Simon Halo: ENGEL SPUCKEN NICHT

Klap­pen­text:

»Anja erwacht als Ein­zi­ge ihrer Eli­te­trup­pe in den Wei­ten des Alls aus ihrem Tief­schlaf. Auf der Suche nach Ant­wor­ten tas­tet sie sich lang­sam durch das rie­si­ge Schiff. Erst nach­dem die von ihr unbe­wusst ein­ge­lei­te­te Befehls­se­quenz die gewal­ti­ge Ver­nich­tungs­ma­schi­ne­rie des Schif­fes unwi­der­ruf­lich in Gang gesetzt hat, erkennt sie das tod­brin­gen­de Ziel der Mis­si­on.

Zwei­fel begin­nen sich zu for­men. Zwei­fel, die die in ihrem Gehirn implan­tier­ten Befehls­ket­ten nie hät­ten auf­kom­men las­sen dür­fen, wäre deren Ver­falls­da­tum nicht schon lan­ge über­schrit­ten wor­den.«

Ein Buch, das mich zwie­ge­spal­ten zurück­lässt, ganz ehr­lich gesagt. Einer­seits wirk­lich fas­zi­nie­ren­de Ide­en, abseits vom übli­chen Kli­schee, ande­rer­seits eine über­aus ver­wir­ren­de Erzähl­tech­nik, zum Teil etwas unpas­sen­de »direk­te Spra­che« und das unbe­frie­dig­te Ver­lan­gen nach ein paar Ant­wor­ten.

Aber begin­nen wir am Anfang.

Anders als im Rücken­text ange­deu­tet, lässt uns der Autor die Gescheh­nis­se aus der Sicht von vier Haupt­per­so­nen erle­ben, die an Bord eines Fern­raum­schif­fes aus einem künst­li­chen Schlaf erwa­chen und sich mit­ten in einer Kri­se befin­den. Um sie her­um Tod, man­geln­de Infor­ma­ti­on und Ver­wir­rung. Ein sehr schö­ner Ein­stieg, zumal Rück­schau­en als Neben­wir­kung der Pro­ze­dur ein­ge­baut wer­den. So erfährt man viel über die Ver­flech­tung der Prot­ago­nis­ten unter­ein­an­der. Jeder der Vier schlägt sich allein durch die Hand­lung, ver­sucht an Infor­ma­tio­nen zu kom­men, die Kri­se in den Griff zu bekom­men oder ganz sim­pel nur zu über­le­ben.
Der Zweck der Rei­se, grob mit »Besied­lung eines frem­den Pla­ne­ten« umschrie­ben, gerät recht schnell ins Hin­ter­tref­fen. Dafür wird das Inne­re die­ses gewal­ti­gen Schif­fes sehr anschau­lich beschrie­ben, mit beein­dru­cken­den Details, die für das Kön­nen des Autors spre­chen. Ein rie­si­ger Muse­ums­kom­plex zum Bei­spiel, der spä­ter zum Schau­platz einer Pan­zer­fahrt und eines Gefech­tes dient. Schließ­lich tau­chen immer mehr der schein­ba­ren Geg­ner auf, wer­den abge­wehrt, ohne dass die schnell erkenn­bar wer­den­den Selt­sam­kei­ten erforscht wer­den. Das mag anfangs irri­tie­rend klin­gen, ist aber durch­aus rea­lis­tisch. Die der­zei­ti­ge Mensch­heit erforscht nur aus einem Gefühl der Über­le­gen­heit oder um bes­se­re Waf­fen zu ent­wi­ckeln, doch dafür bleibt den Prot­ago­nis­ten kei­ne Zeit.

Der Leser wird, was Infor­ma­tio­nen betrifft, auf dem glei­chen Stand gehal­ten wie die Prot­ago­nis­ten, was ein schö­ner Kunst­griff ist, der die Span­nung stei­gert. Dazu wür­de aber auch gehö­ren, dass die Span­nung irgend­wann auf­ge­löst wird, die Neu­gier befrie­digt wird. Die­sen Teil jedoch ver­säumt der Autor. Weder erfährt man, woher die frem­de Ras­se kommt, noch war­um es die­sen Kampf gibt. Vie­le Fra­gen blei­ben unbe­ant­wor­tet, es bleibt ein Gefühl von »War­um das alles?«.

Auch die Erzähl­tech­nik ist eher unprak­tisch, zumin­dest für mei­nen Geschmack. Pro Kapi­tel kom­men zwei der vier Prot­ago­nis­ten zu Wort, zu der eigent­li­chen Hand­lung kom­men ein­ge­streu­te Erin­ne­run­gen dazu. Die gesam­te Erzähl­füh­rung wirkt dadurch zer­ris­sen und hek­tisch. Was bei einem Kino­film als »rasan­te Schnitt­füh­rung« bestimmt inter­es­sant wäre, lässt hier den Leser in der Luft hän­gend zurück, da stän­dig zwi­schen den Per­spek­ti­ven und auch den Zei­ten gewech­selt wird. Feh­len­de Anhalts­punk­te, ob die vier Prot­ago­nis­ten gleich­zei­tig oder nach­ein­an­der ihre Erleb­nis­se haben, ver­wir­ren nur noch wei­ter.

Her­vor­he­ben jedoch möch­te ich die Cha­rak­te­ri­sie­rung der Prot­ago­nis­ten. Sie wir­ken sehr leben­dig, was gera­de auch durch die Rück­blen­den betont wird. Ein sehr gro­ßer Plus­punkt, gera­de wenn man die oft­mals doch recht blas­sen Cha­rak­te­re in ande­ren Büchern dage­gen­setzt.

Die Kri­tik­punk­te bedeu­ten aber nicht, dass ich das Buch nicht moch­te. Es hat nur sowohl gute als auch für mein Emp­fin­den weni­ger gute Sei­ten. Ich emp­feh­le einen Blick in die Lese­pro­be, damit jeder für sich sehen kann, ob ihm das Buch zusagt. Eine per­sön­li­che Emp­feh­lung gebe ich nicht, rate aber auch nicht vom Kauf ab.

 

ENGEL SPUCKEN NICHT
Simon Halo
Sci­ence Fic­tion
Taschen­buch, 427 Sei­ten und eBook
Preis: Taschen­buch 12,90 Euro, eBook (Kind­le) 2,99 Euro
3. Auf­la­ge (18. Mai 2010)
ISBN-10: 3000274804
ISBN-13: 978–3000274800
ASIN (Kind­le): B007CPLAOQ
KIN­Gon­ly

 

Titel­bild Copy­right KIN­GOn­ly

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AutorIn: Bernd Meyer

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