Da klingelt der Spinnensinn: SPIDER-MAN – BRAND NEW DAY

Poster: Poster Spider-Man Brand New Day

SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY – Deutsch­land­start am 29.07.2026

Es ist viel die Rede von Super­he­ro-Fati­gue. Gemeint ist damit, dass die Leu­te Super­hel­den-Fil­me leid sind. Mei­ner Ansicht nach ist das ein Buz­zword – und ein fal­sches. Tat­säch­lich gibt es kein Super­he­ro-Fati­gue, son­dern nur Bad Movie-Fati­gue. Denn Mar­vel hat­te zwi­schen­durch bekann­ter­ma­ßen geschlu­dert und Fil­me ins Kino gelas­sen, die zu wün­schen übrig lie­ßen. Zusätz­lich brach­ten sie Din­ge ins Strea­ming, bei denen man sich fra­gen muss­te, was sie bei Mar­vel rau­chen, bei­spiels­wei­se das KI-ver­seuch­te SECRET INVASION mit sei­nen hunds­mi­se­ra­blen Dreh­bü­chern, oder kürz­lich das halb­ga­re WONDER MAN, das man höchs­tens als skur­ri­les Expe­ri­ment gel­ten las­sen könn­te, wäre man wohl­wol­lend.
Zwi­schen­durch dann aber immer wie­der auch High­lights wie DEADPOOL & WOLVERINE, THUNDERBOLTS oder FANTASTIC FOUR.

Wirft man nun einen Blick auf SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY, dann muss man kon­sta­tie­ren, dass das dras­ti­sche Zurück­neh­men der Schlag­zahl eine aus­ge­spro­chen gute Idee war, wenn das zu Fil­men wie die­sem führt. Ande­rer­seits stan­den Sony und Colum­bia Pic­tures gefühlt bei der Kino­prä­sen­ta­ti­on im Vor­der­grund und weni­ger Mar­vel. Viel­leicht war auch das gut – und es fällt einem wie­der ein, dass Dis­ney gro­ße Tei­le des Mar­vel Stu­di­os Krea­tiv­teams gefeu­ert hat. Zu dem Zeit­punkt war aller­dings die­ser Film bereits wei­test­ge­hend fer­tig gestellt.

Wie dem auch sei: Mei­ner Ansicht nach hat man mit BRAND NEW DAY einen der bes­ten SPI­DER-MAN-Fil­me über­haupt abge­lie­fert. Klar, es gibt die übli­chen Super­hel­den-Klop­pe­rei­en, inklu­si­ve ein klein wenig durch­dre­hen­dem Hulk (bbei dem mich aller­dings wun­der­te, dass der com­pu­ter­ge­nerier­te, grü­ne Gam­maklum­pen schlech­ter geam­cht aus­sah, als frü­her. Zeit­druck?), aber lan­ge Pas­sa­gen des Films sind eben anders, blei­ben sehr dicht an den Cha­rak­te­ren, ihrem Leben und ihren Nöten. Wobei man in den ers­ten Minu­ten schon den Ein­druck hat, dass man ver­sucht hat, mög­lichst vie­le iko­ni­sche Spi­dey-Posen aus den Comics in den ers­ten Minu­ten von BRAND NEW DAY unter­zu­brin­gen und sie haben es sogar geschafft bei den Bil­dern der Netz­schwin­ge­rei durch New York noch­mal einen drauf­zu­set­zen.

Dass alle Welt ver­ges­sen hat, dass Peter Par­ker in Wirk­lich­keit der freund­li­che Netz­schwin­ger aus der Nach­bar­schaft ist, wis­sen wir natür­lich und das spielt natür­lich auch eine rela­tiv zen­tra­le Rol­le. Nimmt aller­dings weni­ger Platz ein, als die Trai­ler es uns Glau­ben machen woll­ten. Über­haupt muss­te ich – ange­nehm über­rascht – fest­stel­len, dass die Trai­ler tat­säch­lich viel weni­ger ver­ra­ten haben, als ich das zuerst annahm.

Wie gesagt: Man ist stets dicht an den Figu­ren, ins­be­son­de­re an Peter Par­ker. Das kennt man genau so auch aus der Comic­vor­la­ge, hier fällt es aller­dings noch­mal ganz beson­ders auf. Und Tom Hol­land schafft es zudem die Wand­lung vom Kinds­kopf zum jun­gen Erwach­se­nen dar­stel­le­risch rüber zu brin­gen. Es gibt immer noch die übli­chen Par­ker-Sprü­che und auch Gags (und auch diver­se klei­ne Strun­kelei­en, wie üblich), aber man nimmt der Figur ab, dass sie erwach­sen wird. Oder wer­den muss­te. Und auch Zen­da­ya bekommt ein paar sehr schö­ne MJ-Sze­nen weit über das übli­che Love-Inte­rest hin­aus, das Dilem­ma des Ver­ges­sens wird sehr schön her­aus­ge­ar­bei­tet, und das macht fast mehr Spaß als die übli­chen Superheld°Innen-Tropes.

Wie die geneig­te Zuschaue­rin dann im Ver­lauf des Film freu­dig zur Kennt­nis nimmt, ist die Hand­lung dann doch viel­schich­ti­ger, als man es zuerst ange­nom­men hät­te; ande­rer­seits ist man es natür­lich von Mar­vel gewöhnt, dass auch die Antagonist°innen ordent­lich moti­viert sind und nicht nur böse wegen des Böse seins (Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel).

An des Stel­le muss man natür­lich auch über Sadie Sink spre­chen, die an den übli­chen Infor­ma­ti­ons­stel­len im Web zwar als Cast genannt wird, aber eben nicht mit Cha­rak­ter­na­men. Aus mir bekommt ihr an die­ser Stel­le nichts her­aus, ich möch­te nur anmer­ken, dass sie in BRAND NEW DAY Her­aus­ra­gen­des leis­tet und ich mit die­ser Beset­zung außer­or­dent­lich zufrie­den bin. Und ohne zu Spoi­lern möch­te ich zumin­dest andeu­ten, dass mit ihr ein ganz neu­es Fass im MCU auf­ge­macht wird. Ver­mut­lich haben ande­re an ande­rer Stel­le im Web sowie­so schon alles ver­ra­ten. Ver­sucht unbe­dingt euch nicht spoi­lern zu las­sen.

Und sogar der stets gries­grä­mi­ge Frank Cast­le ali­as The Punis­her bekommt nicht nur mar­ki­ge Sprü­che, son­dern eini­ge sehr schö­ne Sze­nen und vor allem am Ende einen erheb­li­chen Dämp­fer, der sogar ihm zu den­ken gibt.

Zwei­ein­halb Stun­den mag nicht lang sein für einen Superheld°Innen-Film aus dem Hau­se Mar­vel, aber auch nicht eben kurz. Trotz­dem schaff­te es die­ser Film, mich durch­ge­hend bei der Stan­ge zu hal­ten und das trotz – oder gera­de wegen – sei­ner zahl­lo­sen lang­sa­men, zurück­ge­nom­me­nen Sze­nen und Cha­rak­ter­be­trach­tun­gen. Die dann aber immer wie­der auch durch mehr oder weni­ger ela­bo­rier­te Action-Sze­nen … ich möch­te fast sagen „unter­bro­chen wer­den“.

Die Action­sze­nen sind bis ins Detail durch­cho­reo­gra­fiert und Brett Paw­lak hat sowohl an der rea­len wie auch an der vir­tu­el­len Kame­ra zusam­men mit dem Schnitt gran­dio­se Arbeit dar­in geleis­tet, die Zuschaue­rin an kei­ner Stel­le zu über­for­dern und einen trotz der über­dreh­ten Spin­nen­mann-Kaprio­len immer genau wis­sen zu las­sen, wo man gera­de ist. Bemer­kens­wert ins­be­son­de­re auch des­we­gen, weil natür­lich wie­der ein paar völ­lig abge­fah­re­ne Kame­ra­ein­stel­lun­gen dabei sind.

Nimmt man noch den wie üblich vir­tuo­sen Score von Meis­ter Micha­el Giac­chi­no hin­zu, sowie eine dies­mal recht brauch­ba­re deut­sche Über­set­zung, dann bekommt man mei­ner Ansicht nach einen der bes­ten Mar­vel-Fil­me über­haupt. Auch ohne non­stop-Geklop­pe. Oder gera­de des­we­gen.

SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY
Beset­zung: Tom Hol­land, Zen­da­ya, Mark Ruf­fa­lo, Jon Bern­thal, Jacob Bata­lon, Sadie Sink, Liza Colón-Zayas, Tra­mell Till­man, Mari­sa Tomei, Nao­mi Watts, Micha­el Man­do und ande­re
Regie: Destin Dani­el Cret­ton
Dreh­buch: Chris McKen­na, Erik Som­mers
Pro­du­zen­ten: Kevin Fei­ge, Rachel O’Con­nor, Amy Pas­cal, Avi Arad,
Aus­füh­ren­de Pro­du­zen­ten: David Cain, Lou­is D’Es­po­si­to
Kame­ra: Brett Paw­lak
Schnitt: Nat San­ders
Musik: Micha­el Giac­chi­no
Pro­duk­ti­ons­de­sign: Charles Wood
Cas­ting: Sarah Finn
xxx Minu­ten
Land Jahr

Pro­mo­fo­tos Copy­right Sony Pic­tures, Colum­bia Pic­tures, Mar­vel Stu­di­os

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