Die positive Seite der MegaUpload-Schließung

Es war in den let­zten Tagen groß in den Nachricht­en: MegaU­pload ist geschlossen wor­den. Zusam­men mit der Plat­tform haben diverse andere nervige »warte-60-Sekun­den-dann fülle-dieses-Captcha-aus-oder-melde-Dich-für-unseren-Premium-Service-an«-Dateisharing-Anbieter ihre öffentlichen Down­loads abgeschal­tet. Ein Haufen Nutzer ist ver­ständlicher­weise ziem­lich sauer darüber, ins­beson­dere weil sie ins­beson­dere im Fall von MegaU­pload noch nicht ein­mal mehr Zugriff auf IHRE EIGENEN Dateien haben.

Dieser Blog­beitrag dreht ich nicht darum, ob es richtig ist, dass MegaU­pload geschlossen wurde. Darüber gibt es derzeit reich­lich Debat­ten und per­sön­lich bin ich nicht daran inter­essiert, mich daran zu beteili­gen. Was aber klar ist: eine sub­stanzielle Anzahl von Nutzern ver­wen­de­ten MegaU­pload um raubkopierte Medi­en zu verteilen, und – wenn wir mal ehrlich sind ist eine Menge Leute sauer darüber, dass es deut­lich schwieriger wurde, an Raubkopi­en her­an zu bekom­men. Falls Du ein­er davon bist und nach dem großen Shut­down auf ein­mal nach anderen Möglichkeit­en suchen musst, um Dich zu unter­hal­ten: dieser Blog­beitrag ist für Dich! (Anm. d. Über­set­zers: und für jeden anderen Leser, der an Musik, Fil­men, Spie­len und Büch­ern inter­essiert ist!)

Du wirst wahrschein­lich bere­its fest­gestellt haben, dass Raubkopi­en in einem gewis­sen Maße Wer­bung für Medi­en machen. Wenn den Leuten ein Film oder ein Spiel oder ein Musikalbum oder was auch immer gefall­en hat, dann reden sie darüber – und diese Mund­pro­pa­gan­da geschieht auch, wenn der­jenige der darüber erzählt das auf­grund ein­er Raubkopie tut. Das ist keine Recht­fer­ti­gung für Raubkopi­en, wohlge­merkt. Wenn jemand Con­tent erstellt und Dich dann damit bedro­ht, dass Du in den Knast wan­der­st, wenn Du den Con­tent in ein­er unzuläs­si­gen Form nutzt, dann ist das auf Basis der Urhe­ber­rechts­ge­set­ze sein Recht. Auf der anderen Seite haben Per­so­n­en und Fir­men die das tun es über­haupt nicht ver­di­ent, dass Du kosten­lose Wer­bung für ihre Werke machst, indem Du darüber redest. Das ist ins­beson­dere deswe­gen wahr, weil sie das Geld, das Du ihnen gib­st, dafür aufwen­den, um Deine Frei­heit einzuschränken, indem sie durch Lob­b­yarbeit für drakonis­che Recht­sprechung und kun­den­feindliche inter­na­tionale Copy­right-Richtlin­ien ein­treten.

Lieber Leser, bitte frage Dich: brauche ich die Musikin­dus­trie, um mir vorschreiben zu lassen, welche Musik ich zu mögen habe? Brauche ich die Fil­min­dus­trie, um mir vorschreiben zu lassen, welche Filme ich zu mögen habe? Brauche ich beschissene, DRM-ver­liebte moralisch frag­würdi­ge Spielestu­dios wie EA, um mir vorzuschreiben, welche Spiele ich zu mögen habe? Ich meine, mal ern­sthaft, hast Du Dir in let­zter Zeit mal ein paar Big-Bud­get-Pro­duk­tio­nen ange­se­hen? Die meis­ten davon sind kle­in­ster-gemein­samer-Nen­ner-Schund. Als intel­li­gente Indi­viduen kön­nen wir das bess­er.

Es gibt eine riesige Menge Medi­en da draußen, die kosten­los veröf­fentlicht wer­den (oder in eini­gen Fällen wenig­stens extrem preiswert), sie stam­men direkt von den Kün­stlern, Musik­ern, Filmemach­ern, und Spielestu­dios die sie kreiert haben. Manche Leute argu­men­tieren, dass die durch Pira­terie ohne­hin nicht geschädigt wer­den, weil man ja für ihre Werke nicht bezahlen muss; ich set­ze dem ent­ge­gen: dass Du dadurch, dass Du Massen­markt-Scheiße raubkopierst, engagierten Kün­stlern Schaden zufügst, weil Du die Zeit die Du darauf ver­wen­d­est raubkopierte Kopi­en zu suchen, auch dafür hättest ver­wen­den kön­nen, ihre Werke zu ent­deck­en und darüber zu reden.

Noch viel bess­er: Du kön­ntest einen Teil Dein­er freien Zeit damit ver­brin­gen, selb­st Unter­hal­tung herzustellen, statt nur unter­hal­ten zu wer­den. Falls Du noch nie an eigen­er Kun­st, Musik, Fil­men oder Spie­len gear­beit­et hast, dann rege ich deut­lich an, das ein­fach mal zu ver­suchen. Unter­hal­tung für andere Per­so­n­en zu erschaf­fen und dafür Rück­mel­dun­gen zu bekom­men kann äußerst befriedi­gend sein! Als ehrliche Anmerkung an dieser Stelle muss man natür­lich darauf hin­weisen, dass, wenn man mal durch die Open Media Bib­lio­theken forscht, Filme das schwäch­ste Glied dieser Kette sind, gle­ich gefol­gt von Com­put­er­spie­len. Musik, die inzwis­chen von Indi­viduen oder Bands für wenige hun­dert Euro in Equip­ment zu Hause erstellt wer­den kann, ist das stärk­ste. Wenn ganz nor­male Leute wie Du und ich wil­lens sind, unsere Zeit dafür aufzuwen­den, dabei zu helfen Spiele und Filme herzustellen, kön­nen wir diese Lücke schließen. Es wird seine Zeit brauchen, aber wenn wir das durchziehen kön­nen, dann wird es das wert sein!

Medi­en müssen Dir nicht einget­richtert wer­den. Geh raus, schau Dich um und sieh Dir die Welt an. Es gibt soviel mehr als Dich die großen Stu­dios glauben lassen wollen. Und auch wenn vieles davon in eini­gen Aspek­ten (Spezial­ef­fek­te usw.) nicht an den Big-Bud­get-Kram her­an kommt, kön­nen Dein Inter­esse und Deine Beiträge dafür sor­gen, dass die Pro­jek­te dem langsam aber sich­er nahe kom­men kön­nen – und gle­ichzeit­ig hil­f­st Du dabei, dass die großen Stu­dios und ihre kun­den­feindlichen Copy­right-Geset­ze irrel­e­vant wer­den. Die großen Fir­men kön­nen bis ein­er gewis­sen Gren­ze Raubkopi­en ihrer Inhalte immer schw­er­er machen. Was sie aber nicht kön­nen, ist uns zu zwin­gen, ihnen unser Geld in den Rachen zu wer­fen – wir kön­nen uns immer entschei­den, ihren Kram zu ignori­eren!

Hier sind einige Plätze im Web, um damit loszule­gen:

Kon­sum­ieren:

sich ein­mis­chen:

selb­st Inhalte erschaf­fen:

p.s.: wenn Du das auch so siehst, dann erzäh­le den Leuten darüber. Retweete es, like es, +1, was auch immer. Ich kann den ganzen Tag darüber erzählen, aber wir brauchen eine echte Bewe­gung wenn das hier etwas verän­dern soll und dafür müssen wir dafür sor­gen, dass das The­ma wahrgenom­men wird!

Dieser Artikel erschien im englis­chen Orig­i­nal unter CC-Lizenz (CC-BY-SA) auf der Seite »Freegamer«, ich habe ihn ins Deutsche über­set­zt. Ich stimme mit dem Orig­i­nalar­tikel nicht in allen Punk­ten hun­dert­prozentig zu, aber in den meis­ten.

Die Über­set­zung: Creative Commons License

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

10 Kommentare for “Die positive Seite der MegaUpload-Schließung”

sagt:

Bei allem Respekt soviel schräges Ver­hält­nis zum Eigen­tum und Geld­ver­di­enen habe ich schon lange nicht mehr lesen müssen.
1. regt sich dieser Men­sch drüber aus, dass die Musik- und Fil­min­dus­trie VORSCHREIBT, was man zu hören und zu sehen hat. Wie immer gilt: wenn was nicht geschaut, gehört, emp­fohlen, gekauft wird, ver­schwindet es. Es gibt (auch von den schnö­den Musik­la­bels) Unmen­gen von guter Musik von guten unbekan­nten Kün­stlern. Man muss sie nur suchen und ja – BEZAHLEN. Weil sie halt nicht von der Masse bere­its run­terge­laden wur­den und deshalb KOLO auf den Pira­ter­ie­seit­en lan­den, find­et man sie deshalb auch kaum und vor allem ver­di­enen diese unbekan­nten Kün­stler dementsprechen mies …

2. Komme ich zum zweit­en The­ma: BEZAHLEN. Egal ob Film-, Musik- oder Con­tentin­dus­trie, die Leute die da arbeit­en (bis zur Putzhil­fe runter …) tun es um Geld zu ver­di­enen und ihren Leben­sun­ter­halt zu bestre­it­en. Das gilt genau­so für Hob­by­bands und andere die ich »ent­deck­en« soll, damit die »schnöde« Indus­trie eins auf die Mütze bekommt. Auch die »Hob­bypro­gram­mier­er« die Spiele kosten­los ins Netz stellen brauche Geld dafür, weil sie son­st schlicht nix zum Fressen und kein Dach mehr überm Kopf haben. Das macht mich immer äußerst unge­hal­ten, wenn hier die Friede­freudeeierkuchenan­tiKap­i­tal­is­muswirhabe­nun­sal­lelieb-Frak­tion ihre luftleeren Hirn­blasen abson­dert und nicht über den Teller­rand blickt.

Stefan Holzhauer

sagt:

Inter­es­sante Reak­tion. Dir ist aber schon klar, dass er seine provozieren­den Worte exakt deswe­gen gewählt hat, um mal zum Nech­denken darüber anzure­gen, ob unre­flek­tiert­er Kon­sum das Richtige ist.

Zudem hat er völ­lig Recht damit, dass man die Wirtschaft nicht weit­er dabei gewähren lassen darf, die Poli­tik zu bestechen und/oder mas­sive Lob­b­yarbeit zu betreiben, damit die Lob­by­huren der Wirtschaft genehme und bürg­er­feindliche Geset­ze erlassen. Das macht mich über­aus unge­hal­ten.

Der Unter­schied zwis­chen Hob­by­bands und der Musik- oder son­st irgen­dein­er Con­tentin­dus­trie: die Hob­by­band ver­di­ent selb­st und soll das auch. Die Con­tent­mafia speist die Kün­stler aber mit Peanuts ab und proklamiert den­noch, Hüter des Urhe­ber­rechts zu sein. Das ist sie aber nicht, sie max­i­mal ein Hüter des Ver­w­ert­er­rechts und ihrer eige­nen Pfründe. Ich wieder­hole mich: die Urhe­ber gehen mit lächer­lichen Peanuts nach Hause und die Bonzen in den Unter­hal­tungsin­dus­triezweigen lachen sich einen Ast.

Die Zeit des Unter­hal­tungsmonopols ist vor­bei. Das sollte bei den ehe­ma­li­gen Monop­o­lis­ten ankom­men. Da hil­ft auf Dauer auch keine Bestechung.

sagt:

Ich werde mich von nie­man­dem geis­seln lassen. Wed­er von der soge­nan­nten Con­tentin­dus­trie, noch von lasse ich mir von irgendwelchen Weltverbesser­ern vorschreiben, WAS ich zu kon­sum­ieren habe und was ich kon­sum­ieren DARF. Auch nicht von der Gut­men­schen­frak­tion, bzw, ger­ade von der nicht. Ich bin ich, und ich entschei­de für mich selb­st, WAS ich höre, und WAS ich mag. Und ich entschei­de FÜR MICH, dass ich Sachen, die ich kon­sum­iere, lese, höre etc auch bezahle – WEM auch immer. Das gilt für Soft­ware genau­so, wie für Filme etc. Ob die Con­tentin­dus­trie Loby­is­mus betreibt ist für mich hier erst mal Sekundär.
Es ist ein offenes Geheim­nis, dass kreative Leute sel­ten mit Geld umge­hen kön­nen (ja, das gilt auch für »kreative« Banker, Bro­ker und Mon­ey­mak­er, nur dass sie sel­ten mit ihrem eige­nen Geld arbeit­en).
Dafür wur­den unter anderem die Musikver­lage und Ver­lage als Dstri­b­u­tion­skanal geschaf­fen. Dass sich diese zu eine Moloch entwick­elt haben, dem es nicht mehr in erster Line um das »Werk« und den »Kün­stler« geht – darüber brauchen wir nicht zu stre­it­en. Und das Unter­hal­tungsmonopol hat so nie stattge­fun­den, es ist eher ein Oli­gop­ol, denn es gibt nicht nur EINEN Ver­lag, EIN Stu­dio oder eine SPIELESCHMIEDE. Es wurde vom Con­sumer dazu gemacht und nie­mand anderem – auch nicht durch Loby­is­mus. Es hin­dert im Übri­gen nie­mand die Kün­stler daran, ihre Eigen-Ver­lage zu kündi­gen, und alles in Eigen­regie rauszubrin­gen, die Plat­tfor­men dafür sind vorhan­den (Tiny Wings ist so ein Beispiel. Vor dem Typ ziehe ich den Hut). Aber: der Glaube, dass dann alles für LAU rüberkommt (und so inter­pretierte ich den Artikel nun­mal), ist halt lei­der ein Irrglaube. Ich WILL für Leis­tung bezahlen. Wenn ich bezahle und schlechte Leis­tung dafür bekomme, dann mache ich das halt nur ein­mal und dann nim­mer. That’s life. Aber in diesem Zusam­men­hang ist auch das Urhe­ber­recht nicht ohne Belang: Immer­hin hätte es kein­er gerne, wenn seine Arbeit ein ander­er für sich in Anspruch nimmt und von ihr prof­i­tiert, sie klaut.

Stefan Holzhauer

sagt:

1. Das Urhe­ber­recht schützt nicht den Urhe­ber, son­dern den Ver­w­ert­er.

2. Das Urhe­ber­recht hat seine Wurzeln im 19. Jahrhun­dert – und das merkt man an allen Eck­en und Enden.

3. Wer hat was von »geißeln« erwäh­nt?

4. Wer hat gesagt, dass »alles für lau rüberkommt«?

Anson­sten ist die Ker­naus­sage des Artikels ein­deutig: »Mach sel­ber was!« Was gibt es daran zu kri­tisieren?

Bernd Maier-Leppla

sagt:

Wenn du das darauf reduzieren möcht­est, dann soll’s mir recht sein. Mach sel­ber was ist ok. Aber dann soll’s auch gut bezahlt wer­den, wenns gut ist, und vor allem sich­er vor Pira­terie sein. Dann unter­schreib ich’s zu 100%.

Insofern ver­ste­he ich nur den Ein­wurf nicht, dass das Urhe­ber­recht nur den Ver­w­ert­er schützen soll und nicht den Urhe­ber? Wo ist das Bitteschön konkret so? Ich kann mir nicht vorstellen dass es beispiel­sweise die Herrschaften von Pink Floyd einen feucht­en Kehrricht inter­essiert, ob EMI dazwis­chen liegt, die wis­sen sich sehr wohl zu wehren. Oder George Lucas, wenns um seine Star Wars Sachen geht .…

Stefan Holzhauer

sagt:

Meine Güte, wer redet denn von den Schw­ergewicht­en der Branche? Lucas gehört alles selb­st und er ver­w­ertet eh alles selb­st, da redet ihm kein­er rein und er muss auch keinem abgeben. Gigantseller wie Pink Floyd und ähn­liche kön­nen den Ver­w­ert­ern ganz andere Bedin­gun­gen dik­tieren als »nor­male« Kün­stler. Die kleinen, unbekan­nten wer­den mit Peanuts abge­speist, weil die meinen gar keine andere Chance zu haben, als bei den Major Play­ern unter zu kom­men um vielle­icht irgend­wann mal berühmt zu wer­den. Frag mal Autoren oder Musik­er, mit welchen Beträ­gen sie abge­speist wer­den. Sie binden sich mit Knebelverträ­gen an Ver­w­ert­er und über­schreiben ihnen qua­si alle Rechte an ihren Werken – müssen das tun. In Deutsch­land ist das Urhe­ber­recht dergestelt, dass Du immer der Urhe­ber bleib­st und nur die Ver­w­er­tungsrechte über­tra­gen kannst (die dich aber am aus­gestreck­ten Arm ver­hungern lassen). In den USA verkauf­st Du effek­tiv das Urhe­ber­recht – möglicher­weise dauer­haft – an die Ver­w­ert­er­mafia.

DAS meine ich damit, dass das Urhe­ber­recht nicht die Urhe­ber, son­dern die Ver­w­ert­er schützt. Das muss anders wer­den, das Urhe­ber­recht muss zum einen speziell die Urhe­ber schützen (auch gegen die Ver­w­ert­er) und zum anderen ans Inter­net-Zeital­ter angepasst wer­den. Es muss sichergestellt wer­den, dass die Kohle bei den Urhe­bern ankommt – und dabei schließe ich »alter­na­tive Verteil­meth­o­d­en« des Con­tent und entsprechende Vergü­tun­gen expliz­it ein. Es muss aber eben­falls sichergestellt wer­den, dass bei allem Schutz der Urhe­ber sowohl die Bürg­er­rechte gewahrt bleiben, und nicht jedes Kind, das mal eine Datei in eine Tauschbörse eingestellt hat bis ans Lebensende ruiniert wird. Eben­sowenig kann es ange­hen, dass die Poli­tik auf Druck der Ver­w­ert­er­mafia Geset­ze ein­führt, die schon Kopi­en im pri­vat­en Kreis zum Rechts­bruch wer­den lassen.

Im Prinzip ist die Sit­u­a­tion nicht anders, als bei der Ein­führung der Musi­Cas­sette, als die Musikin­dus­trie schon­mal das Ende der Musik aus­gerufen hat. Du kon­ntest in den 80ern von Kumpels oder aus dem Radio JEDE Musik die Du haben woll­test auf Cas­sette bekom­men und das war völ­lig okay so. Heute hörst Du auch nicht mehr Musik als damals, allein schon weil Du nicht mehr Zeit hast, und besorgst sie Dir eventuell aus ein­er anderen Quelle. Der Effekt bleibt aber der­selbe. Und Musik die Du unbe­d­ingt haben willst, kauf­st Du Dir. (oder eben nicht, wie in den 80ern). Das Geheule der Musik­mul­tis ist exakt das­selbe wie damals, nur haben sie heute IP-ADressen und gefälschte Sta­tis­tiken über Umsatzein­brüche durch Tauschbörsen.

Im Spiele­bere­ich wun­dern sich die Pub­lish­er ern­sthaft, dass sich die Kun­den lieber eine funk­tion­ierende Raubkopie beschaf­fen, als ein tot-ge-DRM-tes Pro­dukt, das nur läuft, wenn man mit dem Inter­net ver­bun­den ist – auch wenn es sich um ein Sin­gle­play­er-Spiel han­delt. Oder darüber, dass die Kun­den nicht bere­it sind, die Katze im Sack zu kaufen oder beispiel­sweis ein Sachen Elec­tron­ic Arts, dass sie bei Prob­le­men exakt null Sup­port erhal­ten und mit einem nicht funk­tion­ieren­den aber teuer bezahlten Spiel im Regen ste­hen gelassen wer­den.

Das Einzige, wo das alles nicht ohne weit­eres funk­tion­iert, ist die Film­branche, weil hier hun­derte von Per­so­n­en an einem Pro­jekt arbeit­en und man eben K;inofilme erst­mal im Kino sieht. Den­noch sind die auch bescheuert, weil sie nicht in der Lage sind, LEGALE Inter­net-Ange­bote zu schaf­fen, die ein­fach zu nutzen UND nicht völ­lig über­teuert sind.

Dass die Kun­den legale Ange­bote nutzen, wenn sie da sind, zeigten Apple und Ama­zon mit den DRM-freien Musikange­boten. Das wird ander­swo nicht anders laufen.

Den­noch: Man kann gegen das kun­den- und bürg­er­feindliche Ver­hal­ten der Mul­tis nur mit den Füßen abstim­men: indem man ihre Pro­duk­te boykot­tiert – das ist völ­lig kor­rekt, nach wie vor.

sagt:

Kön­nen wir uns drauf eini­gen, dass es nicht schwarz und weiß ist? Ich gebe dir dur­chaus recht in dem, was du sagst. Natür­lich war die Musik­cas­sette genau das­selbe in Grün. Auch hier woll­ten die Ver­lage bere­its einen Riegel vorschieben und sind mit Recht dran gescheit­ert.
Trotz­dem ist die ganze Sache in meinen Augen nicht ganz so ein­fach, also Hop oder Top. Ich kann mich an Zeit­en erin­nern als es Audio­galaxy noch gab. Was haben manche da run­terge­laden …

Jet­zt kön­nte man natür­lich argu­men­tieren: ja, die hät­ten das auch nicht gekauft, wenns Audio­galaxy NICHT gegeben hätte. Denn ne Menge von den Herrschaften waren halt Jäger und Samm­ler. Da gings in erster Lin­ie drum zu prahlen, wieviele 10.000 Songs man auf der Plat­te hat. Gehört hat man sie dann ohne­hin so gut wie nie. Insofern stimmt es, dass KEIN nen­nenswert­er Schaden ent­standen ist für die Indus­trie. Was die Spielein­dus­trie ange­ht: gut, da kann ich nicht mitre­den, weil mich per­sön­lich Spiele auf PC, MAC, iPad etc NULL inter­essieren. Dass die ein DRM haben, das heftig ist, habe ich schon mit­gekriegt. Allerd­ings glaube ich, dass hier die Raukopier­prob­lematik weit größer ist als bei Büch­ern und Musik. Filme sind wieder eine andere Baustelle. Da gehts um eine Menge Geld, wenn der Film vor EVT schon auf den Servern in Top-Qual­ität zum Down­load kosten­los bere­itliegt. Das tötet die Indus­trie kom­plett – nicht nur die Meagstu­dios auch die Inde­pen­dent-Abteilung, weil die noch mehr auf den Erlös angewiesen ist, weil da die Mer­chan­dis­ing-Dinge kom­plett weg­fall­en.

Stefan Holzhauer

sagt:

Du »glaub­st« es. Und warum glaub­st Du es? Durch die jahre­lange Pro­pa­gan­da der Spielein­dus­trie, die Dir vor­spiegeln will, dass es so ist. Es ist ganz sich­er so: restrik­tive DRM-Maß­nah­men und nonex­is­ten­ter Sup­port treiben mehr Spiel­er (und andere Soft­warenutzer) zu Raubkopi­en als alle anderen Gründe. Ich weiß nicht, wie oft ich schon Soft­ware (meis­tens von EA) gekauft habe, die erst ein Jahr später durch diverse Patch­es benutzbar wurde (oder niemals, siehe SPORE oder SIMS3). Bei mir hat das dazu geführt, dass ich in den aller­meis­ten Fällen nur noch dann über­haupt ein Spiel kaufe, wenn die Rück­mel­dun­gen in der Hin­sicht nach ~einem hal­ben Jahr pos­i­tiv sind.

Ich finde es zudem verblüf­fend, dass die Fil­min­dus­trie »getötet« wird. Es wer­den fast auss­chließlich Block­buster in Tauschbörsen ange­boten. Bei denen über­schlägt sich die Fil­min­dus­trie aber immer wieder mit neuen Reko­r­den, was die Ein­nah­men ange­ht. Wann bist Du das let­zte Mal im Kino gewe­sen? Wenn ich 12 – 14 Euro für einen Kinobe­such aus­geben soll, tippe ich mir in den meis­ten Fällen nur noch an die Stirn und lasse es. Auch hier sind die Raubkopi­en nur ein vorgeschobenes Prob­lem. Wenn Du die Umsatz- und Absatz­zahlen beobacht­est, dann wirst Du fest­stellen, dass die Fil­min­dus­trie genau­so falsche Zahlen vorgibt (vul­go: lügt) wie die Musikin­dus­trie (und die Buch­branche), um ange­blich astronomis­che Umsatzein­bußen durch Raubkopi­en zu bele­gen. Bull­shit.

Siehe ins­beson­dere: http://phantanews.de/wp/2010/06/die-verlogene-propaganda-der-musikindustrie/

aber auch: http://phantanews.de/wp/2011/08/rant-aus-dem-borsenverein-wird-der-munchhausen-verein/

sagt:

Nein, ich glaube nicht, dass die Fil­min­dus­trie astronomis­che Geldein­bußen hat, wenn Block­buster run­ter­pi­ratet wer­den. Weil ich glaube (ja »glaube«), dass diese Leute sowieso nicht für 14 Euro ins Kino gehen wür­den. Das ist ein gewisse Ein­stel­lungssache. Ich per­sön­lich mag einen Block­buster (den ich sehen möchte) halt nicht im Pantof­fel-Flat 50″ anse­hen, son­dern gerne auf ein­er Lein­wand. Das sind mir ein paar Ock­en mehr wert. Andere Filme schau ich im Pantof­felki­no, weils langt. Was ich nicht tue, ist Filme anzuse­hen, die irgen­dein­er mit der Handy­cam im Kino gefilmt hat und irgend­wo auf eine Upload-Seite gestellt hat. Das ist für mich irgend­wie noch mieser wie TV mit einem 20″ Bild­schirm. Nicht weils ver­boten ist, son­dern weil ich an diesem Erleb­nis nichts find­en kann …

Stefan Holzhauer

sagt:

Was Du schaust Filme im Pantof­felki­no? Weißt Du über­haupt was das der Fil­min­dus­trie für Umsatzein­bußen beschert? (scnr)

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