EuGH: Weiterverkauf gebrauchter Software zulässig – Konsequenzen für Spiele und eBooks
InterÂesÂsant darÂan ist die FestÂstelÂlung des EuGH, dass es fĂĽr einen WeiÂterÂverÂkauf völÂlig unerÂhebÂlich ist, ob die SoftÂware auf einem DatenÂträÂger oder als DownÂload erworÂben wurÂde, »es hanÂdeÂle sich auf alle FälÂle um einen VerÂkauf«, schreibt man auf HeiÂse. OraÂcle war der Ansicht, dass man dem KunÂden nur eine SoftÂwareÂkoÂpie bereit gestellt habe, die zugeÂhöÂriÂge Lizenz jedoch nur zur NutÂzung berechÂtiÂge, nicht aber EigenÂtum an der SoftÂware gewähÂre. Das sieht der GerichtsÂhof deutÂlich anders und bezeichÂnet Kopie und Lizenz als »unteilÂbaÂres GanÂzes«, weil:
Das HerÂunÂterÂlaÂden einer Kopie eines ComÂpuÂterÂproÂgramms wäre nämÂlich sinnÂlos, wenn dieÂse Kopie von ihrem BesitÂzer nicht genutzt werÂden dĂĽrfÂte
Damit darf man jegÂliÂche SoftÂware weiÂterÂverÂkauÂfen, solanÂge man die eigeÂne Kopie löscht. Das ist ein weit reiÂchenÂdes Urteil und dĂĽrfÂte nicht zuletzt SpieÂleÂherÂstelÂler vor einiÂge ProÂbleÂme stelÂlen, damit ist nämÂlich auch der WeiÂterÂverÂkauf von MMOs grundÂsätzÂlich mögÂlich und vor allem entÂgeÂgen der NutÂzungsÂbeÂdinÂgunÂgen völÂlig legal – Lizenz- und NutÂzungsÂbeÂdinÂgunÂgen dĂĽrÂfen nämÂlich nicht gegen gelÂtenÂdes Recht verÂstoÂĂźen. Die immer häuÂfiÂger zu finÂdenÂde PraÂxis, SpieÂle an BenutÂzerÂkonÂten zu binÂden, dĂĽrfÂte mit dieÂsem Urteil nicht ohne weiÂteÂres fortÂzuÂsetÂzen sein, denn ein WeiÂterÂverÂkauf ist defiÂniÂtiv zuläsÂsig; damit mĂĽsÂsen die AnbieÂter MögÂlichÂkeiÂten schafÂfen, die WeiÂterÂgaÂbe von LizenÂzen zu ermögÂliÂchen.
MeiÂner Ansicht nach ist das Urteil aber noch viel weiÂterÂreiÂchenÂder und betrifft genauÂso eBooks (und selbstÂverÂständÂlich auch HörÂbĂĽÂcher), die allÂzu oft mitÂtels kunÂdenÂfeindÂliÂcher DRM-MaĂźÂnahÂmen nicht nur an einÂzelÂne KunÂden, sonÂdern sogar an einÂzelÂne GeräÂte gebunÂden sind. Auch hier werÂden die AnbieÂter MögÂlichÂkeiÂten finÂden mĂĽsÂsen, wie man LizenÂzen weiÂterÂgeÂben kann. Und sogar die DRM-freiÂen elekÂtroÂniÂschen BĂĽcher sind betrofÂfen, die verÂfĂĽÂgen ĂĽbliÂcherÂweiÂse ĂĽber »weiÂche« DRM-MaĂźÂnahÂmen wie WasÂserÂzeiÂchen, um illeÂgaÂle VerÂbreiÂtung zu verÂhinÂdern bzw. zu verÂfolÂgen. FĂĽr die die KunÂden ist das in Sachen eBooks (ebenÂso wie bei SoftÂware) eine granÂdioÂse NachÂricht, beseiÂtigt das Urteil doch einen der größÂten NachÂteiÂle der digiÂtaÂlen BĂĽcher.
Da eBooks letztÂendÂlich nichts andeÂres sind als SoftÂware (das hat der GesetzÂgeÂber auch bereits durch die EinÂstuÂfung einer MehrÂwehrtÂsteuÂerÂpflicht in Höhe von 19% bestäÂtigt), komÂmen hier auf die AnbieÂter von eBooks turÂbuÂlenÂte ZeiÂten zu, denn auch bei gekaufÂten eBooks muss zukĂĽnfÂtig ermögÂlicht werÂden, die erworÂbeÂne SoftÂware (das eBook) weiÂter verÂkauÂfen zu könÂnen.
Das wird dem BörÂsenÂverÂein nicht gefalÂlen …
Ob das alles ohne weiÂteÂre KlaÂgen durchÂgeÂsetzt werÂden kann oder ob die AnbieÂter verÂsuÂchen werÂden, das Urteil zu ignoÂrieÂren, steht noch auf einem andeÂren Blatt, die RechÂte der KunÂden wurÂden durch die EntÂscheiÂdung des EuGH jedoch deutÂlich gestärkt.
QuelÂle unter andeÂrem: HeiÂse
Bild: Logo des EuGH von SsolÂbergj, aus der WikiÂpeÂdia, CC BY-SA
