Onleihe: Bonnier und Holtzbrinck kriegen den Hals nicht voll

ebookpreise

Onlei­he nen­nt sich das Ver­fahren, mit dem die eBooks auch bei dem Stadt­büchereien angekom­men sein soll­ten. Tat­säch­lich ste­ht dem allerd­ings im Weg, dass den Ver­la­gen die Onlei­hen ein Dorn im Auge sind, da sie der Ansicht sind, dass dadurch ihr Einkom­men erhe­blich gemindert wird. Deswe­gen hört man aus Rich­tung der Ver­lage und des Börsen­vere­ins zu diesem The­ma bere­its seit Jahren viel »Mim­i­mi«.

Bon­nier und Holtzbrinck (und damit auch Droe­mer Knaur, Fis­ch­er, Kiepen­heuer & Witsch, Rowohlt, Piper, Ull­stein und Carlsen) haben den Büchereien jet­zt ein Ange­bot gemacht, das diese sehr wohl ablehnen kön­nen. Auch wenn man heftig herum­lob­by­isiert hat, um festzustellen, dass eBooks auch ganz nor­male Büch­er im Sinne des Buch­preis­bindungs­ge­set­zes sind, möchte man für die Onlei­he-eBooks offen­bar einen anderen Sta­tus inklu­sive Ver­falls­da­tum.

Denn die Lizenzbe­din­gun­gen bein­hal­ten zum einen, dass die klas­sisch klam­men Bib­lio­theken für eBooks den zweiein­halb­fachen End­kun­den­preis bezahlen sollen. Für den erhöht­en Preis haben die dann auch noch ein beson­deres Fea­ture: ein Ver­falls­da­tum. Denn die Lizen­zen sollen nach zwei vier Jahren oder ger­ade mal 52 Auslei­hvorgän­gen ver­fall­en.

Der Bib­lio­theksver­band Franken hat es dann in ein­er Stel­lung­nahme nachvol­lziehbar­erweise auch abgelehnt, eBook-Lizen­zen zu diesen Bedin­gun­gen zu erwer­ben. Ich gehe davon aus, dass andere nachziehen wer­den.

Da sehen wir in meinen Augen wieder ein­mal, dass großen Ver­la­gen die klin­gel­nde Kasse offen­bar deut­lich wichtiger ist, als die Unter­stützung von Kun­st und Kul­tur bei gemein­nützi­gen Ein­rich­tun­gen wie Stadt­büchereien. Diejeni­gen, die sich selb­st immer wieder gern als Kul­turhüter und -Unter­stützer gerieren, sind mein­er Ansicht nach längst primär zu Geld­hütern gewor­den. Per­so­n­en, die auf die Büchereien angewiesen sind, weil sie sich den Buchkauf nicht leis­ten kön­nen (in Deutsch­land ist inzwis­chen jed­er Fün­fte arm oder von Armut bedro­ht), schauen in die Röhre.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

17 Kommentare for “Onleihe: Bonnier und Holtzbrinck kriegen den Hals nicht voll”

Matthias Ulmer

sagt:

Wenn sich Mit­bürg­er keine Büch­er leis­ten kön­nen, dann ist es ja nicht Auf­gabe der Autoren und Ver­lage, an der Stelle einzus­prin­gen. Meines Wis­sens liefert wed­er Volk­swa­gen noch Nutel­la die Pro­duk­te an Bedürftige kosten­los. Es ist Auf­gabe der Gesellschaft resp. des Staates, die Finanzierung zu übernehmen. So ist das ja auch bei den Bib­lio­theken geregelt. Wenn nun die Bib­lio­theken nicht genug Geld haben, notorisch klamm sind, dann sind sie notorisch unter­fi­nanziert. Dann haben wir entwed­er eine Gesellschaft, die das nicht finanzieren kann oder will, oder einen Staat, der das eigen­mächtig nicht tut. Wenn wir dieses Jahr über­raschend 16 Mrd. Steuer­mehrein­nah­men haben, dann ist doch in dem Ding irgend­wo ein Fehler? Der Fehler liegt darin, dass man ver­sucht die Autoren und Ver­lage zu nöti­gen ihre Inhalte möglichst um son­st herzugeben, damit man das Geld sparen und für andere lustige Dinge aus­geben kann. Und wenn die Autoren und Ver­lage sich wehren, dann wird ihnen Hartherzigkeit oder Kul­tur­losigkeit vorge­wor­fen.
Ist der Preis von Bon­nier und Holtzbrinck wirk­lich von Gier bes­timmt? Nein. Im Vorder­grund ste­ht die Forderung der Autoren, eine angemessene Vergü­tung für die Nutzung zu bekom­men. Ist es angemessen, wenn für ein verkauftes Buch 2 Euro Hon­o­rar an den Autor gehen, bei der Onlei­he aber für 52 Leser 2 Euro? Auch wenn das gekaufte Buch zwei oder drei mal gele­sen wird, die 52 erre­icht man nie. Wo also liegt das für den Autor angemessene Hon­o­rar? Denn jede Auslei­he sorgt ja für ein verkauftes E-Book weniger und damit auch für weg­fal­l­ende Refi­nanzierung für den Ver­lag. Bei einem Fak­tor von 2,5 würde bei dem Beispiel (LP=20 Euro) der Autor also 5 Euro Hon­o­rar für 52 Auslei­hen bekom­men, das wären also nicht ein­mal 10 Cent im schlecht­esten Falle. Im Nor­mal­fall liegt der Durch­schnitt bei den Auslei­hen bei 5, der Autor hätte also 1 Euro Hon­o­rar, statt der 2 Euro beim Buch. Das erscheint mir doch ins­ge­samt wed­er ein gieriges noch ein unfaires Mod­ell, son­dern dur­chaus real­is­tisch. Wenn sich jet­zt noch 22 Kom­munen in der Frankenon­lei­he zusam­men­schließen, dann scheint mir das Risiko ger­ing, dass sie bei den Titeln dieser Best­seller und Pub­likumsver­lage nicht auf einen so hohen Ausleih­schnitt kom­men, dass das für die zu teuer wird. Hier wird auss­chließlich aus Geiz und aus tak­tis­chen Grün­den geheult, weil man poli­tis­chen Druck auf­bauen will. Wie viel die Autoren ver­di­enen, ob Büch­er finanzier­bar sind, kurz: ob Kul­tur dadurch möglich wird, das ist denen total egal.

Kyr

sagt:

Mal abge­se­hen davon, dass das eine Unver­froren­heit son­der­gle­ichen ist: In der Stel­lung­nahme der Stadt­bib­lio­thek Erlan­gen/Franken-Onlei­he ste­ht was von 4 Jahren statt 2 Jahren.

»[…]Zusät­zlich ist die Nutzung ein­er Lizenz begren­zt auf 4 Jahre und/oder max­i­mal 52 Auslei­hen[…]«

sagt:

Der obige PR-Kom­men­tar stammt (mit einiger Wahrschein­lichkeit) von Matthias Ulmer, dem Vor­stand des Ver­legerauss­chuss­es im Börsen­vere­in (und nicht etwa einem armen, unter­bezahlten Autor). Und sollte unter diesem Aspekt auch als pure Pro­pa­gan­da gese­hen wer­den.

Wenn man seinen Namen im Zusam­men­hang mit »Open Access« googlet, wird man schnell fest­stellen, wes Geistes Kind er ist.

(siehe zum Beispiel hier: https://www.buchreport.de/2015/10/21/ulmer-erhebt-verfassungsbeschwerde/
oder hier: http://www.boersenblatt.net/artikel-scharfe_kritik_und_ruecktrittsforderung_wegen_verleger-_meinung__zu_open_access.650206.html)

Ich empfehle Her­rn Ulmer einen Blick in die ein­schlägi­gen Bib­lio­theks­ge­set­ze der Län­der. In aller Kürze: Stadt­bib­lio­theken sind gemein­nützige kul­turelle Ein­rich­tun­gen, die Schulen und Uni­ver­sitäten gle­ichzustellen sind.

Auch agiert er mit Scheinar­gu­menten. Mag sein, dass »der Staat« 16 Mil­liar­den Steuerüber­schüsse hat, die er vielle­icht gern in seinen Ver­lagskassen sehen möchte. Fakt ist aber, dass Lei­h­büchereien nicht vom »Staat« betrieben und unter­hal­ten wer­den (tat­säch­lich meint er ja den Bund), son­dern von Städten und Kom­munen. Von daher ist diese »Argu­men­ta­tion« reine Augen­wis­cherei.

Auch dass es um Autoren geht, glaube ich keine Sekunde. Wäre das so, wür­den die Ver­lage den Autoren von vorne­here­in ein angemessenes Hon­o­rar zahlen. Und weit­er­hin haben Ver­lage auf der anderen Seite offen­bar kein­er­lei Prob­leme damit, zum Teil tausende Kosten­lo­sex­em­plare an Blog­ger und Co. zu verteilen. Davon sieht »der Autor« auch keinen Cent.

Die grund­sät­zliche Frage dabei ist, ob Ver­lage (und andere Wirtschaft­sun­ternehmen) neben der rein ökonomis­chen Arbeitsweise, nicht auch eine soziale und kul­turelle Ver­ant­wor­tung haben. Ich sehe das so. Herr Ulmer darf das selb­stver­ständlich anders sehen, muss sich aber dann den Vor­wurf gefall­en lassen, dass es eben nur ums Kohle machen geht.

Übri­gens sind wed­er Volk­swa­gen noch Nutel­la Kul­tur- und Bil­dungs­güter. Aber man kanns ja mal ver­suchen …

Edit: Anzunehmen, dass jedes aus­geliehene eBook einem ver­lore­nen Kauf entspricht, ent­behrt übri­gens auch jed­er Grund­lage.

Matthias Ulmer

sagt:

Lieber Herr Holzhauer,
das ist kein PR-Kom­men­tar, son­dern ein Kom­men­tar auf Ihren Kom­men­tar, kurz: eigentlich ein Dia­log. Und was auch immer ich zu Open Access vorher schon gesagt habe oder zur Onlei­he oder zu anderen The­men, das hat ja wenig mit den Argu­menten hier zu tun. Ja, ich bin Ver­leger und engagiere mich für die Ver­lags­branche und die Medi­en. Daraus wird doch kein Ide­olo­gievor­wurf, der die Auseinan­der­set­zung mit Argu­menten ver­hin­dert? Und anderen zu empfehlen, dass sie einen Kom­men­tar nicht ernst nehmen sollen, weil er in Ihren Augen Pro­pa­gan­da ist, ist jet­zt auch kein Muster­stück aus der aufgek­lärten demokratis­chen Gesellschaft.
Zum The­ma Onlei­he als Hin­ter­grund­in­fo: die Beteili­gung der großen Ver­lage unterblieb lange Zeit, weil die von der Onlei­he ange­bote­nen Verträge den Ver­la­gen keine angemessene Hon­orierung und auch keine dem Gesetz entsprechende Infor­ma­tion der Autoren ermöglichte. Als Ver­legerver­band haben wir das oft mit dem Schrift­stellerver­band disku­tiert, es war klar, dass hier Verträge gefun­den wer­den müssen, die eine nutzungs­be­zo­gene Hon­orierung ermöglichen. Das wäre für alle Beteiligten das ide­ale Mod­ell, wenn für jede Auslei­he ein klein­er Betrag fäl­lig wird. Dann kann eine Bib­lio­thek sich jeden Titel ins Ange­bot nehmen, weil er erst Gebühren kostet, wenn er genutzt wird. Und man muss keine Lim­i­tierung der Laufzeit etc. ein­bauen. Eine solche Lösung wurde von Bib­lio­theks­seite nicht akzep­tiert, so dass es nur möglich ist, die Dif­feren­zierung über einen Mul­ti­p­lika­tor bei den Laden­preisen einzufü­gen. Dieses Mod­ell wird in USA und vie­len anderen Län­dern so gehand­habt, in Deutsch­land wird es nun auch einge­führt. Aber wie gesagt, es ist sich­er nicht das Beste son­dern nur eine Notlö­sung.
Sie haben Recht, ich war unpräzise bei der Träger­schaft der Bib­lio­theken. Ist mir aber auch egal, ob eine öffentliche Leis­tung nun vom Bund oder der Gemeinde erbracht wird, genau so wie mir egal ist, ob die Mehrw­ert­s­teuer hier oder dort lan­det. Wenn im Sys­tem auf Bun­de­sebene Über­schüsse, auf kom­mu­naler Ebene Defizite entste­hen, dann muss das eben aus­geglichen wer­den. Ich kann mich aber nicht in der linken Tasche arm fühlen, weil alles Geld in der recht­en steckt. Kurz: das Geld ist da für eine anständi­ge Finanzierung, man steckt es aber trotz­dem in andere Dinge.
Als Ver­lag geht es mir immer um den Ver­lag UND um die Autoren, auch wenn das viele nicht glauben möcht­en. Die Autoren haben aus dem Ver­lagsver­trag und dem Gesetz einen Anspruch an ihren Ver­lag, dem der Ver­lag bei der Onlei­he nicht nachkom­men kann. Als Ver­lag MUSS ich mich also dafür ein­set­zen, dass die Ver­trags­be­din­gun­gen so verän­dert wer­den, dass eine Ver­tragser­fül­lung gegenüber dem Autor möglich ist. Und: der Ver­lag kann nicht für 52 Nutzun­gen an den Autor ein angemessenes Hon­o­rar aus der ihm verbleiben­den Marge des ein­fachen Laden­preis­es zahlen.
Zur kul­turellen Ver­ant­wor­tung: klar, die haben Ver­lage genau so wie andere Unternehmen, die gehört tra­di­tionell schon immer zu den Auf­gaben der Branche.
Zu VW und Nutel­la: es wäre ja absurd, wenn nur die Kul­tur­wirtschaft weil sie in der Kul­tur tätig ist die Verpflich­tung hätte ihre Leis­tun­gen an die Gesellschaft vergün­stigt abzugeben. Es müsste ja umgekehrt sein, wenn über­haupt. Aber damit das gerecht geregelt ist, haben wir ein Steuer­sys­tem, das die Finanzierungs­beiträge eines jeden für die gesellschaftlichen Leis­tun­gen definiert. Ich halte es für unzuläs­sig von einem Teil zu fordern, dass er zu den Steuern noch Zusat­zleis­tun­gen zu brin­gen hat.
Und zum let­zten Punkt: Es weiß ja nie­mand, wie viele Auslei­hen einen Kauf erset­zen. Beim Buch gab es immer das Ver­ständ­nis, dass die Lese­förderung und die Bewer­bung einzel­ner Titel mehr Anreize set­zen als Umsatz durch Auslei­hen ver­loren geht, so dass das immer als pos­i­tiv­er Effekt gese­hen wurde. Bei der Onlei­he ist das umgekehrt. Da gibt es qua­si keinen Hin­weis, dass sich jemand ein e-Book, das er »aus­geliehen« hat danach noch kaufte, dafür gibt es massen­weise Hin­weise, dass Leute erst zu Bib­lio­thek­snutzern gewor­den sind, seit dem sie dort ihre E-Books kosten­los bekom­men, was ja auch logisch ist. Und: das Wach­s­tum bei der Onlei­he geht mit einem Abflachen bis Rück­gang beim Verkauf von E-Books ein­her.
Ich tausche mich gerne über das The­ma weit­er aus, weil es inter­es­sant ist und wirk­lich in vie­len Aspek­ten noch unklar.

Her­zliche Grüße
Matthias Ulmer

sagt:

Hal­lo Herr Ulmer,

ich halte es für dur­chaus angemessen, bei einem Kom­men­tar wie dem Ihren darauf hinzuweisen, wer dahin­ter ste­ht und welche Inter­essen er ver­tritt, damit die Leser informiert­er sind, als sie es ohne diese Details wären.

Was Sie bei dem ganzen The­menkom­plex kom­plett aus­blenden, ver­mut­lich mit voller Absicht, ist zudem die Bib­lio­thek­stantieme, aus­geschüt­tet von der VG Wort (ich kenne schon ihr darauf fol­gen­des Argu­ment: Das sind ja nur drei – vier Cent pro Auslei­he!). Da wurde ger­ade erst höch­strichter­lich fest­gestellt, dass die gesamten Auss­chüt­tun­gen an die Autoren gehen müssen. Woraufhin in der Branche und bei den Ver­la­gen ein Heulen und Zäh­neklap­pern anhob und man Schreck­ensszenar­ien von auf den Konkurs zuschlingern­den Ver­la­gen malte. Zudem wird seit diesem Urteil mas­sive Lob­b­yarbeit betrieben, um den Geset­zge­ber auf nationaler oder europäis­ch­er Ebene dazu zu brin­gen, Geset­ze nach dem Wun­sch der Branche zu ändern, damit aus der rechtswidri­gen Auss­chüt­tung an die Ver­lage eine recht­skon­forme wird. Wenn es tat­säch­lich um die Autoren geht, sollte man jenen das ihnen zuste­hende Geld auch belassen.

Wäre es angesichts Ihrer Aus­führun­gen weit­er oben den Autoren gegenüber nicht viel fair­er und angemessen­er, wenn diese Auss­chüt­tung weit­er­hin voll­ständig an die Autoren gin­ge, denen sie zuste­ht, ohne dass die Ver­lage mit Hil­fe des Börsen­vere­ins auf eine Geset­zesän­derung drän­gen?

Haben Sie beleg­bare Quellen für die in meinen Augen völ­lig aus der Luft gegrif­f­ene Behaup­tung es gäbe »massen­weise Hin­weise, dass Leute erst zu Bib­lio­thek­snutzern gewor­den sind, seit dem sie dort ihre E-Books kosten­los bekom­men, was ja auch logisch ist« außer des Selb­st­be­weis­es im eige­nen Satz »dass das logisch ist«? Ist es näm­lich nicht. Nutzungszahlen soll­ten prob­lem­los erheb­bar sein, und wenn per Auslei­he abgerech­net wird, gibt es diese Zahlen auch ganz sich­er. Weit­er­hin kön­nen Sie sich­er auch mit ein­er Quelle bele­gen, dass ein Abflachen der Verkauf­skurve bei eBooks auf die Onlei­he zurück­zuführen ist? Auch das halte ich näm­lich anhand der in den let­zten Jahren vom Börsen­vere­in veröf­fentlicht­en Sta­tis­tiken für unhalt­bar. Ich gehe deut­lich eher davon aus, dass beispiel­sweise Ama­zon mit den Self­pub­lish­ern den eBook-Markt vie inten­siv­er kan­ni­bal­isiert, diese Zahlen gehen näm­lich in die Branchen­sta­tis­tiken gar nicht ein, da Ama­zon sie nicht veröf­fentlicht und sie von den Branchen­sta­tis­tiken nicht erfasst wer­den (kön­nen).

Nein, es ist keineswegs absurd, dass die Kul­tur­branche Verpflich­tun­gen gegenüber der Gesellschaft hat. Als Gegen­leis­tung hat die Poli­tik ihr ja beispiel­sweise ein Buch­preis­bindungs­ge­setz geschenkt, oder ver­ringerten MWSt-Satz auf Print­büch­er (eBooks wer­den sich­er fol­gen).

Abschließend bin ich sehr ges­pan­nt auf Ihre Vorschläge, wie kom­mu­nale Defizite aus Bun­desmit­teln aus­geglichen wer­den sollen. Ihre Sichtweise, dass hier Geld nur in ver­schiede­nen Taschen steckt ist auf­grund des föderalen Auf­baus der Bun­desre­pub­lik in meinen Augen ger­adezu grotesk über­sim­pli­fiziert.

Sie wer­den mir deshalb vergeben, wenn ich ihre Aus­führun­gen nach wie vor nur als Ver­lagspro­pa­gan­da sehen kann.

Und als einen weit­eren gründlich ver­patzten Schritt der Branche auf dem Dig­i­tal­isierungsweg, weil man den neuen Medi­en immer noch ablehnend gegenüber ste­ht. Anders ist nicht zu erk­lären, dass man elek­tro­n­is­che Büch­er ohne echte, fak­tisch nachvol­lziehbare Gründe anders behan­deln möchte, als Totholz.

Mit fre­undlichem Gruß,
Holzhauer

sagt:

Wert­er Herr Ulmer,

wenn Sie Ebooks in der Stadt­bücherei ver­gle­ichen wollen, dann doch bitte mit Papier­büch­ern in diesen Büchereien statt mit Kaufex­em­plaren an End­kun­den. Das ist der einzig sin­nvolle Ver­gle­ich. Und daraus resul­tiert auch die Ansicht, dass das Ebook im Ver­leih unter diesen Bedin­gun­gen unin­ter­es­sant ist für die Bücherei.

Meine per­sön­liche Ansicht ist, dass Freiex­em­plare in Büchereien in Summe densel­ben leicht pos­i­tiv­en Effekt aufweisen kön­nen wie piratierte Ebooks. Denn dass ein geliehenes oder geklautes Buch son­st gekauft wor­den wäre, stimmt in dieser Pauschal­ität nicht.

sagt:

Erschw­erend kom­men ja noch die Mond­preise hinzu, die namhafte deutsche Ver­lage für eBooks gern mal ansagen. Beispiel­sweise eBook-Preis iden­tisch mit Taschen­buch­preis oder ger­ingfügig gün­stiger als Hard­cov­er­preis. Bei solchem Wuch­er würde ich als Bib­lio­thek auch nicht mit­spie­len, erst recht nicht beim zweiein­halb­fachen Preis.

Matthias Ulmer

sagt:

Lieber Herr Holzhauer,
dass Sie darauf hin­weisen, dass ich im Börsen­vere­in engagiert bin, das ist ja ok. Ich mache das nicht, damit nicht der Ein­druck entste­ht, ich würde für »die Ver­leger« sprechen. Ich hab mich nur an dem Hin­weis gestört, man müsse die Argu­mente deshalb nicht ernst nehmen. Das fand ich unschön. Aber nun zu Ihren Argu­menten:

Ja, es gibt für die Buchauslei­he eine Bib­lio­thek­stantieme. Diese kommt seit dem bekan­nten Urteil des BGH nicht mehr dem Ver­lag zugute. Es ist eine kom­plexe Sach­lage, aber weil Sie es ansprechen, will ich kurz die Ver­lagspo­si­tion erläutern. Die Bib­lio­thekss­chranke, genau wie die Kopier­schranke und die anderen sind Ein­griffe ins Eigen­tum, juris­tisch Enteig­nun­gen, die nach unserem Grundge­setz nicht ohne Entschädi­gun­gen der Betrof­fe­nen vorgenom­men wer­den dür­fen. Deshalb gibt es eine Entschädi­gung, die bei der Buchauslei­he die von Ihnen genan­nten 3–4 Cent beträgt. Durch das BGH-Urteil, das die Frage der von der Ver­fas­sung geforderte Entschädi­gung gar nicht in Frage stellt, wurde fest­gestellt, dass nach der For­mulierung des Urhe­ber­rechts §63a diese nur an Autoren aus­gezahlt wer­den darf. Das hat­te der Geset­zge­ber nicht gewollt, das wurde im Laufe des Geset­zge­bung­sprozess­es auch mehrfach von Bun­destag und Bun­desrat so bekräftigt, und inzwis­chen erneut von der Bun­desregierung, im übri­gen auch vom Schrift­stellerver­band, solange aber die For­mulierung des 63a nicht kor­rigiert ist, bleibt es bei der absur­den Sit­u­a­tion, dass den Ver­la­gen die Entschädi­gung zuste­ht, sie aber an sie nicht aus­bezahlt wer­den darf. Der Fehler in der Geset­zes­for­mulierung soll nun kor­rigiert wer­den. Würde das nicht erfol­gen, dann müssten die Ver­lage gegen die Urhe­ber­rechtss­chranken eine Ver­fas­sungsklage anstren­gen, in deren Folge die Buchauslei­he und die Pri­vatkopi­eschranke als ver­fas­sungswidrig erk­lärt wer­den kön­nten, was wohl wirk­lich nie­mand will.

Ja, man kön­nte sagen, lass doch den Autoren auch den Ver­lagsan­teil der Tantiemen, die bekom­men eh so wenig. Dage­gen spricht min­destens fol­gen­des Argu­ment: manche Ver­lage zahlen eben schäbig geringe Hon­o­rare, andere dage­gen sehr gute. Das Urhe­ber­recht gibt den Autoren einen Anspruch auf angemessene Vergü­tung. Der muss vom jew­eili­gen Ver­lag erfüllt wer­den, nicht durch eine Tantieme, die vol­lkom­men anders begrün­det ist. Eine Pauschalumverteilung durch den Geset­zge­ber ist da keines­falls die richtige Lösung.

Der Anspruch des Autors auf angemessene Vergü­tung ist auch der Hin­ter­grund für das The­ma Onlei­he und Bon­nier, Holtzbrinck etc. Wenn der Ver­lag ein E-Book an die Bib­lio­thek verkauft und dieses 50 mal aus­geliehen wird, dann kann der Autor den Ver­lag auf angemessene Vergü­tung verk­la­gen. Der Ver­lag muss dann ein üppiges Nach­hono­rar zahlen, das ein Vielfach­es des Erlös­es aus dem einen E-Book-Verkauf an die Bib­lio­thek wäre. Damit entste­ht ein Risiko, das Ver­lage wie unser­er ger­ing ein­schätzen, weil unsere Büch­er wohl nicht so häu­fig aus­geliehen wer­den. Bei einem Ver­lag, der regelmäßig Best­seller führt, ist das aber anders. Ins­beson­dere, weil sein Ver­hand­lungspart­ner meist eine Agen­tur ist, die den Autor ver­tritt, und die an so einem Punkt eben Druck auf den Ver­lag macht, wodurch das Risiko sehr konkret wird.
Ja, wenn wir die tat­säch­lichen Auslei­hzahlen ken­nen wür­den, dann kön­nte man auch dieses Risiko ein­schätzen. Die Onlei­he gibt aber kein­er­lei Nutzungs­dat­en an Ver­lage weit­er, so dass wir die Autoren nicht informieren kön­nen, wie häu­fig ihre Büch­er genutzt wer­den. Der Autor hat aber einen geset­zlichen Auskun­ft­sanspruch. Diesen durchzuset­zen war auch ein Grund für die lange Ver­hand­lungs­dauer der Großver­lage mit der Onlei­he.

Schadet der Ver­leih von E-Books dem Verkauf von E-Books? Zunächst mal die Sach­lage: als E-Book-Leser habe ich die Auswahl zwis­chen drei Quellen: ich kann das E-Book für viel Geld kaufen. Ich kann es von ein­er Piraten­seite kosten­los aber ille­gal herun­ter­laden. Und ich kann es von mein­er Stadt­bücherei kosten­los aber legal herun­ter­laden. Die Ver­mu­tung, dass einiger­maßen klar denk­ende Men­schen den drit­ten Weg wählen, ist ja nicht absurd.
Mein Nach­bar, als Bankangestell­ter nicht auf der Seite des ärmeren Teils der Bevölkerung, hat sich vor einiger Zeit einen Toli­no gekauft. Ich hab mich natür­lich gefreut, dass er das Buch­han­dels­gerät gewählt hat und nicht das von Ama­zon. Sein Argu­ment war aber ganz schnöde: mit dem Toli­no kann ich jet­zt die E-Books von der Stadt­bücherei beziehen. Er ist Mit­glied gewor­den, was er seit der Schulzeit nicht mehr war.
Bei den meis­ten Stadt­büchereien steigen die Nutzerzahlen ger­ade, auch da ist die Begrün­dung: ich mag nicht in die Bib­lio­thek gehen und Büch­er abholen und zurück brin­gen. Aber E-Books kosten­los und bequem von zu Hause auslei­hen, das ist cool.
Die Daten­lage zu Verkauf von E-Books und zur Auslei­he bei der Onlei­he ist nicht ger­ade trans­par­ent. Wir bekom­men von der Onlei­he nur die Zahlen der E-Book-Verkäufe an die Bib­lio­theken. Aber wie viele Auslei­hen dahin­ter steck­en, das erfährt man nicht. Hochrech­nun­gen mit dem Fak­tor fünf für die Zahl an Auslei­hen pro E-Book (kumuliert über mehrere Jahre) lassen aber ver­muten, dass heute die Zahl der verkauften E-Books in Deutsch­land geringer ist, als die Zahl der Auslei­hen über die Onlei­he. Der E-Book Markt stag­niert, die Onlei­he wächst.
Das sind Ver­mu­tun­gen, man­gels belast­bar­er Zahlen. Aber mir erscheint das plau­si­bel. Und wenig­stens plau­si­bler als die Annahme, dass die Onlei­he kein­er­lei Auswirkun­gen auf den E-Book Verkauf hat.

Zur Frage der Preis­set­zung bei E-Books: bei ein­er kor­rek­ten Kalku­la­tion müsste der Preis eines E-Books sog­ar über dem eines Buch­es liegen. Das klingt absurd, hat aber Gründe. Das E-Book hat 12% höhere MwSt, das Autoren­hono­rar liegt für E-Books in der Bel­letris­tik deut­lich höher, statt bei 10% meist bei 20–25%. Die Aus­liefer­ungs­ge­bühren sind bei E-Books höher (ist absurd, ist aber so). Und auch der Han­del­sra­batt ist höher. Das bedeutet, dass der prozen­tuale Erlös des Ver­lages am Laden­preis nach Abzug der genan­nten Kosten­blöcke erhe­blich niedriger ist, als beim Buch. Bleibt die Frage, ob die Her­stel­lkosten das aus­gle­ichen, weil man nicht druck­en, binden und Bäume fällen muss. Lei­der nicht. Die Her­stel­lkosten eines Taschen­buchs belaufen sich vielle­icht auf 50 Cent, vielle­icht 80 Cent. Bei einem Laden­preis von 10 Euro gehen aber schon mit 12% 1,07 Euro mehr an den Staat für die MwSt-Dif­ferenz zwis­chen 7 und 19%. Wenn also Ver­lage die E-Books im Schnitt 20% bil­liger anbi­eten als die Büch­er, dann ist das gesamte E-Book Geschäft eher ein Zuschuss­geschäft, das die Ver­lage machen, weil der Auf­bau des dig­i­tal­en Geschäfts­felds eben Investi­tio­nen kostet. Und deshalb schmerzt es, wenn man sieht, dass die Onlei­he eben ein­fach das bessere Geschäftsmod­ell ist und die Investi­tio­nen sich nach aktueller Lage nie amor­tisieren wer­den. Die Ver­hand­lun­gen von Bon­nier & Co. sind also das Bemühen, das Geschäfts­feld Onlei­he rentabel zu machen, damit das über­haupt Sinn macht.

Und zulet­zt noch zum Kul­tur­auf­trag: die Preis­bindung dient der Sicherung eines dicht­en Net­zes an Buch­hand­lun­gen. Die meis­ten Ver­lage kämen ohne Preis­bindung sehr gut zurecht. Der reduzierte MwSt Satz bringt nie­man­dem etwas. Seine Abschaf­fung wäre ein Prob­lem, weil man die daraus eigentlich notwendi­gen Preis­er­höhun­gen kaum wirk­lich real­isieren kön­nte. Er verbessert heute die Kalku­la­tions­dat­en, so dass ein paar Büch­er möglich wer­den, die man son­st unter­lassen hätte, oder man ein paar mehr Abbil­dun­gen oder einen Bogen mehr Umfang umset­zen kann.
Daraus aber abzuleit­en, dass man seine Pro­duk­te aus sozialen Grün­den bil­liger abzugeben habe, das halte ich weit­er­hin für falsch. Fordern Sie das auch bei Blu­mengeschäften, im Super­markt und bei McDon­alds?

Zur Finanzierung der öffentlichen Hand: das will ich nicht ver­tiefen. Wenn eine Kom­mune zu klamm ist, sich ihre Bib­lio­thek zu leis­ten, dann muss sie eben über Pri­or­itäten nach­denken und sich mit dieser Entschei­dung zur Wahl stellen. Der Geset­zge­ber hat ins Preis­bindungs­ge­setz übri­gens schon das Priv­i­leg einge­baut, dass Bib­lio­theken 15% weniger bezahlen müssen. Ins Urhe­ber­recht hat er einge­baut, dass Auslei­hen für 3–4 Cent möglich sind, dass für Wis­senschaft und Bil­dung weit­ere kosten­lose oder mit Witz­be­trä­gen entschädigte Aus­nah­men möglich sind und dass die Ver­lage von allen Büch­ern an Lan­des­bib­lio­theken und Nation­al­bib­lio­thek kosten­lose Exem­plare abzuliefern haben. Das erzeugt bei Ver­lag und Autor irgend­wann die Frage, warum man ver­dammt nochmal eigentlich alles kor­rekt bezahlt, Autos, Geräte, Per­son­al, Schreibtis­che in Schulen, Regale in Bib­lio­theken, nur die Büch­er sollen möglichst umson­st geliefert wer­den?
Ich bekam neulich einen Brief ein­er Stadt­bücherei, die stolz berichtete, man habe einen Neubau real­isiert und ein kom­plett neues Regal­sys­tem, jet­zt sei das Bud­get alle und man bitte um Buch­spenden. Ich finde so etwas schlimm, Sie find­en das angemessen und einen dage­gen protestieren­den Ver­leger als gierig. So unter­schiedlich sind eben die Mei­n­un­gen, das muss man auch respek­tieren.

Ich bitte um Verzei­hung für die Länge der Erläuterun­gen. Das kostet eben Platz und Anstren­gun­gen, auf die Sachebene zu kom­men. Aber es wird am Ende pro­duk­tiv­er, hoffe ich.

Her­zlichst Ihr
Matthias Ulmer

sagt:

Herr Ulmer,

ich habe an kein­er Stelle geschrieben, man solle »Ihre Argu­mente nicht ernst nehmen«. Das wäre sog­ar grund­falsch, weil hier die Ver­legere­in­stel­lung deut­lich zutage tritt.

Die Argu­mente in Sachen VG Wort kenne ich alle, da ich den The­menkom­plex seit Jahren ver­folge. Die Aus­sage »der Geset­zge­ber habe sich bei der For­mulierung geir­rt« halte ich für der­art lächer­lich, dass sich eine Diskus­sion darüber erübrigt. Darüber lacht die Net­z­com­mu­ni­ty seit Monat­en.

Desweit­eren agieren Sie hier mit unlauteren Mit­teln, wenn sie die Autorentantiemen für eBooks unre­al­is­tisch hoch benen­nen, um höhere eBook-Preise zu recht­fer­ti­gen. Durch meine Autorenkon­tak­te kenne ich die echt­en Hon­o­rarhöhen abseits von Best­seller­autoren.

Drit­tens machen Sie bei den eBook-Preisen eine typ­is­che Ver­legerrech­nung auf, die aber nach meinen Infor­ma­tio­nen durch Branchenin­sid­er so nicht kor­rekt ist, tat­säch­lich kön­nte man eBooks deut­lich­er anbi­eten, will sich aber »die Preise nicht kaputt machen lassen« . Die von Ihnen genan­nten Punk­te halte ich eben­falls für pure Pro­pa­gan­da. Dass der Han­del­sra­batt höher ist, ist ein Ergeb­nis der ver­al­teten, klo­bi­gen Struk­turen der Branche bei denen zu viele an den Büch­ern ver­di­enen wollen, und bei denen ich kein­er­lei Ansatzpunk­te sehe, das an die neuen Gegeben­heit­en durch die Dig­i­tal­isierung anzu­passen. Sie lassen kom­plett aus, dass die gesamten Kosten für Her­stel­lung und Logis­tik weg­fall­en. Sie lassen aus, dass die eBook-Pro­duk­tion qua­si ein Abfall­pro­dukt der Print­er­stel­lung ist (und allzu oft auch gestal­ter­isch genau so aussieht, schnell exportiert, ist egal, han­delt sich ja nur um ein eBook).

Diese eBook-Mond­preise sind mein­er Ansicht nach deut­lich eher daran schuld, dass die Verkauf­skurve abflacht, weil Leser zu gün­stigeren Alter­na­tiv­en von Self­pub­lish­ern greifen, oder sich den Kauf ein­fach ers­paren (per­sön­lich habe ich aus genau diesem Grund in den let­zten Monat­en diverse deutsche eBooks nicht gekauft, und lieber zu einem englis­chen Orig­i­nal, einem hier nicht ver­legten englis­chen Buch oder einem Klein­ver­lagse­Book gegrif­f­en, ich weiß, dass das in meinem sozialen Umfeld aus Phan­tastik-Lesern oft ganz genau so ist). Und auch zahllose Klein­ver­lage sind in der Lage, den Kun­den angemessene, attrak­tive und akzept­able eBook-Preise anzu­bi­eten. Wenn große Ver­lage das nicht kön­nen, sollte man darüber nach­denken, was die wahren Gründe dafür sein kön­nten.

Dass Sie als Beleg für die Aus­sage »haufen­weise Leser haben sich einen eRead­er gekauft, um die Onlei­he zu nutzen« an einem einzi­gen fall aus Ihrer Bekan­ntschaft fest­machen zu wollen, finde ich allerd­ings beina­he niedlich. Ein empirisch­er Beweis ist das nicht, das ist als Nach­weis für Ihre Behaup­tung höch­stens albern.

Ver­mu­tun­gen sind keine Belege. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Anteil an gele­se­nen eBooks in der Bücherei höher ist, als der Anteil der eBooks am Buch­markt. Solange Sie keine konkreten Zahlen vor­weisen kön­nen (und das soll­ten Sie durch die Tätigkeit beim Börsen­vere­in kön­nen), kann ich Ihre Argu­mente erneut nur als PR ein­stufen.

Und dann erneuern Sie Ihren schon weit­er vorne in der Diskus­sion als falsch deklassieren Ver­gle­ich von Kul­turgütern mit McDon­alds oder dem »Super­markt« ohne dem neue Aspek­te hinzuzufü­gen …

Lei­der argu­men­tieren Sie mein­er Ansicht nach hier weit­er­hin in diversen Punk­ten unlauter, weil Sie inko­r­rek­te Infor­ma­tio­nen nen­nen (eBook-Preise, Autoren­hono­rare) oder ein­fach Behaup­tun­gen auf­stellen, ohne einen Nach­weis führen zu kön­nen. Deswe­gen sehe ich ehrlich gesagt keinen Sinn darin, diese Diskus­sion weit­er zu führen. Ihre Äußerun­gen in den vor­ange­gan­genen Kom­mentaren sind aber in den sozialen Medi­en sehr inter­essiert zur Ken­nt­nis genom­men und äußerst kri­tisch kom­men­tiert wor­den.

Mit fre­undlichem Gruß,
Holzhauer

sagt:

Wert­er Herr Ulmer,

dass sich EIN Bekan­nter von Ihnen einen Toli­no gekauft hat, um Büch­er kosten­los zu lei­hen, ist eine Anek­dote. Das plus Ihre »Ver­mu­tun­gen« reicht nicht aus, um ökonomisch sin­nvolle Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, und diese Art fast schon belei­digter Bewe­is­führung im Kreise herum gehört auch zu den Grün­den, warum den meis­ten deutschen Ver­la­gen das Dig­i­talgeschäft so schw­er fällt.

Die meis­ten Ebook-Leser kaufen bei Ama­zon, ein­fach, weil es da am bequem­sten funk­tion­iert. Sie kaufen beson­ders gern US-Büch­er, weil deren Preise als fair emp­fun­gen wer­den. Das ist im Übri­gen der basal­ste Grund­stein der Preis­gestal­tung über­haupt. Es inter­essiert keine Sau, ob einen verkrusteten Ver­lag ein Ebook durch seine ver­al­teten Struk­turen mehr kostet als der Papierver­trieb (meis­tens ohne­hin eine Phan­tasierech­nung). Es inter­essiert nur, was ein Kunde zu zahlen bere­it ist. Hier hätte man den großen Vorteil, aus den Märk­ten US und UK zu ler­nen, welche Preise zu welchen Ter­mi­nen am besten angenom­men wer­den. Das passiert in Deutsch­land nur langsam und nur unter dem Druck der Exis­ten­zangst. Schade.

Matthias Ulmer

sagt:

Lieber Herr Holzhauer,

dass Sie keine Lust mehr auf einen weit­eren Dia­log haben, das ist spür­bar. Ich finde, das bringt uns auf Dauer nicht weit­er, wenn man die Argu­mente des anderen ein­fach ablehnt.
Ich bemühe mich zu Ihren Aus­sagen Argu­mente zu brin­gen, die helfen kön­nten, die Posi­tion des Anderen bess­er zu ver­ste­hen. Aber statt sich damit auseinan­der zuset­zen, führen Sie nur Gründe auf, warum es sich nicht lohnt, die über­haupt mal zu durch­denken. Ich finde das schade.

Die Hin­ter­gründe zum Geset­zge­bung­sprozess zu 63a sind ja leicht nach­les­bar. In der Geset­zes­be­grün­dung für die Verbesserung des §63a von 2006 heißt es: »§ 63a hat in der Prax­is zu Schwierigkeit­en geführt. So wurde in der VG Wort von Vertretern der Autoren vor­ge­tra­gen, dass sie seit Inkraft­treten des Geset­zes ihre geset­zlichen Vergü­tungsansprüche nicht mehr an ihre Ver­leger abtreten kön­nten. Fol­glich kön­nten die Ver­leger auch nicht mehr im bish­eri­gen Maße bei der Verteilung der pauschalen Vergü­tung berück­sichtigt wer­den.
Diese Ausle­gung, der von ver­legerisch­er Seite wider­sprochen wurde, entspricht nicht der Inten­tion des Geset­zge­bers, der lediglich den Schutz der Urhe­ber im Ver­tragsver­hält­nis im Sinn hat­te. Ein Auss­chluss der Ver­leger von der pauschalen Vergü­tung wäre angesichts der von ihnen erbracht­en erhe­blichen Leis­tung auch sach­lich nicht hin­nehm­bar. Dies gilt um so mehr, als den Ver­legern im Gegen­satz zu anderen Ver­w­ert­ern vom Geset­zge­ber bish­er keine eige­nen Leis­tungss­chutzrechte zuge­sprochen wor­den sind.
Der neue Satz 2 soll gewährleis­ten, dass die Ver­leger auch in Zukun­ft an den Erträ­gen der VG Wort angemessen zu beteili­gen sind.«
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/018/1601828.pdf
Dann hat der BGH die Ergänzung des 63a sein­er Ausle­gung unter­zo­gen und eben anders entsch­ieden, als es der Geset­zge­ber gewollt hat. Die For­mulierung hat offen­sichtlich nicht das bewirkt, was intendiert war. Das nenne ich einen handw­erk­lichen Fehler. Schön für die Autoren, die jet­zt einen Haufen Geld bekom­men. Aber doch auch ver­ständlich, dass der Geset­zge­ber diesen Lap­sus jet­zt kor­rigieren will.

Zur Hon­o­rarhöhe bei E-Books. Ja, auch bei uns sind die Hon­o­rare von Buch und E-Book iden­tisch. Aber es ging ja nicht um irgen­deinen Fachver­lag, son­dern um Bon­nier und Holtzbrinck. Und die Hon­o­rare in der Bel­letris­tik liegen bei diesen Ver­la­gen bei 20–25% für E-Book-Umsätze.

Zur Kalku­la­tion von E-Books: Ich nehme Ihnen ab, dass Sie die E-Book-Preise anders kalkulieren. Das ist ja auch keine Frage, die betrieb­swirtschaftlich schon ein­deutig gek­lärt wäre. Soll man das E-Book als Abfall­pro­dukt behan­deln? Dann hat man keine Geste­hungskosten außer der Daten­er­stel­lung und den vari­ablen Ver­trieb­skosten, dann kann ich lock­er auf 3,99 gehen. Bei Unter­hal­tungslit­er­atur liegt der E-Book Anteil an den Verkäufen aber oft bei 25%, und das kommt nicht oben drauf, son­dern das ist eine Sub­sti­tu­tion der Buchverkäufe. Da kommt in einem großen Ver­lag der Con­troller und erk­lärt ihnen, dass das mit dem Abfall­pro­dukt nicht mehr geht, dass die Geste­hungskosten anteilig getra­gen wer­den müssen, son­st wer­den mit wach­senden E-Book-Verkäufen zu 3,99 die Preise des gedruck­ten Ursprungs­buch­es immer höher, bis es nichts mehr gibt, von dem ein Abfall­pro­dukt abfall­en kön­nte.
Und es stimmt nicht, dass ich die Her­stel­lkosten unter­schla­gen habe, die hab ich ja mit 50–80 Cent ziem­lich exakt angegeben. Und bei der Logis­tik liegen meine Erfahrungswerte wahrschein­lich auch nicht kom­plett daneben, dass wir für die Buchlo­gis­tik (Lager­hal­tung, Fak­turierung, Pack­en und Ver­sand) etwa 8% vom Umsatz zahlen, bei E-Books aber 12%. Das ist ver­ständlich, weil die Aus­liefer­un­gen aktuell für die E-Book-Logis­tik hohe Fixkosten bei noch sehr gerin­gen Umsätzen haben und die Zahl der E-Books gigan­tisch ist, aber nur ein klein­er Teil davon auf Stück­zahlen über 500 pro Jahr kommt. Bei gedruck­ten Büch­ern nehmen wir unrentable Titel aus dem Ver­trieb, bei E-Books lässt man auch die ganz alten ste­hen, daher die unter­schiedlichen Werte.

Nehmen wir also mal an, es gibt nachvol­lziehbare Gründe, warum die Ver­lage Bon­ner und Holtzbrinck ihre E-Books so kalkulieren, wie sie es tun (auch die Autoren und ihre Agen­ten machen da Druck, dass der Preis vom E-Book nicht zu niedrig ist). Dann ist das ja ein Wet­tbe­werb­svorteil für andere Ver­lage, ob Self­pub­lish­er oder Klein­ver­leger, mit anderen Preisen Mark­tan­teile zu gewin­nen. Das find­et statt und tut der Vielfalt und der Branche gut. Ein fair­er Wet­tbe­werb, den die großen wach­sam beobachte und ja mit eige­nen Self­pub­lish­ing-Plat­tfor­men begleit­en. Sollte das Wach­s­tum da so groß sein, dass es die Mark­tan­teile der »kon­ven­tionellen« Ver­lage wirk­lich tang­iert, dann wer­den die sich schnell ändern. Bezo­gen auf die Diskus­sion um die Onlei­he wäre dann das Prob­lem ja auch vom Tisch. Dann wür­den die Bib­lio­theken auf diese Werke verzicht­en und stattdessen bil­ligere einkaufen. Dann wäre aber das ganze Geschrei um die Preise der bei­den Ver­lage über­flüs­sig. Offen­sichtlich will man genau deren Titel, aber eben zu anderen Preisen.

Zur Frage ob ein aus­geliehenes E-Book den Kauf eines E-Books sub­sti­tu­iert: ich habe Ihnen eine Hypothese ange­boten und hätte gerne über die Plau­si­bil­ität disku­tiert. Konkrete Zahlen gibt es wirk­lich nicht. Es gibt eine E-Book-Studie des Börsen­vere­ins in Zusam­me­nar­beit mit der GfK, die von 2015 ist und auf Dat­en von 2014 basiert. DAS ist PR. Als Arbeits­grund­lage würde ich die nicht nehmen. Und es gab Zahlen von der Divibib, soweit ich das mit­bekom­men habe eben­falls let­zt­ma­lig von 2014. Es gibt Ver­mu­tun­gen, warum da keine neueren Zahlen auf den Tisch kom­men. Aber eben nicht mehr als Ver­mu­tun­gen.
Dann drehen wir das doch mal um: Sie sagen, dass die Auslei­he von E-Books keine Auswirkun­gen auf den Verkauf von E-Books hat. Haben Sie denn dafür belast­bare Dat­en (oder eine plau­si­ble Hypothese, mir würde die für die Diskus­sion reichen).

Lieber Herr Gle­ich, ich bekomme ja immer wieder den Vor­wurf zu hören, dass die Ver­lage in der Dig­i­tal­isierung so ziem­lich alles falsch machen, ver­schlafen, ver­weigern etc. Ich glaube, das ist nicht richtig. Sich­er sind Ver­lage nicht immer die dynamis­chste Branche. Aber das hat ja auch Vorteile. Wir haben im Ver­band sehr viel Schu­lun­gen, Pro­jek­te, Arbeit­skreise gemacht. Und ich glaube, dass der Vor­wurf nicht halt­bar ist. Ich würde Sie (und natür­lich auch Her­rn Holzhauer oder wer immer dazukom­men möchte) ja gerne mal zu einem Gespräch in einen Ver­lag, bei uns, bei Holtzbrinck, bei Thieme, nach Ihrem Gus­to, ein­laden, damit wir uns dort das dig­i­tale Port­fo­lio, die Investi­tio­nen, die Szenar­ien, auf denen die Pla­nun­gen basieren zeigen lassen. Ich bekomme ger­ade mit, wie Bosch oder Daim­ler sich mit dem The­ma Indus­trie 4.0 abmühen. Das kommt mir vor wie Diskus­sio­nen in unser­er Branche vor 8 Jahren. Und das Beispiel USA oder UK ist uns auch vor Augen, ger­ade etwa Holtzbrinck gehört zu den führen­den amerikanis­chen Ver­la­gen, da kön­nen Sie sich­er sein, dass die wöchentlich zwis­chen der amerikanis­chen und der deutschen Ver­lagsleitung genau diese Fra­gen disku­tieren.

Her­zliche Grüße
Ihr Matthias Ulmer

sagt:

Ach Herr Ulmer,

jet­zt kom­men Sie doch bitte nicht mit Holzham­mer-Rhetorik. Ich habe ihre »Argu­mente« nicht abgelehnt, son­dern um Belege gebeten oder darauf hingewiesen, wenn diese inhaltlich irrel­e­vant oder falsch sind. Weit­er­hin: Ich habe keinen Zugriff auf konkrete Zahlen für Deutsch­land, Sie aber über den Börsen­vere­in dur­chaus. Ob diese Zahlen dann – wie so oft – frei erfun­den sind, ste­ht auf einem anderen Blatt, aber man hätte zumin­d­est mal eine echte Diskus­sion­s­grund­lage neben »Mein Nach­bar hat sich einen Toli­no gekauft«.

Gerichte haben übri­gens exakt die Auf­gabe bei Geset­zen als Kor­rek­tiv zu wirken und diese zu inter­pretieren. Das als Fehler beze­ich­nen zu wollen, ist ein meinen Augen eine äußerst frag­würdi­ge Sicht auf die Demokratie und das Rechtssys­tem.

Dass der über­bor­dende Ver­wal­tungsover­head bei den Ver­la­gen eben­so wie die fos­silen Strik­turen der Branche dazu führen, dass es zu ger­adezu kafkaesken Preisen kommt, dann sollte man über eine Reform nach­denken, statt das ver­al­tete, ruinöse Spiel weit­er mitzus­pie­len, meinen Sie nicht? Da das aber nicht passiert …

Wenn Sie zudem der Ansicht sind, dass die Umsätze von Self­pub­lish­ern und Klein­ver­la­gen die der Großen der Branche derzeit nicht tang­ieren, dann ist das in einem Maße welt­fremd, das ich nicht nachvol­lziehen kann und sog­ar erschreck­end finde. Erk­lärt allerd­ings etliche Ihrer Sicht­en, die im Gestern ver­har­ren, statt sich den Real­itäten der Dig­i­tal­isierung zu stellen.

Anson­sten spiele ich Ihr Spiel nicht mit, immer diesel­ben Argu­mente oder Nicht-Argu­mente neu zu ver­pack­en. Wir drehen uns im Kreis.

Deswe­gen ziehe ich hier das Faz­it: Den Ver­la­gen geht es wed­er um Kul­tur, noch um Leser, noch um Autoren, son­dern auss­chließlich darum, möglich viel Geld zu gener­ieren, weil es sich um Wirtschafts­be­triebe han­delt, die wirtschaftlich agieren müssen. Ver­standen.

In dem Fall soll­ten allerd­ings säm­liche Vergün­s­ti­gun­gen in Sachen Kul­turbe­trieb gestrichen wer­den. Als da wären: vergün­stigte MWSt auf Büch­er und Buch­preis­bindung (die übri­gens ent­ge­gen Ihrer Aus­sage nicht in erster Lin­ie dafür da ist, Buch­hand­lun­gen zu spon­sorn, son­dern um kul­turelle Vielfalt zu ermöglichen, also die Pro­duk­tion von Büch­ern, die sich erwart­bar weniger verkaufen. Die wer­den allerd­ings heutzu­tage von den großen Ver­la­gen ohne­hin nicht mehr ver­legt, die müssen ja Geld ver­di­enen).

MfG,
Holzhauer

sagt:

Wert­er Herr Ulmer,

die von Ihnen beschriebe­nen Mech­a­nis­men des Mark­tes haben über­haupt erst Preise erzwun­gen, die der Markt annimmt. Vorher lagen diese Preise im Bere­ich »bitte kauft das nicht«. Anek­do­tis­che (!) Belege: Das haben mir damals mehrere Ver­lage bestätigt: Mit Papi­er ver­di­en­ten sie Geld, den Ebook-Scheiß woll­ten sie nicht, weil es sich für sie nicht lohnte. Es wurde also gebremst, wo es nur ging.

Jet­zt gibt es ein Ebook-Ökosys­tem der kleinen Anbi­eter, und erst jet­zt find­et man von unseren großen Ver­la­gen Ange­bote, die man kaufen möchte. Die kleinen Anbi­eter trieben die großen also vor sich her. Statt früh einen Markt zu machen, haben sie den ver­hin­dern wollen. Jet­zt ren­nen die Großen den Kleinen hin­ter­her, tech­nisch und mark­t­gestal­ter­isch. Das ist meine Kri­tik. Wir kön­nen gern über so etwas sprechen, dann tun wir es aber sin­nvoller­weise zu einem Anlass, wo bei­de am sel­ben Ort sind.

Zu den Kosten eines Ebooks: Nehmen wir als Extrem­beispiel ein Ebook, das NUR als Ebook ver­trieben wird und ver­gle­ichen es mit einem Titel, der NUR im Papierver­trieb erscheint. Es fall­en beim Ebook fol­gende Kosten weg:

- Umbruch (wg. Autoum­bruch auf dem Gerät)
– Seit­en­lay­out (Seit­en­größe ist dynamisch)
– Buchrück­engestal­tung
– Gestal­tung 4.U (Buchrück­seite)
– die von Ihnen genan­nten Druck­kosten von 50–80 ct pro Exem­plar
– Vorhal­tekosten (übernehmen die Ver­trieb­splat­tfor­men)
– Papier­trans­port zu/von den Händlern und zum End­kun­den

Getauscht wird die Händler­marge gegen den Anteil, den die Ver­trieb­splat­tform nimmt. Selb­st Selb­stver­leger bieten oft auch Direk­tverkauf auf ihrer Web­site an, um sich einen Teil dieser Kosten zu sparen.

An Mehrkosten fällt mir die höhere Mehrw­ert­s­teuer ein. Wenn das beschriebene virtuelle Ebook in einem Ver­lag in der Her­stel­lung also mehr kostet als der virtuell beschriebene Papierver­trieb, dann liegt das ver­mut­lich an den Struk­turen.

Meine Ver­mu­tun­gen zu Verkauf vs. Ver­leih stam­men wie gesagt aus den Erfahrun­gen mit Pira­terie. Hierzu haben viele Ver­lage und Autoren Exper­i­men­tal­dat­en und Erfahrun­gen gesam­melt. Das war mir ähn­lich genug, um sie mit einem Ver­leih zu ver­gle­ichen. Da fehlen ja wirk­lich Dat­en, dass sie krass anders ausse­hen als bei geklaut­en Büch­ern, glaube ich nicht.

Beim Rest soll der Markt entschei­den. Dann will ich aber iden­tis­che Steuer­sätze für Ebooks und Papier­büch­er, vorher ist das nicht der­selbe Markt.

Matthias Ulmer

sagt:

Lieber Herr Holzhauer,

Sie haben ein Feind­bild, das Sie pfle­gen. Und nun kommt die Per­son­ifizierung Ihres Feind­bilds auf Ihren Blog und sucht den Dia­log. Und Ihr Bemühen ist, dass der da so schnell wie möglich wieder ver­schwinden soll. Ich mache Ihnen die Freude.

Aber zum Nach­denken lasse ich Ihnen noch was da. Der rev­o­lu­tionäre Reflex, dass die dig­i­tal­en Self­pub­lish­er den Sauri­ern der Old Econ­o­my zeigen wo es lang geht und diese aus Verkrus­tung ihre ruinösen Prak­tiken nicht able­gen kön­nen und so zwin­gend dem Unter­gang ent­ge­gen gehen, der ist jet­zt min­destens zehn Jahre alt. Und wenn Sie etwas inter­essiert­er wären und sich bemühen wür­den, hinzuschauen, dann wür­den Sie fest­stellen, dass sich die Ver­lagswelt rasend ändert und die Großen von gestern da ganz vorne sind und wohl auch die Großen von mor­gen sein wer­den.
Es ist ein gutes Gefühl zu glauben, dass man es kapiert hat und die anderen nicht. Wenn Sie die Leute in den großen Konz­er­nen ken­nen wür­den, dann wür­den Sie angemessen respek­tvoll wer­den. Die haben näm­lich nicht nur eine gute Aus­bil­dung und sind intel­li­gent, die haben auch mehr Infor­ma­tio­nen und einen besseren Blick auf die inter­na­tionalen Entwick­lun­gen.
Und die Num­mer mit Kul­tur ver­sus Kom­merz ist nun auch gefühlt hun­dert Jahre alt und hat im Jahr eins schon nicht gepasst son­dern war ein Kampf­be­griff.
So wird das nichts. Pro­duk­tiv­er wäre es, die Erfahrun­gen von Klein­ver­la­gen und großen, von New­com­er und arriv­ierten, von Vor­re­it­ern des Dig­i­tal­en und erfol­gre­ichen Ver­fechtern des Gedruck­ten auszu­tauschen, nicht mit dem Impe­tus im Stre­it­ge­spräch den anderen zu besiegen, son­dern mit dem Ziel seine Posi­tion zu ver­ste­hen und aus der Dif­ferenz zur eige­nen etwas zu ler­nen.

Soll­ten Sie darauf je Lust bekom­men, dann ste­ht mein Ange­bot, mal mit ein­er Runde von Kol­le­gen ein gemein­sames Gespräch zu machen, Her­rn Gle­ich und andere eingeschlossen. Dann kön­nte das Ziel sein, gemein­sam nach Verbesserun­gen der Ver­lags­branche zu suchen, die ja die Auf­gabe hat, zwis­chen Autor und Leser opti­mal zu ver­mit­teln.

Her­zliche Grüße
Ihr Matthias Ulmer

Plumps

sagt:

Eigentlich ist es ganz ein­fach.
Kauft nie­mand oder zuwenige ist das Pro­dukt zu teuer und damit nicht wet­tbe­werb­s­fähig.
Andere Ver­lage, da fällt mir der Atlantisver­lag ein, welche Nis­chen bedi­enen, haben offenkundig weniger Prob­leme mit der Kosten­struk­tur bei Ebooks.

sagt:

Ich habe schon darauf gewartet, dass Herr Ulmer irgend­wann mit dem Totschla­gar­gu­ment »Sie haben ja keine Ahnung!!!« kom­men würde, dieser Diskred­i­tierungsver­such war lei­der abzuse­hen. Zudem noch mit einem Kom­men­tar, bei dem aus jed­er einzel­nen Zeile Arro­ganz trieft. Ich über­lasse es den Lesern, ihre Schlüsse daraus zu ziehen und spiele das Spielchen nicht mehr mit. Finde es allerd­ings niedlich, dass er mir Inter­essen­losigkeit vor­wirft. Hätte er Inter­esse gezeigt, wäre ihm sich­er aufge­fall­en, wie lange ich mich auf diesem News­portal bere­its mit den The­menge­bi­eten befasse.

sagt:

Nach­trag: Wäre »es mein Bemühen gewe­sen, dafür zu sor­gen, dass ›der da‹ sofort wieder ver­schwindet« hätte ich seine Beiträge ein­fach nicht freigeschal­tet. Nun ist es aber eben nicht so, dass hier alle seine Trak­tate unwider­sprochen und unkri­tisiert gelassen wer­den, wie er es offen­bar gern hätte. Deswe­gen möchte er auch, dass ich in seine Are­na komme, wo er Heim­spielvorteil hätte.

Ich habe über die Jahre immer wieder aufgezeigt, wo sich Ver­lage mein­er Ansicht nach falsch oder mit­te­lal­ter­lich ver­hal­ten, ohne dass das ihn oder irgend jeman­den anderen aus der Branche inter­essiert hätte. Und ich habe bei etlichen mein­er Punk­te hin­ter­her Recht behal­ten. Das kann man natür­lich als »der inter­essiert sich nicht« abkanzeln, man kön­nte es allerd­ings auch als Zeichen dafür nehmen, sich mal an die eigene Ver­lagsnase zu fassen, und die Vorge­hensweisen zu über­denken. In der Hin­sicht sehe ich allerd­ings keinen Willen seit­ens der Branche. Fehler wer­den in aller Regel immer noch jahre­lang ignori­ert und weit­er fort­ge­führt. Dazu gehört auch das irrsin­nige Pric­ing­mod­ell auf Büch­er und eBooks, die teur­er wer­den, als der Markt es hergibt. Und wenn dann die Umsätze zurück gehen, sind selb­stver­ständlich die Raubkopier­er schuld, und nicht die Mond­preise. Wenn die Büch­er so teuer wer­den müssen, weil sich son­st die Ver­lage nicht tra­gen, ist der große Ver­lag in der Form offen­sichtlich ein Aus­lauf­mod­ell, weil das Geschäft­skonzept unwirtschaftlich gewor­den ist (man muss sich dann natür­lich noch fra­gen, inwieweit die deutschen Ver­lage für ihre weltweit agieren­den Mut­terkonz­erne tat­säch­lich nur noch als Steuer­ab­schrei­bungsmod­elle fungieren).

Klein­ver­lage kön­nen das tat­säch­lich bess­er, auch wenn der Buch­han­del alles gibt, deren Werke nicht verkaufen zu müssen. Würde man nicht ständig »das Buch kann ich nicht bestellen« hören, gin­ge es zum einen dem Han­del bess­er und wür­den zum anderen dort auch mehr Umsätze getätigt wer­den, statt über ama­zon, die eben ein­fach alles verkaufen, und sich nicht zieren, ihrem Job nachzukom­men. Und trotz dieser Schierigkeit­en, über die ich bere­its mehrfach aus­führlich in ver­schiede­nen Artikeln berichtet habe, sind die Klein­ver­lage im Gegen­satz zu »den Großen« trotz­dem noch in der Lage, angemessene Preise anzusagen. Woher mag das kom­men?

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