Der Börsenverein und das Leistungsschutzrecht

Screenshot Netz-Monitor BuchNeu­li­ch fiel mir auf, dass der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels wie­der ein­mal in sei­nem „Netz-Mo­ni­tor Buch“ auf ei­nen mei­ner Ar­ti­kel ver­linkt und die­sen auch in Aus­zü­gen wie­der­ge­ge­ben hat­te. Das stört mich nun grund­sätz­li­ch nicht (trotz des ver­mut­li­chen Ver­sto­ßes ge­gen CC BY-NC-SA), al­ler­dings war ich schon be­frem­det, dass sie nicht ein­mal in der Lage wa­ren, mei­nen Na­men kor­rekt wie­der­zu­ge­ben. Da stand „Ste­fan Holz­au­ser“ statt „Ste­fan Holz­hau­er“. Ich habe der Pres­se­ab­tei­lung dar­auf­hin eine Mail ge­schrie­ben, in der ich um Kor­rek­tur mei­nes Na­mens bat. Wäh­rend ich schrieb, fiel mir auf, dass die In­hal­te, die da im Netz-Mo­ni­tor ver­öf­fent­licht wer­den, im Prin­zip ge­n­au sol­che sind, wie sie durch das am 1. Au­gust in Kraft ge­tre­te­ne „Leis­tungs­chutz­recht für Pres­se­ver­le­ger“ ei­gent­li­ch ge­schützt sein soll­ten. Des­we­gen füg­te ich fol­gen­de Fra­ge an:

Sind Sie ei­gent­li­ch der An­sicht, dass die Text­aus­schnit­te in Ih­rem „Netz-Mo­ni­tor Buch“ ge­mäß dem am 1. Au­gust 2013 in Kraft ge­tre­te­nen Leis­tungs­schutz­recht in die­ser Form un­be­denk­li­ch sind?

Dar­auf­hin pas­sier­te erst ein­mal: nichts. Ich habe dann zwei Tage spä­ter noch­mal nach­ge­fragt und die ur­sprüng­li­che Mail wei­ter ge­lei­tet. Die Ant­wort auf die Fra­ge zum LSR hät­te von mir aus noch län­ger auf sich war­ten las­sen dür­fen, aber mei­nen Na­men woll­te ich schon schnell ge­än­dert ha­ben. Dies­mal kam die Ant­wort kurz­fris­tig:

Was das Leis­tungs­schutz­recht be­trifft, sind von die­sem Diens­te aus­ge­nom­men, die „die ver­le­ge­ri­sche Leis­tung auf an­de­re Wei­se nut­zen, z. B. in­dem sie dem In­ter­net-Nut­zer auf­grund ei­ge­ner Wer­tung eine Aus­wahl von Pres­se­er­zeug­nis­sen an­zei­gen.“ Dar­über hin­aus heißt es in § 87g (4) UrhG-E: „Zu­läs­sig ist die öf­fent­li­che Zu­gäng­lich­ma­chung von Pres­se­er­zeug­nis­sen oder Tei­len hier­von, so­weit sie nicht durch ge­werb­li­che An­bie­ter von Such­ma­schi­nen oder ge­werb­li­che An­bie­ter von Diens­ten er­folgt, die In­hal­te ent­spre­chend auf­be­rei­ten.“
Der Bör­sen­ver­ein ist kein ge­werb­li­cher An­bie­ter in die­sem Sin­ne und der Netz-Mo­ni­tor BUCH eine Dienst­leis­tung über­wie­gend für Mit­glie­der, die den On­line-Dis­kurs durch re­dak­tio­nel­le Aus­wahl von Blog­bei­trä­gen för­dern will.

Wir hal­ten fest: der Bör­sen­ver­ein ist der An­sicht, dass das Leis­tungs­schutz­recht für sei­nen „Netz-Mo­ni­tor Buch“ nicht gilt. Das fin­de ich ehr­li­ch ge­sagt äu­ßer­st ul­kig, denn das Ge­gen­teil dürf­te der Fall sein. Rechts­an­walt Schwen­ke (ei­ner von den Gu­ten) schreibt in ei­nem sei­ner Ar­ti­kel zu die­sem The­ma sehr ein­deu­tig:

Das Leis­tungs­schutz­recht be­trifft nur Such­ma­schi­nen und Diens­te, die In­hal­te ähn­li­ch wie Such­ma­schi­nen auf­be­rei­ten. Da­mit sind Ag­gre­ga­ti­ons­diens­te ge­meint, die Pres­ser­zeug­nis­se ge­sam­melt auf­lis­ten, wie zum Bei­spiel Pres­se­schau­en oder Blog­ar­ti­kel­über­sich­ten.

Und um eine Pres­se­schau bzw. um eine Blog­ar­ti­kel­über­sicht (oder ge­nau­er: um eine Über­sicht über Ar­ti­kel aus dem Netz) han­delt es sich beim „Netz-Mo­ni­tor Buch“ ein­deu­tig. Und sie steht of­fen im Netz, auch wenn sie laut der Stel­lung­nah­me „eine Dienst­leis­tung über­wie­gend für Mit­glie­der“ ist.

Wei­ter schreibt RA Schwen­ke:

Such­ma­schi­nen und Ag­gre­ga­ti­ons­diens­te dür­fen aus Pres­se­er­zeug­nis­sen ein Jahr lang nur „ein­zel­ne Wör­ter oder klein­s­te Text­aus­schnit­te“ über­neh­men …

Die im Netz-Mo­ni­tor Buch wie­der­ge­ge­ben Tex­te über­schrei­ten das bei Wei­tem.

Dann heisst es in der Stel­lung­nah­me: “ … der Bör­sen­ver­ein ist kein ge­werb­li­cher An­bei­ter in die­sem Sin­ne“. Das fin­de ich noch viel ul­ki­ger. Wer eine pri­va­te Web­sei­te oder ein Blog be­treibt, der wird von Ge­rich­ten be­reits als ge­werb­li­cher An­bie­ter ein­ge­stuft, wenn er Wer­be­an­zei­gen schal­tet oder Af­fi­lia­te-Links setzt. Da­bei ist es völ­lig un­er­heb­li­ch, ob da­mit eine Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht ein­her geht. Eben­so we­nig muss die Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht sich mei­ner Mei­nung nach auf die Pres­se­schau di­rekt be­zie­hen. Dass der Bör­sen­ver­ein der An­sicht ist, kein ge­werb­li­cher An­bie­ter zu sein, und das trotz der Rechts­form als Ver­ein, dem Er­he­ben von Mit­glieds­bei­trä­gen, ei­nem Ge­schäfts­füh­rer (fällt je­man­dem das Wort „Ge­schäft“ auf?) und ei­ner Um­satz­steu­er­num­mer im Im­pres­sum sei­ner Web­sei­te, das hat mich nicht we­nig er­hei­tert.

Im Prin­zip wäre mir das al­les egal. Al­ler­dings sind es Bör­sen­ver­eins-Ge­schäfts­füh­rer Ski­pis und Vor­ste­her Hon­ne­fel­der, die zu je­der sich bie­ten­den Ge­le­gen­heit auf Ein­hal­tung der Ur­he­ber­rechts­ge­set­ze po­chen oder so­gar de­ren Ver­schär­fung zu Un­guns­ten der Bür­ger for­dern. Umso er­staun­li­cher, dass der Bör­sen­ver­ein selbst sich of­fen­bar ei­nes … na sa­gen wir mal … „eher ge­las­se­nen“ Um­gangs mit sol­chen Ge­set­zen be­flei­ßigt. Wol­len wir hof­fen, dass der Bör­sen­ver­ein nicht den Um­trie­ben ei­nes bö­sen Ab­mahn-Ab­zo­ckers zum Op­fer fällt.

Ob der Bör­sen­ver­ein mit sei­nen An­sich­ten Recht hat, wird sich ent­schei­den, wenn es die ers­ten kon­kre­ten Ur­tei­le zum Leis­tungs­schutz­recht gibt. Doch die son­st so streit­ba­ren Pres­se­ver­le­ger (so­gar die Haupt­in­itia­to­ren vom Sprin­ger-Ver­lag) hal­ten sich bis­her merk­wür­dig da­mit zu­rück, Prä­ze­denz­fäl­le zu schaf­fen …

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Screen­s­hot: aus dem Netz­mo­ni­tor Buch mit den Aus­zü­gen aus mei­nem Ar­ti­kel (und dem kor­ri­gier­ten Na­men)

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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