Lübbe Audio und die Begründung von Serieneinstellungen

piracy_cdMit­te des Mo­nats ver­öf­fent­lich­te Lüb­be Au­dio eine Pres­se­mit­tei­lung, in der man be­dau­er­te mit­tei­len zu müs­sen, dass auf­grund von Um­satz­ein­brü­chen drei Hör­spiel­se­ri­en lei­der ein­ge­stellt wer­den. Und man hat­te na­tür­li­ch so­fort auch die Übel­tä­ter aus­ge­macht, die für die Um­satz­ein­brü­che die Schuld tra­gen: es han­delt sich hier­bei nicht etwa um die Bän­ker, die für die welt­wei­te Wirt­schafts­kri­se ver­ant­wort­li­ch sind und die da­mit Mil­li­ar­den an Kauf­kraft ver­nich­tet ha­ben, son­dern es sind il­le­ga­le Down­loads über bei­spiels­wei­se P2P-Netz­wer­ke.

Al­lent­hal­ben hob so­fort ein recht un­dif­fe­ren­zier­tes Heu­len und Zäh­ne­klap­pern an, es wur­de über die bö­sen Raub­ko­pie­rer ge­schimpft und so­gar Ver­glei­che mit La­den­die­ben ge­zo­gen, ohne Lüb­bes Zah­len zu hin­ter­fra­gen, oder viel­leicht mal zu über­le­gen was an den Äu­ße­run­gen tat­säch­li­ch dran ist. Könn­te es viel­leicht sein, dass man sub­op­ti­ma­les Mar­ke­ting mit den voll­mun­di­gen Hin­wei­sen auf die ach so bö­sen Raub­ko­pie­rer ka­schie­ren möch­te? Könn­te es sein, dass die an­vi­sier­te Kli­en­tel an­ge­sichts ei­ner Welt­wirt­schafts­kri­se ihr Geld lie­ber für an­de­re Din­ge oder gar nicht aus­gibt?

Ich habe mal die Pro­be aufs Ex­em­pel ge­macht und in den drei be­lieb­te­sten Such­ma­schi­nen für Tor­rent-Da­tei­en nach »Of­fen­ba­rung 23« und »Ster­ne­no­ze­an« ge­sucht (den Such­be­griff »Ed­gar Al­len Poe« habe ich aus­ge­las­sen, da es hier zu vie­le ir­rele­van­te Er­geb­nis­se ge­ge­ben hät­te). Mir ist klar, dass es auch noch Emu­le und wei­te­re gibt, aber das Tor­rent-Netz­werk ist in­zwi­schen das deut­li­ch be­lieb­te­re, wei­ter­hin las­sen auch die Er­geb­nis­se im Tor­rent-Netz­werk ein­deu­ti­ge Rück­schlüs­se auf an­de­re P2P-Netz­wer­ke zu. Zu­dem habe ich kei­nen Emu­le-Cli­ent in­stal­liert und es kommt mir auch kei­ner auf den Rech­ner. Die Er­geb­nis­se samt Screen­shots im er­wei­ter­ten Ar­ti­kel.

Ich zi­tie­re aus der Pres­se­mel­dung:

Als Haupt­grund für die­se er­schrecken­den Um­satz­ein­bu­ßen in­ner­halb der letz­ten Jah­re se­hen wir den star­ken An­stieg der In­ter­net­pi­ra­te­rie ins­be­son­de­re im Hör­spiel­be­reich. So lie­gen uns Zah­len vor, wo­nach ei­ni­ge Fol­gen un­se­rer of­fen­ba­run­g23 Hör­spiel­se­ri­en von bis zu 50.000 An­bie­tern il­le­gal an­ge­bo­ten wer­den, wo­bei wir hier nur von den An­bie­tern il­le­ga­ler Down­loads spre­chen und nicht von der rea­len Zahl tat­säch­li­ch her­un­ter ge­la­de­ner Fol­gen, die noch um ei­ni­ges über die­ser Zahl lie­gen dürf­ten. Im Schnitt wird je­des un­se­rer Hör­spie­le von etwa 1.000 An­bie­tern zum il­le­ga­len Down­load an­ge­bo­ten, was uns zu­sam­men mit wei­te­ren il­le­ga­len An­ge­bo­ten wie z.B. Strea­ming, frap­pie­ren­de Um­satz­ver­lu­ste ein­brach­te. Die­se Ein­bu­ßen zwin­gen uns nun dazu, die Hör­spiel­se­ri­en Ed­gar Allan Poe, Per­ry Rho­dan und Of­fen­ba­rung 23 in letz­ter Kon­se­quenz ein­zu­stel­len.

Man las­se sich die Zahl auf der Zun­ge zer­ge­hen: 50000 An­bie­ter. Nach­fol­gend die Such­ergeb­nis­se zu »Of­fen­ba­rung 23« auf iso­h­unt, pi­ra­te­bay und tor­ren­tre­ac­tor (aus recht­li­chen Grün­den nicht ver­linkt, sie­he ent­spre­chen­de Hei­se-Ar­ti­kel zur even­tu­el­len Stö­rer­haf­tung beim Set­zen von Links):

Bei Iso­h­unt wur­den 43 Hits ge­fun­den, hier ein Über­blick über die er­ste Er­geb­nis­sei­te, ab­stei­gend sor­tiert nach An­zahl der Seeds (S = See­der, L = Lee­cher):

Offenbarung 23 isohunt

Bei Pi­ra­te­Bay wur­den zwei Tref­fer aus­ge­ge­ben (SE = See­der, LE = Lee­cher):

Offenbarung 23 piratebayEi­nen Screen­s­hot von Tor­ren­tRe­ac­tor er­spa­re ich mir, denn es gab es nicht ei­nen Tref­fer.

Zur Er­klä­rung See­der und Lee­cher (ver­ein­facht): Ein See­der ist eine Per­son (bzw. ein Rech­ner), die die Da­tei voll­stän­dig vor­lie­gen hat und sie so­mit voll­stän­dig wei­ter­ver­brei­ten kann, ein Lee­cher hat nur Tei­le der Da­tei, ver­bei­tet die­se aber auch wei­ter.

Ich habe des Wei­te­ren auch noch­mal nach dem Be­griff »Of­fen­ba­rung 23« im Zu­sam­men­hang mit Ra­pid­sha­re ge­sucht, dort ist die Si­tua­ti­on ab­so­lut ana­log und die Zah­len sind ähn­li­ch: es gibt ein­zel­ne, sel­te­ne Tref­fer, je nach­dem wie und wo man sucht ins­ge­samt (!) zwi­schen 13 und 17 Tref­fern.

Man muss kein Tech- oder Web-Fre­ak sein, um die Er­geb­nis­se zu in­ter­pre­tie­ren: Die OF­FEN­BA­RUNG 23-Hör­spie­le sind im Tor­rent-Netz­werk qua­si nicht vor­han­den und es be­steht so gut wie kei­ner­lei In­ter­es­se dar­an. 50000 An­bie­ter? Das kann man ver­nei­nen, da auch ak­tu­el­le Epi­so­den we­der häu­fig vor­han­den sind, noch Seeds auf­wei­sen kön­nen.

Ma­chen wir den­sel­ben Test für das Such­wort »Ster­ne­no­ze­an«, ins­ge­samt 13 Tref­fer bei iso­h­unt:

Sternenozean isohunt

Kein ein­zi­ger See­der…

Pi­ra­te­Bay: kei­ne Tref­fer, Tor­ren­tRe­ac­tor: kei­ne Tref­fer

Fa­zit: Vor­han­den­s­ein ver­schwin­dend ge­ring.

Ich habe dann noch­mal stich­pro­ben­ar­tig nach ein­zel­nen kon­kre­ten Ti­teln der Rei­hen ge­sucht, es hät­te ja sein kön­nen, dass nicht un­ter dem Rei­hen­ti­tel son­dern un­ter dem Ein­zel­ti­tel et­was zu fin­den ge­we­sen wäre: Es wird nie­man­den ver­wun­dern, dass die Tref­fer zu den oben ge­fun­de­nen Er­geb­nis­sen pass­ten: es gab so gut wie kei­ne (kon­kre­tes Bei­spiel PR PA­RA­GON­KREUZ – drei Tref­fer, kei­ne See­der, zwei Lee­cher: de fac­to nicht vor­han­den).

Lüb­be wird jetzt wahr­schein­li­ch da­mit ar­gu­men­tie­ren wol­len, dass die an­geb­li­ch an­ge­bo­te­nen Pro­duk­te in­zwi­schen aus wel­chen Grün­den auch im­mer aus dem Netz ver­schwun­den sind. Wer al­ler­dings weiß, wie P2P-Netz­wer­ke funk­tio­nie­ren, der weiß auch, dass das nicht mög­li­ch ist, denn was ein­mal im Netz ist, ist nur sehr schwer wie­der dar­aus zu ent­fer­nen. Si­cher ver­sucht man ge­gen die An­bie­ter sol­cher an­ge­bo­te­nen Da­tei­en vor­zu­ge­hen, aber der Pro­zess ist lang­wie­rig und bis es zu Kla­gen oder Ab­mah­nun­gen kommt, ver­ge­hen Jah­re, des­we­gen zieht auch eine mög­li­che Er­klä­rung nicht, man habe die Tor­rent-Da­tei­en ent­fer­nen las­sen, denn das kann so schnell nicht der Fall sein. Man kann bis­wei­len Be­trei­ber von Tor­rent-Such­ma­schi­nen (wie die hier ge­nann­ten) im In- und manch­mal auch im Aus­land dazu brin­gen, die Links zu ent­fer­nen, aber auch das ist zeit­auf­wän­dig oder all­zu oft ein­fach nicht mög­li­ch.

Ich wage die The­se (und da­bei han­delt es sich aus­drück­li­ch um mei­ne Mei­nung), dass die ge­nann­ten Zah­len, ins­be­son­de­re die »50000 An­bie­ter« Dampf­bla­sen und Luft­num­mern sind, die sich nicht be­le­gen las­sen. Ich las­se mich mit ent­spre­chen­den nach­voll­zieh­ba­ren Be­wei­sen aber gern ei­nes an­de­ren be­leh­ren.

Und um eins ganz klar zu ma­chen: Es geht hier nicht dar­um, was da­von zu hal­ten ist, wenn Pro­duk­te der Rech­te­ver­wer­ter oder Co­py­right­in­ha­ber im Netz zu fin­den sind, die The­ma­tik ist zu kom­plex, um sie in ein paar Sät­zen ab­han­deln zu kön­nen, wei­ter­hin ist die Rechts­la­ge in Deutsch­land wei­test­ge­hend ein­deu­tig. Wor­um es hier geht, ist die Pres­se­mit­tei­lung Lüb­bes, die Ab­satz­schwie­rig­kei­ten mit il­le­ga­len Down­loads be­grün­det und da­bei Zah­len wie »50000 An­bie­ter« nennt, die man leicht über­prü­fen kann – und die nicht mal an­satz­wei­se stim­men kön­nen. Und es geht dar­um, dass di­ver­se Kom­men­ta­to­ren im Netz den ge­nann­ten Zah­len glau­ben und sich er­ei­fern, ohne sie zu hin­ter­fra­gen, oder mal selbst zu re­cher­chie­ren, wie oft die Pro­duk­te tat­säch­li­ch in P2P-Netz­wer­ken zu fin­den sind.

Die Ein­stel­lung der ge­nann­ten Se­ri­en ist für die Fans si­cher­li­ch höch­st be­dau­er­li­ch und für Lüb­be Au­dio auch. Man möge mir aber ver­ge­ben, wenn ich den vor­ge­scho­be­nen und nicht be­leg­ba­ren Grund »Raub­ko­pi­en übers Netz« nicht glau­be und mir mehr Ehr­lich­keit wün­schen wür­de und we­ni­ger mar­ki­ge Mar­ke­ting-Sprü­che.

Ab­schlie­ßend noch eine er­hel­len­de Ab­bil­dung zum The­ma »La­den­dieb­stahl«:

piracy-is-not-theftEdit: Eine wei­te­re Ver­mu­tung hat­te ich noch ver­ges­sen. Es liegt durch­aus im Be­reich des Denk­ba­ren, dass die ein­ge­stell­ten Se­ri­en oh­ne­hin nur eine sehr schma­le Käu­fer­schicht un­ter den Fans an­spre­chen. Lei­der sind mir kei­ne Ab­satz­zah­len be­kannt, es ist aber ein of­fe­nes Ge­heim­nis, dass Hör­spie­le schon lan­ge nicht mehr die Top­sel­ler sind, die sie mal wa­ren und von we­ni­gen gut ver­kauf­ten Aus­nah­men ab­ge­se­hen et­li­che Se­ri­en nur ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Ein­nah­men er­zie­len. Der Auf­wand und da­mit die Ko­sten für die Pro­duk­ti­on ei­nes Hör­spiels sind un­gleich hö­her als für ein Hör­buch, ins­be­son­de­re was die An­zahl an Spre­chern und die Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen an­geht. Wenn ich lese, dass die Mes­se »Hör­spiel« in Ham­burg – nach ei­ge­nem Be­kun­den die größ­te Hör­spiel-Mes­se Eu­ro­pas und der Welt – ge­ra­de mal (man möge mir ver­ge­ben: lä­cher­li­che) 3000 Be­su­cher auf­wei­sen kann, dann ist das ein wei­te­rer un­trüg­li­cher Hin­weis auf ei­nen Ni­schen­markt.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Mei­st harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

24 Kommentare for “Lübbe Audio und die Begründung von Serieneinstellungen”

Stefan Holzhauer

sagt:

Wie ich so­eben durch ei­nen ein­ge­hen­den Link fest­stel­len konn­te, wird mein Ar­ti­kel im Zau­ber­spie­gel mit ei­nem Kom­men­tar be­dacht. Es ist schön fest­zu­stel­len, dass man a) ge­le­sen, b) auf ei­nen »ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter« re­du­ziert und c) ei­nem un­ter­stellt wird, il­le­ga­les Ver­hal­ten gut zu hei­ssen. Mich wür­de mal in­ter­es­sie­ren, wo man eine sol­che Aus­sa­ge mei­ner­seits in die­sem Ar­ti­kel fin­den kann…
Mei­ne Aus­sa­ge war, dass die The­ma­tik zu kom­plex ist, um sie in we­ni­gen Sät­zen ab­zu­han­deln, wei­ter­hin wies ich auf die Ge­set­zes­la­ge in Deutsch­land hin.
Ich habe an kei­ner Stel­le aus­ge­sagt, dass Down­loads von ur­he­ber­recht­li­ch ge­schüt­zem Ma­te­ri­al NICHT il­le­gal wä­ren und bit­te den Ver­fas­ser des Kom­men­tars, das zur Kennt­nis zu neh­men. Er be­haup­tet fälsch­li­ch das Ge­gen­teil und ich gehe da­von aus, dass die­se Falsch­aus­sa­ge kor­ri­giert wird.

Horst von Allwörden

sagt:

Was soll ich sa­gen. Eine Kor­rek­tur wir­de so nicht ge­ben. Al­lein die Gra­fik ist für mich ver­harm­lo­send und birgt für ich in ge­wis­ser Wei­se eine ge­wis­se Ak­zep­tanz. Den die­se Ko­pi­en sind ge­a­nuso il­le­gal wie ein mit­ge­nom­me­nes Teil aus dem Markt und ver­ur­sa­chen (in ge­wis­sen Fäl­len) ein Scha­den. Und auch du hast mei­nen Ar­ti­kel gar nicht ge­le­sen, weil ich mich von Lüb­bes Be­grün­dung in­so­fern löse, als ich fet­stel­le »Aber gut, selbst wenn wir ein­mal an­neh­men Lüb­be habe sich da­mit eine Schutz­be­haup­tung schaf­fen wol­len, um so das ei­ge­ne Ver­sa­gen für ge­nü­gend Ab­satz zu sor­gen zu ka­schie­ren (und so­mit Lüb­be selbst den Kar­ren der drei Hör­spiel­se­ri­en vor die Wand ge­fah­ren hat), oder – an­de­re An­nah­me – die Käu­fer hät­ten die­sen Se­ri­en auf lan­ge Sicht die Ge­folg­schaft ver­wei­gert… Es bleibt das grund­sätz­li­che Pro­blem, dass es ei­nen ge­wis­sen (ma­te­ri­el­len) Scha­den gibt, den ge­n­au zu be­zif­fern die Auf­ga­be für Ma­the­ma­ti­ker und Sta­ti­sti­ker sein dürf­te – und wahr­schein­li­ch in ei­ner irre kom­pli­zier­ten For­mel mün­den dürf­te.«

An die­sem Punkt löst sich der Ar­ti­kel gänz­li­ch von Lüb­be und sei­nen Se­ri­en. Das war letzt­li­ch nur der Auf­hän­ger, um die Ma­te­rie mal zu durch­leuch­ten.

Horst von Allwörden

sagt:

Und noch ei­nes: Dass ich Dich le­dig­li­ch als Ex-Mit­ar­bei­ter ti­tu­lie­re, liegt dar­an, dass Du mir vor län­ge­rer Zeit ge­schrie­ben, dass Du öf­fent­lih nicht mit der Tech­nik des Zau­ber­spie­gels in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den woll­test und die Nach­rich­ten sind ein Ex­tra-Pro­jekt. Dar­an habe ich mich ge­hal­ten. Und was ist dar­an aus­zu­set­zen, die­se Be­zeich­nung zu be­nut­zen: Du bist aus­ge­schie­de­ner (also Ex) Mit­ar­bei­ter. Dein Use­rac­cout­nt be­steht noch und Du kann­st mira uch im Zau­ber­spie­gel wi­der­spre­chen. Du kann­st es aber auch Ac­count als Gast tun. Da­ge­gen spricht nichts.

Stefan Holzhauer

sagt:

»Die Gra­fik ist ver­harm­lo­send«

Was für ein Un­sinn. Die Gra­fik zeigt ein­deu­tig den Un­ter­schied zwi­schen Dieb­stahl und »Pi­ra­cy« auf. Pi­ra­cy ist per de­fi­ni­tio­nem kein Dieb­stahl, kann über­haupt kein Dieb­stahl sein, da man Im­ma­te­ri­al­gü­ter nicht steh­len kann – ein Ur­he­ber­rechts­ver­stoß ist kein Dieb­stahl. Mit »ver­harm­lo­send« hat das über­haupt nichts zu tun, eher da­mit, zu ver­ste­hen, wie eine Ko­pie oder eine Tausch­bör­se funk­tio­niert. Wenn man die Aus­sa­ge da­hin­ter nicht ver­ste­hen kann, oder sie (ob wis­sent­li­ch oder aus Ah­nungs­lo­sig­keit) miss­in­ter­pre­tiert, kann das nicht mir zum Vor­wurf ge­macht wer­den. Eben­so­we­nig kann­st Du mir Dei­ne Miss­in­ter­pre­ta­ti­on der Gra­fik an­hän­gen.

Ich ver­wah­re mich nach wie vor ge­gen die Ver­leum­dung (und um nichts an­de­res han­delt es sich), ich wür­de Rechts­brü­che gut­hei­ßen.

Da­von ab­ge­se­hen wur­de die Ma­te­rie in Dei­nem Ar­ti­kel nicht »durch­leuch­tet«, es han­delt sich um das Wie­der­käu­en von Pa­ro­len der Rech­te­ver­wer­ter. Ich emp­feh­le für eine An­eig­nung ei­ner dif­fe­ren­zier­te­ren (und in­halt­li­ch kor­rek­te­ren) Be­trach­tungs­wei­se und zum An­eig­nen zu­min­dest ei­nes ru­di­men­tä­ren Wis­sens zum The­ma die iRights-Web­sei­te, so­wie die dort ver­link­te Sei­te der Bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung zum sel­ben The­ma. Le­sen und ver­ste­hen.

Edit: Dass in dem frag­li­chen Ar­ti­kel nach­träg­li­ch in­halt­li­che Än­de­run­gen vor­ge­nom­men wer­den fin­de ich al­ler­dings ein we­nig merk­wür­dig…

An­son­sten (Zi­tat): »Es ist schön fest­zu­stel­len dass man ge­le­sen wird«…

Horst von Allwörden

sagt:

Seit wann sa­gen Rech­te­ver­wer­ter, dass nicht je­der Down­load ein Scha­den ver­ur­sacht? Im Ge­gen­teil: Ge­ra­de be­rich­te­te die BBC über eine neue Stu­die der In­du­strie, die nocha stro­no­mi­scher Scha­dens­sum­men und dar­über­hi­aus noch Jobs ko­stet. Der­art un­dif­fern­zier­te Stu­di­en sind es, die der Ind­su­trie die sym­pa­thien ab­han­den kom­men läßt. Das war längst kein Wie­der­käu­en.

Und ob der Be­griff ju­ri­sti­sch ex­akt ist oder nicht, stört mich nicht. Die da­hin­ter­ste­hen­de Men­ta­li­tät il­le­ga­ler Ko­pi­en ist die glei­che wie die ei­nes La­den­diebs. Ich dan­ke für den Aus­tau­sch von Ge­dan­ken.

Stefan Holzhauer

sagt:

Dem er­sten Ab­satz des vor­ste­hen­den Kom­men­tars konn­te ich lei­der auch nach mehr­ma­li­gem Le­sen kei­nen ver­ständ­li­chen Sinn ent­neh­men…

Der zwei­te zeugt von ei­ner di­no­sau­ri­er­haf­ten Ein­stel­lung zum Web, eine ähn­li­che wie sie die Rech­te­ver­wer­ter an den Tag le­gen. Es wird nach Ge­set­zen ge­schrie­en oder es wer­den be­stehen­de Ge­set­ze her­an­ge­zo­gen, die mit den Rea­li­tä­ten längst nicht mehr kom­pa­ti­bel sind, da sie nicht mit dem In­ter­net im Sinn ge­macht wur­den. Als die Ge­set­ze ent­stan­den gab es das In­ter­net noch gar nicht. Ge­set­ze müs­sen sich der Rea­li­tät an­pas­sen, nicht die Rea­li­tät an die Ge­set­ze.

Im üb­ri­gen ist das Ge­schrei der Rech­te­ver­wer­ter eine Far­ce, sind sie es doch fast im­mer, die die Ur­he­ber über den Tisch zie­hen und ih­nen nur Bro­sa­men zu­kom­men las­sen, die Rech­te­ver­wer­ter sich da­ge­gen die Ta­schen voll­stop­fen.

Vor­dring­li­ch muss es zu ei­ner Dis­kus­si­on kom­men, wie die Rech­te der Ur­he­ber zu stär­ken sind und NICHT wie die Pfrün­de der Ver­wert­er­ma­fia zu si­chern sind. Es kann und darf für ver­al­te­te Ge­schäfts­mo­del­le kei­nen Be­stands­schutz ge­ben und ge­nauso we­nig darf eine gan­ze Ge­ne­ra­ti­on pau­schal kri­mi­na­li­siert wer­den, weil das ei­ni­ge we­ni­ge Bon­zen in der Ver­wer­tungs­in­du­strie oder Stamm­tisch­phi­lo­so­phen gern so hät­ten. Im üb­ri­gen stel­le ich in Fra­ge, dass es eine »La­den­dieb-Men­ta­li­tät« gibt, ich gehe da­von aus, dass Un­wis­sen und vor al­lem Ge­wohn­heit die Grün­de sind. Man ist es doch ge­wohnt über­all und ob man will oder nicht Mu­sik um die Oh­ren ge­hau­en zu be­kom­men, wei­ter­hin wur­de schon im­mer Mu­sik ge­tauscht, ob auf Tape oder über das In­ter­net ist zu­er­st ein­mal nur eine Fra­ge des Me­di­ums. Und schon mit der Ein­füh­rung der Mu­si­cas­set­te be­schwor man das Ende der Mu­sik – was da­von zu hal­ten ist, weiß in der Rück­schau je­der…

Horst von Allwörden

sagt:

Rech­te­ver­wer­ter be­haup­ten im­mer, dass je­der Down­load ein Scha­den ist. Dies ist zu ne­gie­ren und ich ne­gie­re das auch in dem Ar­ti­kel.

Ge­ra­de be­rich­tet aber die BBC über eine wei­te­re Stu­die, die noch rich­tig astro­no­mi­sche Zah­len nennt und den Ver­lu­st tau­sen­der Jobs an­kün­digt. Die­se Stu­die ist wie üb­li­ch über­zo­gen und wird wohl zu Recht als Ge­fäl­lig­keits­gut­ach­ten be­zeich­net. In­ter­es­sant hier­bei ist, dass die Ge­werk­schaf­ten mit im Boot sit­zen.

Dar­über hin­aus kann man aus (ge­fühlt) über­teu­er­ten Pro­duk­ten nicht ab­lei­ten, dass man un­ge­hemmt il­le­ga­le Ko­pi­en ver­wen­den darf. Das ist il­le­gal. Es gibt imer noch die Mög­lich­keit, Pro­duk­te nicht für den auf­ge­ru­fe­nen Preis zu kau­fen, also zu ver­zich­ten. Das sit ein Schlag ge­gen die »Ver­wert­er­ma­fia«… Und die­ser Be­griff zeigt auch die Ver­harm­lo­sung des Tuns. Und die sich il­le­gal Sa­chen her­un­ter­la­den, kri­mi­na­li­sie­ren sich selbst.

Zum Tau­sch sei ge­sagt: Mu­sik­kas­set­ten konn­ten z. B. Mu­sik nicht an­näh­rend so mü­he­los in ei­ner Qua­li­tät ver­viel­fäl­ti­gen, die vom Ori­gi­nal nicht zu un­ter­schei­den ist und ist eben auch nicht in der Quan­ti­tät ver­füg­bar. Und der Ein­zel­ne bot sie in der Re­gel nicht wild­frem­den Per­so­nen an.

Stefan Holzhauer

sagt:

Es ist selt­sam zu se­hen, dass Du so pau­schal und un­dif­fe­ren­ziert ge­n­au weisst, was an­geb­li­ch il­le­gal ist – und das bei ei­nem The­ma bei dem sich so­gar Rechts­an­wäl­te und Ge­rich­te aus­gie­big strei­ten, es völ­lig un­ter­schied­li­che Ur­tei­le gibt und die Recht­spre­chung sich so­eben erst den Ge­ge­ben­hei­ten an­passt. Ich emp­feh­le nach wie vor, sich ein­schlä­gi­ge Tex­te zu dem The­ma mal an­zu­se­hen, die NICHT von der Con­tent­ma­fia und ih­ren po­li­ti­schen La­kai­en ver­fasst wur­den. Auf iRights schrei­ben An­wäl­te, die Bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung ist auch kei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, der man üb­li­cher­wei­se Un­sinn zu­schreibt.

Zur Qua­li­tät: das ist kein Ar­gu­ment, den mei­sten Nut­zern ist die Qua­liät völ­lig egal, de­nen hat die Cas­set­te über Jahr­zehn­te völ­lig ge­reicht und die hö­ren auch heu­te noch UKW-Ra­dio mit ei­ner mie­sen und tech­ni­sch völ­lig über­hol­ten Qua­li­tät. Die Qua­liät ist ein wei­te­res Nicht­ar­gu­ment.

Es gibt in­zwi­schen so­gar bei den eta­blier­ten In­ter­net­aus­drucker-Par­tei­en Stim­men, die für eine No­vel­lie­rung der zu­ge­hö­ri­gen Rech­te und bei­spiels­wei­se für die Ein­füh­rung ei­ner Kul­tur­flat­rate ar­gu­men­tie­ren (es gibt of­fen­bar auch dort Rea­li­sten). Wird da­mit dann Dei­ner Mei­nung nach der an­geb­li­chen »Kri­mi­na­li­tät« Vor­schub ge­lei­stet? Mei­ner An­sicht nach wür­de mit sol­ch ei­ner Re­ge­lung zu­min­dest ein win­zi­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung ge­tan, ich be­fürch­te al­ler­dings, dass die Ver­tei­lung der ein­ge­nom­me­nen Geld­er wie­der mit völ­lig un­durch­sich­ti­gen und fast schon kri­mi­nell zu nen­nen­den GEZ- oder GEMA-Re­geln durch­ge­führt wer­den wird.

An wel­cher Stel­le habe ich ab­ge­lei­tet, dass man ein über­teu­er­tes Pro­dukt ko­sten­los her­un­ter­la­den »darf«?

Was soll das Ar­gu­ment »dass nicht je­der Down­load ein Scha­den ist« aus­sa­gen? Was gibt es da zu ne­gie­ren?

Stefan Holzhauer

sagt:

Zi­tat aus Zeit On­line vom 14.12.2009 – 14:30 Uhr:

Letzt­li­ch muss sich die Ver­wer­tungs­in­du­strie die Fra­ge stel­len, ob sie ih­ren Feld­zug ge­gen die File­sha­rer über­haupt je ge­win­nen kann. Es reicht nicht, den Po­li­ti­kern die Tex­te zu schrei­ben, mit de­nen sie den Kon­su­men­ten die Mär vom »gei­sti­gen Ei­gen­tum« ver­kün­den. Auch je­der noch so hef­ti­ge Ein­griff in die tech­ni­sche In­fra­struk­tur wird nicht ver­hin­dern, dass di­gi­ta­le Wer­ke ge­tauscht wer­den kön­nen. Spä­te­stens seit der Ver­brei­tung von USB-Sticks ist da­für nicht ein­mal mehr das In­ter­net nö­tig. Der Aus­tau­sch fin­det über­all statt und kann da­her we­der kon­trol­liert noch ver­hin­dert wer­den. Neue Ge­schäfts­mo­del­le wer­den im­mer er­folg­rei­cher und ver­drän­gen die über­hol­ten. Die Ver­wer­tungs­in­du­strie muss dies ak­zep­tie­ren und mit der Zeit ge­hen, oder sie wird auf Dau­er schei­tern.

Zi­tat von Sueddeutsche.de 26.03.2010, 09:05:

In der Welt der ver­netz­ten In­hal­te wer­den die Ver­wer­ter eine ge­rin­ge­re Rol­le spie­len. Ver­gü­tun­gen wer­den di­rekt zu den Ur­he­bern flie­ßen, ohne den Um­weg über Ab­ga­ben, die von Ver­wer­ter­ge­sell­schaf­ten wie der GEMA oder der VG Wort kon­trol­liert wer­den. Die­se mo­no­pol­glei­chen Ver­ei­ne ge­hö­ren noch zu ei­ner Welt, in der Trans­fer­zah­lun­gen an Rech­te­inha­ber bü­ro­kra­ti­sch ad­mi­ni­striert wer­den muss­ten.

Phan­ta­News vom 23.02.2010: Das Ende der Mitt­ler

Dar­in ver­linkt: Iso­topp

Und noch­mal Iso­topp zum Ko­pie­ren und zur Rea­li­tät im Netz

Horst von Allwörden

sagt:

Dass sich et­was än­dern muss war nicht The­ma des Ar­ti­kels, son­dern der Sta­tus Quo. Und der Sta­tus ist, dass es il­le­gal ist. 

Und wer von Ver­wer­tungs­am­fia spricht, der ver­harm­lo­st das Tun an­de­rer und für mich dif­fa­miert das je­den Ver­wer­ter, heißt das Tun gut. Gleich­gül­tig wie er han­delt. Aber das ist Dein Bier. Und – das ist mei­ne Mei­nung – der sym­pa­thi­siert zu­min­dest mit Leu­ten, die sich gei­sti­gen Ei­gen­tums be­mäch­ti­gen, in­dem sie es un­be­grenzt zur Ver­fü­gung tel­len. Wenn je­mand sei­ne Schöp­fung frei zur Ver­fü­gung stellt, ist das et­was An­de­res. Zu­dem gibt es sehr vie­le frei zu­gäng­li­che Res­sour­cen. Aber so lang es Co­py­rights un­ter­liegt.…
Zu­dem war es bei dem Ar­ti­kel mir ein­fach zu bil­lig, mich auf die Sei­te de­rer zu stel­len, die be­reit­stel­len und her­un­ter­la­den. Das kann näm­li­ch je­der und es ist in. Nein, trotz al­ler Milch­mäd­chen­rech­nun­gen und über­höh­ten Zah­len sind da Rech­te. Und eine Kul­tur­flat­rate ist schlicht und er­grei­fend ein zu pausha­le Lö­sung. – Wer nicht kau­fen will, soll es sein las­sen.

Aber wir dre­hen uns im Kreis. Da­her den­ke ich, die Dis­kus­si­on von uns bei­den führt nicht wei­ter.

Stefan Holzhauer

sagt:

Wei­ter­hin also kei­ne in­halt­li­che Ar­gu­men­ta­ti­on, son­dern nur das Wie­der­käu­en der Pa­ro­le »es ist il­le­gal«.

»Aber so lang es Co­py­rights un­ter­liegt…«

»Frei zu­gäng­li­che Res­sour­cen« un­ter­lie­gen also Dei­ner An­sicht nach kei­nen »Co­py­rights«? Ich wie­der­ho­le mei­ne An­re­gung, dass Du Dich über die Sach­la­ge in­for­mie­ren soll­test, zu­dem auch der Be­zug auf »Ser­ver­be­trei­ber« (am Ende Dei­nes Ar­ti­kels) von Ah­nungs­lo­sig­keit zeugt.

Ich hei­ße also »das Tun« (was im­mer das auch sein mag) gut, weil ich die Con­tent­ma­fia Con­tent­ma­fia nen­ne?

Ich stim­me Dir zu, an­ge­sichts sol­cher Aus­sa­gen er­üb­rigt sich jede wei­te­re Dis­kus­si­on…

Dan­ken möch­te ich al­ler­dings noch für fol­gen­de Aus­sa­ge:

»Und eine Kul­tur­flat­rate ist schlicht und er­grei­fend ein zu pausha­le Lö­sung. – Wer nicht kau­fen will, soll es sein las­sen.«

Aber GEZ-Ge­büh­ren sind in Ord­nung? (/facepalm)

Stefan Holzhauer

sagt:

An­zu­mer­ken wäre noch, dass man es beim Zau­ber­spie­gel selbst mit den Ur­he­ber­rech­ten nicht so ern­st nimmt. Zahl­lo­se ur­he­ber­recht­li­ch ge­schütz­te Ab­bil­dun­gen ohne jeg­li­chen Zi­tathin­weis oder mit Al­bern­hei­ten wie »Ar­chiv des Au­tors«.

Wei­ter­hin hat­te ich den Her­aus­ge­ber ge­be­ten, mei­ne Ar­ti­kel aus den Zau­ber­spie­gel-News zu ent­fer­nen (die wei­sen ins­be­son­de­re in ih­rer Ge­samt­heit völ­lig frag­los die nö­ti­ge Schöp­fungs­hö­he auf). Mehr­fach ge­be­ten. Der ant­wor­te­te ich habe noch Ad­min­zu­gang zu den News und sol­le die selbst lö­schen. Nur lei­der habe ich kei­nen so wei­ten Ad­min­zu­gang mehr, dass ich vor dem Lö­schen ein Back­up fah­ren kann, um die Ri­si­ken der Lö­schung für das WP-Sy­stem ins­ge­samt zu mi­ni­mie­ren und soll­te das schief ge­hen das Back­up wie­der ein­spie­len zu kön­nen. Ich woll­te mir nicht vor­wer­fen las­sen, ich habe bei der Lö­schung das Sy­stem ab­ge­schos­sen (wer Word­Press kennt, wei­ss wie zickig die Soft­ware sein kann). Aus dem Grund habe ich selbst die Lö­schung un­ter­las­sen und noch­mals dar­um ge­be­ten, die Ar­ti­kel zu ent­fer­nen. Das ist jetzt Wo­chen her. Re­ak­ti­on auf mei­ne Mail: kei­ne.

Gel­ten sei­ne mar­ki­gen Worte über Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen im Web nur pro Rech­te­ver­wer­ter (aka Con­tent­ma­fia)? Oder wie soll­te man die­se Ver­hal­tens­wei­sen son­st in­ter­pre­tie­ren?

Kyr

sagt:

Mal von eu­rer Dis­kus­si­on weg, zu der Dis­kus­si­on, war­um Lüb­be wohl die­se drei Rei­hen ein­ge­stellt hat.
Ich per­sön­li­ch bin kein gro­ßer Freund von Hör­spie­len und wür­de mir wahr­schein­li­ch auch kein Hör­spiel kau­fen, wenn es die für ei­nen Euro zu kau­fen gäbe. Kann man Hörspielen/Hörbüchern ein­fach we­nig an­fan­gen; ich lau­fe auch nicht mit ei­nem Kopf­hö­rer durch die Stadt.

Hol­zis Nach­for­schun­gen habe ich auch mal durch­ge­führt und kom­me da zu ähn­li­chen Er­geb­nis­sen. Ge­sucht habe ich nach Tor­rents für »Of­fen­ba­rung 23« und »Pa­ra­gon­kreuz«. Zu »Of­fen­ba­rung 23« gibt es pro Fol­ge etwa 5 See­der und 1 oder 2 Lee­cher.
Für »Pa­ra­gon­kreuz« habe ich im gün­stig­sten Fall 2 See­der und 1 Lee­cher ge­fun­den.

Das be­stä­tigt die Aus­sa­ge, dass so­wohl Of­fen­ba­rung 23 als auch Pa­ra­gon­kreuz kaum als Tor­rent ir­gend­wo vor­han­den ist. In­so­fern ist die Aus­sa­ge, dass je­des Hörbuch/Hörspiel von etwa 1000 An­bie­ter ins Netz ge­stellt wur­de eher in das Reich der Le­gen­den zu ver­ban­nen. Ich bin nun auch nicht der ge­üb­te Tor­rent­down­loa­der, viel­leicht hat Lüb­be ja Ex­per­ten, die den gan­zen Tag nichts an­de­res ma­chen; kann ja sein.

Für mich ist die Aus­sa­ge aus der Pres­se­mit­tei­lung ein­fach hei­ße Luft. Die Ziel­grup­pe ist ein­fach zu klein, da kann man kei­nen Blu­men­topf ge­win­nen.

Und ganz all­ge­mein: Das In­ter­net be­steht aus »Ko­pie­ren«. Wird eine Web­sei­te auf­ge­ru­fen, so wird sie auf den Ziel­rech­ner ko­piert, auch eine ver­sand­te Mail wird zum Emp­fangser­ver ko­piert (und dann beim Sen­der ge­löscht), an­schlie­ßend vom Emp­fangs­ser­ver zum User ko­piert (oder per Web­sei­te ko­piert).

Dieb­stahl ist nach mei­nem Wis­sen, wenn ich den Ge­gen­stand X dem Be­sit­zer A weg­neh­me. Dann hat A den Ge­gen­stand X nicht mehr. Ich habe ihn. Da beim Ko­pie­ren A im­mer noch über X ver­fügt, ist per se kein Dieb­stahl ge­ge­ben. Ist na­tür­li­ch klar, dass A es nicht ger­ne sieht, wenn er zwar noch über X ver­fügt, ich aber mir sein X ohne Geld­zah­lung ein­fach so ge­nom­men habe. Aber Dieb­stahl …

Was das denn nun ge­n­au ist, scheint nie­mand wirk­li­ch zu wis­sen. Eine Sa­che von Ge­rich­ten – und die ent­schei­den mehr oder we­ni­ger un­ein­heit­li­ch.

Mei­ne sieb­zehn Cent dazu.

Kyr

sagt:

Noch eine An­mer­kung: Wenn man sich _nich­t_ die Er­geb­nis­se der ein­zel­nen Tor­rent­such­ma­schi­nen an­schaut, son­dern mit Such­be­grif­fen wie »Pa­ra­gon­kreuz Tor­rent Down­load« ar­bei­tet und ein­fach mal Goo­gle be­fragt – tja, da kommt man dann schon auf 1000 An­bie­ter.

In­ter­es­sant, dass zum Bei­spiel »Per­ry Rho­dan 2534 – Der Ge­sand­te der Maahks« locker auf über 200 See­ders kommt.

Stefan Holzhauer

sagt:

Klar, wo­bei die Goo­gle-Er­geb­nis­se != tat­säch­li­ch vor­han­de­ne Down­loads sind. Ob man das bei Lüb­be al­ler­dings un­ter­schei­den kann (oder will)…

Wenn man sich die an­geb­li­chen 200 Tor­rent-See­der für »Der Ge­sand­te der Maahks« mal ge­nau­er an­sieht, dann sind es tat­säch­li­ch nur drei… Das ist dann wie­der deut­li­ch nä­her an der Tref­fer­zahl bei­spiels­wei­se bei iso­h­unt, da sind es ge­li­stet ak­tu­ell vier. Das sind er­freu­li­ch we­nig.

Christian Montillon

sagt:

Habe die Dis­kus­si­on hier über­flo­gen.
Lu­sti­ger­wei­se stammt »Der Ge­sand­te der Maahks« von mir. Und mir per­sön­li­ch ist wurscht, ob man das jetzt »Dieb­stahl« nen­nen kann oder nicht. Für mich ist (ganz naiv ge­dacht) es ein­fach so, und ich gehe da­von aus, dass sich die­se Tref­fer auf das Hör­buch be­zie­hen – ich weiß es nicht, könn­te auch das ebook sein, ich kenn mich da ehr­li­ch ge­sagt nicht aus.
Äh, zu­rück zum Satz­fa­den: für mich ge­stal­tet sich das so: die­se 200 Down­loads (dar­um gehts doch, gell) sind Down­loads, die nicht be­zahlt wur­den. Die also nicht hät­ten statt­fin­den dür­fen, weil die­ser Text/das Pro­dukt zum ei­nen dem Ver­lag und zum an­de­ren mir ge­hört (Ur­he­ber­recht).
Da hät­te ich ehr­li­ch ge­sagt schon lie­ber 200 wei­te­re be­zahl­te Down­loads. Von de­nen mir je­der (sa­gen wir mal, die Zahl ist er­fun­den) 50 Cent ge­bracht hät­te. Macht zu­sam­men 100 Euro, die ich nicht habe, aber ha­ben soll­te. Macht bei 10 Per­rys im Jahr 1000 Euro. Ohne wei­ter nach­zu­gucken, ob und wie die vom letz­ten Jahr auch noch wei­ter down­ge­loa­ded wer­den.

Und noch­mal: mir ist wurscht, ob das, was ich hier schrei­be, ju­ri­sti­sch kor­rekt ist. Wer für mei­ne Tex­te nicht be­zah­len will, soll sie nicht hören/lesen. Punkt. Oder soll sie sich von nem Freund aus­lei­hen. Und ob mein Scha­den 100 Euro im Jahr ist, 1000 Euro oder 10.000 Euro: Das ist Geld, das nicht in mei­nem Geld­beu­tel lan­det. Für die 100 Euro könnt ich toll es­sen ge­hen, für die 1000 Euro in Ur­laub fah­ren, für die 10.000 Euro ein Car­port bau­en und mei­nen Hof pfla­stern.

Hey – das ist Ar­beit, die ich ge­lei­stet habe und die ich ge­fäl­lig­st auch be­zahlt ha­ben will, wenn je­mand das Pro­dukt lesen/hören will. In­so­fern ist je­der il­le­ga­le Down­load ein Dieb­stahl an mir. Und am Ver­lag ge­nauso. Egal, ob das Wort passt oder nicht – die Tat­sa­che bleibt be­stehen.

Christian Montillon

sagt:

Nur zur Klar­stel­lung: Ich wer­fe hier nie­man­dem der Dis­ku­tan­ten et­was vor. Ich sage nur mal, wie es sich aus der War­te ei­nes »Be­trof­fe­nen« an­fühlt.
Mir ist klar, dass die­se 200 Down­loads (die ja nur stell­ver­tre­tend da­ste­hen) im an­de­ren Fall kei­ne 200 Käu­fer ge­we­sen wä­ren. Aber, hm, sie hät­ten es auch kau­fen kön­nen. Wol­len aber kein Geld aus­ge­ben. Sol­len sie es also auch nicht be­sit­zen. Punkt.

Stefan Holzhauer

sagt:

Um das noch­mal ein­deu­tig klar­zu­stel­len, ins­be­son­de­re da HHvA mir et­was an­de­res un­ter­stellt: Ich hei­ße das il­le­ga­le Her­un­ter­la­den ur­he­ber­recht­li­ch ge­schüt­zen Ma­te­ri­als NICHT gut. Ich wüss­te auch nicht, aus wel­chen mei­ner Aus­sa­gen man das auch nur an­satz­wei­se ent­neh­men könn­te.

Wor­um es hier geht ist, dass im­mer wie­der be­ein­drucken­de Zah­len von an­geb­li­chen il­le­ga­len Down­loads er­fun­den wer­den, die mit der Rea­li­tät nichts aber auch gar nichts zu tun ha­ben, um bei­spiels­wei­se Se­ri­en­ein­stel­lun­gen oder mas­siv ein­ge­bro­che­ne Um­satz­zah­len zu recht­fer­ti­gen. Und all­zu oft sind die­se Zah­len frei er­fun­den – so auch hier.

Und: es han­delt sich bei den an­ge­spro­che­nen »200 Down­loads« (wir re­den über das eBook) NICHT um Down­loads son­dern um Seeds, also An­bie­ter, die die Da­tei ha­ben und an­bie­ten. Da­mit ist noch nicht aus­ge­sagt, dass die sie nicht ge­kauft ha­ben (wo­bei die Ver­mu­tung wohl nahe liegt, dass sie es nicht ge­tan ha­ben) und es ist noch viel we­ni­ger ge­sagt, dass sie auch her­un­ter ge­la­den wird, denn ins­be­son­de­re die Down­load­zah­len las­sen sich nach mei­ner An­sicht nicht mal an­satz­wei­se si­cher fest­stel­len. Zu­dem: das von Goo­gle aus­ge­wor­fe­ne Er­geb­nis ist fal­sch. De fac­to liegt die Da­tei im Tor­rent-Netz­werk vier mal vor.

Klar will­st Du von Dei­nen Wer­ken le­ben, will ich auch. Es gibt aber im Zu­sam­men­hang mit die­ser The­ma­tik so vie­le Falsch­aus­sa­gen und Miss­ver­ständ­nis­se, dass zu­min­dest mal ein paar da­von zu­recht ge­rückt wer­den soll­ten. Ganz un­ab­hän­gig von der Dis­kus­si­on über die Il­le­ga­li­tät oder die Ent­wick­lung neu­er und ins­be­son­de­re für den Ur­he­ber vor­teil­haf­ter Be­zahl­mo­del­le.

Und eins soll­te klar sein: die bis­he­ri­gen Struk­tu­ren und Ge­schäfts­mo­del­le wer­den sich so nicht mehr lan­ge auf­recht er­hal­ten las­sen, da wird man sich den Rea­li­tä­ten stel­len müs­sen. Das wäre al­le­mal bes­ser, als alle Ab­satz­pro­ble­me auf il­le­ga­le Down­loads zu schie­ben.

Kyr

sagt:

_ICH_ habe nicht über die eBooks ge­schrie­ben, son­dern nur über die Hörspiele/Hörbücher.

Und, Chri­sti­an, ich kann dei­nen Un­mut klar ver­ste­hen und tei­le ihn auch. Als Selbst­stän­di­ger in der IT-Bran­che möch­te ich auch für mei­ne Ar­beit be­zahlt wer­den und bin sehr ver­är­gert, wenn je­mand mei­ne Ar­beit klaut, weil sie im Netz ver­füg­bar ist.

Stefan Holzhauer

sagt:

Die »zwei­hun­dert Tref­fer« be­zo­gen sich aber auf das eBook, das Hör­buch ist qua­si über­haupt nicht im Netz zu fin­den.

Kyr

sagt:

@Stefan Holz­hau­er: Du hast Recht. »Per­ry Rho­dan 2534 – Der Ge­sand­te der Maahks« ist als eBook in den Tor­rent­trackern. Mein Feh­ler.

Jetzt ist auch gut mit der Su­che­rei. Ne­ben mir lie­gen PR2532-2536, die wol­len noch ge­le­sen wer­den. [Ge­druck­te PR-Hef­te, beim Ki­osk er­wor­ben. ;) ]

Stefan Holzhauer

sagt:

Eben. Ich bin ge­ra­de bei »Rei­se in die Nie­man­ds­welt«, als eBook, le­gal bei Beam-eBooks er­wor­ben. :o)

kruemel-chan

sagt:

Das Of­fen­barunng 23 ein­ge­stellt wird hat in mei­nen Au­gen ei­nen ganz and­ren Grund. Es liegt ga­ran­tiert nicht an den Down­loads, son­dern viel­mehr an der Tat­sa­che, das die Se­rie ab Fol­ge 30 nur noch rie­si­ger Schrott ist und die Leu­te es des­halb nicht mehr kau­fen und hö­ren wol­len. Mit die­ser Mei­nung ste­he ich ja nicht al­lei­ne da. Ich kann LPL Re­cor­ds nur sa­gen: Selbst Schuld!!! Das habt ihr selbst ver­saut!!!

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