Story: PERRY RHODAN – UNTERNEHMEN STARLIGHT

Bereits Ende der Neun­zi­ger habe ich die­se Geschich­te ver­fasst, die dann lan­ge Zeit auf einer Fest­plat­te des aufs Alten­teil geschick­ten Ami­gas ver­schol­len war. Kürz­lich konn­te ich die alten Hard­disks an einen Emu­la­tor anschlie­ßen und diver­se ver­lo­ren geglaub­te Sto­ries ret­ten.

Ich hielt es ange­sichts des heu­ti­gen 50. Jubi­lä­ums der PERRY RHO­DAN-Serie für ange­mes­sen, den Text als Hom­mage an die Serie auf Phan­ta­News zu ver­öf­fent­li­chen.

Die Geschich­te wur­de behut­sam über­ar­bei­tet und in Tei­len ange­passt, ist aber im Gro­ßen und Gan­zen noch so, wie ich sie im Jahr 1999 ver­fass­te.

Ich wün­sche viel Spaß beim Lesen!

Ste­fan Holz­hau­er

Wer die Geschich­te nicht online oder nicht auf einer Web­sei­te lesen möch­te, der fin­det am Ende des Doku­ments ver­schie­de­ne eBook-For­ma­te zum Down­load!

Ich bit­te die Copy­right-Hin­wei­se am Ende des Tex­tes zu beach­ten!


In der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts steht die Mensch­heit am Abgrund. Meh­re­re Macht­blö­cke rin­gen um die Vor­herr­schaft auf dem Pla­ne­ten Erde und haben ato­ma­re Waf­fen ange­sam­melt, um ihre For­de­run­gen zur Not mit Gewalt durch­zu­set­zen. Dass es nach einem Atom­krieg kei­ne Gewin­ner geben kann, scheint nie­man­den zu inter­es­sie­ren.

Doch selbst im Ange­sicht die­ses Wahn­sinns gibt es muti­ge Män­ner, die im Namen der For­schung und der Wis­sen­schaft dort­hin gehen wol­len, wo noch nie ein Mensch war: in den Welt­raum.

Major Per­ry Rho­dan und sei­ne Crew­mit­glie­der ahnen noch nicht, dass sie bald die Geschi­cke der Mensch­heit für immer ver­än­dern wer­den …

Die Haupt­per­so­nen des Romans:

Per­ry Rho­dan – der Major und Risi­ko­pi­lot der US Space Force lei­tet eine gefähr­li­che Ope­ra­ti­on.

Les­ly Poun­der – der Drei-Ster­ne-Gene­ral ist der Chef des ame­ri­ka­ni­schen Raum­fahrt-Pro­gramms

Regi­nald Bull – Rhodans Freund ist Inge­nieur und Spe­zia­list für ato­ma­re Trieb­wer­ke

Eric Mano­li und Clark G. Flip­per – die Astro­nau­ten gehö­ren zu Per­ry Rhodans Team

 

Am liebs­ten erin­ne­re ich mich an die Zukunft.
Sal­va­dor Dalí

Das Merk­wür­digs­te an der Zukunft ist wohl die Vor­stel­lung, dass man unse­re Zeit spä­ter die gute alte Zeit nen­nen wird.
John Stein­beck

* * *

Im Kon­troll­zen­trum von Neva­da Fields herrsch­te geschäf­ti­ges Trei­ben. Auf den ers­ten Blick hät­te man anneh­men kön­nen, dass es sich sogar um ein hek­ti­sches Durch­ein­an­der han­del­te, aller­dings wäre das nur ober­fläch­lich beob­ach­tet kor­rekt gewe­sen. Tat­säch­lich wuss­te hier jeder was er tat und die Hand­lun­gen der Anwe­sen­den waren von ziel­stre­bi­ger Effi­zi­enz. Die Luft war erfüllt von ver­hal­te­nem Mur­meln sowie dem Sir­ren und lei­sen Kla­cken der elek­tro­ni­schen Anla­gen die­ser Deka­de.
Drei-Ster­ne-Gene­ral Les­ly Poun­der blick­te, sei­ne Arme in die Hüf­ten gestemmt, durch den Kon­troll­raum. Er erlaub­te sich einen gewis­sen Anflug von Stolz, wohl wis­send, dass er hier die bes­ten Raum­fahrt­spe­zia­lis­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­sam­melt hat­te. Der Gene­ral öff­ne­te die Tür zum Büro des Stabs­chefs Oberst Mau­rice und die­ser, wie so oft mit einem sei­ner Mit­ar­bei­ter über eini­ge Dia­gram­me und Loch­strei­fen gebeugt und dis­ku­tie­rend, blick­te auf. Als er Poun­der sah über­zog ein zufrie­de­nes Grin­sen sein Gesicht und da der Gene­ral sei­ne Pap­pen­hei­mer kann­te, konn­te er dar­aus ent­neh­men, dass alles bes­tens lief.

»Nun Oberst, Dr. Leh­mann, wie sieht’s aus?«, frag­te der Gene­ral wäh­rend er sich zur Kaf­fee­ma­schi­ne begab und einen Becher mit der schwar­zen, damp­fen­den Flüs­sig­keit füll­te. Mau­rice hob die Augen­brau­en: »Alles bes­tens, Gene­ral. Wir lie­gen exzel­lent im Zeit­plan. Die gest­ri­gen abschlie­ßen­den Tests des neu­en Trieb­werks sind sogar noch bes­ser aus­ge­fal­len, als wir das erwar­tet hat­ten.« Neben ihm faß­te sich Dr. Leh­mann, der wis­sen­schaft­li­che Lei­ter des Neva­da-Fields-Raum­ha­fens und Direk­tor der »Cali­for­nia Aca­de­my Of Space Flight«, an die  Bril­le und füg­te hin­zu: »Wenn nichts Unvor­her­ge­se­he­nes mehr geschieht, kann der Start plan­mä­ßig erfol­gen.«
»Sehr gut!«, ent­geg­ne­te Poun­der, hob die Tas­se mit der aro­ma­tisch rie­chen­den Flüs­sig­keit an den Mund und zöger­te kurz, um den Geruch zu inha­lie­ren. Sein Blick fiel aus dem Fens­ter zum Start­feld. Dort stand sie, ange­strahlt von gigan­ti­schen Natri­um­dampf­lam­pen, die Rake­te die eine neue Ära des Raum­flugs ein­lei­ten soll­te. In gro­ßen schwar­zen Let­tern stand ihr Name auf der Außen­hül­le:

STARLIGHT.

Der Start des Raum­fahr­zeugs soll­te in einer Woche statt­fin­den. Die Besat­zung war die bes­te, die die ame­ri­ka­ni­sche Raum­fahrt auf­zu­bie­ten hat­te. Als Kom­man­dant fun­gier­te Major Per­ry Rho­dan, der auf­grund sei­ner immens schnel­len Auf­fas­sungs­ga­be auch der Sofor­t­um­schal­ter genannt wur­de. Ihm zur Sei­te stan­den Cap­tain Regi­nald Bull, der unter­setz­te Rot­haa­ri­ge mit dem Bürs­ten­schnitt, bekannt für sei­ne lose Zun­ge, Cap­tain Clark G. Flip­per, der sanf­te Hüne mit der Baby­haut und den gro­ben Fin­gern sowie der unauf­fäl­li­ge und schweig­sa­me Leut­nant Dr. Eric Mano­li, sei­nes Zei­chens Mis­si­ons­me­di­zi­ner. Die vier trai­nier­ten bereits seit Jah­ren zusam­men und waren nicht nur ein her­vor­ra­gend auf­ein­an­der ein­ge­spiel­tes Team gewor­den, son­dern es hat­te sich wei­ter­hin eine tie­fe Freund­schaft zwi­schen ihnen ent­wi­ckelt. Jeder kann­te die ande­ren gut genug um vor­aus­se­hen zu kön­nen wie sie in bestimm­ten Situa­tio­nen reagie­ren wür­den.
Der­zeit schlen­der­ten die vier Risi­ko­pi­lo­ten vom klei­nen Kino des Stütz­punk­tes – in dem sie sich zum Zwe­cke der Zer­streu­ung einen Sci­ence Fic­tion- Film ange­se­hen hat­ten – in Rich­tung der Bar, die für die zahl­rei­chen Mit­ar­bei­ter des Raum­ha­fens Neva­da Fields ein­ge­rich­tet wor­den war. Ablen­kung gab es in der Umge­bung des Gelän­des nicht und so hat­ten die Ver­ant­wort­li­chen dafür gesorgt, dass den Mit­ar­bei­tern des Raum­fahrt­pro­jek­tes auf dem Are­al Gele­gen­heit zur Zer­streu­ung gebo­ten wur­den.
Bull schüt­tel­te gera­de den Kopf: »Über­licht­schnel­ler Flug, intel­li­gen­te Robo­ter, Strah­len­waf­fen, para­nor­ma­le Fähig­kei­ten. Glaubt mir Freun­de, auch wenn ich bereits mehr­mals die Erde umkreist habe, fällt es schwer, mir so etwas vor­zu­stel­len.«
»Wir ste­hen erst ganz am Anfang der Erschlie­ßung des Rau­mes, Bul­ly«, ent­geg­ne­te Rho­dan und trat bei­läu­fig gegen einen klei­nen Stein, der auf dem Weg lag. »Wer weiß, was in hun­dert oder gar tau­send Jah­ren sein mag.«
»Wenn die Mensch­heit sich und die Erde bis dahin nicht in den Orkus gebombt hat…«, wand­te Cap­tain Flip­per ein, der in die­ser Hin­sicht bis­wei­len zu Pes­si­mis­mus neig­te. Dr. Mano­li hat­te wie so oft eine posi­ti­ve­re Mei­nung. Viel­leicht hing es auch damit zusam­men, dass er als Medi­zi­ner sei­nen Schütz­lin­gen oft­mals Zuver­sicht ein­flö­ßen muss­te: »Das kann ich nicht glau­ben. So dumm einen ato­ma­ren Krieg zu füh­ren kann ein­fach nie­mand sein.«
Die vier Pilo­ten betra­ten die Bar in der sich momen­tan nur weni­ge Gäs­te auf­hiel­ten und schlen­der­ten zu einem Tisch am Ende des Rau­mes, der all­ge­mein als ihr Stamm­platz bekannt war.
»Denkt dran Jungs, nur ein Bier und dann ab ins Bett«, sag­te Rho­dan, »mor­gen tre­ten wir wie­der in eine Vor­be­rei­tungs­pha­se ein, dann ist es vor­bei mit dem locke­ren Leben und den küh­len Bie­ren.«
Bul­ly stieß ver­ächt­lich die Luft zwi­schen den Zäh­nen her­aus: »Locke­res Leben, dass ich nicht lache! Wer ist denn heu­te Mit­tag in der Wäsche­schleu­der auf 20 G gebracht wor­den, Du oder ich? Wenn Du das locke­res Leben nennst, möch­te ich mir nicht vor­stel­len, was Du unter Arbeit ver­stehst.«
»Unter Arbeit ver­ste­he ich die inten­si­ven Mis­si­ons­vor­be­rei­tun­gen die mor­gen begin­nen«, erwi­der­te Per­ry ernst­haft.
»Noch inten­si­ver? Das ist Skla­ve­rei!«, lamen­tier­te Regi­nald Bull wei­ner­lich, grins­te dann jedoch in die Run­de, erhob sein inzwi­schen ein­ge­trof­fe­nes Bier und into­nier­te, noch immer grin­send: »Auf das Ende der Frei­heit – und den Beginn eines wei­te­ren Aben­teu­ers!« Die rest­li­chen drei schlos­sen sich an und nipp­ten an ihrem Getränk.

* * *

Am nächs­ten Tag ver­sam­mel­ten sich die Risi­ko­pi­lo­ten in Gene­ral Poun­ders Büro, wo sie bereits von Chief Mau­rice und Dr. Leh­mann erwar­tet wur­den. »War­um die Geheim­nis­tue­rei?«, frag­te Flip­per, nach­dem er sei­nen wuch­ti­gen Kör­per auf das Sofa gewor­fen hat­te, wel­ches ob der Belas­tung pro­tes­tie­rend knirsch­te, »das ist weder unse­re ers­te Raum­mis­si­on, noch wird es die letz­te sein. Was ist an ein paar Erd­um­krei­sun­gen schon so beson­de­res?«
Wäh­rend Dr. Leh­mann nur viel­sa­gend lächel­te, ent­geg­ne­te der Stabs­chef: »Noch einen Moment Geduld mei­ne Her­ren, der Gene­ral wird alle Ihre Fra­gen hin­rei­chend beant­wor­ten.«
Wie auf ein Stich­wort öff­ne­te sich die Tür des Büros. Gewohnt ziel­stre­big betrat Poun­der sein Domi­zil und schritt hin­ter den Schreib­tisch. Auf die­sem plat­zier­te er eine Akten­map­pe. In Rich­tung Flip­per begann er: »Wie ich sehe, haben Sie es sich bereits bequem gemacht, Cap­tain. Wenn ich die ande­ren Her­ren nun eben­falls bit­ten dürf­te Platz zu neh­men…« Die Anwe­sen­den kamen sei­ner Auf­for­de­rung nach und zumin­dest die vier Pilo­ten blick­ten ihn nun erwar­tungs­voll an. Poun­der ließ sich auch nicht lan­ge bit­ten, er war ohne­hin kein Freund von über­flüs­si­gen Flos­keln, und kam sofort zum The­ma: »Ihre Mis­si­on wird es sein mit einer drei­stu­fi­gen Trä­ger­ra­ke­te in ein Erdor­bit zu gelan­gen, die Erde zwan­zig Mal zu umkrei­sen und dann wie­der hier in Neva­da Fields zu lan­den.«
»Und des­we­gen die Geheim­nis­tue-rei? Was soll dar­an so beson­ders sein?«, unter­brach Bull, »das haben wir doch schon so oft gemacht, dass es fast Rou­ti­ne ist.« Poun­der warf dem Rot­haa­ri­gen einen miss­bil­li­gen­den Blick zu: »Wenn sie mich bit­te aus­re­den las­sen wür­den? Vie­len Dank.« Er atme­te tief durch. »Der Unter­schied zu den ande­ren Orbi­tal­mis­sio­nen ist fol­gen­der: Zum ers­ten Male wird kein che­mi­scher, also Fest­stoff­treib­satz benutzt wer­den, son­dern das neue ato­ma­re Strahl­trieb­werk. Die­se Mis­si­on, mei­ne Her­ren, ist qua­si die Gene­ral­pro­be für ihre danach fol­gen­de Auf­ga­be, für die wir end­lich grü­nes Licht von der Regie­rung bekom­men haben: Eine Lan­dung auf dem erd­nächs­ten Him­mels­kör­per – dem Mond!«

Alle Pilo­ten außer Rho­dan began­nen durch­ein­an­der zu reden. Der Gene­ral ver­such­te sie mit beru­hi­gen­den Hand­be­we­gun­gen wie­der zum Schwei­gen zu brin­gen und setz­te, als das nichts half, sein laut­star­kes Organ ein: »Bit­te, mei­ne Her­ren, ich bit­te um etwas mehr Dis­zi­plin. Und vor allem um Ruhe!« Wel­che auch schnell ein­trat, denn es gehör­te zu den unge­schrie­be­nen Geset­zen der Ein­rich­tung, dass man Les­ly Poun­der eine Bit­te nicht abschlug. Zu schnell konn­te ein Befehl dar­aus wer­den.
Der Kom­man­dant des Stütz­punk­tes fuhr fort: »Was ihren aktu­el­len Auf­trag angeht: sie sind mit den Spe­zi­fi­ka­tio­nen des Atom­trieb­werks ver­traut, dar­auf möch­te ich des­halb nicht wei­ter ein­ge­hen. Wir hal­ten es für unab­ding­bar, einen Test unter Real­be­din­gun­gen durch­zu­füh­ren. Die Simu­la­tio­nen unse­rer elek­tro­ni­schen Rechen­ge­hir­ne sind alle­samt posi­tiv aus­ge­fal­len, von daher erach­ten wir die Mög­lich­keit einer Gefahr für Sie, mei­ne Her­ren, als äußerst gering. Den­noch wird das kein Spa­zier­gang, denn der neue Rake­ten­mo­tor wur­de bis­lang noch nie unter Welt­raum­be­din­gun­gen bemannt getes­tet. Da wir wis­sen, dass die Asia­ti­sche Föde­ra­ti­on eben­falls an einem sol­chen Trieb­werk arbei­tet und Spio­na­ge oder gar Sabo­ta­ge befürch­ten, wer­den wir ihren Flug für die Öffent­lich­keit als her­kömm­li­che Welt­um­krei­sung mit bekann­ter Trieb­werks­tech­no­lo­gie dekla­rie­ren. Der Start fin­det in exakt zwei Wochen statt. Noch Fra­gen?«

* * *

Das war vor zwei Wochen gewe­sen.

Der Count­down zeig­te T minus fünf Minu­ten. Die vier Astro­nau­ten lagen bereits auf den Kon­tur­lie­gen des engen Cock­pits der STARLIGHT. Kei­ner trug einen Raum­an­zug. Es hat­te beim Start einer frü­he­ren Raum­mis­si­on einen Unglücks­fall gege­ben, ein gebro­che­nes Genick ver­ur­sacht durch den Anzug. Seit­dem bestand Major Rho­dan dar­auf, in Bord­kom­bis zu star­ten. Nach eini­gen Dis­kus­sio­nen hat­te man sei­nem Wunsch ent­spro­chen.
»Wie ist ihr Sta­tus, STARLIGHT?«, frag­te der Ope­ra­tor des Kon­troll­zen­trums über die Sprech­ver­bin­dung. »Wie vor zehn Minu­ten«, ent­geg­ne­te Bull leicht gereizt, »Alle Sys­te­me zei­gen grün!« Bull war Fach­in­ge­nieur für ato­ma­re Strahl­trieb­wer­ke, er benö­tig­te für die Über­prü­fung der Anzei­gen nicht mehr Zeit  als ein ande­rer für das Able­sen sei­nes Arm­chro­no­me­ters.
Über Per­ry Rhodans Gesicht spiel­te ein fei­nes Lächeln. Regi­nald Bull moch­te manch­mal als ein Kinds­kopf erschei­nen, in Wirk­lich­keit war er ein hoch­qua­li­fi­zier­ter Spe­zia­list, der in Extrem­si­tua­tio­nen außer­or­dent­lich pro­fes­sio­nell agier­te. Der Major konn­te sich kei­nen Bes­se­ren an sei­ner Sei­te wün­schen. Ähn­li­ches galt auch für die bei­den ande­ren Män­ner an Bord des Raum­fahr­zeugs, des­halb sah man ihnen auch man­che Eigen­heit nach.
Die nächs­ten Minu­ten ver­gin­gen, ohne dass an Bord der STARLIGHT ein Wort gespro­chen wur­de. Dies war auch nicht not­wen­dig, man ver­stand sich ohne ver­ba­le Kom­mu­ni­ka­ti­on. Und es gab ein unge­schrie­be­nes Gesetz zwi­schen den vier Män­nern: Man rede­te erst über die Mis­si­on wenn sie tat­säch­lich begon­nen hat­te. Als der mono­to­ne Zähl­vor­gang des Count­downs zwan­zig erreich­te, schob Rho­dan das Mikro­fon näher an sei­ne Lip­pen und mel­de­te: »Abschluss­mel­dung STARLIGHT an Zen­tra­le. An Bord alles in Ord­nung. Wir mel­den uns ab bis zum Brenn­schluss der ers­ten Stu­fe. Ende!«

»… drei – zwei – eins – null – Zün­dung!«

Den Arbeits­ge­räu­schen der Tur­b­opum­pen tief im Bauch der ers­ten Stu­fe fol­ge das Dröh­nen der Vor­zün­dung, danach brach ein Geräusch­in­fer­no los, wel­ches jedes Lebe­we­sen das sich in der Nähe des star­ten­den Raum­schiffs auf­ge­hal­ten hät­te sofort zur Taub­heit ver­dammt hät­te. Und obwohl die Zen­tra­le des Schif­fes her­vor­ra­gend abge­schirmt war herrsch­te auch dort ein Lärm, der jeg­li­che Unter­hal­tung unmög­lich mach­te. Der Brenn­stoff N-Tri­äthylb­ora­zan der ers­ten Stu­fe ver­misch­te sich mit dem Sauer­stoff­trä­ger Sal­pe­ter­säu­re. Ein urge­wal­ti­ger che­mi­scher Pro­zess hat­te begon­nen, ein Pro­zess der stark genug war sogar einen Koloss von fast 7000 Ton­nen wie die STARLIGHT und deren Trä­ger­stu­fen aus dem Schwe­re­feld der Erde ent­kom­men zu las­sen. Aller­dings war es noch nicht so weit, der­zeit leck­ten ultra­hel­le Flam­men­zun­gen aus den Düsen des Trieb­wer­kes und mach­ten die Nacht an der Start­ram­pe zum Tag. Lang­sam und mit einem leich­ten Zit­tern hob sich die Rake­te vom Boden, wider­stre­bend, wie es schien.
Die­se Momen­te waren die kri­tischs­ten eines Starts. Die Auto­ma­ti­ken kämpf­ten dar­um, das Raum­fahr­zeug das der­zeit noch nahe­zu fahrt­los war, in der Senk­rech­ten zu hal­ten und schwenk­ba­re Steu­er­brenn­kam­mern reagier­ten auf die Befeh­le der Rech­ner. Doch dann schien die STARLIGHT einen Satz zu voll­füh­ren und schoss, einem lohen­den Fanal gleich, in den Nacht­him­mel. Inner­halb nur einer hal­ben Minu­te war das Schiff nur mehr als Flam­men­schweif am Him­mel zu erken­nen. Im Kon­troll­zen­trum und im Pres­se­bun­ker bran­de­te Jubel auf.

* * *

Per­ry Rho­dan mel­de­te sich sofort nach dem Brenn­schluss der ers­ten Stu­fe, denn er hat­te nur acht Sekun­den bis zur Akti­vie­rung von Trieb­werk zwei. Nach den 9,3 Gra­vos die er soeben hat­te erdul­den müs­sen klang sei­ne Stim­me gepresst: »Rho­dan hier. Alles plan­mä­ßig. Besat­zung wohl­auf. Kei­ne Scha­dens­an­zei­gen. Wir erwar­ten Zün­dung von Stu­fe zwei. Ende!« Nur kurz schlich sich der Gedan­ke an das jetzt bald zün­den­de Atom­trieb­werk in sei­ne Über­le­gun­gen. Wenn dabei etwas schief gehen soll­te…
Er ver­dräng­te die­sen Impuls, alles war zig Male simu­liert, tau­send, zehn­tau­send­mal durch­ge­rech­net wor­den. Alle die­se Über­le­gun­gen wur­den jedoch in dem Moment uner­heb­lich, als das Trieb­werk zün­de­te und der gewal­ti­ge Andruck Schwär­ze vor sei­nen Augen wogen ließ. So bekam er die kur­ze Brenn­pau­se und die sekun­dä­re Schub­pha­se der Stu­fe zwei nicht mit. Die zwei­te Stu­fe erreich­te ihren Brenn­schluss als das schlan­ke Fahr­zeug eine Geschwin­dig­keit von 20 km/sec erreicht hat­te. Bull und Flip­per merk­ten davon nichts, da sie durch die Zün­dung eben­falls kurz­zei­tig das Bewusst­sein ver­lo­ren hat­ten. Als sie es nach weni­gen Sekun­den wie­der­erlang­ten, befand sich die STARLIGHT bereits jen­seits der Kreis­bahn der Raum­sta­ti­on CHALLENGER, also wei­ter als 3250 km über der Erd­ober­flä­che.
Die Astro­nau­ten hat­ten nun eini­ge Minu­ten Zeit zum Erho­len.

Dr. Mano­li hob den Kopf und frag­te kräch­zend: »Alle Mann wohl­auf? Das waren knapp über zwan­zig Gra­vos, den­ke ich.«
Die Män­ner gaben ihre Okays. Der­glei­chen waren sie gewohnt, immer­hin han­del­te es sich nicht um ihren ers­ten Raum­flug.
»Das war här­ter als sonst, oder täu­sche ich mich da?«, frag­te Regi­nald Bull in die Run­de.
»Du hast recht, Dicker. Das Atom­trieb­werk erreicht mehr Schub als die alten che­mi­schen Rake­ten. Aber das soll­te der Herr Atom­trieb­werk-Inge­nieur wohl am bes­ten wis­sen«, frot­zel­te Flip­per. Rho­dan zog erneut das Mikro­fon her­an und sag­te mit eben­falls noch immer leicht ange­schla­ge­ner Stim­me in Rich­tung Kon­troll­zen­trum: »Besat­zung in Ordung, Schiff okay. Berei­ten uns auf Zün­dung des STAR­LIGHT-Haupt­trieb­werks zur end­gül­ti­gen Orbi­tal­sta­bi­li­sie­rung vor.«

»Boden­sta­ti­on an STARLIGHT. Roger, Major«, kam die Ant­wort mit mini­ma­ler Ver­zö­ge­rung.

* * *

Der Rest war fast Rou­ti­ne. Nach­dem das kern­che­mi­sche Atom­trieb­werk der zwei­ten Stu­fe sei­ne Zuver­läs­sig­keit bewie­sen hat­te funk­tio­nier­te auch das der eigent­li­chen STARLIGHT ohne Schwie­rig­kei­ten und brach­te das Schiff in einen sta­bi­len Orbit. Rho­dan wuss­te: In knapp sechs Mona­ten wür­de die­ser neue Antrieb ihn und sei­ne drei Freun­de zum Mond brin­gen! Die STARLIGHT wür­de nicht nur in eine Kreis­bahn um die Erde ein­schwen­ken son­dern Kurs­kor­rek­tu­ren vor­neh­men und dann in Rich­tung Luna wei­ter flie­gen. Einer sei­ner Träu­me wür­de in Erfül­lung gehen: Er wür­de einer der ers­ten wenn nicht sogar der ers­te Mensch auf einem frem­den Him­mels­kör­per sein.
Rho­dan sah aus dem klei­nen Sicht­fens­ter hin­aus in die Unend­lich­keit des Rau­mes, wo er unzäh­li­ge Ster­ne erken­nen konn­te. Hier drau­ßen, ohne die stö­ren­de Luft­hül­le der Erde, konn­te man der­art vie­le von ihnen sehen… Ein gewal­ti­ger Anblick! Ein Anblick der ihm, dem Men­schen Per­ry Rho­dan, immer wie­der wenn er in sehen durf­te und auch immer wenn er sich nur dar­an erin­ner­te, deut­lich mach­te, wie klein er war. Wie klein und unbe­deu­tend sogar die Erde im Ange­sicht des Uni­ver­sums war. Was stör­ten den Kos­mos die nich­ti­gen Zwis­tig­kei­ten der Men­schen? Der Kos­mos hat­te bereits vor Jahr­mil­li­ar­den exis­tiert, als die Erde noch ein glü­hen­der Ball gewe­sen war und er wür­de noch sehr viel län­ger exis­tie­ren, wenn ihre Son­ne der­einst in wei­te­ren Äonen an Leucht­kraft ver­lor und Sols müde gewor­de­nen Strah­len eine leb­lo­se Erde beleuch­ten wür­den.
Gab es dort drau­ßen wohl ande­re wie die vier Män­ner in ihrem klei­nen Schiff, ande­re die wie sie mit den Natur­kräf­ten ran­gen, ihr Leben aufs Spiel setz­ten, um dem Uni­ver­sum sei­ne Geheim­nis­se zu ent­lo­cken? Pio­nie­re, die ihre ange­stamm­te Hei­mat hin­ter sich lie­ßen, um zu sehen was da drau­ßen war? Viel­leicht mach­ten sich Mil­lio­nen Licht­jah­re von ihm ent­fernt gera­de eben­falls Wesen dar­an, in die Unend­lich­keit vor­zu­sto­ßen und viel­leicht dach­te dort drau­ßen ein unbe­kann­tes Indi­vi­du­um gera­de jetzt ähn­li­che Gedan­ken wie er…
Sein geheims­ter Traum war es, eines Tages in ein ande­res Son­nen­sys­tem vor­zu­sto­ßen. Doch er war sich dar­über im kla­ren, dass dies nur ein Traum blei­ben wür­de. Die uner­mess­li­chen inter­stel­la­ren Distan­zen waren nicht über­brück­bar, nicht inner­halb eines viel zu kur­zen Men­schen­le­bens. So begnüg­te er sich mit die­sem Traum den er seit Kin­der­ta­gen in sich trug. Eine geein­te Mensch­heit, die inter­stel­la­re Rei­sen unter­nahm. Ein Traum, der oft­mals erschre­ckend real gewe­sen war…
Per­ry Rho­dan fand in die Rea­li­tät zurück. Er dach­te an die Män­ner und Frau­en, die in den vie­len Jah­ren nach ihm ins Welt­all auf­bre­chen wür­den und wünsch­te ihnen im Stil­len bereits jetzt Glück. Er war sich fast sicher: Wenn genug Zeit ver­ging wür­den sie sei­nen Traum zu den Ster­nen tra­gen. Auch wenn er dann schon lan­ge nur mehr ein Name im Buch der Geschich­te wäre.

* * *

Die zwan­zig Erd­um­krei­sun­gen waren Rou­ti­ne. Die Mess­in­stru­men­te sam­mel­ten ruhe­los Daten, wie Maschi­nen es nun ein­mal tun. Die Män­ner an Bord der STARLIGHT über­wach­ten alles, ergötz­ten sich am Anblick des blau­en Pla­ne­ten und der Unend­lich­keit des Alls. Auch wenn sie die­se Bil­der bereits oft gese­hen hat­ten: Dar­an gewöh­nen konn­te sich nie­mand, nie­mals. Die Erha­ben­heit die sie schau­en durf­ten, ließ sie sogar die klei­nen Unan­nehm­lich­kei­ten wie die die Enge und die fade schme­cken­den Kon­zen­tra­trie­gel völ­lig ver­ges­sen.
Dann war es soweit.
»Neva­da Fields an STARLIGHT!«
»Rho­dan hier.«
»Berei­ten Sie alles für Wie­der­ein­tritt vor.«
»Ver­stan­den, Kon­trol­le. Wie­der­ein­tritt beginnt plan­mä­ßig in einer Stun­de.«
»Roger STARLIGHT! Und… Viel Glück!«
»Dan­ke, Kon­trol­le. STARLIGHT Ende.«

* * *

Die STARLIGHT tauch­te in die obers­ten Schich­ten der Erd­at­mo­sphä­re ein. Das Schiff bock­te wie ein jun­ger Hengst, aber das war der Crew von den bis­he­ri­gen Mis­sio­nen bekannt. Die drit­te Brem­sel­lip­se hat­te begon­nen und die Geschwin­dig­keit des Raum­schiffs betrug nur noch fünf km/sec. Das neue Trieb­werk erlaub­te Manö­ver, die mit rein che­mi­schen Treib­stof­fen unmög­lich gewe­sen wären. Als die STARLIGHT in den Ortungs­be­reich der Alas­ka-Sta­ti­on ein­ge­tre­ten war betrug ihre Geschwin­dig­keit nur noch 8000 Stun­den­ki­lo­me­ter. Obwohl alle an Bord der­zeit über­aus ange­spannt waren wuss­te man: Das Aben­teu­er näher­te sich sei­nem Ende. Schon bald wür­de man wie ein her­kömm­li­ches Flug­zeug im atmo­sphä­ri­schen Flug auf den Neva­da-Fields lan­den.

Doch dann erschüt­ter­te ein schwe­rer Schlag das Schiff.

* * *

Rho­dan mach­te sei­nem Ruf als Sofor­t­um­schal­ter alle Ehre. Er erkann­te augen­blick­lich, dass irgend etwas mit der STARLIGHT kol­li­diert war. Mög­li­cher­wei­se ein Mikro­me­teo­rit, mög­li­cher­wei­se etwas ande­res. Er betä­tig­te eini­ge Kon­trol­len, bevor einer der ande­ren Män­ner zu einer Hand­lung fähig war.
»Bul­ly! Gib´ mir die Wer­te der Ein­tauch­kur­ve!«
Der Rot­haa­ri­ge wur­de bleich, ent­geg­ne­te jedoch: »Wir sind bereits deut­lich vom Kurs abge­kom­men. Unser Win­kel ist zu steil. Gib´ vier­zehn Pro­zent mehr Schub auf die lin­ke Late­ral­dü­se!«
Der Kom­man­dant der STARLIGHT hielt sich nicht mit einer Bestä­ti­gung auf, son­dern befolg­te den Rat sei­nes Freun­des umge­hend. Ohne Erfolg. Das Raum­schiff begann zu tru­deln, der Wie­der­ein­tritt wur­de unkon­trol­liert. Eine Kata­stro­phe zeich­ne­te sich ab.
»Die meis­ten Düsen reagie­ren nicht auf mei­ne Steu­er­im­pul­se!«, rief Rho­dan mit ver­zerr­ter Stim­me, wäh­rend sich die Andruck­kräf­te erhöh­ten.
»Ver­damm­ter Mist!«, fluch­te Bul­ly halb­laut. »Flipp! Ver­su­che die Red­un­danz­schal­tung zu akti­vie­ren!«
»Habe ich längst! Kei­ne Reak­ti­on!«, krächz­te Flip­per.
»Ich ver­su­che die STARLIGHT auf den Strahl des Haupt­trieb­werks zu dre­hen!« sag­te Rho­dan, inzwi­schen erstaun­lich ruhig. Not­fäl­le wie die­ser waren vor­her­ge­se­hen wor­den, es gab Richt­li­ni­en nach denen man ein außer Kon­trol­le gera­te­nes Schiff noch immer halb­wegs sicher zur Erde brin­gen konn­te. Halb­wegs sicher hieß in fast allen Fäl­len: Es gab eine ver­schwin­dend gerin­ge Chan­ce in einem Stück her­un­ter­zu­kom­men. Kei­ner sprach es aus, jedoch waren alle die­se Maß­nah­men aus­schließ­lich dazu gedacht das Schiff zu ret­ten, um aus den Auf­zeich­nun­gen der Bord­rech­ner, der Flug­schrei­ber und Black Boxen nach­fol­gen­den Besat­zun­gen eine höhe­re Über­le­bens­chan­ce zu sichern. Die Wahr­schein­lich­keit eines erfolg­rei­chen kon­trol­lier­ten Abstur­zes ten­dier­te gegen Null, eben­so die Über­le­bens­chan­ce der Besat­zung.
Aber Per­ry Rho­dan war nicht bereit dies zu akzep­tie­ren. Er zwang die zig-Ton­nen des Raum­schiffs unter Zuhil­fe­nah­me aller sei­ner Kennt­nis­se und Erfah­rung her­um und ver­such­te den Sturz mit­tels des Pri­mär­an­triebs zu brem­sen. Lodern­de, son­nen­hel­le Glut schoss aus den Aus­stoß­öff­nun­gen der noch reagie­ren­den Manö­ver­dü­sen und trieb den Kör­per der STARLIGHT mit Tita­nen­kräf­ten in eine um nahe­zu ein­hun­dert­und­acht­zig Grad gedreh­te Posi­ti­on. Der Sturz des Schif­fes sta­bi­li­sier­te sich.
Bull rech­ne­te wie wild: »Wenn ich es Dir sage, dann deak­ti­vierst du das Haupt­trieb­werk und ver­suchst mit den rest­li­chen Steu­er­dü­sen in eine halb­wegs hori­zon­ta­le Lage zu kom­men. Der Luft­wi­der­stand soll­te das sei­ne dazu tun und uns wie ein wel­kes Blatt her­um­wir­beln. Aber das ist nicht wei­ter schlimm, wenn wir uns erst­mal in den tie­fe­ren Luft­schich­ten befin­den wer­den die Auto­ma­ti­ken uns in einen halb­wegs sta­bi­len Gleit­flug brin­gen.«
»Falls uns bei der Akti­on nicht die Trag­flä­chen abrei­ßen…«, warf Clark Flip­per erstaun­lich ruhig ein.
»JETZT!«, rief Bull.
Für wei­te­re Wor­te war kei­ne Zeit, denn ein Ruck durch­lief die STARLIGHT und die Män­ner wur­den in ihre Gur­te gepresst, ein wei­te­rer Schlag erschüt­ter­te das Raum­fahr­zeug.
»Ver­damm­ter Mist!«, schrie Mano­li mit ersti­cken­der Stim­me nach einem Blick auf eine Anzei­ge, »Wir haben einen Hecksta­bi­li­sa­tor ver­lo­ren…«
End­gül­tig begann die STARLIGHT zu tru­deln…

* * *

Ohn­mäch­tig beob­ach­te Les­ly Poun­der den unkon­trol­lier­ten Absturz des Raum­schiffs auf den Radar-Reli­ef­tas­tern der Kon­troll­zen­tra­le. Er zer­drück­te einen Fluch zwi­schen den Lip­pen. Das waren sei­ne Män­ner um deren Leben es da drau­ßen ging! Nach mensch­li­chem Ermes­sen, so wuss­te er, waren die vier Raum­fah­rer ver­lo­ren. Die Geschwin­dig­keit der STARLIGHT war zu hoch, der Ein­tauch­vek­tor völ­lig falsch. Das Schiff tru­del­te, wür­de bald vom Luft­wi­der­stand der Atmo­sphä­re zer­ris­sen wer­den oder auf der Ober­flä­che zer­schel­len. Er blick­te hoch, sah Dr. Leh­mann fra­gend an. Die­ser schüt­tel­te den Kopf. Trau­er stand in den Augen des Wis­sen­schaft­lers. Kei­ne Trau­er um das geschei­ter­te Pro­jekt, son­dern Trau­er um die vier Män­ner die für ihre Idee, für sei­ne Idee, ihr Leben opfer­ten.

* * *

Den Män­nern an Bord der STARLIGHT wur­de schwarz vor Augen. Rho­dan bemüh­te sich mit aller ihm ver­blei­ben­den Kraft Kurs­kor­rek­tu­ren vor­zu­neh­men, wohl wis­send, dass es zu spät war. Ein letz­ter Blick auf die Kon­trol­len zeig­te ihm, dass ihr Schiff glück­li­cher­wei­se nicht auf bewohn­tem Gebiet nie­der­ge­hen, son­dern wohl ins Meer stür­zen wür­de. Dann umfing auch ihn eine erlö­sen­de Ohn­macht.

* * *

Es war über­aus schwer für Rho­dan, sei­ne Augen zu fokus­sie­ren. Er zwin­ker­te ein-, zwei­mal. Als die undeut­li­chen Kon­tu­ren sich klär­ten, erkann­te er das Gesicht Les­ly Poun­ders vor einer weiß getünch­ten Decke.
»Will­kom­men unter den Leben­den, Major!«, grins­te der Gene­ral.
Per­ry war zu schwach um sich auf­zu­rich­ten, jedoch konn­te er müh­sam ein Wort her­aus­brin­gen: »Was…?«
Der Gene­ral leg­te beru­hi­gend eine Hand auf die Schul­ter des Risi­ko­pi­lo­ten: »Blei­ben sie ruhig. Sie sind geret­tet. Ihnen und ihren Leu­ten geht es den Umstän­den ent­spre­chend gut, Major Bull kann sogar schon wie­der schimp­fen und mit den Schwes­tern flir­ten. Wie haben sie das nur gemacht?«
»Was..?«, krächz­te der Major noch ein­mal.
Poun­der schüt­tel­te den Kopf: »Allein dass sie das Schiff in einem Stück durch den Wie­der­ein­tritt bekom­men haben ist schon ein Wun­der. Im abso­lut letz­ten Moment brach­ten sie die STARLIGHT zudem in eine halb­wegs fla­che Posi­ti­on und sie schlug in einem opti­ma­len Win­kel auf das Meer auf. Wie ein fla­cher Kie­sel hüpf­te sie ein paar Mal über die glück­li­cher­wei­se leid­lich glat­te Ober­flä­che des Oze­ans, um dann zum Still­stand zu kom­men. Wir konn­ten sie ber­gen. Das Schiff ist schwer beschä­digt aber glück­li­cher­wei­se ist ihnen und den drei ande­ren nichts all­zu Schlim­mes gesche­hen. Es grenzt an ein Wun­der. Herz­li­chen Glück­wunsch, Major Rho­dan! Noch­mals: Will­kom­men unter den Leben­den!«

Per­ry Rho­dan wur­de wie­der bewusst­los.

* * *

Car­fesch, die Pro­jek­ti­on des ehe­ma­li­gen Gesand­ten des Kos­mo­kra­ten Tiryk, beschleu­nig­te sei­ne Licht­zel­le aus der Atmo­sphä­re des Pla­ne­ten Erde her­aus. Hät­te er nicht in letz­ter Sekun­de mit Hil­fe der tech­no­lo­gi­schen Fähig­kei­ten sei­nes Fahr­zeugs ein­ge­grif­fen, wären die bei­den Aus­er­wähl­ten jetzt tot. Er gönn­te sich ein zufrie­de­nes Lächeln, ein­her­ge­hend mit einem Aus­at­men, bei wel­chem die Gaze-ähn­li­che Mem­bran in sei­ner Gesichts­mit­te lei­se knis­ter­te.

* * *

Pres­se­mit­tei­lung der ame­ri­ka­ni­schen Raum­fahrt­be­hör­de:

»… geben wir bekannt, dass die STARLIGHT, eines der Orbi­tal­schif­fe des ame­ri­ka­ni­schen Raum­fahrt­pro­gramms, bei ihrem Wie­der­ein­tritt in die Erd­at­mo­sphä­re bei­na­he einem tra­gi­schen Unfall zum Opfer gefal­len wäre. Glück­li­cher­wei­se behielt die Besat­zung die grund­le­gen­de Kon­trol­le und konn­te eine voll­stän­di­ge Zer­stö­rung des Schif­fes und damit ihren Tod im letz­ten Moment ver­hin­dern. Die Män­ner sind wohl­auf, es geht ihnen den Umstän­den ent­spre­chend gut. Die STARLIGHT konn­te gebor­gen wer­den, wur­de jedoch irrepa­ra­bel beschä­digt…«

Aus einer Pres­se­kon­fe­renz mit den Besat­zungs­mit­glie­dern:

»… Major Rho­dan! Sie haben dem Tod ins Auge gese­hen und die STARLIGHT ist schwer beschä­digt. Hal­ten sie eine Fort­füh­rung des Raum­fahrt­pro­gramms noch immer für sinn­voll?«
»Selbst­ver­ständ­lich. Bei gefähr­li­chen Unter­neh­mun­gen wie der Raum­fahrt muß man mit Rück­schlä­gen rech­nen. Wir leben. Und wir machen wei­ter!«
»Aber die STARLIGHT ist schwer beschä­digt, mög­li­cher­wei­se irrepa­ra­bel.«
»Mei­ne Besat­zung und ich, wir haben uns mit dem Team und Gene­ral Poun­der bera­ten. Wir wer­den ein wei­te­res Mal ins All star­ten, bereits in weni­ger als sechs Mona­ten.«
»Major Rho­dan, die STARLIGHT ist qua­si zer­stört…«
»Ihr Schwes­ter­schiff wird recht­zei­tig ein­satz­be­reit sein.«
»Ihr Schwes­ter­schiff..?«
»Die STARDUST!«

ENDE (und ANFANG)


Major Rho­dan soll­te Recht behal­ten: kaum sechs Mona­te spä­ter mach­te sich die­sel­be Crew auf den Weg zum Mond – eine Rei­se, wel­che die Geschi­cke des Risi­ko­pi­lo­ten und der Mensch­heit für immer ver­än­dern wür­de…

 

* * *

 

Hin­wei­se zum Copy­right: die ver­wen­de­ten PER­RY-RHO­DAN-Logos, das alte Moewig-Logo und das Rho­dan-Kon­ter­fei unter­lie­gen eben­so wie der Begriff „PERRY RHODAN“ und das Rah­men­lay­out des nach­ge­ahm­ten Covers dem Copy­right der Ver­lags­uni­on Pabel Moewig (VPM). Das Titel­bild stammt von mir, die Rake­te STARLIGHT basiert auf einem Modell von Mar­co Sche­los­ke, der Hin­ter­grund (Erde aus dem All) stammt von der NASA und ist als Public Domain frei­ge­ge­ben. Die Geschich­te (Copy­right 1999 & 2011 Ste­fan Holz­hau­er) ist frei­ge­ge­ben unter einer Crea­ti­ve Com­mons Namens­nen­nung-Nicht­Kom­mer­zi­ell-Kei­ne­Be­ar­bei­tung 3.0 Deutsch­land Lizenz.

 

Die eBook-Fas­sun­gen der Geschich­te:

UNTERNEHMEN STARLIGHT – die PDF-Fas­sung, gut geeig­net für die Dar­stel­lung auf dem Desk­top-Bild­schirm, aber mit der geeig­ne­ten Anzei­ge­app auch auf dem iPad. Die Grö­ße des Doku­ments ent­spricht der eines Heft­ro­mans.

UNTERNEHMEN STARLIGHT – die ePub-Fas­sung mit Farb­bil­dern, geeig­net fürs iPad, iPho­ne oder für Andro­id-Gerä­te. Gut les­bar bei­spiels­wei­se in App­les mit­ge­lie­fer­ter Reader­soft­ware iBooks. Stan­za hat lei­der ein Pro­blem mit der Zen­trie­rung der Kapi­tel-Trenn-Ster­ne, kann die Datei ansons­ten aber eben­falls gut dar­stel­len.

UNTERNEHMEN STARLIGHT – die ePub-Vari­an­te für eRe­ader mit eInk-Dis­play. Hier wur­den die Bil­der in schwarz-weiß umge­rech­net und der Kon­trast erhöht.

Bei Pro­ble­men mit den Datei­en bit­te ich um eine kur­ze Rück­mel­dung! Ich habe sie auf einem eInk-Reader, einem iPad, einem iPod und unter Win­dows XP getes­tet.

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

7 Kommentare for “Story: PERRY RHODAN – UNTERNEHMEN STARLIGHT”

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Bernd Maier-Leppla

sagt:

Doll gemacht. Vor allem, dass ich’s auf dem iPad lesen konn­te. Dan­ke.

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Stefan Holzhauer

sagt:

Dan­ke. :)

Wenn ich hier schon stän­dig über eBooks lamen­tie­re, dann muss ich das auch brin­gen, oder? :o)

War auch eine gute Übung für die Steam­punk-Chro­ni­ken.

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Stefan Holzhauer

sagt:

Seufz. Wie ich sehe sind alle »Sie« noch klein und ein paar Satz­zei­chen sind eben­falls nicht kor­rekt. ich woll­te das aber heu­te recht­zei­tig ver­öf­fent­li­chen, es kommt bei­zei­ten eine aktua­li­sier­te Ver­si­on… :o)

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sagt:

Fra­ge: wie krie­ge ich mei­nen Ava­tar als Bild in den Kom­men­ta­ren rein.
Ach ja: redi­gie­ren in pages auf dem iPad ist ein Traum. Habe ich letz­tens im Flug­zeug gemacht. So schnell habe ich noch nie 40 Sei­ten redi­giert. Und vor allem so ein­fach. Pro­biers mal aus. Lohnt sich. (Zumal pages auf dem iPad so der­mas­sen bil­lig ist, dass man umfällt). Ach ja: ePubs macht pages auch … da gabs sogar mal eine tem­pla­te­da­tei …

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Stefan Holzhauer

sagt:

Das funk­tio­niert über einen Gra­va­tar-Account mit­tels des­sen ein Bild an eine email-Adres­se gekop­pelt wird.

In Sachen Pages: habe ich mir bereits ange­se­hen. Abge­se­hen vom iPad läuft hier jedoch alles unter Win­dows. Wie umfang­reich ist denn die For­mat­un­ter­stüt­zung von Pages? ODF? Kann Pages direkt auf eine Drop­box zugrei­fen?

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sagt:

Ah, Mist. Ich bin im Apple-Uni­ver­sum, da geht das alles. Natür­lich kann man mit pages docs öff­nen und abspei­chern. Zu öff­nen geht auch docx. Öff­nen einer Datei über die Drop­box geht auch, auch das spei­chern auf dem Pad über die Drop­box. Aber lei­der geht kein Spei­chern zurück auf die Drop­box. Das geht nur in die Apple – Welt, also mobi­le me, die Inter­net-Fest­plat­te da und natür­lich iWork.com, das ist so eine Kol­la­bo­ra­ti­ons­sei­te. Da könn­te man dann alles wie­der auf den PC laden, weil auf iWork-Com natür­lich auch die doc Datei mit abge­legt wird. Vorraus­set­zung wäre ein Account, und da haperts. Was natür­lich geht, ist ein ganz nor­ma­ler Web­DAV-Ser­ver. Da kann man es auch rauf­la­den. Ich seh schon, nicht wirk­lich sinn­voll, wenn man ansons­ten in der Win­dows­welt ist. Wie’s mit Goog­le ist, weiss ich nicht, aber da gibts auch eine App. Wie auch immer. Wün­sche ein schö­nes WE.

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Stefan Holzhauer

sagt:

odf wäre aller­dings für mich weit­aus inter­es­san­ter als doc… :) ich kau­fe näm­lich kein Office, wenn Open­Of­fice oder Libre­Of­fice völ­lig aus­reicht. Ich hab schon län­ge­re Zeit recher­chiert, eine App mit wirk­lich brauch­ba­rer odf-Unter­stüt­zung gibt es offen­bar nicht, immer nur so halb­ga­re Bas­tel­lö­sun­gen.

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