Kommentar: Die Blu-Ray ist tot? Lang lebe die Blu-Ray!

Blu-Ray Face, Blu-Ray with a face made of drops

Ich habe noch einen Schrank vol­ler DVDs- und Blu-rays, in dem die Video-Kon­ser­ven ste­hen, die ich dort haben möch­te, weil ich mich nicht dar­auf ver­las­sen will, dass irgend­ein Strea­ming-Dienst sie mor­gen viel­leicht noch im Pro­gramm hat – wird er näm­lich nicht haben. Genau die­ses Argu­ment scheint inzwi­schen wie­der mehr Leu­te zu über­zeu­gen, denn ein bri­ti­sches Press­werk mel­det erstaun­li­che Zah­len.

Am 20. Juni 2026 wird die Blu-ray 20 Jah­re alt. Pünkt­lich zum Jubi­lä­um hat das bri­ti­sche Bran­chen­ma­ga­zin Tech­Ra­dar mit Kath Sum­mers­gill gespro­chen, Joint Group Head of Sales bei Key Pro­duc­tion Group, einem Her­stel­ler, der eigent­lich pri­mär Vinyl, Kas­set­ten und CDs fer­tigt, dane­ben aber eben auch Blu-rays und DVDs. Sum­mers­gills Aus­sa­ge zur Auf­trags­la­ge: ein Plus von über 10.000 Pro­zent bei Blu-ray-Bestel­lun­gen, ins­be­son­de­re im Bereich Blu-ray Audio, gemes­sen über die letz­ten acht bis zehn Jah­re. Für ein angeb­lich totes For­mat ist das eine ziem­lich bemer­kens­wer­te Haus­num­mer.

Belast­ba­rer als die Zah­len eines ein­zel­nen Press­werks sind die Daten der bri­ti­schen Enter­tain­ment Retail­ers Asso­cia­ti­on. Laut deren Jah­res­re­port für 2025 ist der phy­si­sche Video­markt ins­ge­samt zwar wei­ter geschrumpft, Blu-ray leg­te aber um drei Pro­zent zu, 4K-Blu-ray sogar um 19,5 Pro­zent. Best­ver­kauf­te Schei­be des Jah­res war WICKED. Steel­books und Son­der­edi­tio­nen spie­len dabei eine wach­sen­de Rol­le: Jede zehn­te 4K-Blu-ray-Ver­öf­fent­li­chung kam 2025 als Steel­book oder Spe­cial Edi­ti­on, und auf die­se Edi­tio­nen ent­fie­len 20 Pro­zent des gesam­ten 4K-Blu-ray-Umsat­zes in Groß­bri­tan­ni­en.

War­um das so ist, ist wahr­lich kein Mys­te­ri­um. Fil­me ver­schwin­den ohne Vor­war­nung aus den Strea­ming-Biblio­the­ken, wech­seln zu Kon­kur­ren­ten, bei denen man kein Abo hat, oder wer­den auch nach dem Kauf wie­der ein­kas­siert. Auf red­dit gibt es regel­mä­ßig Berich­te von Leu­ten, denen gekauf­te Fil­me bei Ama­zon Prime Video schlicht aus der Biblio­thek ver­schwun­den sind. Dazu kommt die völ­li­ge Abhän­gig­keit von der Inter­net­ver­bin­dung. Wer schon mal ver­sucht hat, einen 4K-Stream mit mäßi­ger deut­scher Band­brei­te zu schau­en und statt­des­sen ein mat­schi­ges 720p-Bild mit Buf­fe­ring-Pau­sen ser­viert bekam, weiß, wovon ich rede. Eine Schei­be im Play­er macht sol­che Pro­ble­me nicht. Und eben der zen­tra­le Punkt: Man kann zwar theo­re­tisch alle Mar­vel-Block­bus­ter bei Dis­ney+ sehen, aber nur so lan­ge, bis man das Abo kün­digt. Auf Sil­ber­schei­be kann man sie nach dem Kauf jeder­zeit aus dem Schrank zie­hen.

Sum­mers­gill zieht im Gespräch eine Par­al­le­le zum Vinyl, die auch ein­leuch­tet: Nie­mand erwar­tet, dass Schall­plat­ten oder Blu-rays das Strea­ming erset­zen, aber sie exis­tie­ren dane­ben, weil sie etwas ande­res bie­ten. Etwas, das man besitzt, anfas­sen und immer wie­der abspie­len kann, ohne dass eine Lizenz­ab­tei­lung in Bur­bank oder Seat­tle dar­über ent­schei­det, ob man das mor­gen noch darf.

Eine wich­ti­ge Rol­le spie­len dabei auch die unab­hän­gi­gen Labels, die hoch­wer­ti­ge Restau­ra­tio­nen her­aus­brin­gen und Fil­men damit über­haupt erst einen Grund geben, im Regal zu lan­den. Cri­ter­ion, Arrow Video, Kino Lor­ber, Shout Fac­to­ry und das BFI bedie­nen ein Publi­kum, das nicht unbe­dingt den nächs­ten Mar­vel-Film kon­su­mie­ren will, son­dern eine sorg­fäl­tig restau­rier­te Fas­sung eines Klas­si­kers in der best­mög­li­chen Bild- und Ton­qua­li­tät. Genau die­ses Publi­kum wächst offen­bar wie­der und das fin­de ich über­aus erfreu­lich, denn das bedeu­tet, dass wir mög­li­cher­wei­se Klas­si­ker in ver­bes­ser­ter Form bekom­men kön­nen.

Sony und LG haben sich Ende 2024 bezie­hungs­wei­se Anfang 2025 aus dem Blu-ray-Play­er-Geschäft zurück­ge­zo­gen, was als Sarg­na­gel für das For­mat gehan­delt wur­de. Ver­ba­tim und I‑O Data haben dage­gen erklärt, dass sie an der Disc fest­hal­ten. Wenn die Zah­len der ERA und die Auf­trags­la­ge bei Press­wer­ken stim­men, dann war das viel­leicht kei­ne Fehl­ent­schei­dung, son­dern Rea­li­täts­sinn. Zumin­dest ist die Lage der Blu-ray zum 20. Geburts­tag deut­lich bes­ser, als die Abge­sän­ge der letz­ten Jah­re ver­mu­ten lie­ßen. Und man bekommt nach wie vor nicht nur Play­er, son­dern auch reich­lich Medi­en; zudem wis­sen wir dass es äußerst umtrie­bi­ge chi­ne­si­sche Anbie­ter gibt, die ver­meint­lich vor­sint­flut­li­che Medi­en wie CDs oder sogar Com­pact-Cas­set­ten aus Cool­ness- und Life­style-Grün­den mit neu­en Play­ern ver­sor­gen (FiiO), ich bin sicher, dass aus der Quel­le auch qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge DVD und Blu-Ray-Abspie­ler kom­men wer­den, wenn auch nur ein wenig Nach­fra­ge besteht – und die wird bestehen.

Wie sag­te schon Mark Twa­in: »Die Berich­te über mei­nen Tod waren eine Über­trei­bung.«

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