British Library stellt Literatur aus dem 19. Jahrhundert kostenlos zur Verfügung

Black BessDie British Library sam­melt – ähn­lich der Deutschen Nation­al­bib­lio­thek – Kopi­en aller Büch­er, die im britis­chen Kön­i­gre­ich erscheinen. Finanziell und tech­nisch unter­stützt wird sie dabei in den let­zten Jahren von Microsoft. Mit dessen Hil­fe hat man zahllose Erstaus­gaben – wir reden über ca. 65000 Büch­er – von Lit­er­atur aus dem 19. Jahrhun­dert dig­i­tal­isiert und will diese ab dem Früh­ling dem inter­essierten Leser kosten­los zur ver­fü­gung stellen. Das ist die gute Nachricht, am let­zten Sam­stag gemeldet vom Tele­graph.

Die schlechte Nachricht ist, dass man sich als Part­ner für die Verteilung dieser Büch­er Ama­zon aus­ge­sucht hat. Zwar hat man noch nichts über das For­mat der eBooks ver­laut­en lassen, aber es ste­ht zu befürcht­en, dass die dig­i­tal­isierten Fas­sun­gen nur auf dem Kin­dle zu lesen sein wer­den und andere eRead­er außen vor bleiben; tat­säch­lich hat man sich aber bis­lang wed­er zum For­mat der eBooks noch zu einem eventuellen Kopier­schutz geäußert. Grund für diese unschöne Koop­er­a­tion kön­nte sein, dass Ama­zon auch gedruck­te Aus­gaben der Büch­er anbi­eten wird, diese sollen für ca. 15 Dol­lar pro Werk per book on demand erhältlich sein. Das wiederum ist preiswert – ver­glichen mit den Preisen ander­er Anbi­eter ver­grif­f­en­er Werke (gern auch mal 250 Pfund), die durch diese Koop­er­a­tion unter Druck ger­at­en dürften.

Grund­sät­zlich ste­hen damit dann aber nicht nur Klas­sik­er von Jane Austen, Charles Dick­ens und Thomas Hardy zur Ver­fü­gung, ins­beson­dere der Steam­punk-Fan und Anhänger vik­to­ri­an­is­ch­er Triv­ial­lit­er­atur dürfte sich darüber freuen, dass sich unter den veröf­fentlicht­en Werken auch zahllose »Pen­ny Dread­fuls« befind­en, Vor­läufer der heuti­gen Heftro­mane, die seit der Erstveröf­fentlichung nicht mehr im Han­del erhältlich waren. Ca. 40 Prozent der Büch­er aus dem 19. Jahrhun­dert in der British Library sind ander­swo nicht mehr zu bekom­men.

Die geme­in­freien Werke kosten­los zur Ver­fü­gung zu stellen ist löblich und erfreulich – aber musste es aus­gerech­net Ama­zon sein?

Bild: Pen­ny Dread­ful BLACK BESS, 1866 – 68, aus der Wikipedia

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

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