Englische eBooks und ihre unerklärlichen Preise in deutschen Shops

Im Rahmen der Tests verschiedener Onlineshops für Bücher und eBooks war ich über die Tatsache gestolpert, dass englischsprachige eBooks auf allen bislang getesteten Plattformen erheblich teurer angeboten werden, als bei Amazon. Da mich die Hintergründe hierfür interessierten, fragte ich bei Shopbetreibern nach. Deren übereinstimmender Aussage zufolge haben die kaum eine Variationsmöglichkeit bei den Preisen. Warum? Die englischsprachigen eBooks werden von sogenannten Aggregatoren bezogen. Davon gibt es drei große in Deutschland, nämlich libri.digital, libreka! und ciando.

Für mich lag es aufgrund dieser Aussage nahe, bei den “Aggregatoren” nachzufragen. Die Antworten finden sich in diesem Artikel.

Meine erste Anfrage, die an libri@libri.de, info@mvb-online.de und info@ciando.com ging, lautete:

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen einer Artikelserie teste ich derzeit verschiedene deutsche Onlineshops im Bereich Printbuch und eBooks.

Dabei entdeckte ich die Tatsache, dass englischsprachige eBooks in Deutschland hauptsächlich von drei Aggregatoren für die Shops zur Verfügung gestellt werden. Auf Nachfrage teilte man mir mit, dass man selbst an den Preisen nicht viel machen könne, da diese durch diese Aggregatoren festgelegt werden.

Da libri.digital einer dieser Großhandelsanbieter ist, bitte ich darum, folgende Frage zu beantworten. Ich weise darauf hin, dass die Antwort in einem Artikel auf meinem Portal thematisiert werden wird. Dieselbe Frage werde ich auch libreka und ciando stellen.

Warum ist der Endpreis englischsprachiger eBooks auf deutschen Plattformen in der Regel doppelt bis dreimal so hoch wie bei Amazon?

Für eine Beantwortung bedanke ich mich im voraus.

Mit freundlichem Gruß,
Stefan Holzhauer

PhantaNews.de
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Die erste Antwort kam von ciando:

Der Grund für die unterschiedliche Preisgestaltung englischsprachiger eBooks liegt darin, dass englischsprachige Bücher nicht der Buchpreisbindung unterliegen. Deshalb sind die Preise englischsprachiger eBooks frei kalkulierbar.

Diese Aussage hielt ich für nicht so recht nachvollziehbar, denn “freie Preisgestaltung” hin oder her, dadurch allein könnte man minimale Abweichungen erklären, allerdings wahrlich nicht doppelte oder gar dreifache Preise. Deswegen fragte ich nach. Bei ciando wünschte man sich daraufhin für eine detailliertere Antwort konkretere Beispiele.

Zwischendurch meldete sich auch libri.digital:

Als Großhändler bieten wir mit Libri.Digital auch im digitalen Bereich eine Großhandelsplattform, die Buchhändlern und Online-Händlern den Handel mit eContent-Produkten vom eBook bis zum Audio-Download ermöglicht. Jedem angeschlossenen Online-Shop können wir derzeit über 180.000 deutschsprachige und 53.000 internationale eBooks sowie etwa 10.000 deutschsprachige und mehr als 1.000 fremdsprachige Audiobook-Downloads zur Verfügung stellen. Zu Ihrer Frage im Hinblick auf das Pricing englischsprachiger eBooks: Die Preisstellung für nicht preisgebundene Produkte unterliegt den Händlern.

Aha. Erst PR-Geschwurbel (und die halten 53000 internationale eBooks für eine tolle Zahl?), dann “die Preisgestaltung ‘unterliegt’ den Händlern”. Diese hatten mir allerdings erläutert, dass sie aufgrund der Preisvorgaben seitens der Aggregatoren kaum Gestaltungsmöglichkeiten haben. Was ich inzwischen auch glaube.

Daraufhin stellte ich allen drei angesprochenen Aggregatoren im Rahmen einer Nachfrage eine weitere Erläuterung zur Verfügung:

Ich teste gerade verschiedene Onlineshops für Bücher und eBooks, um festzustellen, ob es tatsächlich nutzbare Alternativen zu Amazon gibt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf englischsprachigen Büchern und eBooks aus dem Bereich Science Fiction & Fantasy. Meine Erkenntnis dabei ist, dass die weitaus meisten der englischsprachigen eBooks doppelt bis dreifach so teuer sind, wie bei Amazon.

Beispiele:

Charles Stross – Hidden Family
Buchhandelsshop: EUR 12,36
Amazon: EUR 4,37

George R. R. Martin – A Dance With Dragons
Buchhandelsshop: EUR 49,70
Amazon: EUR 13,99

Arthur C. Clarke – The Last Theorem
Buchhandelsshop: EUR 21,31
Amazon: EUR 5,51

Isaac Asimov – Prelude to Foundation
Buchhandelsshop: EUR 11,35
Amazon: EUR 5,70

Alan Dean Foster – Predators I Have Known
Buchhandelsshop: 15,32
Amazon: EUR 11,53

Alan Dean Foster – For Love Of Mother-Not
Buchhandelsshop: EUR 10,51
Amazon: EUR 3,82

Insbesondere Preisunterscheide wie bei “A Dance With Dragons” oder “The Last Theorem” lassen sich mit “freier Preisgestaltung” kaum nachvollziehbar erklären.

Auf meine Anfragen bei verschiedenen Shops kam die Rückmeldung, dass englischsprachige eBooks in Deutschland üblicherweise über die drei Aggregatoren libreka, libri.digital und ciando kommen und man sich deren Preisen anpassen muss. Aufgrund dieser Information frage ich bei den drei genannten Aggregatoren nach.

Mit freundlichem Gruß,
Stefan Holzhauer

Die daraufhin folgende Antwort von ciando war … knapp:

Die Preisdifferenz kommt regelmäßig dadurch zustande, dass große international tätige Anbieter typischerweise Direktverträge mit den Verlagen haben, während der Vertrieb englischsprachiger Titel bei anderen Plattformen über zwei Zwischenhandelsstufen abgewickelt wird. Für jede Handelsstufe fallen Aufpreise an. Ferner haben sich große international tätige Anbieter durch die Wahl des Standortes einen Umsatzsteuervorteil verschafft, der ebenfalls in die Preisdifferenz eingeht.

Hier kommen wir den Hintergründen auf die Spur. Amazon bezieht die eBooks direkt bei den Verlagen. So gut wie alle anderen Händler in Deutschland müssen sich der hiesigen Strukturen bedienen, bei denen noch Zwischenhändler ihren Reibach machen wollen. In diesem Fall genauer gesagt die “Aggregatoren” (das ist übrigens bei englischsprachigen Printbüchern sehr ähnlich).

Auf den Spruch mit den Steuervorteilen hatte ich allerdings gewartet, sehen wir uns den mal genauer an. In meinem Beispiel kostet Charles Stross´ HIDDEN FAMILY bei Amazon nur 4,37 Euro. Amazon zahlt luxemburgische Umsatzsteuer auf eBooks, die liegt bei nur drei Prozent. Dank lobbyhöriger Politiker liegt der MWSt-Satz auf elektronische Bücher in Deutschland bei 19 Prozent. Das macht einen Unterschied von immerhin 16 Prozent. Rechnen wir also:

4,37 Euro * 0,97% * 19% = 0,81 Euro

Damit läge das Stross-Buch bei einem Verkaufspreis von 5,04 Euro. Das wäre ein durchaus annehmbarer Preis, ist allerdings immer noch weit unterhalb der angesagten 12,36 Euro. Der Hinweis auf Amazons Steuertricks zieht in meinen Augen deswegen nicht, denn dabei handelt es sich – wie man leicht selber nachrechnen kann – zwar nicht um zu vernachlässigende, aber dennoch eher geringe Beträge. Dass Amazon in der Masse kräftig Steuern spart, steht außer Frage, allerdings würden die Kindle-eBooks sogar dann nicht maßgeblich teurer werden, wenn die EU mit ihrer Klage gegen die Länder mit niedriger MWSt auf eBooks Erfolg hätte. Treffen würde dies in erster Linie Independent-Autoren, denen dann vermutlich deutlich weniger Tantiemen ausbezahlt werden würden. Der Hinweis auf die Umsatzsteuer ist deswegen in meinen Augen nicht nur eine müde, sondern sogar eine peinliche Ausrede.

Da bei libreka!/MVB niemand reagierte, stellte ich meine Anfrage erneut, diesmal an die Pressestelle von MVB. Man entschuldigte sich am 07.03.2012 für die ausgebliebene Antwort und erläuterte, dass man für eine Stellungnahme erst mit “Produktverantwortlichen” im Hause sprechen müsse. Das würde einige Tage dauern. Für das Ignorieren der ursprünglichen Mail hatte ich offen gesagt wenig Verständnis, für die Bedenkzeit schon.

Die Antwort kam auch tatsächlich am 12.03.2012:

Die Preisgestaltung von englischsprachigen (und damit nicht preisgebundenen) e-Books ist äußerst komplex. Die wesentlichen Einflussfaktoren:

– Agency-/Non-Agency Pricing: E-Books, die über das Agency Modell vertrieben warden, kosten überall gleich viel. Das erklärt die hohe Zahl von identischen, bzw. sehr ähnlichen Preisen auf allen Plattformen
– US/UK Verlag: Insbesondere bei sehr hohen Preisabweichungen kann es sich um unterschiedliche Verlagsausgaben handeln. Englischsprachige E-Books werden idR von US- wie auch von UK-Verlagen angeboten, wobei es in anderen Auslandsmärkten durchaus zu Überschneidungen kommen kann. Kalkuliert der UK Verlag bspw. den E-Book Preis auf Basis des Hardcovers, der US Verlag aber auf Basis der Taschenbuchausgabe, kann der Unterschied in den E-Book-Preisen frappierend sein.
– Bestseller/Nischentitel: Amazon kalkuliert Bestseller sehr aggressiv und häufig auch mit Verlust. Für deutschsprachige Plattformen sind englische Titel aber nur ein Ergänzungsangebot und unterliegen bislang in der Regel noch keiner aktiven Preispolitik. Im Nischenbereich scheint dies aber häufig umgekehrt zu sein: dort finden sich bei libreka viele Titel, die sogar günstiger sind als bei Amazon.
– Direktbezug/Aggregatoren: Deutschsprachige Plattformen beziehen ihre englischsprachigen Titel in der Regel von Aggregatoren aus den USA oder UK. Dieser mittelbare Bezugsweg erschwert eine offensivere und aktivere Preispolitik. Libreka wird zukünftig deutlich mehr Titel, insbesondere von den großen Verlagen, direkt beziehen. Wichtig ist auch, dass viele kleinere Verlage nur über Aggregatoren zu bekommen sind, dafür aber das Angebot an Inhalten insgesamt – was die Anzahl angeht – attraktiver wird.

Libreka ist stets darum bemüht, für seine Händler ein möglichst gutes Angebot bereit zu stellen. Mit einer Steigerung des Kundeninteresses an englischsprachigen E-Books wird libreka sowohl die Einkaufsprozesse wie auch die Preisfindung so gestalten, dass diesem Trend Rechnung getragen wird.

In Ordnung – nehmen wir das auseinander:

– Agency Modell oder Agenturmodell bedeutet nach meinen Recherchen, dass der Verlag der Verkäufer ist und den Preis festlegt. Warum das die identischen Preise auf verschiedenen Plattformen erzeugt, kann ich wahrlich nicht nachvollziehen.

– Unterschiede zwischen US und UK-Preisen. Das Argument zieht nicht einmal ansatzweise, denn selbstverständlich hatte ich eBooks von denselben Verlagen verglichen und nicht US-Äpfel mit UK-Birnen. Die US-Preise sind in aller Regel deutlich niedriger als die UK-Preise, deswegen hatte ich mich bei den Vergleichen in meinen Tests üblicherweise auf die amerikanischen Ausgaben beschränkt. Diese Argumentation zieht also ebenfalls nicht.

– Bestseller und Nischentitel. Aha, Amazon bepreist Bestseller also mit Verlust. Ich hatte allerdings die großen Bestseller ohnehin aus genau diesem Grund außen vor gelassen, deswegen zieht auch dieses Argument bei den von mir beispielhaft ausgewählten Titeln nicht. Und Kobo müsste dann ebenfalls mit Verlust verkaufen, dazu kommen wir weiter unten noch. Was “Nischentitel” sind, konnte ich mir nicht erklären, deswegen habe ich nachgefragt und hoffe noch auf eine Antwort. Die werde ich dann ggfs. noch nachreichen.

[Edit]Amazon drückt den Verlagen natürlich zudem schlechte Konditionen auf, deswegen ja unter anderem auch meine ursprüngliche Suche nach Alternativen.[/Edit]

– Direktbezug und Aggregatoren: da haben wir wieder einen der validen Punkte. Bei uns wollen schon mehrere Ebenen an Distributoren an den eBooks verdienen, bezieht man diese zudem noch in den USA nicht bei den Verlagen, sondern der Einfachheit halber bei einem dortigen Aggregator, kommt der natürlich nochmals als eine weitere kostensteigernde Stufe hinzu. Mir fällt dazu eigentlich nur ein: selbst schuld …

– der letzte Satz ist natürlich der Knüller, deswegen wiederhole ich ihn hier nochmal:

Mit einer Steigerung des Kundeninteresses an englischsprachigen E-Books wird libreka sowohl die Einkaufsprozesse wie auch die Preisfindung so gestalten, dass diesem Trend Rechnung getragen wird.

Facepalm

Das bedeutet nichts anderes als: “unsere Umsätze mit englischen eBooks sind so niedrig, dass uns das nicht wirklich interessiert”. Das hört man als Kunde natürlich gern und kauft weiterhin die deutlich preiswerteren eBücher bei Amazon. Aber immerhin handelt es sich dabei wenigstens um eine ehrliche Antwort – und die von einer Tochterfirma des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Diese Einstellung: “geh weg mit Deinem englischen Fetischen, Du Nerd!” ist genau das, was mir auch immer wieder im Buchhandel außerhalb des Netzes widerfährt. Das erklärt somit eigentlich alles.

[Edit:] meine Holde wies mich korrekterweise darauf hin, dass die Umsätze der deutschen Händler in Sachen englische eBooks angesichts der Mondpreise garantiert nicht steigen werden. Somit ist das eine klassische Katze, die sich in den Schwanz beisst. [Edit Ende]

Bei libri bedankte man sich für die detaillierten Beispiele und versprach Reaktion. Die könne allerdings ein wenig auf sich warten lassen, immerhin stehe man vor der Buchmesse Leipzig, erläuterte man mir. Weniger Stress hätte man dort sicherlich gehabt, wenn man sich nicht eine Woche mit der Beantwortung meiner Frage Zeit gelassen hätte. Solche Reaktionszeiten war ich allerdings von anderen Abteilungen libris bereits durch Anfragen gewohnt, auch ohne dass gerade irgendwelche Buchmessen stattfinden … Wenn hier noch eine Antwort eintrudelt, reiche ich diese nach.

An dieser Stelle eine Quintessenz:

Nachvollziehbar sind ein paar der Gründe, verständlich jedoch nicht wirklich. Zur Tatsache, dass beim deutschen Handel jede Menge Zwischenhändler verdienen wollen, wohingegen Amazon direkt von den Verlagen bezieht, habe ich nur begrenzt Verständnis. Das ist dieses altgewachsene Dreigestirn aus Verlagen, Zwischenhändlern und Sortimentern, das man einfach mal aufs Internet und eBooks übertragen hat, ohne einen Realitätscheck durchzuführen oder auch nur auf die Idee zu kommen, das Geschäftsmodell der Internet-Realität anzupassen.

Der Hinweis auf die Umsatzsteuer ist in den weitaus meisten Fällen einfach nur lächerlich, das habe ich weiter oben schon erläutert. Dass es den Aggregatoren nicht peinlich ist, das als Ausrede zu benutzen …

Letztendlich ist für mich äußerst interessant, dass sogar einer der Aggregatoren ganz offen zugibt, dass englischsprachige eBooks für die hiesigen Anbieter dermaßen uninteressant und ich ein derart exotischer Kunde bin, dass es ihnen egal ist. Das ist gut zu wissen, dann kann ich ja die elektronischen Bücher in englischer Form weiterhin bei Amazon beziehen, wenn man auf mich als Kunden ohnehin keinen Wert legt. Wenn ich dort allerdings sowieso schon kaufe, befinde ich mich auf der Plattform und erwerbe wahrscheinlich auch noch andere Bücher und Waren. Warum sollte ich mehrere Händler konsultieren?

Für ein paar der Shops tut es mir ein wenig leid, denn die sind der Preisdiktatur von libreka!, libri und ciando ausgesetzt und können sich dieser aufgrund mangelnder Alternativen kaum entziehen. Sobald der erste US-Konzern die als Kunden erkennt und unter Umgehung der Zwischenhändler direkt beliefert, wird das Heulen und Zähneklappern bei den deutschen Zwischenhändlern vermutlich groß sein, obwohl man es kommen sehen könnte. Aber englischsprachige eBooks sind ja Exoten und uninteressant …

Sicherlich interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass alle drei Aggregatoren auch selbst im Endkundengeschäft tätig sind und somit die Ware zumindest theoretisch durch den Wegfall der Stufe “Buchhändler” preiswerter anbieten könnten. Dem ist aber in meinen Tests nicht so gewesen. Ich vermute, dass der Rest der Branche ihnen aufs Dach steigen würde, täten sie dies tatsächlich.

Zum Abschluss noch ein ganz anderer Hinweis; wenn seitens der deutschen Amazon-Konkurrenz gemeckert wird, dass in Luxemburg nur 3 Prozent MWSt auf eBooks erhoben werden: das geht sogar noch besser, denn in Großbritannien sind Bücher grundsätzlich mehrwertsteuerfrei. Und aufgrund des günstigen Dollarkurses könnte man auch bei Amazon.com äußerst preiswert eBooks einkaufen. Allerdings gibt es hier einen Hinderungsgrund: Amazon lässt den Kauf bestimmter Waren wie eBooks oder Musikdateien von seinen Dependancen in UK und USA von Deutschland aus nicht zu. Das kann man jedoch umgehen, indem man sich für den Erwerb solcher virtueller Güter ein neues Kontos anlegt und als Adresse eine Hoteladresse angibt. Mit Kreditkarte bezahlen muss man ohnehin. Auf diesem Weg kommt man vielfach noch günstiger an die Ware.

Ist das legal? Zumindest gibt es kein Gesetz dagegen, allein die AGBs des Anbieters widersprechen dem möglicherweise, hier muss man sich überlegen, ob man das Risiko eingehen möchte. Das wird jedoch von zahllosen Kunden weltweit so gehandhabt, ohne dass es bislang Probleme gegeben hätte. Und das könnte auch bei englischen und amerikanischen eBook-Verkäufern abseits Amazons funktionieren. Jenseits des Mainstreams klappt der internationale Einkauf ohnehin. Auf diesem Wege gehen dann die Umsätze komplett an deutschen Unternehmen und dem hiesigen Fiskus vorbei. Wirklich schlimm kann das nicht sein, denn wie wir gelernt haben, sind wir Leser von originalsprachigen eBooks ja … aber lassen wir das.

Wem das nun wieder zu aufwendig ist und Amazon vermeiden möchte, der kauft bei Kobo, nachdem er die Shopsprache auf englisch umgestellt hat. Da kostet Charlie Stross´ HIDDEN FAMILY beispielsweise 5,94 Euro (zur Erinnerung – deutscher Shop: 12,36 €, Amazon: 4,37 €). Alan Dean Fosters FOR LOVE OF MOTHER NOT gibt es bei Kobo für 5,22 Euro (deutscher Shop: 10,51 €, Amazon: 3,82 €). Das dürfte dann tatsächlich ungefähr der Unterschied von 16 % USt (plus etwas mehr, vermutlich durch bessere Konditionen für die Verlage als bei Amazon) sein, den die deutschen eBook-Aggregatoren als Ausrede vorbringen – und dennoch bleiben sie fast doppelt bis dreifach so teuer, auch im Vergleich mit Kobo.

Noch Fragen?

[Update (13:45 Uhr):] Die versprochene Antwort von libri sieht wie folgt aus:

wir haben uns die Titel, die Sie anführen, angeschaut. Keiner dieser Titel wird zum heutigen Zeitpunkt bei uns im Digital-Katalog, also als eBook oder Hörbuchdownload, geführt. Daher können wir speziell zu diesen Beispielen leider nichts sagen.

Ohne Worte … Bei einem schnellen Check auf libri.de habe ich FOR LOVE OF MOTHER-NOT sofort als Hörbuch und HIDDEN FAMILY Sofort als eBook gefunden …

[Update (14:50 Uhr):] Noch eine Antwort von libri:

eBook.de ist der Online Shop der Libri.de Internet GmbH. Dies ist eine eigenständige Tochterfirma der Libri Gmbh und im Hinblick auf unseren Digital-Katalog ein Kunde vergleichbar mit anderen Online-Shops, die Titel aus unserem Katalog beziehen. eBook.de bezieht Titel nicht ausschließlich über Libri.Digital, sondern auch aus anderen Quellen.

[Edit (12:11 Uhr):] Dank an Michael Kuckuk für den Hinweis auf die Prozentrechnung. Ist korrigiert.

[Edit: (14:15 Uhr):] Die genannte Emailadresse @mvb.de war falsch, natürlich war es @mvb-online.de. Danke für den Hinweis. Die Mails gingen natürlich an die korrekte Adresse.

Creative Commons License

Artikelbild von mir, CC-BY-NC-SA,”Facepalm” von Santiago García Pimentel auf flickr, CC-BY-NC-SA

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harmloser Nerd mit natürlicher Affinität zu Pixeln, Bytes, Buchstaben und Zahnrädern. Konsumiert zuviel SF und Fantasy und schreibt seit 1999 online darüber.

15 Kommentare for “Englische eBooks und ihre unerklärlichen Preise in deutschen Shops”

sagt:

Super, Stefan.
Das ist wirklich mal interessant und vor allem auch aufschlussreich.
Wenn ich im normalen ‘Kundenmodus’ bin, denke ich ja an viele dieser Hintergründe gar nicht.
Aber jetzt weiß ich, dass ich auch ein komischer Vogel bin, weil ich Englisch lesen möchte und werde weiterhin beruhigt meinen Kindle über Amazon füttern. ;)
(Übrigens danke noch für den Tipp zum Einkauf bei .com.)

Matthias Bierbrauer

sagt:

Bei einer so gestellten Frage kann man sich ja noch recht einfach rausreden, weil amazon ja so oder so böse ist, direkt verhandelt, Verlage ausbooten und so oder so die Weltherrschaft an sich reissen will.
Allerdings ist mir der nahezu selbe Unterschied in den Preisen bei Anbietern aufgefallen, die international agieren: wenn man über eine eBook Suchmaschine wie Luzme nach Büchern sucht, spuckt diese die Preise für eBooks normalerweise in Britischen Pfund oder Dollar aus. Als ich neulich nach “The Unlikely Pilgimage of Harold Fry” gesucht habe, fand Luzme dieses Buch bei kobobooks.com (wie geschickt, habe ich doch einen Kobo eReader!) und im Google Playstore für jeweils GBP 2,99 als günstigste Alternativen.
Wenn ich aber – mit deutscher IP Adresse – auf die jeweilige Seite gehe, bekomme ich das Buch sowohl bei kobobooks als auch im Playstore für 6,49 Euro angezeigt. Das ist ebenfalls doppelt so teuer und hier fehlt mir noch viel mehr das Verständnis, wieso ich als deutscher Kunde auf einer internationalen Site doppelt so viel zahlen muss, wie ein Brite…
Zieht hier die selbe Antwort?

Stefan Holzhauer

sagt:

In Großbritannien fällt keine Umsatzsteuer auf Bücher an.

Frank

sagt:

Eine Alternative ist Google Play Books geworden. Hier findet man bei englischsprachigen eBooks ähnliche Preise wie bei amazon. Google verwendet das epub-Format und kann somit auf allen anderen eReadern (ausgenommen Kindle) verwendet werden. Zudem ist der Katalog an englischsprachigen Büchern groß.

sagt:

Hat Google inzwischen ein brauchbares Selfpublisher-Programm?

Ich hab mal vor zwei Jahren versucht, da was einzustellen und das Handling war unbeschreiblich undurchschaubar und unintuitiv.

Anna

sagt:

Herrliche Analyse, danke, genau nach so etwas habe ich gesucht als Argumentationshilfe. Mich stört das Proprietäre am Kindle – aber Preis, Riesenangebot und Bequemlichkeit sind unschlagbar bei Amazon. Jetzt lese ich in den Kommentaren über Google Play. Da ich davor Jonathan Franzens “Freedom” bei Amazon (5,80) und bei Kobo (8,87) gerade verglichen habe, habe ich nach Lesen der Kommentare auch bei Google Play nachgesehen, der stolze Preis: 14,92. Das mag zufall sein – also noch ein Vergleich: Irvin D. Yalom, Love’s Executioner: Amazon wie Kobo 6,99 – bei Google Play das Doppelte (13,55) …

Auch abgesehen davon: Suchfunktion und Bedienung auf der Kobo-Seite sind unter aller Sau. Verstelle die Sprache auf Englisch, gebe den Autorennamen ein – es springt zurück auf Deutsch und zeigt deutsche Übersetzungen. Gebe ich Autorennamen und Titel ein, wird die Titeleingabe weitgehend ignoriert, Ergebnis zeigt alle Autoren der Welt, die ein Wort aus dem Titel in ihren Titeln haben. Also – ich täte mich gerne gegen Kindle entscheiden, aber eine Masochistin bin ich nicht.

sagt:

[…] Wir hal­ten fest: Bü­cher sind be­reits jetzt aas­geie­rig teuer und der Bör­sen­ver­ein scheint zu un­ter­stüt­zen, dass diese noch teu­rer wer­den sol­len. Zu­dem geht man vom Ta­schen­buch im­mer öf­ter gern mal aufs Pa­per­back, weil man das bei glei­chem In­halt deut­lich teu­rer ver­ti­cken kann — man könnte es, ebenso wie das Auf­tei­len von Wäl­zern auf zwei Bü­cher, auch als »Kun­den­ver­ar­sche« be­zeich­nen, denn es han­delt sich nur um neue Schläu­che für al­ten Wein. Die Bran­che ver­steht of­fen­sicht­lich im­mer noch nicht, dass sie heut­zu­tage in di­rek­ter Kon­kur­renz zu Ta­blet– und Smartphone-Apps steht, die man für ein paar Cent er­wer­ben kann. Von an­de­ren di­rek­ten Kon­kur­ren­zen wie In­ter­net, Spie­len, Fil­men noch gar nicht ge­spro­chen. Und auch nicht da­von, dass man sich eben sei­nen Le­se­stoff für ei­nen Bruch­teil des deut­schen Prei­ses gleich im eng­li­schen Ori­gi­nal kau­fen kann. Al­ler­dings sollte man sich diese eng­li­schen Ori­gi­nale bes­ser nicht bei deut­schen An­bei­tern kau­fen. […]

Sarah

sagt:

Danke für die gute Recherche!
für mich spricht die tatsache dass amazon günstigere englische bücher hat, nun dafür, doch einen kindle anstatt tolino zu kaufen. Oder hat sich die Situation seit Ihrer Recherche verändert?

sagt:

Nein, die Situation hat sich in keinster Weise verbessert. Wer englische eBooks lesen möchte, der sollte unbedingt zum Kindle greifen. Dafür spricht auch die viel bequemere Handhabung der Käufe. Wer trotzdem auch noch eBooks im ePub-Format lesen möchte, kann die einfach mit der Freeware Calibre in mobi umwandeln (solange die nicht mit Adobe-DRM verseucht sind). Es gibt also kein Argument für Tolino.

https://calibre-ebook.com

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