Schneller Check: Twentysix, der »Self-Publishing-Verlag«

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Kurz vor der Buch­mes­se ka­men Ran­dom Hou­se (ei­ner der größ­ten Ver­la­ge welt­weit) und Books on De­mand, kurz BoD, da­mit aus der Höh­le, dass sie ei­nen »Self-Pu­bli­shing-Ver­lag« ge­grün­det ha­ben. Mal ab­ge­se­hen da­von, dass es drin­gend nö­tig er­scheint, de­nen na­he­zu­brin­gen, dass die Wor­te »Self­pu­bli­shing« und »Ver­lag« nun mal per De­fi­ni­ti­on nicht zu­sam­men pas­sen, er­scheint das in mei­nen Au­gen als noch ein Ver­such der eta­blier­ten Bran­che, an Self­pu­blishern mit­zu­ver­die­nen. Und um er­folg­rei­che Selbst­ver­öf­fent­li­cher für ei­ge­ne Ver­la­ge ab­zu­grei­fen. Ein schnel­ler Blick auf die Sei­te be­stä­tigt bei­des mei­ner An­sicht nach auch.

Zu­erst zu Vor­tei­len: Be­reits beim ko­sten­lo­sen Pa­ket er­hält man eine ISBN für sein eBook und »in­ter­na­tio­na­len On­line-Ver­trieb«. De­tails zu letz­te­rem habe ich auf der Sei­te auch nach län­ge­rem Klicken ver­geb­lich ge­sucht. Of­fen­bar ist es zwin­gend, sich an­zu­mel­den, um ei­nen Au­to­ren­ver­trag oder Buch­ver­trag ein­se­hen zu kön­nen. Trans­pa­rent geht an­ders, alle die­se Rah­men­be­din­gun­gen soll­ten be­reits vor ei­ner An­mel­dung ein­seh­bar sein, wie bei­spiels­wei­se bei Ama­zon. Ich ver­ste­he of­fen ge­sagt nicht, was die­se Ge­heim­nis­tue­rei soll – au­ßer viel­leicht dass sie dar­in be­grün­det ist, dass es sich eben um Ver­lags­bran­chen­di­no­sau­ri­er han­delt, die sol­che Ge­heim­nis­krä­me­rei viel­leicht ganz nor­mal fin­den.

Se­hen wir uns den Buch­kal­ku­la­tor an, dann kom­men wir auf Tan­tie­men für den Au­tor, die in ähn­li­chen Grö­ßen­ord­nun­gen wie bei CreateSpace/Amazon lie­gen (leicht dar­un­ter). Das gin­ge wohl noch in Ord­nung, ins­be­son­de­re, wenn man be­trach­tet, dass die Print­bü­cher (an­ge­bo­ten wer­den Ta­schen­buch, Hard­co­ver, Hard­co­ver mit Fa­den­bin­dung, Ring­buch und Book­let) an­geb­lich in Buch­hand­lun­gen be­stell­bar sein sol­len. Ob das tat­säch­lich funk­tio­niert, wird die Zu­kunft zei­gen, ich hal­te es al­ler­dings auf­grund der bei­den Fir­men im Hin­ter­grund für durch­aus wahr­schein­lich.

Gro­tesk wird es dann aber, wenn es um die Prei­se für Au­to­ren­ex­em­pla­re geht. Ein Bei­spiel.

Ein Ta­schen­buch in 12 x 19 cm, mat­ter La­mi­nie­rung, Pa­pier creme­weiß 90g, 268 Sei­ten. Ver­kauft man das für 9,99 Euro (ein recht an­ge­mes­se­ner Preis), kom­men beim Au­tor ge­ra­de mal pop­li­ge 1,02 Euro an (knapp 11 Pro­zent). Bei Ama­zon sind das ca. 70 Cent mehr. Na­tür­lich kann man mehr ein­neh­men, wenn man den Preis er­höht, aber da muss man ja ge­ra­de als Self­pu­blisher vor­sich­tig sein und eng kal­ku­lie­ren, was die Le­ser zu zah­len be­reit sind.

Woll­te man die­ses Buch für sich als Au­to­ren­ex­em­plar be­stel­len, ko­stet das – und ich kann es nicht an­ders aus­drücken – we­ge­la­ge­ri­sche 8,71 Euro net­to, 9,32 Euro brut­to, wenn man bis zu 24 Stück or­dert. Bis 50 sinkt der Preis auf 7,56 net­to / 8,09 brut­to. Zu­züg­lich Ver­sand­ko­sten. An­ge­sichts die­ser völ­lig in­ak­zep­ta­blen Prei­se muss ich mich fra­gen, was für Dro­gen die neh­men.
Bei Crea­te­space ko­stet mich ein Buch auch bei ge­rin­gen Auf­la­gen ca. knapp 5 Euro in­klu­si­ve Ex­pe­di­ted-Ver­sand aus den USA. Las­se ich bei Books­fac­to­ry drucken (Min­dest­be­stell­wert 50 Euro), ko­stet mich ein sol­ches Buch in Top-Qua­li­tät 3,50 Euro inkl. USt und Ver­sand. Ja, ich weiß, die ver­trei­ben die Bü­cher im Buch­han­del, aber den­noch ist zum ei­nen die Mar­ge viel zu ge­ring (sie wol­len für ein Print­buch­pa­ket ja auch noch ei­nen Ein­stiegs­preis von 39 Euro – bis zum 21.12.2015, dann wird das ver­mut­lich teu­rer), zum an­de­ren ist der Preis für die Au­to­ren­ex­em­pla­re nichts an­de­res als un­ver­schämt. Print On De­mand ist BoDs Kern­ge­schäft. Wenn die tat­säch­lich kei­ne bes­se­ren Kon­di­tio­nen bie­ten kön­nen, riecht das für mich nach Ab­zocke.

Buchkalkulator 26

Ko­misch wird es dann noch­mal bei den zu Print­bü­chern vor­ge­schla­ge­nen eBook-Prei­sen, die sich an den Mond­prei­sen für elek­tro­ni­sche Bü­cher der deut­schen Ver­lags­bran­che ori­en­tie­ren und die für Self­pu­blisher völ­lig uto­pisch sind. Die Prei­se kann man al­ler­dings deut­lich ver­rin­gern und er­hält dann im­mer noch ganz brauch­ba­re Er­lö­se, die al­ler­dings deut­lich un­ter de­nen lie­gen, die Ama­zon zahlt. Bei dem Re­chen­bei­spiel oben sagt der Buch­kal­ku­la­tor ei­nen Ver­kaufs­preis von 6,99 Euro an, da­bei wäre die eBook-Net­to­mar­ge 2,67 Euro, ver­rin­gert man den Preis auf 3,49 Euro bleibt eine Net­to­mar­ge von ge­ra­de mal 1,33 Euro. Soll­te das eBook für null Euro Ein­stiegs­pau­scha­le da­mit tat­säch­lich in al­len Bran­chen­shops zu fin­den sein, könn­te man dar­über tat­säch­lich mal nach­den­ken, aber das kann nur die Zu­kunft zei­gen. An­ge­prie­sen wird:

Sie wer­den in al­len re­le­van­ten Buch­hand­lun­gen und On­line-Shops wie Ama­zon, Ap­ple iBooks, To­li­no, Goog­le Play, Tha­lia und Hu­gen­du­bel ge­li­stet.

Aber was ge­nau be­deu­tet in die­sem Zu­sam­men­hang das Wort »re­le­vant«?

Be­den­ken soll­te man bei den Prei­sen, dass kei­ner­lei Wer­bung oder Mar­ke­ting mit den Pa­ke­ten und den pro Ver­kauf ein­be­hal­te­nen Ge­büh­ren ein­her ge­hen. Das muss man als Self­pu­blisher im­mer noch sel­ber ma­chen.

So­weit ein kur­zer Ein­blick, viel­leicht te­ste ich das bei vor­han­de­ner Zeit mal in­ten­si­ver, auch weil ich mir die ge­prie­se­nen On­line-Edi­to­ren für In­hal­te und ins­be­son­de­re auch die Ver­trä­ge an­se­hen möch­te, aber mei­ner Mei­nung nach han­delt es sich um eine wei­te­re Mo­gel­packung der Ver­lags­bran­che, um an Self­pu­blishern mit­zu­ver­die­nen.

Wenn man das als Self­pu­blisher tat­säch­lich te­sten will, soll­te man in Er­wä­gung zie­hen, die Au­to­ren­ex­em­pla­re ein­fach bei ei­nem an­de­ren An­bie­ter wie bei­spiels­wei­se Books­fac­to­ry deut­lich gün­sti­ger drucken zu las­sen; wenn man tat­säch­lich wei­test­ge­hend alle Rech­te be­hält, wie das auf der Sei­te mei­ner An­sicht nach sug­ge­riert wird, müss­te das ver­trag­lich ge­se­hen pro­blem­los mög­lich sein.

Logo Twen­ty­six und Screen­shot Coyp­right Ver­lags­grup­pe Ran­dom Hou­se GmbH

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

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