Die coolsten Sonnenbrillen sind zurück. Und man fragt sich, ob es den beliebten Leinwandhelden dabei ähnlich aufs Gemüt schlägt, die Welt ständig so leicht unterbelichtet erfahren zu müssen. Ob mit Polarisations- oder Shutterbrillen, der erlebt Zuschauer diese ins Herz geschlossene Welt von skurrilen Außerirdischen und abgebrühten Geheimagenten einfach nicht in der Brillanz, die Bo Welch als Bildgestalter beabsichtigt hatte. Wie viel Lichtstärke die Projektion im 3‑D-Prozess tatsächlich verliert, darüber streiten sich die Geister, weil es schließlich interessenabhängig ist. Bloße Zahlen sind allerdings auch unbedeutend, denn wie bei allen anderen 3‑D-Filmen ist es auch bei MEN IN BLACK 3 störend und auffallend zu viel.
Mythengestalten und Märchenfiguren. Von fünfzehn Langfilmen dominierte Johnny Depp mehr als die Hälfte der Werke von Tim Burton. Bittersüße Fantasy-Spektakel und abgründige Charakter-Beschreibungen zugleich, opulente Bilderfluten und raffinierte Handlungskonstrukte in einem. Ob Edward, Ichabod Crane, Willy Wonka oder der verrückte Hutmacher. Johnny Depp ist diese Figur. Immer wieder erklärte das Acht-Mal-Duo die gemeinsame Liebe zum jeweiligen Projekt, zu den Geschichten, aber vor allen zu den Charakteren. Die schauspielerischen Leistungen von Johnny Depp kann man in manchen Filmen lediglich auf sein Aussehen herunterbrechen, in anderen überzeugt er mit all seinem Können. Aber Johnny Depp ist am besten, am sonderbarsten, am wandlungsfähigsten, wenn er mit Tim Burton arbeitet. Da kann er noch so viel Pirat sein oder von Hunter S. Thompson mit Geschichten versorgt werden. Und als blutsaugende Ikone Barnabas Collins ist es nicht anders. Entweder hat Tim Burton eine außerordentlich präzise Vorstellung von seiner Regie oder er lässt Depp einfach von der Leine. Auf alle Fälle stimmt hier die Chemie, welche die jeweiligen Filme durch die Regie-Schauspiel-Komposition prägt.
Am Anfang erzählt die böse Königin, dass dies ihre Geschichte wäre und nicht die von Schneewittchen. Am Ende muss sie in ihrer lakonisch trockenen Art zugeben, dass es jetzt doch die Geschichte von Schneewittchen geworden ist. Ja, wird da der Zuschauer mit einstimmen, leider. MIRROR MIRROR ist ein Film mit Julia Roberts, und es ist ein Film, der auf Julia Roberts zugeschnitten ist. Sie ist nicht nur der perfekte Werbeträger, sondern prägt das märchenhafte Abenteuer. Wer nicht wegen der Neuinterpretation eines Märchenklassikers ins Kino geht, der kommt, weil er Julia Roberts als böse Königin sehen will. Und dafür wird er belohnt.
Seit ERIN BROCKOVICH hat man sie nicht mehr so losgelöst, erfrischend offen und mit so viel spürbarer Freude am Spiel erlebt. Pech nur, das es am Ende dann doch die Geschichte von Schneewittchen geworden ist. Von seiner unstrukturierten Erzählform abgesehen, ist nämlich Roberts´ übermächtige Präsenz dafür verantwortlich, das MIRROR MIRROR innerhalb seiner eigentlichen Möglichkeiten nur schlecht funktioniert. Lily Collins mag als Schneewittchen eine süße Erscheinung sein, vielleicht liegt auch etwas Talent in ihrem Spiel, aber neben einer losgelassenen Julia Roberts verkümmert Collins zu einer unscheinbaren Statistin.
»Jetzt tanzen alle Puppen
macht auf der Bühne Licht,
macht Musik bis der Schuppen
wackelt und zusammenbricht.«
Gary und Walter sind Brüder. Sie teilen alles, machen alles gemeinsam und verstehen sich prima. Ihr Leben scheint perfekt, bis Walter die alte Fernsehserie THE MUPPET SHOW für sich entdeckt. Aus der anfänglichen Begeisterung für den Frosch Kermit und seine Gesellen wird eine manische Leidenschaft. Der aus Fleisch und Blut bestehende Gary steht seinem Bruder Walter bei. Doch was bindet Walter so fanatisch an diese längst vergangene Zeit und ihre schrillen Figuren? Ist es nur deshalb, weil Walter selbst irgendwie nach Filz und Schaumstoff aussieht?
Nach 90 Minuten Leidenschaft, Lacher und Liedern bleibt die Frage offen, ob dies nun ein lautstarkes Comeback gewesen sein soll oder ein grandioses Abschiedsfest. Sehr freundlich wurde Darsteller Jason Segels Anliegen, die Muppets wieder ordentlich auf die große Leinwand zu bringen, nicht aufgenommen. Viele Kontroversen wegen verschiedener Drehbuchentwürfe mussten überwunden werden, und Entrüstungen über den Hintergrund der Handlung, die Muppets hätten ihre Popularität längst verloren, waren unvermeidlich. Doch wer die letzten mühseligen, oft unangenehmen Versuche sah, die Muppets filmisch weiterzubringen, der kann Jason Segels Hartnäckigkeit nur zu schätzen wissen. Seine persönliche Geschichte um die Wiedererweckung der anarchischen Horden spiegelt sich im Drehbuch wieder, mit Walters Bemühen, die Muppets für diesen einen, ganz großen Auftritt wieder zusammenzubringen.
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