Ist ein „Humble eBook Bundle“ in Deutschland möglich?

Ich hat­te mehr­fach dar­über be­rich­tet, dass die Hum­ble Bund­le Inc. nach meh­re­ren Spie­le­bund­les zu­letzt auch eBooks im Pro­gramm hat­te. Kur­ze Er­in­ne­rung dazu: es wer­den In­de­pen­dent-Spie­le be­zie­hungs­wei­se in letz­te­rem Fall eBooks im Pa­ket an­ge­bo­ten, man darf da­für zah­len, was man möch­te.

Mich in­ter­es­sier­te die Fra­ge, ob eine sol­che Ak­ti­on auch in Deutsch­land mög­li­ch wäre, oder ob das – wie ich ver­mu­te­te – nach An­sicht des Bör­sen­ver­eins ge­gen das Buch­preis­bin­dungs­ge­setz ver­stößt. Da ich kei­ne recht­li­che Aus­bil­dung habe, bin ich nicht in der Lage, eine sol­che Fra­ge selbst zu be­ant­wor­ten, al­ler­dings hat­te ich mit ei­ner An­fra­ge beim Jus­ti­zi­ar des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels in der Ver­gan­gen­heit po­si­ti­ve Er­fah­run­gen ge­macht und mir war zu­dem si­gna­li­siert wor­den, dass ich auch wei­te­re An­fra­gen in die­ser Rich­tung im Rah­men mei­ner Be­richt­erstat­tung über eBooks und Self­pu­blis­hing ger­ne stel­len dür­fe.

Des­halb frag­te ich nach.

Mei­ne ur­sprüng­li­che Mail:

Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,

ich bit­te dar­um, die fol­gen­de An­fra­ge an ih­ren Jus­ti­zi­ar wei­ter zu lei­ten.

Wie Ih­nen mög­li­cher­wei­se be­kannt ist, gibt es eine Ak­ti­on der US-Fir­ma Hum­ble Bund­le Inc. Die­se bie­tet zu­sam­men mit den Ent­wick­lern von In­de­pen­dent-Com­pu­ter­spie­len im­mer wie­der so­ge­nann­te „Hum­ble In­die Bund­les“ an, in de­ren Rah­men man ei­ni­ge Spie­le er­wer­ben. Für die­se gibt es al­ler­dings kei­nen fes­ten Preis, man kann be­zah­len was man möch­te. Die Ein­nah­men wer­den un­ter den Au­to­ren, der Fir­ma Hum­ble Bund­le und zu wohl­tä­ti­gen Zwecken auf­ge­teilt.

Ak­tu­ell läuft un­ter

http://www.humblebundle.com

das „Hum­ble eBook Bund­le“ in des­sen Rah­men das­sel­be Prin­zip für eBooks in An­wen­dung kommt. Bei ei­nem der Bü­cher han­delt es sich um das ge­ra­de erst er­schie­ne­ne PI­RA­TE CI­NE­MA des SF-Au­tors, Ur­he­ber­rechts­ex­per­ten und Netz­ak­ti­vis­ten Cory Doc­to­row.

Mei­ne Fra­ge:

Wäre eine sol­che „zahl was Du willst“-Aktion in Deutsch­land eben­falls mög­li­ch oder wür­den Sie dies als Ver­stoß ge­gen die Buch­preis­bin­dung se­hen? Falls Letz­te­res bit­te ich um eine Be­grün­dung.

Für eine Ant­wort be­dan­ke ich mich im vor­aus.


Mit freund­li­chem Gruß,
Ste­fan Holz­hau­er

PhantaNews.de
Phan­tas­ti­sche Nach­rich­ten

Die er­s­te Ant­wort fiel äu­ßer­st knapp aus und be­schränk­te sich im We­sent­li­chen auf die Aus­sa­ge:

nach Rück­spra­che in der Ab­tei­lung ge­hen wir da­von aus, dass eine sol­che Ak­ti­on in Deutsch­land nicht zu­läs­sig ist. Zu­min­dest gilt das für deut­sche E-Books, da die­se preis­ge­bun­den sind. Eine sol­che Ak­ti­on wür­de die Preis­bin­dung un­ter­lau­fen. Ich hof­fe, Ihre Fra­ge ist da­mit be­ant­wor­tet.

Das war mir als Ent­geg­nung zu dünn, ich hat­te mit ei­ner deut­li­ch in­halt­li­ch be­grün­de­ten Ant­wort ge­rech­net, wie wei­land bei mei­ner An­fra­ge an den Jus­ti­zi­ar zum The­ma Buch­preis­bin­dung für im Rah­men von Self­pu­blis­hing er­schie­ne­nen eBooks. Des­we­gen hak­te ich nach:

Ich hat­te nach mei­ner letz­ten An­fra­ge, die von ih­rem Jus­ti­zi­ar freund­li­cher­wei­se aus­führ­li­ch be­ant­wor­tet wur­de, mit ei­ner in­halt­li­ch de­tail­lier­te­ren Ant­wort und Be­grün­dung ge­rech­net als „wir ge­hen da­von aus“. Mei­ner An­sicht nach ist der Fall näm­li­ch nicht so ein­fach ge­la­gert, wie Sie es hier dar­stel­len und es sind durch­aus Sze­na­ri­en mög­li­ch, un­ter de­nen die Buch­preis­bin­dung nicht greift.Beispiel: ein in Deutsch­land be­reits exis­ten­tes eBook wird im Aus­land in ei­ner Son­der­aus­ga­be pro­du­ziert und dann auch von ei­nem aus­län­di­schen An­bie­ter in der ge­nann­ten Form von ei­nem Ser­ver in sei­nem Land an­ge­bo­ten. In die­sem Fall wür­de die Buch­preis­bin­dung nicht grei­fen, oder sehe ich das fal­sch? Sie ver­wei­sen ja in ih­rer Ant­wort aus­drück­li­ch auf „in Deutsch­land“. Ins­be­son­de­re wäre die­ser Fall bei­spiels­wei­se für Self­pu­blis­her in­ter­es­sant, die eBooks ohne ISBN an­bie­ten.

Wei­te­re Sze­na­ri­en sind denk­bar.

Hal­ten Sie es für ziel­füh­rend, sol­che Wer­be- und Ver­kaufs­ak­tio­nen mit Ver­weis auf die Buch­preis­bin­dung pau­schal als rechts­wid­rig ein­zu­stu­fen? Führt das nicht ins­be­son­de­re im Be­reich eBook zwangs­läu­fig zu er­heb­li­chen Wett­be­werbs­nach­tei­len für deut­sche An­bie­ter?

Für eine wei­te­re Ant­wort be­dan­ke ich mich im vor­aus.

Dar­auf kam am heu­ti­gen Tage eine Ant­wort der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins, aus der ich die maß­geb­li­chen Pas­sa­gen mit Er­laub­nis zi­tie­re. Ich möch­te mich an die­ser Stel­le für die kurz­fris­ti­ge Be­ar­bei­tung be­dan­ken.

Aus un­se­rer Sicht ist eine „zahl was Du will­st“ – Ak­ti­on in Deutsch­land nicht zu­läs­sig, wenn preis­ge­bun­de­ne E-Books an­ge­bo­ten wer­den. Ob und wann E-Books preis­ge­bun­den sind, ist bis­lang noch nicht ge­richt­li­ch ent­schie­den wor­den. Für die Preis­bin­dung von E-Books spricht je­doch der kla­re Wort­laut des Buch­preis­bin­dungs­ge­set­zes. Nach des­sen § 2 Abs. 1 sind Bü­cher auch Pro­duk­te, die Bü­cher, Mu­sik­no­ten oder kar­to­gra­fi­sche Pro­duk­te re­pro­du­zie­ren oder sub­sti­tu­ie­ren und bei Wür­di­gung der Ge­samt­um­stän­de als über­wie­gend ver­lags- oder buch­han­del­s­ty­pi­sch an­zu­se­hen sind. Es wird den­no­ch wohl nicht je­der Text, der in elek­tro­ni­scher Form ver­öf­fent­licht wird, au­to­ma­ti­sch un­ter das Buch­PrG fal­len, wenn aber eine Da­tei z.B. eine Ent­spre­chung in der ana­lo­gen Welt hat, also als ge­druck­tes Buch vor­liegt, oder wenn eine Da­tei wie ein ge­druck­tes Buch aus­sieht, d.h. von ei­nem Ver­lag stammt, ein Im­pres­sum, Co­ver etc. hat, wird in al­ler Re­gel ein preis­ge­bun­de­nes E-Book vor­lie­gen. Da­ge­gen ist ein Pro­dukt, wel­ches le­dig­li­ch eine ge­druck­te Bro­schü­re im pdf-For­mat wie­der­gibt, kein Buch im Sin­ne des Ge­setz. Auch so­ge­nann­te en­han­ced E-Books fal­len ggf. nicht un­ter das Ge­setz, wenn die An­rei­che­run­gen so sind, dass vom Ein­druck her eher ein Soft­ware­pro­dukt vor­liegt, d.h. kein Pro­dukt, wel­ches ein Buch sub­sti­tu­iert.

Wenn E-Books preis­ge­bun­den sind, dann muss der Ver­lag, auch der Selbst­ver­le­ger, ge­mäß § 5 Abs. 1 Buch­PrG ei­nen Preis fest­set­zen. Dem­entspre­chend kann er es nicht dem Kun­den über­las­sen zu ent­schei­den, wie hoch der Preis sein soll. Hier nützt auch nicht die Her­stel­lung ei­ner Son­der­aus­ga­be, denn auch für die­se muss ein Preis fest­ge­legt wer­den, wenn es sich um ein preis­ge­bun­de­nes E-Book han­delt. Als Mar­ke­ting­ak­ti­on wäre aber ein zeit­wei­li­ges Ver­schen­ken von E-Books mög­li­ch, dann muss dies je­doch über alle Platt­for­men gleich­zei­tig pas­sie­ren.

Aus un­se­rer Sicht greift die Buch­preis­bin­dung auch dann, wenn deut­sche Bücher/E-Books auf ei­ner aus­län­di­schen Web­sei­te bzw. von ei­nem aus­län­di­schen Ser­ver aus ver­kauft wer­den und sich das An­ge­bot be­wusst an Kun­den in Deutsch­land rich­tet (z.B. deutsch­spra­chi­ges An­ge­bot, wie z.B. ibook store). Ent­spre­chen­des gilt auch dann, wenn wäh­rend des Be­stell­vor­gangs auf ei­nen aus­län­di­schen Ser­ver um­ge­lei­tet bzw. über die­sen durch­ge­lei­tet wird. Auch eine aus­län­di­sche Platt­form – wie z.B. Ama­zon oder App­le – muss sich also an die deut­sche Buch­preis­bin­dung hal­ten, wenn deutsch­spra­chi­ge Bücher/E-Books an Kun­den in Deutsch­land ver­kauft wer­den. Auch die­se Ein­schät­zung ist je­doch noch nicht ge­richt­li­ch be­stä­tigt wor­den.

Für fremd­spra­chi­ge Bü­cher gilt das Ge­setz da­ge­gen nicht (§ 2 Abs. 2 Buch­PrG), es sei denn, auch die­se sind für den deut­schen Markt (z.B. Bü­cher mit Vo­ka­bel­hil­fe) her­ge­stellt wor­den.

Dass sol­che An­ge­bo­te auf­grund des Buch­PrG in Deutsch­land nicht mög­li­ch sind, hat­te ich mir schon ge­dacht und er­hielt die Be­stä­ti­gung.

In der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins ist man al­ler­dings zu­dem der An­sicht, dass so­gar spe­zi­ell im Aus­land für eine sol­che Ak­ti­on pro­du­zier­te Son­der­aus­ga­ben der deut­schen Buch­preis­bin­dung un­ter­lie­gen. Das ist mei­ner Mei­nung nach ins­be­son­de­re in Zei­ten ei­nes glo­ba­len Han­dels über das In­ter­net eine über­aus ge­wag­te Ein­stel­lung, denn es gibt im­mer­hin ne­ben Deutsch­land auch noch an­de­re Län­der die Deut­sch als Amts­spra­che ha­ben. Wür­de man die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on fol­gen, wür­de sich je­der, der im Aus­land ein deutsch­spra­chi­ges eBook ver­kauft, das auch in Deutsch­land er­wor­ben und ge­le­sen wer­den kann, ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen die deut­sche Buch­preis­bin­dung schul­dig ma­chen? Das wird die deutsch­spra­chi­gen Schwei­zer nicht freu­en, denn dort gibt es kein Buch­preis­bin­dungs­ge­setz mehr, eine Volks­ab­stim­mung hat­te am 11. März 2012 das ent­spre­chen­de Ge­setz ab­ge­lehnt. Und wer will mich dar­an hin­dern, ein sol­ches Pa­ket übers In­ter­net in der Schweiz zu kau­fen?

Eine Ana­lo­gie wäre es, wenn ich mein Ma­nu­skript ei­nem An­bie­ter in der Schweiz an­die­ne und der ver­kauft es dort als eBook. Auch dann kann kein Ver­stoß ge­gen das deut­sche Buch­preis­bin­dungs­ge­setz vor­lie­gen. Und selbst wenn ich als Deut­scher in der Schweiz be­stel­le: wer will das nach­voll­zie­hen?

Das be­schrie­be­ne Sze­na­rio, dass ein An­bie­ter ei­nen Ser­ver auf den Cai­man-In­seln mie­tet, aber ex­pli­zit Deut­sche als Ziel­grup­pe hat, ist da­bei mei­ner An­sicht nach ein völ­lig an­de­res – und da ist die Mei­nung kon­form mit der Recht­spre­chung in an­de­ren Be­rei­chen des In­ter­net­han­dels: egal wo der Ser­ver steht, wenn das An­ge­bot sich haupt­säch­li­ch oder aus­schließ­li­ch an Kun­den in Deutsch­land rich­tet, dann un­ter­liegt der An­bie­ter deut­schem Recht. Wie mein Bei­spiel mit der Schweiz zeigt, kann es al­ler­dings Grenz­fäl­le ge­ben.

Bei all dem ist auf eine alte Bin­sen­weis­heit hin­zu­wei­sen: drei An­wäl­te, fünf Mei­nun­gen. Es han­delt sich um eine Ein­schät­zung der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins, Ge­rich­te mö­gen das an­ders se­hen, aber dar­auf weist man ja auch schon selbst hin.

Nicht be­ant­wor­tet wird mei­ne Fra­ge, ob im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht er­heb­li­che Wett­be­werbs­an­tei­le für deut­sche An­bie­ter en­ste­hen. Ich kann al­ler­dings nach­voll­zie­hen, dass die­se Fra­ge eher von der Pres­se- und Mer­ke­ting­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins zu be­ant­wor­ten wäre, da es sich nicht um ein recht­li­ches The­ma han­delt. Nicht nur mei­ner un­maß­geb­li­chen Mei­nung nach ent­ste­hen die­se Nach­tei­le al­ler­dings de­fi­ni­tiv, so schreibt bei­spiels­wei­se so­gar Spie­gel on­line be­reits 2010:

Mit wach­sen­der Nach­fra­ge ist es aber nur eine Fra­ge der Zeit, bis E-Book-Shops ir­gend­wo im Aus­land be­gin­nen, auch E-Books in deut­scher Spra­che an­zu­bie­ten. Ge­gen die dann zu er­war­ten­den Son­der­an­ge­bo­te wird das buch­preis­bin­dungs­ge­schütz­te E-Book deut­scher Mach­art dann wohl kaum eine Chan­ce ha­ben.

Also letzt­end­li­ch ge­n­au mei­ne Rede. Ich wäre auch äu­ßer­st ge­spannt dar­auf, wie der Bör­sen­ver­ein ei­nen An­bie­ter in – bei­spiels­wei­se – den USA oder der GUS und ohne deut­sche Ver­tre­tung tat­säch­li­ch we­gen des deut­schen Buch­preis­bin­dungs­ge­set­zes ab­mah­nen oder ver­kla­gen möch­te (Bei­spie­le für sol­che An­bie­ter gibt es be­reits, neh­men wir ex­em­pla­ri­sch Smashwords, die ex­pli­zit auch deutsch­spra­chi­ge In­hal­te zu­las­sen). Die Rea­li­tät zeigt, dass in vie­len Staa­ten deut­li­ch schwe­re­re Ge­set­zes­ver­stö­ße nicht ge­ahn­det wer­den, da wird eine Ver­fol­gung von Ver­stö­ßen ge­gen das Buch­PrG zur Nich­tig­keit.

Als Quint­es­senz muss man wie lei­der viel zu oft in ähn­li­che ge­la­ger­ten Fäl­len kon­sta­tie­ren: es bleibt schwie­rig. Dass die Buch­preis­bin­dung ins­be­son­de­re auf eBooks sich nicht mehr mit den durch das In­ter­net ge­schaf­fe­nen Rea­li­tä­ten ver­trägt, tritt im­mer wie­der deut­li­ch zu­ta­ge. Für Au­to­ren und Abie­ter, die an sol­chen lu­kra­ti­ven Wer­be­maß­nah­men wie dem „Hum­ble eBook Bund­le“ in­ter­es­siert wä­ren (und die da­mit Geld ver­die­nen könn­ten, eben auch ohne Ver­la­ge), bleibt die Rechts­la­ge zu­min­dest so lan­ge un­si­cher, bis eine Klä­rung durch Ge­rich­te statt­ge­fun­den hat – und das kann Jah­re dau­ern. Zu­dem kommt man nicht um­hin, fest­zu­stel­len, dass die Kla­gen und Un­ter­las­sungs­auf­for­de­run­gen die zu sol­chen Ge­richts­ur­tei­len füh­ren könn­ten ins­be­son­de­re bei den deut­li­ch un­si­che­ren Fäl­len nicht exis­tie­ren. Man könn­te auf die Idee kom­men, dass nie­mand dar­an in­ter­es­siert ist, Prä­ze­denz­fäl­le zu er­zeu­gen, die viel­leicht für Bran­che ne­ga­tiv aus­fal­len könn­ten, da doch in den al­ler­meis­ten Fäl­len die im­mer wie­der auf­ge­stell­te Droh­ku­lis­se „Buch­preis­bin­dungs­ge­setz“ aus­rei­chend zu sein scheint. Auch er­scheint es mir äu­ßer­st rea­li­täts­fern, Self­pu­blis­hing-Wer­ke den­sel­ben ri­gi­den Re­geln zu un­ter­wer­fen, wie Pro­duk­te ei­ner pro­fes­sio­nel­len Ver­lags­land­schaft mit im Ver­gleich zum Selbst­ver­öf­fent­li­cher fast un­be­grenzt wir­ken­den Mit­teln. In mei­nen Au­gen ist das eine er­heb­li­che Be­nach­tei­li­gung krea­ti­ver Pri­vat­per­so­nen.

Es bleibt zu hof­fen, dass das Buch­preis­bin­dungs­ge­setz im Sin­ne der Ur­he­ber zu­min­dest in Tei­len zü­gig an die Rea­li­tät an­ge­passt wird – doch ich be­fürch­te, dass das trotz ge­wis­ser Be­stre­bun­gen auf EU-Ebe­ne vor­er­st ein from­mer Wunsch blei­ben wird …

In nicht all­zu fer­ner Zu­kunft wird das Netz aber Fak­ten schaf­fen. Und ich lese bis da­hin wei­ter­hin eng­lisch­spra­chi­ge eBooks.

Creative Commons License

Bild: drei eRe­a­der von mir, CC BY-NC-SA

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.


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6 Kommentare

  1. Erstellt am 24. Oktober 2012 um 13:14 | Permanent-Link

    Dan­ke für die Nach­fra­ge, das ist ei­ner der fun­dier­tes­ten Bei­trä­ge zur Preis­bin­dungs­de­bat­te, den ich bis jetzt ge­le­sen habe.

    Ich muss ge­ste­hen, ich bin ein Freund der Buch­preis­bin­dung, aber ge­gen et­was mehr Fle­xi­bi­li­tät für Klein­st- und Selbst­ver­le­ger wäre nichts ein­zu­wen­den. Un­be­ant­wor­tet blieb auch die Fra­ge, ob die ISBN bei der Ein­schät­zung ei­nes „Buchs“ als eben­sol­chem eine Rol­le spielt, oder?

  2. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 24. Oktober 2012 um 13:16 | Permanent-Link

    Dan­ke für die Blu­men. :)

    Nein, die Fra­ge ist nicht of­fen, sie­he: http://phantanews.de/wp/aartikel/der-justiziar-des-borsenvereins-zur-preisbindung-von-ebooks/

  3. GeorgF
    Erstellt am 26. Oktober 2012 um 19:31 | Permanent-Link

    Sie über­le­gen ja was pas­siert, wenn man die Ak­ti­on ins Aus­land ver­la­gert.
    Aber muss man das?
    Hat das In­die­bund­le wirk­li­ch kei­nen Preis? Man kann doch min­des­tens ein Dol­lar (viel­leicht so­gar $0.01) be­zah­len. Das kann man ja als Ver­kaufs­preis an­se­hen, al­les an­de­re ist frei­wil­li­ge Spen­de.

    Und Buch­preis­bin­dung be­sagt ja auch nur, dass eine Aus­ga­be über­all wo sie ver­kauft wird das glei­che kos­ten soll.
    Aber eine Aus­ga­be muss, wenn ich rich­tig sehe, nicht über­all ver­kauft wer­den?!

    Es gibt ja spe­zi­el­le, güns­ti­ge­re Welt­bild­ta­schen­bü­cher bzw. kann man ja so­wie­so nicht al­les über­all ver­kau­fen. PDF eBook bei Ama­zon geht nicht. Und es gibt ja kos­ten­lo­se Ex­tra­aus­ga­ben- zum Bei­spiel wur­den beim letz­ten Le­se­tag, Tag des Buchs (oder wie auch im­mer es heißt) Mil­lio­nen Bü­cher kos­ten­los ver­schenkt. Oder ein­fach KDP- will man den Preis ver­än­dern kön­nen, muss man eine zeit­lang eklu­siv nur auf Ama­zon sein.

    Also so könn­te ein hy­po­the­ti­sches, deut­sches Bund­le so aus­se­hen- ex­tra Aus­ga­ben der eBooks, also im Im­pres­sum oder Co­ver Ver­merk- „xyz-Bund­le Son­der­aus­ga­be „, da darf man schon we­ni­ger Geld ver­lan­gen als bei an­de­ren An­bie­tern.

    Das grö­ße­re Pro­blem ist der Preis- nun ja man kann doch als Preis deut­li­ch 1€ an­set­zen und den Leu­ten klar ma­chen, dass sie ger­ne mehr spen­den kön­nen, aber der Preis eben nur 1€ be­trägt. Das muss ja auch nicht di­rekt im Zu­sam­men­hang mit dem Buch ste­hen- Ein­kaufs­korb ex­tra Kos­ten­stel­le eBooks, eine Ex­tra­kos­ten­stel­le Spen­de. Das wäre der gro­ße Un­ter­schied zum Ex­pe­ri­ment der Ber­lin Sto­ry Ver­lags- dort hat das Buch nicht null, son­dern „das was ihr be­zah­len wollt“ ge­kos­tet.

    Beim Hum­ble Bund­le be­zah­len die meis­ten Leu­te ja nicht nur den $1, son­dern mehr.

    Also die Ak­ti­on wäre an­ge­passt auch in Deutsch­land mach­bar, nur müs­sen sich mu­ti­ge Or­ga­ni­sa­to­ren fin­den – eBook In­die­au­to­ren las­sen sich auch leicht fin­den, selbst wenn die Ak­ti­on schei­tert be­kom­men sie or­dent­li­ch PR und das Völk­chen will si­cher­li­ch auch mehr Rech­te an dem ei­ge­nen Werk be­sit­zen. Buch­preis­bin­dung ist da­für da um Autoren/Verlage vor Händ­lern zu schüt­zen und bei eBooks legt den Preis nicht der Händ­ler, son­dern der Au­tor fest.

    War­um muss der Or­ga­ni­sa­tor mu­tig sein? Selbst wenn die Ak­ti­on recht­li­ch okay ist, Recht ha­ben und Recht be­kom­men sind zwei ver­schie­de­ne paar Schu­he. Es kann durch­aus sein, dass die stol­zen Buch­preis­wäch­ter vor­sorg­li­ch eine Ab­mah­nung aus­stel­len.

  4. Stefan Holzhauer
    Erstellt am 26. Oktober 2012 um 20:02 | Permanent-Link

    Die Mög­lich­keit ei­ner Son­der­aus­ga­be habe ich ex­pli­zit er­wähnt, die ließ man un­be­rück­sich­tigt – war­um nur … ?

    Ich habe eben­falls be­reits dar­über nach­ge­dacht, dass die Spen­de nicht ge­zielt für die ein­zele­nen eBooks, son­dern für das Ge­samt­pro­jekt gel­ten könn­te und das Geld am Ende auf­ge­teilt wird. Ich gehe aber da­von aus

    Das mit der Ab­mah­nung ist ge­n­au der Grund, war­um ein even­tu­el­ler Or­ga­ni­sa­tor mu­tig sein muss. Da kom­men schnell tau­sen­de Euro zu­sam­men, wenn ein völ­lig über­zo­ge­ner Streit­wert an­ge­setzt wird. Es ist üb­ri­gens ir­rig, an­neh­men zu wol­len, dass nur im Auf­trag des Bör­sen­ver­eins ab­ge­mahnt wer­den kann. Ab­mahn-Ab­zo­cker kön­nen das auch auf ei­ge­ne Faust tun. Für Pri­vat­per­so­nen oder Frei­be­ruf­ler ist das fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko ein­fach zu groß. Es müss­te sich even­tu­ell eine Fir­ma oder Or­ga­ni­sa­ti­on fin­den, die auch be­reit wäre, das not­falls vor Ge­richt durch­zu­fech­ten.

    Wenn Sie sich der­art si­cher sind, dass es so klap­pen muss: dann los! Ich bin schon sehr ge­spannt auf ihre Er­fah­run­gen.

  5. Erstellt am 14. August 2014 um 17:21 | Permanent-Link

    Hal­lo,

    es ist gän­gi­ge Pra­xis, dass eta­blier­te gro­ße deut­sche Ver­la­ge die Preis­bin­dung um­ge­hen, in­dem sie Bund­les her­aus­brin­gen.

    Nach gän­gi­ger In­ter­pre­ta­ti­on und Pra­xis ent­steht durch das Bund­le ein neu­es Pro­dukt (das Bund­le), für das ein Preis neu und un­ab­hän­gig von den Kom­po­nen­ten fest­ge­legt wer­den kann. Das Bund­le darf auch ins­ge­samt bil­li­ger sein, als eine ent­hal­te­ne Kom­po­nen­te. Das sagt Dir nur der Bör­sen­ver­ein als Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on so nicht di­rekt, aber die Mit­glie­der des Bör­sen­ver­eins han­deln so.
    (Durch die­se Pra­xis ist es völ­lig egal, ob das Preis­bin­dungs­ge­setz für eBooks gilt oder nicht, weil die eta­blier­ten Ver­la­ge das mit ge­druck­ten Bü­chern ma­chen, für die das Preis­bin­dungs­ge­setz gilt.)

    Et­was an­de­res ist die Fra­ge nach „zahl was Du will­st“. Da­für ken­ne ich kei­ne gän­gi­ge Pra­xis. Nach der oben ge­nann­ten Pra­xis IST ein Bund­le aber kein Buch, son­dern ein ei­gen­stän­di­ges Pro­dukt aus Bü­chern.

    Gerd

    P.S. als Self­pu­blis­her habe ich In­ter­es­se dar­an, mit Au­to­ren­kol­le­gen aus mei­nem The­men­ge­biet Bund­les an­zu­bie­ten. Wer also so eine Platt­form zum Ver­kauf von eBook-Bund­les hat: ich or­ga­ni­sie­re das Bund­le :-)

  6. Erstellt am 14. August 2014 um 18:26 | Permanent-Link

    Auch wenn der Ar­ti­kel be­reits recht alt ist: In­ter­es­san­te Sicht­wei­se. Hast Du ein kon­kre­tes Bei­spiel für ein sol­ches von Dir ge­nann­tes „Bund­le“ ei­nes gro­ßen deut­schen Ver­lags? Wann, wo und wie han­deln die Mit­glie­der des BoeV so? Ich brau­che Quel­len, De­tails, um mehr zu die­sem As­pekt sa­gen zu kön­nen, bzw ihn zu be­wer­ten. Wenn das stim­men soll­te, wer­den Self­pu­blis­her vom BoeV kräf­tig verar…albert. Es müs­sen al­ler­dings kon­kre­te Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen her.

    Das mit der Platt­form ist aber ge­n­au das Pro­blem. Der Ver­käu­fer könn­te ei­ner Stö­rer­haf­tung un­ter­zo­gen wer­den. Ob sich den Rechts­weg nach der Ab­mah­nung durch den Buch­preis­treu­hän­der je­mand an­tun möch­te?

    Edit:

    Ich kann das mit den Bund­les ehr­li­ch ge­sagt nicht so ganz glau­ben, ich zi­tie­re mal §2 des Buch­PrG:

    § 2 An­wen­dungs­be­reich

    (1) Bü­cher im Sin­ne die­ses Ge­set­zes sind auch

    1. Mu­sik­no­ten,
    2. kar­to­gra­phi­sche Pro­duk­te,
    3. Pro­duk­te, die Bü­cher, Mu­sik­no­ten oder kar­to­gra­phi­sche Pro­duk­te re­pro­du­zie­ren oder sub­sti­tu­ie­ren und bei Wür­di­gung der Ge­samt­um­stän­de als über­wie­gend ver­lags- oder buch­han­del­s­ty­pi­sch an­zu­se­hen sind so­wie
    4. kom­bi­nier­te Ob­jek­te, bei de­nen ei­nes der ge­nann­ten Er­zeug­nis­se die Haupt­sa­che bil­det.

    (2) Fremd­spra­chi­ge Bü­cher fal­len nur dann un­ter die­ses Ge­setz, wenn sie über­wie­gend für den Ab­satz in Deutsch­land be­stimmt sind.
    (3) Letzt­ab­neh­mer im Sin­ne die­ses Ge­set­zes ist, wer Bü­cher zu an­de­ren Zwecken als dem Wei­ter­ver­kauf er­wirbt.

    Sie­he den Punkt: „kom­bi­nier­te Ob­jek­te, bei de­nen ei­nes der ge­nann­ten Er­zeug­nis­se die Haupt­sa­che bil­det“. Das wäre ein Bund­le, zwar kom­bi­niert, aber al­les Bü­cher, un­ter­liegt da­mit der Buch­preis­bin­dung.

    Aber an kon­kre­ten Bei­spie­len wie und wo nam­haf­te deut­sche Ver­la­ge Bund­les an­bie­ten, wäre ich jetzt noch mehr in­ter­es­siert.

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