»Spiele, bei denen die Tötung des Gegners simuliert wird…«

…sollen in Zukun­ft mit einem Bußgeld belegt wer­den, so hat es die Regierungskoali­tion heute beschlossen.

Ich bleibe fas­sungs­los zurück.

Durch diese schwammige For­mulierung wer­den zahllose völ­lig harm­lose Freizeitbeschäf­ti­gun­gen min­destens zur Ord­nungswidrigkeit und das bein­hal­tet sog­ar schon, wenn Kinder Cow­boy und Indi­an­er mit Spielzeug­pis­tolen spie­len. Eben­so LARP und ähn­liche Ver­anstal­tun­gen wie beispiel­sweise Jug­ger. Im Prinzip sollte sich schon­mal jed­er präven­tiv selb­st anzeigen, der in der Öffentlichkeit Schach spielt, denn auch bei diesem Spiel wer­den selb­stver­ständlich Tötun­gen simuliert (wobei ich zugeben muss, dass das nicht mit Waf­fen geschieht). Und eben­so selb­stver­ständlich fällt beispiel­sweise der Fecht­sport laut den Aus­sagen der Poli­tik­er nicht darunter. Ist klar… Nicht, dass ich was gegen Fecht­sport habe, im Gegen­teil, aber wenn mir ein Polit-Clown ern­sthaft dar­legen will, dass hier selb­stver­ständlich nicht das Töten ein­er Per­son simuliert wird, dann glaube ich nicht nur an ern­sthafte kog­ni­tive Prob­leme bei den soge­nan­nten Volksvertretern, son­dern sehe die ganz klar (alter­na­tiv gerne auch Dummheit oder Big­ot­terie).

Dass es sich hier­bei um eine Farce und pure Wahlkampfkos­metik han­delt, hat sog­ar der Bund Deutsch­er Krim­i­nal­beamter fest­gestellt, der harsche Kri­tik an dem Geset­zesvorschlag übt. BDK-Chef Klaus Jansen erörterte gegenüber der »Neuen Osnabrück­er Zeitung«: »Was die Koali­tion beschlossen hat, ist reine Kos­metik. Diesen Kniefall vor der Waf­fen­lob­by wer­den wir Union und SPD nicht durchge­hen lassen.«

Eben. Paint­baller und Betreiber ander­er ange­blich­er Tötungssim­u­la­tio­nen kann man deut­lich leichter drangsalieren als die Waf­fen­lob­by.

Übri­gens muss man sich die For­mulierung »Spiele, bei denen die Tötung des Geg­n­ers simuliert wird…« wirk­lich mal auf der Zunge zerge­hen lassen: Das gilt so auch für zahllose Com­put­er­spiele, auch wenn es sich hier primär ums Waf­fenge­setz dreht.

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

9 Kommentare for “»Spiele, bei denen die Tötung des Gegners simuliert wird…«”

HorstHermann

sagt:

Gilt das auch für Man­növer der Bun­deswehr? – Schließlich spiel da erwach­sene (bzw. fast erwach­sene Män­ner und Frauen) Krieg und Töten. Es wer­den sog­ar Tote simuliert.

Sie drehen durch… Wählt die Piraten­partei

Stefan Holzhauer

sagt:

Es gibt auf diese Frage natür­lich eine Antwort der Ver­ant­wortlichen: Es gibt Per­so­n­en­grup­pen, die in Ausübung ihres Berufes und/oder zur Ausübung hoheitlich­er Auf­gaben Waf­fen benutzen müssen (Beispiele: Polizis­ten, Sol­dat­en). Für die wird das Waf­fen­recht ohne­hin anders aus­gelegt bzw. anders ange­wandt.

Man muß aber gar nicht so weit wegge­hen, schon direkt beim ange­sproch­enen The­ma Spiel und Sport find­et sich mehr als genug, was ab Ein­führung des Geset­zes min­destens ord­nungswidrig wäre.

Ich freue mich schon darauf, wenn uns irgendwelche ahnungslosen Touris­ten beim LARPen die Cops auf den Hals het­zen, weil wir uns mit Schaum­stof­fwaf­fen »simuliert töten woll­ten«. Kotz.

Harald Weber

sagt:

Irgend­wo sitzt jet­zt ein Press­esprech­er und ver­sucht, die Unter­schei­dung zwis­chen »Töten im strate­gis­chen Maßstab« und »tak­tis­chem Töten« nett auszu­for­mulieren. Damit nicht Reen­act­ment-Grup­pen, Table­top-Wargamer und Cosim-Brettspiel­er auf die Bar­rikaden gehen, weil sie im gle­ichen Sack gelandet sind wie die Online­zock­er. Faus­tregel: je weit­er man weg ist und je größer der Body­count, desto net­ter ist das Spiel. Schließlich fahren beim guten alten offline-Schülerzeitvertreib »Schiffe versenken« pro »Versenkt!«-Ruf gle­ich mehrere hun­dert Besatzungsmit­glieder zu den Fis­chen, oder etwa nicht?

In den Worten von Josef Stal­in:
»Ein Tot­er ist eine Trä­godie. Eine Mil­lion Tote sind eine Sta­tis­tik.«

Stefan Holzhauer

sagt:

Es geht dabei (noch) nicht um Com­put­er­spiele und »Online­zock­er«. Paint­ball wird in der Real­ität gespielt, mit Pis­tolen, die Far­bkugeln ver­schießen. Die Ver­let­zungs­ge­fahr ist hier­bei geringer als beim Massen­vergnü­gen Box­en, die Ver­let­zung der Men­schen­würde sehe ich auch eher bei blutig geschla­ge­nen Gesichtern als bei Farbfleck­en auf dem Hemd. Auch LARP find­et nicht virtuell statt, es wird hier in einem Rol­len­spiel meist eine fan­tastis­che Welt mit Helden und Magiern – ähn­lich beispiel­sweise dem Her­rn der Ringe – simuliert.
Wir reden hier über eine Anpas­sung des Waf­fen­rechts, also wenn man mit Waf­fen hantiert, sei es nun eine Paint­ball-Spielzeug­pis­tole oder ein Schaumgum­mi-Schw­ert, wie beim LARP. Das ist weit jen­seits jeglich­er Ver­hält­nis­mäßigkeit und vol­lkom­men frei von gesun­dem Men­schen­ver­stand!

Com­put­er­spiele sind da the­ma­tisch außen vor. Aber die Bestre­bun­gen ins­beson­dere von CDU/CSU, prä­van­tiv alles zu ver­bi­eten, was nicht schnell genug auf den Baum kommt, lassen auch hier Bös­es ver­muten.

Stefan Holzhauer

sagt:

Auf ein­mal ist alles ganz anders?

Siehe TAZ vom heuti­gen Tag

Kön­nte daran die mas­sive Medi­en­schelte gestern Schuld haben? Von alleine wer­den die doch nicht schlau…

Stefan Holzhauer

sagt:

Der SPON-Artikel ist doch allein durch den Teas­er »Ent­war­nung für die Freizeit-Ram­bos:« schon als unser­iös und/oder reißerisch anzuse­hen.

Die let­zte Fast-Amok­läuferin war weib­lich, wenn man das nun in der Art unser­er Poli­tik­er als Sta­tis­tik inter­pretiert: »33 Prozent aller jugendlichen Amok­läufer der let­zten Jahre waren weib­lich«…

Es ging beim Paint­ball-Ver­bot auch gar nicht um Amok­läufe, son­dern darum, dass die Politk­er dem Rest des Volkes ihre ver­schrobe­nen Wertvorstel­lun­gen aufzwin­gen woll­ten.

Das Medi­ene­cho war übri­gens auch nicht schlim­mer oder anders als bei der Inter­net­zen­sur, von wegen »mas­siv­er öffentlich­er Druck«. Das ist doch alles nur noch lächer­lich.

sagt:

Da der SPIEGEL als Medi­um links ste­ht, erstaunt mich der Auf­mach­er nicht im Ger­ing­sten. Was jedoch wichtiger ist als der Auf­mach­er ist die Lin­ie von SPD und CDU, es in diesem Fall langsamer ange­hen zu lassen. Die Grun­daus­sage ist ein­deutiger als der TAZ-Artikel (die ja noch weit­er links ste­ht als der SPIEGEL).
Natür­lich ging es bei dem Ver­bot auch um die Amok­läufe, denn jen­er eine wurde als Aufhänger genom­men, das Waf­fen­recht erneut zu ver­schär­fen. Und das Gotcha-Ver­bot sollte ja in diesem Zuge kom­men. Wobei es in meinen Augen keine Rolle spielt, ob ein Amok­läufer weib­lich oder männlich ist, bei­de Geschlechter spie­len Gotcha und bei­de kön­nen zu einem Amok­lauf auf­brechen.

Abge­se­hen davon war es so, dass das »Killer­spiele-Ver­bot«, welch­es die schwarzen Parteien im Koali­tionsver­trag 2005 ein­bracht­en, laut ver­schieden­er Aus­sagen eigentlich auf Gotcha und ähn­liche SPiele gemünzt war (der Ver­trag an sich bleibt dabei ofen), erst später wur­den damit die Com­put­er­spiele gemeint. Und dieses »Killer­spiele-Ver­bot« war eine Reak­tion auf Erfurt. Also ist die Frage, ob ein­er der Amoläufer dieses Spiel spielte, schon rel­e­vant. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. War ein­er der Idioten Gotcha-Spiel­er?

G. Walt

sagt:

Spiele­ver­bote wer­den auch in Zukun­ft keine Amok­läufe ver­hin­dern-Bas­ta! Wer so etwas glabt, sollte sich rasch selb­st ein­er psy­chol­o­gis­chen Unter­suchun­gen unterziehen.

Hal­lo Horst – die Wahlwer­bung der Pirat­en habe ich neulich auch gese­hen. Von Frei­heit und Demokratie ist Deutsch­land zwar nicht sehr weit ent­fer­nt, aber wir ent­fer­nen uns immer mehr.
Die USA machen uns da was vor. Klar, das jed­er Hinz und Kunz Waf­fen kaufen kann ist auch nicht in Ord­nung, aber Abstriche muss man über­all machen. Und wenn ein Idi alle 4 Jahre in Deutsch­land mal Amok läuft, dann tut das den Opfern weh – aber es passiert soviel schlimmes in der Welt, und wir kön­nen nicht alles ver­hin­dern – wer ja auch schreck­lich.…

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