FSK auf eBooks: Luebbe fängt schon mal an?

FSK18 eBookNeulich habe ich mich länglich mit den Äußerun­gen seit­ens des Börsen­vere­ins des Deutschen Buch­han­dels zum The­ma FSK für eBooks auseinan­der geset­zt. Börsen­vere­ins-Jus­tiziar Sprang redete davon, dass eine Umset­zung durchge­führt wer­den muss, das aber noch bis 2017 Zeit hat (was ich schon nicht ver­stand, entwed­er der JMStV gilt für eBooks (auch jet­zt bere­its) oder er gilt nicht). Auf jeden Fall war nir­gend­wo die Rede davon, dass das sofort umge­set­zt wer­den muss.

Bekan­nter­maßen wurde die Plat­tform Beam eBooks vor ein paar Wochen von Bastei Luebbe über­nom­men. Damals hat­te ich schon Bedenken, auch wenn es hieß, es liefe alles weit­er wie bish­er. Auch ich vertreibe eBooks über Beam. Und bekam soeben eine Email, die mich erst ein­mal mit offen­em Mund zurück ließ:

Liebe Handelspartner/innen,

in den ver­gan­genen Monat­en wurde die beam AG ver­mehrt von der Lan­desme­di­en­anstalt darauf hingewiesen, dass sich im Sor­ti­ment unter www.beam-ebooks.de immer wieder ero­tis­che Titel befind­en, die nicht den Anforderun­gen zur Ein­hal­tung des Jugend­schutzes entsprechen.

Als Shop ist es in unserem Inter­esse, diese betrof­fe­nen Titel weit­er­hin zu verkaufen.

Wir bit­ten Sie daher bis zum 1.06.2015 um eine Über­prü­fung Ihrer Inhalte im Bere­ich Erotik.

Wie kön­nen Sie Abhil­fe schaf­fen?

1. Das Cov­er sollte nicht pornographis­chen Inhalts sein
2. Der Buch­text sollte nicht aus­führliche explizite Szenen darstellen, einen Akt beschreiben bzw. pornographis­chen Inhalts sein – ist dem so bitte den Text entschär­fen bzw. kürzen
3. Inhalte ab 18 müssen über das Meta­dat­en-Tag »FSK 18« ver­fü­gen
4. Bei ero­tis­chen Inhal­ten mit dem Kri­teri­um FSK 18 sollte im Buch­text immer ein Jugend­schutzhin­weis hinzuge­fügt wer­den.

Hier ein Beispiel zu einem Buch­text, wie es der ero­tis­che eBook-Ver­lag venus­books hand­habt:

http://www.venusbooks.de/…/exzessiv-aus-dem-leben-einer-nym…

Fol­gen­der Textblock ist hier­bei essen­tiell und bewahrt den Ver­lag und uns als Shop vor der Sper­rung des Titels:

Jugend­schutzhin­weis: Im realen Leben dür­fen Erotik und sex­uelle Hand­lun­gen jed­er Art auss­chließlich zwis­chen gle­ich­berechtigten Part­nern im gegen­seit­i­gen Ein­vernehmen stat­tfind­en. In diesem eBook wer­den fik­tive ero­tis­che Phan­tasien geschildert, die in eini­gen Fällen wed­er den all­ge­meinen Moralvorstel­lun­gen noch den Geset­zen der Real­ität fol­gen. Der Inhalt dieses eBooks ist daher für Min­der­jährige nicht geeignet und das Lesen nur ges­tat­tet, wenn Sie min­destens 18 Jahre alt sind.

Wird keine Abhil­fe geschaf­fen, sehen wir uns als Shop lei­der gezwun­gen, betrof­fene Titel zwecks Entschär­fung der Sach­lage aus dem Verkauf zu nehmen.

Für weit­ere Fra­gen ste­he ich Ihnen gerne zur Ver­fü­gung!

Beste Grüße aus Köln,
(Name ent­fer­nt)
Sales Man­agerin
Beam AG

Es stell­ten sich mir sofort etliche Fra­gen dazu. Ein paar davon habe ich gle­ich zur Beant­wor­tung an Luebbe gestellt und fol­gende Email ver­sandt:

Sehr geehrte Frau (Name ent­fer­nt),

bevor ich mich dieser Email detail­liert in einem Artikel auf Phan­taNews wid­men werde, bitte ich um Aufk­lärung fol­gen­der Fra­gen:

Wie kom­men sie darauf, dass der JMStV für eBooks gilt, für Print­büch­er aber nicht anzuwen­den ist?

Wie kom­men Sie darauf, dass in den von mir ange­bote­nen eBooks solche Inhalte vorhan­den sind?

Wie kann ein Autor Ihrer Ansicht nach rechtssich­er fes­tle­gen, ob seine Inhalte ab 16 oder ab 18 einzustufen sind?

Sie schreiben, es muss ein FSK-Hin­weis auf den eBooks ange­bracht wer­den. Mir ist kein­er­lei Organ­i­sa­tion der frei­willi­gen Selb­stkon­trolle bei Büch­ern bekan­nt. Auf welche Organ­i­sa­tion würde sich der Hin­weis Ihrer Ansicht nach beziehen? Sollte es keine solche Organ­i­sa­tion geben, wäre der Hin­weis rechtlich äußerst beden­klich und ver­mut­lich auch abmahn­bar. Warum wollen Sie die eBook-Autoren einem solchen Risiko aus­set­zen und sind Sie bere­it, im Falle von Abmah­nun­gen die Kon­se­quen­zen zu tra­gen?

Für kurzfristige Antworten bedanke ich mich und weise darauf hin, dass diese in einem Artikel auf meinem Web­por­tal the­ma­tisiert wer­den.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

Sobald Antworten ein­tr­e­f­fen, werde ich diese hier veröf­fentlichen.

Auch der geschilderte FSK-Hin­weis ist in meinen Augen äußerst frag­würdig, denn er ver­hin­dert selb­stver­ständlich nicht das Lesen des eBooks durch Min­der­jährige. Beam müsste vielmehr sich­er­stellen, dass solche eBooks nicht von Min­der­jähri­gen gekauft wer­den kön­nen, davon ist aber nir­gend­wo die Rede. Alles in allem erscheint mir das unaus­ge­goren und ein Schild­bürg­er­stre­ich.

Und: Wenn es Hin­weise seit­ens der Lan­desme­di­en­anstalt gegeben hat, wäre es dann nicht viel zielführen­der, die entsprechen­den Autoren genau dieser eBooks direkt anzus­prechen, statt alle? Zudem redet die Dame in ihrer Mail nur von Ver­la­gen. Ich habe keinen Ver­lag. Gilt das also für Self­pub­lish­er nicht, oder wer­den die nur nicht genan­nt, weil man bei Luebbe noch in alten Bah­nen denkt?

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

2 Kommentare for “FSK auf eBooks: Luebbe fängt schon mal an?”

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