Buchhandel und Selfpublishing: Wer benachteiligt hier eigentlich wen?

wir müssen leider draußen bleiben

Kein Rant, aber wer ge­wis­se sa­ti­ri­sche An­klän­ge fin­det, darf sie be­hal­ten.

Ich will den Na­men nicht schon wie­der nen­nen, man ver­mu­tet in mir ob mei­ner re­gel­mä­ßig ge­äu­ßer­ten Kri­tik an der Buch­bran­che sei­tens der­sel­ben oh­ne­hin im­mer wie­der ei­nen Cla­queur für ei­nen ge­wis­sen On­line­händ­ler, da­bei ist das gänz­li­ch fal­sch. Mal se­hen, ob ich es schaf­fe, die­sen Ar­ti­kel zu schrei­ben, ohne den Na­men des La­dens zu nut­zen. Die Buch­bran­che ist ja in­zwi­schen so weit, dass ihn et­li­che nicht mehr „Vol­de­mort“ nen­nen, son­dern als „you shall not name him“ be­zeich­nen. Wie Har­ry Pot­ters Kon­sor­ten wer­den sie ir­gend­wann fest­stel­len, dass Igno­rie­ren das Pro­blem nicht löst. Aber dar­über woll­te ich ei­gent­li­ch – wie be­reits an­ge­merkt – gar nicht re­den.

Re­den wir doch mal über ein bei­na­he mo­no­li­thi­sches Ge­bil­de wie die kar­tell­haf­te Buch­bran­che. War­um ein Teil da­von, näm­li­ch das Ver­lags­kon­glo­me­rat in mei­nen Au­gen ein ge­setz­li­ch li­zen­sier­tes Kar­tell ist, habe ich an an­de­rer Stel­le be­reits aus­führ­li­ch ana­ly­siert. Die Kurz­fas­sung: Es gibt kei­nen ech­ten Wett­be­werb, weil man sich im ru­hi­gen Ge­wis­sen zu­rück leh­nen kann, dass es die Buch­preis­bin­dung gibt, die eine nor­ma­le Ent­wick­lung von Prei­sen un­mög­li­ch macht. Wenn man Per­so­nen fragt, die be­reits seit Jah­ren durch die Bran­che in­dok­tri­niert wur­den, dann wird man im­mer wie­der man­t­ra­ar­tig zu hö­ren be­kom­men, dass eine Ab­schaf­fung der Buch­preis­bin­dung den Un­ter­gang des li­te­ra­ri­schen Abend­lan­des be­deu­ten wür­de.

Oh Gott! Oh Gott! Wir wer­den alle störrr­ben! – Nicht!

Wie es sein kann, dass an­de­re Kunst­for­men auch ohne eine Preis­bin­dung pri­ma und mäch­tig breit­ban­dig exis­tie­ren, dar­auf will mir nie je­mand eine Ant­wort ge­ben.Wie es sein kann, dass an­de­re Kunst­for­men auch ohne eine Preis­bin­dung pri­ma und mäch­tig breit­ban­dig exis­tie­ren, dar­auf will mir nie je­mand eine Ant­wort ge­ben. Bei­spiel Mu­sik: da gibt’s kei­ne Preis­bin­dung. Den­no­ch ist eine im­men­se mu­si­ka­li­sche Viel­falt auch ab­seits des Main­streams der Con­tent­ma­fia Ma­jor Play­er der Bran­che ge­ge­ben, weil dank In­ter­net in­zwi­schen je­der sei­ne Mu­sik ver­öf­fent­li­chen und un­ter die Leu­te brin­gen kann, ohne auf die Mu­sik­in­dus­trie an­ge­wie­sen zu sein (üb­ri­gens auch mit der Hil­fe von A … Uh, jetzt hät­te ich fast was Fal­sches ge­sagt. Ich sag ein­fach mal: A…pple). Und mit den Self­pu­blis­hern pas­siert ge­ra­de im Be­reich Buch et­was ganz Ähn­li­ches, auch wenn die Bran­che das noch nicht so rich­tig ge­merkt zu ha­ben scheint. Aber die braucht halt im­mer et­was län­ger, weil sie, ge­bet­tet auf ei­nem di­cken, be­que­men Kis­sen na­mens Buch­preis­bin­dung, eher gen Alt­va­ter Gu­ten­berg schielt, denn gen In­ter­net-Zu­kunft im #neu­land. An­ders ist es auch nicht zu er­klä­ren, dass Be­zos aus dem Ge­bü­sch ge­sprun­gen kam (un­ge­fähr mit der Ge­schwin­dig­keit ei­ner Schild­krö­te) und der Bran­che gar mäch­tig ei­nen mit der Kun­den­freund­lich­keits-Keu­le über den Schä­del zog.

Weil sie da­durch ihre Mo­no­pol­stel­lung ver­liertWor­auf ich hin­aus möch­te: Eine Bran­che echauf­fiert sich über eine Mo­no­pol­stel­lung und die schie­re Markt­macht ei­nes An­bie­ters. War­um tut sie das? Weil sie da­durch ihre Mo­no­pol­stel­lung ver­liert. Frü­her mus­s­te ein Au­tor vor Ver­la­gen zu Kreu­ze krie­chen und hof­fen, dass man ihn gnä­dig auf­nimmt, sei­nen Text durch die Müh­le dreht, um ein Drit­tel kürzt, schnell ein bil­li­ges Co­ver drauf­pappt und ihn dann mit Kru­men ab­spei­st. War­um? Weil die Ver­la­ge ein Mo­no­pol auf das Ver­öf­fent­li­chen von Bü­chern hat­ten. Ja, si­cher war das ein Mo­no­pol, es war lo­gis­ti­sch und tech­ni­sch be­dingt, weil nicht je­der zu Hau­se eine Druck­ma­schine rum­ste­hen hat­te oder weil man das Zeug nicht in die Buch­lä­den be­kam. Und weil sie sich um Prei­se kei­ne Sor­ge ma­chen muss­ten. Ob es sich da­bei um ei­nen oder drölf Ver­la­ge han­delt, ist erst ein­mal ir­rele­vant, denn das Re­sul­tat bleibt das­sel­be.

Ne­ben der Tor­wäch­ter­funk­ti­on wur­de aber über Jahr­zehn­te, wenn nicht Jahr­hun­der­te, zu­dem eine In­fra­struk­tur aus Ver­la­gen, Zwi­schen­händ­lern und Buch­händ­lern ge­schaf­fen, die zwar nicht so rich­tig in­trans­pa­rent ist, die aber das Hin­ein­kom­men von un­er­wünsch­ten Drit­ten äu­ßer­st schwie­rig macht.

KugelschreiberWas ich da­mit mei­ne? Ein­fach: Will man als Self­pu­blis­her, dass sei­ne Wer­ke in ei­ner Buch­hand­lung käuf­li­ch er­werb­bar sind, dann braucht man zum ei­nen eine ISBN (kost´ Geld) und zum an­de­ren ei­nen Ein­trag ins VLB (das be­deu­tet in sei­ner Lang­form „Ver­zeich­nis lie­fer­ba­rer Bü­cher“), und das kost´ so rich­tig Geld – und vor al­lem im­mer wie­der. War­um das so ist, weiß kei­ner. Ge­ra­de beim VLB: Man trägt heu­te sei­ne Da­ten so­gar selbst ein – und da­für wol­len die ei­nen Hau­fen Koh­le se­hen? War­um? Was viel­leicht zu prä-In­ter­net-Zei­ten noch ei­nen Sinn hat­te, weil ech­te, pa­pier­ne Ka­ta­lo­ge ge­druckt wer­den muss­ten, ver­liert im In­for­ma­ti­ons­zeit­al­ter sei­nen Sinn kom­plett (au­ßer viel­leicht, um ein paar alt­ein­ge­ses­se­ne Ses­sel­fur­zer am Le­ben zu er­hal­ten, die das schon im­mer so ge­macht ha­ben). Ja, ich sehe ein, dass auch ein On­line-VLB ad­mi­nis­triert und ge­war­tet wer­den muss – den­no­ch sind die Prei­se, um da hin­ein zu kom­men, in keins­ter Wei­se auch nur an­nä­hernd ge­recht­fer­tigt.

War­um muss man gro­tes­ke Sum­men für ei­nen VLB-Ein­trag aus­ge­ben?Alex­an­der Ski­pis, der Chef des Bör­sen­ver­eins, la­men­tiert ob des Streits von A … äh … von Be­zos´ Bauch­la­den mit Bon­nier ´rum und sagt doch tat­säch­li­ch, dass Au­to­ren, die bei Ama­zon nicht ge­lis­tet sind, auch nicht exis­tie­ren. Ja, wer ist das denn schuld? Und die nächs­te Fra­ge: War­um er­mög­licht es die Buch­bran­che den Self­pu­blis­hern nicht, auf der­art ein­fa­che, güns­ti­ge und ab­zock­freie Wei­se wie bei A … also ihr wisst schon bei wem … im ganz nor­ma­len Buch­han­del ge­kauft wer­den zu kön­nen? Na? War­um nicht? Ihr könn­tet dar­an mit­ver­die­nen? Kei­nen Bock auf Ver­die­nen? War­um muss man dann gro­tes­ke Sum­men für ei­nen VLB-Ein­trag aus­ge­ben? Weil der La­den künst­li­ch am Le­ben ge­hal­ten wer­den muss? Oder weil man Self­pu­blis­her drau­ßen hal­ten möch­te? War­um kön­nen Buch­händ­ler die Bü­cher von Klein­ver­la­gen in die­sem ach so tol­len Ka­ta­log nicht fin­den?

Es geht hier nicht um den nied­li­chen Klein­ver­lag von ne­ben­anIst das nicht noch eine viel grö­ße­re Dis­kri­mi­nie­rung als jene, die (ich sags jetzt ein­fach) Ama­zon be­treibt, in­dem sie mal ein paar Bü­cher ver­zö­gert aus­lie­fern, weil sie im Clin­ch mit ei­nem mul­ti­na­tio­nal agie­ren­den Groß­kon­zern wie Bon­nier lie­gen? Es geht hier nicht um den nied­li­chen Klein­ver­lag von ne­ben­an, ich wie­der­ho­le mich: auch Bon­nier ist ein in­ter­na­tio­nal agie­ren­der Kon­zern. Wer auch nur an­satz­wei­se der Pro­pa­gan­da glaubt, es gin­ge hier um Le­ser, oder gar Au­to­ren, der hat gi­gan­ti­sch ei­nen an der Waf­fel. Es geht um Koh­le für Bon­nier, von mir aus auch Ha­chet­te oder eben für Ama­zon.

Doch zu­rück zum In­die-Pu­blis­hing:

War­um sind so ziem­li­ch alle Self­pu­blis­her bei Ama­zon (jetzt ist eh al­les ver­lo­ren, egal, dann kann ich den Na­men ja ein­fach wei­ter ver­wen­den)? Weil Ama­zon es den Nut­zern so un­ge­heu­er ein­fach macht. Word-Da­tei hoch­la­den, fer­tig ist das eBook, kur­ze Zeit spä­ter kann es er­wor­ben wer­den. Print­buch? Zwei PDFs hoch­la­den (In­halt und Co­ver), Stun­den spä­ter kann es ge­kauft wer­den. Be­son­ders in­ter­es­sant dar­an: da­bei räumt sich Ama­zon im Ge­gen­satz zu den deut­schen An­bie­tern (die so ziem­li­ch alle an ei­nem nam­haf­ten Ver­lag oder ei­ner Ver­lags­grup­pe hän­gen) kei­ne dreis­ten und um­fang­rei­chen Rech­te an den Bü­chern ein.

Do Not EnterWo ist das Ge­gen­an­ge­bot der Buch­bran­che? Klar, dass den Ver­la­gen die Kon­kur­renz aus dem In­die-La­ger nicht passt, kann man ver­ste­hen. Eben­so, dass sie des­we­gen über­haupt kein In­ter­es­se dar­an ha­ben, die­sen Ama­teu­ren auch noch Vor­schub zu leis­ten (ver­die­nen möch­ten sie den­no­ch dran, an­ders ist die mehr oder we­ni­ger ver­deck­te Ak­ti­vi­tät man­cher Ver­lags­häu­ser im Self­pu­blis­hung-Be­reich kaum zu er­klä­ren).
Aber: War­um hat der Buch­han­del kein In­ter­es­se dar­an, Bü­cher von Self­pu­blis­hern zu ver­kau­fen? Brin­gen die kein Geld? Doch, wür­den sie, aber tat­säch­li­ch kann man in ei­ner Buch­hand­lung in den al­ler­meis­ten Fäl­len kei­ne In­die-Bü­cher be­kom­men.

War­um?

Da sind wir wie­der beim VLB und an­de­ren ge­hei­men Schrif­ten: Es wird nur in den be­kann­ten Ka­ta­lo­gen nach­ge­schaut, da sind die In­dies (und auch Klein­ver­la­ge) nicht drin, oft weil sie sich den Re­gu­la­ri­en der Bran­che eben­so we­nig un­ter­wer­fen wol­len, wie de­ren we­ge­la­ge­ri­sche Lö­se­gel­der für eine Lis­tung in den Bran­chen­ka­ta­lo­gen. Jetzt könn­te man na­tür­li­ch sa­gen: selbst schuld! Wenn ihr da­bei sein woll­te, dann zahlt

Das ist aber doch eine Den­ke aus dem letz­ten Jahr­tau­send!

War­um kann je­der den Na­men ei­nes In­die-Au­to­ren in eine Such­ma­schine der ei­ge­nen Wahl ein­ge­ben, die dann die Au­to­ren­web­sei­te aus­spuckt, der ge­mei­ne Buch­händ­ler aber nicht?War­um kann je­der den Na­men ei­nes In­die-Au­to­ren in eine Such­ma­schine der ei­ge­nen Wahl ein­ge­ben, die dann die Au­to­ren­web­sei­te aus­spuckt, der ge­mei­ne Buch­händ­ler aber nicht? Weil das au­ßer­halb der be­kann­ten Ab­wick­lungs-Work­flows ist? Das kann kei­ne Aus­re­de sein. Wich­tig soll­te es doch sein, den Kun­den, der ge­n­au die­ses Buch möch­te, zu­frie­den­zu­stel­len. Denn eins ist klar: be­kommt der Le­ser das Buch beim Buch­händ­ler nicht, bei Ama­zon kann er es ga­ran­tiert kau­fen, in­klu­si­ve kos­ten­lo­ser Zu­stel­lung am nächs­ten Tag und ohne läng­li­che Dis­kus­si­on, dass es das Buch an­geb­li­ch gar nicht gibt.

Espresso Print On Demand-Maschine

Es­pres­so Print On De­mand-Ma­schine

Der Buch­han­del muss sich von den Spinn­we­ben im Kopf lö­sen, muss die Mög­lich­kei­ten der mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on und In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie end­li­ch nut­zen, wie das der größ­te Teil der Ge­sell­schaft heu­te tut, weil es eben so ver­dammt ein­fach ist. Muss vor­gest­ri­ge eli­tä­re Stan­des­dün­kel ab­le­gen (wo­bei sie das mit dem Ver­ti­cken von Ro­man­ta­sy-Schmon­zet­ten oder 50 Schat­tie­run­gen von ir­gend­wel­chen Far­ben oh­ne­hin schon lan­ge ge­tan ha­ben). Was ist so schwer dar­an, auch die Bü­cher von In­die-Au­to­ren zu ver­kau­fen, wenn die Kun­den sie ha­ben wol­len? Klar, der Auf­wand ist et­was grö­ßer, als mal eben in den Stan­dard-Ka­ta­log zu kli­cken und nichts wei­ter tun zu müs­sen, weil der Zwi­schen­händ­ler da­für sorgt, dass der Schin­ken mor­gen im Re­gal liegt. Viel­leicht muss man den In­die mal an­ru­fen, oder ihm eine  Email schrei­ben. Und der Ver­sand dau­ert si­cher auch län­ger. Aber der Auf­wand lohnt sich doch, weil man da­mit Ama­zon An­tei­le ab­neh­men könn­te und vor al­lem wie­der im An­se­hen der Kun­den und der In­die-Au­to­ren deut­li­ch steigt.

Alle hät­ten ge­won­nen, Au­to­ren, Le­ser und Buch­händ­lerWenn ei­ner der Zwi­schen­händ­ler schlau wäre, wür­de er ei­nen ähn­li­ch at­trak­ti­ven (in jeg­li­cher Hin­sicht, also auch ge­ra­de in Sa­chen Rech­tespar­sam­keit) Print On De­mand-Ser­vice schaf­fen, wie CreateSpace/Amazon es ist, der es aber er­mög­licht, die Bü­cher über den Buch­han­del be­stel­len zu kön­nen. Alle hät­ten ge­won­nen, Au­to­ren, Le­ser und Buch­händ­ler, weil Ama­zon nicht mehr der ein­zi­ge brauch­ba­re An­bie­ter wäre.

Doch so­lan­ge die­se Bran­che tief im Ges­tern ge­fan­gen ist und lie­ber nach ge­setz­li­chem Fest­klop­fen der fürs In­ter­net­zeit­al­ter nicht mehr pas­sen­den fos­si­len Vor­ge­hens­wei­sen und Ge­ge­ben­hei­ten ruft, wird dar­aus ver­mut­li­ch nichts wer­den.

Lie­be Buch­händ­ler: Pro­biert es doch ein­fach mal. Sucht im In­ter­net nach dem Au­to­ren, des­sen Print­buch der Kun­de ha­ben möch­te, wenn ihr das in eu­ren ok­kul­ten Ka­ta­lo­gen nicht fin­det. Ruft ihn an, schickt ihr eine Email. Die sen­den euch das Buch be­stimmt sehr gern und so schnell es geht. Auf Wunsch so­gar mit Wid­mung, ver­sucht das mal bei ei­nem Ver­lag oder Zwi­schen­händ­ler.

Lie­be In­die-Au­to­ren: Hal­tet die Kon­tak­t­in­for­ma­tio­nen auf eu­ren Web­sei­ten ak­tu­ell und nach­voll­zieh­bar und ant­wor­tet schnell, wenn ein Buch­händ­ler an­fragt.

Lie­be Le­ser: Fragt beim Buch­händ­ler eu­rer Wahl nach Bü­chern von In­de­pen­dent-Au­to­ren (und Klein­ver­la­gen). Je mehr von euch das tun, desto schnel­ler wird es sich in den Köp­fen fest­set­zen, dass man die ohne Stan­des­dün­kel an­bie­ten muss.

Doch so­lan­ge der Buch­han­del die In­die-Au­to­ren durch Igno­rie­ren noch viel schlim­mer be­nach­tei­ligt (und da­mit kom­men wir zum Ti­tel die­ses Ar­ti­kels), als Ama­zon das durch Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen mit Ver­lags­gi­gan­ten tut, wird sich nichts ver­bes­sern. Denkt mal drü­ber nach.

p.s.: Ich hör schon die üb­li­chen „Ar­gu­men­te“: „Aber … aber … das geht doch nicht … wir kön­nen doch nicht auf ein­mal al­les an­ders … die Struk­tu­ren … der Zwi­schen­han­del … das ha­ben wir noch nie so ge­macht …“

Creative Commons License

Ab­bil­dun­gen:
„So­wje­ti­sches Buch“, aus Wi­ki­me­dia Com­mons, Ur­he­ber Bun­des­ar­chiv, CC BY
Es­pres­so Print On De­mand-Ma­schine: Pixabay, CC 0
Ku­gel­schrei­ber: Pixabay, CC 0
Warning: Pixabay, CC 0

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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13 Kommentare

  1. Bandit
    Erstellt am 12. Juni 2014 um 23:08 | Permanent-Link


    … und frü­her war so­wie­so al­les bes­ser …

    Dan­ke, für die­se Aus­füh­run­gen, die den Na­gel wie­der ein­mal ge­n­au auf dem Schä­del er­wischt ha­ben.

  2. Erstellt am 13. Juni 2014 um 09:14 | Permanent-Link

    Lei­der über­sieht der Kom­men­ta­tor sci­fi­watch­man in sei­ner Re­plik, dass ich be­reits di­ver­se Ar­ti­kel zu die­sem The­ma ver­fasst habe und be­schäf­tigt sich nur mit die­sem. Ich bin kei­nes­wegs der An­sicht, die exis­tie­ren­den Struk­tu­ren müss­ten in der be­stehen­den Form er­hal­ten blei­ben, ganz im Ge­gen­teil. Ich bin al­ler­dings im Ge­gen­satz zum Kom­men­ta­tor Rea­list und weiß, dass die Bran­chen­struk­tu­ren sich nicht von heu­te auf mor­gen über den Hau­fen wer­fen las­sen. Ins­be­son­de­re des­we­gen nicht, weil die ge­sam­te Bran­che zu­tief­st kon­ser­va­tiv ist und des­we­gen er­heb­li­che Be­har­rungs­kräf­te herr­schen.

    Die Bran­che­nerneue­rung wird aber ver­mut­li­ch von ganz al­lei­ne kom­men, soll­ten die Prot­ago­nis­ten so wei­ter ma­chen wie bis­her, als gäbe es kei­nen Me­di­en­wan­del und kein In­ter­net. Und das wird dann kei­ne leich­te Cä­sur.

    Merk­wür­dig auch der Hin­weis dar­auf, dass ich am Ama­zon-Part­ner­pro­gramm teil­neh­me, als ob das et­was Eh­ren­rüh­ri­ges sei (zu­mal er selbst eben­falls Teil­neh­mer ist). Der Kom­men­ta­tor kann ja mal ver­su­chen, sich am Af­fi­liate­pro­gramm ei­nes be­lie­bi­gen Buch­han­dels­prot­ago­nis­ten zu be­tei­li­gen, dann wird er schnell her­aus­fin­den, war­um ich das nicht tue. Auch dar­über habe ich üb­ri­gens be­reits ei­nen Ar­ti­kel ver­fasst.

  3. Erstellt am 13. Juni 2014 um 18:03 | Permanent-Link

    Jetzt komm ihm doch nicht mit Fak­ten wenn er schon eine Mei­nung hat… ;)

  4. Erstellt am 13. Juni 2014 um 22:45 | Permanent-Link

    Hal­lo Ste­fan,

    zu­nächst ein­mal vie­len Dank da­für, dass Du auf mei­nen Bei­trag hier in den Kom­men­ta­ren ein­ge­gan­gen bist.

    Weil auch ich an Fak­ten in­ter­es­siert bin, sind hier mal zwei: Da auch ich der Mei­nung bin, dass sich der Buch­han­del nicht über Nacht re­vo­lu­tio­nie­ren lässt, wes­halb ich das auch in mei­nem Bei­trag nir­gend­wo so ge­schrie­ben habe, bin ich ge­n­au so ein Rea­list wie Du. Au­ßer­dem neh­me ich an kei­nem Af­fi­lia­te-Pro­gramm teil. Ich wei­se in der Si­de­bar mei­nes Blogs als „Le­se­tipp“ auf ei­nen Ro­man hin, der mir sehr gut ge­fal­len hat. Der Au­tor hat als Self-Pu­blis­her Ama­zon als al­lei­ni­gen Ver­triebs­weg ge­wählt. Ge­langt je­mand über mei­nen Blog auf die Pro­dukt­sei­te des Ro­mans und kauft ihn dort, be­kom­me ich da­für kei­nen Cent.

    Un­term Strich war mir nach dem Le­sen nicht voll­stän­dig er­sicht­li­ch, was die In­ten­ti­on Dei­nes Ar­ti­kels war. Regt Dich das Ge­jam­me­re der Ver­la­ge und des Han­dels der­art auf, dass Du ein­fach mal Dampf ab­las­sen muss­test? Dies könn­te ich so­gar nach­voll­zie­hen, doch in mei­nen Au­gen lohnt es sich nicht, we­gen der Un­be­weg­lich­keit an­de­rer Leu­te En­er­gie und Zeit zu ver­schwen­den. Wenn Du möch­test, darfst Du das na­tür­li­ch tun, denn es ist al­lein Dei­ne Sa­che. Wenn es hin­ge­gen Dei­ne Ab­sicht war, dem Han­del nicht nur die Le­vi­ten zu le­sen, son­dern auch Wege auf­zu­zei­gen, wie es sich wan­deln und da­durch lang­fris­tig über­le­ben kann, dann ist das zwar ein lo­bens­wer­ter Ver­su­ch, aber aus mei­ner Sicht ein ver­geb­li­cher. Das ge­druck­te Buch wird auf ab­seh­ba­re Zeit ein Ni­schen­pro­dukt sein und die ört­li­che Buch­hand­lung eine Rand­er­schei­nung. Und zwar al­lein des­halb, weil der Kun­de es so will. Es ist näm­li­ch viel prak­ti­scher, hun­der­te Bü­cher auf dem E-Book-Re­a­der ver­füg­bar zu ha­ben, als sich et­li­che Re­gal­me­ter mit Tot­holz zu fül­len. Dar­um wird auch kein Wan­del und kein Um­den­ken den Buch­han­del vor sei­nem Schick­sal be­wah­ren. Du darfst das selbst­re­dend an­ders se­hen. Dis­kus­sio­nen sind ja schließ­li­ch nur span­nend, wenn es un­ter­schied­li­che An­sich­ten gibt.

    In die­sem Sin­ne,
    Watch­man

  5. Erstellt am 13. Juni 2014 um 23:53 | Permanent-Link

    Ich fin­de in Dei­nem Link zu Ama­zon ei­nen Af­fi­lia­te-Pa­ra­me­ter fürs Part­ner­pro­gramm. Soll­test Du nicht dar­an teil­ha­ben, soll­test Du viel­leicht über den ver­wen­de­ten Link nach­den­ken (tag=derstekankunf-21).

    Ich bin ja nun wirk­li­ch ein gro­ßer eBook-Fan, aber das Sze­na­rio, das Du hier ent­wirfst ent­behrt je­der Grund­la­ge. Es ist kei­nes­wegs so, dass das Print­buch ein Aus­lauf­mo­dell ist und es ist auch nicht so, dass es in ab­seh­ba­rer Zeit ein Ni­schen­pro­dukt sein wird. Nichts deu­tet dar­auf hin. Es wird eine Ne­ben­ein­an­der von Print- und eBook ge­ben, wer et­was an­de­res be­haup­tet, kann mir nicht er­läu­tern, wie er dar­auf kommt. „Prak­ti­sch“ hin oder her, es wird noch min­des­tens ein bis zwei Ge­ne­ra­tio­nen dau­ern, bis das Print­buch in Ver­ges­sen­heit ver­sinkt, wenn über­haupt. Wer der An­sicht ist, dass das in na­her Zu­kunft pas­siert, der hat – mit Ver­laub – kein Ah­nung.

    Da­von ab­ge­se­hen glau­be ich auch, dass der Buch­han­del ei­nem üb­len Schick­sal ent­ge­gen geht. Aber nicht un­be­dingt auf­grund des eBooks. Und schon gar nicht, weil „der Kun­de“ es „so will“. Das ist ein Tot­schlag­ar­gu­ment, weil es nicht wi­der­leg­bar ist, des­we­gen las­se ich es auch nicht gel­ten. Der Kun­de will:

    – güns­ti­ge Prei­se
    – schnel­le Lie­fe­rung
    – gu­ten Ser­vice

    Wer das kann, ist se­kun­där, es muss nur ir­gend je­mand kön­nen. Im Mo­ment kann es Ama­zon, in Zu­kunft kann das viel­leicht je­mand an­de­rer sein. Auch der Buch­han­del, wenn es end­li­ch ei­nen Wan­del in der Wahr­neh­mung der Buch­händ­ler gibt. Mn muss nicht bes­ser al­sA­ma­zon sein, man muss an­ders als Ama­zon sein. Und dazu ge­hört auch, die in­dies nicht mehr zu igno­rie­ren.

    Wer bin ich, dem Han­del die Le­vi­ten zu le­sen? Das greift auch zu kurz, denn „der Han­del“ ist in der Buch­bran­che nicht das Pro­blem (na gut, ein we­nig, weil sie so wei­ter ma­chen wie im­mer). Das Pro­blem ist das ge­sam­te Kon­glo­me­rat aus Ver­la­gen, Zwi­schen­han­del und Buch­han­del. Der Buch­han­del ist da­bei das schwächs­te Glied, das ab­seits der gro­ßen Ket­ten we­nig bis kaum Ein­fluss hat. Theo­re­ti­sch über den Bör­sen­ver­ein, aber der ist ja auch ein zahn­lo­ses Mons­trum, das nur brüllt, aber nie beißt (und an­sons­ten wie ein groß­äu­gi­ges Kind stau­nend vor dem gi­gan­ti­schen zir­kus „In­ter­net“ steht, und kei­ne Ah­nung hat, was das ist).

    Ich kann mei­ne Mei­nung zu die­sem The­men­kom­plex sa­gen. Si­cher. Das tue ich hier auch, im­mer wie­der, in zahl­lo­sen Fa­cet­ten. Such mal nach den Ar­ti­keln und den Kom­men­ta­ren, in de­nen ich von Buch­händ­lern oder Au­to­ren an­ge­gan­gen wur­de. Fakt ist aber: ich habe nichts ge­gen Buch­händ­ler. Die ha­ben mich in den ers­ten 25 Jah­ren mei­ens Le­bens ganz gut ver­sorgt (jetzt bin ich fast dop­pelt so alt). Wenn ich mei­nen Le­se­stoff heu­te als eBook kau­fen und ei­nem coo­len Buch­händ­ler gut­schrei­ben könn­te, wür­de ich das nut­zen, denn ver­öde­te In­nen­städ­te nut­zen auch kei­nem (lei­der ken­ne ich kei­nen coo­len Buch­händ­ler – der letz­te war ein Co­mi­ch­änd­ler). Lei­der sehe ich noch nicht mal den An­satz ei­nes Um­den­kens in der Bran­che – und das wird ihr das Ge­nick bre­chen, nicht Ama­zon, App­le oder Goo­gle.

    „En­er­gie und Zeit ver­schwen­den“? Zeit in der man Spaß hat ist nie ver­schwen­det. :)

    Ab­schlie­ßend: es ging gar nicht um Print- oder eBook, das The­ma war ein ganz an­de­res. Näm­li­ch dass die klas­si­sche Bran­che die Self­pu­blis­her zu igno­rie­ren und aus­zu­gren­zen ver­sucht, statt sie mit ins Boot zu neh­men. Und das ist a) das The­ma, und b) nichts an­de­res als dumm.

  6. Erstellt am 18. August 2014 um 15:39 | Permanent-Link

    Ich wür­de ver­mu­ten, dass das Pro­blem we­ni­ger qua­li­ta­ti­ver als viel­mehr wirt­schaft­li­cher Na­tur ist und dass man zwei Fäl­le un­ter­schei­den muss: 

    (1.) das Be­sor­gungs­ge­schäft, wenn ein Kun­de mit ei­nem kon­kre­ten Ti­tel­wunsch in die Buch­hand­lung kommt so­wie
    (2.) die Auf­nah­me ei­nes SP-Ti­tels ins ei­ge­ne Sor­ti­ment.

    Um die Min­dest­hür­de = Be­stell­bar­keit für das Be­sor­gungs­ge­schäft zu neh­men, muss der Ti­tel zwangs­läu­fig eine ISBN be­sit­zen, beim VLB ge­mel­det sein so­wie an die buch­händ­le­ri­sche In­fra­struk­tur an­ge­schlos­sen sein. Ist dies der Fall, wür­de es mich sehr wun­dern, wenn nicht je­der Buch­händ­ler den ge­wünsch­ten Ti­tel be­stel­len wür­de (al­lei­ne schon aus Grün­den des Kun­den­ser­vice).

    Den zwei­ten Fall = Auf­nah­me in ei­ge­ne Sor­ti­ment dürf­te in der Re­gel aus rein wirt­schaft­li­chen Grün­den schei­tern, ins­be­son­de­re wenn bes­se­re Kon­di­tio­nen als von »eta­blier­te­ren« Ver­la­gen ge­for­dert wer­den. Das ist für Ein­zel­ti­tel – Stich­wort: Trans­ak­ti­ons­kos­ten ** – schlicht nicht zu rea­li­sie­ren.

    Buch­hand­lun­gen nut­zen in der Re­gel so ge­nann­ten Bün­de­lun­gen über Aus­lie­fe­run­gen oder Groß­händ­ler = 1 Be­stel­lung, 1 Lie­fe­rung, 1 Lie­fer­schein, 1 Ar­beits­vor­gang, 1 Ab­rech­nung. Und selbst in sol­chen ef­fi­zi­ens­op­ti­mier­ten Fäl­len rei­chen die Mar­gen kaum zum Le­ben, da sich ein Buch­händ­ler ja nicht nur selbst ver­sor­gen muss, son­dern zu­sätz­li­ch ei­nen La­den und Mit­ar­bei­ter un­ter­hal­ten muss. 

    Um wirk­li­ch et­was an der Si­tua­ti­on än­dern, wäre es viel­leicht eine Über­le­gung, eine ge­mein­sa­me Ver­mark­tungs- und Ver­triebs­ge­mein­schaft zu grün­den? Da­mit wäre al­len Sei­ten ge­hol­fen. PoD-Dienst­leis­ter hel­fen da nicht, das reicht al­len­falls für die Be­stell­bar­keits-Hür­de.

    = = = = =
    ** zu den Trans­ak­ti­ons­kos­ten: Ver­ein­facht ge­sagt ist die Fra­ge, wie viel Zeit man für ei­nen Ti­tel in­ves­tie­ren muss und was die ei­ge­ne Zeit im Ver­hält­nis zur Han­dels­mar­ge kos­tet. Ein Bei­spiel (ganz gleich ob Ver­lag oder Self­pu­bis­her):
    – Kom­mu­n­in­ka­ti­on mit dem An­bie­ter
    – In­for­ma­ti­on über den Ti­tel (Wasch­zet­tel / Le­se­pro­be)
    – Be­zugs­weg re­cher­chie­ren + Ti­tel be­stel­len
    – Be­stel­lung aus­pa­cken
    – Lie­fer­schein che­cken und ab­le­gen
    – Ti­tel ins Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem ein­pfle­gen (op­ti­mal: Bar­code-Scan)
    – Ti­tel prä­sen­tie­ren oder ins Re­gal räu­men
    – Ti­tel ver­kau­fen (1): Ver­kaufs- / Be­ra­tungs­ge­spräch
    – Ti­tel ver­kau­fen (2): Be­zahl­vor­gang ab­wi­ckeln
    – Ti­tel mit An­bie­ter ab­rech­nen
    (Hor­ror = Ein­zel-Rech­nung + Ein­zel-Über­wei­sung)
    –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
    Wer für alle mit dem Ver­kauf ei­nes Bu­ches an­fal­len­den Vor­gän­ge un­ter dem Strich we­ni­ger als eine hal­be Stun­de braucht, ist ver­dammt schnell. Ich wür­de ver­mu­ten, dass deut­li­ch mehr Zeit auf­ge­wen­det wer­den muss, ins­be­son­de­re, da wir kei­ne ge­schlos­se­ne Pro­zess­ket­te ha­ben, son­dern zwi­schen je­dem Schritt not­ge­drun­gen eine zeit­li­che Pau­se liegt, was wie­der­um zu Rei­bungs­ver­lus­ten führt. 

    Lie­ße man das Gan­ze ei­nen An­ge­stell­ten ma­chen, der le­dig­li­ch den Min­dest­lohn von EUR 8.– be­kä­me (was auf Ar­beit­ge­ber­sei­te et­was über EUR 10.– wäre), müss­te der Buch­änd­ler min­des­tens EUR 5.– Mar­ge ha­ben, al­lein um die Kos­ten für den ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter zu de­cken, wo­mit für das La­den­ge­schäft aber noch kei­ne Kos­ten­de­ckung er­reicht wäre. 

    D.h. un­ter dem Strich be­deu­tet jede Be­schäf­ti­gung mit ein­zel­nen Ti­teln, egal ob von Ver­lags- oder Self­pu­blis­her­sei­te ei­nen di­cken Ver­lust, den sich kein Buch­händ­ler leis­ten kann, wenn er nicht in die In­sol­venz schlit­tern will. 

    Ren­ta­bel wird das Gan­ze nur, wenn man Ska­len­ef­fek­te (ins­be­son­de­re über Bün­de­lung und Best­sel­ler-Ge­schäft) nut­zen kann – da bil­den Buch­händ­ler im Wirt­schafts­le­ben lei­der kei­ne Aus­nah­me.

  7. Erstellt am 18. August 2014 um 15:46 | Permanent-Link

    Um die Min­dest­hürde = Be­stell­bar­keit für das Be­sor­gungs­ge­schäft zu neh­men, muss der Ti­tel zwangs­läu­fig eine ISBN be­sit­zen, beim VLB ge­mel­det sein so­wie an die buch­händ­le­ri­sche In­fra­struk­tur an­ge­schlos­sen sein.

    Nein muss es nicht. Das hat sich in den Köp­fen der Buch­händ­ler fest­ge­setzt und ge­n­au das ist eins der Kern­pro­ble­me. Die Kos­ten für eine VLB-Lis­tung sind gro­tesk hoch und nicht zu be­grün­den. Und wie mir ver­schie­de­ne Klein­ver­la­ge er­klärt ha­ben, kön­nen ihre Bü­cher trotz­dem nicht ge­fun­den wer­den. Die­se ur­alten Bran­chen­ri­tua­le müs­sen weg, oder zu­min­dest dür­fen sie nicht mehr al­ter­na­tiv­los sein, son­st kauft der Kun­de an­ders­wo.

    ISBN und VLB sind Re­lik­te. Wer dar­auf be­harrt, muss sich nicht wun­dern, wenn bei Ama­zon be­stellt wird.

    Was ist ren­ta­bler? Wenn der Kun­de bei ei­nem selbst kauft und weil er zu­frie­den ist dann wie­der­kommt, oder wenn man ihn an Ama­zon ver­liert? Mit „das geht nicht, das kön­nen wir nicht, das ha­ben wir noch nie so ge­macht“ hat sich die Bran­che in die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on ma­nö­vriert. Ein­fach so wei­ter zu ma­chen wie bis­her löst die Pro­ble­me nicht. Die Mit­ar­bei­ter ste­hen eh im La­den rum und ha­ben de­fi­ni­tiv nicht stän­dig zu tun, da kön­nen sie auch mal eine Be­stel­lung ab­wi­ckeln, wie sie im ge­sam­ten rest­li­chen Ein­zel­han­del mög­li­ch ist.

  8. Erstellt am 18. August 2014 um 20:52 | Permanent-Link

    „Die Kos­ten für eine VLB-Lis­tung sind gro­tesk hoch“ 

    Das Ar­gu­ment wür­de ich ver­ste­hen, wenn wir bei­spiels­wei­se in den USA leb­ten, wo eine ein­zel­ne ISBN sage und schrie­ben $ 125.– kos­tet. Da sind hier­zu­lan­de selbst die kom­bi­nier­ten Kos­ten von ISBN + VLB deut­li­ch güns­ti­ger.

    „ISBN und VLB sind Re­likte. Wer dar­auf be­harrt, muss sich nicht wun­dern, wenn bei Ama­zon be­stellt wird.“ 

    Auch das möch­te ich so nicht ste­hen las­sen – si­cher­li­ch kann man über das VLB in sei­ner ak­tu­el­len Form strei­ten, da es in der Tat nicht mehr zeit­ge­mäß ist und de­halb auch ge­ra­de eine Ge­ne­ral­über­ho­lung er­fährt.

    Die ISBN hin­ge­gen ist, wie der Name schon sagt, eine IN­TER­NA­TIO­NA­LE Stan­dard Book Num­ber, d.h. der welt­wei­te Buch­han­del ba­siert auf die­sem ge­mein­sa­men Iden­ti­fi­zie­rungs­sys­tem. Ohne ISBN wür­de selbst bei Ama­zon nichts lau­fen (ich weiß, dass sie in ih­rem Self­pu­blis­hing-Be­re­reich Aus­nah­men ma­chen, aber da­für gibt es die Ti­tel dann auch nur bei Ama­zon).

    Jede Bracn­he be­nö­tigt ein Sys­tem zur ein­deu­ti­gen Iden­ti­fi­zie­rung von Wa­ren – für die Buch­bran­che ist (und bleibt) das die ISBN. 

    Und wer sei­ne Ti­tel sau­ber ein­pflegt, der wird auch ge­fun­den, selbst als Kleinst­ver­lag. Wer die Ver­le­ge­rei al­ler­dings wirk­li­ch pro­fes­sio­nell btrei­ben möch­te, wird nicht um­hin kom­men, sich auch eine pro­fes­sio­nel­le Aus­lie­fe­rung zu su­chen so­wie sei­ne Ti­tel bei den Bar­sor­ti­men­ten = den Groß­händ­lern der Bracn­he lis­ten zu las­sen.

    In der Re­gel au­chen Buch­händ­ler näm­li­ch zu­er­st im Ka­ta­log ih­res Bar­sor­ti­ments und erst wenn der Ti­tel dar­über nicht lie­fer­bar ist, wird er über die Aus­lie­fe­rung be­stellt, was dann eben nicht ei­nen Tag (wie über den Groß­händ­ler) dau­ert, son­dern 3–4 Tage. 

    Wer aber nicht über den Groß­han­del ge­lis­tet ist und auch kei­ne ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­ba­re Aus­lie­fe­rung hat, der wird in der Tat schlecht oder auch gar nicht ge­fun­den.

  9. Erstellt am 18. August 2014 um 20:58 | Permanent-Link

    Ich gehe dar­auf jetzt nicht de­tail­liert ein, aber ich ant­wor­te: nein! Man muss sich den über­kom­me­nen Tra­di­tio­nen der Buch­bran­che auf gar kei­nen Fall un­ter­wer­fen. Die­ses Be­har­ren auf al­ten Struk­tu­ren ist ein Teil des Pro­blems, Ama­zon hat die näm­li­ch bis auf die ISBN ein­fach igno­riert.

    Und wer sei­ne Ti­tel sau­ber ein­pflegt, der wird auch ge­fun­den, selbst als Kleinst­ver­lag.

    Das ist fal­sch. ich ken­ne ge­nug Klein­ver­le­ger, die mir was an­de­res er­zäh­len – und die sind ga­ran­tiert nicht alle zu dumm. Die­se Fi­xie­rung auf den Groß­han­del, der zu­dem auch noch mas­sen­wei­se Bü­cher ein­fach aus dem Ka­ta­log wirft (sie­he li­bri) ist ei­nes der gro­ßen Pro­ble­me der Bran­che.

    Den Sta­tus Quo zu er­hal­ten wird dazu füh­ren, dass Ama­zon noch mehr Macht und An­tei­le er­langt. Wer nicht sieht, dass das grund­le­gend über­ar­bei­tet ge­hört, der klam­mert sich an ein un­ter­ge­hen­des Schiff. Buch­händ­ler, sie nicht in der Lage sind, eine Such­ma­schine zu be­die­nen, wer­den un­ter­ge­hen.

    Ach ja:

    Eine Ein­zel-ISBN kos­tet 90,98 € in­klu­si­ve MwSt. und Ver­sand­kos­ten. Vor­aus­set­zung: Ihr Wohn­sitz bzw. Ge­schäfts­sitz be­fin­det sich in Deutsch­land.

    Quel­le: http://www.german-isbn.org/isbn_start_text.html/10012/

    Ver­sand­kos­ten??? Was für Ver­sand­kos­ten? Der oben ge­nann­te Preis von 125 USD wä­ren üb­ri­gens der­zeit um­ge­rech­net 93.56 Euro … Was ist da „deut­li­ch güns­ti­ger“?

  10. Erstellt am 18. August 2014 um 21:29 | Permanent-Link

    „Buch­händ­ler, die nicht in der Lage sind, eine Such­ma­schine zu be­die­nen, wer­den un­ter­ge­hen.“

    Da gebe ich Ih­nen ab­so­lut Recht. Das Pro­blem ist aber nicht die Be­die­nung ei­ner Such­ma­chine, son­dern au­to­ma­ti­sier­te Schnitt­stel­len und eta­blier­te Pro­zes­se.

    Ge­nauso wie es Ama­zon sei­nen Kun­den ein­fach macht, mit ei­nem Kli­ck zu be­stel­len, leis­ten das das VLB und die Groß­händ­ler für die Bran­che, d.h. eta­blier­te Be­stell- und Ab­wick­lungs­pro­zes­se in­klu­si­ve Lo­gis­tik, Wa­ren­wirt­schaft, Rech­nugs­le­gung und Buch­hal­tung.

    Jede Bran­che hat ihre ei­ge­nen Sys­te­me und Ge­pflo­gen­hei­ten, die den Ge­schäfts­ver­kehr un­ter­ein­an­der ein­fa­cher, schnel­ler, ef­fi­zi­en­ter und nicht zu­letzt rechts­si­cher ma­chen – weil man un­ter­ein­an­der Ver­trä­ge und Ver­ein­ba­run­gen hat, die je­der kennt und ak­zep­tiert.

    Ohne ek­tro­ni­sche Kas­sen­sys­te­me mit an­ge­schlos­se­ner Wa­ren­wirt­schaft so­wie ei­nen voll com­pu­ter­ge­stütz­ten Ar­beits­ab­lauf (mit den ent­spre­chen­den Pro­gram­men, Schnitt­stel­len und Sys­te­men) wür­de heu­te kein Be­trieb funk­tio­nie­ren, in kei­ner Bran­che. Und da­für braucht es ver­bind­li­che Stan­dards, nicht Goo­gle.

  11. Erstellt am 18. August 2014 um 21:41 | Permanent-Link

    Und da­für braucht es ver­bind­li­che Stan­dards, nicht Goo­gle.

    Dann der Bran­che wei­ter­hin viel Er­folg mit den ver­bind­li­chen Stan­dards. Wo­hin das führt, sehe wir ja ge­ra­de. Und ich ver­wei­se auf die Kom­men­ta­re wei­ter oben, in de­nen sich ein Buch­händ­ler mel­det und dar­auf hin­weist, dass es mit ein klein we­nig Auf­wand auch ohne geht. Sol­che Buch­händ­ler ha­ben eine Chan­ce.
    Der Rest sind pure Aus­re­den ei­ner er­starr­ten Bran­che. Das mag so viel­leicht für eine Ket­te gel­ten, der sprich­wört­li­che „klei­ne Buch­händ­ler“ soll­te die Fle­xi­bi­li­tät be­sit­zen (und hat sie of­fen­bar auch, sie­he oben), sei­nen Kun­den auch ohne „ver­bind­li­che Stan­dards“ zu be­die­nen. Es ver­langt ja nie­mand, die „ver­bind­li­chen Stan­dards“ auf­zu­ge­ben. Es muss aber zu­sätz­li­ch auch ohne ge­hen. Wenn man das nicht will, ist es das ei­ge­ne Pro­blem.

    „Goo­gle“ ist üb­ri­gens ein gu­tes Stich­wort. Die ver­kau­fen auch Bü­cher. Ohne „bran­chen­üb­li­che, ver­bind­li­che Stan­dards“.

    p.s.: bloss, gut, dass man auf dem Markt oder beim Bau­ern im­mer noch Äp­fel ohne EAN-Num­mer kau­fen kann. Äp­fel != Bir­nen? Mag sein …

  12. Pierre Bachofner
    Erstellt am 17. Oktober 2014 um 13:41 | Permanent-Link

    Bin erst heu­te auf die­se Bei­trä­ge ge­stos­sen (über ei­nen Ver­weis im „Schwei­zer Buch­han­del“ vom Au­gust). Bin über 70 und war mein hal­bes Le­ben im Buch­han­del tä­tig (La­den, Vertrieb/Vertretung, Ver­lag). Ge­wiss eine kon­ser­va­ti­ve Bran­che (wenn denn kon­ser­va­tiv nur was Ne­ga­ti­ves wäre…). Hab am Schluss ta­ge­wei­se in ei­ner Klein­buch­hand­lung ge­ar­bei­tet, die sich durch­aus auch um Tex­te be­müht, die aus­ser­halb des klas­si­schen Buch­sys­tems er­schei­nen. Und ich hab bald über­for­dert auf­ge­ge­ben, weil mir die Buch­la­den­ar­beit (war vor­her Buch-Ver­tre­ter) viel zu auf­wen­dig und kom­pli­ziert war.
    Wenn nun die­se Struk­tu­ren ver­schwin­den, wie kom­me ich dann an mich in­ter­es­sie­ren­de Tex­te (die auch in Stil und Spra­che ge­niess­bar sind)?
    Verlage/Buchhandlungen sind/waren Fil­ter, de­ren Aus­wahl auf ei­nem sehr wei­ten Be­griff von interessant/lesenswert be­ruh­ten. Da ist be­stimmt sehr vie­les nicht pu­bli­ziert wor­den, was es viel­leicht doch wert ge­we­sen wäre (und es geht vie­les durch den Fil­ter, das in mei­nen Au­gen nicht wert ist, auf Pa­pier ge­druckt oder im e-book ver­öf­fent­licht zu wer­den). Wenn die­se Fil­ter ver­schwin­den (ich kenn vie­le der an die­sem Sys­tem be­tei­lig­ten Men­schen di­rekt oder in­di­rekt und kann de­ren Ur­teil ein­ord­nen), wie fin­de ich mich in Wust der im Netz kur­sie­ren­den Tex­te zu­recht? Da gibt’s dann ent­spre­chen­de Por­ta­le (?)
    die die­se Fil­terfunk­ti­on ha­ben. Ist das so viel an­ders als vor­her? Und noch was: in den Ver­la­gen arbei(te)ten Lek­to­rIn­nen, die die Tex­te les­ba­rer ge­macht ha­ben (ich habe hun­der­te von un­lek­t­o­rier­ten Tex­ten ge­le­sen…).
    Viel­leicht ist die­se Be­mer­kung über­flüs­sig: Ein schön ge­mach­tes Buch ist was vom tolls­ten, das es gibt, ein Bild­schirm (als sol­cher) im­mer gleich lang­wei­lig.

  13. Erstellt am 17. Oktober 2014 um 14:16 | Permanent-Link

    In mei­nen Au­gen ist Kon­ser­va­tiv durch­aus nichts Po­si­ti­ves, ins­be­son­de­re dann, wenn es ver­bohr­tes Ver­har­ren bei Al­tem be­deu­tet.

    Um an les­ba­re Tex­te zu kom­men, kann man pro­blem­los die gi­gan­ti­sche Res­sour­ce In­ter­net ver­wen­den. Auch ohne Vor­schlags­sys­te­me.

    Ver­la­ge sind Fil­ter, die vor al­lem das ver­kau­fen wol­len, was ih­nen (ver­meint­li­ch) Geld ein­bringt. Und die da­bei häu­fig fal­sch lie­gen. Um ir­gend­ei­ne Kul­tur geht es doch schon lan­ge nicht mehr. Im Web gibt es un­ge­fil­ter­te Mei­nun­gen zu fast al­lem, so dass man sich ein Bild ma­chen kann, auch ohne ir­gend­wel­che „Por­ta­le“, mit de­nen ver­mut­li­ch On­line­händ­ler ge­meint sind – dann ist die Be­griff­lich­keit fal­sch.

    Das mit dem Bild­schirm und der Tot­holz-Fe­ti­schis­mus wer­den sich in­ner­halb ei­ner Ge­ne­ra­ti­on er­le­digt ha­ben. Ich per­sön­li­ch fin­de Bü­cher im­mer öf­ter an­stren­gend, weil sie un­er­go­no­mi­sch und un­be­quem sind. Wich­tig ist der Text, der auch beim eBook an­spre­chend auf­be­rei­tet wer­den kann. Au­ßer­dem ist Bild­schirm nicht gleich Bild­schirm. Schon bei den ers­ten Ge­ne­ra­tio­nen eInk-Dis­plays war das Le­se­er­leb­nis wie bei ei­nem Buch, und die neu­en Ge­rä­te sind so­gar noch deut­li­ch bes­ser. Ich habe bis­her je­den Se­nior, dem ich ei­nen eRe­a­der de­mons­triert habe, in­ner­halb kür­zes­ter Zeit über­zeugt. So­gar sol­che, die nicht tech­ni­kaf­fin sind.

    Zum Ab­schluss: Ich habe lan­ge im Ein­zel­han­del ge­ar­bei­tet. Wenn da ein Kun­de et­was ha­ben will, dann wird das be­stellt, im Zwei­fels­fall auch di­rekt beim Her­stel­ler. Ist VÖL­LIG nor­mal. Dass Buch­händ­ler der­art zi­cken und Bü­cher nicht be­schaf­fen wol­len, weil der Auf­wand an­geb­li­ch zu hoch ist, zeigt, in wel­cher ab­ge­schlos­se­nen Traum­welt die le­ben. Wer so agiert muss sich nicht wun­dern, wenn die Kun­den ab­wan­dern. Und mein Mit­leid hält sich dann auch in Gren­zen.

2 Trackbacks

  1. Von Markierungen 06/15/2014 | Snippets am 15. Juni 2014 um 06:35

    […] Buch­han­del und Self­pu­blis­hing: Wer be­nach­tei­ligt hier ei­gent­li­ch wen? – Phan­ta­News […]

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