Beam eBooks und das #neuland

Deutsche Ver­lage haben ist nicht so mit dem Inter­net und zuge­höri­gen Tech­nolo­gien. Bei »Dig­i­tal­isierung« denken sie ver­mut­lich an Fly­nn, der vom MCP auf das Spiel­raster geschickt wird …

Ich hat­te kür­zlich darauf hingewiesen, dass ich mich nicht mehr in meinen Beam-Account ein­loggen kon­nte. Hier wie es weit­er ging.

Es sind nur noch Umsatz­zahlen aus 2017 sicht­bar:

Die haben ihren Shop von ein­er »Agen­tur« erneuern lassen. Dabei gin­gen alle Umsatz­zahlen aus den bei­den alten Shops ver­loren, die kann man also nicht mehr ein­se­hen. Allerd­ings sind sie geset­zlich verpflichtet, einen Nach­weis zu führen, deswe­gen fragte ich nach. Auf Nach­frage kann ein Ser­vicemi­tar­beit­er dann auch tat­säch­lich die Dat­en aus den alten Shops ziehen und sie einem als CSV-Datei zur Ver­fü­gung stellen. Man hätte die Dat­en auch ein­fach migri­eren kön­nen, das ist nun wirk­lich nicht schw­er …
Lei­der kann man im neuen Shop nur noch Umsätze sehen, keine Down­loads mehr. Das ist umso ärg­er­lich­er, als ich mit den ersten bei­den Bän­den der STEAMPUNK-CHRONIKEN eBooks kosten­los unter Cre­ative Com­mons-Lizenz anbi­ete. Die Konzen­trierung auf Umsätze scheint für einen nur auf Gewinn ori­en­tierten Anbi­eter wie Beam und Bastei Luebbe ver­mut­lich logisch. Für jeman­den, der auf mod­er­nen Inter­net-Krem­pel wie CC-Lizen­zen set­zt, ist es das nicht im ger­ing­sten. Ich kann jet­zt auf­grund der fehlen­den Angaben über­haupt nicht mehr fest­stellen, wie erfol­gre­ich die bei­den Büch­er sind. Der Shop hat sich also tech­nisch ver­schlechtert – und das nicht nur in diesem Punkt:

Alle Bew­er­tun­gen und Besprechun­gen sind weg:

Der Punkt muss inhaltlich gar nicht weit­er erk­lärt wer­den. Auf Rück­frage, warum das so ist, erhielt ich die Antwort:

die Bew­er­tun­gen kon­nten lei­der nicht in das neue Sys­tem über­nom­men wer­den, da sich dieses grundle­gend verän­dert hat.

Das ist eine der­maßen dumme Ausrede, dass es mich schaud­ern lässt. Beru­flich mache ich unter anderem genau das: Daten­mi­gra­tion zwis­chen ver­schiede­nen Sys­te­men, beispiel­sweise Web­shops, deswe­gen weiß ich genau, wie so etwas abge­ht, und dass die Antwort so schlicht falsch ist. Dass die Bew­er­tun­gen nicht über­nom­men wur­den kann mein­er Ansicht nach drei Gründe haben:

  1. die beauf­tragte Agen­tur war dazu nicht in der Lage (was ein Armut­szeug­nis wäre – ich kann das nicht glauben)
  2. Der Betreiber (also in let­zter Kon­se­quenz Bastei Luebbe) wollte den Aufwand nicht zahlen
  3. Es hat beim Betreiber kein­er dran gedacht, das ins Pflicht­en­heft aufzunehmen

Für den Autor und Leser sind Bew­er­tun­gen, ins­beson­dere pos­i­tive, aber ein ganz grundle­gen­des Fea­ture, ins­beson­dere als Wer­bung und damit mehr Absatz. Die ein­fach wegzuhauen zeugt von ein­er Igno­ranz gegenüber den Anforderun­gen von Ver­la­gen, Autoren und Self­pub­lish­ern, dass man sich fra­gen muss, ob dem »Dien­stleis­ter« die Bedürfnisse sein­er Kun­den (und nichts anderes sind ja Entitäten, die bei denen Büch­er ein­stellen) vol­lkom­men egal sind.

Inkon­sis­ten­zen bei der Preis­darstel­lung

Was bei der Migra­tion eben­falls abhan­den gekom­men ist, ist die Daten­in­tegrität. Ich hat­te wie gesagt zu alten Beam-Zeit­en, als das vor Bastei noch ein wirk­lich guter Shop war, zwei eBooks kosten­los eingestellt. Nach­dem ich wieder Zugriff auf das Pub­lish­er-Back­end hat­te, sah ich voller Schreck­en, dass der Preis für die bei­den Büch­er dort mit einem Euro angegeben war. Die leg­en also ern­sthaft uni­lat­er­al andere Preise fest, als der Urhe­ber das will? Tat­säch­lich war das nicht so, denn im Fron­tend, also im für Kun­den sicht­baren Shop, wur­den die bei­den Büch­er nach wie vor kosten­los ange­boten.

Den­noch: Wer auch immer die Migra­tion durchge­führt hat, war offen­sichtlich nicht dazu in der Lage, kon­sis­tente Dat­en bere­itzustellen. Woher soll man als Pub­lish­er wis­sen, ob die Preis­in­for­ma­tio­nen, die man im Back­end sieht, mit denen übere­in­stim­men, die das Fron­ten dem Kun­den zeigt? Das ist eine der­maßen unfass­bare Inkom­pe­tenz, dass es mich erneut schaud­ern lässt. Der Kom­men­tar vom Sup­port:

Lei­der kommt es zusät­zlich derzeit zu einem Darstel­lungs­fehler im Back­end, wegen diesem wer­den 0€ Titel im Back­end als 1€ Titel angezeigt. Im Shop hinge­gen stimmt der eingegebene Preis und die Titel wer­den für 0,00€ verkauft. Wir haben den Fehler bere­its an unsere Agen­tur kom­mu­niziert und wer­den diesen so schnell wie möglich beheben.

Na immer­hin wollen sie den Fehler beheben (lassen). Wann das geschehen wird ist offen.

Abrech­nung:

Auf meinen aus­drück­lichen Wun­sch hin wollte man mir die Dat­en der zurück­liegen­den Verkäufe als CSV-Dateien zusenden. Lei­der fehlten in der Mail die Anhänge. Als ich darauf hin­wies bekam ich vom sel­ben Sup­port­er eine Mail von ein­er anderen Emailadresse. Offen­bar fil­tert deren Mail­sys­tem also grund­sät­zlich Anhänge, egal ob sin­nvolle oder sinnlose. Wenn ich an meine – äußerst über­sichtlichen – Umsätze aus eBooks abseits der Steam­punk-Chroniken kom­men möchte, muss ich gle­ich mehrere Rech­nun­gen stellen, denn Bastei Luebbe jongliert immer wieder mit dem Shop (aus ein­er Mail an mich):

Für alle Umsätze bis ein­schließlich 31.12.15 müsste die Rech­nung an die oolipo AG adressiert wer­den:
Oolipo AG
Schanzen­straße 6–20
51063 Köln

Für alle Umsätze ab dem 1.1.2016 bis heute müsste Ihre Rech­nung an den Beam Shop adressiert wer­den:
Beam Shop GmbH
Schanzen­straße 6–20
51063 Köln

Weil die nicht wis­sen was sie wollen und immer wieder mal das Geschäftsmod­ell ändern, muss man also immer wieder mal Rech­nun­gen an neue Unternehmen stellen. Was ist eigentlich aus der Schnap­sidee Oolipo gewor­den?

Alles in allem muss man kon­sta­tieren, dass man beim Betreiber von Beam eBooks offen­bar mit dem Medi­um Inter­net nicht zurecht kommt, wenn ein­fach­ste Daten­mi­gra­tio­nen nicht stat­tfind­en kön­nen, und das dazu führt, dass man sich wegen Fehlern nicht mehr in sein Kon­to ein­loggen kann und das erst von einem Sup­port­er ange­fasst wer­den muss, weil noch nicht mal das zurück­set­zen des Pass­worts klappt. Weit­er­hin kann man wed­er ver­gan­gene Umsätze, noch aktuelle Down­loads sehen, und Preise wer­den im Back­end falsch angezeigt. Zudem wer­den die  äußerst verkauf­swichti­gen Bew­er­tun­gen und Besprechun­gen ein­fach mal nicht über­nom­men, und das nur lakonisch kom­men­tiert. Down­load­zahlen wer­den gar nicht mehr angezeigt, beim Betreiber zählt nur Umsatz

Und abschließend kann ich nur fest­stellen, dass die Verkäufe für 2017 bei null liegen (Down­loads kann ich nicht sehen). Offen­bar kaufen die Kun­den über­all, nur nicht mehr beim neuen Beam. Das wun­dert auch nicht, denn während der diversen Umstel­lun­gen kam es zu der­maßen vie­len tech­nis­chen Prob­le­men mit Down­loads oder Abos, dass die Ziel­gruppe ver­mut­lich die Fax­en extrem dicke hat­te und seine eBooks kon­se­quent woan­ders kauft.

Die Fax­en mit den #neu­land-Stüm­pern habe auch ich ziem­lich dicke und werde deswe­gen meine eBooks aus dem Shop von Beam-eBooks ent­fer­nen. Es ist über­aus schade und erschreck­end, wie Bastei Luebbe den vor ihrer Über­nahme großar­ti­gen eBook-Shop zugrunde gerichtet hat.

Stefan Holzhauer

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

3 Kommentare for “Beam eBooks und das #neuland”

sagt:

Nach langjähriger Erfahrung auf dem Gebi­et kann ich mit größter Überzeu­gung sagen: Man wollte ziem­lich sich­er das Geld nicht in die Hand nehmen um die Alt­dat­en zu migri­eren. Das ist in den aller­meis­ten Fällen näm­lich der Haupt­block der Kosten beim Über­gang von einem alten auf ein neues, mod­ernes Sys­tem. Die Agen­turen trifft meis­tens so am wenig­stens Schuld, denn die Kun­den mei­den in aller Regel diese Kosten, weil Daten­mi­gra­tio­nen nicht oder nur mit hohem finanziellem Aufwand automa­tisier­bar sind (alte Sys­teme haben meist auch ihre Tück­en, wie sie ihre Dat­en preis­geben) bzw. manche gerne indis­che Herrschaften für manuelle »Migra­tion« benutzen, mit dem Effekt, dass die Migra­tion sehr man­gel­haft aber bil­lig abläuft. Und gar zu sel­ten lässt man sich cle­vere Daten­pars­er schreiben als Kunde, weil das kostet ja auch. #neu­land eben.

Stefan Holzhauer

Stefan Holzhauer

sagt:

Tja, und genau das (EDI, Map­ping, Daten­trans­fers, Schnittstellen schaf­fen) mache ich ständig.

Bew­er­tungssternchen und Bew­er­tung­s­texte zu über­tra­gen sollte eigentlich lächer­lich triv­ial sein (man muss die Nutzer ja gar nicht als Kon­ten mit­mi­gri­eren, aber da die über­nom­men wur­den, sollte das auch kein Prob­lem darstellen).

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