Kommentar: Der Börsenverein und Altersbeschränkung auf eBooks

FSK18 eBookAls ich vor ein paar Tagen über dieses The­ma auf der Onlin­ev­er­sion des Börsen­blattes las, hat­te ich zuerst Griff­spuren vom Gesichtspalmieren im Gesicht und dann sofort den Gedanken, mal wieder einen Rant vom Stapel zu lassen. Es macht Spaß die zu ver­fassen und Klicks sind eben­falls gesichert. Ich habe aber davon abge­se­hen und lieber erst ein­mal ein wenig nachgedacht. Die Ergeb­nisse dieses Denkens möchte ich im vor­liegen­den Kom­men­tar präsen­tieren, sie mögen in Teilen etwas unge­ord­net sein, das ist dem schlichtweg unbe­grei­flichen The­ma abseits medi­aler Real­itäten geschuldet. Und selb­st wenn das kein Rant wird, mag man Spuren von Satire, Ironie und möglicher­weise auch Sarkas­mus darin ent­deck­en.

Was war passiert? Der Börsen­vere­in des deutschen Buch­han­dels hat­te kür­zlich eine der regelmäßi­gen Sitzun­gen ihres Ver­legerauss­chuss­es. Nach dem, was man darüber so lesen kann (und auch den Bildern nach zu urteilen), disku­tieren dort alte Män­ner mit Kugelschreibern und Faxgeräten, wie es mit der Branche, dem Drumherum und diesem neu­modis­chen Schnickschnack weit­er zu gehen hat. Ein­er der Punk­te war nun, dass Chris­t­ian Sprang, Jus­tiziar des Börsen­vere­ins, den Anwe­senden eröffnete, es müsse ab 2017 zwin­gend eine Alterskennze­ich­nung, ähn­lich der FSK (frei­willi­gen Selb­stkon­trolle) bei Fil­men, auf eBooks geben. Denn diese seien Teleme­di­en.

Das Börsen­blatt selb­st ver­wen­dete dazu die For­mulierung:

Was zunächst wie ein ver­späteter Aprilscherz klingt …

Und dem ist eigentlich schon wenig hinzuzufü­gen, ich werde es aber den­noch tun. Aus­giebig.

Da greift man sich an den Kopf. Alterskennze­ich­nung für Büch­er, jenes geheiligte Gut des Volkes der Dichter und Denker? Wie kann das sein? Das hat­ten wir doch noch nie? Und tat­säch­lich frage ich mich bere­its seit Jahrzehn­ten, warum es eine solche Kennze­ich­nung zwar für andere Kun­st­for­men wie Filme oder Com­put­er­spiele gibt, nicht aber für das Medi­um Buch. FEUCHTGEBIETE? 50 SHADES OF GREY? Mit welchem Grund? Weil Büch­er eine »höhere« und unantastbare(re) Kun­st sind, als Filme oder Com­put­er­spiele? Im Ernst? Warum?

Gemäß Jus­tiziar Sprang muss eine solche FSK nun also einge­führt wer­den. Das kön­nte ich vielle­icht auch noch nachvol­lziehen, aber sie gilt keineswegs für alle Büch­er, son­dern auss­chließlich für eBooks. Denn die sind ange­blich Teleme­di­en.

Nein! Doch! Oh!

Mir ist keine Aus­sage von irgendwelchen namhaften (oder unbekan­nten) Polit-Spin­nern bekan­nt, die so etwas fordert. Und ger­ade aus Rich­tung der CSU mit ihren big­ot­ten Bier­miss­brauch­ern, die Schießstände ein­wei­hen, aber Com­put­er­spiele ver­teufeln, kommt sowas ja gern mal, um das christliche Abend­land ver­meintlich und aus ihrer eng­stirni­gen Welt­sicht vor dem Unter­gang zu bewahren. Aber selb­st von da war akut nichts zu vernehmen. Wie kommt der Jus­tiziar also auf so etwas?

Die Wikipedia sagt zur Def­i­n­i­tion der »Teleme­di­en« Fol­gen­des:

»Teleme­di­en« ist ein Rechts­be­griff für elek­tro­n­is­che Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tions­di­en­ste, ins­beson­dere eine Vielzahl von Inter­net­di­en­sten.

Kann das für ein Buch gel­ten? Tat­säch­lich wird das eBook ja nur über das Inter­net über­tra­gen. Ja, man kann es in einem Brows­er lesen, die Chance, dass es auf einem dedi­zierten Lesegerät, einem Tablet oder Smart­phone kon­sum­iert wird, ist deut­lich größer als »wie eine Web­seite«. Trotz­dem: Das Inter­net ist streng genom­men nur ein Über­tra­gungsmedi­um für die Datei, die das eBook darstellt (und die Datei ist weitest­ge­hend iden­tisch mit dem Buch, darauf beste­ht der Börsen­vere­in, damit die Buch­preis­bindung für das Medi­um eBook gilt). Das ist etwas anderes als Teleme­di­en, die sich auf irgendwelchen Servern befind­en und von dort in Form von Web­seit­en aus­geliefert wer­den – die aber defin­i­tiv keine Medi­en sind, die »Büch­ern weitest­ge­hend entsprechen«. Ist das Buch ein »elek­tro­n­is­ch­er Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tions­di­enst«? Keine Frage, das kön­nte man so sehen. Aber ein Totholzbuch ist dann, betra­chtet man es genau, eben­falls ein »Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tions­di­enst«, oder? Anders gesagt: Wenn ein eBook einem Buch »weitest­ge­hend entspricht« und gle­ichzeit­ig nur eine Dien­stleis­tung ist, wieviel Platz ist dann noch für ein Telemedi­um? Und noch weit­er: Wenn ein eBook ein Telemedi­um und zudem eine elek­tro­n­is­che Dien­stleis­tung ist, hat es sich dann weit genug vom Print­buch ent­fer­nt, um nicht mehr »weitest­ge­hend iden­tisch« damit zu sein? Wie unter­schei­den sich Web­seit­en von eBooks? Was, beim heili­gen Guten­berg, ist eigentlich die genaue Def­i­n­i­tion eines eBooks? Ist nicht eigentlich jede Web­seite, jedes PDF, jed­er Stream auf einem sozialen Medi­um nicht vielle­icht auch ein eBook? Oder auf keinen Fall? Denkt mal drüber nach.

Um mal einen der wie immer hink­enden Ver­gle­iche her­anzuziehen: Hät­ten wir kein Inter­net und hätte sich ein umfassendes Rohrpost­sys­tem als Liefer­di­enst für Briefe und Büch­er etabliert (als Steam­punk-Fan mag ich die Idee, ist als Tech­nikkonzept deut­lich glaub­würdi­ger als Ware­nan­liefer­ung mit Drohnen), dann blieben die Büch­er immer noch Büch­er, auch wenn sie als »Telemedi­um« durch ein Rohr geschossen wer­den.
Oder ganz anders: Wenn ich bei Ama­zon ein Papier­buch bestelle und es mir von einem Paket­di­enst zustellen lassen, dann kön­nte man das eben­falls als »Telemedi­um« beze­ich­nen, wenn auch außer­halb des Inter­nets. Auf der anderen Seite: Nein, ich habe es ja über das Medi­um Inter­net bestellt. Also doch ein Telemedi­um übers Inter­net, via Web gekauft und ange­fordert, aber »ana­log« geliefert. Der Inhalt der­selbe – 50% Telemedi­um.

Dabei ist beim Papier­buch in gle­ich­er Weise nicht sicherzustellen, wer das Buch let­z­tendlich erhält, denn es gibt kein­er­lei Altersver­i­fika­tion. Deswe­gen muss ich mich kopfkratzend und gesichtspalmierend fra­gen: Warum wird eine FSK nur auf eBooks propagiert, die sich in dieser Hin­sicht auss­chließlich durch den Trans­portweg von Totholzbüch­ern unter­schei­den? Und wenn ich mir ein eBook aus­drucke? Ist es noch ein Telemedi­um oder nicht? Fra­gen über Fra­gen. Was ist, wenn ich ein eBook direkt beim Buch­händler kaufe? Ist es dann ein Telemedi­um? Was ist, wenn ich mir ein eBook auf einem USB-Stick kaufe? Ist es dann ein Telemedi­um? Was ist, wenn ich mir ein Buch kaufe, es ein­scanne und ein eBook daraus mache?

Angesichts der Real­itäten, was Geschäfts­fähigkeit und gesun­den Men­schen­ver­stand ange­ht, wird diese Geschichte mit der Alter­se­in­stu­fung von eBooks immer skur­ril­er (man kön­nte auch sagen: bek­loppter), je länger man darüber nach­denkt.Und: Um ein Kon­to bei einem eBook-Verkäufer rechts­gültig anzule­gen, muss man geschäfts­fähig sein und über irgen­deine Art von Zahlungsmöglichkeit ver­fü­gen. Wenn man mal von Paysafe­card und Ähn­lichen absieht, wird bei allen anderen Zahlungs­for­men Geschäfts­fähigkeit Grund­vo­raus­set­zung sein, um über­haupt irgen­det­was online kaufen zu kön­nen. Denn son­st kann man nicht zahlen. Geschäfts­fähig ist man ab 18 Jahren. Die Prü­fung, ob ein Kunde auch tat­säch­lich geschäfts­fähig ist, hat bei den Anbi­etern zu liegen.
Damit kön­nte man beim Verkauf erst ein­mal davon aus­ge­hen, dass der Kunde auf­grund seines Alters jeglich­es Mate­r­i­al erwer­ben darf. Eine FSK wäre über­flüs­sig. Damit wären auch Verkauf­s­plat­tfor­men rel­a­tiv ein­fach in der Lage, einen Kon­toin­hab­er zu ver­i­fizieren, wer es als Anbi­eter noch rechtssicher­er haben möchte, ver­an­lasst zusät­zlich einen Posti­dent, um das Alter des Kun­den konkret festzustellen.
Danach ist die Nutzung der gekauften Medi­en genau so, wie bei DVDs oder Com­put­er­spie­len (aber nicht bei Print­büch­ern). Klar kön­nten Kinder 50 SHADES OF GREY lesen, wenn Mut­ter es rum­liegen lässt, aber das war bish­er für nie­man­den nur ansatzweise ein Grund, eine FSK auf Totholzbüch­er einzuführen, nicht wahr? Angesichts der Real­itäten, was Geschäfts­fähigkeit und gesun­den Men­schen­ver­stand ange­ht, wird diese Geschichte mit der Alter­se­in­stu­fung von eBooks immer skur­ril­er (man kön­nte auch sagen: bek­loppter), je länger man darüber nach­denkt.

Es bleiben die Fra­gen, was die beim Börsen­vere­in rauchen, wie die beim Börsen­vere­in darauf kom­men, oder was sie damit bezweck­en? Dazu fall­en mir ver­schiedene The­sen ein:

Eine FSK-Ein­stu­fung kann nicht jed­er herge­laufene Hansel durch­führten. Die Ver­lage bräucht­en Jugen­schutzbeauf­tragte, die das machen. Große Ver­lage schulen irgen­deinen, der nicht schnell genug auf den Baum kommt, und fer­tig. Kleine Ver­lage und Self­pub­lish­er haben ein Prob­lem, die kön­nen sich keinen eige­nen leis­ten. Aber das kann man natür­lich pri­ma als bezahlte Dien­stleis­tung anbi­ete, nicht wahr? Vielle­icht sog­ar durch irgen­deine Tochter­fir­ma des Börsen­vere­ins? Und schon klin­gelt die Kasse.

Oder sind die eBooks und die üblicher­weise dafür einge­forderten (oder zu recht­fer­ti­gen­den) Preise den alten Män­nern mit Kugelschreibern und Fax­en ein Dorn im Auge? Seit­ens der Ver­lage wird ja gern propagiert, dass eBooks gefäl­ligst genau­so teuer zu sein haben, wie die Totholz­vari­ante (selb­st wenn Druck und Ver­sand­l­o­gis­tik kom­plett weg­fall­en). Will man das eBook als Medi­um auf diesem Weg der­art diskred­i­tieren und umständlich machen, dass alle Leser zu Kreuze gekrochen kom­men, und reuevoll wieder auf Pflanzen­fas­er lesen? Man kön­nte diesen Ein­druck gewin­nen, dass hier ver­sucht wird, den Sta­tus Deutsch­lands als Entwick­lungs­land in Sachen Inter­net und neue Medi­en zu zemen­tieren. #Neu­land eben.

Vielle­icht wit­tert man aber auch Mor­gen­duft, angelehnt an das, was ich oben bere­its schrieb, und hofft, dass man sich auf diesem Weg mehr oder weniger ele­gant der neu erwach­se­nen Konkur­renz durch die so über­aus lästi­gen Self­pub­lish­er (diese miesen Emporkömm­linge!) mal eben entledi­gen und so wie in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten weit­er machen kann?

Wenn das mal kein Trugschluss ist. Der Jugendme­di­en­di­en­ste-Staatsver­trag hat­te ja bere­its in den ver­gan­genen Jahren im Inter­net für Quere­len gesorgt. Auch dort woll­ten und wollen fos­sile Poli­tik­er, die sich das Web von ihren Sekretärin­nen aus­druck­en lassen, und nicht wis­sen, was ein Brows­er ist, Alterbeschränkun­gen für Web­seit­en ein­führen und bes­timmte Inhalte erst ab 22:00 Uhr zulassen. Wir wis­sen, was daraus gewor­den ist. Abseits von öffentlich-rechtlichen Medi­en hält sich nie­mand an diese abstrusen und völ­lig welt­fer­nen Vor­gaben, die ohne­hin angesichts eines weltweit­en Net­zes kom­plett idi­o­tisch sind.

Die frei­willige Selb­stkon­trolle wäre genau das: frei­willig. Warum sollte das bei den Self­pub­lish­ern anders sein? Die frei­willige Selb­stkon­trolle wäre genau das: frei­willig. Ins­beson­dere Einzelper­so­n­en kön­nen nicht gezwun­gen wer­den, eben­sowenig wie Web­seit­en­be­treiber. Sie kön­nten ihre Büch­er also auf eige­nen Web­seit­en feil­bi­eten. Und auch ob Ama­zon sich an eine solche Alters­freiga­be hält, ist erst ein­mal zweifel­haft. Der Hin­weis darauf, dass es inhaltlich keine Unter­schiede zwis­chen Print und eBook gibt, würde mir als Megakonz­ern erst­mal reichen, um weit­er zu verkaufen, und durch die Instanzen zu gehen, falls es zu Kla­gen kommt. Dem­nach gäbe es also möglicher­weise die Büch­er der deutschen Ver­lage nur noch mit Alters­beschränkung, die der Self­pub­lish­er aber ohne. Das wäre ein der­art gigan­tis­ch­er Kni­eschuss der Branche, dass ich ver­mut­lich lachend ver­ster­ben oder feiernd größere Men­gen von Alko­hol miss­brauchen würde.

Sieht man jedoch, dass der Börsen­vere­in ger­ade erst verkün­dete, sich auch für »neue Pub­lika­tions­for­men« wie die Self­pub­lish­er öff­nen zu wollen, und sieht man die Self­pub­lish­er-Plat­tform der Toli­no-Allianz, dann sollte man vor­sichtig sein, was man tut. Möglicher­weise kann man zukün­ftig als Indie Mit­glied des Börsen­vere­ins wer­den. Und damit unter­wirft man sich dessen Regeln – also beispiel­sweise ein­er FSK, das­selbe dürfte für Toli­no-Media gel­ten. Man sollte sich gut über­legen, wo man seine Büch­er verkauft und wo man Mit­glied ist (dazu zählt in meinen Augen übri­gens auch ein »Self­pub­lish­er-Ver­band, der – so ein Zufall – in densel­ben Räu­men des Börsen­vere­ins gegrün­det wurde, in denen auch der Ver­legerauss­chuss tagte …).

Aber let­z­tendlich erken­nt man in all meinen soeben dargelegten Gedanken hof­fentlich, wie hanebüchen, völ­lig welt­fremd und fernab der durch die mod­er­nen Medi­en geschaf­fe­nen Real­ität eine FSK auss­chließlich auf eBooks ist. Entwed­er, es gibt eine FSK auf ALLE Büch­er, Print eben­so wie eBook oder Hör­buch, oder sie gilt auf keinem davon.
Wenn der Börsen­vere­in das ent­ge­gen allem Men­schen­ver­stand ein­führen und durchziehen möchte, dann kön­nte man leicht auf die Idee ver­fall­en, akute Hirn­er­we­ichung zu ver­muten.

Tat­säch­lich glaube ich allerd­ings, dass ganz andere Inter­essen dahin­ter steck­en (oder Dummheit. Dummheit geht geht als Erk­lärung immer).

Und ich glaube weit­er­hin, dass diese rück­ständi­ge, real­itäts­ferne und evo­lu­tion­sre­sistente Forderung nach ein­er FSK auf eBooks allen schaden wird. Den Autoren, den Lesern, der Branche, und dem Land der »Dichter und Denker« – das sich inter­na­tion­al wieder ein­mal zum Affen machen wird. Und dass das Ganze – sollte es tat­säch­lich so kom­men – den Piraten­plat­tfor­men einen immensen Zulauf ver­schaf­fen wird, ger­ade im über­aus beliebten und ein­nah­meträchti­gen Seg­ment »ab 18«.

Würde das so geschehen, führte das zu einem mas­siv­en Ein­bruch im eBook-Verkauf und bei entsprechen­der geset­zlich­er Umset­zungspflicht für jeden auch zu ein­er mas­siv­en Erschw­er­nis für Self­pub­lish­er und mit Sicher­heit zu einem eben­so mas­siv­en Rück­gang von Indies verkaufter eBooks. Ist es wirk­lich das, was der Börsen­vere­in will? Sich unlieb­samer Konkur­renz entledi­gen? Das kön­nte in mehrfach­er Hin­sicht ins Auge gehen, wäre ein Armut­szeug­nis und in meinen Augen eine fast schon mafiös zu nen­nende Aktion.

Aber: Wenn alle Stricke reißen, kön­nte man eine Medi­endiskus­sion anstoßen, ob es eine FSK nicht auch auf Print­büch­er geben muss. Das lässt sich inhaltlich völ­lig prob­lem­los vertreten, ins­beson­dere mit dem Ver­gle­ich zu anderen Medi­en. Die Chance, dass so etwas poli­tisch ern­stgenom­men wird, ist in meinen Augen gar nicht mal schlecht. »Denkt denn kein­er an die Kinder???« zieht trotz Zen­sur­su­las Scheit­ern mit Stopp­schildern immer noch sehr gut.

Und dann wäre die Branche so richtig am …

Aber so pes­simistisch bin ich in Sachen Self­pub­lish­ing nicht. Die Erfahrun­gen mit dem Inter­net zeigen, dass sich die gesamte Branche damit ver­mut­lich selb­st abschafft und die Self­pub­lish­er sich nicht daran hal­ten wer­den (müssen).

p.s.: (Stellt euch mal vor, die Buch­hand­lun­gen müssten abge­tren­nte Eck­en wie früher in den Videotheken ein­richt­en, um »ab 18«-Bücher zu verkaufen. Allein der Gedanke amüsiert mich königlich)

Update (11:30 Uhr): Stel­lung­nahme des Börsen­vere­ins auf Face­book:

Es sind noch nicht alle Einzel­heit­en gek­lärt. Aber vor­erst: Da E-Books Teleme­di­en sind, gel­ten für den Ver­trieb von E-Books die Vorschriften des Jugendme­di­en­schutz-Staatsver­trags. Wir befind­en uns derzeit in Gesprächen mit den Jugend­schutzbe­hör­den der Län­der, um für den Buch­bere­ich eine kostens­parende und ressourcenscho­nende Umset­zung der Vorschriften des Staatsver­trags zu erre­ichen. Vorge­se­hen ist, auf die Zwis­chen­schal­tung ein­er Ein­rich­tung der Frei­willi­gen Selb­stkon­trolle sowie auf Kennze­ich­nun­gen in den E-Book-Dateien zu verzicht­en. Stattdessen sollen alle Ver­lage, die E-Books ins Verze­ich­nis liefer­bar­er Büch­er (VLB) melden, voraus­sichtlich ab Novem­ber 2015 in einem Pflicht­feld kennze­ich­nen, ob deren Inhalte nach ihrer Ein­schätzung jugendge­fährdend sind und die Titel deshalb nur für Leser ab 16 Jahren zugänglich gemacht wer­den dür­fen. Der­ar­tige E-Books sollen voraus­sichtlich ab 2017 von allen Online-Buch­han­del­splat­tfor­men nur noch in ein­er speziellen Rubrik zugänglich gemacht wer­den, die mit einem Jugend­schutz­fil­ter verse­hen sein muss. E-Books mit pornographis­chen und ver­gle­ich­baren Inhal­ten (also ver­gle­ich­bar FSK 18) dür­fen im Inter­net grund­sät­zlich nur in geschlosse­nen Nutzer­grup­pen und nicht auf frei zugänglichen Web­sites ange­boten wer­den. Die geplante Regelung gilt für Inter­ne­tan­bi­eter mit Sitz in Deutsch­land. Sie wird nötig, weil für Teleme­di­en stren­gere Jugend­schutzvorschriften gel­ten als für gedruck­te Büch­er.

Keine wirk­lich neuen Infor­ma­tio­nen hier, dieselbe real­itäts­ferne Herange­hensweise. Allerd­ings wären nur solche eBooks betrof­fen, die ans VLB gemeldet wer­den. Ver­mut­lich wollen sie dann eBooks ohne VLB-Lis­tung (also die von vie­len Self­pub­lish­ern) automa­tisch als »nicht jugend­frei« ein­stufen. Ich bin ges­pan­nt, ob Ama­zon da mit­macht.

 

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

9 Kommentare for “Kommentar: Der Börsenverein und Altersbeschränkung auf eBooks”

Daniela

sagt:

Hm, laut AGBs muss man eh 18 sein, bevor man sich ein Kon­to bei z.B. Ama­zon ein­richt­en kann, also kann man eBooks erst kaufen wenn man 18 ist. Und Pornografie ist laut AGBs eh nicht erlaubt ;-). Und dann geht wieder die schöne Debat­te los, was Pornografie und was Erotik ist :-D. Sind wir dann jet­zt prüder als die Amis? Und wie sieht es mit gewaltver­her­rlichen­den Büch­ern aus?

Und wenn eBooks jet­zt doch Teleme­di­en sind, dann gilt doch die Buch­preis­bindung nicht, da es ja keine Büch­er sind. Oder? Also wie jet­zt? Sii­i­i­ig­maaaaar­rrrr!!!!!

Ich stelle mir das jet­zt ger­ade aus Leser­sicht vor. Muss man dann für jedes eBook mit FSK 18 ein PostI­dentver­fahren durch­führen? Was ja auch jedes­mal Geld kostet.
Welch­es Jahrhun­dert haben wir nochein­mal? Willkom­men nicht nur im Land der Dichter und Denker, son­dern auch im Land der Tüftler und Entwick­ler, wo jed­er Fortschritt arg­wöh­nisch beäugt und block­iert wird. Und die Wirtschaft klagt über Fachkräfte­man­gel.

Sie soll­ten man weniger Faxe schick­en. Anscheinend haben die Dämpfe neg­a­tive Auswirkun­gen auf das Denkver­mö­gen.

sagt:

Eigentlich ist es per­fekt – weil dann wür­den die Kinder vielle­icht mehr lesen. Denn wenn »ab 18« oder »jugendge­fährend« drauf ste­ht, kön­nte es ja inter­es­sant sein .…

Im Ernst – was für ein Blödsinn!

Feuerkatze

sagt:

Vielle­icht wollen Sie die Gle­ich­stel­lung von E-book und Prinz voran treiben, damit Ihre Idee der Buch­preis­bindung mehr Unter­stützung bekommt.

sagt:

Warum sollte »ihre Idee der Buch­preis­bindung« mehr Unter­stützung bekom­men müssen? Mehr »Unter­stützung« als durch ein Gesetz geht wohl kaum noch.

ShoDana

sagt:

Also das eBook hat weitest­ge­hend iden­tisch zu sein mit der Print­vari­ante. Das heißt, dass in bei­den das selbe drin ste­ht! Muss ich als Lehrerin dann auf­passen welche Lek­türe als näch­stes im Unter­richt dran kommt? Es kön­nte ja sein, dass Schüler in der Klasse sitzen, die noch keine 16 oder 18 sind, was ja bei 13 Jahren Schule mit einem Ein­schu­lungsalter von 6,5 Jahren auch in der Ober­stufe dur­chaus vorkom­men kann. Oder müssen dann dem­nächst die Lehrpläne über­ar­beit­et wer­den, um sicherzustellen, dass nur »jugend­freie« Büch­er im Unter­richt the­ma­tisiert wer­den? Und wie ist das mit dem Geschicht­sun­ter­richt und entsprechen­den Lek­türe­tex­ten oder Büch­ern, die zu Unter­richt­szweck­en gele­sen wer­den? In der heuti­gen Medi­en­welt hat so ziem­lich jed­er Schüler ein Smart­phone und wird sich entsprechende Lek­türe eher über dieses zu Gemüte führen, als ein »lang­weiliges« Papier­buch zu lesen. Egal, Haupt­sache sie lesen es.
Mal ganz ehrlich, hat von den Nasen jemand weit­er bis zu sein­er Nasen­spitze oder seinem Kon­toauszug gedacht und ist auf die Idee gekom­men welche Weitun­gen sowas ziehen kann/wird?

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