FSK auf eBooks: Zweite Antwort von Luebbe

FSK18 eBookNach mein­er Rück­frage von gestern habe ich zwar keine konkrete Antworten auf meine Fra­gen bekom­men, bei Luebbe hat man aber offen­bar erkan­nt, dass man mit dem hek­tis­chen Aktion­is­mus deut­lich über das Ziel hin­aus geschossen ist und ver­fasste eine neue Email an die »Han­delspart­ner«, die ich weit­er unten zitiere. Wie ich es aus dem Text der Lan­desme­di­en­anstalt bere­its ent­nom­men hat­te, drehte es sich bei den inkri­m­inierten Teleme­di­en auss­chließlich um die Klap­pen­texte und Buch­cov­er auf der Web­seite von Beam eBooks, eine zwin­gende Alter­se­in­stu­fung für eBooks existiert meines Wis­sens eben­so wie für Print­büch­er nicht. Und dass die Lan­desme­di­en­anstalt ein­deutig pornografis­che Klap­pen­texte und Cov­er anmah­nt wun­dert mich nicht im Ger­ing­sten, dafür habe ich zudem voll­stes Ver­ständ­nis.

Inter­es­sant ist in der Antwort die erneute Zen­trierung auf Ver­lage. Bish­er war Beam ins­beson­dere auch eine Self­pub­lish­er-Plat­tform, auf der jed­er veröf­fentlichen kon­nte. In den Emails von Luebbe ist immer nur von Ver­la­gen die Rede, auch die Infor­ma­tio­nen zum ONIX-For­mat oder zu Meta­dat­en, macht für Self­pub­lish­er erst ein­mal wenig Sinn, denn diese wer­den die Infor­ma­tio­nen in den aller­meis­ten Fällen per Hand eingeben.

Das Ganze macht mir den Ein­druck, als seien dem neuen Betreiber der Plat­tform die Self­pub­lish­er nicht mehr wichtig, oder als inter­essieren diese nicht. Das kön­nte darauf hin­weisen, dass man sich ihrer kurz- oder mit­tel­fristig entledi­gen möchte.

Im fol­gen­den die aktuelle Email, Her­vorhe­bun­gen in rot­er Farbe sind von mir:

Liebe Handelspartner/innen,

es kam auf­grund unser­er let­zten Mail zu eini­gen Fra­gen und Unklarheit­en auf Ihrer Seite, daraufhin möcht­en wir hierzu kurz Stel­lung nehmen.

Soweit die kurze Frist bemän­gelt wurde, bit­ten wir um Ihr Ver­ständ­nis. Wir haben von der Lan­desme­di­en­anstalt eben­falls eine Frist geset­zt bekom­men, als eBook-Shop im Sinne des Jugend­schutzge­set­zes zu han­deln und sind daher gezwun­gen, Sie als unsere Han­delspart­ner dazu anzuhal­ten, die Inhalte ihrer angeliefer­ten Büch­er zu  prüfen und Buch­texte (=Klap­pen­texte) so  anzuliefern, dass Jugend­schutzrecht nicht ver­let­zt wird.

Zudem wird bei eBooks eine Alterskennze­ich­nung »ab 18 Jahre« emp­fohlen, wenn ero­tis­che Inhalte, Szenen und Prak­tiken, die Jugend­schutzge­fährdend bzw. Entwick­lungs­beein­trächti­gend sind, ange­führt wer­den. Dieser all­ge­meinen Empfehlung fol­gend sind wir darum bemüht, vorhan­dene Kennze­ich­nun­gen möglichst zu kom­mu­nizieren. Dabei sehen auch wir keine all­ge­meine Verpflich­tung zur Alters­freiga­bekennze­ich­nung im eigentlichen Sinne.

Zu Punkt 3 unter »Wie kön­nen Sie Abhil­fe schaf­fen?« hat­ten wir für eine entsprechende interne Mit­teilung den Meta­dat­en-Tag »FSK18« vorgeschla­gen, was allerd­ings zu Missver­ständ­nis­sen geführt hat. Es ist richtig, dass ein solch­er ONIX-Stan­dard nicht existiert .

Inner­halb der Meta­dat­en gibt es ver­schiedene Kennze­ich­nungsmöglichkeit­en für ein Pro­dukt, die uns als Shop auf tech­nis­ch­er Ebene eine Einord­nung inner­halb des Genre Erotik ermöglichen. Genau um diese Kennze­ich­nung bit­ten wir hier in Punkt 3, so wie es bei vie­len anderen Por­tal­en ver­langt wird.

Die Möglichkeit­en zur Kennze­ich­nung sind fol­gende:

Ein­er­seits kann im ONIX das soge­nan­nte Lese-Alter mit (welch­es die emp­foh­lene Alter­sangabe ist, keine Leseal­ter-Freiga­be) kom­mu­niziert wer­den wie fol­gt:

<Audi­enceRange>
<Audi­enceRange­Qual­i­fi­er> (oder <b074>)
18 als Typ­isierung für »Read­ing age, years«
<Audi­enceRange­Pre­ci­sion> (oder <b075>)
03           für Leseal­ter ab
04           für Leseal­ter bis
<Audi­enceRangeVal­ue> (oder <b076>)
Alter­sangabe als Inte­ger

Teil­weise wird auch das FSK-Kennze­ichen mit­geliefert wie fol­gt:

//    <audi­ence>
//    <b204>05</b204>  <!– AudienceCodeType=05 => Typ ›FSK‹ –>
//    <b205>FSK</b205><!– Audi­ence­Code­Type­Name –>
//    <b206>18</b206>   <!– Audi­ence­Code­Val­ue –>
//    </audience>

Des weit­eren haben wir ein pos­i­tives Beispiel geliefert, wie man als Ver­lag schon inner­halb des Buch­textes Trans­parenz zeigen kann. Dies stellt unser­er­seits lediglich eine Empfehlung dar.

Falls es hier zu Missver­ständ­nis­sen gekom­men ist, möcht­en wir beto­nen, dass unsere gestrige Mit­teilung keines­falls als Abmah­nung aufz­u­fassen ist.  Wir  eracht­en Ihre proak­tive Mith­il­fe als Han­delspart­ner und eine Gewährleis­tung von Trans­parenz als essen­tiell, um in Zukun­ft auch von der Lan­desme­di­en­anstalt als kri­tisch ange­se­hene ero­tis­che eBooks erfol­gre­ich bei beam vertreiben zu kön­nen.

Für weit­ere Fra­gen ste­he ich jed­erzeit gerne zur Ver­fü­gung.

Beste Grüße aus Köln,
(Name ent­fer­nt)
Sales Man­agerin
Beam AG

Wie bere­its erwäh­nt: Die Aus­führun­gen zu Tags und Meta­dat­en beziehen sich auf die Date­nan­liefer­ung von Ver­la­gen, mit Self­pub­lish­ern hat das alles nichts zu tun, meine Fra­gen zu diesem The­menkom­plex wur­den bis­lang nicht beant­wortet.

Man kann aber sehen, dass das ein Sturm im Wasser­glas war. Ja, die Lan­desme­di­en­anstal­ten begutacht­en Web­seit­en auf Jugend­schutzver­stöße hin, das machen die schon lange. Aber sie begutacht­en eben nur die auf der Shop­seite ste­hen­den Klap­pen­texte und Cov­er (und ver­mutl­cih auch frei zugängliche Leseproben) aber nicht die eBooks selb­st. Die bekommt man näm­lich auf der Web­seite eines Shops nicht zu sehen und kann sie nur herun­ter­laden und auf einem Lesegerät oder mit ein­er Soft­ware nutzen, nicht aber direkt im Web betra­cht­en. Möglicher­weise ist der Börsen­vere­in auf dieselbe Fehlein­schätzung here­in gefall­en und hat die Forderung nach rechts­gemäßen Klap­pen­tex­ten auf eBooks all­ge­mein bezo­gen. Denn, wie ich an ander­er Stelle bere­its aus­führte: eBooks sind nicht im eigentlichen Sinne Teleme­di­en. Eine abwe­ichende Hand­habung zum Print­buch macht nicht ein­mal ansatzweise einen logis­chen Sinn.

Weil noch Fra­gen offen blieben, habe ich diese per Email gestellt:

Sehr geehrte Frau (Name ent­fer­nt),

auch wenn Sie meine konkreten Fra­gen immer noch nicht beant­wortet haben, finde ich zumin­d­est Teile der Antworten in Ihrer let­zten Mail an alle Beam-eBook-Part­ner.

Weit­er­hin sind aber fol­gende Fra­gen offen:

Sie reden immer nur von Ver­la­gen. Was ist mit Self­pub­lish­ern, die einen erhe­blichen Teil der Han­delspart­ner auf Beam eBooks aus­machen? Diese liefern keine Dat­en per »ONIX« (ich musste ger­ade erst ein­mal recher­chieren, was das eigentlich ist). Ich habe meine eBooks bis­lang manuell in Beam eBooks eingestellt, das let­zte ist allerd­ings schon einige Zeit her. Existiert diese Möglichkeit nicht mehr? Es wurde bei der Über­nahme sig­nal­isiert, dass sich hin­sichtlich der Self­pub­lish­er »nichts ändere«.

Wie soll ein Self­pub­lish­er ohne sozialpäd­a­gogis­che oder psy­chol­o­gis­che Aus­bil­dung Ihrer Ansicht nach rechtssich­er ein­schätzen kön­nen, ab welchem Alter seine Texte geeignet sind oder ob sie nur ab 18 Jahren geeignet sind?

Bei welchen anderen Self­pub­lish­er-Por­tal­en wird, wie von Ihnen sug­geriert, konkret eine Alter­se­in­stu­fung von Büch­ern abseits von jugendge­fährden­den Schriften ver­langt und bere­its durchge­führt?

Auch ver­weisen Sie beim Audi­ence-Tag weit­er­hin auf eine FSK für Büch­er. Meines Wis­sens existiert keine Organ­i­sa­tion der Frei­willi­gen Selb­stkon­trolle für Büch­er. Von welch­er FSK-Organ­i­sa­tion reden Sie hier?

Für Infor­ma­tio­nen bedanke ich mich im voraus.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

Ich bin erneut ges­pan­nt, ob ich eine Antwort bekom­men werde.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

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