Steampunk als Wortmarke – Kommentar und Fragen an Stefan Arbes

Free SteampunkPer Email hat­te sich Ste­fan Ar­bes bei mir ge­mel­det und an­ge­bo­ten, auf even­tu­el­le Fra­gen mei­ner­seits zu sei­ner Be­an­tra­gung der Ein­tra­gung ei­ner Wort­mar­ke des Be­grif­fes »Steam­punk« zu ant­wor­ten. Dem kom­me ich selbst­ver­ständ­lich ger­ne nach, denn ich hal­te sei­ne Stel­lung­nah­me in­halt­lich für zu­min­dest frag­wür­dig, denn sie geht mei­ner An­sicht nach von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus. Mei­ne Ant­wort an ihn, die er auch per Email er­hal­ten hat, kann man un­ten le­sen. Wenn ich dar­auf eine Re­ak­ti­on be­kom­me, wird die selbst­ver­ständ­lich eben­falls hier auf Phan­ta­News ver­öf­fent­licht (dazu gibt er ja aus­drück­lich sein Ein­ver­ständ­nis).

Ich war in der Zwi­schen­zeit eben­falls nicht un­tä­tig, und habe mich hin­sicht­lich der Mar­ken­ein­tra­gun­gen schlau­er ge­macht, als ich es vor dem Zu­ta­ge­tre­ten der Sach­la­ge am Frei­tag war. Gleich vor­ne­weg: Der zen­tra­le Punkt ist, dass über eine sol­che Be­an­tra­gung der Mar­ken­ein­tra­gung und ei­nem even­tu­el­len Wi­der­spruch da­ge­gen, gar nicht, wie in sei­ner Stel­lung­nah­me fälsch­lich an­ge­deu­tet, si­cher­ge­stellt wer­den kann, dass die Wort­mar­ke »Steam­punk« in Zu­kunft nicht von ir­gend­wem ge­schützt wird oder wer­den kann. Und da­mit fällt Ste­fan Ar­bes´ Ar­gu­men­ta­ti­ons­ket­te lei­der wie ein Kar­ten­haus in sich zu­sam­men.

Mei­ne Email an Ste­fan Ar­bes:

Hal­lo Ste­fan,

ich ste­he na­tür­lich für Fra­gen zur Ver­fü­gung. Sie dür­fen mich ger­ne al­les fra­gen, was sie möch­ten und dies auch wei­ter­ge­ben. […]
Wenn Sie noch wei­te­re Fra­gen ha­ben, ger­ne. Sie dür­fen mich auch ger­ne du­zen ;-)

Ich habe in der Tat noch Fra­gen und auch Kom­men­ta­re zu Dei­ner Stel­lung­nah­me, die ich – und das sage ich gleich zu An­fang ganz of­fen – in­halt­lich so nicht ak­zep­tie­ren kann, da sie sach­lich kei­nen Sinn macht.
Zen­tra­ler Punkt der Stel­lung­nah­me ist:

Ich habe des­halb im März schon (ist auch in der An­mel­dung leicht zu se­hen), den Be­griff »Steam­punk« in den Klas­sen 28, 9 und 41 beim Deut­schen Pa­tent- und Mar­ken­re­gi­ster an­ge­mel­det, um zu klä­ren, dass »Steam­punk« kein schüt­zens­wer­ter Be­griff ist.

Und da ha­ben wir schon den er­sten Feh­ler. Wie eine Re­cher­che beim DPMA (Deut­sches Pa­tent- und Mar­ken­amt) schnell zu­ta­ge bringt, wur­de be­reits 2009 ver­sucht, den Be­griff in ei­ner Viel­zahl von Klas­sen zu schüt­zen. Da­ge­gen ist da­mals er­folg­reich Wi­der­spruch ein­ge­legt wor­den. Das zeigt aber auch, war­um die­se Ar­gu­men­ta­ti­on tat­säch­lich kei­ne ist: je­der kann in Zu­kunft je­der­zeit er­neut ver­su­chen, den Be­griff schüt­zen zu las­sen, auch wenn Dein An­trag ab­ge­lehnt wird, oder wenn er auf­grund ei­nes Wi­der­spruchs ge­löscht wird. Das wur­de mir von ei­nem Mit­ar­bei­ter des DPMA auch ge­nau so be­stä­tigt.

Du schreibst wei­ter:

b) Das DPMA lehnt die Mar­ken­ein­tra­gung mit der Be­grün­dung ei­nes nicht schüt­zens­wer­ten Be­griffs ab. Das ist dann eine kla­re Aus­sage der qua­li­fi­zier­ten Fach­be­hörde, die in jeg­li­cher spä­te­ren Ab­mah­nung oder Pro­zess ge­gen ir­gend­je­man­den, der ver­sucht, aus ei­ner Mar­ke »Steam­punk« Ge­winn zu schla­gen, Ge­wicht hat. Und zwar we­sent­lich mehr Ge­wicht als alle sons­ti­gen Ar­gu­men­ta­tio­nen.

Das ist falsch. Wie ich so­eben schrieb, kann je­der je­der­zeit nach ei­ner sol­chen Ab­leh­nung er­neut ver­su­chen, den Be­griff als Wort­mar­ke zu be­an­tra­gen. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, fest­zu­stel­len, dass »Steam­punk« kein schutz­wür­di­ger Be­griff ist, wäre, das von ei­nem Ge­richt prü­fen zu las­sen. An des­sen Ur­teil müss­ten sich dann auch die Be­am­ten und Mar­ken­an­wäl­te des DPMA hal­ten.

Aus die­sem Grund kann ich die Ar­gu­men­ta­ti­on »ich habe das ge­tan, um für alle Si­cher­heit her­zu­stel­len« nicht an­er­ken­nen. Hast Du kei­ner­lei Re­cher­che dazu durch­ge­führt, ob der Be­griff schon ein­mal ge­schützt wer­den soll­te? Hast Du Dich nicht von ei­nem An­walt be­ra­ten las­sen, der dar­auf hin­ge­wie­sen hät­te, dass man auf die­sem Wege kei­ne dau­er­haf­te Rechts­si­cher­heit fest­stel­len kann? Und das, ob­wohl Du in Dei­ner Stel­lung­nah­me vor­gibst, Er­fah­rung mit Mar­ken­strei­tig­kei­ten zu ha­ben? Falls nein, war das dumm. Falls ja, kann man nur da­von aus­ge­hen, dass die­se Stel­lung­nah­me vor­ge­scho­ben ist, und der Grund der Ein­tra­gung tat­säch­lich war, die Ho­heit über den Be­griff »Steam­punk« zu er­lan­gen.

Wei­ter schreibst Du:

c) Das DPMA trägt die Mar­ke ein und die Wi­der­spruchs­frist be­ginnt. Dann kann der Ein­tra­gung wi­der­spro­chen und dem Wi­der­spruch statt­ge­ge­ben wer­den. Auch hier ist das Er­geb­nis wie bei a), näm­lich ei­ni­ger­ma­ßene Klar­heit.

Da­bei muss al­ler­dings ge­se­hen wer­den, dass Du zum ei­nen für die Ein­tra­gung der Mar­ke 300 Euro be­zah­len muss­test (mög­li­cher­wei­se zzgl. An­walts­ge­büh­ren) und wenn je­mand die Lö­schung be­an­tragt, dann muss er ent­we­der 120 Euro zzgl. An­walts­ko­sten be­rap­pen (für eine Be­an­stan­dung we­gen be­stehen­der Rech­te) oder so­gar 300 Euro zzgl. An­walt auf­brin­gen (für ei­nen Lö­schungs­an­trag auf­grund nicht schutz­wür­di­gen Be­griffs). Im Prin­zip al­les völ­lig über­flüs­si­ge Ko­sten, da da­durch eben nicht dau­er­haft fest­ge­stellt wer­den kann, ob der Be­griff schutz­wür­dig ist. Üb­ri­gens er­läu­ter­te mir ein Mit­ar­bei­ter des DPMA, dass auch je­der Be­am­te, der ei­nen sol­chen Fall be­ar­bei­tet, neu ent­schei­det, und die nicht im ge­ring­sten in­ter­es­siert, was vor­her schon­mal je­mand in glei­cher oder ähn­li­cher cau­sa ent­schie­den hat. Ganz deut­lich: Es ist beim DPMA kei­ne dau­er­haf­te Klar­heit her­zu­stel­len.

Und da kom­men wir zu ei­nem wei­te­ren Punkt, der mir ex­trem merk­wür­dig vor­kommt: Du bringst ja vor, nur das Be­ste für die Sze­ne im Sinn zu ha­ben. Das hät­te al­ler­dings dann auch be­din­gen müs­sen, dass Du trans­pa­rent ge­gen­über der deut­schen Sze­ne bist. Kurz nach der Ein­tra­gung hät­te eine öf­fent­li­che Er­klä­rung er­fol­gen müs­sen, wer Du bist, was das soll, und was Du da­mit be­zweckst. Dann hät­te man Dir den Ein­satz für die Sze­ne ab­kau­fen kön­nen. Da das al­ler­dings mo­na­te­lang nicht ge­sche­hen ist, kann zu­min­dest ich das nicht glau­ben.

Wei­ter:

d) Es kommt zur Ein­tra­gung der Mar­ke. Dann wer­de ich die Mar­ke an eine un­ab­hän­gige In­sti­tu­tion über­tra­gen (das ist dann wahr­schein­lich sinn­vol­ler­weise ein Ver­ein oder Ähn­li­ches), die die Mar­ke ver­wal­tet und an je­den In­ter­es­sier­ten sym­bo­lisch wei­ter li­zen­siert. Da­mit sind alle, die in den Klas­sen ir­gend et­was in dem Be­reich ma­chen, ei­ni­ger­ma­ßen ge­schützt.

Eben­falls nicht schlüs­sig. Wenn das der Plan war, dann müss­te doch jetzt nach all den Mo­na­ten von Dei­ner Sei­te zu­min­dest et­was deut­lich Kon­kre­te­res dazu zu sa­gen sein, wer die Mar­ke be­kom­men soll, als »ir­gend­ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on« oder »ir­gend­ein Ver­ein«. Es gibt kei­nen »Zen­tral­rat der Deut­schen Steam­punks«, die Sze­ne ist wie das Gen­re he­te­ro­gen. Glück­li­cher­wei­se. Ich war in ge­nug deut­schen Ver­ei­nen, um zu wis­sen, dass das al­ler­letz­te, was wir wol­len ist, dass ir­gend­ein bü­ro­kra­ti­scher Hau­fen von Wich­tig­tu­ern die Ober­ho­heit über ei­nen Be­griff wie »Steam­punk« hat. Und über den dann ver­mut­lich alle Ak­ti­vi­tä­ten im Be­reich »Steam­punk« lau­fen müss­ten. Denn de fac­to und recht­lich ge­se­hen ge­hör­te die Mar­ke dann der In­sti­tu­ti­on, wie im­mer die auch aus­se­hen wür­de. Je­der, der den Be­griff »Steam­punk’« für ir­gend­was nut­zen möch­te, müss­te sich von dem Ver­ein rechts­gül­tig schrift­lich ge­ben las­sen, dass die Nut­zung er­laubt ist. Ei­nen sol­chen Bü­ro­kra­tie­mo­loch wird nie­mand ernst­haft wol­len, und es sieht für mich aus, als wol­le sich hier je­mand an eine Schnitt­stel­le set­zen, um Kon­trol­le über den Be­griff aus­zu­üben, auch wenn kei­ne Mar­kent­rol­lerei wie Ab­mah­nung etc. be­trie­ben wird.

Ab­schlie­ßend sage ich ganz of­fen, dass die Stel­lung­nah­me für mich in kei­nem Punkt schlüs­sig ist, da die Grund­prä­mis­se »Si­cher­heit für alle her­stel­len« aus den oben auf­ge­führ­ten Grün­den nich­tig ist.

Es gibt jetzt in mei­nen Au­gen zwei Mög­lich­kei­ten.

Mög­lich­keit eins: Das ist aus Un­wis­sen­heit ge­sche­hen, ohne sich vor­her be­ra­ten zu las­sen. Das wür­de ich dann als Dumm­heit be­zeich­nen. Eine Dumm­heit die zu­dem ir­gend je­man­den 300 Euro ko­sten wird, falls die Be­hör­de den Be­griff ein­trägt.

Mög­lich­keit zwei: Es war von vor­ne­her­ein nicht die Ab­sicht, Si­cher­heit für die Sze­ne her­zu­stel­len, son­dern tat­säch­lich nur, den Be­griff für ei­ge­ne Zwecke schüt­zen zu las­sen. In dem Fall wä­ren Shitstorm und er­bo­ste An­ru­fe ab­so­lut ge­recht­fer­tigt.

Da durch die Mar­ken­ein­tra­gung kei­ner­lei Rechts­si­cher­heit her­ge­stellt wird, sehe ich kei­nen in­halt­lich nach­voll­zieh­ba­ren Grund, war­um Du den An­trag nicht um­ge­hend zu­rück­zie­hen soll­test. Auch je­der wei­te­re, der ver­sucht, den Be­griff ein­tra­gen zu las­sen, wird den nicht ohne Ge­gen­maß­nah­men aus der Sze­ne be­kom­men. Ins­be­son­de­re, da der nach die­ser Ak­ti­on jetzt be­son­ders un­ter Be­ob­ach­tung steht.

Ich bin über­aus ge­spannt auf Dei­ne er­neu­te Stel­lung­nah­me und be­dan­ke mich da­für im vor­aus.


Mit freund­li­chem Gruß,
Ste­fan Holz­hau­er

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Email Ende.

Das Logo »Free Steam­punk« ist von mir, ich stel­le es un­ter CC0, also Pu­blic Do­main, es kann so­mit je­der ko­sten­frei und ohne ir­gend­wel­chen ur­he­ber­recht­li­chen Be­den­ken nut­zen, der sei­ne Un­ter­stüt­zung da­für zei­gen möch­te, dass der Be­griff »Steam­punk« kei­ne Wort­mar­ke wer­den und auch nicht an­ders ge­schützt wer­den darf. Von nie­man­dem, ganz im Sin­ne von K.W. Je­ter.

(für eine grö­ße­re Ver­si­on: draufklicken. Wer eine druck­fä­hi­ge oder frei­ge­stell­te ha­ben möch­te, mailt mich an)

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

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