Moment mal, Deutscher Phantastik Preis …

In die­sem Jahr ist al­les ir­gend­wie an­ders bei der Ver­lei­hung des Deut­schen Phan­ta­stik Prei­ses. Und in mei­nen Au­gen nicht un­be­dingt bes­ser.

Der er­ste Punkt: Um mit­stim­men oder vor­schla­gen zu kön­nen, soll ich zwin­gend mei­nen Vor- und Nach­na­men an­ge­ben. Und das ge­gen­über ir­gend­ei­nem Event­ver­an­stal­ter und ohne dass ich über eine of­fen­sicht­lich und di­rekt ver­link­te Da­ten­schutz­er­klä­rung er­ken­nen kann, was mit den ge­sam­mel­ten Da­ten (Email-Adres­se, Name, Vor­na­me) ge­schieht. Mei­ner An­sicht nach ver­stößt das ge­gen §13 VI des Te­le­me­di­en­ge­set­zes:

(6) Der Dien­ste­an­bie­ter hat die Nut­zung von Te­le­me­di­en und ihre Be­zah­lung an­onym oder un­ter Pseud­onym zu er­mög­li­chen, so­weit dies tech­nisch mög­lich und zu­mut­bar ist. Der Nut­zer ist über die­se Mög­lich­keit zu in­for­mie­ren.

Wie wir in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­se­hen ha­ben, wäre es tech­nisch völ­lig pro­blem­los mög­lich, das an­onym und nur mit Nut­zung ei­ner Email­adres­se und zu­ge­sand­tem Hash­code durch­zu­füh­ren (das hat­te auch den Charme, dass man mit­tels des Codes nicht al­les auf ein­mal ab­stim­men muss­te, son­dern Stim­men für Ka­te­go­ri­en auch noch spä­ter ab­ge­ben konn­te). Un­klar ist zu­dem, ob die ge­sam­mel­ten Da­ten mit der IP-Adres­se zu­sam­men­ge­führt wer­den, um Be­trug zu ver­hin­dern. Das wäre aber nach ei­nem Ur­teil des EuGH nur mit ein­deu­ti­ger und ak­ti­ver Zu­stim­mung des Be­trof­fe­nen er­laubt

»Aber wir sind doch alle nur Fans!« höre ich schon als Ent­kräf­tung. Das mag sein, aber der Sei­ten­an­bie­ter ist of­fen­sicht­lich eine Fir­ma. Und die un­ter­liegt nun mal gel­ten­dem Recht.

Und dann das Ver­fah­ren:

Eine nicht nä­her be­stimm­te Jury aus Blog­gern und ir­gend­wel­chen »Fach­leu­ten« (den Aus­sa­gen der Aus­rich­ter nach ca. 3000 Per­so­nen) ist an­ge­mailt wor­den und hat­te eine Wo­che Zeit, eine Vor­schlags­li­ste zu­sam­men­zu­stel­len. Die ist jetzt schon auf der Sei­te on­line. Man kann al­ler­dings trotz die­ser be­reits vor­han­de­nen Li­ste noch neue Vor­schlä­ge ma­chen.

Dass die be­reits sicht­ba­re, sug­ge­sti­ve Li­ste ge­gen­über den Neu­vor­schlä­gen völ­lig un­fair ist, dar­auf kam of­fen­bar kei­ner. Denn die be­reits vor­han­de­nen Ein­trä­ge be­kom­men be­reits jetzt Stim­men und Sicht­bar­keit, die Neu­vor­schlä­ge sind aber bis Mit­te April un­sicht­bar.

In­trans­pa­rent ist zu­dem, was jetzt pas­siert. Wie ent­schei­det wer nach die­ser Vor­schlags­zeit was mit der be­reits vor­han­de­nen Ju­ry­li­ste und den Neu­vor­schlä­gen pas­siert, bzw. was nach wel­chen Kri­te­ri­en und mit wel­cher Ge­wich­tung auf die Short­list kommt?

In mei­nen Au­gen ist die Durch­füh­rung sehr un­glück­lich.

Mei­ner An­sicht nach wäre der ein­zig gang­ba­re Weg ge­we­sen:

  1. Vor­schlä­ge nach Ka­te­go­rie sam­meln
  2. Vor­schlä­ge quan­ti­ta­tiv aus­wer­ten
  3. Short­list er­stel­len und ab­stim­men las­sen

Die Au­to­ren und Ver­la­ge hät­ten sich oh­ne­hin wie in je­dem Jahr selbst vor­ge­schla­gen. [Edit:] Ja, und eben­falls wie in je­dem Jahr hät­ten die­je­ni­gen die Prei­se be­kom­men, die die mei­sten Fans ak­ti­vie­ren kön­nen.

p.s.: Wie die Rück­mel­dun­gen zei­gen, ist die Be­nut­zer­füh­rung des For­mu­lars auch nicht son­der­lich ge­lun­gen, zahl­rei­che Nut­zer kla­gen, dass sie es nicht ab­sen­den kön­nen. Das liegt dar­an, dass man bei Ein­trag ei­nes ei­ge­nen Vor­schlags gleich­zei­tig auch noch »kei­ne Stim­me ab­ge­ben« an­ha­ken muss …

[Up­date: 19:30 Uhr] Wenn man ein we­nig klickt fin­det man eine Da­ten­schutz­er­klä­rung (die muss aber nach An­sicht von Rechts­ex­per­ten von je­der Sei­te di­rekt zu­greif­bar sein). In der steht:

Per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten wer­den von dem An­bie­ter nur dann er­ho­ben, ge­nutzt und wei­ter ge­ge­ben, wenn dies ge­setz­lich er­laubt ist oder die Nut­zer in die Da­ten­er­he­bung ein­wil­li­gen.

Al­ler­dings wird im For­mu­lar die­se Ein­wil­li­gung nicht er­ho­ben. Zur ge­setz­li­chen Er­laub­nis: Sie­he oben.

[Up­date 08.03.2017:] Ar­ti­kel auf Meta-Punk

[Up­date 09.03.2017:] Mei­ne Ge­dan­ken, wie man so ei­nen Pu­bli­kums­preis durch­füh­ren könn­te.

[Up­date 09.03.17:] Tho­mas Mi­ch­alskis Ge­dan­ken zum The­ma be­fas­sen sich eben­falls mit un­fai­rer Vor­auswahl.

(Man könn­te jetzt auch noch dar­über dis­ku­tie­ren, ob eine Do­tie­rung des Prei­ses wirk­lich nö­tig ist, aber das ist ein an­de­res The­ma)

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Stefan Holzhauer

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

5 Kommentare for “Moment mal, Deutscher Phantastik Preis …”

Fischer Peter

sagt:

»Dass die be­reits sicht­ba­re, sug­ge­sti­ve Li­ste ge­gen­über den Neu­vor­schlä­gen völ­lig un­fair ist, dar­auf kam of­fen­bar kei­ner. Denn die be­reits vor­han­de­nen Ein­trä­ge be­kom­men be­reits jetzt Stim­men und Sicht­bar­keit, die Neu­vor­schlä­ge sind aber bis Mit­te April un­sicht­bar.«

Okay. Und was ist da jetzt an­ders als in frü­he­ren Jah­ren?

Stefan Holzhauer

Stefan Holzhauer

sagt:

Ich ver­wei­se auf mei­ne di­ver­sen kri­ti­schen Ar­ti­kel zum DPP in den ver­gan­ge­nen Jah­ren.

sagt:

Ich wur­de von den Ver­an­stal­tern üb­ri­gens nicht an­ge­schrie­ben. Aber ich ge­hö­re si­cher auch nicht zu den drei­tau­send Fach­leu­ten zu Sci­ence Fic­tion und Fan­ta­sy in Deutsch­land.

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