Fünf Fragen an 100 Fans

100 Fans Crowdfunding

Vorgestern und gestern hatte ich mich mit der neuen Plattform 100 Fans kritisch auseinander gesetzt und dabei auch eine Stellungnahme des Betreibers zu meinem ersten Artikel veröffentlicht. Ich hatte der Münchner Verlagsgruppe aber auch einen kurzen Katalog von fünf Fragen zur Verfügung gestellt, auf die ich heute bereits Antworten erhielt. Meine Fragen und diese Antworten kann man im Folgenden lesen, ich habe mir zudem erlaubt, nochmals Kommentare dazu zu verfassen.

Erst einmal möchte ich mich an dieser Stelle jedoch für die zügige Beantwortung meiner Fragen bedanken.

PhantaNews: Sie geben an, es handle sich bei 100fans um Crowdfunding. Üblicherweise werden beim Crowdfunding die Fundingziele sowie die gesamt investierte Summe offen gelegt und die Unterstützer namentlich erwähnt und gelistet. Der “Social Media”-Aspekt ist ein zentraler Punkt des Crowdfundings, ebenso wie Transparenz, was die eingenommene Summe angeht. Beides findet bei Ihnen nicht statt. Warum nicht?

100 Fans: Unser Fundingziel sind immer die 100 Fans, keine bestimmte Summe. Die Summe ist bei jedem Projekt unterschiedlich, daher ist sie kein gutes Kriterium für den Erfolg eines Projekts. Da Bücher, E-Books und Zusatzleistungen unterschiedlichen Steuersätzen unterliegen ist eine Veröffentlichung der gesamten Fundingsumme ohnehin nicht aussagekräftig. Der Autor erhält von uns eine genaue Honorar-Abrechnung. Die Fundingsumme versteuern wir im Verlag. Der Autor muss dann nur noch sein Honorar versteuern. Wenn er möchte, kann er sein Honorar auf der Projektseite veröffentlichen.
Wir warten jetzt auf das User-Feedback und werden die Veröffentlichung der Fundingsumme einführen, wenn viele Autoren oder Fans auf der Plattform dies wünschen. Ihr User-Feedback mit dem Wunsch nach Veröffentlichung zählt dabei dazu.
Die Unterstützer wollen wir aus Datenschutzgründen nicht namentlich listen – was aber dem Social-Media-Aspekt keinen Abbruch tut, weil es damit nichts zu tun hat. Social Media ist uns wichtig. Jedes Projekt kann geliked und getweetet werden, jeder Autor kann seine eigene Community einbinden, und dort kann jeder, der möchte mitdiskutieren. Auch auf unserer 100 FANS-FB-Seite können Fans ins Gespräch kommen, wenn sie möchten. 100 FANS selbst ist jedoch keine Social-Media-Plattform, sondern eine Crowdfunding-Plattform. Aber auch hier gilt: Wenn sich viele User wünschen, gleich auf der Plattform miteinander in Kontakt zu kommen, werden wir dafür eine Möglichkeit schaffen.

Mein Kommentar dazu: Der Datenschutz kann kein Hinderungsgrund sein, da deutsche Betreiber laut Gesetz ohnehin die Möglichkeit für die Nutzer schaffen müssen, sich anonym anmelden zu können, bzw. im öffentlichen Bereich Pseudonyme zu nutzen, das wird auch auf anderen Crowdfunding-Plattformen wie Startnext so gehandhabt: man meldet sich zwar mit Realnamen an, kann aber ein Pseudonym als Displaynamen wählen. Social Media auf andere Plattformen wie Facebook oder Twitter auslagern: das kann man machen, damit ist aber der Social-Media-Aspekt des Crowdfundings auf der eigenen Plattform verloren – und gerade der macht den Reiz aus: sich direkt mit anderen Finanzierern und dem Initiator auszutauschen.

PhantaNews: Üblicherweise gibt es beim Crowdfunding die Möglichkeit, ein Projekt auch durch kleinere Beträge zu unterstützen, um sein Wohlwollen auszudrücken und ohne eine Gegenleistung dafür zu bekommen. Weiterhin können die Projektinitiatoren selbst Pakete festlegen. Auf 100fans gibt es nur “vorgefertigte” Pakete. Warum?

100 Fans: Unser Angebot ist: 100 Fans – und das Buch erscheint gedruckt und als E-Book. Jeder Fan soll bei uns nicht nur ein Dankeschön, sondern eine Gegenleistung erhalten – ein Buch nämlich. Wegen der Buchpreisbindung müssen Bücher immer den selben Preis haben, daher sind wir bei der Preisgestaltung innerhalb eines Projekts nicht sehr flexibel. Günstigere Preise würden bedeuten, dass die Kalkulation nicht mehr stimmt und der Autor fast nichts verdient. Das wäre schade.
Autoren, die eigene Ideen für Aktionen und Fanpakete haben, können sich damit selbstverständlich an uns wenden oder auch Standard-Fanpakete abwählen, wenn sie etwa keine Lesung anbieten möchten. Unsere Standardpakete sollen es Autoren erleichtern, Fanpakete zu sauber kalkulierten Preisen anzubieten.

Mein Kommentar dazu: Das bedeutet dann offenbar, wie ich bereits im anderen Artikel vermutete, dass man für ein 84-seitiges eBook bei 100 Fans 12,99 Euro haben möchte. Das ist nicht nur teuer. Das ist sehr teuer. Außerdem: Wenn es sich um eine Vorbestellung, also quasi ein Subskriptionsmodell handelt, könnte man die Bücher selbstverständlich auch trotz Buchpreisbindung für die “Fans” preiswerter anbieten.

PhantaNews: Bei anderen Crowdfunding-Plattformen erhält der Finanzierende einen reellen Gegenwert. Auf 100fans muss man für das eBook-Paket bereits fast 18 Euro zahlen. Halten Sie diesen Preis für gerechtfertigt und wenn ja, warum?

100 Fans: Unsere E-Books gibt es bereits ab 6,49 Euro. Der Preis der 100-FANS-Bücher richtet sich nach deren Seitenzahl. Unser Ziel ist es nicht, die niedrigsten Preise auf dem Markt zu haben – da können und wollen wir die Möglichkeit des Self-Publishing nicht unterbieten. Wir machen Bücher zu Preisen, bei denen der Autor einerseits vom ersten Buch an ein Honorar erhält, das sogar prozentual höher ist als beim klassischen Verlagsvertrag, und wir dennoch alle Verlagsleistungen anbieten können. Unsere Bücher sind wertig und wie alle anderen Bücher Liebhaberobjekte. Wir finden, dass das Käufern und Fans auch etwas wert sein kann. Unsere Bücher sind sehr reelle Produkte.
Wir als Verlag verdienen übrigens nur bei einem großen Auflagenerfolg, kleine Auflagen subventionieren wir. Täten wir dies nicht, lägen die Buchpreise deutlich höher oder die Autoren müssten deutlich mehr Fans finden. Zudem haben wir sehr viel in die Entwicklung der Plattform investiert und sind damit ein verlegerisches Risiko eingegangen.

Mein Kommentar dazu: Bücher sind keine “Liebhaberobjekte”, auch wenn Verlage gern etwas anderes behaupten, Bücher sind eine heutzutage knallhart kalkulierte Massenware, insbesondere im Bereich Belletristik. Bücher sind in der Tat reelle Produkte. Ein eBook mit gerade mal 100 Seiten zu einem Preis von 6,40 Euro ist in meinen Augen nicht einmal ansatzweise ein reeller Gegenwert, das kann man auch leicht verifizieren, wenn man sich die Preise für eBooks solchen Umfangs auf dem Markt ansieht. Die Produkte von 100 Fans werden sich an den üblichen Marktpreisen messen lassen müssen. Und diese übersteigen sie nach dem momentanen Konzept deutlich, erschwerend kommt hinzu, dass eBook hierzulande ohnehin viel zu teuer angeboten werden.
Den Hinweis auf subventionierte Bücher kann ich nicht ganz nachvollziehen. Beispiel: Wenn 100 Fans zum Preis von 1749 Euro ein Buchprojekt “pledgen”, dann werden davon Lektorat, ISBN und Cover (und Druck für eine Einhunderter-Auflage der Printversion) bezahlt. Das ist auch ein angemessener Preis dafür. Was da subventioniert werden muss, erschließt sich mir nicht.
Dass die technische Implementierung Plattform vermutlich nicht billig (lies: zu teuer) war, kann ich mir vorstellen. Als Webentwickler und IT-Berater würde mich interessieren, was die Münchner Verlagsgruppe dafür auf den Tisch gelegt hat. Mir fallen auf Anhieb diverse Möglichkeiten ein, das vollständig mit Open Source-Software zu realisieren (Entwicklungs- und Implementierungskosten entstehen natürlich trotzdem).

PhantaNews: Sie räumen sich laut AGB äußerst weitreichende Verwertungsrechte an den Materialien der Autoren ein, man könnte das auch als “total buyout” bezeichnen. Und das, obwohl letztendlich nicht der Verlag, sondern die “Fans” das Buch finanziert haben. Wie begründen Sie diese umfangreiche Rechteeinräumung?

100 Fans: Mit dem Verlagsvertrag gehen nur die Buch-Rechte an uns über. Hörbuch, Film, Dramatisierungen, Merchandise oder anderes ist damit nicht abgedeckt. Wir wollen keinen “total buyout”, sondern bieten einen Autorenvertrag an, der auch bei den anderen Autoren in unserem Haus üblich ist. Die Übertragung der Rechte ist wichtig, denn wir als Verlag erbringen für das Buch Leistungen, die voraussetzen, dass wir die entsprechenden Rechte auch haben. Unser Autorenvertag ist absolut branchenüblich und basiert auf dem Normvertrag des Schriftstellerverbandes und ist zudem etwa beim Honorar und bei den Rechten zu Gunsten der Autoren abgewandelt. Der Vertrag verpflichtet uns als Verlag zu Leistungen, es ist also ein “total service paket”.

Meine Anmerkung dazu: Wie schon im vorangegangenen Artikel verweise ich auf die AGB von 100 Fans:

Der Au­tor räumt dem Ver­lag an dem Werk die räum­lich, zeit­lich und in­halt­lich un­be­schränk­ten, aus­schließ­li­chen Nut­zungs­rechte für alle be­kann­ten und un­be­kann­ten Nut­zungs­ar­ten ein.

und

Der Ver­lag ist be­rech­tigt, obige Rechte ein­zeln oder kom­plett auf Dritte zu über­tra­gen, ohne dass es hierzu der Zu­stim­mung des Au­tors be­darf. Dies gilt ins­be­son­dere für das Recht zur Ver­gabe von deutsch– oder fremd­spra­chi­gen Li­zen­zen in das In– und Aus­land für alle vertrags¬gegenständlichen Nut­zungs­for­men. Die Ent­schei­dung über die Ver­gabe von Li­zen­zen (Art und Um­fang, Kon­di­tio­nen etc.) an Dritte steht im freien Er­mes­sen des Ver­la­ges.

“Alle bekannten und unbekannten Nutzungsarten” umfassen meiner Ansicht nach alles, auch Filme, Fernsehserien und Hörspiele, anders als die Betreiber es vorstehend angeben. Und was genau die “Dritten” mit den Rechten machen dürfen, ist ebenfalls unklar.

PhantaNews: Ist das Prinzip nicht ein ganz ähnliches wie bei Zuschussverlagen, bei denen der Autor auch erst in Vorleistung treten muss? Hier zahlt nicht der Autor vorab, sondern seine “Fans”?

100 Fans: Nein, unser Konzept ist ein anderes. Wir bieten dem Autor den großen Vorteil, dass er bei uns nichts bezahlen muss, sogar, wenn sein Projekt nicht erfolgreich sein sollte.
Bei uns muss der Autor bei uns weder Geld vorstrecken noch Zuschüsse einwerben. Die Plattform steht dem Autor kostenlos zur Präsentation seines Projekts zur Verfügung und sein Buch oder seine Idee finden dadurch Aufmerksamkeit und Fans.
Der Autor verdient bei uns an jedem verkauften Buch, und wenn das Buch später im Handel (zum selben Preis wie in der Fundingphase) angeboten wird, verdient er weiterhin.
Dass die Fans den Autor unterstützen ist der Kerngedanke von Crowdfunding – viele Menschen, die einen kleinen Betrag bezahlen, machen ein größeres Projekt möglich. Im Unterschied zu anderen Crowdfunding-Plattformen, bei dem Geldgeber oft nur ein ideelles Dankeschön erhalten, auch wenn sie viel gegeben haben, erhält bei uns jeder Fan ein Fanpaket. Wenn ein Projekt nicht erfolgreich ist, erhält jeder Fan sein Geld komplett zurück. Niemand kann also bei uns sein Geld verlieren – weder der Autor, noch die Leser.
Wir verbinden Vorteile des Self-Publishing mit Vorteilen des klassischen Verlags – wie bieten deutlich höhere Honorare bei gleichem Umfang der Verlagsleistung an. Das können wir tun, weil wir bei erfolgreichen Projekten schon vorab wissen, dass sich mindestens 100 Käufer finden. Bei 100 Fans, beim klassischen Verlag oder beim Self-Publishing: Es ist immer der Leser, der mit dem Kauf eines Buches die schöpferische Leistung des Autors und die Dienstleistung des Verlages bezahlt.

Meine Anmerkung dazu: Allerdings tritt der klassische Verlag in Vorleistung, beim Konzept von 100 Fans werden die kompletten finanziellen Mittel vorab von Dritten zur Verfügung gestellt. Damit entsteht 100 Fans keinerlei finanzielles oder unternehmerisches Risiko. Dass so etwas für Verleger von immensem Reiz ist, wundert mich selbstverständlich nicht.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie das Angebot bei Autoren und Lesern ankommen wird. Jetzt aber Schluss damit, drei Artikel sind genug Werbung für die Plattform. :)

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harmloser Nerd mit natürlicher Affinität zu Pixeln, Bytes, Buchstaben und Zahnrädern. Konsumiert zuviel SF und Fantasy und schreibt seit 1999 online darüber.

Ein Kommentar for “Fünf Fragen an 100 Fans”

ein Leser

sagt:

Sieben Dumme stehen jeden Tag auf. Ich denke mindstens einer ist bestimmt ein Autor oder Fan. An die richtet sich dieses “Angebot”. Läufts schlecht kein Risiko, läufts gut satter Gewinn.

Aktuell wird aber eh schon viel zuviel geschrieben und es besteht ein Überangebot an Lesestoff (selbt ohne Buchpiraten können einfach nicht immer mehr Autoren von einer gleichbleibend großen Menge Leser leben). Es wäre diesem Projekt (wie auch einigen anderen) der Misserfolg zu wünschen. Vielleicht nimmt dann die Schwemme an minderwertiger Literatur (das ist natürlich Geschmackssache) etwas ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.