Buchbranche: Was Bertelsmann darf, darf Aldi noch lange nicht

Der­zeit freut man sich beim Bör­sen­blatt und an­ders­wo dar­über, dass ein Ge­richt Aldi Nord ver­bo­ten hat, Ta­schen­bü­cher für 1,99 Euro zu ver­kau­fen. Es han­delt sich da­bei um Aus­ga­ben, die ge­gen­über den Ori­gi­nal In Sa­chen Lay­out und Um­schlag ver­än­dert wur­den. Ich wür­de mal da­von aus­ge­hen, dass sie auch eine an­de­re ISBN hat­ten, auch wenn merk­wür­di­ger­wei­se in kei­nem der Ar­ti­kel et­was dazu zu fin­den ist.

Die Ge­nos­sen­schaft eBuch hat­te da­ge­gen ge­klagt und jetzt vor ei­nem Es­se­ner Ge­richt Er­folg ge­habt, das un­ter­sag­te Aldi die Pra­xis. eBuch-An­walt Pe­ter Ehr­lin­ger sag­te dazu, dass »die Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher End­prei­se für ei­nen be­stimm­ten Ti­tel sach­lich ge­recht­fer­tigt sein muss, so schrei­be es das Preis­bin­dungs­ge­setz vor«. Und dass ge­ring­fü­gi­ge Än­de­run­gen beim Buch­for­mat und Buch­deckel nicht aus­rei­chend sei­en.

Das ver­wun­dert mich ins­be­son­de­re des­we­gen, weil der be­rühmt-be­rüch­tig­te Ber­tels­mann Club das­sel­be jahr­zehn­te­lang ohne Be­an­stan­dung durch­ge­führt hat­te. Na gut, nicht mit der­art dra­sti­schen Preis­un­ter­schie­den wie bei Aldi, aber an­son­sten war das Kon­zept na­he­zu iden­tisch.

Jetzt kann man mal über Fol­gen­des nach­den­ken: Ber­tels­mann ge­hört zur Buch­bran­che. Aldi nicht.

Stefan Holzhauer

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

2 Kommentare for “Buchbranche: Was Bertelsmann darf, darf Aldi noch lange nicht”

Bernd

sagt:

Jo, könn­te man. Oder man be­fasst sich ge­nau­er mit dem The­ma. Dann fän­de man näm­lich her­aus, dass sich die Club-Aus­ga­ben nicht nur durch eine ein­deu­tig an­de­re Auf­ma­chung son­dern auch durch das Mit­glied­schafts­mo­dell von den o.g. Aldi-Aus­ga­ben un­ter­schei­den. Ich ken­ne die ALDI-Aus­ga­ben nicht und weiß nicht, wann sie nach dem Ori­gi­nal er­schie­nen, aber dies könn­te ein wei­te­rer Grund sein, war­um die bei­den Er­schei­nungs­wei­sen nicht ver­gleich­bar sind.

Stefan Holzhauer

Stefan Holzhauer

sagt:

Si­cher­si­cher. Oder man be­fasst sich wirk­lich mal mit dem The­ma, und stellt fest, dass das eine müde und zu­dem auch noch sach­lich in­kor­rek­te Aus­re­de ist. Bei­spiels­wei­se dür­fen ja so­gar die­sel­ben Bü­cher mit ex­akt dem­sel­ben In­halt und so­gar der­sel­ben Aus­ga­be in ei­ner Sam­mel­box gün­sti­ger ver­kauft wer­den, weil die­se Sam­mel­box eine neue ISBN hat.

Das Club­mo­dell war eine Son­der­re­ge­lung, die der Ge­set­zes­text der Buch­preis­bin­dung über­haupt nicht her­gibt, und die Ber­tels­mann als Ma­jor Play­er ein­fach mal so ein­ge­räumt wur­de. Qua­si ein bran­chen­in­ter­nes »lex ber­tels­mann«. Ver­mut­lich, weil man sich dem Bran­chen­rie­sen und des­sen Rechts­ab­tei­lung nicht in den Weg stellt, oder weil es schlicht aus­ge­kun­gelt wur­de.

»§ 3 Preis­bin­dung
Wer ge­werbs- oder ge­schäfts­mä­ßig Bü­cher an Letzt­ab­neh­mer in Deutsch­land ver­kauft, muss den nach § 5 fest­ge­setz­ten Preis ein­hal­ten. Dies gilt nicht für den Ver­kauf ge­brauch­ter Bü­cher.«

Eine »Aus­nah­me für Club­mit­glie­der« gibt es im Buch­PrG nicht.

Die Aldi-Aus­ga­ben sind üb­ri­gens eben­falls mehr als vier Mo­na­te nach den Ori­gi­nal­aus­ga­ben er­schie­nen.

Al­les in al­lem hal­te ich dar­an fest: Es ist Aldi und kein Prot­ago­nist aus der Bran­che, des­we­gen will man dem schnell und fest ins Kreuz tre­ten, be­vor eine ech­te Kon­kur­renz er­wächst.

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