Gerade gestern erst habe ich über EVE: FRONTIER berichtet, legen Fenris Creations (ehemals CCP Games, umbenannt im Mai 2026) heute nach: Die Carbon Engine, das technische Fundament hinter EVE ONLINE und EVE FRONTIER, ist ab sofort vollständig als Open Source auf GitHub verfügbar. Über zwei Dutzend Module, entwickelt und im Livebetrieb getestet und verbessert über mehr als 20 Jahre.
Carbon ist keine Engine, die für den Lizenzverkauf gebaut wurde. Sie entstand aus der Notwendigkeit heraus, ein einziges persistentes Universum am Laufen zu halten, in dem sich regelmäßig tausende Spieler°Innen gleichzeitig bekriegen. Die Physik-Komponente Destiny (ja, der Name ist in einem Gaming-Kontext etwas unglücklich ;) ) steckt hinter dem Guinness-Weltrekord für die größte Multiplayer-PvP-Schlacht mit 8.825 gleichzeitigen Teilnehmer°Innen. Trinity, die Grafikkomponente, ist für die Optik verantwortlich, die EVE ONLINE seit Jahren unverwechselbar macht. Dazu kommen Module für Netzwerk, Audio, UI, Scripting, Ressourcenverwaltung und Scheduling.
Wer sich jetzt fragt, warum ein Studio seine komplette Engine-Technologie verschenkt: Das dürfte direkt mit EVE FRONTIER zusammenhängen. Fenris positionieren das Spiel als offene, modbare Plattform, bei der Spieler°Innen serverseitig eigene Systeme bauen können. Eine offene Engine passt da ins Bild, weil sie Entwickler°Innen und Modder°Innen erlaubt, den Unterbau zu verstehen, auf dem sie arbeiten. Ben Hunter, Senior Development Director bei Fenris, formuliert das in der Pressemitteilung so: Man wolle die Grundlage sichtbar, verständlich und nutzbar machen, weil die nächste Generation persistenter Welten davon profitiere, wenn mehr Leute die Technologie darunter studieren, hinterfragen und darauf aufbauen können.
EVE ONLINE hat seit über 23 Jahren eine Community, die Third-Party-Tools, öffentliche APIs, Wirtschaftsanalysen und Allianz-Logistik um das Spiel herum aufgebaut hat. Mit Carbon als Open Source gilt das jetzt auch für das technische Fundament selbst. Ob das außerhalb des EVE-Ökosystems jemanden interessiert, wird sich zeigen. Eine Engine, die für genau einen sehr spezifischen Zweck optimiert wurde (persistente Welten im Großmaßstab), ist nicht unbedingt das, wonach Indie-Entwickler°Innen als erstes greifen. Aber für alle, die genau das bauen wollen, gibt es jetzt eine kostenlose, kampferprobte Option.
Die Repositories stehen unter github.com/carbonengine bereit. Die Lizenz ist MIT.
Quelle: Pressemitteilung Fenris Creations vom 1. Juli 2026


