Polenta al Mango! MINIONS & MONSTERS

Poster Minions & Monsters - Monion in einem orangefarbenen Blob mit vielen Augen

MINIONS & MONSTERS – Deutsch­land­start 01.07.2026

Kann Spu­ren von Spoi­lern ent­hal­ten.
(Aber nicht wirk­lich. Einen Film in dem der­ma­ßen viel los ist, kann man nicht spoi­lern)

Die klei­nen gel­ben Anarcho-Wich­tel Mini­ons erfreu­en sich seit ihrem ers­ten Auf­tre­ten in DESPICCABLE ME gro­ßer Beliebt­heit. Das ist auch kein Wun­der, die unka­putt­ba­ren zitro­ni­gen Knub­bel sind ein­fach herz­er­fri­schend wit­zig in ihrer über­dreht-nai­ven Cha­os-Kla­mauk-Art.

In der Ver­gan­gen­heit hat­te sich aller­dings mei­ner Ansicht nach gezeigt, dass sie allein und mit ihren Spe­renz­chen nicht unbe­dingt in der Lage waren, eine Hand­lung zu tra­gen, da zu einem Film, den man über die gesam­te Lauf­zeit durch­hält, eben mehr gehört, als durch­ge­hen­de Come­dy-Chao­tik. Womit ich nicht sagen will, dass die Vor­gän­ger schlecht oder nicht lus­tig waren. Aber der hier ist bes­ser.

In MINIONS & MONSTERS schafft man einen Groß­teil dar­in, dem gan­zen noch wei­te­re Ebe­nen zu geben, dadurch, dass man es in der gol­de­nen Auf­bruchs­zeit Hol­ly­woods han­deln lässt, den 1920er Jah­ren.

Und das ist es dann auch, was Cine­as­ten beglückt.

Denn Dreh­buch und Sto­ry geben sich äußerst viel Mühe dar­in, die­ses Set­ting auch genüss­lich aus­zu­kos­ten. Das fängt schon damit an, dass die Gelb­gno­me im Vor­spann in klas­si­schen Zoetro­pe-Ani­ma­tio­nen zu sehen sind. Ein­schub: Für die Unein­ge­weih­ten: Zoetro­pes waren eine frü­he tech­ni­sche (ent­wi­ckelt in den 1830ern) Mög­lich­keit, beweg­te Bil­der anzu­zei­gen, im Prin­zip eine Art rotie­ren­des Dau­men­ki­nos. Auf der Innen­sei­te einer Trom­mel die mit ver­ti­ka­len Schlit­zen ver­se­hen war, befan­den sich fort­lau­fen­de Ein­zel­bil­der. Sah man durch die Schlit­ze und ließ die Trom­mel rotie­ren, fin­gen die Bil­der durch die Syn­chro­ni­zi­tät der Bil­der mit den Schlit­zen an zu lau­fen. Es gibt ein paar sehr klas­si­sche Zoetro­pes mit zum Bei­spiel Ele­fan­ten oder Pfer­den und noch ein paar mehr, und in die haben sie die Mini­ons hin­ein­ani­miert.

Und damit ist das zen­tra­le The­ma eigent­lich auch schon klar: die US-Film­bran­che im All­ge­mei­nen und Hol­ly­wood im Beson­de­ren. dass es nicht gut gehen kann, wenn man die gel­ben Chao­ten auf Tin­sel­town los­lässt, ver­steht sich von selbst und es kommt selbst­ver­ständ­lich nicht nur zu einem erwart­ba­ren Cha­os, son­dern gleich zu meh­re­ren davon.

Man macht aus­gie­big vom Set­ting Gebrauch, teil­wei­se in selbst­re­flek­tie­ren­der Wei­se, aber ganz sicher auf eine Art, die Cineast°Innen und Freund°Innen klas­si­scher Freun­de doch erheb­lich erfreu­en dürf­te, denn man hat eine der­ma­ßen gro­ße Men­ge an Oster­ei­ern in die­sem Film ver­steckt, dass man sie kei­nes­falls in nur einer Sich­tung alle ent­de­cken kann. Dabei toben die Mini­ons durch die Stadt und qua­si im Vor­bei­ge­hen stellt man fest, dass sie offen­bar für eini­ge der iko­nischs­ten klas­si­schen Film­sze­nen ver­ant­wort­lich sind. Das ist aber nie Selbst­zweck, das wird so vir­tu­os in das Cha­os ein­ge­baut, dass es schlicht­weg eine hel­le Freu­de ist. Und die Macher haben es tat­säch­lich geschafft, das so orga­nisch ein­zu­bau­en, dass es nie irgend­wie auf­ge­setzt wirkt, son­dern es passt ein­fach alles. Dabei sieht man gern dar­über hin­weg, dass man­che der zitier­ten Fil­me ganz sicher nicht 1927 in Hol­ly­wood pro­du­ziert wur­den, son­dern in Tei­len deut­lich davon oder im Fall von Film Noir deut­lich danach. Aber das ver­zeiht man MINIONS & MONSTERS ange­sichts der inves­tier­ten Lie­be zur Mate­rie ein­fach mal. Und neben all den Zita­ten steht über­all Zeug her­um, das man in Zusam­men­hang mit Film und Hol­ly­wood brin­gen kann.

Zu benen­nen, wer das his­to­ri­sche Vor­bild für den öster­rei­cheln­den Regis­seur Max (in der eng­li­schen und deut­schen Fas­sung gespro­chen von Chris­toph Waltz) ist, das über­las­se ich Per­so­nen, die tie­fer in der Mate­rie drin sind.

Und weil es mit Sei­ten­hie­ben und einer lie­be­vol­len Hom­mage auf Hol­ly­wood noch nicht getan ist, bringt man auch noch chtulho­iden Hor­ror mit ins Spiel, wenn Mini­on-Film­fan Kevin um mit sei­nen Kum­pels einen Mons­ter­film dre­hen zu kön­nen au der Suche nach sol­chen sind und – da ist doch noch die­ses alte, böse Zau­ber­buch von dem Magi­er aus der Vor­ge­schich­te. Das gigan­ti­sche Chtul­hu-arti­ge Mons­trum im Buch, das man beschwört ist dann aller­dings eher die Nied­lich-Vari­an­te von Chtul­hu, heißt Goo­mi und will als Film­mons­ter nicht so recht beein­dru­cken. Er kennt aller­dings nach eige­nem Bekun­den noch ein paar echt gro­ße Mons­ter (Phil­ips und Howard), die man für den Film ein­sam­meln kann – und das Schick­sal nimmt sei­nen Lauf. Kai­ju, sowie ande­re Mons­ter­fil­me bekom­men eben­so ihr Fett weg, wie eben das Chtul­hu-Mythos (ich sag nur Dagon mit Muschel­bi­ki­ni) und auch ein paar THE BLOB-Remi­nis­zen­zen sind nicht nur ange­deu­tet.

Das drit­te, wenn auch nur gestreif­te, Gen­re, das eben­falls noch in den Mix kommt, ver­ra­te ich nicht. Es ist aller­dings so, dass es eine Neben­fi­gur gibt, bei der man sich immer wie­der fragt, was die jetzt eigent­lich bei dem Gan­zen auch noch soll, was aber am Ende klar wird und für eine über­ra­schen­de Auf­lö­sung sorgt.

MINIONS & MONSTERS ist eine rei­ne Freu­de. Er ist hoch­un­ter­halt­sam, hoch­chao­tisch, hoch­wit­zig und schafft es zudem auch noch, sei­ne zahl­lo­sen Zita­te und Oster­ei­er schön orga­nisch gekonnt in das Cha­os mit ein­zu­bau­en. Mei­ner Ansicht nach ist das mit Abstand der bes­te der MINI­ONS-Fil­me. Denn er erfreut Cineast°Innen durch sei­ne zahl­lo­sen Zita­te eben­so wie Per­so­nen, die sich nicht in jedem Detail mit klas­si­schem Hol­ly­wood aus­ken­nen und selbst Kin­der, die von all dem nichts wis­sen, habe ihren Spaß an den irren Gno­men und den unzäh­li­gen völ­lig beklopp­ten Ideen in MINIONS & MONSTERS.

Dazu kommt ein nur als bril­li­ant zu bezeich­nen­der Sound­track, dies­mal nicht vom MINI­ONS-Haus- und Hof­kom­po­nis­ten Hei­tor Perei­ra (der war mit ANGRY BIRDS 3 beschäf­tigt), der Score stammt von John Powell. Abge­se­hen von den diver­sen The­me-Zita­ten, dar­un­ter natür­lich »Hoo­r­ay Fo Hol­ly­wood«, lie­fert der einen the­ma­tisch und inhalt­lich so gut pas­sen­den Sound­track ab, dass es eine rei­ne Freu­de ist, ins­be­son­de­re ange­sichts so vie­ler belie­big aus­tausch­ba­rer Film­mu­si­ken der letz­ten Jah­re.

Man merkt: Ich bin hin und weg. MINIONS & MONSTERS ist ein durch und durch über­zeu­gen­der, urlus­ti­ger Come­dy-Ani­ma­ti­ons­film um die Cha­os­wich­tel, der zudem jede Men­ge Fan­ser­vice für Cineast°Innen bie­tet.

Und Am Ende wirds dann noch­mal so rich­tig Meta. Gro­ßes Kino – nie pass­te der Satz bes­ser.

p.s.: Der Gast­auf­tritt im Glas­kas­ten hat sich übri­gens selbst gespro­chen, sein ers­ter Cameo seit 2005. Ihr wer­det sehen, wen ich mei­ne. :)

MINIONS & MONSTERS
Beset­zung:
Spre­cher ori­gi­nal: Pierre Coff­in (alle Mini­ons), Alli­son Jan­ney, Chris­toph Waltz, Jeff Bridges, Jes­se Eisen­berg, Trey Par­ker, Zoey Deutch, Bob­by Moy­ni­han, Phil LaMarr und ande­re
Spre­cher deutsch: Pierre Coff­in (alle Mini­ons), Chris­toph Waltz, Bill Kau­litz, Tom Kau­litz (der Rest war nicht her­aus­zu­fin­den),
Regie: Pierre Coff­in
Dreh­buch: Pierre Coff­in, Bri­an Lynch
Pro­du­zen­ten: Chris­to­pher Mele­dan­dri, Bill Ryan
Aus­füh­ren­de Pro­du­zen­ten: Bri­an Lynch, Chris Renaud
Schnitt: Gre­go­ry Per­ler
Musik: John Powell
90 Minu­ten
USA 2026

Pro­mo­fo­tos Copy­right Uni­ver­sal Pic­tures

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