Die positive Seite der MegaUpload-Schließung

Es war in den letz­ten Tagen groß in den Nach­rich­ten: Mega­U­pload ist geschlos­sen wor­den. Zusam­men mit der Platt­form haben diver­se ande­re ner­vi­ge »war­te-60-Sekun­den-dann fülle-dieses-Captcha-aus-oder-melde-Dich-für-unseren-Premium-Service-an«-Dateisharing-Anbieter ihre öffent­li­chen Down­loads abge­schal­tet. Ein Hau­fen Nut­zer ist ver­ständ­li­cher­wei­se ziem­lich sau­er dar­über, ins­be­son­de­re weil sie ins­be­son­de­re im Fall von Mega­U­pload noch nicht ein­mal mehr Zugriff auf IHRE EIGENEN Datei­en haben.

Die­ser Blog­bei­trag dreht ich nicht dar­um, ob es rich­tig ist, dass Mega­U­pload geschlos­sen wur­de. Dar­über gibt es der­zeit reich­lich Debat­ten und per­sön­lich bin ich nicht dar­an inter­es­siert, mich dar­an zu betei­li­gen. Was aber klar ist: eine sub­stan­zi­el­le Anzahl von Nut­zern ver­wen­de­ten Mega­U­pload um raub­ko­pier­te Medi­en zu ver­tei­len, und – wenn wir mal ehr­lich sind ist eine Men­ge Leu­te sau­er dar­über, dass es deut­lich schwie­ri­ger wur­de, an Raub­ko­pi­en her­an zu bekom­men. Falls Du einer davon bist und nach dem gro­ßen Shut­down auf ein­mal nach ande­ren Mög­lich­kei­ten suchen musst, um Dich zu unter­hal­ten: die­ser Blog­bei­trag ist für Dich! (Anm. d. Über­set­zers: und für jeden ande­ren Leser, der an Musik, Fil­men, Spie­len und Büchern inter­es­siert ist!)

Du wirst wahr­schein­lich bereits fest­ge­stellt haben, dass Raub­ko­pi­en in einem gewis­sen Maße Wer­bung für Medi­en machen. Wenn den Leu­ten ein Film oder ein Spiel oder ein Musi­kal­bum oder was auch immer gefal­len hat, dann reden sie dar­über – und die­se Mund­pro­pa­gan­da geschieht auch, wenn der­je­ni­ge der dar­über erzählt das auf­grund einer Raub­ko­pie tut. Das ist kei­ne Recht­fer­ti­gung für Raub­ko­pi­en, wohl­ge­merkt. Wenn jemand Con­tent erstellt und Dich dann damit bedroht, dass Du in den Knast wan­derst, wenn Du den Con­tent in einer unzu­läs­si­gen Form nutzt, dann ist das auf Basis der Urhe­ber­rechts­ge­set­ze sein Recht. Auf der ande­ren Sei­te haben Per­so­nen und Fir­men die das tun es über­haupt nicht ver­dient, dass Du kos­ten­lo­se Wer­bung für ihre Wer­ke machst, indem Du dar­über redest. Das ist ins­be­son­de­re des­we­gen wahr, weil sie das Geld, das Du ihnen gibst, dafür auf­wen­den, um Dei­ne Frei­heit ein­zu­schrän­ken, indem sie durch Lob­by­ar­beit für dra­ko­ni­sche Recht­spre­chung und kun­den­feind­li­che inter­na­tio­na­le Copy­right-Richt­li­ni­en ein­tre­ten.

Lie­ber Leser, bit­te fra­ge Dich: brau­che ich die Musik­in­dus­trie, um mir vor­schrei­ben zu las­sen, wel­che Musik ich zu mögen habe? Brau­che ich die Film­in­dus­trie, um mir vor­schrei­ben zu las­sen, wel­che Fil­me ich zu mögen habe? Brau­che ich beschis­se­ne, DRM-ver­lieb­te mora­lisch frag­wür­di­ge Spie­le­stu­di­os wie EA, um mir vor­zu­schrei­ben, wel­che Spie­le ich zu mögen habe? Ich mei­ne, mal ernst­haft, hast Du Dir in letz­ter Zeit mal ein paar Big-Bud­get-Pro­duk­tio­nen ange­se­hen? Die meis­ten davon sind kleins­ter-gemein­sa­mer-Nen­ner-Schund. Als intel­li­gen­te Indi­vi­du­en kön­nen wir das bes­ser.

Es gibt eine rie­si­ge Men­ge Medi­en da drau­ßen, die kos­ten­los ver­öf­fent­licht wer­den (oder in eini­gen Fäl­len wenigs­tens extrem preis­wert), sie stam­men direkt von den Künst­lern, Musi­kern, Fil­me­ma­chern, und Spie­le­stu­di­os die sie kre­iert haben. Man­che Leu­te argu­men­tie­ren, dass die durch Pira­te­rie ohne­hin nicht geschä­digt wer­den, weil man ja für ihre Wer­ke nicht bezah­len muss; ich set­ze dem ent­ge­gen: dass Du dadurch, dass Du Mas­sen­markt-Schei­ße raub­ko­pierst, enga­gier­ten Künst­lern Scha­den zufügst, weil Du die Zeit die Du dar­auf ver­wen­dest raub­ko­pier­te Kopi­en zu suchen, auch dafür hät­test ver­wen­den kön­nen, ihre Wer­ke zu ent­de­cken und dar­über zu reden.

Noch viel bes­ser: Du könn­test einen Teil Dei­ner frei­en Zeit damit ver­brin­gen, selbst Unter­hal­tung her­zu­stel­len, statt nur unter­hal­ten zu wer­den. Falls Du noch nie an eige­ner Kunst, Musik, Fil­men oder Spie­len gear­bei­tet hast, dann rege ich deut­lich an, das ein­fach mal zu ver­su­chen. Unter­hal­tung für ande­re Per­so­nen zu erschaf­fen und dafür Rück­mel­dun­gen zu bekom­men kann äußerst befrie­di­gend sein! Als ehr­li­che Anmer­kung an die­ser Stel­le muss man natür­lich dar­auf hin­wei­sen, dass, wenn man mal durch die Open Media Biblio­the­ken forscht, Fil­me das schwächs­te Glied die­ser Ket­te sind, gleich gefolgt von Com­pu­ter­spie­len. Musik, die inzwi­schen von Indi­vi­du­en oder Bands für weni­ge hun­dert Euro in Equip­ment zu Hau­se erstellt wer­den kann, ist das stärks­te. Wenn ganz nor­ma­le Leu­te wie Du und ich wil­lens sind, unse­re Zeit dafür auf­zu­wen­den, dabei zu hel­fen Spie­le und Fil­me her­zu­stel­len, kön­nen wir die­se Lücke schlie­ßen. Es wird sei­ne Zeit brau­chen, aber wenn wir das durch­zie­hen kön­nen, dann wird es das wert sein!

Medi­en müs­sen Dir nicht ein­ge­trich­tert wer­den. Geh raus, schau Dich um und sieh Dir die Welt an. Es gibt soviel mehr als Dich die gro­ßen Stu­di­os glau­ben las­sen wol­len. Und auch wenn vie­les davon in eini­gen Aspek­ten (Spe­zi­al­ef­fek­te usw.) nicht an den Big-Bud­get-Kram her­an kommt, kön­nen Dein Inter­es­se und Dei­ne Bei­trä­ge dafür sor­gen, dass die Pro­jek­te dem lang­sam aber sicher nahe kom­men kön­nen – und gleich­zei­tig hilfst Du dabei, dass die gro­ßen Stu­di­os und ihre kun­den­feind­li­chen Copy­right-Geset­ze irrele­vant wer­den. Die gro­ßen Fir­men kön­nen bis einer gewis­sen Gren­ze Raub­ko­pi­en ihrer Inhal­te immer schwe­rer machen. Was sie aber nicht kön­nen, ist uns zu zwin­gen, ihnen unser Geld in den Rachen zu wer­fen – wir kön­nen uns immer ent­schei­den, ihren Kram zu igno­rie­ren!

Hier sind eini­ge Plät­ze im Web, um damit los­zu­le­gen:

Kon­su­mie­ren:

sich ein­mi­schen:

selbst Inhal­te erschaf­fen:

p.s.: wenn Du das auch so siehst, dann erzäh­le den Leu­ten dar­über. Ret­wee­te es, like es, +1, was auch immer. Ich kann den gan­zen Tag dar­über erzäh­len, aber wir brau­chen eine ech­te Bewe­gung wenn das hier etwas ver­än­dern soll und dafür müs­sen wir dafür sor­gen, dass das The­ma wahr­ge­nom­men wird!

Die­ser Arti­kel erschien im eng­li­schen Ori­gi­nal unter CC-Lizenz (CC-BY-SA) auf der Sei­te »Free­ga­mer«, ich habe ihn ins Deut­sche über­setzt. Ich stim­me mit dem Ori­gi­nal­ar­ti­kel nicht in allen Punk­ten hun­dert­pro­zen­tig zu, aber in den meis­ten.

Die Über­set­zung: Creative Commons License

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

10 Kommentare for “Die positive Seite der MegaUpload-Schließung”

sagt:

Bei allem Respekt soviel schrä­ges Ver­hält­nis zum Eigen­tum und Geld­ver­die­nen habe ich schon lan­ge nicht mehr lesen müs­sen.
1. regt sich die­ser Mensch drü­ber aus, dass die Musik- und Film­in­dus­trie VORSCHREIBT, was man zu hören und zu sehen hat. Wie immer gilt: wenn was nicht geschaut, gehört, emp­foh­len, gekauft wird, ver­schwin­det es. Es gibt (auch von den schnö­den Musik­la­bels) Unmen­gen von guter Musik von guten unbe­kann­ten Künst­lern. Man muss sie nur suchen und ja – BEZAHLEN. Weil sie halt nicht von der Mas­se bereits run­ter­ge­la­den wur­den und des­halb KOLO auf den Pira­te­rie­sei­ten lan­den, fin­det man sie des­halb auch kaum und vor allem ver­die­nen die­se unbe­kann­ten Künst­ler dem­entspre­chen mies …

2. Kom­me ich zum zwei­ten The­ma: BEZAHLEN. Egal ob Film-, Musik- oder Con­tent­in­dus­trie, die Leu­te die da arbei­ten (bis zur Putz­hil­fe run­ter …) tun es um Geld zu ver­die­nen und ihren Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten. Das gilt genau­so für Hob­by­bands und ande­re die ich »ent­de­cken« soll, damit die »schnö­de« Indus­trie eins auf die Müt­ze bekommt. Auch die »Hob­by­pro­gram­mie­rer« die Spie­le kos­ten­los ins Netz stel­len brau­che Geld dafür, weil sie sonst schlicht nix zum Fres­sen und kein Dach mehr überm Kopf haben. Das macht mich immer äußerst unge­hal­ten, wenn hier die Frie­de­freude­ei­er­ku­chen­an­ti­Ka­pi­ta­lis­mus­wir­ha­ben­un­sal­le­lieb-Frak­ti­on ihre luft­lee­ren Hirn­bla­sen abson­dert und nicht über den Tel­ler­rand blickt.

Stefan Holzhauer

sagt:

Inter­es­san­te Reak­ti­on. Dir ist aber schon klar, dass er sei­ne pro­vo­zie­ren­den Wor­te exakt des­we­gen gewählt hat, um mal zum Nech­den­ken dar­über anzu­re­gen, ob unre­flek­tier­ter Kon­sum das Rich­ti­ge ist.

Zudem hat er völ­lig Recht damit, dass man die Wirt­schaft nicht wei­ter dabei gewäh­ren las­sen darf, die Poli­tik zu bestechen und/oder mas­si­ve Lob­by­ar­beit zu betrei­ben, damit die Lob­byhu­ren der Wirt­schaft geneh­me und bür­ger­feind­li­che Geset­ze erlas­sen. Das macht mich über­aus unge­hal­ten.

Der Unter­schied zwi­schen Hob­by­bands und der Musik- oder sonst irgend­ei­ner Con­tent­in­dus­trie: die Hob­by­band ver­dient selbst und soll das auch. Die Con­tent­ma­fia speist die Künst­ler aber mit Pea­nuts ab und pro­kla­miert den­noch, Hüter des Urhe­ber­rechts zu sein. Das ist sie aber nicht, sie maxi­mal ein Hüter des Ver­wer­terrechts und ihrer eige­nen Pfrün­de. Ich wie­der­ho­le mich: die Urhe­ber gehen mit lächer­li­chen Pea­nuts nach Hau­se und die Bon­zen in den Unter­hal­tungs­in­dus­trie­zwei­gen lachen sich einen Ast.

Die Zeit des Unter­hal­tungs­mo­no­pols ist vor­bei. Das soll­te bei den ehe­ma­li­gen Mono­po­lis­ten ankom­men. Da hilft auf Dau­er auch kei­ne Bestechung.

sagt:

Ich wer­de mich von nie­man­dem geis­seln las­sen. Weder von der soge­nann­ten Con­tent­in­dus­trie, noch von las­se ich mir von irgend­wel­chen Welt­ver­bes­se­rern vor­schrei­ben, WAS ich zu kon­su­mie­ren habe und was ich kon­su­mie­ren DARF. Auch nicht von der Gut­men­schen­frak­ti­on, bzw, gera­de von der nicht. Ich bin ich, und ich ent­schei­de für mich selbst, WAS ich höre, und WAS ich mag. Und ich ent­schei­de FÜR MICH, dass ich Sachen, die ich kon­su­mie­re, lese, höre etc auch bezah­le – WEM auch immer. Das gilt für Soft­ware genau­so, wie für Fil­me etc. Ob die Con­tent­in­dus­trie Loby­is­mus betreibt ist für mich hier erst mal Sekun­där.
Es ist ein offe­nes Geheim­nis, dass krea­ti­ve Leu­te sel­ten mit Geld umge­hen kön­nen (ja, das gilt auch für »krea­ti­ve« Ban­ker, Bro­ker und Money­ma­ker, nur dass sie sel­ten mit ihrem eige­nen Geld arbei­ten).
Dafür wur­den unter ande­rem die Musik­ver­la­ge und Ver­la­ge als Dstri­bu­ti­ons­ka­nal geschaf­fen. Dass sich die­se zu eine Moloch ent­wi­ckelt haben, dem es nicht mehr in ers­ter Line um das »Werk« und den »Künst­ler« geht – dar­über brau­chen wir nicht zu strei­ten. Und das Unter­hal­tungs­mo­no­pol hat so nie statt­ge­fun­den, es ist eher ein Oli­go­pol, denn es gibt nicht nur EINEN Ver­lag, EIN Stu­dio oder eine SPIELESCHMIEDE. Es wur­de vom Con­su­mer dazu gemacht und nie­mand ande­rem – auch nicht durch Loby­is­mus. Es hin­dert im Übri­gen nie­mand die Künst­ler dar­an, ihre Eigen-Ver­la­ge zu kün­di­gen, und alles in Eigen­re­gie raus­zu­brin­gen, die Platt­for­men dafür sind vor­han­den (Tiny Wings ist so ein Bei­spiel. Vor dem Typ zie­he ich den Hut). Aber: der Glau­be, dass dann alles für LAU rüber­kommt (und so inter­pre­tier­te ich den Arti­kel nun­mal), ist halt lei­der ein Irr­glau­be. Ich WILL für Leis­tung bezah­len. Wenn ich bezah­le und schlech­te Leis­tung dafür bekom­me, dann mache ich das halt nur ein­mal und dann nim­mer. That’s life. Aber in die­sem Zusam­men­hang ist auch das Urhe­ber­recht nicht ohne Belang: Immer­hin hät­te es kei­ner ger­ne, wenn sei­ne Arbeit ein ande­rer für sich in Anspruch nimmt und von ihr pro­fi­tiert, sie klaut.

Stefan Holzhauer

sagt:

1. Das Urhe­ber­recht schützt nicht den Urhe­ber, son­dern den Ver­wer­ter.

2. Das Urhe­ber­recht hat sei­ne Wur­zeln im 19. Jahr­hun­dert – und das merkt man an allen Ecken und Enden.

3. Wer hat was von »gei­ßeln« erwähnt?

4. Wer hat gesagt, dass »alles für lau rüber­kommt«?

Ansons­ten ist die Kern­aus­sa­ge des Arti­kels ein­deu­tig: »Mach sel­ber was!« Was gibt es dar­an zu kri­ti­sie­ren?

Bernd Maier-Leppla

sagt:

Wenn du das dar­auf redu­zie­ren möch­test, dann soll’s mir recht sein. Mach sel­ber was ist ok. Aber dann soll’s auch gut bezahlt wer­den, wenns gut ist, und vor allem sicher vor Pira­te­rie sein. Dann unter­schreib ich’s zu 100%.

Inso­fern ver­ste­he ich nur den Ein­wurf nicht, dass das Urhe­ber­recht nur den Ver­wer­ter schüt­zen soll und nicht den Urhe­ber? Wo ist das Bit­te­schön kon­kret so? Ich kann mir nicht vor­stel­len dass es bei­spiels­wei­se die Herr­schaf­ten von Pink Floyd einen feuch­ten Kehr­richt inter­es­siert, ob EMI dazwi­schen liegt, die wis­sen sich sehr wohl zu weh­ren. Oder Geor­ge Lucas, wenns um sei­ne Star Wars Sachen geht .…

Stefan Holzhauer

sagt:

Mei­ne Güte, wer redet denn von den Schwer­ge­wich­ten der Bran­che? Lucas gehört alles selbst und er ver­wer­tet eh alles selbst, da redet ihm kei­ner rein und er muss auch kei­nem abge­ben. Gigant­sel­ler wie Pink Floyd und ähn­li­che kön­nen den Ver­wer­tern ganz ande­re Bedin­gun­gen dik­tie­ren als »nor­ma­le« Künst­ler. Die klei­nen, unbe­kann­ten wer­den mit Pea­nuts abge­speist, weil die mei­nen gar kei­ne ande­re Chan­ce zu haben, als bei den Major Play­ern unter zu kom­men um viel­leicht irgend­wann mal berühmt zu wer­den. Frag mal Autoren oder Musi­ker, mit wel­chen Beträ­gen sie abge­speist wer­den. Sie bin­den sich mit Kne­bel­ver­trä­gen an Ver­wer­ter und über­schrei­ben ihnen qua­si alle Rech­te an ihren Wer­ken – müs­sen das tun. In Deutsch­land ist das Urhe­ber­recht der­ge­s­telt, dass Du immer der Urhe­ber bleibst und nur die Ver­wer­tungs­rech­te über­tra­gen kannst (die dich aber am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern las­sen). In den USA ver­kaufst Du effek­tiv das Urhe­ber­recht – mög­li­cher­wei­se dau­er­haft – an die Ver­wert­er­ma­fia.

DAS mei­ne ich damit, dass das Urhe­ber­recht nicht die Urhe­ber, son­dern die Ver­wer­ter schützt. Das muss anders wer­den, das Urhe­ber­recht muss zum einen spe­zi­ell die Urhe­ber schüt­zen (auch gegen die Ver­wer­ter) und zum ande­ren ans Inter­net-Zeit­al­ter ange­passt wer­den. Es muss sicher­ge­stellt wer­den, dass die Koh­le bei den Urhe­bern ankommt – und dabei schlie­ße ich »alter­na­ti­ve Ver­teil­me­tho­den« des Con­tent und ent­spre­chen­de Ver­gü­tun­gen expli­zit ein. Es muss aber eben­falls sicher­ge­stellt wer­den, dass bei allem Schutz der Urhe­ber sowohl die Bür­ger­rech­te gewahrt blei­ben, und nicht jedes Kind, das mal eine Datei in eine Tausch­bör­se ein­ge­stellt hat bis ans Lebens­en­de rui­niert wird. Eben­so­we­nig kann es ange­hen, dass die Poli­tik auf Druck der Ver­wert­er­ma­fia Geset­ze ein­führt, die schon Kopi­en im pri­va­ten Kreis zum Rechts­bruch wer­den las­sen.

Im Prin­zip ist die Situa­ti­on nicht anders, als bei der Ein­füh­rung der Musi­Cas­set­te, als die Musik­in­dus­trie schon­mal das Ende der Musik aus­ge­ru­fen hat. Du konn­test in den 80ern von Kum­pels oder aus dem Radio JEDE Musik die Du haben woll­test auf Cas­set­te bekom­men und das war völ­lig okay so. Heu­te hörst Du auch nicht mehr Musik als damals, allein schon weil Du nicht mehr Zeit hast, und besorgst sie Dir even­tu­ell aus einer ande­ren Quel­le. Der Effekt bleibt aber der­sel­be. Und Musik die Du unbe­dingt haben willst, kaufst Du Dir. (oder eben nicht, wie in den 80ern). Das Geheu­le der Musik­mul­tis ist exakt das­sel­be wie damals, nur haben sie heu­te IP-ADres­sen und gefälsch­te Sta­tis­ti­ken über Umsatz­ein­brü­che durch Tausch­bör­sen.

Im Spiel­ebe­reich wun­dern sich die Publisher ernst­haft, dass sich die Kun­den lie­ber eine funk­tio­nie­ren­de Raub­ko­pie beschaf­fen, als ein tot-ge-DRM-tes Pro­dukt, das nur läuft, wenn man mit dem Inter­net ver­bun­den ist – auch wenn es sich um ein Sin­gle­play­er-Spiel han­delt. Oder dar­über, dass die Kun­den nicht bereit sind, die Kat­ze im Sack zu kau­fen oder bei­spiels­weis ein Sachen Elec­tro­nic Arts, dass sie bei Pro­ble­men exakt null Sup­port erhal­ten und mit einem nicht funk­tio­nie­ren­den aber teu­er bezahl­ten Spiel im Regen ste­hen gelas­sen wer­den.

Das Ein­zi­ge, wo das alles nicht ohne wei­te­res funk­tio­niert, ist die Film­bran­che, weil hier hun­der­te von Per­so­nen an einem Pro­jekt arbei­ten und man eben K;inofilme erst­mal im Kino sieht. Den­noch sind die auch bescheu­ert, weil sie nicht in der Lage sind, LEGALE Inter­net-Ange­bo­te zu schaf­fen, die ein­fach zu nut­zen UND nicht völ­lig über­teu­ert sind.

Dass die Kun­den lega­le Ange­bo­te nut­zen, wenn sie da sind, zeig­ten Apple und Ama­zon mit den DRM-frei­en Musik­an­ge­bo­ten. Das wird anders­wo nicht anders lau­fen.

Den­noch: Man kann gegen das kun­den- und bür­ger­feind­li­che Ver­hal­ten der Mul­tis nur mit den Füßen abstim­men: indem man ihre Pro­duk­te boy­kot­tiert – das ist völ­lig kor­rekt, nach wie vor.

sagt:

Kön­nen wir uns drauf eini­gen, dass es nicht schwarz und weiß ist? Ich gebe dir durch­aus recht in dem, was du sagst. Natür­lich war die Musik­cas­set­te genau das­sel­be in Grün. Auch hier woll­ten die Ver­la­ge bereits einen Rie­gel vor­schie­ben und sind mit Recht dran geschei­tert.
Trotz­dem ist die gan­ze Sache in mei­nen Augen nicht ganz so ein­fach, also Hop oder Top. Ich kann mich an Zei­ten erin­nern als es Audio­ga­la­xy noch gab. Was haben man­che da run­ter­ge­la­den …

Jetzt könn­te man natür­lich argu­men­tie­ren: ja, die hät­ten das auch nicht gekauft, wenns Audio­ga­la­xy NICHT gege­ben hät­te. Denn ne Men­ge von den Herr­schaf­ten waren halt Jäger und Samm­ler. Da gings in ers­ter Linie drum zu prah­len, wie­vie­le 10.000 Songs man auf der Plat­te hat. Gehört hat man sie dann ohne­hin so gut wie nie. Inso­fern stimmt es, dass KEIN nen­nens­wer­ter Scha­den ent­stan­den ist für die Indus­trie. Was die Spiele­indus­trie angeht: gut, da kann ich nicht mit­re­den, weil mich per­sön­lich Spie­le auf PC, MAC, iPad etc NULL inter­es­sie­ren. Dass die ein DRM haben, das hef­tig ist, habe ich schon mit­ge­kriegt. Aller­dings glau­be ich, dass hier die Rau­ko­pier­pro­ble­ma­tik weit grö­ßer ist als bei Büchern und Musik. Fil­me sind wie­der eine ande­re Bau­stel­le. Da gehts um eine Men­ge Geld, wenn der Film vor EVT schon auf den Ser­vern in Top-Qua­li­tät zum Down­load kos­ten­los bereit­liegt. Das tötet die Indus­trie kom­plett – nicht nur die Meag­stu­di­os auch die Inde­pen­dent-Abtei­lung, weil die noch mehr auf den Erlös ange­wie­sen ist, weil da die Mer­chan­di­sing-Din­ge kom­plett weg­fal­len.

Stefan Holzhauer

sagt:

Du »glaubst« es. Und war­um glaubst Du es? Durch die jah­re­lan­ge Pro­pa­gan­da der Spiele­indus­trie, die Dir vor­spie­geln will, dass es so ist. Es ist ganz sicher so: restrik­ti­ve DRM-Maß­nah­men und nonexis­ten­ter Sup­port trei­ben mehr Spie­ler (und ande­re Soft­ware­nut­zer) zu Raub­ko­pi­en als alle ande­ren Grün­de. Ich weiß nicht, wie oft ich schon Soft­ware (meis­tens von EA) gekauft habe, die erst ein Jahr spä­ter durch diver­se Patches benutz­bar wur­de (oder nie­mals, sie­he SPORE oder SIMS3). Bei mir hat das dazu geführt, dass ich in den aller­meis­ten Fäl­len nur noch dann über­haupt ein Spiel kau­fe, wenn die Rück­mel­dun­gen in der Hin­sicht nach ~einem hal­ben Jahr posi­tiv sind.

Ich fin­de es zudem ver­blüf­fend, dass die Film­in­dus­trie »getö­tet« wird. Es wer­den fast aus­schließ­lich Block­bus­ter in Tausch­bör­sen ange­bo­ten. Bei denen über­schlägt sich die Film­in­dus­trie aber immer wie­der mit neu­en Rekor­den, was die Ein­nah­men angeht. Wann bist Du das letz­te Mal im Kino gewe­sen? Wenn ich 12 – 14 Euro für einen Kino­be­such aus­ge­ben soll, tip­pe ich mir in den meis­ten Fäl­len nur noch an die Stirn und las­se es. Auch hier sind die Raub­ko­pi­en nur ein vor­ge­scho­be­nes Pro­blem. Wenn Du die Umsatz- und Absatz­zah­len beob­ach­test, dann wirst Du fest­stel­len, dass die Film­in­dus­trie genau­so fal­sche Zah­len vor­gibt (vul­go: lügt) wie die Musik­in­dus­trie (und die Buch­bran­che), um angeb­lich astro­no­mi­sche Umsatz­ein­bu­ßen durch Raub­ko­pi­en zu bele­gen. Bull­shit.

Sie­he ins­be­son­de­re: http://phantanews.de/wp/2010/06/die-verlogene-propaganda-der-musikindustrie/

aber auch: http://phantanews.de/wp/2011/08/rant-aus-dem-borsenverein-wird-der-munchhausen-verein/

sagt:

Nein, ich glau­be nicht, dass die Film­in­dus­trie astro­no­mi­sche Geld­ein­bu­ßen hat, wenn Block­bus­ter run­ter­pi­ra­tet wer­den. Weil ich glau­be (ja »glau­be«), dass die­se Leu­te sowie­so nicht für 14 Euro ins Kino gehen wür­den. Das ist ein gewis­se Ein­stel­lungs­sa­che. Ich per­sön­lich mag einen Block­bus­ter (den ich sehen möch­te) halt nicht im Pan­tof­fel-Flat 50″ anse­hen, son­dern ger­ne auf einer Lein­wand. Das sind mir ein paar Ocken mehr wert. Ande­re Fil­me schau ich im Pan­tof­fel­ki­no, weils langt. Was ich nicht tue, ist Fil­me anzu­se­hen, die irgend­ei­ner mit der Han­dy­cam im Kino gefilmt hat und irgend­wo auf eine Upload-Sei­te gestellt hat. Das ist für mich irgend­wie noch mie­ser wie TV mit einem 20″ Bild­schirm. Nicht weils ver­bo­ten ist, son­dern weil ich an die­sem Erleb­nis nichts fin­den kann …

Stefan Holzhauer

sagt:

Was Du schaust Fil­me im Pan­tof­fel­ki­no? Weißt Du über­haupt was das der Film­in­dus­trie für Umsatz­ein­bu­ßen beschert? (scnr)

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