PROMETHEUS – Teil 1: Die positive Betrachtung

Als sei­ner­zeit die Agen­tur­mel­dung kam, Rid­ley Scott sei gera­de in Island, um für PROMETHEUS den »Anbe­ginn der Zeit« zu fil­men, hät­te jedem klar sein müs­sen, dass da etwas Grö­ße­res auf das Publi­kum zukom­men wür­de. Vom Ali­en-Pre­quel hat­ten sich Scott, John Spaihts und Damon Linde­l­of längst ver­ab­schie­det, und auch immer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen. In ihren Stüb­chen hat­te sich die Geschich­te in eine ganz ande­re Rich­tung ent­wi­ckelt. In der Außen­welt woll­te man trotz aller Beteue­run­gen davon nichts wahr­ha­ben. Der größ­te Anteil am Miss­erfolg von PROMETHEUS trägt die Beharr­lich­keit von Kri­ti­kern und Zuschau­ern, letzt­end­lich doch einen Film mit dem belieb­tes­ten Xeno­mor­phen des Welt­alls erwar­tet zu haben. Autoren und Regie machen es den Leu­ten auch nicht leicht, wenn sie die Geschich­te von PROMETHEUS zudem bewusst in das Ali­en-Uni­ver­sum legen. Auf der einen Sei­te hat Rid­ley Scott einen erst­klas­si­gen Sci­ence-Fic­tion-Film insze­niert, para­do­xer­wei­se lässt sich der Film auf der ande­ren Sei­te auch voll­kom­men demontieren.

Die ers­ten Minu­ten sind atem­be­rau­bend. Sel­ten hat ein Film den Zuschau­er gleich in den ers­ten Ein­stel­lun­gen so hin­ein­ge­zo­gen. Hier zei­gen Scott und Kame­ra­mann Dari­usz Wol­ski den »Anbe­ginn der Zeit«, und man glaubt es, nein, spürt es sofort. Die unglaub­li­che Magie, wel­che die Land­schafts­auf­nah­men aus­strah­len, kön­nen nur unend­lich lan­ge Farb- und Kon­trast­kor­rek­tu­ren in der Nach­be­ar­bei­tung zugrun­de lie­gen. Möch­te man mei­nen. Denn die opti­sche Raf­fi­nes­se des Films nimmt hier erst ihren Anfang. Ist das Raum­schiff Pro­me­theus erst ein­mal auf dem Weg zu LV-223 (für Nerds ganz wich­tig: Nicht LV-426), ver­mit­teln die Raum- und Pla­ne­ten­auf­nah­men ein fast schon beklem­men­des Gefühl für die Grö­ße und Wei­te außer­welt­li­cher Orte. Hier hält sich der Film weit­ge­hend an sein opti­sches Kon­zept, in Außen­auf­nah­men und Action-Sequen­zen immer Grö­ßen­ver­hält­nis­se und Stand­or­te zu ver­mit­teln, was sich in gran­dio­sen, land­schaft­li­chen Super­to­ta­len wie­der­spie­gelt. Bei Dia­log­sze­nen hin­ge­gen ist die Kame­ra stets nahe an den Gesich­tern, wäh­rend die Halb­to­ta­len den erklä­ren­den Schüs­sen ohne Dia­log vor­be­hal­ten bleiben.

Der Meis­ter, mit sei­ner 3D-Appa­ra­tur der Red-Kameras

PROMETHEUS ist ein über­wäl­ti­gen­des Erleb­nis in sei­ner visu­el­len Umset­zung, wo alles makel­los inein­an­der greift. Real­auf­nah­men, digi­ta­le Effek­te und hand­ge­ar­bei­te­te Spe­zi­al-Effek­te. Scotts Lang­zeit­kol­la­bo­ra­teur Pie­tro Sca­lia hat­te auch hier wie­der das Gespür für das den Sze­nen ange­mes­se­ne Tem­po im Schnitt. Wobei Sca­lia hier noch die Wir­kung von 3D mit berück­sich­ti­gen muss­te, wo es bei einer zu schnel­len Schnitt­fol­ge für Zuschau­er schnell ein­mal unan­ge­nehm wer­den kann. So neben­bei dürf­te PROMETHEUS dann auch der ers­te Main­stream-Block­bus­ter sein, der 3D so ein­setzt wie es sein soll­te, wenn man es über den rei­nen Show­ef­fekt hin­weg benut­zen möch­te. Die vol­le Tie­fen­wir­kung des ste­reo­sko­pi­schen Bil­des kommt in den tota­le­ren Auf­nah­men zum Tra­gen, wäh­rend man in nähe­ren Ein­stel­lun­gen, oder in Ein­stel­lun­gen die mit aus­ge­präg­ter Schär­fen­tie­fer arbei­ten, die räum­li­che Tie­fe zurück genom­men hat. Das ver­hin­dert den pein­lich anmu­ten­den Effekt wel­cher die ein­zel­nen Ebe­nen wie Papp­fi­gu­ren wir­ken lässt. Ins­ge­samt ist jedes Bild für den best­mög­lich räum­li­chen Aspekt umge­setzt. So macht man Fil­me in 3D, von denen der Zuschau­er auch profitiert.

Tech­nisch ist PROMETHEUS aller­ers­te Sah­ne, viel­leicht ist »per­fekt« gar kein so schlech­ter Begriff. Denn zu den per­fekt umge­setz­ten tech­ni­schen Aspek­ten gesellt sich die für einen Rid­ley Scott Film übli­che Beset­zung, die scheint, als hät­te man die Figu­ren im Buch den Dar­stel­lern auf den Leib geschrie­ben. Noo­mi Rapace als Leit­fi­gur ist eine über­zeu­gen­de und für Scott typi­sche Frau­en­ge­stalt, die den Zuschau­er jeder­zeit für sich ein­nimmt. Char­li­ze The­ron ist hin­rei­ßend und zugleich eines der größ­ten Geheim­nis­se von PROMETHEUS, man möch­te ihr ins Gesicht schla­gen und ihr gleich­zei­tig ander­wei­tig nahe­kom­men. Das Geheim­nis um ihren wah­ren Cha­rak­ter ist auch wesent­li­cher Bestand­teil vom Grund­te­nor PROMETHEUS‘. Die bes­te cha­rak­ter­li­che Ent­wick­lung erfährt aller­dings Idris Elba als Kapi­tän Janek. Er ist kei­ne Kunst­fi­gur, son­dern Elbas fas­zi­nie­ren­de Aus­le­gung für den zuerst gleich­gül­tig schei­nen­den Raum­schiff-Kom­man­dan­ten, der sich damit abge­fun­den hat woher er kommt, und längst ein für sich pas­sen­des Welt­bild erschuf. Elbas cha­rak­ter­li­che Ent­wick­lung für Janek ist der ehr­lichs­te und inter­es­san­tes­te Pro­gress einer Figur im die­sem Film. Der auf­fäl­ligs­te Cha­rak­ter und die bes­te Zeich­nung einer Figur kom­men aller­dings von Micha­el Fass­ben­der. Sein Android David kann einem immer wie­der einen kal­ten Schau­er über den Rücken jagen. Wie er lernt, wie er beob­ach­tet, wie er Mensch sein möch­te, das ist ein­fach sen­sa­tio­nell. Wenn er als künst­li­che Intel­li­genz Men­schen hin­ter­geht und ver­rät, dann ist das für ihn weder Ver­rat noch Täu­schung. Er folgt einem Prin­zip der Logik, wel­ches mensch­li­che Ver­hal­tens­nor­men ger­ne ein­mal außer Acht lässt. Zudem ist die Figur David viel­leicht der wich­tigs­te Cha­rak­ter für die Geschich­te und Wei­ter­ent­wick­lung der Hand­lung von PROMETHEUS.

Hin­weis: Auf­grund mensch­li­chen Ver­sa­gens wur­de bei Ver­öf­fent­li­chung der Bespre­chung der drit­te Absatz nicht ange­zeigt und am 24.08. nach­ge­reicht. Der Rest des Tex­tes blieb unverändert.

PROMETHEUS
Dar­stel­ler: Noo­mi Rapace, Micha­el Fass­ben­der, Idris Elba, Logan Mar­shall-Green, Char­li­ze The­ron, Guy Pear­ce u.a.
Regie: Rid­ley Scott
Dreh­buch: John Spaihts, Damon Linde­l­of, nach Moti­ven von Dan O‘Bannon
Kame­ra: Dari­usz Wolski
Bild­schnitt: Pie­tro Scalia
Musik: Marc Streitenfeld
Pro­duk­ti­ons­de­sign: Arthur Max
zir­ka 123 Minuten
USA 2012

Pro­mo­fo­tos Copy­right  Twen­tieth Cen­tu­ry Fox

Sie­he auch:

PROMETHEUS – Teil zwei: Eine meta­phy­si­sche Betrachtung

PRO­ME­THEUS-Reze­si­on von Flo­ri­an Schleicher

4 Kommentare zu „PROMETHEUS – Teil 1: Die positive Betrachtung“

  1. Ich kann der Rezen­si­on wei­test­ge­hend zustim­men, aller­dings wür­de mich ein Film, den ich als »per­fekt« bezeich­nen könn­te, am Ende nicht so rat­los zurück­las­sen. Für mich blie­ben mehr Fra­gen unbe­ant­wor­tet, als ich als ange­nehm emp­fin­de, und ich wür­de mich freu­en, mit jeman­dem in einen direk­ten Dia­log tre­ten zu kön­nen, der von sich glaubt, den Film ver­stan­den zu haben …

  2. Nun, ich möch­te nicht mei­nem zwei­ten Teil der Bespre­chung vor­grei­fen, an der ich gera­de sit­ze, wo ich mich eben jenem Ver­ständ­nis für den Film annä­hern möch­te. Und das ist schwie­rig. Aber ich möch­te ein­fach mal in den Raum stel­len, ob den ein Film nicht auch mal Fra­gen offen las­sen darf. Gera­de wenn es um ein The­ma wie die­ses geht. Wir leben in einer Zeit, wo es schick ist gegen Reli­gi­on und Glau­ben zu schimp­fen. Wie nähe­re ich mich also dem The­ma der Schöp­fung an? Aber viel wich­ti­ger, gäbe es tat­säch­lich eine Mög­lich­keit Got­tes Exis­tenz oder Nicht­exis­tenz fil­misch zu verarbeiten?

  3. Du hast sicher­lich recht, daß man bei die­ser The­ma­tik kei­ne ein­deu­ti­gen Ant­wor­ten erwar­ten soll­te. Dann stellt sich für mich aber die Fra­ge, ob ich mich dann an eine sol­che The­ma­tik über­haupt her­an­wa­gen muß – es ist ja ver­mut­lich kei­ne neue Erkennt­nis, daß der durch­schnitt­li­che Zuschau­er gern ein Hap­py End oder zumin­dest mehr beant­wor­te­te Fra­gen als offe­ne haben möch­te. Ich habe nichts gegen Andeu­tun­gen und ein biß­chen Unge­wiß­heit in einer Sto­ry, aber wenn ich einen zwei­ten Film sehen muß, um den ers­ten ver­ste­hen kann, läuft was falsch.

    Dei­ne zwei­te Bespre­chung ist übri­gens in mei­nen Augen mehr ein Plä­doy­er für den Film, weni­ger eine Hil­fe zum Ver­ständ­nis des­sel­ben. Dabei hat­te ich genau dar­auf gehofft. Mei­ne Fra­gen sind auch weni­ger meta­phy­sisch, son­dern es geht durch­aus um kon­kre­te­re Aspek­te der Hand­lung, die mir unklar sind – ohne hef­ti­ge Spoi­ler kann ich die hier aber nicht stellen.

    Mir hat der Film an sich sehr gut gefal­len, hat mich aber abso­lut unbe­frie­digt wie­der in die Rea­li­tät ent­las­sen, ein­fach weil für mich deut­lich zu vie­le Fra­gen offen blieben.

  4. Hal­lo Martin,
    eine Hil­fe zum Ver­ständ­nis des Films kann man viel­leicht nur geben, wenn man eine aus­führ­li­che­re Inhalts­an­ga­be hat. Die von IMDB ist dabei nicht schlecht: http://www.imdb.com/title/tt1446714/synopsis
    Ich glau­be, das spoi­lern mit einem klei­nen Hin­weis hier kein Pro­blem dar­stellt. Außer­dem dürf­te der Film mitt­ler­wei­le bei jedem Inter­es­sier­ten durch sein.
    Ein Plä­doy­er für den Film, war nicht so ganz beab­sich­tigt, eher der Ver­such mit mir sel­ber ins Rei­ne zu kom­men. Denn ich war total begeis­tert von dem Film,obwohl mich zeit­gleich die offe­nen Fra­gen zurück­ge­wor­fen haben. Einem fra­gen­den Kol­le­gen habe ich sagen müs­sen, das ich begeis­tert war, ihn aber nicht emp­feh­len kann, oder will. Schwie­ri­ger Film.

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