Kommentar: Golden Globes? Jetzt ist die Zeit für Phantastik aus Deutschland!
Normalerweise würde ich hier etwas über die Golden Globes schreiben, dass sie eine Vorschau auf die Oscars sind, was man alles so üblicherweise jedes Jahr copy&pasted, bevor man zu den Sieger°Innen kommt. Aber tatsächlich habe ich gar keine Lust dazu. Nicht etwa, weil die Phantastik nicht vorkäme, einige Preisträger°Innen kommen aus den Genres.
Allerdings sehe ich mit Blick auf die politische Lage in den USA und aufgrund der Tatsache wie kackendreist Trump und seine Fascho-Regierung agiert und Völkerrechte einfach ignoriert, den Tag kommen, an dem man sich US-Produktionen nicht mehr guten Gewissens wird ansehen können. Denn auch Kinofilme und Fernsehserien aus den USA bringen Geld ins Land – und das bei Blockbustern nicht zu knapp. Und ich befürchte nun, dass es vielleicht bald nicht mehr vertretbar sein könnte, noch US-Produktionen zu schauen.
Ich bin, wie man auf dieser Seite unschwer erkennen kann, immer ein großer Freund von US-Unterhaltung gewesen, insbesondere im Bereich der Genres, über die ich hier auf PhantaNews schreibe, also beispielsweise SciFi, Fantasy, Mystery – Phantastik halt. Einer der Hauptgründe dafür war – und ist – natürlich, dass insbesondere Deutschland seit Dekaden nicht in der Lage ist auch nur halbwegs brauchbare Alternativen zu produzieren. Das höchste der Gefühle hierzulande sind nach wie vor mehr oder weniger dümmliche Komödien im Kino oder stinklangweiliger Tatort im Fernsehen, immer noch inszeniert wie zu Großvaters Zeiten.
Dabei weiß ich, dass es kreative Köpfe in diesem Land gib, die in der Lage sind, ansprechende, moderne, unpeinliche Produktionen zu schaffen (herausragendes Beispiel in letzter Zeit sicherlich Tommy Krappweis’ KOHLRABENSCHWARZ). Nur leider lassen die verantwortlichen alten, weißen Männer (alte, weiße Frauen sind mitgemeint) in den Sendern und Produktionsfirmen die nicht machen, oder reden ihnen so dermaßen rein, dass am Ende nur wieder Derselbe alte, langweilige Matsch dabei heraus komm, den man sich nicht ansehen kann, weil man vor cringe langsam im Sessel vor sich hin schrumpelt. Und wenn mal etwas Ansehnliches produziert wird, wie beispielsweise die brillante Produktion SPIDES (manchmal auch THE SPIDES, derzeit leider nur auf US-Streamingplattformen verfügbar), dann geht die sang- und klanglos unter, weil nicht beworben und nur auf okkulten Sendern zu sehen. Und im Indie-Genre-Bereich scheint es in Deutschland kein anderes Thema zu geben, als Splatter-Horror.
Erschwerend kommt hinzu, dass ein nicht geringer Teil der Schauspielerinnen in Deutschland leider nicht in der Lage ist, natürlich zu spielen und sie alle ständig komplett overacten. Das mag an der Ausbildung hierzulande liegen, die vermutlich immer noch die Bühne als das Maß aller Dinge sieht, auf Leinwand oder im TV sind allerdings deutlich nuanciertere und vor allem natürlichere Darstellungen gefragt. Wer auf US-Produktionen getrimmt ist wie ich, kann sich deutsche Produktionen in aller Regel nur ein paar Minuten ansehen, bevor man entnervt abschaltet, weil das alles so unnatürlich und unglaubwürdig ist. Bemerkenswert ist hier, dass die meisten jungen deutschen Schauspieler°Innen dieses Problem nicht haben, vermutlich sind die noch nicht durch Jahrzehnte an Regie verdorben, die Overacting einfordert.
Genau jetzt wäre die Gelegenheit, Mut zu zeigen und zu versuchen, der US-Marktmacht hiesige Produktionen entgegen zu setzen. Natürlich hat man keine Budgets wie Hollywood, aber die benötigt man auch nicht (mehr). Selbst wenn man weiß, dass eine Produktion wie AKTE X jetzt bereits Jahrzehnte alt ist, zeigt insbesondere diese Serie doch eindrücklich bis heute, wie man auch mit wenigen oder minimalistischen Spezialeffekten äußerst spannende Geschichten erzählen kann (auch KOHLRABENSCHWARZ als jüngere Produktion hat das übrigens bewiesen). Und zahllose Fanproduktionen – auch aus deutschen und europäischen Landen – demonstrieren deutlich, was aktuell mit Mitteln bewerkstelligt werden kann, die man heutzutage zuhause herum stehen hat. Am Geld oder an den Möglichkeiten kann es also nicht liegen, nur am Willen der Verantwortlichen.
Nur: Ich predige dergleichen bereits seit Jahrzehnten – und es hat sich nahezu nichts geändert, trotz vermehrter Präsenzen der ÖR-Sender auf Videoplattformen und einem Ausbau der Mediatheken, die Inhalte bleiben deutsch-piefig, das gilt genauso für die Produzent°Innen von Kinofilmen. Das höchste der Gefühle im Phantastik-Bereich sind Film-Epigonen von FANTASTISCHE TIERWESEN für Kinder.
Deswegen mag man mir vergeben, dass ich skeptisch bleibe, was ansehbare Genre-Produktionen aus Deutschland angeht.
Sie wären allerdings möglich und wünschenswert. Der Verlust von US-Produktionen wäre für die Unterhaltungswelt sehr schmerzhaft – umso mehr benötigen wir Alternativen.
