Die ROLE PLAY CONVENTION 2011

Zwi­schen Spie­len, Fans und ein paar Abzo­ckern

Gleich vor­ne­weg, damit der Unter­ti­tel nicht falsch ver­stan­den wird: Die RPC ist eine groß­ar­ti­ge Ver­an­stal­tung und hat sich als Treff­punkt für alle Freun­de des Phan­tas­ti­schen frag­los als gro­ßer Gewinn eta­bliert. Die im Unter­ti­tel anklin­gen­de Kri­tik rich­tet sich an man­chen Händ­ler, der wohl der Ansicht ist, man kön­ne auf den Steam­punk-Zug schnell und ein­nah­men­träch­tig auf­sprin­gen, indem man mal eben ein paar Zahn­rä­der an irgend­was klebt und das dann an den Fan ver­tickt, ähn­li­ches gilt für über­teu­er­te Pols­ter­waf­fen. Doch der Fan an sich ist nicht blöd (hof­fe ich).

Erneut muss man fest­stel­len, dass die gewagt schei­nen­de Zusam­men­stel­lung unter dem Ober­be­griff »Rol­len­spiel« mit den ver­schie­de­nen Facet­ten LARP, Pen&Paper und Com­pu­ter­spiel (und diver­se Rand­spiel­ar­ten mehr sowie natür­lich auch Lite­ra­tur und auch das Spiel ohne »Rol­len«) ganz offen­sicht­lich funk­tio­niert, denn die Schnitt­men­gen oder sogar Kon­gru­en­zen sind klar: in aller Regel wer­den hier gleich meh­re­re Inter­es­sen bedient, bei denen man sogar davon aus­ge­hen kann, dass sie sich in den Besu­chern ver­ei­nen.

Viel ver­än­dert hat sich zum Vor­jahr in den Hal­len (und davor) nicht, trotz der Ansa­ge, einen Aus­stel­ler­re­kord bie­ten zu kön­nen; ich hat­te aller­dings den Ein­druck, dass auf­grund einer etwas groß­zü­gi­ge­ren Platz­pla­nung bei den Mes­se­stän­den auch mehr Raum für die Besu­cher war, so dass es kaum zu Eng­päs­sen kam. Ich hat­te sogar stel­len­wei­se den Ein­druck, dass recht wenig los war – wobei ich nur den Sams­tag bewer­ten kann, denn am Sonn­tag fiel mein Besuch auf­grund eines aku­ten Faul­heits­an­falls lei­der aus. Scha­de, denn dem Vor­trag zum Steam­punk von den Gen­tle­men vom Clock­wor­ker hät­te wohl doch ger­ne bei­gewohnt. Hat das jemand auf Video mit­ge­schnit­ten, wer­te Kol­le­gen?

Die Abtei­lung für Com­pu­ter­spie­le war dün­ner besetzt, als ich es erwar­tet hat­te, ins­be­son­de­re da die RIFT-Com­mu­ni­ty-Mana­ger auf der deut­schen Face­book-Sei­te zum Spiel laut­hals ein »User­tref­fen« im Köl­ner Hard­rock-Café ange­kün­digt hat­ten, war ich davon aus­ge­gan­gen, dass ich Tri­on mit­samt ihrem gran­dio­sen MMO auch auf der RPC fin­den wür­de, doch dar­aus wur­de lei­der nichts, man glänz­te durch Abwe­sen­heit.
In einem abge­trenn­ten Bereich woll­te man mir die neu­es­te Inkar­na­ti­on von DEUS EX vor­füh­ren, aber lan­ge anstel­len kann ich mich auch woan­ders und Infor­ma­tio­nen zu dem Spiel bekom­me ich auch pro­blem­los im Web, also habe ich auch das aus­ge­las­sen.

Und noch ein STAR TREK-MMO

Ange­se­hen habe ich mir das nächs­te ange­kün­dig­te MMO im STAR TREK-Uni­ver­sum, es wird von Gamef­or­ge ent­wi­ckelt (also einem deut­schen Deve­lo­per) und trägt den Titel STAR TREK – INFINITE SPACE.
Gleich vor­ne­weg: von den gese­he­nen Gra­fi­ken in Sachen Cha­rak­te­re und deren Dar­stel­lung könn­ten sich die Ent­wick­ler bei Cryp­tic ein paar pla­ne­ten­gro­ße Schei­ben bei INFINITE SPACE abschnei­den. Nicht nur, dass die Figu­ren an sich deut­lich bes­ser aus­se­hen (und sich bewe­gen) als in STO, auch spen­diert man ihnen in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fens­tern ansehn­li­che Hin­ter­grün­de, das wirkt alles in allem um Län­gen bes­ser als das halb­her­zig hin­ge­schlamp­te Zeug beim direk­ten Kon­kur­ren­ten.
Lei­der erscheint mir auch die­ses Spiel im STAR TREK-Uni­ver­sum wie­der extrem kampf­las­tig zu sein. Klar, die Hand­lung spielt in der letz­ten Staf­fel von DEEP SPACE 9, also zur Zeit des Domi­ni­on-Krie­ges. Mir ist selbst­ver­ständ­lich eben­falls klar, dass Kämp­fe wohl sein müs­sen, um ein MMO dau­er­haft span­nend zu hal­ten. Aller­dings ver­ste­he ich nicht, dass man die Forschungs‑, First-Con­tact-Inhal­te und diplo­ma­ti­schen Inhal­te so wei­test­ge­hend aus den ent­spre­chen­den Spie­len ver­bannt…

Halt – natür­lich ver­ste­he ich das doch: Einen Raum­kampf­si­mu­la­tor, der gescrip­te­te Schlach­ten ablie­fert, pro­gram­miert man natür­lich deut­lich schnel­ler, und kann damit zügi­ger und mehr Inhal­te in kur­zer Zeit ablie­fern, als inter­es­san­te Mis­sio­nen in Sachen Ent­de­ckung, For­schung und Diplo­ma­tie zu ersin­nen und zu erstel­len.

Scha­de nur, wenn man einen nicht gerin­gen Teil der Ziel­grup­pe damit dann auf­grund von »The­ma ver­fehlt« ver­grätzt.

STAR TREK – INFINITE SPACE wird als Brow­ser­ga­me umge­setzt und soll dank der Unity-Engi­ne im Brow­ser­fens­ter lau­fen. Was natür­lich so nicht ganz wahr ist, denn eigent­lich ist das Unity-Plugin auch »nur« ein Cli­ent, nur dass der eben im Brow­ser »agiert« statt in einem eige­nen fens­ter. Und »kein Down­load« ist auch nur die hal­be Wahr­heit, denn selbst wenn das Plugin nur mit ein paar MB zu Buche schlägt, so muss man die Spiel­res­sour­cen natür­lich immer noch nach und nach (wäh­rend des Spiels) her­un­ter­la­den.

Ich wer­de ver­su­chen, wei­te­re Infor­ma­tio­nen bei Gamef­or­ge zu bekom­men, ob tat­säch­lich wie­der nur gebal­lert wird, oder ob es noch ande­re maß­geb­li­che Spiel­in­hal­te geben soll.
Einen kon­kre­ten Releaseter­min gibt es noch nicht, STAR TREK – INFINITE SPACE soll aber laut Aus­sa­gen der Deve­lo­per noch in die­sem Jahr erschei­nen.

Steam­punk, End­zeit und Pira­ten …

… waren die gefühlt am stärks­ten ver­tre­te­nen Frak­tio­nen, wenn man sich mal von den Com­pu­ter­spie­len abwen­det und sich den Gewan­de­ten zuwen­det. Kann natür­lich auch an der rei­nen opti­schen Prä­senz die­ser Beklei­dun­gen lie­gen. Wobei das mit den Pira­ten nichts Neu­es ist, die fal­len schon seit ein paar Jah­ren auf den ein­schlä­gi­gen Ver­an­stal­tun­gen auf, PIRATES OF THE CARIBBEAN hat in die­ser Hin­sicht das sei­ne getan und der Film ist nun auch schon acht Jah­re alt…

Steam­punk ist ange­kom­men, auch bei der »brei­ten Mas­se« der Fans und Händ­ler, das kann man sowohl dar­an fest­ma­chen, dass Per­so­nen in ent­spre­chen­der Beklei­dung deut­lich öfter auf­tre­ten als noch in den letz­ten Jah­ren, zum ande­ren haben auch die Ver­käu­fer das The­ma deut­lich ent­deckt – wor­auf ich ja bereits im Ope­ner hin­wies.

Um die Wor­te von dort mal ein wenig zu rela­ti­vie­ren: es sind bei­lei­be nicht alle Händ­ler, die hier ver­su­chen einen schnel­len Euro zu machen. Man fin­det neben den schwar­zen Scha­fen auch sowohl die­je­ni­gen, die ange­mes­se­ne Prei­se ansa­gen (eine Schwei­ßer­bril­le, die man bei Obi für 8,95 Euro bekommt auf so einer Mes­se für zehn Euro zu ver­ti­cken fin­de ich in Ord­nung. Nicht in Ord­nung fin­de ich Prei­se von 25 Euro, die man ver­ein­zelt eben­falls in Köln fin­den konn­te), als auch die­je­ni­gen, die wirk­lich ela­bo­rier­te und lie­be­vol­le Acces­soires anbie­ten, die in rei­ner Hand­ar­beit erstellt wer­den und dann natür­lich auch berech­tig­ter­wei­se ihren Preis haben. Der Krea­ti­vi­tät sind kaum Gren­zen gesetzt – aber ein paar Mes­sing-Zahn­rä­der kann ich mir auch selbst an den Hut nähen, ohne dass der Preis für die­sen dadurch gleich um 100 Euro steigt…

Eine Dame unter­sag­te mir an ihrem Stand übri­gens das Foto­gra­fie­ren der Expo­na­te, da sie Angst hat­te, dass ihre »ein­zig­ar­ti­gen und ein­ma­li­gen Kunst­wer­ke« kopiert wer­den könn­ten, wenn man sie im Inter­net abbil­det. Aha… Ich hat­te kei­ne Lust auf eine Dis­kus­si­on, sonst hät­te ich ihr erläu­tert, dass es ihr sicher mehr nut­zen wür­de, bekann­ter zu wer­den. Zudem dürf­ten sich poten­ti­el­le Kon­kur­ren­ten und Pla­gia­to­ren ins­be­son­de­re auf sol­chen Ver­an­stal­tun­gen her­um trei­ben und die benö­ti­gen kei­ne Fotos, um poten­ti­ell Kopi­en her­zu­stel­len. Tja, auf jeden Fall gibt es des­we­gen an die­ser Stel­le weder Fotos noch einen Link – Pech…

Pimp My Cos­tu­me – mit Plas­tik!

Die nach den oben bereits Genann­ten am wei­tes­ten ver­brei­te­te Grup­pe an Gewand­ten dürf­ten die Cos­play­er dar­stel­len, hier­mit sind – um den Begriff für die Unein­ge­weih­ten zu erläu­tern – pri­mär Ani­mé-Fans in Gewan­dung gemeint (bei uns zumin­dest, inter­na­tio­nal bezeich­net Cos­play nicht zwin­gend nur den Bereich Ani­mé und Man­ga). Cos­play ist die Abkür­zung von »Cos­tu­me Play«.

Sehr inter­es­sant auch über die Dar­stel­lung von Ani­mé-Figu­ren hin­aus fand ich am Stand von myCostumes.de Kunst­off­ma­te­ria­li­en, die durch Erwär­mung fle­xi­bel wer­den und mit denen man dann Gewan­dungs­ap­pli­ka­tio­nen in nahe­zu unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten erstel­len kann. Es gibt hier sowohl Mat­ten, wie auch Kunst­off­mo­del­lier­mas­sen, die man in erwärm­ten Zustand in fast belie­bi­ge For­men brin­gen kann und die nach dem Aus­küh­len hart und sta­bil sind. Das kann man natür­lich vor­treff­lich für jeg­li­che Art von Kos­tüm und Acces­soire nut­zen und ist nicht auf Ani­mé beschränkt. Ich habe eine Demo­tü­te Won­der­flex bekom­men, wer­de das einem Test unter­zie­hen und mich dann wie­der mel­den (wie ich soeben auf der Web­sei­te von myCostumes.de fest­stel­len muss, ist Won­der­flex aller­dings der­zeit nicht lie­fer­bar – und einen Ter­min gibt es auch nicht – na toll…).

Die gera­de gezeig­ten Bil­der zu Won­der­flex und »Fri­end­ly Plastic« von Kamuis Web­sei­te las­sen bereits erah­nen, was alles mög­lich ist. Ein Besuch bei ihr lohnt sich drin­gend, denn da kann man auf ein­drucks­vol­le Wei­se sehen, was heut­zu­ta­ge in Sachen Kos­tüm alles geht.

Jeder­zeit wie­der!

Als Fazit bleibt erneut für mich: die RPC ist eine Ver­an­stal­tung, die man allen Fans des Rol­len­spiels, egal wel­cher Rich­tung und Cou­leur auf alle Fäl­le unbe­dingt emp­feh­len kann und die man so es irgend mach­bar ist, besu­chen soll­te. Sel­ten wird man ande­ren­orts der­art mas­siv auf die für den Nerd und Geek inter­es­san­ten The­men tref­fen und sicher nicht so bunt gemischt, denn hier ist neben Rol­len­spiel selbst­ver­ständ­lich auch noch Platz für Phan­tas­tik in gedruck­ter Form (davon zeu­gen diver­se Lesun­gen deut­scher Autoren) – und natür­lich auch Mer­chan­di­sing.

Fast erschre­ckend ist der Unter­schied zu Ver­an­stal­tun­gen des­je­ni­gen Teils des deut­schen Phan­tas­tik-Fan­doms, das sich ansons­ten haupt­säch­lich oder aus­schließ­lich mit Lite­ra­tur beschäf­tigt. Wo dort oft ange­staub­te Drög­heit herrscht, tobt hier gera­de­zu das Leben.

Die Role Play Con­ven­ti­on ist sicher­lich neben der Spie­le­mes­se Essen DIE gro­ße Fach­mes­se, DAS Event für den Rol­len­spiel- und Phan­tas­tik-Fan in Deutsch­land. Mit durch­aus gro­ßer Band­brei­te – gera­de das ist erfreu­lich, in Essen ver­zich­tet man ja seit Jah­ren auf den Bereich Video­spie­le unver­ständ­li­cher­wei­se völ­lig. Für die RPC wür­de ich mir aller­dings gera­de in Sachen Com­pu­ter­spie­le noch ein paar (nam­haf­te) Anbie­ter mehr wün­schen.

Creative Commons License

Bil­der von mir, außer: RPC-Logo Copy­right Enjoy Event Mar­ke­ting GmbH, Screen­shots aus STAR TREK INFINITE SPACE Copy­right Gamef­or­ge, Fotos zu Won­der­flex und Fri­end­ly Plastic mit freund­li­cher Erlaub­nis der Betrei­be­rin von www.kamuicosplay.com noch­mals Dan­ke dafür! :o) (ein Inter­view mit ihr ist in Pla­nung)

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

2 Kommentare for “Die ROLE PLAY CONVENTION 2011”

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sagt:

Man­che nicht sel­ten selbst ernann­te Künst­ler sind echt etwas selt­sam, wenn es um Fotos ihrer Wer­ke geht. Ich habe aber auch schon genau das Gegen­teil erlebt, dass sie sagen, klar natür­lich darfst du Fotos machen, wenn es jemand kopie­ren will soll er es erst mal so hin­krie­gen, da steckt jah­re­lan­ge Erfah­rung drin und ganz ehr­lich. Die Din­ge, die man allei­ne durch ein Foto ein­fach nach­ma­chen könn­te. Ver­die­nen es auch nicht Kunst genannt zu wer­den

Ich war letz­tes Jahr auch dort und mir haben es vor allem die Cos­play­er ange­tan. Die übri­gens von Jahr zu Jahr mehr wer­den fin­de ich. Ein paar aktu­el­le Foto ein­drü­cke dazu habe ich auf mei­nen Blog gestellt

http://cosfans.de/blog/cosplay-fotos/role-play-convention-2016/

Stefan Holzhauer

Stefan Holzhauer

sagt:

Die Din­ge, die man allei­ne durch ein Foto ein­fach nach­ma­chen könn­te. Ver­die­nen es auch nicht Kunst genannt zu wer­den.

Ent­schul­di­ge bit­te, aber das ist natür­lich Unsinn. Kunst ent­steht nicht dadurch, dass etwas über­aus kom­plex oder »schwer nach­zu­ma­chen« wäre, und das ist auch kein wie auch immer gear­te­tes »Qua­li­täts­prä­di­kat«. Sie­he War­hol, um nur mal ein Bei­spiel zu nen­nen.

Aber ver­mut­lich woll­test Du eh nur einen Link zu Dir unter die­sem uralten Arti­kel unter­brin­gen?

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