EDISON’S CONQUEST OF MARS – die erste Space Opera

Es ken­nt wohl jed­er der sich bere­its ein­mal mit SF auseinan­der geset­zt hat einen der großen Klas­sik­er des Gen­res und den wahrschein­lich allerersten Roman der sich mit ein­er Alien-Inva­sion beschäftigte: Her­bert George Wells´ WAR OF THE WORLDS. Mehrfach ver­filmt, von Orson Welles in ein allzu real­is­tis­ches Hör­spiel ver­wan­delt (heutzu­tage würde man so etwas wohl eine Mock­u­men­tary nen­nen), wurde die Geschichte sog­ar von Jeff Wayne in ein bis heute erfol­gre­ich­es »Rock-Musi­cal« gle­ichen Namens ver­wan­delt.

Kaum jemand weiß jedoch, dass es eine Fort­set­zung gibt. Das mag zum einen daran liegen, dass sie unau­tho­risiert ist, zum anderen daran, dass der amerikanis­che Autor und Jour­nal­ist Gar­rett Put­nam Serviss lange nicht die sprach­liche Qual­ität eines H. G. Wells erre­ichte, dafür aber Ken­nt­nisse der Astronomie besaß und Sach­büch­er darüber ver­fasste. Doch davon abge­se­hen legte EDISON’S CONQUEST OF MARS den Grund­stein für ein anderes SF-Genre, das heutzu­tage nicht mehr wegzu­denken ist: die Space-Opera.

It is impos­si­ble that the stu­pen­dous events which fol­lowed the dis­as­trous inva­sion of the earth by the Mar­tians should go with­out record, and cir­cum­stances hav­ing placed the facts at my dis­pos­al, I deem it a duty, both to pos­ter­i­ty and to those who were wit­ness­es of and par­tic­i­pants in the aveng­ing coun­ter­stroke that the earth dealt back at its ruth­less ene­my in the heav­ens, to write down the sto­ry in a con­nect­ed form.

The Mar­tians had near­ly all per­ished, not through our puny efforts, but in con­se­quence of dis­ease, and the few sur­vivors fled in one of their pro­jec­tile cars, inflict­ing their cru­elest blow in the act of depar­ture.

So die ersten Zeilen des ersten Kapi­tels – man stellt klar fest, dass sich Serviss direkt auf Wells´ Roman bezieht. Und er lässt es nicht damit bewen­den und schickt seine Pro­tag­o­nis­ten mit einem Raum­schiff gen Mars, um die Gefahr die vom roten Plan­eten aus­ge­ht zu beseit­i­gen, bevor die Marisan­er erneut ihre gieri­gen Fin­ger nach der Erde ausstreck­en kön­nen. Nicht allein aus heutiger Sicht macht ein Nach­fol­ge­band Sinn, denn KRIEG DER WELTEN lässt eben offen, was weit­er geschehen kön­nte, nach­dem die Inva­soren allein durch einen dum­men Zufall mit der Eroberung der Erde nicht erfol­gre­ich waren – sie hät­ten es jed­erzeit erneut ver­suchen kön­nen, oder? Das ver­hin­dern Edi­son und seine Gefährten in EDISON’S CONQUEST OF MARS, denn sie fliegen zum Nach­bar­plan­eten – doch neben dem offen­sichtlichen Rachehin­ter­grund und der Tat­sache, dass es wed­er schrift­stel­lerisch noch sprach­lich an Wells her­an reicht, wer­den hier vor allem Ver­satzstücke beschrieben, die wir später immer wieder in Space Opera-Geschicht­en find­en wer­den.

BUCK ROGERS, FLASH GORDON, SKYLARK, CAPTAIN FUTURE, STAR WARS, sie alle (und noch viele weit­ere) shulden diesem Roman Respekt, der als erster nicht nur Raum­schiffe mit Strahlenkanonen beschrieb, son­dern seine Helden auch mit Rau­manzü­gen ausstat­tete. Lange vor STARGATE, ALIEN VS. PREDATOR oder Erich von Däniken berichtete Serviss über Pyra­mi­den auf dem Mars. Und der Name der ter­ranis­chen Waffe – »Dis­in­te­gra­tor« – kommt nicht nur PERRY RHO­DAN-Fans heutzu­tage höchst bekan­nt vor.

The ships of the squadron whose crews had not land­ed upon the plan­et were sig­nalled to pre­pare for action, while those who were upon the aster­oid made ready for bat­tle there. A num­ber of dis­in­te­gra­tors were trained upon the approach­ing Mar­tians, but Mr. Edi­son gave strict orders that no attempt should be made to dis­charge the vibra­to­ry force at ran­dom.

»They do not know that we are here,« he said, »and I am con­vinced that they are unable to con­trol their motions as we can do with our elec­tri­cal ships. They depend sim­ply upon the force of grav­i­ta­tion. Hav­ing passed the lim­it of the attrac­tion of Mars, they have now fall­en with­in the attrac­tion of the aster­oid, and they must slow­ly sink to its sur­face.«

Jed­er SF-Fan sollte also zumin­d­est ein­mal einen Blick in diesen fast vergesse­nen Roman wer­fen, der die Grund­la­gen für vieles legte, was wir heute in der Space Opera (und ander­swo in der Sci­ence Fic­tion) als selb­stver­ständlich eracht­en. Und dank dem Pro­jekt Guten­berg ist das auch ohne weit­eres möglich, denn dort erhält man den Roman in ver­schiede­nen Fas­sun­gen als eBook. Man sollte sich allerd­ings deut­lich darüber im Klaren sein, wann das Buch ver­fasst wurde, wenn man sich auf dieses Aben­teuer inner­halb unseres Son­nen­sys­tems ein­lässt…

Abbil­dun­gen aus EDISON’S CONQUEST OF MARS – Pub­lic Domain

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

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