Werbeblocker – Nachschlag

Nach­dem ich ges­tern noch eini­ge Zeit über die­se »ihr nutzt Adblo­cker, ihr Schweine!«-Nummer nach­ge­dacht habe, hat­te ich noch eine wei­te­re Ein­ge­bung. Da heu­len also die­se Tot­holz­me­di­en mit Web­ab­le­ger rum, was? Waren das nicht (bis auf zwei Aus­nah­men) die, die soeben mit Lug und Betrug und Falsch­aus­sa­gen über Web­tech­ni­ken ein Leis­tungs­schutz­recht durch­ge­drückt haben, das sie sanie­ren soll­te? Weil sie sonst alle störrr­ben müss­ten? Und jetzt auf ein­mal müs­sen sie alle störrr­ben, weil ein paar Pro­zent der deut­schen Inter­net­nut­zer (die Geblock­ten spre­chen von 25 Pro­zent, näher an der Wahr­heit sind wohl 10 Pro­zent) kei­nen Bock mehr auf auf­dring­li­che Wer­bung haben?

Ich kann mei­ne Fra­ge von ges­tern nur wie­der­ho­len: habt ihr sie noch alle?

Unter ande­rem die Anbie­ter von Adblock Plus haben Vor­schlä­ge gemacht, wie es mög­lich wäre Wer­bung zu zer­ti­fi­zie­ren, damit sie nicht ner­vig ist und somit eine Posi­tiv­wer­tung bekom­men könn­te – und dann ange­zeigt wird. Die­se Vor­schlä­ge wur­den von den Wer­be­trei­ben­den aber bis­her fast kom­plett igno­riert. Merkt ihr, woher der Wind weht? Die wol­len zwar, dass wir die Adblo­cker aus­schal­ten (oder die hosts-Datei lee­ren), aber für weni­ger auf­dring­li­che Wer­bung wol­len sie nicht sor­gen, leh­nen eine sol­che Idee wie Adblock Plus´ Accep­ta­ble Ads sogar als welt­fremd ab. Ein State­ment der Adblock Plus-Macher spricht eine deut­li­che und wei­test­ge­hend kor­rek­te Spra­che:

Die Online-Wer­be­in­dus­trie ist aber lei­der zu einem gro­ßen Teil noch nicht inno­va­ti­ons­freund­lich genug, um sich auf Alter­na­ti­ven zu blin­ken­den Ban­nern ein­zu­las­sen. Der Grund ist, dass vie­le das Inter­net nicht ver­stan­den haben und ein­fach das Kon­zept der TV-Wer­bung (maxi­ma­le Auf­merk­sam­keit erzeu­gen) kopie­ren. Das Inter­net aber ist ein demo­kra­ti­sches Medi­um: Nut­zer las­sen sich hier nichts auf­zwin­gen und User kön­nen mit Hil­fe von Tools wie Adblock Plus selbst ent­schei­den, wann und wel­che Art von Wer­bung sie bereit sind zu akzeptieren.

Ich blei­be dabei: mein Adblo­cker bleibt an.

Aller­dings den­ke ich auf­grund die­ser arro­gan­ten Akti­on der »Gro­ßen« und der Leis­tungs­schutze­in­for­de­rer dar­über nach, die­se Hand­ha­bung für klei­ne und kleins­te Web­sei­ten, die mit viel Herz­blut und Enthu­si­as­mus gemacht wer­den, und die mir kei­nen Wer­be­o­ver­kill auf­nö­ti­gen, zu lockern und den Blo­cker dort zu deaktivieren.

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

7 Kommentare for “Werbeblocker – Nachschlag”

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sagt:

Der nächs­te Schritt ist ein Gesetzesvorschlag.
Das Wer­be­ban­ner­po­pup-Schutz­recht. Oder so…

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Isidor Doyle

sagt:

Ich kann mich noch gut an die Zeit Ende der Neun­zi­ger erin­nern als Power­point mit viel Bling-Bling hipp waren und man die Such­ma­schi­ne von Yahoo benutz­te. Tja, der Such­ma­schi­ne von Yahoo hat ein Über­maß an Wer­bung das Genick gebro­chen und die Grund­re­geln für Power­point besa­gen heu­te, ruhig, gedeck­te Far­ben, weni­ge Schlag­wor­te. Von Tag­ging und Coo­kies möch­te ich gar nicht erst reden. Übri­gens, wer eine gute Such­ma­schi­ne mit wenig Wer­bung sucht, die kei­ne User­da­ten sam­melt und aus­ge­zeich­ne­te Such­ergeb­nis­se lie­fert, der soll­te mal http://www.duckduckgo.com testen.

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ths

sagt:

auf man­chen Blogs gibt es sogar Droh­nen, die was von 60% Adblo­cker-Benut­zern faseln und damit Stim­mung machen wollen.
Frau Mei­ke hat das schon rich­tig for­mu­liert: zuerst bekommt man den Inhalt kos­ten­los und unge­fragt vor­ge­setzt, und hin­ter­her wird gejam­mert? Au weia.

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twitter_Terrania

sagt:

Es bleibt jedem unbe­nom­men, einen Adblo­cker zu nut­zen. Das Inter­net ist ja »demo­kra­tisch«. Des­halb ist es auch genau­so »demo­kra­tisch«, wenn irgend­wann bestimm­te New­s­por­ta­le ein­fach ihren Dienst ein­stel­len, wenn er sich nicht mehr lohnt, vul­go rech­net. Ah, schon klar, das ist neo­li­be­ra­lis­ti­scher Scheiss, aber das Inter­net ist halt nun­mal nicht nur Pony­hof. Und der Ver­brau­cher gibt einen Scheiss auf Paid Con­tent, der dann wer­be­frei wäre. Das ist ihm ein­fach nix wert.
Dass wir uns rich­tig ver­ste­hen: ich bin in der Wer­bung und ich habe schon ne Men­ge Wer­be­ban­ner ver­bro­chen. Ich ver­die­ne mein Geld auch damit. Aller­dings sehe ich kei­ne TV-Sen­der mit Wer­bung (Da zahl ich lie­ber im Monat einen Obo­lus für wer­be­frei­es Schau­en) oder neh­me die Din­ger mit dem Mac auf um die Wer­bung dann zu eli­mi­nie­ren. War­um? Weil mir per­sön­lich die TV-Wer­bung zu blö­de und die Ban­ner­wer­bung zu inva­siv ist (Lay­er, Ban­de­ro­le etc) und ich mei­ne Kun­den immer (lei­der völ­lig für die Katz) davon abzu­hal­ten ver­su­che eine sol­che Kacke dem Kon­su­men­ten anzu­tun. Da müs­sen erst die Klick­ra­ten ins Nir­va­na gehen, bevor Kun­den ver­ste­hen, dass das halt nicht so wie in den Zeit­schrif­ten ist. ABER: Tat­sa­che ist, dass man eben auch ein Ange­bot ser­viert bekommt, das DURCH die Ban­ner (mit-)finanziert wird. Man soll­te also durch­aus auch die ande­re Sei­te sehen.

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Stefan Holzhauer

sagt:

Ich sehe die ande­re Sei­te. Adblo­cker sind purer Selbst­schutz. Wenn Wer­bung nicht ner­vend und res­sour­cen­fres­send wäre, gäbe es auch kei­ne Adblo­cker. Es soll sogar Wer­bung geben, die so gut gemacht ist, dass man sie frei­wil­lig teilt, sie­he neu­lich Quin­to und Nimoy. So etwas will sich nicht jeder leis­ten und die meis­ten Wer­ben­den haben noch nicht begrif­fen, dass ner­ven­de Wer­bung gera­de im Netz kon­tra­pro­duk­tiv ist.

Das ist doch ein Streit um des Kai­sers Bart. Ins­be­son­de­re solan­ge die Wer­be­trei­ben­den kei­ner­lei Ein­sicht zu zei­gen bereit sind und nur vom Nut­zer das Abschal­ten des Adblo­ckers ein­for­dern. Sogar mit der offen­sicht­li­chen Lüge »bei uns ist die Wer­bung ja gar nicht so schlimm«. Ent­we­der haben die einen mit­tel­schwe­ren Socken­schuss, oder sie wis­sen selbst gar nicht, was da wie auf ihren Sei­ten ein­ge­blen­det wird.

ich wür­de sogar für ordent­li­che Bericht­erstat­tung ohne Wer­be­ge­ner­ve zah­len, aber solan­ge die Tot­holz­be­dru­cker im Netz ein­fach die­sel­ben Scheiß­hauspa­ro­len der Par­tei­en ver­brei­ten wie in ihren Papier­aus­ga­ben, wer­de ich dafür kei­nen Cent ausgeben.

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twitter_Terrania

sagt:

Naja, das ist schon rich­tig – der Streit um des Kai­sers Bart. Es geht aber immer die Mär rum, dass bei ech­tem »Qua­li­täts­jour­na­lis­mus« die Leu­te bereit wären, für Con­tent zu bezah­len. Ich ver­ra­te dir was: sind sie nicht – bzw. es sind viel zu weni­ge, und des­halb beisst sich die Kat­ze in den Schwanz. Das Inter­net als lukra­ti­ve Platt­form für die Wer­be­trei­ben­den – das ist eine Mär, die uns die Hori­zonts und W&Vs die­ser Welt ger­ne weiß machen wol­len, aber es bleibt eine Mär. Natür­lich neh­men die Spen­dings zu, und eine Men­ge Unter­neh­men ver­su­chen (fast drol­lig anmu­tend) über Sozia­le Net­ze wie twit­ter und Face­book zu kom­pen­sie­ren. Aber echt: wie wol­len die da was »kom­pen­sie­ren« wenn sie schon die Ban­ner­wer­bung nie rich­tig ver­stan­den haben. Shit­s­torm anyone?
Nein. Die wirk­li­che Pro­ble­ma­tik liegt in der Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit einer gan­zen Bran­che – den Medi­en (gefan­gen im Ges­tern), den Wer­be­trei­ben­den (wohin mit dem Euro, damit er sich LOHNT?) und den Kon­su­men­ten, die zwar alles haben möch­ten (wer­be­freie News­sei­ten mit Qua­li­täts­jour­na­lis­mus) aber die Kon­se­quen­zen nicht zie­hen wol­len (Paid Con­tent). Dabei ist es uner­heb­lich, was vor­her da war: der mie­se, unter­be­zahl­te Kom­men­tar­jour­na­lis­mus von links­li­be­ra­len Prak­ti­kan­ten oder das unter­ir­di­sche Niveau der »Qua­li­täts­me­di­en« im Netz, das dazu führ­te. Und ja, es sind Scheiß­hauspa­ro­len, die auf den gros­sen Sites kol­por­tiert wer­den, SPON, ZEIT etc. – zum Teil mit sehr bedenk­li­chen anti­de­mo­kra­ti­schen Aus­wüch­sen (sie­he bru­ta­le Zen­sur bei der Zeit, bei Hal­tun­gen, die nicht zum poli­ti­schen Dis­kurs der Platt­form pas­sen). Ich per­sön­lich bin in die­sem Fal­le ziem­lich rat­los gewor­den, denn was soll ich mei­nen Kun­den raten? Und vor allem – soll ich ihnen wei­ter »Sand in die Augen streu­en«, dass das Ban­ner eine gran­dio­se Idee ist?

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Stefan Holzhauer

sagt:

Die Zei­tun­gen haben sich bei mir aller­spä­tes­tens durch ihre Bericht­erstat­tung zum Leis­tungs­schutz­recht als nicht mehr glaub­wür­dig dis­qua­li­fi­ziert. ich sehe kei­nen Grund, war­um ich für Medi­en zah­len soll­te, die die Wahr­heit bis zur Unkennt­lich­keit ver­dre­hen, nur weil es ihnen in den Kram passt. Bei ande­ren The­men ist das nicht anders, weil man offen­bar kei­nem Poli­ti­ker mehr ans Bein pin­keln möch­te – und der Wirt­schaft schon gar nicht.

War­um soll­te ich für so etwas zah­len wollen?

Ich glau­be, dass Paid Con­tent durch­aus funk­tio­nie­ren kann, wenn der Inhalt, wenn das Gebo­te­ne stimmt. Ich kauf mir ja auch immer noch treu und brav alle zwei Wochen mei­ne c’t und hin und wie­der mal die IX. Oder jede Woche den Per­ry Rhodan.

Ein Grund­pro­blem ist, dass zahl­lo­se Publi­ka­tio­nen um die Leser­gunst buh­len. Im Zei­tungs­be­reich ist das ein Relikt aus Vor-Inter­net-Zei­ten, als jede Hun­de­hüt­te auf dem Dorf ihre eige­ne Zei­tung raus­ge­bracht hat. Heu­te ist das nicht mehr nötig und des­we­gen wird (nein: muss!) die­ser Markt sich kon­so­li­die­ren. Sprich: es wer­den hauf­wen­wei­se Zei­tun­gen weg­ster­ben. Das macht aber auch gar nichts, denn sie copy&pasten alle ohne­hin nur noch die DPA. Auch dafür wer­de ich sicher nichts bezahlen.
Im Inter­net ist das Pro­blem, dass jeder eine Web­sei­te auf­macht und dann auch noch meint, damit Geld ver­die­nen zu müs­sen, obwohl es schon ca. zehn Mil­lio­nen Sei­ten gibt, die das­sel­be The­ma beackern. (wie ich hier, aber die­se Sei­te ist expli­zit unkom­mer­zi­ell, über die Ama­zon-Part­ner­links brau­che ich ein hal­bes Jahr, bis die 25 Euro Min­dest­aus­zah­lung zusam­men sind).

Wenn die­se Bran­che end­lich mal wie­der damit anfan­gen wür­de, Qua­li­tät zu lie­fern, wür­de auch die Bereit­schaft wie­der stei­gen, Geld für die Dienst­leis­tung aus­zu­ge­ben. In der vor­lie­gen­den Form ist mir das kei­nen Pfif­fer­ling wert, egal, ob auf Papier, im Brow­ser oder auf dem Tablet. Und ich weiß, dass das vie­len ande­ren genau­so geht.

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