Kommentar: This is the way …

Ich möch­te doch nach ein paar Tagen Abstand zum Kino­be­such und mei­ner Bespre­chung noch ein paar Wor­te mehr über THE MANDALORIAN AND GROGU ver­lie­ren. Es ist lan­ge her, dass mich ein STAR WARS‑, Mar­vel oder ande­rer Block­bus­ter-Film so zufrie­den aus dem Kino ent­las­sen hat. Und das eben genau, weil der Film weder sein Fran­chise oder sein Uni­ver­sum neu erfin­det, und schon gar nicht irgend­ein Gen­re, son­dern weil er ganz genau weiß, was er möch­te: Unter­hal­ten. Und das ein­fach mal tut.

Die Geschich­te ist über­schau­bar und wird kei­nen Ori­gi­na­li­täts­preis gewin­nen. Das macht aber nichts. In einer Zeit, in der mir Fil­me immer wie­der gro­ßen Spaß und gute Unter­hal­tung ver­spre­chen und lei­der zu oft dabei schei­tern, weil sie zu viel wol­len, oder weil bei Hand­lung oder Umset­zung geschlu­dert wur­de, ist es erfreu­lich, einen Stei­fen zu sehen, der sein Unter­hal­tungs­ver­spre­chen auch tat­säch­lich ein­löst. Man muss nicht alle STAR WARS-Fil­me oder Seri­en gese­hen haben, um zu ver­ste­hen, was hier pas­siert: Zum einen geht es um einen Kopf­geld­jä­ger, der für die Neue Repu­blik Bös­wat­ze fängt und zum ande­ren um das klei­ne grü­ne Wesen, für das er ver­ant­wort­lich ist und die Bezie­hung zwi­schen den bei­den. Das reicht als Hin­ter­grund. Den Rest erle­digt der Film. Dass Nerd­in­nen, die jedes Detail des Fran­chise atmen, natür­lich Freu­de an all den Quer­ver­wei­sen haben, macht es nur umso erfreu­li­cher.

Regis­seur Jon Fav­reau hat ein Gespür für klas­si­sches Aben­teu­er­ki­no, die Insze­nie­rung gemahnt stel­len­wei­se an Italo-Wes­tern oder Mafia-Dra­ma, ver­mischt mit einer 80er-Jah­re-Sen­si­bi­li­tät, die sich in der Tona­li­tät nie­der­schlägt, auch die Typo­gra­fie erin­nert sicher nicht ganz zufäl­lig an »älte­re Zei­ten«. Die Mischung aus Gewalt und herz­er­wär­men­den Sze­nen (zuge­ge­ben weni­gen) mag selt­sam erschei­nen, aber erin­nert eben deut­lich an Hol­ly­woods gol­de­ne­re Zei­ten, an die angeb­lich so »guten alten« Zei­ten (die auch ihre Pro­ble­me hat­ten), aber als noch nicht jeder Film von orga­ni­sier­ten Troll­ar­meen mit Hate über­zo­gen wur­de.

Es gibt eine Sequenz ganz ohne Dia­log, in der man Gro­gu dabei zuschaut, wie er erwach­se­ner wird, wie er sich in die­ser rie­si­gen Gala­xis zurecht­fin­det und die dabei Lie­be und Ver­lust so bei­läu­fig und gleich­zei­tig so tief­grei­fend ver­han­delt, dass man das kaum ange­mes­sen beschrei­ben kann. Wer bei die­ser Sze­ne nicht gefan­gen wird, hat ver­mut­lich ein Herz aus Bes­kar.

Dazu kommt, dass man über­all dort, wo es mög­lich war, auf prak­ti­sche Sets und ech­te Krea­tu­ren gesetzt hat, und das merkt man. Die Welt fühlt sich greif­bar an, man taucht ein, ohne dass irgend­et­was die Illu­si­on bricht. Die weni­gen Momen­te, in denen der Film stär­ker auf digi­ta­le Effek­te ange­wie­sen ist, fal­len dage­gen bei­na­he etwas ab, aber das ändert am Gesamt­ein­druck wenig.

Über Lud­wig Gör­ans­sons Score muss ich noch­mal ein paar Wor­te ver­lie­ren, denn der ist schlicht­weg her­aus­ra­gend. Nor­ma­ler­wei­se ord­net sich Film­mu­sik dem Gesche­hen unter, hier ist sie gleich­be­rech­tig­ter Erzäh­ler. Der Sound­track trägt jede Sze­ne, gibt dem Film eine emo­tio­na­le Tie­fe, die über das Visu­el­le weit hin­aus­geht, und ist dabei so eigen­stän­dig, dass man ihn auch los­ge­löst vom Film hören will. Das ist meis­ter­haft und ich hat­te schon gefürch­tet, dass die­se Kunst, einen Sound­track so zu gestal­ten, ver­lo­ren schien. Weil halt zu vie­le Hol­ly­wood-Kom­po­nis­ten heut­zu­ta­ge am Com­pu­ter (oder viel­leicht sogar KI-unter­stützt) Scores desi­gnen, die sich auch dann noch ste­ril  und see­len­los anhö­ren, wenn sie für ein Orches­ter neu arran­giert wer­den.

Ist der Film feh­ler­frei? Nein. Die Hand­lung stol­pert an ein paar Stel­len, man­ches löst sich etwas zu bequem auf, und ein­zel­ne Dia­lo­ge hät­ten weni­ger erklä­rend sein dür­fen. Aber das sind klei­ne Krat­zer in einer ansons­ten sau­ber polier­ten Ober­flä­che. Im Kern ist THE MANDALORIAN AND GROGU ein Film, der es sich zur Auf­ga­be gemacht hat, sei­nem Publi­kum für zwei Stun­den ein Lächeln ins Gesicht zu zau­bern, und die­se Auf­ga­be nimmt er so ernst, dass man ihm die klei­nen Schwä­chen ger­ne nach­sieht. In einer Zeit, in der gefühlt jeder zwei­te Kino­film ver­spricht, leich­te Unter­hal­tung zu sein, und dann doch etwas ganz ande­res ablie­fert, ist es fast schon sub­ver­siv, wenn ein Film sein Ver­spre­chen tat­säch­lich ein­fach mal ein­löst.

p.s.: Hau­fen­wei­se Kri­ti­ker und Medi­en ver­su­chen den Film schlecht­zu­schrei­ben, aber 88% Audi­ence Score auf Rot­ten Toma­toes spricht eine eben­so deut­li­che Spra­che wie die 7 von 10 auf der noto­risch troll­ver­seuch­ten Platt­form imdb.

Pro­mo­fo­to Copy­right Lucas­Film & Dis­ney