Lübbe Audio und die Begründung von Serieneinstellungen

piracy_cdMitte des Monats veröffentlichte Lübbe Audio eine Pressemitteilung, in der man bedauerte mitteilen zu müssen, dass aufgrund von Umsatzeinbrüchen drei Hörspielserien leider eingestellt werden. Und man hatte natürlich sofort auch die Übeltäter ausgemacht, die für die Umsatzeinbrüche die Schuld tragen: es handelt sich hierbei nicht etwa um die Bänker, die für die weltweite Wirtschaftskrise verantwortlich sind und die damit Milliarden an Kaufkraft vernichtet haben, sondern es sind illegale Downloads über beispielsweise P2P-Netzwerke.

Allenthalben hob sofort ein recht undifferenziertes Heulen und Zähneklappern an, es wurde über die bösen Raubkopierer geschimpft und sogar Vergleiche mit Ladendieben gezogen, ohne Lübbes Zahlen zu hinterfragen, oder vielleicht mal zu überlegen was an den Äußerungen tatsächlich dran ist. Könnte es vielleicht sein, dass man suboptimales Marketing mit den vollmundigen Hinweisen auf die ach so bösen Raubkopierer kaschieren möchte? Könnte es sein, dass die anvisierte Klientel angesichts einer Weltwirtschaftskrise ihr Geld lieber für andere Dinge oder gar nicht ausgibt?

Ich habe mal die Probe aufs Exempel gemacht und in den drei beliebtesten Suchmaschinen für Torrent-Dateien nach “Offenbarung 23” und “Sternenozean” gesucht (den Suchbegriff “Edgar Allen Poe” habe ich ausgelassen, da es hier zu viele irrelevante Ergebnisse gegeben hätte). Mir ist klar, dass es auch noch Emule und weitere gibt, aber das Torrent-Netzwerk ist inzwischen das deutlich beliebtere, weiterhin lassen auch die Ergebnisse im Torrent-Netzwerk eindeutige Rückschlüsse auf andere P2P-Netzwerke zu. Zudem habe ich keinen Emule-Client installiert und es kommt mir auch keiner auf den Rechner. Die Ergebnisse samt Screenshots im erweiterten Artikel.

Ich zitiere aus der Pressemeldung:

Als Hauptgrund für diese erschreckenden Umsatzeinbußen innerhalb der letzten Jahre sehen wir den starken Anstieg der Internetpiraterie insbesondere im Hörspielbereich. So liegen uns Zahlen vor, wonach einige Folgen unserer offenbarung23 Hörspielserien von bis zu 50.000 Anbietern illegal angeboten werden, wobei wir hier nur von den Anbietern illegaler Downloads sprechen und nicht von der realen Zahl tatsächlich herunter geladener Folgen, die noch um einiges über dieser Zahl liegen dürften. Im Schnitt wird jedes unserer Hörspiele von etwa 1.000 Anbietern zum illegalen Download angeboten, was uns zusammen mit weiteren illegalen Angeboten wie z.B. Streaming, frappierende Umsatzverluste einbrachte. Diese Einbußen zwingen uns nun dazu, die Hörspielserien Edgar Allan Poe, Perry Rhodan und Offenbarung 23 in letzter Konsequenz einzustellen.

Man lasse sich die Zahl auf der Zunge zergehen: 50000 Anbieter. Nachfolgend die Suchergebnisse zu “Offenbarung 23” auf isohunt, piratebay und torrentreactor (aus rechtlichen Gründen nicht verlinkt, siehe entsprechende Heise-Artikel zur eventuellen Störerhaftung beim Setzen von Links):

Bei Isohunt wurden 43 Hits gefunden, hier ein Überblick über die erste Ergebnisseite, absteigend sortiert nach Anzahl der Seeds (S = Seeder, L = Leecher):

Offenbarung 23 isohunt

Bei PirateBay wurden zwei Treffer ausgegeben (SE = Seeder, LE = Leecher):

Offenbarung 23 piratebayEinen Screenshot von TorrentReactor erspare ich mir, denn es gab es nicht einen Treffer.

Zur Erklärung Seeder und Leecher (vereinfacht): Ein Seeder ist eine Person (bzw. ein Rechner), die die Datei vollständig vorliegen hat und sie somit vollständig weiterverbreiten kann, ein Leecher hat nur Teile der Datei, verbeitet diese aber auch weiter.

Ich habe des Weiteren auch nochmal nach dem Begriff “Offenbarung 23” im Zusammenhang mit Rapidshare gesucht, dort ist die Situation absolut analog und die Zahlen sind ähnlich: es gibt einzelne, seltene Treffer, je nachdem wie und wo man sucht insgesamt (!) zwischen 13 und 17 Treffern.

Man muss kein Tech- oder Web-Freak sein, um die Ergebnisse zu interpretieren: Die OFFENBARUNG 23-Hörspiele sind im Torrent-Netzwerk quasi nicht vorhanden und es besteht so gut wie keinerlei Interesse daran. 50000 Anbieter? Das kann man verneinen, da auch aktuelle Episoden weder häufig vorhanden sind, noch Seeds aufweisen können.

Machen wir denselben Test für das Suchwort “Sternenozean”, insgesamt 13 Treffer bei isohunt:

Sternenozean isohunt

Kein einziger Seeder…

PirateBay: keine Treffer, TorrentReactor: keine Treffer

Fazit: Vorhandensein verschwindend gering.

Ich habe dann nochmal stichprobenartig nach einzelnen konkreten Titeln der Reihen gesucht, es hätte ja sein können, dass nicht unter dem Reihentitel sondern unter dem Einzeltitel etwas zu finden gewesen wäre: Es wird niemanden verwundern, dass die Treffer zu den oben gefundenen Ergebnissen passten: es gab so gut wie keine (konkretes Beispiel PR PARAGONKREUZ – drei Treffer, keine Seeder, zwei Leecher: de facto nicht vorhanden).

Lübbe wird jetzt wahrscheinlich damit argumentieren wollen, dass die angeblich angebotenen Produkte inzwischen aus welchen Gründen auch immer aus dem Netz verschwunden sind. Wer allerdings weiß, wie P2P-Netzwerke funktionieren, der weiß auch, dass das nicht möglich ist, denn was einmal im Netz ist, ist nur sehr schwer wieder daraus zu entfernen. Sicher versucht man gegen die Anbieter solcher angebotenen Dateien vorzugehen, aber der Prozess ist langwierig und bis es zu Klagen oder Abmahnungen kommt, vergehen Jahre, deswegen zieht auch eine mögliche Erklärung nicht, man habe die Torrent-Dateien entfernen lassen, denn das kann so schnell nicht der Fall sein. Man kann bisweilen Betreiber von Torrent-Suchmaschinen (wie die hier genannten) im In- und manchmal auch im Ausland dazu bringen, die Links zu entfernen, aber auch das ist zeitaufwändig oder allzu oft einfach nicht möglich.

Ich wage die These (und dabei handelt es sich ausdrücklich um meine Meinung), dass die genannten Zahlen, insbesondere die “50000 Anbieter” Dampfblasen und Luftnummern sind, die sich nicht belegen lassen. Ich lasse mich mit entsprechenden nachvollziehbaren Beweisen aber gern eines anderen belehren.

Und um eins ganz klar zu machen: Es geht hier nicht darum, was davon zu halten ist, wenn Produkte der Rechteverwerter oder Copyrightinhaber im Netz zu finden sind, die Thematik ist zu komplex, um sie in ein paar Sätzen abhandeln zu können, weiterhin ist die Rechtslage in Deutschland weitestgehend eindeutig. Worum es hier geht, ist die Pressemitteilung Lübbes, die Absatzschwierigkeiten mit illegalen Downloads begründet und dabei Zahlen wie “50000 Anbieter” nennt, die man leicht überprüfen kann – und die nicht mal ansatzweise stimmen können. Und es geht darum, dass diverse Kommentatoren im Netz den genannten Zahlen glauben und sich ereifern, ohne sie zu hinterfragen, oder mal selbst zu recherchieren, wie oft die Produkte tatsächlich in P2P-Netzwerken zu finden sind.

Die Einstellung der genannten Serien ist für die Fans sicherlich höchst bedauerlich und für Lübbe Audio auch. Man möge mir aber vergeben, wenn ich den vorgeschobenen und nicht belegbaren Grund “Raubkopien übers Netz” nicht glaube und mir mehr Ehrlichkeit wünschen würde und weniger markige Marketing-Sprüche.

Abschließend noch eine erhellende Abbildung zum Thema “Ladendiebstahl”:

piracy-is-not-theftEdit: Eine weitere Vermutung hatte ich noch vergessen. Es liegt durchaus im Bereich des Denkbaren, dass die eingestellten Serien ohnehin nur eine sehr schmale Käuferschicht unter den Fans ansprechen. Leider sind mir keine Absatzzahlen bekannt, es ist aber ein offenes Geheimnis, dass Hörspiele schon lange nicht mehr die Topseller sind, die sie mal waren und von wenigen gut verkauften Ausnahmen abgesehen etliche Serien nur vergleichsweise geringe Einnahmen erzielen. Der Aufwand und damit die Kosten für die Produktion eines Hörspiels sind ungleich höher als für ein Hörbuch, insbesondere was die Anzahl an Sprechern und die Produktionsbedingungen angeht. Wenn ich lese, dass die Messe “Hörspiel” in Hamburg – nach eigenem Bekunden die größte Hörspiel-Messe Europas und der Welt – gerade mal (man möge mir vergeben: lächerliche) 3000 Besucher aufweisen kann, dann ist das ein weiterer untrüglicher Hinweis auf einen Nischenmarkt.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harmloser Nerd mit natürlicher Affinität zu Pixeln, Bytes, Buchstaben und Zahnrädern. Konsumiert zuviel SF und Fantasy und schreibt seit 1999 online darüber.

24 Kommentare for “Lübbe Audio und die Begründung von Serieneinstellungen”

Stefan Holzhauer

sagt:

Wie ich soeben durch einen eingehenden Link feststellen konnte, wird mein Artikel im Zauberspiegel mit einem Kommentar bedacht. Es ist schön festzustellen, dass man a) gelesen, b) auf einen “ehemaligen Mitarbeiter” reduziert und c) einem unterstellt wird, illegales Verhalten gut zu heissen. Mich würde mal interessieren, wo man eine solche Aussage meinerseits in diesem Artikel finden kann…
Meine Aussage war, dass die Thematik zu komplex ist, um sie in wenigen Sätzen abzuhandeln, weiterhin wies ich auf die Gesetzeslage in Deutschland hin.
Ich habe an keiner Stelle ausgesagt, dass Downloads von urheberrechtlich geschützem Material NICHT illegal wären und bitte den Verfasser des Kommentars, das zur Kenntnis zu nehmen. Er behauptet fälschlich das Gegenteil und ich gehe davon aus, dass diese Falschaussage korrigiert wird.

Horst von Allwörden

sagt:

Was soll ich sagen. Eine Korrektur wirde so nicht geben. Allein die Grafik ist für mich verharmlosend und birgt für ich in gewisser Weise eine gewisse Akzeptanz. Den diese Kopien sind geanuso illegal wie ein mitgenommenes Teil aus dem Markt und verursachen (in gewissen Fällen) ein Schaden. Und auch du hast meinen Artikel gar nicht gelesen, weil ich mich von Lübbes Begründung insofern löse, als ich fetstelle “Aber gut, selbst wenn wir einmal annehmen Lübbe habe sich damit eine Schutzbehauptung schaffen wollen, um so das eigene Versagen für genügend Absatz zu sorgen zu kaschieren (und somit Lübbe selbst den Karren der drei Hörspielserien vor die Wand gefahren hat), oder – andere Annahme – die Käufer hätten diesen Serien auf lange Sicht die Gefolgschaft verweigert… Es bleibt das grundsätzliche Problem, dass es einen gewissen (materiellen) Schaden gibt, den genau zu beziffern die Aufgabe für Mathematiker und Statistiker sein dürfte – und wahrscheinlich in einer irre komplizierten Formel münden dürfte.”

An diesem Punkt löst sich der Artikel gänzlich von Lübbe und seinen Serien. Das war letztlich nur der Aufhänger, um die Materie mal zu durchleuchten.

Horst von Allwörden

sagt:

Und noch eines: Dass ich Dich lediglich als Ex-Mitarbeiter tituliere, liegt daran, dass Du mir vor längerer Zeit geschrieben, dass Du öffentlih nicht mit der Technik des Zauberspiegels in Verbindung gebracht werden wolltest und die Nachrichten sind ein Extra-Projekt. Daran habe ich mich gehalten. Und was ist daran auszusetzen, diese Bezeichnung zu benutzen: Du bist ausgeschiedener (also Ex) Mitarbeiter. Dein Useraccoutnt besteht noch und Du kannst mira uch im Zauberspiegel widersprechen. Du kannst es aber auch Account als Gast tun. Dagegen spricht nichts.

Stefan Holzhauer

sagt:

“Die Grafik ist verharmlosend”

Was für ein Unsinn. Die Grafik zeigt eindeutig den Unterschied zwischen Diebstahl und “Piracy” auf. Piracy ist per definitionem kein Diebstahl, kann überhaupt kein Diebstahl sein, da man Immaterialgüter nicht stehlen kann – ein Urheberrechtsverstoß ist kein Diebstahl. Mit “verharmlosend” hat das überhaupt nichts zu tun, eher damit, zu verstehen, wie eine Kopie oder eine Tauschbörse funktioniert. Wenn man die Aussage dahinter nicht verstehen kann, oder sie (ob wissentlich oder aus Ahnungslosigkeit) missinterpretiert, kann das nicht mir zum Vorwurf gemacht werden. Ebensowenig kannst Du mir Deine Missinterpretation der Grafik anhängen.

Ich verwahre mich nach wie vor gegen die Verleumdung (und um nichts anderes handelt es sich), ich würde Rechtsbrüche gutheißen.

Davon abgesehen wurde die Materie in Deinem Artikel nicht “durchleuchtet”, es handelt sich um das Wiederkäuen von Parolen der Rechteverwerter. Ich empfehle für eine Aneignung einer differenzierteren (und inhaltlich korrekteren) Betrachtungsweise und zum Aneignen zumindest eines rudimentären Wissens zum Thema die iRights-Webseite, sowie die dort verlinkte Seite der Bundeszentrale für politische Bildung zum selben Thema. Lesen und verstehen.

Edit: Dass in dem fraglichen Artikel nachträglich inhaltliche Änderungen vorgenommen werden finde ich allerdings ein wenig merkwürdig…

Ansonsten (Zitat): “Es ist schön festzustellen dass man gelesen wird”…

Horst von Allwörden

sagt:

Seit wann sagen Rechteverwerter, dass nicht jeder Download ein Schaden verursacht? Im Gegenteil: Gerade berichtete die BBC über eine neue Studie der Industrie, die nocha stronomischer Schadenssummen und darüberhiaus noch Jobs kostet. Derart undiffernzierte Studien sind es, die der Indsutrie die sympathien abhanden kommen läßt. Das war längst kein Wiederkäuen.

Und ob der Begriff juristisch exakt ist oder nicht, stört mich nicht. Die dahinterstehende Mentalität illegaler Kopien ist die gleiche wie die eines Ladendiebs. Ich danke für den Austausch von Gedanken.

Stefan Holzhauer

sagt:

Dem ersten Absatz des vorstehenden Kommentars konnte ich leider auch nach mehrmaligem Lesen keinen verständlichen Sinn entnehmen…

Der zweite zeugt von einer dinosaurierhaften Einstellung zum Web, eine ähnliche wie sie die Rechteverwerter an den Tag legen. Es wird nach Gesetzen geschrieen oder es werden bestehende Gesetze herangezogen, die mit den Realitäten längst nicht mehr kompatibel sind, da sie nicht mit dem Internet im Sinn gemacht wurden. Als die Gesetze entstanden gab es das Internet noch gar nicht. Gesetze müssen sich der Realität anpassen, nicht die Realität an die Gesetze.

Im übrigen ist das Geschrei der Rechteverwerter eine Farce, sind sie es doch fast immer, die die Urheber über den Tisch ziehen und ihnen nur Brosamen zukommen lassen, die Rechteverwerter sich dagegen die Taschen vollstopfen.

Vordringlich muss es zu einer Diskussion kommen, wie die Rechte der Urheber zu stärken sind und NICHT wie die Pfründe der Verwertermafia zu sichern sind. Es kann und darf für veraltete Geschäftsmodelle keinen Bestandsschutz geben und genauso wenig darf eine ganze Generation pauschal kriminalisiert werden, weil das einige wenige Bonzen in der Verwertungsindustrie oder Stammtischphilosophen gern so hätten. Im übrigen stelle ich in Frage, dass es eine “Ladendieb-Mentalität” gibt, ich gehe davon aus, dass Unwissen und vor allem Gewohnheit die Gründe sind. Man ist es doch gewohnt überall und ob man will oder nicht Musik um die Ohren gehauen zu bekommen, weiterhin wurde schon immer Musik getauscht, ob auf Tape oder über das Internet ist zuerst einmal nur eine Frage des Mediums. Und schon mit der Einführung der Musicassette beschwor man das Ende der Musik – was davon zu halten ist, weiß in der Rückschau jeder…

Horst von Allwörden

sagt:

Rechteverwerter behaupten immer, dass jeder Download ein Schaden ist. Dies ist zu negieren und ich negiere das auch in dem Artikel.

Gerade berichtet aber die BBC über eine weitere Studie, die noch richtig astronomische Zahlen nennt und den Verlust tausender Jobs ankündigt. Diese Studie ist wie üblich überzogen und wird wohl zu Recht als Gefälligkeitsgutachten bezeichnet. Interessant hierbei ist, dass die Gewerkschaften mit im Boot sitzen.

Darüber hinaus kann man aus (gefühlt) überteuerten Produkten nicht ableiten, dass man ungehemmt illegale Kopien verwenden darf. Das ist illegal. Es gibt imer noch die Möglichkeit, Produkte nicht für den aufgerufenen Preis zu kaufen, also zu verzichten. Das sit ein Schlag gegen die “Verwertermafia”… Und dieser Begriff zeigt auch die Verharmlosung des Tuns. Und die sich illegal Sachen herunterladen, kriminalisieren sich selbst.

Zum Tausch sei gesagt: Musikkassetten konnten z. B. Musik nicht annährend so mühelos in einer Qualität vervielfältigen, die vom Original nicht zu unterscheiden ist und ist eben auch nicht in der Quantität verfügbar. Und der Einzelne bot sie in der Regel nicht wildfremden Personen an.

Stefan Holzhauer

sagt:

Es ist seltsam zu sehen, dass Du so pauschal und undifferenziert genau weisst, was angeblich illegal ist – und das bei einem Thema bei dem sich sogar Rechtsanwälte und Gerichte ausgiebig streiten, es völlig unterschiedliche Urteile gibt und die Rechtsprechung sich soeben erst den Gegebenheiten anpasst. Ich empfehle nach wie vor, sich einschlägige Texte zu dem Thema mal anzusehen, die NICHT von der Contentmafia und ihren politischen Lakaien verfasst wurden. Auf iRights schreiben Anwälte, die Bundeszentrale für politische Bildung ist auch keine Organisation, der man üblicherweise Unsinn zuschreibt.

Zur Qualität: das ist kein Argument, den meisten Nutzern ist die Qualiät völlig egal, denen hat die Cassette über Jahrzehnte völlig gereicht und die hören auch heute noch UKW-Radio mit einer miesen und technisch völlig überholten Qualität. Die Qualiät ist ein weiteres Nichtargument.

Es gibt inzwischen sogar bei den etablierten Internetausdrucker-Parteien Stimmen, die für eine Novellierung der zugehörigen Rechte und beispielsweise für die Einführung einer Kulturflatrate argumentieren (es gibt offenbar auch dort Realisten). Wird damit dann Deiner Meinung nach der angeblichen “Kriminalität” Vorschub geleistet? Meiner Ansicht nach würde mit solch einer Regelung zumindest ein winziger Schritt in die richtige Richtung getan, ich befürchte allerdings, dass die Verteilung der eingenommenen Gelder wieder mit völlig undurchsichtigen und fast schon kriminell zu nennenden GEZ- oder GEMA-Regeln durchgeführt werden wird.

An welcher Stelle habe ich abgeleitet, dass man ein überteuertes Produkt kostenlos herunterladen “darf”?

Was soll das Argument “dass nicht jeder Download ein Schaden ist” aussagen? Was gibt es da zu negieren?

Stefan Holzhauer

sagt:

Zitat aus Zeit Online vom 14.12.2009 – 14:30 Uhr:

Letztlich muss sich die Verwertungsindustrie die Frage stellen, ob sie ihren Feldzug gegen die Filesharer überhaupt je gewinnen kann. Es reicht nicht, den Politikern die Texte zu schreiben, mit denen sie den Konsumenten die Mär vom “geistigen Eigentum” verkünden. Auch jeder noch so heftige Eingriff in die technische Infrastruktur wird nicht verhindern, dass digitale Werke getauscht werden können. Spätestens seit der Verbreitung von USB-Sticks ist dafür nicht einmal mehr das Internet nötig. Der Austausch findet überall statt und kann daher weder kontrolliert noch verhindert werden. Neue Geschäftsmodelle werden immer erfolgreicher und verdrängen die überholten. Die Verwertungsindustrie muss dies akzeptieren und mit der Zeit gehen, oder sie wird auf Dauer scheitern.

Zitat von Sueddeutsche.de 26.03.2010, 09:05:

In der Welt der vernetzten Inhalte werden die Verwerter eine geringere Rolle spielen. Vergütungen werden direkt zu den Urhebern fließen, ohne den Umweg über Abgaben, die von Verwertergesellschaften wie der GEMA oder der VG Wort kontrolliert werden. Diese monopolgleichen Vereine gehören noch zu einer Welt, in der Transferzahlungen an Rechteinhaber bürokratisch administriert werden mussten.

PhantaNews vom 23.02.2010: Das Ende der Mittler

Darin verlinkt: Isotopp

Und nochmal Isotopp zum Kopieren und zur Realität im Netz

Horst von Allwörden

sagt:

Dass sich etwas ändern muss war nicht Thema des Artikels, sondern der Status Quo. Und der Status ist, dass es illegal ist.

Und wer von Verwertungsamfia spricht, der verharmlost das Tun anderer und für mich diffamiert das jeden Verwerter, heißt das Tun gut. Gleichgültig wie er handelt. Aber das ist Dein Bier. Und – das ist meine Meinung – der sympathisiert zumindest mit Leuten, die sich geistigen Eigentums bemächtigen, indem sie es unbegrenzt zur Verfügung tellen. Wenn jemand seine Schöpfung frei zur Verfügung stellt, ist das etwas Anderes. Zudem gibt es sehr viele frei zugängliche Ressourcen. Aber so lang es Copyrights unterliegt….
Zudem war es bei dem Artikel mir einfach zu billig, mich auf die Seite derer zu stellen, die bereitstellen und herunterladen. Das kann nämlich jeder und es ist in. Nein, trotz aller Milchmädchenrechnungen und überhöhten Zahlen sind da Rechte. Und eine Kulturflatrate ist schlicht und ergreifend ein zu paushale Lösung. – Wer nicht kaufen will, soll es sein lassen.

Aber wir drehen uns im Kreis. Daher denke ich, die Diskussion von uns beiden führt nicht weiter.

Stefan Holzhauer

sagt:

Weiterhin also keine inhaltliche Argumentation, sondern nur das Wiederkäuen der Parole “es ist illegal”.

“Aber so lang es Copyrights unterliegt…”

“Frei zugängliche Ressourcen” unterliegen also Deiner Ansicht nach keinen “Copyrights”? Ich wiederhole meine Anregung, dass Du Dich über die Sachlage informieren solltest, zudem auch der Bezug auf “Serverbetreiber” (am Ende Deines Artikels) von Ahnungslosigkeit zeugt.

Ich heiße also “das Tun” (was immer das auch sein mag) gut, weil ich die Contentmafia Contentmafia nenne?

Ich stimme Dir zu, angesichts solcher Aussagen erübrigt sich jede weitere Diskussion…

Danken möchte ich allerdings noch für folgende Aussage:

“Und eine Kulturflatrate ist schlicht und ergreifend ein zu paushale Lösung. – Wer nicht kaufen will, soll es sein lassen.”

Aber GEZ-Gebühren sind in Ordnung? (/facepalm)

Stefan Holzhauer

sagt:

Anzumerken wäre noch, dass man es beim Zauberspiegel selbst mit den Urheberrechten nicht so ernst nimmt. Zahllose urheberrechtlich geschützte Abbildungen ohne jeglichen Zitathinweis oder mit Albernheiten wie “Archiv des Autors”.

Weiterhin hatte ich den Herausgeber gebeten, meine Artikel aus den Zauberspiegel-News zu entfernen (die weisen insbesondere in ihrer Gesamtheit völlig fraglos die nötige Schöpfungshöhe auf). Mehrfach gebeten. Der antwortete ich habe noch Adminzugang zu den News und solle die selbst löschen. Nur leider habe ich keinen so weiten Adminzugang mehr, dass ich vor dem Löschen ein Backup fahren kann, um die Risiken der Löschung für das WP-System insgesamt zu minimieren und sollte das schief gehen das Backup wieder einspielen zu können. Ich wollte mir nicht vorwerfen lassen, ich habe bei der Löschung das System abgeschossen (wer WordPress kennt, weiss wie zickig die Software sein kann). Aus dem Grund habe ich selbst die Löschung unterlassen und nochmals darum gebeten, die Artikel zu entfernen. Das ist jetzt Wochen her. Reaktion auf meine Mail: keine.

Gelten seine markigen Worte über Urheberrechtsverletzungen im Web nur pro Rechteverwerter (aka Contentmafia)? Oder wie sollte man diese Verhaltensweisen sonst interpretieren?

Kyr

sagt:

Mal von eurer Diskussion weg, zu der Diskussion, warum Lübbe wohl diese drei Reihen eingestellt hat.
Ich persönlich bin kein großer Freund von Hörspielen und würde mir wahrscheinlich auch kein Hörspiel kaufen, wenn es die für einen Euro zu kaufen gäbe. Kann man Hörspielen/Hörbüchern einfach wenig anfangen; ich laufe auch nicht mit einem Kopfhörer durch die Stadt.

Holzis Nachforschungen habe ich auch mal durchgeführt und komme da zu ähnlichen Ergebnissen. Gesucht habe ich nach Torrents für “Offenbarung 23” und “Paragonkreuz”. Zu “Offenbarung 23” gibt es pro Folge etwa 5 Seeder und 1 oder 2 Leecher.
Für “Paragonkreuz” habe ich im günstigsten Fall 2 Seeder und 1 Leecher gefunden.

Das bestätigt die Aussage, dass sowohl Offenbarung 23 als auch Paragonkreuz kaum als Torrent irgendwo vorhanden ist. Insofern ist die Aussage, dass jedes Hörbuch/Hörspiel von etwa 1000 Anbieter ins Netz gestellt wurde eher in das Reich der Legenden zu verbannen. Ich bin nun auch nicht der geübte Torrentdownloader, vielleicht hat Lübbe ja Experten, die den ganzen Tag nichts anderes machen; kann ja sein.

Für mich ist die Aussage aus der Pressemitteilung einfach heiße Luft. Die Zielgruppe ist einfach zu klein, da kann man keinen Blumentopf gewinnen.

Und ganz allgemein: Das Internet besteht aus “Kopieren”. Wird eine Webseite aufgerufen, so wird sie auf den Zielrechner kopiert, auch eine versandte Mail wird zum Empfangserver kopiert (und dann beim Sender gelöscht), anschließend vom Empfangsserver zum User kopiert (oder per Webseite kopiert).

Diebstahl ist nach meinem Wissen, wenn ich den Gegenstand X dem Besitzer A wegnehme. Dann hat A den Gegenstand X nicht mehr. Ich habe ihn. Da beim Kopieren A immer noch über X verfügt, ist per se kein Diebstahl gegeben. Ist natürlich klar, dass A es nicht gerne sieht, wenn er zwar noch über X verfügt, ich aber mir sein X ohne Geldzahlung einfach so genommen habe. Aber Diebstahl …

Was das denn nun genau ist, scheint niemand wirklich zu wissen. Eine Sache von Gerichten – und die entscheiden mehr oder weniger uneinheitlich.

Meine siebzehn Cent dazu.

Kyr

sagt:

Noch eine Anmerkung: Wenn man sich _nicht_ die Ergebnisse der einzelnen Torrentsuchmaschinen anschaut, sondern mit Suchbegriffen wie “Paragonkreuz Torrent Download” arbeitet und einfach mal Google befragt – tja, da kommt man dann schon auf 1000 Anbieter.

Interessant, dass zum Beispiel “Perry Rhodan 2534 – Der Gesandte der Maahks” locker auf über 200 Seeders kommt.

Stefan Holzhauer

sagt:

Klar, wobei die Google-Ergebnisse != tatsächlich vorhandene Downloads sind. Ob man das bei Lübbe allerdings unterscheiden kann (oder will)…

Wenn man sich die angeblichen 200 Torrent-Seeder für “Der Gesandte der Maahks” mal genauer ansieht, dann sind es tatsächlich nur drei… Das ist dann wieder deutlich näher an der Trefferzahl beispielsweise bei isohunt, da sind es gelistet aktuell vier. Das sind erfreulich wenig.

Christian Montillon

sagt:

Habe die Diskussion hier überflogen.
Lustigerweise stammt “Der Gesandte der Maahks” von mir. Und mir persönlich ist wurscht, ob man das jetzt “Diebstahl” nennen kann oder nicht. Für mich ist (ganz naiv gedacht) es einfach so, und ich gehe davon aus, dass sich diese Treffer auf das Hörbuch beziehen – ich weiß es nicht, könnte auch das ebook sein, ich kenn mich da ehrlich gesagt nicht aus.
Äh, zurück zum Satzfaden: für mich gestaltet sich das so: diese 200 Downloads (darum gehts doch, gell) sind Downloads, die nicht bezahlt wurden. Die also nicht hätten stattfinden dürfen, weil dieser Text/das Produkt zum einen dem Verlag und zum anderen mir gehört (Urheberrecht).
Da hätte ich ehrlich gesagt schon lieber 200 weitere bezahlte Downloads. Von denen mir jeder (sagen wir mal, die Zahl ist erfunden) 50 Cent gebracht hätte. Macht zusammen 100 Euro, die ich nicht habe, aber haben sollte. Macht bei 10 Perrys im Jahr 1000 Euro. Ohne weiter nachzugucken, ob und wie die vom letzten Jahr auch noch weiter downgeloaded werden.

Und nochmal: mir ist wurscht, ob das, was ich hier schreibe, juristisch korrekt ist. Wer für meine Texte nicht bezahlen will, soll sie nicht hören/lesen. Punkt. Oder soll sie sich von nem Freund ausleihen. Und ob mein Schaden 100 Euro im Jahr ist, 1000 Euro oder 10.000 Euro: Das ist Geld, das nicht in meinem Geldbeutel landet. Für die 100 Euro könnt ich toll essen gehen, für die 1000 Euro in Urlaub fahren, für die 10.000 Euro ein Carport bauen und meinen Hof pflastern.

Hey – das ist Arbeit, die ich geleistet habe und die ich gefälligst auch bezahlt haben will, wenn jemand das Produkt lesen/hören will. Insofern ist jeder illegale Download ein Diebstahl an mir. Und am Verlag genauso. Egal, ob das Wort passt oder nicht – die Tatsache bleibt bestehen.

Christian Montillon

sagt:

Nur zur Klarstellung: Ich werfe hier niemandem der Diskutanten etwas vor. Ich sage nur mal, wie es sich aus der Warte eines “Betroffenen” anfühlt.
Mir ist klar, dass diese 200 Downloads (die ja nur stellvertretend dastehen) im anderen Fall keine 200 Käufer gewesen wären. Aber, hm, sie hätten es auch kaufen können. Wollen aber kein Geld ausgeben. Sollen sie es also auch nicht besitzen. Punkt.

Stefan Holzhauer

sagt:

Um das nochmal eindeutig klarzustellen, insbesondere da HHvA mir etwas anderes unterstellt: Ich heiße das illegale Herunterladen urheberrechtlich geschützen Materials NICHT gut. Ich wüsste auch nicht, aus welchen meiner Aussagen man das auch nur ansatzweise entnehmen könnte.

Worum es hier geht ist, dass immer wieder beeindruckende Zahlen von angeblichen illegalen Downloads erfunden werden, die mit der Realität nichts aber auch gar nichts zu tun haben, um beispielsweise Serieneinstellungen oder massiv eingebrochene Umsatzzahlen zu rechtfertigen. Und allzu oft sind diese Zahlen frei erfunden – so auch hier.

Und: es handelt sich bei den angesprochenen “200 Downloads” (wir reden über das eBook) NICHT um Downloads sondern um Seeds, also Anbieter, die die Datei haben und anbieten. Damit ist noch nicht ausgesagt, dass die sie nicht gekauft haben (wobei die Vermutung wohl nahe liegt, dass sie es nicht getan haben) und es ist noch viel weniger gesagt, dass sie auch herunter geladen wird, denn insbesondere die Downloadzahlen lassen sich nach meiner Ansicht nicht mal ansatzweise sicher feststellen. Zudem: das von Google ausgeworfene Ergebnis ist falsch. De facto liegt die Datei im Torrent-Netzwerk vier mal vor.

Klar willst Du von Deinen Werken leben, will ich auch. Es gibt aber im Zusammenhang mit dieser Thematik so viele Falschaussagen und Missverständnisse, dass zumindest mal ein paar davon zurecht gerückt werden sollten. Ganz unabhängig von der Diskussion über die Illegalität oder die Entwicklung neuer und insbesondere für den Urheber vorteilhafter Bezahlmodelle.

Und eins sollte klar sein: die bisherigen Strukturen und Geschäftsmodelle werden sich so nicht mehr lange aufrecht erhalten lassen, da wird man sich den Realitäten stellen müssen. Das wäre allemal besser, als alle Absatzprobleme auf illegale Downloads zu schieben.

Kyr

sagt:

_ICH_ habe nicht über die eBooks geschrieben, sondern nur über die Hörspiele/Hörbücher.

Und, Christian, ich kann deinen Unmut klar verstehen und teile ihn auch. Als Selbstständiger in der IT-Branche möchte ich auch für meine Arbeit bezahlt werden und bin sehr verärgert, wenn jemand meine Arbeit klaut, weil sie im Netz verfügbar ist.

Stefan Holzhauer

sagt:

Die “zweihundert Treffer” bezogen sich aber auf das eBook, das Hörbuch ist quasi überhaupt nicht im Netz zu finden.

Kyr

sagt:

@Stefan Holzhauer: Du hast Recht. “Perry Rhodan 2534 – Der Gesandte der Maahks” ist als eBook in den Torrenttrackern. Mein Fehler.

Jetzt ist auch gut mit der Sucherei. Neben mir liegen PR2532-2536, die wollen noch gelesen werden. [Gedruckte PR-Hefte, beim Kiosk erworben. ;) ]

Stefan Holzhauer

sagt:

Eben. Ich bin gerade bei “Reise in die Niemandswelt”, als eBook, legal bei Beam-eBooks erworben. :o)

kruemel-chan

sagt:

Das Offenbarunng 23 eingestellt wird hat in meinen Augen einen ganz andren Grund. Es liegt garantiert nicht an den Downloads, sondern vielmehr an der Tatsache, das die Serie ab Folge 30 nur noch riesiger Schrott ist und die Leute es deshalb nicht mehr kaufen und hören wollen. Mit dieser Meinung stehe ich ja nicht alleine da. Ich kann LPL Records nur sagen: Selbst Schuld!!! Das habt ihr selbst versaut!!!

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