Einhörner. Wenn ich dieses Wort lese, marschieren sofort ganze Kohorten von Klischees durch meinen Geist und nicht viele davon gehören zu Literatur, die ich würde lesen wollen. Ich kann mich daran erinnern, ich glaube, es war auf Piers Anthonys Welt Xanth, dass ich mal einem begegnet bin, das mich zum Grinsen brachte. Das war damals, wenn ich mich korrekt erinnere, deswegen, weil es auf die Jungfrau mit der man es ködern wollte, nicht ansprang. Es war nämlich schwul.
Und dann kam Ju Honisch und erzählte, dass sie für Heyne einen Einhorn-Roman schreiben soll. An der Stelle hatte ich schon die Befürchtung, dass ich den irgendwann würde rezensieren sollen. Obwohl Einhörner nun eben – wie gerade ausgebreitet – nicht so zu meinen bevorzugten Themen zählen. Und meine Kristallkugel hatte recht. Aber da ich Ju schon recht lange kenne und schätze, sagte ich nicht nein. Ich weise gleich zu Anfang darauf hin, bevor noch jemand das »Gefälligkeitsrezension«-Fass aufmacht.
In TOY STORY war es dem Menschen zur Freude gereichendes Spielzeug, welches sich in einer unwirklichen Welt zu behaupten versteht. Oder MONSTERS INC., wo die alte Tradition des Kinder Erschreckens aufgebrochen wird, und in einer alternativen Realität das Lachen der Kinder als neue Energiequelle gefunden wird. Die Truthähne Reggie und Jake haben eine ähnlich weltverändernde Mission. Obwohl es Reggie so gut haben könnte. Alljährlich wird dem Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Truthahn vorgesetzt, welcher vom Oberhaupt symbolisch begnadigt wird, um dann irgendwo ein Leben bis zum natürlichen Tode zu fristen. Dieses Mal hat es den Präsidenten auf eine Truthahn-Farm verschlagen, und vor laufenden Kameras entscheidet sich die Präsidententochter, gegen den Willen des Vaters, für Reggie. Des Schicksals seiner Gattung bewusst, genießt Reggie nur umso mehr das sorglose Leben auf Camp David, lernt Soap-Operas kennen und Lieferpizza zu lieben. Doch dann taucht da unerwartet Jake auf, der von einer Zeitmaschine redet, und scheinbar nicht ganz sauber im Oberstübchen zu sein scheint.
Bereits sechs Mal hat man sich der Geschichte um die 47 ehemaligen Samurai filmisch bedient. Ein japanisches Bildnis für Ehre, Treue und Tapferkeit, welches zum Kulturgut zählt. Dass eine Hollywood-Version bisher ausgeblieben war, ist eigentlich erstaunlich. Doch nun darf man bewundern, wie man sich dem Stoff aus amerikanischer Sicht annähert, und das gab fast nur böses Blut. Eingebildet nannten einige Kritiken den Film, weil er nicht auf seine japanischen Darsteller vertraute, sondern unbedingt Keanu Reeves in die Geschichte pressen musste. Ein Schlag ins Gesicht japanischer Mythologien, beschworen andere herauf, weil man mit einem amerikanischen Darsteller als Helden, die eigentlichen Ereignisse verdrehen würde, und ihnen so ihre Bedeutung berauben würde. Das schlimmste Vorurteil allerdings war, man wolle 47 RONIN als typischen Hollywood-Märchen verramschen. Man kann diesen Argumenten ohne weiteres Recht geben, und diese subjektiv untermauern. Aber damit entfernt man sich sehr weit vom Film selbst, und seinen Intentionen.
PARANORMAL ACTIVITY – THE MARKED ONES – Bundesstart 03.01.2014
Irgendwie kommt man dennoch nicht daran vorbei. Dann setzt man sich wieder 80 Minuten lang verwackelten Bildern aus, die Spannung und Realismus vermitteln sollen. Mittlerweile ist es das verhassteste Sub-Genre im Kino, der sogenannte Found-Footage-Thriller. Gerade die PARANORMAL-ACTIVITY-Reihe zeichnete sich erfreulich gruselig dadurch aus, das die Filme mit sehr langen und stehenden, oder ruhig bewegten Einstellungen funktionierten. Christopher Landon war als Produzent bei Nummer 3 und 4, und verfasste das Drehbuch zu 2 bis 4. Es hört sich nach einer interessanten Prämisse an, aus dem bisherigen Verlauf der Geschichte auszubrechen, und in eine neue Umgebung einzubetten. Christopher Landon schrieb sich also sein Regie-Debut innerhalb der Serie selbst, und inszenierte in seinen Worten ein Spin-Off, einen Ableger.
Hundert Minuten einem einzigen Schauspieler dabei zu zusehen, wie er in stoischer Ruhe allen Widrigkeiten trotzt, sich mit Stürmen anlegt, und aus kaum einer Habe eine Überlebensstrategie entwickelt, dazu kann man dem Publikum nicht jeden Schauspieler zumuten. Für sein ambitioniertes Werk hat J.C. ChandorRobert Redford gewinnen können. Und Robert Redford muss einfach nur da sein, und hat den Zuschauer schon auf seiner Seite. Das Riskante an ALL IS LOST, ist die Abwesenheit von Emotion. Einmal, ja einmal, scheint “unser Mann”, wie er im Abspann genannt wird, die Nerven zu verlieren. Doch genauso schnell hat sich der Schiffbrüchige auch wieder gefangen, und wird weiter mit abgeklärtem Gesicht sein Überleben in die Hand nehmen. Es ist ein Schiffscontainer, der mitten auf dem Indischen Ozean ein Loch in die Segelyacht Virginia Jean schlägt. Ein Unfall, der eine Kette immer schlimmer werdender Unannehmlichkeiten nach sich zieht, die durchaus mit dem einsamen und tragischen Todes unseres Mannes enden könnte. Um so tragischer, weil der unbenannte Skipper auf jedes sich auftuende Problem auch eine Lösung findet. Je knapper die Ressourcen werden, desto erfindungsreicher wird er. Dadurch trotzt er dem sicheren Tod erstaunliche viele Tage ab, nur um am Ende zu erkennen, dass die von ihm unmenschlich anmutenden Anstrengungen umsonst gewesen sein könnten.
HERBSTSPLITTER – bereits der Titel läßt Böses erahnen, denn was soll man sich unter einer zertrümmerten Jahreszeit vorstellen? Gewiß, er klingt romantisch, und tatsächlich spielt der größte Teil der Handlung auch in jenen Monaten, in denen welke Blätter von den Bäumen fallen. Was es jedoch mit den »Splittern« auf sich hat, bleibt im Dunkeln. Wie so manch anderes auch.
Meine eigentliche Rezension ist recht ausführlich geraten, widmet sich den einzelnen Mängeln, die mir aufgefallen sind, und ergeht sich bisweilen auch in Sarkasmus. Da man natürlich nicht erwarten kann, daß sich jeder die 25 Seiten vorknöpft (bei einfachem Zeilenabstand und einer Schriftgröße von Zwölf), habe ich an dieser Stelle eine Kurzversion verfaßt.
(Die Langversion der Besprechung findet sich am Ende des Artikels zum Herunterladen als PDF und ePub, Anm. d. Red.)
THE SECRET LIFE OF WALTER MITTY – Bundesstart 01.01.2014
Gerade einmal zwei Seiten kurz ist James Thurbers Geschichte um den Tagträumer Walter Mitty, die 1939 im New Yorker erschien. Und Thurber war alles andere als erfreut über das, was acht Jahre später als Verfilmung auf den Markt kam. Seine eher düstere Geschichte wurde zu einer beschwingten Hollywood-Komödie. James Thurber hätte sicherlich auch keinen Gefallen daran gefunden, was Steve Conrad unter dem Titel THE SECRET LIFE OF WALTER MITTY als Drehbuch verfasst hat. Ähnlich der Verfilmung von 1947 sind lediglich der Titel und Charaktername geblieben. Und natürlich die Tagträume. Der schüchterne und introvertierte Junggeselle, der sich die Abenteuer seines Lebens erträumen muss, und wegen seiner ständig abwesenden Art noch weniger ernst genommen wird. Sieht man sich den gewaltigen Leidensweg dieser Verfilmung an, bei der über lange Jahre viele verschiedene Darsteller in die engere Wahl fielen, sich mindestens fünf Regisseure für das Projekt interessierten, und Drehbücher etliche Male umgeschrieben wurden, hätte jeweils ein ganz anderer Film entstehen können. Zum Glück ist es dann so gekommen, wie das Endresultat nun aussieht und erzählt wird.
Wenn die BBC eine Dokumentation in Auftrag gibt, dann hat diese sich meist schon in dutzende Länder verkauft, bevor auch nur ein Meter gedreht wurde. Und das aus gutem Grund. Bestes Beispiel ist die Serie WALKING WITH DINOSAURS, die in real gefilmte Landschaften computergenerierte Dinosaurier setzte und meist die Geschichte eines Urzeit-Giganten erzählte. Das Konzept ist geblieben, nur die Technik hat einen gigantischen Schritt nach vorne getan. Die animierten Dinosaurier könnten nicht realer aussehen und 3D gibt dem Ganzen eine visuelle Komponente, die tatsächlich noch zu überraschen versteht. In einer sehr dünnen, aber auch sehr kurzen Rahmenhandlung, versucht ein Paläontologen-Onkel seine Nichte und den Neffen am Ausgraben von Knochen zu begeistern. Sie ist begeistert, nur er ist im pubertierenden Alter, zickt also entsprechend herum. Kommt ein sprechender Rabe aus dem Wald geflogen, und beginnt eine Geschichte über dieses Tal zu erzählen, die Millionen von Jahren zurückliegt.
Der Betreiber von PhantaNews hat mich netterweise wieder mal auf seine Seite losgelassen, damit ich kund und zu wissen geben kann, dass es ein neues Buch von mir gibt: SCHWINGEN AUS STEIN. Doch hier schreibe ich erst einmal über etwas anderes:
Wölfe, Werwölfe und Schwingen aus Stein – Begegnungen im Wilden Wald
In der Sechsten Tafel des Gilgamesch-Epos lesen wir:
Da du den Hirten, den Hüter liebtest,
Der ständig dir Aschenkuchen geschichtet,
Täglich dir Zicklein geschlachtet hatte,
Hast du ihn geschlagen, in einen Wolf verwandelt:
Die eigenen Hirtenknaben verjagen ihn nun,
Und seine Hunde beißen ihn in die Schenkel.
Dies ist die allererste schriftliche Erwähnung eines Menschen, der in einen Wolf verwandelt wird.
Nach seinem Leben mit Drogenexzessen und bewaffneten Raubüberfällen, und Gefängnisaufenthalten von zusammen elf Jahren, kam der resozialisierte Danny Trejo nur durch Zufall zum Film, als er einen Bekannten am Set von RUNAWAY TRAIN besuchte. Sein mehr als markantes Gesicht ließ Regisseur Andrey Konchalovsky gar keine andere Wahl, als Trejo vom Fleck weg für eine Rolle zu besetzen. Seitdem ist Danny Trejo einer der umtriebigsten Akteure Hollywoods. Allein für 2014 sind 13 Filme mit ihm angekündigt. Doch selten wurde ihm die Hauptrolle zuteil. Das änderte sich mit einem Fake-Trailer für das GRINDHOUSE-Double-Feature. Freunde von Regisseur Robert Rodriguez und Trash-Liebhaber aus aller Welt wollten die ganze Geschichte des Machete schwingenden mexikanischen Bundespolizisten sehen, der hintergangen wird, und zu einem blutigen Rachefeldzug aufbricht. Und was der als Witz gedachte Trailer versprach, konnte Robert Rodriguez mit dem Langfilm halten. Ein krachendes Trash-Spektakel, das anstelle von Logik, auf guten Splatter setzte, und mit übersteigerter Action überzeugte. Nur etwa 45 Millionen Dollar spielte MACHETE weltweit ein, weil der Film wirklich ein sehr spezielles Publikum ansprach. Doch bei 10 Millionen Dollar Produktionskosten hatte sich Robert Rodriguez nicht verrechnet. Viel besser wird auch die Fortsetzung MACHETE KILLS nicht laufen, aber er liefert erneut, und dies einen Gang höher geschaltet.
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