Cory Doctorow – LITTLE BROTHER

Cover Little Brother

Eine neue Rezen­si­on im Arti­kel­por­tal:

Ich lese ja gern und viel und gebe das offen zu. Es kann auch mal vor­kom­men, dass ein Roman so gut/spannend/unbeschreiblich ist, dass ich ihn in kur­zer Zeit lese und dar­über ande­re Din­ge ver­nach­läs­si­ge. Den­noch habe ich in den letz­ten Jah­ren fest­ge­stellt, dass mir das immer sel­te­ner pas­siert – auch Bücher, die mich wirk­lich fes­seln, tun das lan­ge nicht mehr in dem Umfang wie frü­her. Das ist auch kein Wun­der, je mehr das Gehirn schon auf­ge­nom­men hat, je mehr man schon gele­sen hat, des­to schwie­ri­ger wird es zum einen über­rascht zu wer­den und zum ande­ren kennt man halt der­ma­ßen vie­le Wer­ke und Ideen, dass wirk­li­che Neue­run­gen aus­blei­ben.

Cory Doc­to­rows LITTLE BROTHER hat mich von den ers­ten Buch­sta­ben an völ­lig weg­ge­hau­en und ich habe mich in einer Geschwin­dig­keit durch die­sen Roman gefräst, der mich selbst in der Nach­schau völ­lig über­rascht, denn ich hät­te nicht mehr für mög­lich gehal­ten, dass mich ein Roman noch­mal der­art fas­zi­nie­ren kann, dass ich ihn in einem Rutsch in Null­zeit durch­le­se, dass es mir wirk­lich schwer fällt, ihn mal weg­zu­le­gen und dass ich dann jede Gele­gen­heit nut­ze, ihn sofort wie­der in die Hand zu neh­men, um wei­ter zu lesen.

Dabei wird in LITTLE BROTHER kein Gen­re neu erfun­den, weder die SF noch der Thril­ler oder das Jugend­buch. Den­noch ist der Roman außer­ge­wöhn­lich: außer­ge­wöhn­lich kurz­wei­lig, außer­ge­wöhn­lich rea­lis­tisch und außer­ge­wöhn­lich echt, was Situa­tio­nen und Cha­rak­te­re angeht. Ein wasch­ech­ter Sci­ence Fic­tion-Roman, der im Heu­te spielt und mit heu­ti­gen Tech­no­lo­gien arbei­tet. Für wenig Tech­ni­kaf­fi­ne dürf­te der Roman unter­halt­sa­me Fik­ti­on sein, wer sich aus­kennt weiß, dass alles was in die­sem Buch beschrie­ben wird heu­te bereits mach­bar ist – und gemacht wird. Wenn das beim unbe­darf­ten Leser eine gewis­se Para­noia aus­löst: gut so!

Wei­ter­le­sen

Don Murphy kauft Rechte an LITTLE BROTHER

Cory Doctorow

Wir haben bereits eini­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Fil­me gese­hen, die sich mit ver­schie­dens­ten Arten der Bekämp­fung von Ter­ro­ris­ten beschäf­ti­gen. Dazu gesellt sich nun eine neue, etwas unge­wöhn­li­che­re Facet­te:

Pro­du­zent Don Mur­phy hat sich die Rech­te zu Cory Doc­to­rows Roman LITTLE BROTHER gesi­chert; Mur­phy ist bekannt durch Pro­duk­tio­nen wie NATURAL BORN KILLERS, FROM HELL, LEAGUE OF EXTRORDINARY GENTLEMEN oder die bei­den TRANS­FOR­MERS-Strei­fen.

Der Titel des Romans von Blog­ger, Netz­ak­ti­vist und SF-Autor Cory Doc­to­row lehnt sich selbst­ver­ständ­lich an Orwells »Big Bro­ther« aus 1984 an. Doc­to­row ver­öf­fent­lich­te die Erzäh­lung auf sei­nem Blog als eBook zum frei­en und kos­ten­lo­sen Down­load (in zahl­lo­sen For­ma­ten) unter einer Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz; das eBook war so erfolg­reich, dass es inzwi­schen auch in Print-Aus­ga­ben publi­ziert wur­de.

In LITTLE BROTHER wer­den die Aben­teu­er eines High­school-Absol­ven­ten kurz vor dem Abschluss ver­folgt: nach­dem Ter­ro­ris­ten die San Fran­cis­co Bay Brü­cke gesprengt haben, gerät er in die Fän­ge der Home­land Secu­ri­ty und deren semi­le­ga­ler Machen­schaf­ten. Er und sei­ne Freun­de wer­den befragt und gefol­tert wur­den, dann ent­lässt man ihn in ein San Fran­cis­co, das unter voll­stän­di­ger Über­wa­chung durch das Depart­ment of Home­land Secu­ri­ty steht und in dem die Bür­ger­rech­te wei­test­ge­hend beschnit­ten wur­den. Der Tee­an­ger sagt dem DHS den Kampf an und star­tet eine Inter­net-basier­te Rebel­li­on, um sei­ne Freun­de zu ret­ten und die Stadt zu befrei­en.

Wird Zeit, dass ich das end­lich lese: soeben her­un­ter­ge­la­den und auf den eRea­der kopiert… Wer den Roman lie­ber in klas­si­scher papier­ner Form hät­te, bekommt ihn in deutsch (für 14,95 Euro aller­dings völ­lig über­teu­ert) und eng­lisch bei Ama­zon.

Bild: Cory Doc­to­row, aus sei­nem Blog, von Joi Ito, Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on 3.0