ROLE PLAY CONVENTION 2012: Randale bis die Ohren bluten – aber coole Gewandungen

Nach­dem die Messe »Spiel« in Essen nach Jahren der stiefmüt­ter­lichen Behand­lung endgültig keinen großen Wert mehr auf das Genre (also Rol­len­spiele, Table­tops und LARP) zu leg­en schien, stellte sich ins­beson­dere im let­zten Jahr die Frage, wo man sich in Zukun­ft in großem Umfang tre­f­fen wird. Denn es ist abzuse­hen, dass der Anbi­eter­schwund in Essen weit­er gehen wird, so lange der Merz-Ver­lag die Aussteller und Gäste dieser Bere­iche weit­er­hin als Kun­den zweit­er Klasse behan­delt.

Die Role Play Con­ven­tion in Köln wäre die ide­ale Ver­anstal­tung, um das aufz­u­fan­gen und tat­säch­lich ist das Gebotene in Sachen Ausstellern und die Mis­chung aus Com­put­er­spiel, Rol­len­spiel, Table­top und den ver­schiede­nen LARP-Geschmäck­ern plus Drumherum und großem Markt im Außen­bere­ich eine opti­male Mis­chung.

Lei­der krank­te das Konzept ins­beson­dere in diesem Jahr den­noch an Kleinigkeit­en, die hof­fentlich beseit­igt wer­den kön­nen.

In diesem Jahr fand die RPC erst­ma­lig nicht in den bei­den bere­its bekan­nten Hallen der Vor­jahre statt, man musste das Gelände über den Ein­gang Ost betreten, hier fand man eine einzelne, große Halle vor, in der sich alles abspielte.

Glück­licher­weise war diese Halle so groß, dass man nicht im gesamten Bere­ich durch die auf­dringliche Dauerbedröhung aus dem Com­put­er­spiele­bere­ich – beson­ders neg­a­tiv her­vorzuheben ist die die große Bühne, hier war es noch lauter als in den Vor­jahren – gen­ervt wurde. Dieser Lärm ist der­art über­trieben, dass im Bere­ich darum herum (und das ist der gesamte Com­put­er­spiele­bere­ich) kaum ein vernün­ftiges Gespräch möglich ist. Ich hat­te vor, mir das ein oder andere Com­put­er­spiel näher anzuse­hen und zu testen, weit­er­hin wollte ich beispiel­sweise in Sachen HEROKON (ein MMO-Browsergame, das auf dem Rol­len­spiel-Vet­er­a­nen DAS SCHWARZE AUGE basiert) Fra­gen stellen. Das hat aber alles angesichts der über­mäßi­gen Lär­men­twick­lung über­haupt keinen Sinn – man ver­ste­ht sim­pel sein eigenes Wort nicht. Erstaunlich ist dabei, dass das mit diesem Pegel noch nicht ein­mal auf der Gamescom anzutr­e­f­fen ist. Da es keinen Busi­ness-Bere­ich gibt, ist es nahezu unmöglich, sich über Details und Hin­ter­gründe zu einem Spiel unter­hal­ten zu kön­nen, ohne brüllen zu müssen.

Besucher am Leuengold-Stand
Besuch­er am Leuen­gold-Stand

Glück­licher­weise war die genutzte Halle so weitläu­fig und der­art ver­winkelt und aufgeteilt, dass der völ­lig über­triebene Radau nicht in alle Eck­en drang und im LARP-Bere­ich blieb man weitest­ge­hend ver­schont.

Für die Zukun­ft würde ich mir wün­schen, dass die große Bühne entwed­er einen eige­nen Raum erhält, oder aber die Laut­stärke auf ein erträglich­es Maß reduziert wird. Es ist sicher­lich für keinen der Aussteller wün­schenswert, wenn die Ziel­gruppe sich ihre Spiele nicht anse­hen will, das wed­er Erläuterun­gen ver­ständlich sind, noch man sich mit dem Stand­per­son­al unter­hal­ten kann.
Ich würde es zudem für sehr wün­schenswert hal­ten, wenn die Unterteilung in eine Halle für Com­put­er­spiele und eine für »den ganzen Rest« wieder einge­führt wer­den kön­nte. Mir ist dabei natür­lich klar, dass die Hal­lenaufteilung in Köln im Ver­gle­ich mit anderen Messegelän­den in der Umge­bung rel­a­tiv unflex­i­bel ist, Essen beispiel­sweise zeigt mehr Kreativ­ität dabei, die Areale abzutren­nen und die Hal­len­größen zu vari­ieren. Vielle­icht wäre es sin­nvoll, über einen alter­na­tiv­en Aus­tra­gung­sort nachzu­denken, das würde vielle­icht auch die Kosten für die Hal­len­mi­ete reduzieren.

Und da sind wir gle­ich bei einem weit­eren Kri­tikpunkt: die Ein­trittspreise – die Tageskarte kostet 16,50 Euro – sind für das Gebotene und die Ziel­gruppe nach mein­er Ansicht eine Unver­schämtheit, ins­beson­dere wenn man das mit ähn­lichen Ver­anstal­tun­gen ver­gle­icht. Auch hier kön­nte die Wahl eines neuen Ver­anstal­tung­sortes sich pos­i­tiv auswirken – ich gehe davon aus, dass das Köl­ner Gelände nicht eben eins der preiswert­eren sein dürfte.

Stand von Pegasus
Stand von Pega­sus

Im Ver­gle­ich zu den Vor­jahren und im Ver­gle­ich mit Essen musste man in diesem Jahr (zumin­d­est am Sam­stag) fest­stellen, dass recht wenig Besuch­er anwe­send waren. Möglicher­weise täuscht das aber auch, da sich die Per­so­n­en in der großen Halle ver­liefen, aber ich hat­te eher den Ein­druck, dass wenig los war. Man kann mein­er Ansicht nach davon aus­ge­hen, dass das nicht zulet­zt auch auf die für Jugendliche nicht son­der­lich erschwinglichen Preise zurück zu führen ist.

Denn – und das muss an dieser Stelle mal ganz offen gesagt wer­den – Konzept, Ange­bot und die Ver­anstal­tung an sich sind für die Ziel­gruppe opti­mal und allein auf­grund der Band­bre­ite des Gebote­nen großar­tig. Es wäre schade, wenn sie in Zukun­ft auf­grund von Besucher­man­gel nicht mehr stat­tfind­en würde – es gibt deut­lich Raum für Verbesserun­gen, aber das Konzept an sich ist schlüs­sig und kann den Weg­fall der Messe Essen als zen­tralen Event mehr als auf­fan­gen. Zumin­d­est, wenn man beim Lärm und bei den Preisen deut­lich nachbessert.

Anhand der Besuch­er und deren Altersstruk­tur ist ein­deutig festzustellen, dass der LARP-Bere­ich offen­sichtlich keine  Nach­wuch­sprob­leme hat. Weit­er­hin kann kon­sta­tiert wer­den, dass die Qual­ität der Gewan­dun­gen in den let­zten Jahren kon­tinuier­lich zugenom­men hat. Zwar gibt es auch immer noch die schnell zusam­menge­frick­elte Sparge­wan­dung, aber im Großen und Ganzen sind jede Menge ganz bril­liante Out­fits zu sehen.

Zwerge
Zwerge

Steam­punk-Gewan­dun­gen fan­den sich in diesem Jahr in deut­lich größer­er Zahl als im Vor­jahr und auch hier ging die Qual­ität weit auseinan­der – es waren aber ein paar äußerst sehenswerte darunter.
Davon abge­se­hen war auch hier die Band­bre­ite immens hoch, schon lange ist die Fan­ta­sy nicht mehr das einzige LARP-The­ma, man fand zwis­chen SF all­ge­mein, Fan­ta­sy, Endzeit, den derzeit unauswe­ich­lichen Zom­bies, natür­lich STAR WARS und sog­ar PREDATOR Liv­erol­len­spielmöglichkeit­en für nahezu jeden Geschmack – und vielle­icht sog­ar jeden Geld­beu­tel, ins­beson­dere die Endzeit- und postapoka­lyp­tis­chen Vari­anten zeigen, dass Kreativ­ität finanzielle Investi­tio­nen jed­erzeit in den Schat­ten stellen kann.

Lei­der war der Sam­stag ver­reg­net, es goss zwar nicht in Strö­men, aber doch reg­nete es dauer­haft leicht, so dass das Außen­gelände eher ver­waist war. Die unen­twegten Jug­ger ließen sich davon zwar nicht stören, aber im Ver­gle­ich zu den Vor­jahren war das Außen­gelände fast schon erschreck­end leer. Was sehr schade war, denn wie immer gab es dort jede Menge inter­es­sante Stände und wenn ich mich nicht sehr täusche, sog­ar mehr davon, als in den Vor­jahren.

Erfreut war ich auch darüber, dass der Vari­anten­re­ich­tum den ange­bote­nen Waren ins­beson­dere im Bere­ich LARP höher war als in den Vor­jahren. Zwar boten etliche nach wie vor die übliche Mis­chung aus (oft über­teuerten) Pol­ster­waf­fen und Zube­hör, ins­beson­dere bei dein-larp-shop.de fand man jedoch aus­ge­fal­l­ene Ange­bote wie stylis­che Hand­lam­p­en oder einen coolen Aben­teur­erruck­sack, Acces­soires weit abseits des Stan­dards. Auf diesen Shop sollte man weit­er­hin sein Augen­merk haben. Nichts gegen Mytholon, die Massen­ware zu halb­wegs brauch­baren Preisen anbi­eten, aber die Vielfalt und eben auch aus­ge­fal­l­eneren Stücke haben andere. Bei Mytholon weiß ich auf jed­er Messe bei der die anwe­send sind schon vorher, was ich dort am Stand finde. Das muss nicht falsch sein, aber etwas mehr Kreativ­ität und mehr neue Waren würde ich mich schon wün­schen. Bei dein-larp-shop musste ich tat­säch­lich ein paar Mal schw­er an mich hal­ten, nicht den Geld­beu­tel zu zück­en und zu kaufen, das ging mir bei anderen Anbi­etern mit hun­dert­mal gese­hen­er Massen­ware oder bei Pol­ster­waf­fen, bei denen man annehmen musste, dass der Kern­stab ob des ange­sagten Preis­es wohl aus Platin sein musste, nicht so.

Blechgewandung
Blechge­wan­dung

Abschließend bleibt als Faz­it: als Tre­ff der Genre-Fre­unde fra­g­los eine sehr schöne Ein­rich­tung, die allerd­ings mit diversen Schwächen daher kommt. Die soll­ten jedoch in den meis­ten Punk­ten ver­gle­ich­sweise leicht zu beheben sein. Weniger ein­fach dürfte es wer­den, eventuell einen anderen Aus­tra­gung­sort zu find­en, der ähn­lich zen­tral liegt, aber zu weniger hohen Preisen Anlass gibt wie das Messegelände Köln. Außer­dem wäre es sehr angenehm, wenn der Eventcharak­ter aus­geweit­et wer­den würde und die RPC zukün­ftig (an ander­er, nicht so über­mäßig teur­er, Stelle) dann vielle­icht sog­ar schon Fre­itag stat­tfind­en kön­nte. Das kön­nte dazu führen, dass sich diejeni­gen, die sich über Jahrzehnte in Essen trafen zukün­ftig auf der RPC ein Stelldichein geben.

Angesichts der erlebten schwachen Besucher­res­o­nanz am Sam­stag würde es mich jedoch wun­dern, wenn die RPC aus­ge­baut wer­den würde und ich befürchte sog­ar das Gegen­teil. Was schade ist, denn als Konzen­tra­tion der ver­schiede­nen Aus­prä­gun­gen des phan­tastis­chen Hob­bies ist die Role Play Con­ven­tion eigentlich unschlag­bar.

 

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alle Bilder von Ste­fan Holzhauer Cre­ative Com­mons-Lizenz: BY-NC-SD – Namen­snen­nung in der Nähe des Bildes und Link auf PhantaNews.de

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

3 Kommentare for “ROLE PLAY CONVENTION 2012: Randale bis die Ohren bluten – aber coole Gewandungen”

Jürgen

sagt:

Als Alter­na­tive für Cos­play­er bietet sich die Elf Fan­ta­sy Fair an. Ich habe Sie zwei Wochen vorher besucht und bei wesentlich schlechterem Wet­ter waren da ca 23.000 Besuch­er und dort find­et alles draussen statt!
Die Anzahl von wirk­lich her­vor­rra­gen­den Kostü­men war höher als auf der RPC und es waren alle Altersstufen vorhan­den. Einen auf Steam­punk gepimpte Kinder­wa­gen habe ich jeden­falls auf der RPC nicht gese­hen. Das ist keine Messe wie die RPC oder Essen, son­dern eher ein ein riesiges Fan­ta­syevent für alle Vari­a­tio­nen (http://arcen.elffantasyfair.com/)

Stefan Holzhauer

sagt:

Das mit dem schlecht­en Wet­ter ist das zen­trale Prob­lem – da bevorzuge ich doch Ver­anstal­tun­gen, die sich zumin­d­est zum größten Teil – oder ganz – in Hallen abspie­len, zumin­d­est wenn das Wet­ter poten­tiell schlecht ist.

Für Cos­play­er mag das alles sein, der Ansatz ist hier aber ein ander­er eine bre­it­bandi­ge »Messe« auf der man auch kaufen und aus­pro­bieren kann. Ich denke nicht, dass die Table­top­per oder Pega­sus ihre Stände draußen auf­bauen wür­den.

Nix gegen die Elf Fan­ta­sy Fair, aber der Ansatz ist ein deut­lich ander­er, auch wenn die Ziel­gruppe weitest­ge­hend kon­gru­ent erscheint.

sagt:

Ich war dieses Jahr das erste mal auf der RPC, aber viele Dinge, die Du ansprichst, sind auch mir als Erstling aufge­fall­en – allen voran die Geräuschkulisse aus der Com­put­er­spiel-Ecke. Wahnsinn, ehrlich! Die Leute, die ihre Stände drumherum hat­ten, hat­ten so einen leicht­en dauer­gen­ervt-Blick, was ich dur­chaus nachvol­lziehen kann. Zur Besucher­an­zahl kann ich nichts sagen, da ich keinen Ver­gle­ich zu den Jahren davor habe. Es wäre schön, wenn die Ver­anstal­ter die Schwächen noch aus­bügeln wür­den, denn ich denke auch, dass es dur­chaus eine attrak­tive Ver­anstal­tung ist – auch grade für Neulinge, die ihr Pro­dukt unter die Leute brin­gen möcht­en, denn die Standge­bühren sind wohl längst nicht so über­trieben teuer wie auf der »Spiel« in Essen.

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