Ist ein »Humble eBook Bundle« in Deutschland möglich?

Ich hat­te mehr­fach dar­über berich­tet, dass die Hum­ble Bund­le Inc. nach meh­re­ren Spie­le­bund­les zuletzt auch eBooks im Pro­gramm hat­te. Kur­ze Erin­ne­rung dazu: es wer­den Inde­pen­dent-Spie­le bezie­hungs­wei­se in letz­te­rem Fall eBooks im Paket ange­bo­ten, man darf dafür zah­len, was man möchte.

Mich inter­es­sier­te die Fra­ge, ob eine sol­che Akti­on auch in Deutsch­land mög­lich wäre, oder ob das – wie ich ver­mu­te­te – nach Ansicht des Bör­sen­ver­eins gegen das Buch­preis­bin­dungs­ge­setz ver­stößt. Da ich kei­ne recht­li­che Aus­bil­dung habe, bin ich nicht in der Lage, eine sol­che Fra­ge selbst zu beant­wor­ten, aller­dings hat­te ich mit einer Anfra­ge beim Jus­ti­zi­ar des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels in der Ver­gan­gen­heit posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht und mir war zudem signa­li­siert wor­den, dass ich auch wei­te­re Anfra­gen in die­ser Rich­tung im Rah­men mei­ner Bericht­erstat­tung über eBooks und Self­pu­bli­shing ger­ne stel­len dürfe.

Des­halb frag­te ich nach.

Mei­ne ursprüng­li­che Mail:

Sehr geehr­te Damen und Herren,

ich bit­te dar­um, die fol­gen­de Anfra­ge an ihren Jus­ti­zi­ar wei­ter zu leiten.

Wie Ihnen mög­li­cher­wei­se bekannt ist, gibt es eine Akti­on der US-Fir­ma Hum­ble Bund­le Inc. Die­se bie­tet zusam­men mit den Ent­wick­lern von Inde­pen­dent-Com­pu­ter­spie­len immer wie­der soge­nann­te »Hum­ble Indie Bund­les« an, in deren Rah­men man eini­ge Spie­le erwer­ben. Für die­se gibt es aller­dings kei­nen fes­ten Preis, man kann bezah­len was man möch­te. Die Ein­nah­men wer­den unter den Autoren, der Fir­ma Hum­ble Bund­le und zu wohl­tä­ti­gen Zwe­cken aufgeteilt.

Aktu­ell läuft unter

http://www.humblebundle.com

das »Hum­ble eBook Bund­le« in des­sen Rah­men das­sel­be Prin­zip für eBooks in Anwen­dung kommt. Bei einem der Bücher han­delt es sich um das gera­de erst erschie­ne­ne PIRATE CINEMA des SF-Autors, Urhe­ber­rechts­exper­ten und Netz­ak­ti­vis­ten Cory Doctorow.

Mei­ne Frage:

Wäre eine sol­che »zahl was Du willst«-Aktion in Deutsch­land eben­falls mög­lich oder wür­den Sie dies als Ver­stoß gegen die Buch­preis­bin­dung sehen? Falls Letz­te­res bit­te ich um eine Begründung.

Für eine Ant­wort bedan­ke ich mich im voraus.


Mit freund­li­chem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tas­ti­sche Nachrichten

Die ers­te Ant­wort fiel äußerst knapp aus und beschränk­te sich im Wesent­li­chen auf die Aussage:

nach Rück­spra­che in der Abtei­lung gehen wir davon aus, dass eine sol­che Akti­on in Deutsch­land nicht zuläs­sig ist. Zumin­dest gilt das für deut­sche E‑Books, da die­se preis­ge­bun­den sind. Eine sol­che Akti­on wür­de die Preis­bin­dung unter­lau­fen. Ich hof­fe, Ihre Fra­ge ist damit beantwortet.

Das war mir als Ent­geg­nung zu dünn, ich hat­te mit einer deut­lich inhalt­lich begrün­de­ten Ant­wort gerech­net, wie wei­land bei mei­ner Anfra­ge an den Jus­ti­zi­ar zum The­ma Buch­preis­bin­dung für im Rah­men von Self­pu­bli­shing erschie­ne­nen eBooks. Des­we­gen hak­te ich nach:

Ich hat­te nach mei­ner letz­ten Anfra­ge, die von ihrem Jus­ti­zi­ar freund­li­cher­wei­se aus­führ­lich beant­wor­tet wur­de, mit einer inhalt­lich detail­lier­te­ren Ant­wort und Begrün­dung gerech­net als »wir gehen davon aus«. Mei­ner Ansicht nach ist der Fall näm­lich nicht so ein­fach gela­gert, wie Sie es hier dar­stel­len und es sind durch­aus Sze­na­ri­en mög­lich, unter denen die Buch­preis­bin­dung nicht greift.Beispiel: ein in Deutsch­land bereits exis­ten­tes eBook wird im Aus­land in einer Son­der­aus­ga­be pro­du­ziert und dann auch von einem aus­län­di­schen Anbie­ter in der genann­ten Form von einem Ser­ver in sei­nem Land ange­bo­ten. In die­sem Fall wür­de die Buch­preis­bin­dung nicht grei­fen, oder sehe ich das falsch? Sie ver­wei­sen ja in ihrer Ant­wort aus­drück­lich auf »in Deutsch­land«. Ins­be­son­de­re wäre die­ser Fall bei­spiels­wei­se für Self­pu­blisher inter­es­sant, die eBooks ohne ISBN anbieten.

Wei­te­re Sze­na­ri­en sind denkbar.

Hal­ten Sie es für ziel­füh­rend, sol­che Wer­be- und Ver­kaufs­ak­tio­nen mit Ver­weis auf die Buch­preis­bin­dung pau­schal als rechts­wid­rig ein­zu­stu­fen? Führt das nicht ins­be­son­de­re im Bereich eBook zwangs­läu­fig zu erheb­li­chen Wett­be­werbs­nach­tei­len für deut­sche Anbieter?

Für eine wei­te­re Ant­wort bedan­ke ich mich im voraus.

Dar­auf kam am heu­ti­gen Tage eine Ant­wort der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins, aus der ich die maß­geb­li­chen Pas­sa­gen mit Erlaub­nis zitie­re. Ich möch­te mich an die­ser Stel­le für die kurz­fris­ti­ge Bear­bei­tung bedanken.

Aus unse­rer Sicht ist eine »zahl was Du willst« – Akti­on in Deutsch­land nicht zuläs­sig, wenn preis­ge­bun­de­ne E‑Books ange­bo­ten wer­den. Ob und wann E‑Books preis­ge­bun­den sind, ist bis­lang noch nicht gericht­lich ent­schie­den wor­den. Für die Preis­bin­dung von E‑Books spricht jedoch der kla­re Wort­laut des Buch­preis­bin­dungs­ge­set­zes. Nach des­sen § 2 Abs. 1 sind Bücher auch Pro­duk­te, die Bücher, Musik­no­ten oder kar­to­gra­fi­sche Pro­duk­te repro­du­zie­ren oder sub­sti­tu­ie­ren und bei Wür­di­gung der Gesamt­um­stän­de als über­wie­gend ver­lags- oder buch­han­dels­ty­pisch anzu­se­hen sind. Es wird den­noch wohl nicht jeder Text, der in elek­tro­ni­scher Form ver­öf­fent­licht wird, auto­ma­tisch unter das Buch­PrG fal­len, wenn aber eine Datei z.B. eine Ent­spre­chung in der ana­lo­gen Welt hat, also als gedruck­tes Buch vor­liegt, oder wenn eine Datei wie ein gedruck­tes Buch aus­sieht, d.h. von einem Ver­lag stammt, ein Impres­sum, Cover etc. hat, wird in aller Regel ein preis­ge­bun­de­nes E‑Book vor­lie­gen. Dage­gen ist ein Pro­dukt, wel­ches ledig­lich eine gedruck­te Bro­schü­re im pdf-For­mat wie­der­gibt, kein Buch im Sin­ne des Gesetz. Auch soge­nann­te enhan­ced E‑Books fal­len ggf. nicht unter das Gesetz, wenn die Anrei­che­run­gen so sind, dass vom Ein­druck her eher ein Soft­ware­pro­dukt vor­liegt, d.h. kein Pro­dukt, wel­ches ein Buch substituiert.

Wenn E‑Books preis­ge­bun­den sind, dann muss der Ver­lag, auch der Selbst­ver­le­ger, gemäß § 5 Abs. 1 Buch­PrG einen Preis fest­set­zen. Dem­entspre­chend kann er es nicht dem Kun­den über­las­sen zu ent­schei­den, wie hoch der Preis sein soll. Hier nützt auch nicht die Her­stel­lung einer Son­der­aus­ga­be, denn auch für die­se muss ein Preis fest­ge­legt wer­den, wenn es sich um ein preis­ge­bun­de­nes E‑Book han­delt. Als Mar­ke­ting­ak­ti­on wäre aber ein zeit­wei­li­ges Ver­schen­ken von E‑Books mög­lich, dann muss dies jedoch über alle Platt­for­men gleich­zei­tig passieren.

Aus unse­rer Sicht greift die Buch­preis­bin­dung auch dann, wenn deut­sche Bücher/E‑Books auf einer aus­län­di­schen Web­sei­te bzw. von einem aus­län­di­schen Ser­ver aus ver­kauft wer­den und sich das Ange­bot bewusst an Kun­den in Deutsch­land rich­tet (z.B. deutsch­spra­chi­ges Ange­bot, wie z.B. ibook store). Ent­spre­chen­des gilt auch dann, wenn wäh­rend des Bestell­vor­gangs auf einen aus­län­di­schen Ser­ver umge­lei­tet bzw. über die­sen durch­ge­lei­tet wird. Auch eine aus­län­di­sche Platt­form – wie z.B. Ama­zon oder Apple – muss sich also an die deut­sche Buch­preis­bin­dung hal­ten, wenn deutsch­spra­chi­ge Bücher/E‑Books an Kun­den in Deutsch­land ver­kauft wer­den. Auch die­se Ein­schät­zung ist jedoch noch nicht gericht­lich bestä­tigt worden.

Für fremd­spra­chi­ge Bücher gilt das Gesetz dage­gen nicht (§ 2 Abs. 2 Buch­PrG), es sei denn, auch die­se sind für den deut­schen Markt (z.B. Bücher mit Voka­bel­hil­fe) her­ge­stellt worden.

Dass sol­che Ange­bo­te auf­grund des Buch­PrG in Deutsch­land nicht mög­lich sind, hat­te ich mir schon gedacht und erhielt die Bestätigung.

In der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins ist man aller­dings zudem der Ansicht, dass sogar spe­zi­ell im Aus­land für eine sol­che Akti­on pro­du­zier­te Son­der­aus­ga­ben der deut­schen Buch­preis­bin­dung unter­lie­gen. Das ist mei­ner Mei­nung nach ins­be­son­de­re in Zei­ten eines glo­ba­len Han­dels über das Inter­net eine über­aus gewag­te Ein­stel­lung, denn es gibt immer­hin neben Deutsch­land auch noch ande­re Län­der die Deutsch als Amts­spra­che haben. Wür­de man die­ser Argu­men­ta­ti­on fol­gen, wür­de sich jeder, der im Aus­land ein deutsch­spra­chi­ges eBook ver­kauft, das auch in Deutsch­land erwor­ben und gele­sen wer­den kann, eines Ver­sto­ßes gegen die deut­sche Buch­preis­bin­dung schul­dig machen? Das wird die deutsch­spra­chi­gen Schwei­zer nicht freu­en, denn dort gibt es kein Buch­preis­bin­dungs­ge­setz mehr, eine Volks­ab­stim­mung hat­te am 11. März 2012 das ent­spre­chen­de Gesetz abge­lehnt. Und wer will mich dar­an hin­dern, ein sol­ches Paket übers Inter­net in der Schweiz zu kaufen?

Eine Ana­lo­gie wäre es, wenn ich mein Manu­skript einem Anbie­ter in der Schweiz andie­ne und der ver­kauft es dort als eBook. Auch dann kann kein Ver­stoß gegen das deut­sche Buch­preis­bin­dungs­ge­setz vor­lie­gen. Und selbst wenn ich als Deut­scher in der Schweiz bestel­le: wer will das nachvollziehen?

Das beschrie­be­ne Sze­na­rio, dass ein Anbie­ter einen Ser­ver auf den Cai­man-Inseln mie­tet, aber expli­zit Deut­sche als Ziel­grup­pe hat, ist dabei mei­ner Ansicht nach ein völ­lig ande­res – und da ist die Mei­nung kon­form mit der Recht­spre­chung in ande­ren Berei­chen des Inter­net­han­dels: egal wo der Ser­ver steht, wenn das Ange­bot sich haupt­säch­lich oder aus­schließ­lich an Kun­den in Deutsch­land rich­tet, dann unter­liegt der Anbie­ter deut­schem Recht. Wie mein Bei­spiel mit der Schweiz zeigt, kann es aller­dings Grenz­fäl­le geben.

Bei all dem ist auf eine alte Bin­sen­weis­heit hin­zu­wei­sen: drei Anwäl­te, fünf Mei­nun­gen. Es han­delt sich um eine Ein­schät­zung der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins, Gerich­te mögen das anders sehen, aber dar­auf weist man ja auch schon selbst hin.

Nicht beant­wor­tet wird mei­ne Fra­ge, ob im inter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht erheb­li­che Wett­be­werbs­an­tei­le für deut­sche Anbie­ter enste­hen. Ich kann aller­dings nach­voll­zie­hen, dass die­se Fra­ge eher von der Pres­se- und Mer­ke­ting­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins zu beant­wor­ten wäre, da es sich nicht um ein recht­li­ches The­ma han­delt. Nicht nur mei­ner unmaß­geb­li­chen Mei­nung nach ent­ste­hen die­se Nach­tei­le aller­dings defi­ni­tiv, so schreibt bei­spiels­wei­se sogar Spie­gel online bereits 2010:

Mit wach­sen­der Nach­fra­ge ist es aber nur eine Fra­ge der Zeit, bis E‑Book-Shops irgend­wo im Aus­land begin­nen, auch E‑Books in deut­scher Spra­che anzu­bie­ten. Gegen die dann zu erwar­ten­den Son­der­an­ge­bo­te wird das buch­preis­bin­dungs­ge­schütz­te E‑Book deut­scher Mach­art dann wohl kaum eine Chan­ce haben.

Also letzt­end­lich genau mei­ne Rede. Ich wäre auch äußerst gespannt dar­auf, wie der Bör­sen­ver­ein einen Anbie­ter in – bei­spiels­wei­se – den USA oder der GUS und ohne deut­sche Ver­tre­tung tat­säch­lich wegen des deut­schen Buch­preis­bin­dungs­ge­set­zes abmah­nen oder ver­kla­gen möch­te (Bei­spie­le für sol­che Anbie­ter gibt es bereits, neh­men wir exem­pla­risch Smashwords, die expli­zit auch deutsch­spra­chi­ge Inhal­te zulas­sen). Die Rea­li­tät zeigt, dass in vie­len Staa­ten deut­lich schwe­re­re Geset­zes­ver­stö­ße nicht geahn­det wer­den, da wird eine Ver­fol­gung von Ver­stö­ßen gegen das Buch­PrG zur Nichtigkeit.

Als Quint­essenz muss man wie lei­der viel zu oft in ähn­li­che gela­ger­ten Fäl­len kon­sta­tie­ren: es bleibt schwie­rig. Dass die Buch­preis­bin­dung ins­be­son­de­re auf eBooks sich nicht mehr mit den durch das Inter­net geschaf­fe­nen Rea­li­tä­ten ver­trägt, tritt immer wie­der deut­lich zuta­ge. Für Autoren und Abie­ter, die an sol­chen lukra­ti­ven Wer­be­maß­nah­men wie dem »Hum­ble eBook Bund­le« inter­es­siert wären (und die damit Geld ver­die­nen könn­ten, eben auch ohne Ver­la­ge), bleibt die Rechts­la­ge zumin­dest so lan­ge unsi­cher, bis eine Klä­rung durch Gerich­te statt­ge­fun­den hat – und das kann Jah­re dau­ern. Zudem kommt man nicht umhin, fest­zu­stel­len, dass die Kla­gen und Unter­las­sungs­auf­for­de­run­gen die zu sol­chen Gerichts­ur­tei­len füh­ren könn­ten ins­be­son­de­re bei den deut­lich unsi­che­ren Fäl­len nicht exis­tie­ren. Man könn­te auf die Idee kom­men, dass nie­mand dar­an inter­es­siert ist, Prä­ze­denz­fäl­le zu erzeu­gen, die viel­leicht für Bran­che nega­tiv aus­fal­len könn­ten, da doch in den aller­meis­ten Fäl­len die immer wie­der auf­ge­stell­te Droh­ku­lis­se »Buch­preis­bin­dungs­ge­setz« aus­rei­chend zu sein scheint. Auch erscheint es mir äußerst rea­li­täts­fern, Self­pu­bli­shing-Wer­ke den­sel­ben rigi­den Regeln zu unter­wer­fen, wie Pro­duk­te einer pro­fes­sio­nel­len Ver­lags­land­schaft mit im Ver­gleich zum Selbst­ver­öf­fent­li­cher fast unbe­grenzt wir­ken­den Mit­teln. In mei­nen Augen ist das eine erheb­li­che Benach­tei­li­gung krea­ti­ver Privatpersonen.

Es bleibt zu hof­fen, dass das Buch­preis­bin­dungs­ge­setz im Sin­ne der Urhe­ber zumin­dest in Tei­len zügig an die Rea­li­tät ange­passt wird – doch ich befürch­te, dass das trotz gewis­ser Bestre­bun­gen auf EU-Ebe­ne vor­erst ein from­mer Wunsch blei­ben wird …

In nicht all­zu fer­ner Zukunft wird das Netz aber Fak­ten schaf­fen. Und ich lese bis dahin wei­ter­hin eng­lisch­spra­chi­ge eBooks.

[cc]

Bild: drei eRea­der von mir, CC BY-NC-SA

6 Kommentare zu „Ist ein »Humble eBook Bundle« in Deutschland möglich?“

  1. Dan­ke für die Nach­fra­ge, das ist einer der fun­dier­tes­ten Bei­trä­ge zur Preis­bin­dungs­de­bat­te, den ich bis jetzt gele­sen habe.

    Ich muss geste­hen, ich bin ein Freund der Buch­preis­bin­dung, aber gegen etwas mehr Fle­xi­bi­li­tät für Kleinst- und Selbst­ver­le­ger wäre nichts ein­zu­wen­den. Unbe­ant­wor­tet blieb auch die Fra­ge, ob die ISBN bei der Ein­schät­zung eines »Buchs« als eben­sol­chem eine Rol­le spielt, oder?

  2. Sie über­le­gen ja was pas­siert, wenn man die Akti­on ins Aus­land verlagert.
    Aber muss man das?
    Hat das Indie­bund­le wirk­lich kei­nen Preis? Man kann doch min­des­tens ein Dol­lar (viel­leicht sogar $0.01) bezah­len. Das kann man ja als Ver­kaufs­preis anse­hen, alles ande­re ist frei­wil­li­ge Spende.

    Und Buch­preis­bin­dung besagt ja auch nur, dass eine Aus­ga­be über­all wo sie ver­kauft wird das glei­che kos­ten soll.
    Aber eine Aus­ga­be muss, wenn ich rich­tig sehe, nicht über­all ver­kauft werden?! 

    Es gibt ja spe­zi­el­le, güns­ti­ge­re Welt­bild­ta­schen­bü­cher bzw. kann man ja sowie­so nicht alles über­all ver­kau­fen. PDF eBook bei Ama­zon geht nicht. Und es gibt ja kos­ten­lo­se Extra­aus­ga­ben- zum Bei­spiel wur­den beim letz­ten Lese­tag, Tag des Buchs (oder wie auch immer es heißt) Mil­lio­nen Bücher kos­ten­los ver­schenkt. Oder ein­fach KDP- will man den Preis ver­än­dern kön­nen, muss man eine zeit­lang eklu­siv nur auf Ama­zon sein.

    Also so könn­te ein hypo­the­ti­sches, deut­sches Bund­le so aus­se­hen- extra Aus­ga­ben der eBooks, also im Impres­sum oder Cover Ver­merk- »xyz-Bund­le Son­der­aus­ga­be », da darf man schon weni­ger Geld ver­lan­gen als bei ande­ren Anbietern.

    Das grö­ße­re Pro­blem ist der Preis- nun ja man kann doch als Preis deut­lich 1€ anset­zen und den Leu­ten klar machen, dass sie ger­ne mehr spen­den kön­nen, aber der Preis eben nur 1€ beträgt. Das muss ja auch nicht direkt im Zusam­men­hang mit dem Buch ste­hen- Ein­kaufs­korb extra Kos­ten­stel­le eBooks, eine Extra­kos­ten­stel­le Spen­de. Das wäre der gro­ße Unter­schied zum Expe­ri­ment der Ber­lin Sto­ry Ver­lags- dort hat das Buch nicht null, son­dern »das was ihr bezah­len wollt« gekostet.

    Beim Hum­ble Bund­le bezah­len die meis­ten Leu­te ja nicht nur den $1, son­dern mehr.

    Also die Akti­on wäre ange­passt auch in Deutsch­land mach­bar, nur müs­sen sich muti­ge Orga­ni­sa­to­ren fin­den – eBook Indie­au­to­ren las­sen sich auch leicht fin­den, selbst wenn die Akti­on schei­tert bekom­men sie ordent­lich PR und das Völk­chen will sicher­lich auch mehr Rech­te an dem eige­nen Werk besit­zen. Buch­preis­bin­dung ist dafür da um Autoren/Verlage vor Händ­lern zu schüt­zen und bei eBooks legt den Preis nicht der Händ­ler, son­dern der Autor fest.

    War­um muss der Orga­ni­sa­tor mutig sein? Selbst wenn die Akti­on recht­lich okay ist, Recht haben und Recht bekom­men sind zwei ver­schie­de­ne paar Schu­he. Es kann durch­aus sein, dass die stol­zen Buch­preis­wäch­ter vor­sorg­lich eine Abmah­nung ausstellen.

  3. Stefan Holzhauer

    Die Mög­lich­keit einer Son­der­aus­ga­be habe ich expli­zit erwähnt, die ließ man unbe­rück­sich­tigt – war­um nur … ?

    Ich habe eben­falls bereits dar­über nach­ge­dacht, dass die Spen­de nicht gezielt für die ein­zel­e­nen eBooks, son­dern für das Gesamt­pro­jekt gel­ten könn­te und das Geld am Ende auf­ge­teilt wird. Ich gehe aber davon aus

    Das mit der Abmah­nung ist genau der Grund, war­um ein even­tu­el­ler Orga­ni­sa­tor mutig sein muss. Da kom­men schnell tau­sen­de Euro zusam­men, wenn ein völ­lig über­zo­ge­ner Streit­wert ange­setzt wird. Es ist übri­gens irrig, anneh­men zu wol­len, dass nur im Auf­trag des Bör­sen­ver­eins abge­mahnt wer­den kann. Abmahn-Abzo­cker kön­nen das auch auf eige­ne Faust tun. Für Pri­vat­per­so­nen oder Frei­be­ruf­ler ist das finan­zi­el­le Risi­ko ein­fach zu groß. Es müss­te sich even­tu­ell eine Fir­ma oder Orga­ni­sa­ti­on fin­den, die auch bereit wäre, das not­falls vor Gericht durchzufechten.

    Wenn Sie sich der­art sicher sind, dass es so klap­pen muss: dann los! Ich bin schon sehr gespannt auf ihre Erfahrungen.

  4. Hal­lo,

    es ist gän­gi­ge Pra­xis, dass eta­blier­te gro­ße deut­sche Ver­la­ge die Preis­bin­dung umge­hen, indem sie Bund­les herausbringen.

    Nach gän­gi­ger Inter­pre­ta­ti­on und Pra­xis ent­steht durch das Bund­le ein neu­es Pro­dukt (das Bund­le), für das ein Preis neu und unab­hän­gig von den Kom­po­nen­ten fest­ge­legt wer­den kann. Das Bund­le darf auch ins­ge­samt bil­li­ger sein, als eine ent­hal­te­ne Kom­po­nen­te. Das sagt Dir nur der Bör­sen­ver­ein als Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on so nicht direkt, aber die Mit­glie­der des Bör­sen­ver­eins han­deln so.
    (Durch die­se Pra­xis ist es völ­lig egal, ob das Preis­bin­dungs­ge­setz für eBooks gilt oder nicht, weil die eta­blier­ten Ver­la­ge das mit gedruck­ten Büchern machen, für die das Preis­bin­dungs­ge­setz gilt.)

    Etwas ande­res ist die Fra­ge nach »zahl was Du willst«. Dafür ken­ne ich kei­ne gän­gi­ge Pra­xis. Nach der oben genann­ten Pra­xis IST ein Bund­le aber kein Buch, son­dern ein eigen­stän­di­ges Pro­dukt aus Büchern.

    Gerd

    P.S. als Self­pu­blisher habe ich Inter­es­se dar­an, mit Autoren­kol­le­gen aus mei­nem The­men­ge­biet Bund­les anzu­bie­ten. Wer also so eine Platt­form zum Ver­kauf von eBook-Bund­les hat: ich orga­ni­sie­re das Bundle :-)

  5. Auch wenn der Arti­kel bereits recht alt ist: Inter­es­san­te Sicht­wei­se. Hast Du ein kon­kre­tes Bei­spiel für ein sol­ches von Dir genann­tes »Bund­le« eines gro­ßen deut­schen Ver­lags? Wann, wo und wie han­deln die Mit­glie­der des BoeV so? Ich brau­che Quel­len, Details, um mehr zu die­sem Aspekt sagen zu kön­nen, bzw ihn zu bewer­ten. Wenn das stim­men soll­te, wer­den Self­pu­blisher vom BoeV kräf­tig verar…albert. Es müs­sen aller­dings kon­kre­te Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen her.

    Das mit der Platt­form ist aber genau das Pro­blem. Der Ver­käu­fer könn­te einer Stö­rer­haf­tung unter­zo­gen wer­den. Ob sich den Rechts­weg nach der Abmah­nung durch den Buch­preis­treu­hän­der jemand antun möchte?

    Edit:

    Ich kann das mit den Bund­les ehr­lich gesagt nicht so ganz glau­ben, ich zitie­re mal §2 des BuchPrG:

    § 2 Anwendungsbereich

    (1) Bücher im Sin­ne die­ses Geset­zes sind auch

    1. Musik­no­ten,
    2. kar­to­gra­phi­sche Produkte,
    3. Pro­duk­te, die Bücher, Musik­no­ten oder kar­to­gra­phi­sche Pro­duk­te repro­du­zie­ren oder sub­sti­tu­ie­ren und bei Wür­di­gung der Gesamt­um­stän­de als über­wie­gend ver­lags- oder buch­han­dels­ty­pisch anzu­se­hen sind sowie
    4. kom­bi­nier­te Objek­te, bei denen eines der genann­ten Erzeug­nis­se die Haupt­sa­che bildet.

    (2) Fremd­spra­chi­ge Bücher fal­len nur dann unter die­ses Gesetz, wenn sie über­wie­gend für den Absatz in Deutsch­land bestimmt sind.
    (3) Letzt­ab­neh­mer im Sin­ne die­ses Geset­zes ist, wer Bücher zu ande­ren Zwe­cken als dem Wei­ter­ver­kauf erwirbt.

    Sie­he den Punkt: »kom­bi­nier­te Objek­te, bei denen eines der genann­ten Erzeug­nis­se die Haupt­sa­che bil­det«. Das wäre ein Bund­le, zwar kom­bi­niert, aber alles Bücher, unter­liegt damit der Buchpreisbindung.

    Aber an kon­kre­ten Bei­spie­len wie und wo nam­haf­te deut­sche Ver­la­ge Bund­les anbie­ten, wäre ich jetzt noch mehr interessiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies und von eingebundenen Skripten Dritter zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest (Navigation) oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst Du Dich damit einverstanden. Dann können auch Cookies von Drittanbietern wie Amazon, Youtube oder Google gesetzt werden. Wenn Du das nicht willst, solltest Du entweder nicht auf "Akzeptieren" klicken und die Seite nicht weiter nutzen, oder Deinen Browser im Inkognito-Modus betreiben, und/oder Anti-Tracking- und Scriptblocker-Plugins nutzen.

Mit einem Klick auf "Akzeptieren" werden zudem extern gehostete Javascripte freigeschaltet, die weitere Informationen, wie beispielsweise die IP-Adresse an Dritte weitergeben können. Welche Informationen das genau sind liegt nicht im Einflussbereich des Betreibers dieser Seite, das bitte bei den Anbietern (jQuery, Google, Youtube, Amazon, Twitter *) erfragen. Wer das nicht möchte, klickt nicht auf "akzeptieren" und verlässt die Seite.

Wer wer seine Identität im Web schützen will, nutzt Browser-Erweiterungen wie beispielsweise uBlock Origin oder ScriptBlock und kann dann Skripte und Tracking gezielt zulassen oder eben unterbinden.

* genauer: eingebettete Tweets, eingebundene jQuery-Bibliotheken, Amazon Artikel-Widgets, Youtube-Videos, Vimeo-Videos

Schließen