WTF? “Steampunk” soll als Wortmarke eingetragen werden

ScreenshotDPMOffensichtlich versucht sich mal wieder jemand an Trollereien in Sachen Markenrecht. Laut der Webseite des Deutschen Patent- und Markenamtes möchte ein gewisser Stefan Arbes den Begriff “Steampunk” als Wortmarke eintragen.

Man fasst es nicht. Das wäre genauso als wolle jemand “Fantasy” oder “Science Fiction” als Wortmarke eintragen.

Der Grund ist meiner Ansicht nach offensichtlich: Wenn die Marke erst einmal eingetragen ist, jeden abmahnen, der den Begriff “Steampunk” nutzt und nicht schnell genug auf den Baum kommt.

Sucht man den Antragsteller in der Suchmaschine der eigenen Wahl, findet man sofort den Verlag “Edition Fin Gadar”, und erneut fragt man sich, was dieser Versuch der Eintragung soll. Möchte man etwa alleiniger Herrscher über Veröffentlichungen im Bereich Steampunk sein? Wegen des bereits einmal auf Kickstarter gefloppten Steampunk-Rollenspiels AMERYLL? Dieser Eintragungsversuch ist der beste Weg, es sich mit der Szene komplett zu verscherzen.

Ich kann nur an die Szene appellieren, das sofort weitläufig zu verteilen und sich Gedanken über Gegenmaßnahmen zu machen. Ich werde mal bei Fin Gadar nachfragen, was das soll.

Update: Kommentare von mir und Fragen an Stefan Arbes

Update: Eine Stellungnahme von K. W. Jeter, dem Erfinder des Begriffes “Steampunk”

Update: Es gibt eine Stellungnahme des Antragstellers

Update: Musterbrief zum Widerspruch beim DPMA

Update: Dabei geht es nicht nur um Bücher: Die beantragten Klassen 28 und 9 würden jegliche Nutzung, auch in Form von Vorträgen, Ausstellungen oder Workshops unmöglich machen (28 – Dienstleistungen, deren Hauptzweck die Zerstreuung, Belustigung oder Entspannung von Personen ist; 9 – öffentliche Präsentation von Werken der bildenden Kunst oder der Literatur für kulturelle oder erzieherische Zwecke.).

Update: Laut telefonischer Auskunft des DPMA-Service will der Antragsteller sich die Marke für “Spielzeug, Events, Tonträger und Bildmaterial” sichern. (Dank an Marcus Rauchfuß)

Update: Der Eintrag der Edition FinGadar wurde bis zu einer Klärung aus der Kleinverlagsliste hier auf PhantaNews entfernt. ich werde niemanden unterstützen, der solche Dinger abzieht.

Update: Folgende Anfrage ging soeben an info@fingadar.de raus:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie ich der Seite des Deutschen Patent- und Markenamtes entnehmen kann (https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/3020152022885/DE), haben Sie beantragt, den seit den frühen 1980ern existierenden Genre-Begriff “Steampunk” als Wortmarke einzutragen.

Ich bitte um eine Erklärung, warum Sie der Ansicht sind, dass ein solcher Begriff, der seit langem im allgemeinen Sprachgebrauch ist und bei dem es sich zudem um eine Genrebezeichnung handelt, als Wortmarke eingetragen werden kann.

Weiterhin bitte ich um eine Erläuterung, was Sie mit der Eintragung des Begriffes als Wortmarke bezwecken? Sollen danach alle Publikationen mit dem Begriff “Steampunk” im Namen oder der Beschreibung abgemahnt werden?

Für Informationen bedanke ich mich im voraus und weise darauf hin, dass eine Antwort im Rahmen der Berichterstattung auf PhantaNews wiedergegeben werden wird.


Mit freundlichem Gruß,
Stefan Holzhauer

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harmloser Nerd mit natürlicher Affinität zu Pixeln, Bytes, Buchstaben und Zahnrädern. Konsumiert zuviel SF und Fantasy und schreibt seit 1999 online darüber.

20 Kommentare for “WTF? “Steampunk” soll als Wortmarke eingetragen werden”

sagt:

Ich hab irgendwie noch die Hoffnung, dass es sich als harmloser (naiver) herausstellt, als es tatsächlich bisher aussieht.

sagt:

[…] will sich ein Verlag den Begriff „Steampunk“ als Marke schützen lassen. Viel Spaß damit, wird bestimmt super laufen und die zahlreichen Steampunker in Deutschland haben […]

Benjamin Beeker

sagt:

Schaut mal auf seiner Seite, eine Stellungsnahme

http://www.ameryll.de/de/

Grundlegend guter Gedanke. Also alles nötige tun, damit die Marke nicht eingetragen wird. Wenn doch, möge er an seinen Worten gemessen werden.

Dirk Walbrühl

sagt:

Der Vollständigkeit halber und im Interesse der journalistischen Objektivität sollte man auch Arbes Antwort verlinken:
https://www.ameryll.de/de/

Von der kann man halten, was man mag. Aber sie gehört zum Fall dazu.

Dirk Walbrühl

sagt:

Ah, ich habt schon. Fein. Der vorherige Kommentar kann dann gelöscht werden.

sagt:

Und es scheint sich tatsächlich als harmloser zu entpuppen. Puhh! Stellungnahme ist jetzt auf ihrer Verlagsseite zu finden.

sagt:

Von wegen harmlos. Die Stellungnahme steht auch schon seit einiger Zeit hier auf PhantaNews. Und ich habe kommentiert, warum ich das trotzdem für fishy halte.

sagt:

Ich schrieb ja nicht “harmlos” sondern “harmloser”. Das ursprüngliche Szenario war ja der Untergang des Abend … Steampunklandes. Jetzt ist es sicher immer noch nicht schön, aber zumindest hat man anscheinend nicht das geplant, was der ein oder andere an die Wand gemalt hat.

Also, “harmloser” nicht “harmlos”.

Meinem Eindruck nach spielt da eine gehörige Portion Naivität mit, die ich meinte, schon in meinem damaligen Interview zum Kickstarter ausmachen zu können:
-> https://greifenklaue.wordpress.com/2015/06/04/ameryll-kickstarter-im-kamingesprach/

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