Peter Cawdrons Science Fiction-Roman ANOMALY ist mal wieder ein prima Beleg dafür, dass Verlage wirklich gute Romane selbst dann nicht erkennen würden, wenn man ihnen damit vor dem Gesicht herumwedelt. Denn das Buch ist im Selbstverlag über Smashwords und Createspace veröffentlicht worden, wie auch die anderen Romane des Autoren.
Wieder einmal geht es um Erstkontakt mit Aliens (das ist soweit auch kein Spoiler), aber auch wenn der Roman sehr hollywoodesk geschrieben ist, fügt der Autor dem Thema durchaus neue Facetten hinzu.
Als ich im Fediverse unter meinem Künstler-Alter Ego Xanathon ein gerendertes Bild mit einer kugelförmigen Anomalie postete, droppte mir @Isotopp als Antwort den Link zu diesem Buch in die Timeline. Das hatte er mir offenbar schonmal vorgeschlagen, denn auf Amazon musste ich feststellen, dass ich es offenbar bereits im Oktober 2017, also vor acht Jahren, als eBook gekauft hatte. Na, dann war es jetzt aber an der Zeit, es auch mal zu lesen. Erschienen ist ANOMALY allerdings bereits im Jahr 2011.
Von einem Moment zum anderen manifestiert sich eine kugelförmige Anomalie am UN-Gebäude in New York. Sie hat einen Durchmessern von etlichen Metern und stanzt ein Stück aus Big Apple, das sich langsam dreht. Dabei bleibt innerhalb der Anomalie die Gravitation des Ausschnitts erhalten, sprich, wenn der Asphalt nach oben rotiert ist, dann ist aus der inneren Sicht der Kugel dort »unten«.
Grundschullehrer Teller ist die zentrale Figur dieses Romans, er ist zufällig gerade mit einer Klasse in New York. Und er ist ein wissenschaftlich interessierter Mensch, der »um die Ecke denken« kann und als ihm ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird, äußert er seine Thesen. Die sind bemerkenswert und das führt dazu, dass er von den Behörden sofort eingesackt wird, um aufgrund der Tatsache, dass er »out of the box« denken kann, den US-Wissenschaftlern möglicherweise neue Ideen liefern kann.
Weite Teile des Romans kommen völlig ohne Action aus und drehen sich um Überlegungen, was die Anomalie bedeuten könnte, woher die Aliens kommen, wie man mit ihnen kommunizieren kann – und dabei auch zahllose philosophische Betrachtungen. Das wird aber nie langweilig und der Grund dafür ist zum einen, dass die Figuren, mit denen Cawdron hier agiert, glaubwürdig und sympathisch sind (die meisten). Zum anderen versteht der Autor Szenarien zu erschaffen, die glaubwürdig extrapolieren, was in unserer realen Welt geschehen würde, wenn es zu einem solchen Erstkontakt käme – und die Kommunikation mit den Aliens ist dabei nur ein Teil der Wahrheit. Was ist mit Politikern? Mit internationalen Beziehungen? Mit Religionen?
Gegen Ende kommt es dann doch noch zu einer Action-Einlage, natürlich mit einem texanischen Verschwörungstheoretiker-Terroristen, auch diese Passage allerdings leider äußerst glaubwürdig in ihrem schieren verblendeten Irrsinn. Auch das könnte man sich gut so vorstellen, angesichts des Zustandes der USA (und auch angesichts von Vollpfosten in unserem Land) heute sogar besser als im Jahr 2011, als der Roman erschien.
Das Ende mag der ein oder anderen Leserin vielleicht etwas antiklimatisch erscheinen, ist allerdings streng genommen angesichts des Romaninhaltes und der Überlegungen darin durchaus konsequent zu nennen.
Alles in allem ein grandioser Science Fiction-Roman, thematisch zwar mit einem der ausgelutschtesten Science Fiction-Themen überhaupt, aber mit einer durchaus neuen Herangehensweise.
Leseempfehlung.
ANOMALY (FIRST CONTACT)Peter Cawdron
Science Fiction-Roman
Smashwords/Createspace, 20. September 2011
Taschenbuch: ISBN 978–1478175551
267 Seiten, ca. 13,00 Euro
Hardcover: ISBN 978–1936644209
ca. 28,00 Euro
eBook: ca. 2,99 Euro
Coverabbildung Copyright

