Offener Brief der Selfpublisher an den Buchhandel

Hal­lo Self­pu­blis­her!

feat_buchhandelLest euch den fol­gen­den of­fe­nen Brief durch (Ähn­lich­kei­ten mit le­ben­den oder to­ten of­fe­nen Brie­fen sind selbst­ver­ständ­li­ch rei­ner Zu­fall und kei­ne Ab­sicht), und wenn ihr da­mit ein­ver­stan­den seid, dann un­ter­schreibt ihn bit­te in ei­nem Kom­men­tar (ech­ter Name oder Pseud­onym, ganz wie ihr wollt). Viel­leicht be­kom­men wir ja mehr als die 500 Un­ter­schrif­ten ir­gend­wel­cher Ver­lags­au­to­ren zu­sam­men, die ge­gen Ama­zon wet­tern. Ihr dürft beim Kom­men­tar gern auch eure Web­sei­te ein­tra­gen, dann habt ihr gleich noch ei­nen Back­link.
Du bist kein Self­pu­blis­her, aber ein Sym­pa­thi­sant des Self­pu­blis­hings oder ein Klein­ver­lag, der in Buch­hand­lun­gen eben­falls nie ge­fun­den wird? Pri­ma! Un­ter­schrei­be auch Du. Selbst­ver­ständ­li­ch sind hier Web­adres­sen ge­nauso gern ge­se­hen und wer­den na­tür­li­ch mit ver­öf­fent­licht (es sei denn, es han­delt sich um of­fen­sicht­li­chen Spam).
Du bist ein Buch­händ­ler, der das eben­falls cool fin­det und da­hin­ter steht? Groß­ar­tig! Schrei­be ei­nen Kom­men­tar und tra­ge Dei­ne Web­adres­se ein, so ei­nen wie Dich kön­nen wir brau­chen! In Dei­nem Fall darfst Du so­gar die An­schrift Dei­nes La­dens in den Kom­men­tar schrei­ben, wenn Du möch­test. Ich wür­de die dann sam­meln und in ei­nem ei­ge­nen Ar­ti­kel ge­son­dert prä­sen­tie­ren.
Hin­weis: Aus recht­li­chen Grün­den schal­te ich alle Kom­men­ta­re ma­nu­ell frei, des­we­gen bit­te nicht wun­dern, wenn Dei­ner nicht so­fort er­scheint, manch­mal schla­fe ich, oder ent­fer­ne mich vom Com­pu­ter, um Be­zos Ct­hul­hu an­zu­be­ten.

Teilt die­se Ak­ti­on bit­te und tragt sie an an­de­re Self­pu­blis­her, Sym­pa­thi­san­ten, Wa­sau­chim­mer, wei­ter, da­mit auch die un­ter­schrei­ben kön­nen.

Wol­len wir doch mal se­hen, wie vie­le wir zu­sam­men be­kom­men!

[Up­date:] Deutsch­land­ra­dio Kul­tur hat mich zum The­ma in­ter­viewt

Ste­fan Holz­hau­er
Self­pu­blis­her u.v.a.m.

Offener Brief der Selfpublisher an den Buchhandel

Lie­be Le­se­rin­nen und Le­ser,
lie­ber Bör­sen­ver­ein, sehr ge­ehr­te Buch­händ­le­rin­nen und Buch­händ­ler,

wir Self­pu­blis­her be­fin­den uns in gar kei­nem Macht­kampf mit ir­gend­wel­chen Ver­la­gen. War­um auch, der Buch­han­del igno­riert uns fast voll­stän­dig, die Ver­la­ge neh­men uns nur des­we­gen zur Kennt­nis, um uns über ihre so­ge­nann­ten Self­pu­blis­hing-Platt­for­men mit völ­lig über­zo­ge­nen Kon­di­tio­nen ab­zu­zo­cken (war­um zum Teu­fel soll­te man ein­wil­li­gen, die Rech­te für Ver­fil­mun­gen oder »un­be­kann­te Nut­zungs­ar­ten« ab­zu­ge­ben, wenn man aus­schließ­li­ch ein In­die-Buch un­ter die Leu­te brin­gen möch­te?) und uns am Ende nur Bro­sa­men zu las­sen.

Nicht erst in den letz­ten Mo­na­ten wer­den Self­pu­blis­her und ihre Bü­cher im ge­sam­ten Buch­han­del (off­line wie on­line) boy­kot­tiert, ihre Bü­cher nicht auf La­ger ge­legt und auf Le­ser­an­fra­ge noch nicht ein­mal be­stellt, selbst wenn es gän­gi­ge Wer­ke oder gar Best­sel­ler sind. Die Bü­cher wer­den GAR NICHT AN­GE­BO­TEN, man hat als Self­pu­blis­her kei­ne Mög­lich­keit sei­ne Bü­cher in die Lä­den oder On­line­shops zu be­kom­men, wenn man sich nicht den ur­alten, an­ge­sichts des In­ter­nets längst ob­so­let ge­wor­de­nen, Tra­di­tio­nen der Bran­che un­ter­wirft und ein Hei­den­geld da­für ab­drückt, in ir­gend­wel­che ok­kul­ten Ka­ta­lo­ge auf­ge­nom­men zu wer­den.

Ein­schub: An­mer­kung ei­nes Klein­ver­le­gers: »Und selbst wenn man die Koh­le für eine ISBN und fürs VLB in­ves­tiert, fin­den die ei­nen trotz­dem nicht!« Ein­schub Ende

Self­pu­blis­her tau­chen we­der auf den Ti­schen der Buch­hand­lun­gen, noch in de­ren Re­ga­len noch in den nam­haf­ten On­line­platt­for­men der Bran­che auf. Da­bei sind ge­ra­de die Prä­sen­tier­ti­sche in den Buch­hand­lun­gen doch Emp­feh­lun­gen an die Kun­den. Wir kön­nen nur fest­stel­len, dass die­se Kun­den­emp­feh­lun­gen durch den Buch­han­del mas­siv ma­ni­pu­liert wer­den, denn es fin­den sich de­fi­ni­tiv KEI­NER­LEI Self­pu­blis­her dar­un­ter.

Wir Self­pu­blis­her sind der Mei­nung, dass kein Buch­ver­käu­fer den Ver­kauf von Bü­chern be­hin­dern oder gar Kun­den vom Kauf von Bü­chern ab­hal­ten soll­te. Der Buch­han­del hat kein Recht, eine Au­to­ren­grup­pe, »in Beu­ge­haft« zu neh­men. Oder, noch schlim­mer: Kom­plett zu igno­rie­ren und dem Kun­den vor­zu­ent­hal­ten. Oben­drein soll­te kein Buch­ver­käu­fer sei­ne ei­ge­nen Kun­den fal­sch in­for­mie­ren oder ihre Ein­käu­fe da­durch be­hin­dern, dass sie be­haup­ten, die­ses und je­nes Buch gar nicht zu ken­nen und auch nicht be­schaf­fen zu kön­nen. Da­mit wi­der­spricht der Buch­han­del sei­nem ei­ge­nen Ver­spre­chen, qua­li­ta­tiv bes­ser als die On­line­kon­kur­renz zu sein, ins­be­son­de­re als das viel­ge­schmäh­te Ama­zon.

Mal im Ern­st, lie­be Buch­händ­ler: es gibt ein Le­ben ab­seits der ISBN und auch ab­seits des VLB. Wenn je­mand ein Buch ei­nes Self­pu­blis­hers bei euch kau­fen möch­te, dann geht ins In­ter­net (kennt ihr das? Das gibts schon ein paar Jah­re), und nutzt die Such­ma­schine eu­rer Wahl, um nach dem Na­men des Au­tors und/oder dem Ti­tel des Bu­ches zu su­chen. Das ist gar nicht so schwer. Und dann wer­det ihr das fin­den. Und dann kann man freund­li­ch bei dem In­die-Au­tor oder der Self­pu­blis­he­rin an­fra­gen, ob der oder die euch das Buch schickt. Das ma­chen die be­stimmt, so­gar sehr, sehr ger­ne. Und was ist dann pas­siert? Der Kun­de hat das Buch bei euch ge­kauft, und nicht bei Ama­zon, und ihr macht den Rei­bach und nicht Ct­hul­hu Be­zos. Wäre das nicht su­per­ein­fach?
Nur: ver­langt bit­te nicht von ei­ner Ein­zel­per­son (vul­go: Self­pu­blis­her) die­sel­ben Ra­bat­te, die euch auch die Töch­ter in­ter­na­tio­nal agie­ren­der Ver­lags­gi­gan­ten wie Ha­chet­te oder Bon­nier ein­räu­men, denn der klei­ne Self­pu­blis­her kann das nicht. Und schi­cken müs­sen er oder sie euch das Buch auch noch, das kos­tet Por­to – und dann bleibt gar nichts mehr üb­rig, wo­von man le­ben könn­te.
Ge­n­au wie ihr So­li­da­ri­tät ein­for­dert, ge­n­au wie die Ver­lags­au­to­ren So­li­da­ri­tät ein­for­dern, so for­dern auch die In­dies So­li­da­ri­tät ein. Stellt fest, dass es uns gibt, re­det mit uns, be­stellt di­rekt bei uns, wir sind nett, ehr­li­ch! Auf je­den Fall VIEL net­ter als Ama­zon oder der ge­sam­te Ver­lags­over­head, der sich hin­ter dem Bör­sen­ver­ein ver­steckt. Denn egal was die im Lob­by­kampf ge­gen Ama­zon er­zäh­len, im End­ef­fekt geht es auch de­nen ge­n­au wie Ama­zon nicht um Kul­tur, und erst recht nicht um Au­to­ren, son­dern dar­um, wer die meis­te Koh­le ein­sackt.

Und des­we­gen: Soll­ten nicht der sprich­wört­li­che klei­ne Buch­händ­ler und der klei­ne Self­pu­blis­her zu­sam­men­ar­bei­ten? Wenn das gin­ge, sä­hen die Go­li­aths zu­min­dest im Be­reich Self­pu­blis­hing ziem­li­ch dumm aus.

Dann bräuch­te es noch eine un­ab­hän­gi­ge On­line-Platt­form für Self­pu­blis­her mit ähn­li­che gu­ten Kon­di­tio­nen wie Ama­zon und ohne die Ab­zo­cke der Ver­lags­an­ge­bo­te. Aber das ist fast ein an­de­res The­ma. (Für eBooks gibt es die üb­ri­gens be­reits, nennt sich Beam eBooks).

So­lan­ge das al­les nicht ge­schieht und so­lan­ge Ama­zon um das zig-fa­che bes­se­re Kon­di­tio­nen für Self­pu­blis­her und Klein­ver­la­ge lie­fert, was Sicht­bar­keit und Tan­tie­men an­geht, als ir­gend­je­mand an­de­rer, so­lan­ge kön­nen wir of­fe­ne Brie­fe von ir­gend­wel­chen ver­meint­li­ch oder tat­säch­li­ch eta­blier­ten Au­to­ren nicht ganz ern­st neh­men, eben­so­we­nig wie das Ge­heu­le von mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen wie Bon­nier und ähn­li­chen, de­nen zu­fäl­lig auch ein paar Ver­la­ge ge­hö­ren, dass Ama­zon böse ist.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Die Un­ter­zeich­ne­rin­nen und Un­ter­zeich­ner

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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