Englische eBooks und ihre unerklärlichen Preise in deutschen Shops

Im Rah­men der Tests ver­schieden­er Onli­neshops für Büch­er und eBooks war ich über die Tat­sache gestolpert, dass englis­chsprachige eBooks auf allen bis­lang getesteten Plat­tfor­men erhe­blich teur­er ange­boten wer­den, als bei Ama­zon. Da mich die Hin­ter­gründe hier­für inter­essierten, fragte ich bei Shop­be­treibern nach. Deren übere­in­stim­mender Aus­sage zufolge haben die kaum eine Vari­a­tion­s­möglichkeit bei den Preisen. Warum? Die englis­chsprachi­gen eBooks wer­den von soge­nan­nten Aggre­ga­toren bezo­gen. Davon gibt es drei große in Deutsch­land, näm­lich libri.digital, libre­ka! und cian­do.

Für mich lag es auf­grund dieser Aus­sage nahe, bei den »Aggre­ga­toren« nachzufra­gen. Die Antworten find­en sich in diesem Artikel.

Meine erste Anfrage, die an libri@libri.de, info@mvb-online.de und info@ciando.com ging, lautete:

Sehr geehrte Damen und Her­ren,

im Rah­men ein­er Artikelserie teste ich derzeit ver­schiedene deutsche Onli­neshops im Bere­ich Print­buch und eBooks.

Dabei ent­deck­te ich die Tat­sache, dass englis­chsprachige eBooks in Deutsch­land haupt­säch­lich von drei Aggre­ga­toren für die Shops zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Auf Nach­frage teilte man mir mit, dass man selb­st an den Preisen nicht viel machen könne, da diese durch diese Aggre­ga­toren fest­gelegt wer­den.

Da libri.digital ein­er dieser Großhan­del­san­bi­eter ist, bitte ich darum, fol­gende Frage zu beant­worten. Ich weise darauf hin, dass die Antwort in einem Artikel auf meinem Por­tal the­ma­tisiert wer­den wird. Dieselbe Frage werde ich auch libre­ka und cian­do stellen.

Warum ist der End­preis englis­chsprachiger eBooks auf deutschen Plat­tfor­men in der Regel dop­pelt bis dreimal so hoch wie bei Ama­zon?

Für eine Beant­wor­tung bedanke ich mich im voraus.

Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

Die erste Antwort kam von cian­do:

Der Grund für die unter­schiedliche Preis­gestal­tung englis­chsprachiger eBooks liegt darin, dass englis­chsprachige Büch­er nicht der Buch­preis­bindung unter­liegen. Deshalb sind die Preise englis­chsprachiger eBooks frei kalkulier­bar.

Diese Aus­sage hielt ich für nicht so recht nachvol­lziehbar, denn »freie Preis­gestal­tung« hin oder her, dadurch allein kön­nte man min­i­male Abwe­ichun­gen erk­lären, allerd­ings wahrlich nicht dop­pelte oder gar dreifache Preise. Deswe­gen fragte ich nach. Bei cian­do wün­schte man sich daraufhin für eine detail­liert­ere Antwort konkretere Beispiele.

Zwis­chen­durch meldete sich auch libri.digital:

Als Großhändler bieten wir mit Libri.Digital auch im dig­i­tal­en Bere­ich eine Großhan­del­splat­tform, die Buch­händlern und Online-Händlern den Han­del mit eCon­tent-Pro­duk­ten vom eBook bis zum Audio-Down­load ermöglicht. Jedem angeschlosse­nen Online-Shop kön­nen wir derzeit über 180.000 deutschsprachige und 53.000 inter­na­tionale eBooks sowie etwa 10.000 deutschsprachige und mehr als 1.000 fremd­sprachige Audio­book-Down­loads zur Ver­fü­gung stellen. Zu Ihrer Frage im Hin­blick auf das Pric­ing englis­chsprachiger eBooks: Die Preis­stel­lung für nicht preis­ge­bun­dene Pro­duk­te unter­liegt den Händlern.

Aha. Erst PR-Geschwurbel (und die hal­ten 53000 inter­na­tionale eBooks für eine tolle Zahl?), dann »die Preis­gestal­tung ›unter­liegt‹ den Händlern«. Diese hat­ten mir allerd­ings erläutert, dass sie auf­grund der Preisvor­gaben seit­ens der Aggre­ga­toren kaum Gestal­tungsmöglichkeit­en haben. Was ich inzwis­chen auch glaube.

Daraufhin stellte ich allen drei ange­sproch­enen Aggre­ga­toren im Rah­men ein­er Nach­frage eine weit­ere Erläuterung zur Ver­fü­gung:

Ich teste ger­ade ver­schiedene Onli­neshops für Büch­er und eBooks, um festzustellen, ob es tat­säch­lich nutzbare Alter­na­tiv­en zu Ama­zon gibt. Der Schw­er­punkt liegt dabei auf englis­chsprachi­gen Büch­ern und eBooks aus dem Bere­ich Sci­ence Fic­tion & Fan­ta­sy. Meine Erken­nt­nis dabei ist, dass die weitaus meis­ten der englis­chsprachi­gen eBooks dop­pelt bis dreifach so teuer sind, wie bei Ama­zon.

Beispiele:

Charles Stross – Hid­den Fam­i­ly
Buch­han­delsshop: EUR 12,36
Ama­zon: EUR 4,37

George R. R. Mar­tin – A Dance With Drag­ons
Buch­han­delsshop: EUR 49,70
Ama­zon: EUR 13,99

Arthur C. Clarke – The Last The­o­rem
Buch­han­delsshop: EUR 21,31
Ama­zon: EUR 5,51

Isaac Asi­mov – Pre­lude to Foun­da­tion
Buch­han­delsshop: EUR 11,35
Ama­zon: EUR 5,70

Alan Dean Fos­ter – Preda­tors I Have Known
Buch­han­delsshop: 15,32
Ama­zon: EUR 11,53

Alan Dean Fos­ter – For Love Of Moth­er-Not
Buch­han­delsshop: EUR 10,51
Ama­zon: EUR 3,82

Ins­beson­dere Preisun­ter­schei­de wie bei »A Dance With Drag­ons« oder »The Last The­o­rem« lassen sich mit »freier Preis­gestal­tung« kaum nachvol­lziehbar erk­lären.

Auf meine Anfra­gen bei ver­schiede­nen Shops kam die Rück­mel­dung, dass englis­chsprachige eBooks in Deutsch­land üblicher­weise über die drei Aggre­ga­toren libre­ka, libri.digital und cian­do kom­men und man sich deren Preisen anpassen muss. Auf­grund dieser Infor­ma­tion frage ich bei den drei genan­nten Aggre­ga­toren nach.

Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

Die daraufhin fol­gende Antwort von cian­do war … knapp:

Die Preis­d­if­ferenz kommt regelmäßig dadurch zus­tande, dass große inter­na­tion­al tätige Anbi­eter typ­is­cher­weise Direk­tverträge mit den Ver­la­gen haben, während der Ver­trieb englis­chsprachiger Titel bei anderen Plat­tfor­men über zwei Zwis­chen­han­delsstufen abgewick­elt wird. Für jede Han­delsstufe fall­en Auf­preise an. Fern­er haben sich große inter­na­tion­al tätige Anbi­eter durch die Wahl des Stan­dortes einen Umsatzs­teuer­vorteil ver­schafft, der eben­falls in die Preis­d­if­ferenz einge­ht.

Hier kom­men wir den Hin­ter­grün­den auf die Spur. Ama­zon bezieht die eBooks direkt bei den Ver­la­gen. So gut wie alle anderen Händler in Deutsch­land müssen sich der hiesi­gen Struk­turen bedi­enen, bei denen noch Zwis­chen­händler ihren Reibach machen wollen. In diesem Fall genauer gesagt die »Aggre­ga­toren« (das ist übri­gens bei englis­chsprachi­gen Print­büch­ern sehr ähn­lich).

Auf den Spruch mit den Steuer­vorteilen hat­te ich allerd­ings gewartet, sehen wir uns den mal genauer an. In meinem Beispiel kostet Charles Stross´ HIDDEN FAMILY bei Ama­zon nur 4,37 Euro. Ama­zon zahlt lux­em­bur­gis­che Umsatzs­teuer auf eBooks, die liegt bei nur drei Prozent. Dank lob­by­höriger Poli­tik­er liegt der MWSt-Satz auf elek­tro­n­is­che Büch­er in Deutsch­land bei 19 Prozent. Das macht einen Unter­schied von immer­hin 16 Prozent. Rech­nen wir also:

4,37 Euro * 0,97% * 19% = 0,81 Euro

Damit läge das Stross-Buch bei einem Verkauf­spreis von 5,04 Euro. Das wäre ein dur­chaus annehm­bar­er Preis, ist allerd­ings immer noch weit unter­halb der ange­sagten 12,36 Euro. Der Hin­weis auf Ama­zons Steuer­tricks zieht in meinen Augen deswe­gen nicht, denn dabei han­delt es sich – wie man leicht sel­ber nachrech­nen kann – zwar nicht um zu ver­nach­läs­si­gende, aber den­noch eher geringe Beträge. Dass Ama­zon in der Masse kräftig Steuern spart, ste­ht außer Frage, allerd­ings wür­den die Kin­dle-eBooks sog­ar dann nicht maßge­blich teur­er wer­den, wenn die EU mit ihrer Klage gegen die Län­der mit niedriger MWSt auf eBooks Erfolg hätte. Tre­f­fen würde dies in erster Lin­ie Inde­pen­dent-Autoren, denen dann ver­mut­lich deut­lich weniger Tantiemen aus­bezahlt wer­den wür­den. Der Hin­weis auf die Umsatzs­teuer ist deswe­gen in meinen Augen nicht nur eine müde, son­dern sog­ar eine pein­liche Ausrede.

Da bei libreka!/MVB nie­mand reagierte, stellte ich meine Anfrage erneut, dies­mal an die Press­es­telle von MVB. Man entschuldigte sich am 07.03.2012 für die aus­ge­bliebene Antwort und erläuterte, dass man für eine Stel­lung­nahme erst mit »Pro­duk­tver­ant­wortlichen« im Hause sprechen müsse. Das würde einige Tage dauern. Für das Ignori­eren der ursprünglichen Mail hat­te ich offen gesagt wenig Ver­ständ­nis, für die Bedenkzeit schon.

Die Antwort kam auch tat­säch­lich am 12.03.2012:

Die Preis­gestal­tung von englis­chsprachi­gen (und damit nicht preis­ge­bun­de­nen) e-Books ist äußerst kom­plex. Die wesentlichen Ein­flussfak­toren:

- Agency-/Non-Agency Pric­ing: E-Books, die über das Agency Mod­ell ver­trieben war­den, kosten über­all gle­ich viel. Das erk­lärt die hohe Zahl von iden­tis­chen, bzw. sehr ähn­lichen Preisen auf allen Plat­tfor­men
– US/UK Ver­lag: Ins­beson­dere bei sehr hohen Preis­ab­we­ichun­gen kann es sich um unter­schiedliche Ver­lagsaus­gaben han­deln. Englis­chsprachige E-Books wer­den idR von US- wie auch von UK-Ver­la­gen ange­boten, wobei es in anderen Aus­landsmärk­ten dur­chaus zu Über­schnei­dun­gen kom­men kann. Kalkuliert der UK Ver­lag bspw. den E-Book Preis auf Basis des Hard­cov­ers, der US Ver­lag aber auf Basis der Taschen­buchaus­gabe, kann der Unter­schied in den E-Book-Preisen frap­pierend sein.
– Bestseller/Nischentitel: Ama­zon kalkuliert Best­seller sehr aggres­siv und häu­fig auch mit Ver­lust. Für deutschsprachige Plat­tfor­men sind englis­che Titel aber nur ein Ergänzungsange­bot und unter­liegen bis­lang in der Regel noch kein­er aktiv­en Preis­poli­tik. Im Nis­chen­bere­ich scheint dies aber häu­fig umgekehrt zu sein: dort find­en sich bei libre­ka viele Titel, die sog­ar gün­stiger sind als bei Ama­zon.
– Direktbezug/Aggregatoren: Deutschsprachige Plat­tfor­men beziehen ihre englis­chsprachi­gen Titel in der Regel von Aggre­ga­toren aus den USA oder UK. Dieser mit­tel­bare Bezugsweg erschw­ert eine offen­si­vere und akti­vere Preis­poli­tik. Libre­ka wird zukün­ftig deut­lich mehr Titel, ins­beson­dere von den großen Ver­la­gen, direkt beziehen. Wichtig ist auch, dass viele kleinere Ver­lage nur über Aggre­ga­toren zu bekom­men sind, dafür aber das Ange­bot an Inhal­ten ins­ge­samt – was die Anzahl ange­ht – attrak­tiv­er wird.

Libre­ka ist stets darum bemüht, für seine Händler ein möglichst gutes Ange­bot bere­it zu stellen. Mit ein­er Steigerung des Kun­den­in­ter­ess­es an englis­chsprachi­gen E-Books wird libre­ka sowohl die Einkauf­sprozesse wie auch die Pre­is­find­ung so gestal­ten, dass diesem Trend Rech­nung getra­gen wird.

In Ord­nung – nehmen wir das auseinan­der:

- Agency Mod­ell oder Agen­tur­mod­ell bedeutet nach meinen Recherchen, dass der Ver­lag der Verkäufer ist und den Preis fes­tlegt. Warum das die iden­tis­chen Preise auf ver­schiede­nen Plat­tfor­men erzeugt, kann ich wahrlich nicht nachvol­lziehen.

- Unter­schiede zwis­chen US und UK-Preisen. Das Argu­ment zieht nicht ein­mal ansatzweise, denn selb­stver­ständlich hat­te ich eBooks von densel­ben Ver­la­gen ver­glichen und nicht US-Äpfel mit UK-Bir­nen. Die US-Preise sind in aller Regel deut­lich niedriger als die UK-Preise, deswe­gen hat­te ich mich bei den Ver­gle­ichen in meinen Tests üblicher­weise auf die amerikanis­chen Aus­gaben beschränkt. Diese Argu­men­ta­tion zieht also eben­falls nicht.

- Best­seller und Nis­chen­ti­tel. Aha, Ama­zon bepreist Best­seller also mit Ver­lust. Ich hat­te allerd­ings die großen Best­seller ohne­hin aus genau diesem Grund außen vor gelassen, deswe­gen zieht auch dieses Argu­ment bei den von mir beispiel­haft aus­gewählten Titeln nicht. Und Kobo müsste dann eben­falls mit Ver­lust verkaufen, dazu kom­men wir weit­er unten noch. Was »Nis­chen­ti­tel« sind, kon­nte ich mir nicht erk­lären, deswe­gen habe ich nachge­fragt und hoffe noch auf eine Antwort. Die werde ich dann ggfs. noch nachre­ichen.

[Edit]Amazon drückt den Ver­la­gen natür­lich zudem schlechte Kon­di­tio­nen auf, deswe­gen ja unter anderem auch meine ursprüngliche Suche nach Alternativen.[/Edit]

- Direk­t­bezug und Aggre­ga­toren: da haben wir wieder einen der vali­den Punk­te. Bei uns wollen schon mehrere Ebe­nen an Dis­trib­u­toren an den eBooks ver­di­enen, bezieht man diese zudem noch in den USA nicht bei den Ver­la­gen, son­dern der Ein­fach­heit hal­ber bei einem dor­ti­gen Aggre­ga­tor, kommt der natür­lich nochmals als eine weit­ere kosten­steigernde Stufe hinzu. Mir fällt dazu eigentlich nur ein: selb­st schuld …

- der let­zte Satz ist natür­lich der Knüller, deswe­gen wieder­hole ich ihn hier nochmal:

Mit ein­er Steigerung des Kun­den­in­ter­ess­es an englis­chsprachi­gen E-Books wird libre­ka sowohl die Einkauf­sprozesse wie auch die Pre­is­find­ung so gestal­ten, dass diesem Trend Rech­nung getra­gen wird.

Facepalm

Das bedeutet nichts anderes als: »unsere Umsätze mit englis­chen eBooks sind so niedrig, dass uns das nicht wirk­lich inter­essiert«. Das hört man als Kunde natür­lich gern und kauft weit­er­hin die deut­lich preiswert­eren eBüch­er bei Ama­zon. Aber immer­hin han­delt es sich dabei wenig­stens um eine ehrliche Antwort – und die von ein­er Tochter­fir­ma des Börsen­vere­ins des deutschen Buch­han­dels. Diese Ein­stel­lung: »geh weg mit Deinem englis­chen Fetis­chen, Du Nerd!« ist genau das, was mir auch immer wieder im Buch­han­del außer­halb des Net­zes wider­fährt. Das erk­lärt somit eigentlich alles.

[Edit:] meine Holde wies mich kor­rek­ter­weise darauf hin, dass die Umsätze der deutschen Händler in Sachen englis­che eBooks angesichts der Mond­preise garantiert nicht steigen wer­den. Somit ist das eine klas­sis­che Katze, die sich in den Schwanz beisst. [Edit Ende]

Bei lib­ri bedank­te man sich für die detail­lierten Beispiele und ver­sprach Reak­tion. Die könne allerd­ings ein wenig auf sich warten lassen, immer­hin ste­he man vor der Buchmesse Leipzig, erläuterte man mir. Weniger Stress hätte man dort sicher­lich gehabt, wenn man sich nicht eine Woche mit der Beant­wor­tung mein­er Frage Zeit gelassen hätte. Solche Reak­tion­szeit­en war ich allerd­ings von anderen Abteilun­gen lib­ris bere­its durch Anfra­gen gewohnt, auch ohne dass ger­ade irgendwelche Buchmessen stat­tfind­en … Wenn hier noch eine Antwort ein­trudelt, reiche ich diese nach.

An dieser Stelle eine Quin­tes­senz:

Nachvol­lziehbar sind ein paar der Gründe, ver­ständlich jedoch nicht wirk­lich. Zur Tat­sache, dass beim deutschen Han­del jede Menge Zwis­chen­händler ver­di­enen wollen, wohinge­gen Ama­zon direkt von den Ver­la­gen bezieht, habe ich nur begren­zt Ver­ständ­nis. Das ist dieses alt­gewach­sene Dreige­stirn aus Ver­la­gen, Zwis­chen­händlern und Sor­ti­mentern, das man ein­fach mal aufs Inter­net und eBooks über­tra­gen hat, ohne einen Real­itätscheck durchzuführen oder auch nur auf die Idee zu kom­men, das Geschäftsmod­ell der Inter­net-Real­ität anzu­passen.

Der Hin­weis auf die Umsatzs­teuer ist in den weitaus meis­ten Fällen ein­fach nur lächer­lich, das habe ich weit­er oben schon erläutert. Dass es den Aggre­ga­toren nicht pein­lich ist, das als Ausrede zu benutzen …

Let­z­tendlich ist für mich äußerst inter­es­sant, dass sog­ar ein­er der Aggre­ga­toren ganz offen zugibt, dass englis­chsprachige eBooks für die hiesi­gen Anbi­eter der­maßen unin­ter­es­sant und ich ein der­art exo­tis­ch­er Kunde bin, dass es ihnen egal ist. Das ist gut zu wis­sen, dann kann ich ja die elek­tro­n­is­chen Büch­er in englis­ch­er Form weit­er­hin bei Ama­zon beziehen, wenn man auf mich als Kun­den ohne­hin keinen Wert legt. Wenn ich dort allerd­ings sowieso schon kaufe, befinde ich mich auf der Plat­tform und erwerbe wahrschein­lich auch noch andere Büch­er und Waren. Warum sollte ich mehrere Händler kon­sul­tieren?

Für ein paar der Shops tut es mir ein wenig leid, denn die sind der Preis­dik­tatur von libre­ka!, lib­ri und cian­do aus­ge­set­zt und kön­nen sich dieser auf­grund man­gel­nder Alter­na­tiv­en kaum entziehen. Sobald der erste US-Konz­ern die als Kun­den erken­nt und unter Umge­hung der Zwis­chen­händler direkt beliefert, wird das Heulen und Zäh­neklap­pern bei den deutschen Zwis­chen­händlern ver­mut­lich groß sein, obwohl man es kom­men sehen kön­nte. Aber englis­chsprachige eBooks sind ja Exoten und unin­ter­es­sant …

Sicher­lich inter­es­sant ist in diesem Zusam­men­hang auch die Tat­sache, dass alle drei Aggre­ga­toren auch selb­st im End­kun­dengeschäft tätig sind und somit die Ware zumin­d­est the­o­retisch durch den Weg­fall der Stufe »Buch­händler« preiswert­er anbi­eten kön­nten. Dem ist aber in meinen Tests nicht so gewe­sen. Ich ver­mute, dass der Rest der Branche ihnen aufs Dach steigen würde, täten sie dies tat­säch­lich.

Zum Abschluss noch ein ganz ander­er Hin­weis; wenn seit­ens der deutschen Ama­zon-Konkur­renz gemeck­ert wird, dass in Lux­em­burg nur 3 Prozent MWSt auf eBooks erhoben wer­den: das geht sog­ar noch bess­er, denn in Großbri­tan­nien sind Büch­er grund­sät­zlich mehrw­ert­s­teuer­frei. Und auf­grund des gün­sti­gen Dol­larkurs­es kön­nte man auch bei Amazon.com äußerst preiswert eBooks einkaufen. Allerd­ings gibt es hier einen Hin­derungs­grund: Ama­zon lässt den Kauf bes­timmter Waren wie eBooks oder Musik­dateien von seinen Depen­dan­cen in UK und USA von Deutsch­land aus nicht zu. Das kann man jedoch umge­hen, indem man sich für den Erwerb solch­er virtueller Güter ein neues Kon­tos anlegt und als Adresse eine Hote­ladresse angibt. Mit Kred­itkarte bezahlen muss man ohne­hin. Auf diesem Weg kommt man vielfach noch gün­stiger an die Ware.

Ist das legal? Zumin­d­est gibt es kein Gesetz dage­gen, allein die AGBs des Anbi­eters wider­sprechen dem möglicher­weise, hier muss man sich über­legen, ob man das Risiko einge­hen möchte. Das wird jedoch von zahllosen Kun­den weltweit so gehand­habt, ohne dass es bis­lang Prob­leme gegeben hätte. Und das kön­nte auch bei englis­chen und amerikanis­chen eBook-Verkäufern abseits Ama­zons funk­tion­ieren. Jen­seits des Main­streams klappt der inter­na­tionale Einkauf ohne­hin. Auf diesem Wege gehen dann die Umsätze kom­plett an deutschen Unternehmen und dem hiesi­gen Fiskus vor­bei. Wirk­lich schlimm kann das nicht sein, denn wie wir gel­ernt haben, sind wir Leser von orig­i­nal­sprachi­gen eBooks ja … aber lassen wir das.

Wem das nun wieder zu aufwendig ist und Ama­zon ver­mei­den möchte, der kauft bei Kobo, nach­dem er die Shop­sprache auf englisch umgestellt hat. Da kostet Char­lie Stross´ HIDDEN FAMILY beispiel­sweise 5,94 Euro (zur Erin­nerung – deutsch­er Shop: 12,36 €, Ama­zon: 4,37 €). Alan Dean Fos­ters FOR LOVE OF MOTHER NOT gibt es bei Kobo für 5,22 Euro (deutsch­er Shop: 10,51 €, Ama­zon: 3,82 €). Das dürfte dann tat­säch­lich unge­fähr der Unter­schied von 16 % USt (plus etwas mehr, ver­mut­lich durch bessere Kon­di­tio­nen für die Ver­lage als bei Ama­zon) sein, den die deutschen eBook-Aggre­ga­toren als Ausrede vor­brin­gen – und den­noch bleiben sie fast dop­pelt bis dreifach so teuer, auch im Ver­gle­ich mit Kobo.

Noch Fra­gen?

[Update (13:45 Uhr):] Die ver­sproch­ene Antwort von lib­ri sieht wie fol­gt aus:

wir haben uns die Titel, die Sie anführen, angeschaut. Kein­er dieser Titel wird zum heuti­gen Zeit­punkt bei uns im Dig­i­tal-Kat­a­log, also als eBook oder Hör­buch­down­load, geführt. Daher kön­nen wir speziell zu diesen Beispie­len lei­der nichts sagen.

Ohne Worte … Bei einem schnellen Check auf libri.de habe ich FOR LOVE OF MOTHER-NOT sofort als Hör­buch und HIDDEN FAMILY Sofort als eBook gefun­den …

[Update (14:50 Uhr):] Noch eine Antwort von lib­ri:

eBook.de ist der Online Shop der Libri.de Inter­net GmbH. Dies ist eine eigen­ständi­ge Tochter­fir­ma der Lib­ri Gmbh und im Hin­blick auf unseren Dig­i­tal-Kat­a­log ein Kunde ver­gle­ich­bar mit anderen Online-Shops, die Titel aus unserem Kat­a­log beziehen. eBook.de bezieht Titel nicht auss­chließlich über Libri.Digital, son­dern auch aus anderen Quellen.

[Edit (12:11 Uhr):] Dank an Michael Kuckuk für den Hin­weis auf die Prozen­trech­nung. Ist kor­rigiert.

[Edit: (14:15 Uhr):] Die genan­nte Emailadresse @mvb.de war falsch, natür­lich war es @mvb-online.de. Danke für den Hin­weis. Die Mails gin­gen natür­lich an die kor­rek­te Adresse.

Creative Commons License

Artikel­bild von mir, CC-BY-NC-SA,»Facepalm« von San­ti­a­go Gar­cía Pimentel auf flickr, CC-BY-NC-SA

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

15 Kommentare for “Englische eBooks und ihre unerklärlichen Preise in deutschen Shops”

sagt:

Super, Ste­fan.
Das ist wirk­lich mal inter­es­sant und vor allem auch auf­schlussre­ich.
Wenn ich im nor­malen ›Kun­den­modus‹ bin, denke ich ja an viele dieser Hin­ter­gründe gar nicht.
Aber jet­zt weiß ich, dass ich auch ein komis­ch­er Vogel bin, weil ich Englisch lesen möchte und werde weit­er­hin beruhigt meinen Kin­dle über Ama­zon füt­tern. ;)
(Übri­gens danke noch für den Tipp zum Einkauf bei .com.)

Matthias Bierbrauer

sagt:

Bei ein­er so gestell­ten Frage kann man sich ja noch recht ein­fach rausre­den, weil ama­zon ja so oder so böse ist, direkt ver­han­delt, Ver­lage aus­booten und so oder so die Weltherrschaft an sich reis­sen will.
Allerd­ings ist mir der nahezu selbe Unter­schied in den Preisen bei Anbi­etern aufge­fall­en, die inter­na­tion­al agieren: wenn man über eine eBook Such­mas­chine wie Luzme nach Büch­ern sucht, spuckt diese die Preise für eBooks nor­maler­weise in Britis­chen Pfund oder Dol­lar aus. Als ich neulich nach »The Unlike­ly Pil­gim­age of Harold Fry« gesucht habe, fand Luzme dieses Buch bei kobobooks.com (wie geschickt, habe ich doch einen Kobo eRead­er!) und im Google Play­store für jew­eils GBP 2,99 als gün­stig­ste Alter­na­tiv­en.
Wenn ich aber – mit deutsch­er IP Adresse – auf die jew­eilige Seite gehe, bekomme ich das Buch sowohl bei kobo­books als auch im Play­store für 6,49 Euro angezeigt. Das ist eben­falls dop­pelt so teuer und hier fehlt mir noch viel mehr das Ver­ständ­nis, wieso ich als deutsch­er Kunde auf ein­er inter­na­tionalen Site dop­pelt so viel zahlen muss, wie ein Brite…
Zieht hier die selbe Antwort?

Stefan Holzhauer

sagt:

In Großbri­tan­nien fällt keine Umsatzs­teuer auf Büch­er an.

Frank

sagt:

Eine Alter­na­tive ist Google Play Books gewor­den. Hier find­et man bei englis­chsprachi­gen eBooks ähn­liche Preise wie bei ama­zon. Google ver­wen­det das epub-For­mat und kann somit auf allen anderen eRead­ern (ausgenom­men Kin­dle) ver­wen­det wer­den. Zudem ist der Kat­a­log an englis­chsprachi­gen Büch­ern groß.

sagt:

Hat Google inzwis­chen ein brauch­bares Self­pub­lish­er-Pro­gramm?

Ich hab mal vor zwei Jahren ver­sucht, da was einzustellen und das Han­dling war unbeschreib­lich undurch­schaubar und unin­tu­itiv.

Anna

sagt:

Her­rliche Analyse, danke, genau nach so etwas habe ich gesucht als Argu­men­ta­tion­shil­fe. Mich stört das Pro­pri­etäre am Kin­dle – aber Preis, Riese­nange­bot und Bequem­lichkeit sind unschlag­bar bei Ama­zon. Jet­zt lese ich in den Kom­mentaren über Google Play. Da ich davor Jonathan Franzens »Free­dom« bei Ama­zon (5,80) und bei Kobo (8,87) ger­ade ver­glichen habe, habe ich nach Lesen der Kom­mentare auch bei Google Play nachge­se­hen, der stolze Preis: 14,92. Das mag zufall sein – also noch ein Ver­gle­ich: Irvin D. Yalom, Love’s Exe­cu­tion­er: Ama­zon wie Kobo 6,99 – bei Google Play das Dop­pelte (13,55) …

Auch abge­se­hen davon: Such­funk­tion und Bedi­enung auf der Kobo-Seite sind unter aller Sau. Ver­stelle die Sprache auf Englisch, gebe den Autoren­na­men ein – es springt zurück auf Deutsch und zeigt deutsche Über­set­zun­gen. Gebe ich Autoren­na­men und Titel ein, wird die Titeleingabe weit­ge­hend ignori­ert, Ergeb­nis zeigt alle Autoren der Welt, die ein Wort aus dem Titel in ihren Titeln haben. Also – ich täte mich gerne gegen Kin­dle entschei­den, aber eine Masochistin bin ich nicht.

sagt:

[…] Wir hal­ten fest: Bü­cher sind be­reits jet­zt aas­geie­rig teuer und der Bör­sen­ver­ein scheint zu un­ter­stüt­zen, dass diese noch teu­rer wer­den sol­len. Zu­dem geht man vom Ta­schen­buch im­mer öf­ter gern mal aufs Pa­per­back, weil man das bei glei­chem In­halt deut­lich teu­rer ver­ti­cken kann — man kön­nte es, eben­so wie das Auf­tei­len von Wäl­zern auf zwei Bü­cher, auch als »Kun­den­ver­ar­sche« be­zeich­nen, denn es han­delt sich nur um neue Schläu­che für al­ten Wein. Die Bran­che ver­steht of­fen­sicht­lich im­mer noch nicht, dass sie heut­zu­tage in di­rek­ter Kon­kur­renz zu Ta­blet– und Smart­phone-Apps ste­ht, die man für ein paar Cent er­wer­ben kann. Von an­de­ren di­rek­ten Kon­kur­ren­zen wie In­ter­net, Spie­len, Fil­men noch gar nicht ge­spro­chen. Und auch nicht da­von, dass man sich eben sei­nen Le­se­stoff für ei­nen Bruch­teil des deut­schen Prei­ses gle­ich im eng­li­schen Ori­gi­nal kau­fen kann. Al­ler­dings sollte man sich diese eng­li­schen Ori­gi­nale bes­ser nicht bei deut­schen An­bei­tern kau­fen. […]

Sarah

sagt:

Danke für die gute Recherche!
für mich spricht die tat­sache dass ama­zon gün­stigere englis­che büch­er hat, nun dafür, doch einen kin­dle anstatt toli­no zu kaufen. Oder hat sich die Sit­u­a­tion seit Ihrer Recherche verän­dert?

sagt:

Nein, die Sit­u­a­tion hat sich in kein­ster Weise verbessert. Wer englis­che eBooks lesen möchte, der sollte unbe­d­ingt zum Kin­dle greifen. Dafür spricht auch die viel beque­mere Hand­habung der Käufe. Wer trotz­dem auch noch eBooks im ePub-For­mat lesen möchte, kann die ein­fach mit der Free­ware Cal­i­bre in mobi umwan­deln (solange die nicht mit Adobe-DRM verseucht sind). Es gibt also kein Argu­ment für Toli­no.

https://calibre-ebook.com

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