZZ erneut das Publi­kum begeis­tern.

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Was haben Kirk und Spock mit TRON: LEGACY zu tun?

Es han­delt sich hier­bei lei­der – oder dem Him­mel sei Dank – um einen April­scherz!

Details dazu und Quel­len­an­ga­ben zu den Bild­zi­ta­ten fin­det man in einem eige­nen Arti­kel.

Was heut­zu­ta­ge mit­tels com­pu­ter­ge­ne­rier­ten Bil­dern alles so mög­lich ist, zeigt nicht nur James Came­rons AVATAR in beein­dru­cken­der Wei­se, auch TRON: LEGACY eröff­ne­te eine neue Dimen­si­on der geren­der­ten Rea­li­tät. Ins­be­son­de­re fast schon erschre­ckend waren die Sequen­zen mit dem nach Jeff Brid­ges gestal­te­ten Pro­gramm CLU oder sei­nem jün­ge­ren Alter Ego. Die Tech­nik ist inzwi­schen offen­sicht­lich so weit, dass sie es ermög­licht, Dar­stel­ler in Fil­me ein­zu­bau­en, die nicht mehr oder nicht in der »benö­tig­ten« Form zur Ver­fü­gung ste­hen.

Bei Para­mount denkt man der­zeit offen­bar inten­siv dar­über nach, ob man sich die­se Tech­nik zunut­ze machen kann, um STAR TREK in einer Form wie­der auf­er­ste­hen zu las­sen, wie man sie offi­zi­ell zuletzt in den 1960ern sah: TOS, in Deutsch­land eher bekannt als RAUMSCHIFF ENTERPRISE.

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DER PLAN – hätte einen selbigen benötigt

Kinoplakat DER PLAN- ohne Spoi­ler geht nichts -

Zwei sich unbe­kann­te Men­schen tref­fen das ers­te Mal auf­ein­an­der. Die­ses Auf­ein­an­der­tref­fen wirkt auf den viel­ver­spre­chen­den Poli­ti­ker David Nor­ris der­art inspi­rie­rend, dass er noch am sel­ben Abend von sei­nem Script abweicht und impro­vi­sie­rend die Rede sei­nes Lebens hält. Als jüngs­ter Anwär­ter auf einen Sena­to­ren-Platz sichert ihm die­se Rede schon jetzt die Wahl, die noch ein paar Jah­re vor­aus liegt.

Das eine wäre ein Dia­log, das ande­re eine Rede, die bei­de so geschlif­fen, durch­dacht und per­fekt im Dreh­buch geschrie­ben sein müss­ten, dass der Zuschau­er die Aus­gangs­si­tua­ti­on die­ses Films wirk­lich nach­emp­fin­den kann. Weder Dia­log noch Rede sind in Phil­ip K. Dicks Kurz­ge­schich­ten­vor­la­ge beschrie­ben, es gibt kei­nen Poli­ti­ker, kei­ne geheim­nis­vol­le Frau, und Dicks Haupt­cha­rak­ter Ed Flet­cher hat nicht das Gerings­te mit David Nor­ris aus dem Film gemein.

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AIDAN 5: zwischen SF, Film Noir und Bleistiften – ein Interview mit Ben Bays

AIDAN 5

»Haupt­säch­lich glau­be ich, dass die Unter­hal­tung immer noch genau so funk­tio­niert wie vor hun­dert Jah­ren: die Zuschau­er wol­len eine tol­le Geschich­te gut erzählt bekom­men. Solan­ge sich die Erde wei­ter dreht wer­den Leu­te wie ich ein­schal­ten, um sich die­se gut erzähl­ten Geschich­ten anzu­se­hen und dabei ist es egal, über wel­che Platt­form sie gelie­fert wer­den. Das Web hat es nur viel ein­fa­cher  gemacht, sich ins Spiel zu brin­gen.«

Vor Kur­zem stol­per­te ich irgend­wo in den Wei­ten des WWW über etwas, das sich AIDAN 5 nennt. Es han­delt sich dabei um eine Web­se­rie, wie sie der­zeit immer öfter im Netz auf­tau­chen. Das Beson­de­re an die­ser: sie basiert auf einem gleich­na­mi­gen Kurz­film, der einen Wett­be­werb gewann, und die Sze­ne­ri­en in denen ech­te Schau­spie­ler agie­ren sind mit dem Blei­stift gezeich­net. AIDAN 5 ist wasch­ech­te Sci­ence Fic­tion, erin­nert aber an Film Noir.

Die­se Kom­bi­na­ti­on ist natür­lich was für mich alten SF-Fan, der auch von Ham­mett und Chand­ler immer sehr ange­tan war, und des­we­gen habe ich eine Mail mit Inter­view-Fra­gen in die USA gejagt. Das Ergeb­nis fin­det sich in die­sem Arti­kel.

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AIDAN 5: Between SF, Film Noir And Pencils – An Interview With Ben Bays

AIDAN 5

»But ulti­mate­ly I think that enter­tain­ment is still the same as it was 100 years ago: audi­en­ces want to hear a good sto­ry told well. And as long as the Earth keeps spin­ning, peop­le like me will tune in to watch tho­se well-told sto­ries regard­less of what deli­very plat­form they arri­ve on. The web just made it con­ve­ni­ent for more peop­le to get in the game.«

A short time ago I ran across some­thing in the vast spaces of the WWW that is cal­led AIDAN 5, it is one of the web­se­ries that are pop­ping up all over the inter­net. What makes it spe­cial: it is based on a short­film of the same name that won a con­test – plus it is crea­ted as live action com­bi­ned with pen­cil-drawn sce­ne­ry. AIDAN 5 is pure sci­ence fic­tion but also has a healt­hy dose of film noir.

For me as an old fan of SF who also likes the clas­sic mas­ters of sus­pen­se and crime Ham­mett and Chand­ler this is qui­te some­thing and so it was only nor­mal to send a mail with a bunch of ques­ti­ons to the United Sta­tes. You will find the ans­wers in this arti­cle.

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Gebrauchsanleitung für TRON LEGACY

FilmplakatVor 25 Jah­ren brach­te Dis­ney einen Film in die Kinos, der zum dama­li­gen Zeit­punkt auf­grund der ver­wen­de­ten Tech­nik nur als »bahn­bre­chend« bezeich­net wer­den konn­te. Schau­spie­ler agier­ten fast voll­stän­dig vor Blue- oder Green­screen und wur­den in eine vom Com­pu­ter gene­rier­te Wun­der­welt ver­setzt, in das Inne­re eines Com­pu­ters, in dem Pro­gram­me wie Lebe­we­sen exis­tier­ten und agier­ten.

Die Rede ist selbst­ver­ständ­lich von TRON.

Jetzt, nur schlap­pe zwei­ein­halb Deka­den spä­ter, schuf Dis­ney eine Fort­set­zung namens TRON LEGACY; einer der Pro­du­zen­ten war der Regis­seur des ers­ten Teils Ste­ven Lis­ber­ger. »Ernst­haf­te« Kri­ti­ker sind ent­setzt, Fans voll des Lobes. Falls ihn jemand noch nicht gese­hen haben soll­te, möch­te ich ein paar Hin­wei­se zur Nut­zung geben…
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CODE 46

DVD-Cover CODE 46 Ich hat­te nur die Inhalts­an­ga­be für den Film gele­sen und ihn dann auf die Leih­lis­te mei­nes Online-DVD-Ver­leihs gesetzt. Als der Film ein­traf, waren mei­ne Erwar­tun­gen nicht beson­ders hoch – und wur­den mil­lio­nen­fach über­trof­fen!

Nicht in fer­ner Zukunft, nein, in einer bedenk­lich nahen Zukunft spielt die Hand­lung. Anfäng­li­che Details tra­gen zur ers­ten Fas­zi­na­ti­on bei: in den Städ­ten herrscht inzwi­schen ein Misch­masch von Kul­tu­ren und Spra­chen, so dass trotz des Haupt­hand­lungs­or­tes Shang­hai lau­fend spa­ni­sche, fran­zö­si­sche, ita­lie­ni­sche und chi­ne­si­sche Flos­keln fal­len.

Doch die zu Mega­ci­ties aus­ge­bau­ten Städ­te beher­ber­gen nicht die gesam­te Mensch­heit. Die Gesell­schaft hat sich im Film zu einem zwei-Klas­sen-Sys­tem ent­wi­ckelt. Gut hat’s der, der »drin­nen« ist, also in der streng bewach­ten Stadt woh­nen darf. Rich­tig dre­ckig geht’s denen, die »drau­ßen« sein müs­sen. »Drau­ßen«, also um die Mega­ci­tys her­um, gibt es – durch eine Kli­ma­ka­ta­stro­phe aus­ge­löst – nur trost­lo­se Wüs­te. Dort vege­tie­ren alle unter­halb der Armuts­gren­ze vor sich hin. Es gibt kaum eine Chan­ce, in die siche­re Zone einer Stadt zu kom­men. Außer auf ille­ga­lem Weg…

Ohne ein gül­ti­ges »Papel« kommt man in kei­ne Stadt und darf auch kei­ne Stadt ver­las­sen. Hin­zu kommt, dass man nach Aus­lau­fen eines »Papel« nicht mehr ver­si­chert ist. Das heißt alles ist abge­si­chert durch irgend­ei­ne Form von Ver­si­che­rung diver­ser Mega-Kon­zer­ne, in denen man Arbeit fin­det (der Glo­ba­li­sie­rung sei Dank!). Gera­de die­ses Detail gibt eine zusätz­li­che Gän­se­haut, da eine solch extrem durch Rie­sen­kon­zer­ne »abge­si­cher­te« Zukunft durch­aus im Bereich des Mög­li­chen liegt(!).

SPOILERWARNUNG! Wer wich­ti­ge Details des Inhalts vor dem Betrach­ten des Films NICHT wis­sen möch­te, hört jetzt auf zu lesen! (Anm. d. Red.)

Szenenfoto CODE 46

Vor die­sem Hin­ter­grund kommt der ver­hei­ra­te­te Ver­si­che­rungs-Ermitt­ler Wil­liam (Tim Rob­bins) nach Shang­hai, um in einem Kon­zern namens »Sphinx« einem ille­ga­len Han­del mit Papels nach­zu­ge­hen. Durch einen ein­ge­impf­ten Virus ist er in der Lage, die Gedan­ken von Men­schen zu lesen. Dazu müs­sen die Befrag­ten etwas schein­bar Belang­lo­ses aus ihrem Leben erzäh­len, wodurch er die gehei­men Gedan­ken sei­nes Gegen­übers wie in einem offe­nen Buch lesen kann. So kommt er der Fäl­sche­rin Maria (Saman­tha Mor­ton) auf die Spur. Alles könn­te jetzt so ein­fach sein, wenn sich Wil­liam nicht in die fas­zi­nie­ren­de Frau ver­liebt hät­te. Er lässt sie lau­fen und einen ande­ren ankla­gen.

Damit beginnt das geord­ne­te Leben von Wil­liam aus den Fugen zu gera­ten. Maria und er ver­lie­ben sich. Um sich nicht der Gefahr aus­zu­set­zen, auf einem ungül­ti­gen Papel sit­zen zu blei­ben, muss Wil­liam den von sei­nem Arbeit­ge­ber gebuch­ten Rück­flug nach Seat­tle neh­men. Wenig spä­ter wird er gebe­ten, nach Shang­hai zurück­zu­keh­ren, da wie­der fal­sche Papels im Umlauf sind. Und zwar genau dort, wo Wil­liam ermit­telt hat­te. Er ver­sucht sich zu wei­gern, doch er muss gehor­chen.

In Shang­hai ange­kom­men stellt er fest, dass Maria weder am Arbeits­platz in der zu ermit­teln­den Fir­ma »Sphinx« noch in ihrer Woh­nung auf­zu­fin­den ist. Statt­des­sen befin­det sie sich in einer Kli­nik außer­halb der Stadt wegen »kör­per­li­cher« Pro­ble­me – so die offi­zi­el­le Aus­sa­ge.

Wil­liam fin­det her­aus, dass Maria schwan­ger gewor­den ist und dadurch gegen den »Code 46« ver­sto­ßen habe. Laut die­sem Gesetz ist die Fort­pflan­zung zwi­schen Men­schen mit min­des­tens 25-pro­zen­ti­ger gene­ti­scher Über­ein­stim­mung nicht gestat­tet, eine Sicher­heits­maß­nah­me ange­sichts der Tat­sa­che, dass das Klo­nen sowie In-Vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on in die­ser Zukunft an der Tages­ord­nung sind.

Im Fall Mari­as wird also die Schwan­ger­schaft von höchs­ter Instanz aus abge­bro­chen und ihr Gedächt­nis an die Schwan­ger­schaft sowie an den Erzeu­ger ein­fach aus­ge­löscht. Aus die­sem Grund erkennt sie Wil­liam nicht, als er sie aus der Kli­nik holt. Es gelingt ihm, ihr durch eine pri­va­te Video­auf­zeich­nung glaub­haft zu machen, dass sie sich bereits ken­nen und ihr Gedächt­nis mani­pu­liert wur­de. Er schnei­det ihr etwas vom Haar ab und lässt es in einer Apo­the­ke mit sei­nem Erg­but ver­glei­chen. Dabei stellt sich her­aus, dass die Gene Mari­as zu 100% mit denen der Mut­ter Wil­liams über­ein­stim­men! Er selbst ist durch eine In-Vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on gezeugt wor­den. Der Zufall will es also, dass Wil­liam »qua­si« mit sei­ner Mut­ter geschla­fen hat … Maria ver­liebt sich wie­der in Wil­liam – trotz eines Virus, den man ihr in der Kli­nik geimpft hat und der ver­hin­dern soll, sich noch­mals dem Erzeu­ger ihres unge­bo­re­nen Kin­des zu nähern. Die bei­den flie­hen mit einem gefälsch­ten Papel in eine ande­re Stadt. Doch der Kon­zern, für den Wil­liam arbei­tet, bleibt ihnen auf den Fer­sen…

Szenenfoto CODE 46

Die Hand­lung ver­quickt auf span­nen­de Wei­se ver­schie­de­ne Ebe­nen mit­ein­an­der. Im Mit­tel­punkt steht die fes­seln­de Geschich­te zwei­er Lie­ben­der. Den Hin­ter­grund bil­det eine Gesell­schaft mit über­stei­ger­tem gene­ti­schem Sicher­heits­wahn, die vor den Toren ihrer Städ­te die Mensch­heit »zwei­ter Klas­se« gna­den­los der gefähr­lich hohen UV-Belas­tung aus­setzt und ver­kom­men lässt.

Hin­zu kommt die genia­le Anspie­lung auf das Ödi­pus-The­ma. Nicht nur, dass Wil­liam im Grun­de mit sei­ner »Mut­ter« schläft und der alles ver­schlin­gen­de Mega-Kon­zern in dem Maria arbei­tet »Sphinx« heißt. Am Ende des Films wird Wil­liam neben sei­nen Erin­ne­run­gen an Maria auch der »Empa­thie-Virus« ent­zo­gen. wodurch er sei­ne Hell­sich­tig­keit ver­liert, also sozu­sa­gen »blind« wird … ähn­lich wie Ödi­pus, der schluss­end­lich sein Augen­licht ver­liert.

Zusätz­lich wirkt in dem Film alles unglaub­lich »echt«: kei­ne uto­pisch anmu­ten­den Wol­ken­krat­zer, kei­ne kun­ter­bun­ten Raum­an­zü­ge oder selt­sa­men Mode­er­schei­nun­gen. Alles wirkt fast so wie in der Gegen­wart. Aber eben nur fast. So auch die Men­schen. Vor allem Saman­tha Mor­ton in ihrer Rol­le als Maria kommt sehr rea­lis­tisch rüber und schafft es nicht nur zu über­zeu­gen, son­dern auch zu fas­zi­nie­ren…

Szenenfoto CODE 46

Die­se Pro­duk­ti­on braucht den Ver­gleich mit Fil­men wie GATTACA nicht zu scheu­en – im Gegen­teil: ich fin­de, er über­trifft die­sen sogar! GATTACA wirkt unter­kühlt, durch­ge­styl­ter und fern unse­rer Rea­li­tät. CODE 46 dage­gen ver­mag es nicht nur, den Zuschau­er emo­tio­nal »hin­ein­zu­zie­hen«, son­dern er ist ange­sichts des gegen­wär­ti­gen Wis­sens­stands wesent­lich bes­ser nach­voll­zieh­bar – was ihn umso beun­ru­hi­gen­der macht. Ich fin­de es daher trau­rig, dass der Zukunfts­vi­si­on von Micha­el Win­ter­bot­tom bis­her so wenig Beach­tung geschenkt wur­de.

Der Film ist kein Action-Rei­ßer, dafür unheim­li­cher und sub­ti­ler als es jede Action in solch einem Fall sein könn­te. Glaubt mir: die­se Sci­ence Fic­tion geht unter die Haut!

CODE 46
Sci­ence-Fic­tion-Dra­ma
mit Tim Rob­bins, Saman­tha Mor­ton, Om Puri, Jean­ne Bali­bar, Togo Iga­wa, Essie Davis, Nina Fog, Bru­no Las­tra, Emil Mar­wa, Taro Sher­aba­ya­ni, Chris­to­pher Simp­son, Bene­dict Wong, Nina Sosanya, David Fahm, Shel­ley King, Nabil Mas­sad.
Regie: Micha­el Win­ter­bot­tom
Buch: Frank Cott­rell Boy­ce
Kame­ra: Alwin H. Kuch­ler, Mar­cel Zys­kind
Musik: Joshua Hyams, Ste­ve Hil­ton und David Hol­mes, Mark Revel
Pro­du­zent: Andrew Eaton
Groß­bri­tan­ni­en 2003
United Artists

Bild­nach­weis: Pro­mo­fo­tos Copy­right United Artists 2003

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THE WALKING DEAD: TS-19 – obduziert und gespoilert

Ricks Pferd Als sich in der vor­an­ge­gan­ge­nen Epi­so­de die Tore des Cen­ter for Disea­se Con­trol öff­ne­ten, hüll­ten sie unse­re Hel­den in das glei­ßen­de Licht der Hoff­nung. Wenn die sozia­len Struk­tu­ren aus­ein­an­der­bre­chen, dann bleibt als letz­te Bas­ti­on der Nor­ma­li­tät eine staat­li­che Ein­rich­tung. Dok­tor Jen­ner als engels­glei­che Figur, der weiß gewan­det den Bedürf­ti­gen Ein­lass gewährt. Natür­lich stirbt die Hoff­nung zuletzt, und sie erhebt sich immer und immer wie­der, wenn man ihr nicht das Hirn raus­bläst.

Und die Tücken des Fort­schritts set­zen der Hoff­nung immer und immer wie­der zu. Wenn es kei­ne Gesell­schaft mehr gibt, wel­che die sel­bi­ge auf­recht erhält, dann ist die­ser Fort­schritt wie einer der wan­deln­den Toten, die rast­los getrie­ben wer­den, aber am Ende doch ein­fach ver­we­sen und zer­fal­len. Wenn sich die Toten erhe­ben, bleibt der best­mög­li­che Ansatz auf Hil­fe ganz sicher beim CDC. Er sei sehr dank­bar, sagt Rick zu Jen­ner, dass die­ser der klei­nen Grup­pe Ein­lass gewäh­re. »Der Tag wird kom­men, an dem Sie es nicht mehr sind«, ent­geg­net Jen­ner.

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THE WALKING DEAD: WILDFIRE – ausgeschlachtet und gespoilert

Szenenfoto WILDFIRE Depu­ty-She­riff Rick Gri­mes ist ver­zwei­felt. Als ein­zig ver­nünf­ti­ge Instanz im Land von Blut und Tod konn­te er ein Mas­sa­ker im Camp nicht ver­hin­dern. Ein Ver­biss, der am Ende mehr Opfer for­dern wird, als es anfangs den Anschein hat. Zu allem Über­fluss kann er auch Mor­gan und sei­nen Sohn nicht errei­chen, jene Men­schen, die ihm im Pilot­film das Leben geret­tet haben. Aus­ge­macht war ein ste­ter Kon­takt über Funk­ge­rät, aber Mor­gan ant­wor­tet nicht. Rick befürch­tet, dass die von ihm ange­funk­ten Vater und Sohn bereits auf den Weg nach Atlan­ta sind. Nicht nur als Poli­zist, son­dern auch als Freund muss er Mor­gan davor war­nen, dass die Stadt über­rannt wur­de und nicht sicher ist. Die Ver­zweif­lung misst sich nicht allein dar­in, nicht hel­fen zu kön­nen, son­dern vor allem dar­in, in abso­lu­ter Unsi­cher­heit zu blei­ben. Es ist eben kei­ne Welt mehr, die mit Text-Nach­rich­ten oder einem Anruf beim freund­li­chen Nach­barn gere­gelt wer­den kann. Allein mit einem Funk­ge­rät in der Hand spielt Andrew Lin­coln die Sze­ne per­fekt aus. Er defi­niert sich damit nicht nur als Herz­stück der Serie, son­dern beweist erneut, dass er sie auch zu tra­gen ver­steht.

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