AVATAR: FIRE AND ASH – Deutschlandstart 17.12.2025
(kann Spuren von Spoilern enthalten)
Es hatte lange (laaange) gedauert, bis zu James Camerons bahnbrechendem 3D-Film AVATAR eine Fortsetzung in die Kinos kam. 14 Jahre, in der Zeit lösen sich andere Franchises in Wohlgefallen auf. Umso größer die Überraschung, als 2022 die Fortsetzung THE WAY OF WATER endlich seinen Weg in die Lichtspielhäuser fand. Na gut, die Story gewann keine Preise für besondere Tiefe oder Originalität, aber immerhin waren die Unterwasser- und anderen Szenerien erneut bahnbrechend, sodass man ihnen das nachsah (ich zumindest).
Gerade mal drei Jahre später wird die Story um die Familie von Sully und seinen Angehörigen fortgesetzt, die den Namen Patchwork-Familie nun aber mal wirklich verdienen. Und erneut kleckert Cameron nicht bei der Länge, sondern klotzt, mit drei Stunden und 17 Minuten ist der dritte Teil noch länger geraten, als der zweite.
Die gute Nachricht vorneweg: Langweilig ist das trotz der Länge nicht.
Allerdings muss ich für mich ganz klar sagen, dass es dem Film gut getan hätte, ihn ein wenig zu kürzen. Beim Versuch, so viel wie möglich in FIRE AND ASH zu packen und allen Protagonist°innen irgendwie ausreichend Platz in der Geschichte zu gönnen, ist er inhaltlich etwas aus dem Ruder gelaufen. Normalerweise würde ich es auch begrüßen, wenn man sich Zeit für die Figuren nimmt, allerdings haben es Drehbuch und Regie nicht geschafft, das irgendwie zu kanalisieren, irgendeinen stringenten Kern zu finden, an denen man sich entlanghangeln kann. Und so wirkt der Film aufgrund seiner zahllosen Handlungsträger und dem ständig wechselnden Perspektiven in meinen Augen zerfahren.
Dazu kommt, wie eben schon angedeutet, dass man versucht hat, so viel wie möglich in FIRE AND ASH zu packen und dazu tendiert, noch mal einen draufzusetzen und nochmal und nochmal. Tatsächlich bin ich der Ansicht, dass es Figuren und Handlung gut getan hätte, wenn man sich hier ein wenig zurückgenommen hätte.
Problematisch ist daran zudem, dass es in Sachen Schauwerte zwar wieder viel zu sehen gibt und man wieder sehr, sehr tief in die digitale Trickkiste gegriffen hat, aber es fehlte der „Boah!-Effekt“, denn man hatte (zu recht) den Eindruck, das alles schon mal gesehen zu haben. Man verstehe mich nicht falsch: Die animierten Na’vi und auch die Flora, Fauna und Szenerien des Planeten Pandora sind in Sachen Qualität noch mal besser geworden, als bei WAY OF THE WATER und da auch hier wieder auch auf kleinste Details im Hintergrund geachtet wurde, macht es schon viel Freude, den Planeten erneut zu besuchen.
Auch wenn die Handlung diesmal wenigstens etwas elaborierter ist, als beim zweiten Teil, bleibt sich Cameron allerdings darin treu, dass die hinter den VFX zurückbleibt. Sie trieft von Pathos und Klischees, viele der Figuren bleiben holzschnittartig, und man gibt ihnen (von Minimalismen und zu Offensichtlichem abgesehen) nicht wirklich die Möglichkeit, sich vielleicht mal weiter zu entwickeln.
Besonders auffällig ist das Dilemma bei der Anführerin der Ash-Na’vi, Varang. Die wird ziemlich platt als zweite Antagonistin neben Colonel Quaritch aufgebaut, natürlich tun sic h die beiden zusammen. Hatte der Trailer noch angedeutet, dass die Ash People eine größere Rolle im Film spielen, stimmt das so tatsächlich nicht. Und bei Varang wurde zudem vergessen, sie akzeptabel als Antagonistin zu motivieren. Wenn sie kurz ihre Hintergrundgeschichte anreißt, dann wären allein aufgrund dieser Möglichkeiten zuhauf vorhanden gewesen, sie als weniger platte Böse zu inszenieren. Dazu kommt, dass sie relativ schnell zum Sidekick vom Colonel wird, statt eine eigenständige, starke Persönlichkeit zu sein, und das passt nicht zu dem, wie die Figur zu Beginn des Films eingeführt wird. Hier hätte ich mir deutlich mehr versprochen und gewünscht und es wäre auch mehr möglich gewesen, inklusive einer Läuterung, wenn der Colonel eh der Oberböswatz bleiben soll. Aber man brauchte ihr Volk noch für einen vorhersehbaren Aha-Effekt im Showdown.
Und es ist auch schade, dass die Ash People nicht so im Fokus stehen, wie es im Trailer angedeutet wurde, denn so ist es am Ende dann doch wieder „nur“ derselbe Konflikt Na’vi gegen Menschen. Ich hätte mir von den Storyautor°innen hier deutlich mehr Mut zu etwas anderem gewünscht, zu etwas mehr Variation.
Der Showdown wirkt dann wie eine Kopie des Showdowns im ersten Film, inklusive sinnloser Tode von Nebenfiguren, plus ein deus ex machina.
Klingt alles ziemlich negativ? Ich weiß. Deswegen möchte ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich mich in keiner Sekunde gelangweilt habe, FIRE AND ASH ist ein äußerst unterhaltsamer Film, trotz seiner Länge und es ist auch ein sehenswerter Film, umso bedauerlicher finde ich es, an wie vielen Stellen er hätte deutlich besser sein können, mit etwas mehr Fokus und Stringenz, weniger Klischees und Pathos und eben auch mehr Originalität und weniger Vorhersehbarkeit.
Die Synchro ging im Großen und Ganzen in Ordnung, an ein paar Stellen merkte man mal wieder, dass man die Übersetzung hart verpatzt hat, aber das war deutlich weniger schlimm als in anderen Filmen bei denen ich mich über die Übersetzung beschwere.
Und auch wenn man das meiste an Schauwerten in FIRE AND ASH irgendwie schon mal gesehen hat, bleibt die Welt Pandora und bleiben auch ihre Besucher immer wieder sehenswert, umso mehr in der HFR-Fassung, die ich mir angesehen habe. Manche mögen sich über den Soap Opera-Look beschweren, aber bei opulenten, schnellen 3D-Filmen wie AVATAR ist es meiner Ansicht nach eine reine Freude, den in hoher Bildfrequenz zu sehen, weil es die Brillanz und Eindrücklichkeit der Bilder deutlich erhöht (und der Film wurde auch deutlich heller projiziert, als manch anderer 3D-Streifen, keine Ahnung, ob das mit HFR zu tun hat).
Fazit: Wer die Welt mag und wissen will, wie es mit Familie Na‘vi-Sully weiter geht, macht ganz sicher nichts falsch damit, ins Kino zu gehen. Schade finde ich es persönlich, dass Inszenierung und Stringenz weit hinter den erneut spektakulären Spezialeffekten zurückbleiben, dass die Handlung wieder voller Klischees ist, und nicht genau weiß, um welche Figuren es denn hier eigentlich gehen soll. Ich würde das alles mit „zu viel gewollt“ umschreiben.
Ich habe mich über die happigen 17,90 Euro Kartenpreis (inklusive Cinestar-Kartenrabatt) nicht geärgert, das ging alles bei der Länge und in HFR schon in Ordnung. Aber schade, dass so viel mehr möglich gewesen wäre. Vielleicht sucht man für den nächsten beiden mal nach anderen Storyautor°innen. Teil vier soll übrigens 2029 ins Kino kommen und Teil fünf 2031 … Genug Zeit, mal darüber nachzudenken, dass weitere Selbstplagiate vermutlich nicht mehr ausreichen dürften und wie weit man die Pocahontas-Analogien und die »gone native«-Nummer noch treiben kann.
AVATAR – FIRE AND ASH
Besetzung: Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Oona Chaplin, Kate Winslet, Cliff Curtis, Joel David Moore, CCH Pounder, Edie Falco, Brendan Cowell, Jemaine Clement, Giovanni Ribisi, David Thewlis, Britain Dalton, Jack Champion,Trinity Jo-Li Bliss, Jamie Flatters, Bailey Bass u.v.a.m.
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver nach einer Story von James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver, Josh Friedman, Shane Salerno
Produzenten: Jon Landau, James Cameron
Ausführende Produzenten: Richard Baneham, Rae Sanchini, David Valdes
Kamera: Russell Carpenter
Schnitt: David Brenner, James Cameron, Nicolas De Toth, Jason Gaudio, John Refoua, Stephen E. Rivkin
Musik: Simon Franglen
Produktionsdesign: Dylan Cole, Ben Procter
Casting: Margery Simkin
197 Minuten
USA 2025
Promofotos © ? Walt Disney Company, 20th Century Studios & Lightstorm Entertainment




