NeuÂlich habe ich mich längÂlich mit den Ă„uĂźeÂrunÂgen seiÂtens des BörÂsenÂverÂeins des DeutÂschen BuchÂhanÂdels zum TheÂma FSK fĂĽr eBooks ausÂeinÂanÂder gesetzt. BörÂsenÂverÂeins-JusÂtiÂziÂar Sprang redeÂte davon, dass eine UmsetÂzung durchÂgeÂfĂĽhrt werÂden muss, das aber noch bis 2017 Zeit hat (was ich schon nicht verÂstand, entÂweÂder der JMStV gilt fĂĽr eBooks (auch jetzt bereits) oder er gilt nicht). Auf jeden Fall war nirÂgendÂwo die Rede davon, dass das sofort umgeÂsetzt werÂden muss.
BekannÂterÂmaÂĂźen wurÂde die PlattÂform Beam eBooks vor ein paar Wochen von BasÂtei LuebÂbe ĂĽberÂnomÂmen. Damals hatÂte ich schon BedenÂken, auch wenn es hieĂź, es lieÂfe alles weiÂter wie bisÂher. Auch ich verÂtreiÂbe eBooks ĂĽber Beam. Und bekam soeben eine Email, die mich erst einÂmal mit offeÂnem Mund zurĂĽck lieĂź:
GesÂtern wurÂde er mit groÂĂźem MediÂen-TamÂtam und VorÂzeiÂgeÂstars aus UnterÂhalÂtung und PoliÂtik in BerÂlin präÂsenÂtiert: Der DeutÂsche ComÂpuÂterÂspieÂleÂpreis.
ErstÂmal könnÂte man annehÂmen, dass das ein gutes ZeiÂchen ist, angeÂsichts der von PoliÂtiÂkern und andeÂren GutÂmenÂschen poleÂmisch gefĂĽhrÂten »Killerspiele«-Diskussionen der letzÂten MonaÂte. Man könnÂte annehÂmen, dass eine gesellÂschaftÂlich längst als völÂlig norÂmal angeÂnomÂmeÂne und durchÂgeÂfĂĽhrÂte FreiÂzeitÂbeÂschäfÂtiÂgung durch die VerÂleiÂhung eines solÂchen PreiÂses die lanÂge ĂĽberÂfälÂliÂge AnerÂkenÂnung erhalÂten sollÂte, und das TheÂma aus dem angebÂliÂchen GewaltÂsumpf und aus dem StammÂtisch-PopuÂlisÂmus gewisÂser CSU-PoliÂtiÂker hebt.
Doch das ist leiÂder nicht der Fall, die Jury macht sich dopÂpelt lächerÂlich: zum einen dadurch, dass sie ihre EntÂscheiÂdung auf Druck der darÂin sitÂzenÂden PoliÂtiÂker fällt und nicht aufÂgrund der QuaÂliÂtät eines SpieÂles abstimmt, sonÂdern ProÂdukÂte mit angebÂlich zu hohem GewaltÂanÂteil einÂfach herÂausÂfalÂlen lässt – ohne jede konÂkret nachÂvollÂziehÂbaÂre BegrĂĽnÂdung.
Zum andeÂren verÂstoÂĂźen sie gegen ihre eigeÂnen RichtÂliÂniÂen, wenn sie ein deutÂsches Spiel als besÂtes interÂnaÂtioÂnaÂles ProÂdukt kĂĽren, obwohl dieÂse Rubrik einÂdeuÂtig nur fĂĽr nicht-deutÂsche SpieÂle gedacht war, nur um wieÂder ein angebÂlich gewaltÂtäÂtiÂges Game nicht ausÂzeichÂnen zu mĂĽsÂsen.
GewinÂner in den KateÂgoÂrien »besÂtes deutÂsches Spiel« und »besÂtes interÂnaÂtioÂnaÂles Spiel« ist ANNO 1404. Gutes Spiel, GraÂtuÂlaÂtiÂon. Ein interÂnaÂtioÂnaÂles ProÂdukt laut der VorÂgaÂbe ist das aber nicht: »Jeder VerÂband kann jeweils bis zu drei im AusÂland herÂgeÂstellÂte SpieÂle fĂĽr dieÂse KateÂgoÂrie vorÂschlaÂgen.« DarÂan gehalÂten hat sich die Jury nicht, als sie ANNO als rein deutÂsches ProÂdukt präÂmierÂte.
NomiÂniert war auch UNCHARTED 2 und das hätÂte den interÂnaÂtioÂnaÂlen Preis nach MeiÂnung so ziemÂlich jeden sachÂkunÂdiÂgen BeobÂachÂters auch gewinÂnen mĂĽsÂsen. VerÂhinÂdert haben das allerÂdings Polit-JuryÂmitÂglieÂder, die darÂin zuviel Gewalt sahen – was völÂliÂger Unsinn ist, denn UNCHARTED 2 ist ein spanÂnenÂdes Spiel, das auf BruÂtaÂliÂät jedoch verÂzichÂtet.
StaatsÂmiÂnisÂter Bernd NeuÂmann:
»Der Preis ist in der ComÂpuÂterÂspielÂszeÂne angeÂkomÂmen.«
Die VerÂgaÂbe zeigt, dass der DeutÂsche ComÂpuÂterÂspieÂleÂpreis in dieÂser Form nicht nur nichts damit zu tun hat, was gut ist (oder detailÂlierÂter: techÂnisch, kĂĽnstÂleÂrisch oder draÂmaÂturÂgisch brilÂliÂant gemacht), sonÂdern auch die reaÂlen ComÂpuÂterÂspieÂler in dieÂsem Land weiÂtestÂgeÂhend ignoÂriert. Nennt das Ding wie ihr wollt, vielÂleicht »Preis fĂĽr pädÂagoÂgisch wertÂvolÂle ComÂpuÂterÂspieÂle«, aber verÂsucht nicht, uns SpieÂlern vorÂzuÂmaÂchen, dass ihr irgendÂeiÂne Ahnung habt, was in der SzeÂne gespielt wird, oder dass ihr gar eine AffiÂniÂtät zu dieÂser SzeÂne habt. Aber was sollÂte man schon erwarÂten, wenn sich RegieÂrungsÂmitÂglieÂder als »FachÂjuÂry« bezeichÂnen – ich nehÂme denen defiÂniÂtiv nicht ab, dass sie ĂĽber Skat oder »Mensch ärgeÂre Dich nicht« hinÂaus SpieÂleÂfachÂwisÂsen haben, schon gar nicht in Sachen ComÂpuÂterÂspieÂle.
Wenn das so weiÂter durchÂgeÂzoÂgen wird (und davon kann man ausÂgeÂhen), dann wird auch im nächsÂten Jahr wieÂder allentÂhalÂben ĂĽber dieÂsen alberÂnen Preis gelacht werÂden. Zu Recht.
Ach ja: SieÂger in der KateÂgoÂrie »BesÂtes JugendÂspiel«: THE WHISPERED WORLD (DaedaÂlic). »BesÂtes mobiÂles Spiel«: GIANA SISTER (dtp EnterÂtainÂment). »BesÂtes KinÂderÂspiel«: CAPTN SHARKY (TivoÂla). »BesÂtes Serious Game«: EXPERIMINTE (IW MediÂen GmbH). »BesÂtes BrowÂserÂgame«: WEWAII (TraÂviÂan Games). GewinÂner des StuÂdenÂtenÂwettÂbeÂwerbs ist NIGHT OF JOEANNE und Platz 1 des SchĂĽÂlerÂwettÂbeÂwerbs ging an GOOSEGOGS. Ein »BesÂtes Online LernÂspiel« wurÂde nicht nomiÂniert und somit gab es auch keiÂnen GewinÂner.
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