ROLE PLAY CONVENTION 2012: Die schnelle Lizenz … CALL OF CTHULHU – THE WASTED LAND

Vor der Beschäf­ti­gung mit dem Spiel CALL OF CTHULHU – THE WASTED LAND ist ein klei­ner Aus­flug nötig, denn es han­delt sich nicht ein­fach nur um ein PC-Game, son­dern man muss vor Nut­zung eine wei­te­re Anwen­dung instal­lie­ren.

Es war bis­lang völ­lig an mir vor­bei gegan­gen, dass Intel einen Appsto­re eröff­net hat – und das will schon etwas hei­ßen, trei­be ich mich doch schon beruf­lich stän­dig im Web her­um und Apps sind übli­cher­wei­se von Inter­es­se für mich, egal für wel­che Platt­form. Intel AppUp ist der Name der Platt­form, die Apps für PCs anbie­tet, also ähn­li­che wie App­les App­so­re für Macs. So wie ich lesen konn­te, war AppUp ursprüng­lich haupt­säch­lich für Win­dows-basier­te Net­books gedacht, da sich Net­books seit dem Sie­ges­zug von Smart­pho­ne und ins­be­son­de­re Tablet jedoch auf dem abstei­gen­den Ast befin­den, hat man das Ange­bot auf Win­dows-PCs all­ge­mein erwei­tert.

In dem Moment, als ich das ver­daut hat­te, fand sich zum ers­ten Mal ein Fra­ge­zei­chen in mei­nem Gesicht. Was soll ein Appsto­re auf dem PC, wenn ich doch hau­fen­wei­se Pro­gram­me im Netz fin­de, ohne dafür einen AppSto­re zu benö­ti­gen? War­um soll­te ich mir Libre Office (das wird dem Nut­zer mas­siv ange­dient) über einen Appsto­re von Intel instal­lie­ren, das geht doch ganz ein­fach so? Weil es so bequem ist?

Mit­nich­ten: vor der Nut­zung von AppUp muss man zuerst ein­mal das zuge­hö­ri­ge Cen­ter instal­lie­ren, das dann – ähn­lich wie Steam – die Ver­wal­tung der Apps über­nimmt – und selbst­ver­ständ­lich kann man die kos­ten­pflich­ti­gen auch gleich dar­über erwer­ben. Bei App­les ein­heit­li­chem Ansatz ist das sinn­voll, bei der hete­ro­ge­nen Umge­bung in Sachen Pro­gram­mier­spra­chen und Anwen­dun­gen auf dem PC han­delt es sich mei­ner Ansicht nach nur um noch eine wei­te­re über­flüs­si­ge Anwen­dung, die unnütz Fest­plat­ten­platz und Spei­cher ver­braucht.
Erschwe­rend kommt hin­zu, dass sich das App­Cen­ter bei der Instal­la­ti­on natür­lich unge­fragt als Auto­start ein­trägt und fort­an beim Rech­ner­start gela­den wird – auch wenn man es nicht benö­tigt und das dürf­te wohl die meis­te Zeit so sein. Zum ande­ren wird man auch noch auf­ge­for­dert, Ado­be Air zu instal­lie­ren. Das braucht man auch eher nicht, zumin­dest habe ich noch kei­ne Air-Anwen­dung gefun­den, ohne die ich nicht leben konn­te.


Und wofür das alles? Auf der RPC gab es einen Intel AppUp-Stand, an dem man auf Net­books ein Spiel namens CALL OF CTHULHU – THE WASTED LAND prä­sen­tier­te. Da sich die­ser Stand direkt neben der oben erwähn­ten Ran­da­le-Büh­ne befand, war der Ver­such, sich zu infor­mie­ren gleich zum Schei­tern ver­ur­teilt und auf­hal­ten woll­te ich mich da auch nicht län­ger.
Aber: es lagen Kar­ten aus, mit denen man sich die­se Soft­ware – ein Stra­te­gie­spiel vor CoC-Hin­ter­grund mit Chao­s­i­um-Lizenz kos­ten­los instal­lie­ren durf­te. Also habe ich einen der Gut­schei­ne ein­ge­steckt und mich dar­auf gefreut, dass ich das dann zu Hau­se in aller Ruhe aus­pro­bie­ren wür­de kön­nen. Bei der Anmel­dung wur­de mir dann erläu­tert, dass ich das Intel AppUp-Cen­ter instal­lie­ren und einen Nut­zer­ac­count anle­gen müs­se. Von mir aus, Weg­werf-Email­adres­sen für sol­che Zwe­cke habe ich ein paar.

Zum Hin­ter­grund wur­de nur ver­ra­ten, dass THE WASTED LAND in den Schüt­zen­grä­ben des ers­ten Welt­kriegs spiel­te, grund­sätz­lich eine pas­sen­de Umge­bung für ein wenig love­craft­schen Hor­ror. Man soll­te meh­re­re bri­ti­sche Armee­an­ge­hö­ri­ge mit unter­schied­li­chen Fähig­kei­ten durch die Grä­ben steu­ern und hat­te Zugriff auf Waf­fen und wei­te­re Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de wie Gas­mas­ken oder Ers­te Hil­fe-Käs­ten. Es stand zu ver­mu­ten, dass dann der ein oder ande­re Shog­go­te aus dem Schlamm plop­pen wür­de.

Nach dem Start des Spiels, das gra­fisch auf den ers­ten Blick alt­ba­cken aber ganz okay aus­sah, fiel als ers­tes auf, dass alle Bedien­ele­men­te auf mei­nem 1680x1050-Pixel-Bild­schirm über­mä­ßig groß daher kamen. Lässt sich aber leicht erklä­ren: wie oben bereits erläu­tert ist AppUp ja für Net­books mit nied­ri­ge­rer Auf­lö­sung gedacht und dann macht das natür­lich wie­der mehr Sinn.

Wenig Sinn mach­te dann auch das Tuto­ri­al, das zwar in die Steue­rung ein­füh­ren woll­te, aller­dings auf­grund der mise­ra­blen Umset­zung der Steue­rung zu einem Maso­chis­ten­aben­teu­er ers­ter Güte wur­de. Die über­di­men­sio­nier­ten Bedien­ele­men­te (But­tons) wei­ger­ten sich in vier von fünf Fäl­len auf mei­ne Klicks zu reagie­ren, eben­so wie die Spiel­fi­gu­ren oder Fein­de. Ers­te­re muss­te man ankli­cken und konn­te sie dann Action­punkt- und Run­den-basiert durch den Schüt­zen­gra­ben scheu­chen. Nur lei­der – wie oben bereits geschil­dert – war in zu vie­len Fäl­len über­haupt nichts mit Ankli­cken, alter­na­tiv konn­te man auch den Feind nicht anwäh­len, um ihm eins über zu bra­ten.

Ich habe mir das mit stoi­scher Gelas­sen­heit ca. eine hal­be Stun­de gege­ben, dann habe ich THE WASTED LANDS hoch­gra­dig frus­triert wie­der deinstal­liert.

Das Spiel ist mit »Unver­schämt­heit« noch viel zu posi­tiv beschrie­ben, die Ent­wick­ler soll Shub-Nig­gu­rath holen. Ein GUI, das 80% der Benut­zer­ein­ga­ben kom­plett igno­riert lässt sich nicht ent­schul­di­gen und man muss sich fra­gen, wie solch ein Bull­shit als Voll­ver­si­on in Intels App-Shop kom­men konn­te? Gibt es bei den Her­stel­lern oder Intel kei­ne Qua­li­täts­kon­trol­le? Beson­ders span­nend ist hier­bei übri­gens die Tat­sa­che, dass der Anbie­ter Red Wasp Design das ver­bug­gte Mach­werk nor­ma­ler­wei­se für 5 Dol­lar unter die Leu­te brin­gen will – ich bin ja nur auf­grund des RPC-Gut­scheins an eine kos­ten­lo­se Test-Voll­ver­si­on gekom­men.

Trau­rig auch, dass Chao­s­i­um eine Lizenz ver­gibt, sich aber offen­sicht­lich nicht davon über­zeugt, ob das End­pro­dukt (von einem »fer­ti­gen Pro­dukt möch­te ich an die­ser Stel­le defi­ni­tiv nicht spre­chen) wenigs­tens grund­sätz­li­chen Qua­li­täts­stan­dards ent­spricht. Aber viel­leicht woll­te man auch nur ein paar schnel­le Dol­lars mit der Lizenz ver­die­nen. Dann hät­te man aber viel­leicht dar­auf ver­zich­ten sol­len, das Spiel mit Chao­s­i­um zu bewer­ben.

Fazit: Fin­ger weit weg, so weit es geht. Bloß nicht instal­lie­ren – und wenn man schon beim nicht Instal­lie­ren ist, auch gleich die Fin­ger von Intels kom­plett über­flüs­si­ger AppUp-Platt­form las­sen, die braucht näm­lich auch kein Mensch

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

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