Schaffe, schaffe, Tränkle braue: DIE ALCHEMISTEN

Die Alchemisten - Cover Als Alchemist hat man es nicht leicht. Nach­dem man sich den ganzen Vor­mit­tag im Wald herumgetrieben hat, um Zutat­en zu sam­meln, ste­ht man anschließend stun­den­lang am Kessel, um Tränke für vor­beiziehende Aben­teur­er zu mix­en, oder neue Kreatio­nen zu erschaf­fen. Und wenn einem dann noch das passende Klein­geld fehlt, um den durch frühere Exper­i­mente miss­mutig ges­timmten Stu­den­ten als Ver­such­skan­inchen zu benutzen, muss man die brodel­nde Brühe am Ende noch im Selb­stver­such testen. Was tut man nicht alles um neue Erken­nt­nisse pub­lizieren zu kön­nen, damit man bei der näch­sten Alchemis­tenkon­ferenz nicht blöd da ste­ht?

Das neue Spiel aus dem Hause Czech Games Edi­tion hat auf der Spielemesse in Essen für viel Auf­se­hen gesorgt, denn es ist eines der Ersten, das eine App fest in den Spielablauf inte­gri­ert. Obwohl die englis­che Orig­i­nalver­sion erst im Okto­ber erschienen ist, hat der Hei­del­berg­er Spielev­er­lag bere­its jet­zt die deutsche Über­set­zung her­aus­ge­bracht, pünk­tlich zum Wei­h­nachts­geschäft.

Überblick

Pro­bie­ren geht über Stu­die­renBei DIE ALCHEMISTEN übernehmen zwei bis vier Spiel­er die Rolle eines Mit­glieds eben jen­er Beruf­s­gruppe. Die Spielmechanik lässt sich dabei grob als eine Kom­bi­na­tion aus »Work­er Place­ment« (die Spiel­er platzieren ihre Arbeiter/Aktionen, anschließend wird alles abge­han­delt) und Deduk­tion beschreiben. Aus den acht ver­schiede­nen Zutat­en kön­nen sechs ver­schiedene Tränke und eine neu­trale Brühe gemis­cht wer­den, allerd­ings hat man zu Beginn des Spiels keinen Schim­mer, welche Kom­bi­na­tion welchen Trank ergibt. Pro­bieren geht über Studieren. Ergeb­nisse kön­nen pub­liziert und gegebe­nen­falls von anderen später wider­legt wer­den. Zudem gibt es hil­fre­iche Arte­fak­te zu kaufen, die Son­der­fähigkeit­en oder andere Boni ver­lei­hen. Das nötige Gold dafür lässt sich zum Beispiel durch den Verkauf von Tränken an Aben­teur­er ver­di­enen, jedoch sollte man darauf acht­en, dass einem die Konkur­renz nicht zuvor kommt. Um sein Wis­sen vor den anderen zu ver­ber­gen, erhält jed­er Alchemist seinen eige­nen Sichtschirm mit Ergeb­nispyra­mide auf der Innen­seite. Am Ende gewin­nt – wie so oft – der Spiel­er mit den meis­ten Sieg­punk­ten.

Alchemis­ten Ein­maleins

Es gibt acht unter­schiedliche Zutat­en, die je einem von acht Ele­menten entsprechen. Ein Ele­ment beste­ht aus drei Teilchen, die eine Farbe (rot, grün und blau) sowie eine Ladung (pos­i­tiv »+« oder neg­a­tiv »-«) besitzen. (Siehe Bild) Die Tränke, die aus der Kom­bi­na­tion zweier Zutat­en entste­hen kön­nen, wer­den eben­falls ein­er Farbe und Ladung zuge­ord­net. Rot+ ist ein Heil­trank, Rot- ist Gift. Grün beschle­u­nigt oder lähmt, je nach Ladung; Blau+ macht weise, während Blau- zu Wahnsinn führt.
Mis­cht man zwei Zutat­en, deren eines Ele­ment ein großes rotes + und das andere ein kleines rotes + besitzt, entste­ht ein Heil­trank. Ana­log funk­tion­iert das mit den anderen Tränken. Aus zwei Zutat­en, bei denen alle drei Teilchen gegen­sät­zlich gepolt sind, entste­ht ein neu­traler Trank ohne Wirkung (Suppe, wenn man so will).
Das klingt alles kom­pliziert­er, als es am Ende wirk­lich ist, zumal die App einem sagt, was man da ger­ade zusam­menge­braut hat. Das Ergeb­nis sollte man allerd­ings richtig zu deuten ver­ste­hen.

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Zutat­en und Ele­mente

Ablauf ein­er Runde

Reihenfolge
Rei­hen­folge

Bes­tim­mung der Rei­hen­folge und Aktio­nen fes­tle­gen

Begin­nend mit dem Start­spiel­er muss sich jed­er entschei­den, ob man ein paar zusät­zliche Gefall­en oder Zutat­en bekom­men möchte, oder ob man lieber darauf verzichtet um dafür in der kom­menden Runde den Vor­tritt vor anderen Spiel­ern zu haben und sich sog­ar anse­hen zu kön­nen, was die anderen pla­nen, ehe man sich selb­st entschei­det.
Anschließend platziert jed­er Alchemist, drei bis sechs sein­er Wür­fel (je nach Runde und Anzahl der Spiel­er) auf die ver­schiede­nen Sta­tio­nen des Spiel­bretts, um festzule­gen, welche der fol­gen­den Möglichkeit­en man in Anspruch nehmen möchte.

Zutat­en sam­meln

Je aus­gelegtem Wür­fel darf man sich eine Zutat aus der Aus­lage oder vom verdeck­ten Stapel nehmen. Let­zteres ist riskan­ter, wenn man bes­timmte Zutat­en benötigt, liefert den anderen Spiel­ern aber auch weniger Infor­ma­tio­nen darüber was man auf der Hand hält.

Zutat­en in Gold trans­mu­tieren

Für einen Wür­fel kann eine Zutat von der Hand gegen ein Gold­stück getauscht wer­den. Set­zt man zwei weit­ere Wür­fel ein, darf die Aktion ein weit­eres Mal durchge­führt wer­den.

Trank am Stu­den­ten testen

Hier kommt zum ersten Mal die App zum Ein­satz. Man wählt zwei sein­er Zutat­en von der Hand und legt sie in seinen Kessel (ein kleiner­er Sichtschirm auf dem Haupt­sichtschirm). Dann startet man die App auf dem Smart­phone oder dem Tablet und scan­nt die bei­den Karten. Nach dem Bestäti­gen ver­rät einem das Pro­gramm, was dabei her­aus­gekom­men ist. Ist es zum Beispiel ein Läh­mungstrank (Grün -), kön­nen wir für bei­de Zutat­en ein­gren­zen, welchem Ele­ment sie entsprechen, denn sie müssen bei­de ein neg­a­tiv geladenes grünes Teilchen besitzen (siehe Alchemis­ten Ein­maleins).
Sobald der Stu­dent in der laufend­en Runde einen neg­a­tiv­en Trank bekom­men hat, müssen alle nach­fol­gen­den Spiel­er ein Gold­stück für weit­ere Tests bezahlen. Sein Lerneifer ist dem Selb­ster­hal­tungstrieb gewichen.

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Trank an sich selb­st testen

Dies funk­tion­iert wie der Test am Stu­den­ten, nur dass es in jedem Fall kosten­los ist. Dafür bekommt man mögliche neg­a­tive Kon­se­quen­zen allerd­ings am eige­nen Leib zu spüren. Trinkt man Gift, wan­dert ein­er der Aktion­swür­fel ins Hos­pi­tal und man hat in der fol­gen­den Runde eine Aktion weniger zur Ver­fü­gung. Ein Läh­mungstrank sorgt dafür, dass man in der näch­sten Runde als aller­let­ztes an der Rei­he ist, außer­dem wird man bei der Ver­gabe des Start­spiel­er­to­kens über­gan­gen. Nach dem Genuss eines Wahnsinnstranks und dem fol­gen­den unbek­lei­de­ten Tänzchen auf dem Mark­t­platz lei­det der Ruf.

Tränke verkaufen

Der Ge­winn rich­tet sich nach der Höhe der Ver­si­che­rung, die wir dem Hel­den (oder Schur­ken) bie­tenAb dem zweit­en Durch­lauf erscheint in jed­er Spiel­runde ein neuer Aben­teur­er im Dorf und möchte bis zu drei Tränke erwer­benn, es kann allerd­ings immer nur ein Trank weniger verkauft wer­den, als die Anzahl der Spiel­er, so dass hier auch jemand leer aus­ge­hen kön­nte. Um trotz­dem an die Rei­he zu kom­men, obwohl andere Mit­spiel­er vor einem dran wären, kann man ver­suchen den Aben­teur­er mit Rabat­ten zu lock­en.
Der Gewinn richtet sich nach der Höhe der Ver­sicherung, die wir dem Helden (oder Schurken) bieten. Wenn wir ver­sich­ern, dass es genau der Trank wird, den er ver­langt und es anschließend durch die Kom­bi­na­tion der richti­gen Zutat­en auch so hin­bekom­men, lock­en bis zu vier Gold­stücke. Mitunter sind wir aber auch selb­st nicht so sich­er, was das Ergeb­nis sein wird und ver­sich­ern vielle­icht nur, dass die Ladung des Tranks stim­men wird. Kommt etwas ganz anderes dabei her­aus, gehen wir leer aus, aber zumin­d­est kon­nten wir den Aben­teur­er als Ver­such­sob­jekt benutzen und hof­fentlich neue Erken­nt­nisse erlan­gen.

The­sen pub­lizieren

Für den Preis von einem Gold­stück veröf­fentlicht man seine neuesten Erken­nt­nisse. Man behauptet das Ele­ment ein­er Zutat bes­timmt zu haben und drückt dem Ganzen sein Siegel auf. Dabei spielt es vor­erst keine Rolle, ob die Behaup­tung stimmt oder nicht. In jedem Fall steigt der Ruf des Alchemis­ten und falls er zu ein­er bes­timmten Kom­bi­na­tion von Zutat­en etwas pub­liziert hat, erhält er außer­dem weit­ere Forschungsmit­tel in Form von Gold und Sieg­punk­ten.
Zweimal pro Spiel find­et außer­dem eine Alchemis­tenkon­ferenz statt, während der man je nach Anzahl der veröf­fentlicht­en The­sen Ruf gewin­nt oder ver­liert.
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The­sen wider­legen

Hat man durch die eige­nen Forschun­gen die The­sen eines anderen Alchemis­ten (oder auch seine eige­nen) als fehler­haft erkan­nt, darf dies eben­falls pub­lik gemacht wer­den. Je nach Schwierigkeits­grad unter­schei­det sich hier­bei die genaue Meth­ode, jedoch wird in bei­den Fällen die App als Hil­fe genom­men. Hat man sich geir­rt, ver­liert man an Ruf, da man die Zeit sein­er Kol­le­gen vergeudet hat, hat man die These jedoch erfol­gre­ich wider­legt, erhält man gle­ich zwei Ruf­punk­te. Falls sich der wider­legte Alchemist nicht durch die Ver­wen­dung eines bes­timmten Siegels abgesichert hat, ver­liert er nun gle­ich fünf Punk­te Ruf (ern­tet dafür aber eine Menge Häme).

Ende der Runde

Zu guter Let­zt wird das Spiel­brett für die näch­ste Runde vor­bere­it­et. Ein neuer Aben­teur­er kommt in die Stadt und falls ger­ade eine Kon­ferenz abge­hal­ten wurde, wer­den neue Arte­fak­te ver­füg­bar. Kon­nten aus den ver­schieden­sten Grün­den nicht alle Wür­fel während der Runde benutzt wer­den, wer­den je zwei davon in einen Gefall­en durch die Dorf­be­wohn­er umge­wan­delt. Der Preis des Alchemis­ten des Monats (in Form eines Ruf­punk­tes) geht an den Spiel­er mit den meis­ten Veröf­fentlichun­gen.

Die App

AppKom­men wir nun zur größten Beson­der­heit des Spiels: der beina­he unverzicht­baren App. Von der tech­nis­chen Seite her gibt es hier nichts auszuset­zen. Hat man darauf geachtet, dass sich die zwei zu scan­nen­den Karten nicht über­lap­pen und so die Fix­punk­te in den Eck­en verdeck­en, erken­nt die App die Sym­bole der Zutat­en meist schon bevor die Kam­era richtig scharf geschal­tet hat.
Hin­ter den Kulis­sen ord­net das Pro­gramm jed­er Zutat ein Ele­ment zu. Die aktuelle Zufallsverteilung wird als Code aus vier Buch­staben angegeben, welchen die Mit­spiel­er in der eige­nen App eingeben kön­nen, damit auch jed­er auf der gle­ichen Basis spielt, the­o­retisch genügt aber ein Gerät für alle. Selb­st wenn die Kam­era nicht funk­tion­ieren sollte, kann man die zu mis­chen­den Karten per Hand eingeben, auch wenn das vielle­icht eine Möglichkeit zum Schum­meln sein mag. Wem das nicht reicht, der kann die Funk­tion­al­ität auch über eine Web­site nutzen.
Die App find­et man für iOS und Android unter dem Begriff »Alchemists: Lab Equip­ment«, oder indem man im Brows­er des Geräts http://cge.as/ald ein­gibt. Über das Zah­n­radsym­bol kann sie auch auf deutsch umgestellt wer­den. Wer sie testen möchte, kann ja mal ver­suchen die Zutat­en auf dem Bild beim Alchemis­ten 1x1 damit zu scan­nen.

Manche wer­den jet­zt vielle­icht sagen, dass sie Handys am Spieltisch auf den Tod nicht ausste­hen kön­nenManche wer­den jet­zt vielle­icht sagen, dass sie Handys am Spieltisch auf den Tod nicht ausste­hen kön­nen, weil sie es has­sen, wenn man sich nicht auf das Spiel konzen­tri­ert und stattdessen im Web surft oder chat­tet. Eine ein­fache Möglichkeit dem beizukom­men wäre, den Flugzeug­modus zu aktivieren. Aber auch wenn man sich partout nicht auf den Ein­satz dig­i­taler Tech­nik beim Brettspie­len ein­lassen möchte, bietet das Spiel einen Ausweg. Allerd­ings benötigt man dafür einen zusät­zlichen Spiel­er, der auf der mit­geliefer­ten Ergeb­nista­belle die Zutat­en zufäl­lig anord­net und geheim hält. Wenn ihm dann andere Spiel­er zwei ihrer Karten zeigen, sagt er ihnen, was dabei her­auskommt, übern­immt also die Funk­tion der App. Der Spielspaß bleibt für die Per­son dabei allerd­ings eher über­schaubar …

Ausstat­tung und Illus­tra­tio­nen

DIE ALCHEMISTEN bringt eine Menge Spiel­ma­te­r­i­al mit. Ein dop­pel­seit­iges Spiel­brett, eine Seite für zwei bis drei, die andere für vier Spiel­er. Ein weit­eres kleineres Brett auf dem die Ruf-/Sieg­punk­te und die Veröf­fentlichun­gen fest­ge­hal­ten wer­den. Außer­dem erhält jed­er Mit­spiel­er einen eige­nen dop­pel­stöck­i­gen Sichtschirm in sein­er Farbe, um seine Erken­nt­nisse dahin­ter zu ver­ber­gen und die Zutatenkarten zum Scan­nen aufzustellen. Auf der Innen­seite der Schirme befind­et sich zudem eine Ergeb­nispyra­mide, in der die Resul­tate der eige­nen Exper­i­mente fest­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Dafür ste­hen eine Menge Mark­er mit Plus- und Minus-Sym­bol­en in den ver­schiede­nen Far­ben zur Ver­fü­gung. Beim Ausstanzen sollte man behut­sam vorge­hen, damit nicht verse­hentlich etwas ein­reißt. Um die aktuelle Posi­tion auf der Rufleiste sowie die Rei­hen­folge in der aktuellen Runde festzuhal­ten, gibt es für jeden Spiel­er kleine Plas­tikphi­olen. Die Aktio­nen der Runde wer­den mit Wür­feln aus dem sel­ben Mate­r­i­al markiert. Zu guter Let­zt hat man noch die Karten für die Zutat­en, die Gefall­en der Dorf­be­wohn­er und die Arte­fak­te. Um all das zusam­men­zuhal­ten wer­den auch gle­ich Beu­tel mit Zipver­schluss mit­geliefert, aber noch erfreulich­er sind die Plas­tikschälchen, für die Mark­er, die eben­falls schon beiliegen.

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Vom Art­work kann man sich auf den Bildern bere­its selb­st überzeu­gen. Es ist sehr bunt und über­dreht, passt aber mein­er Mei­n­ung nach gut zum Set­ting der etwas zauseli­gen, untere­inan­der konkur­ri­eren­den Alchemis­ten. Alle rel­e­van­ten Felder des Spielfelds wur­den eins zu eins auch in die App über­nom­men, so dass man schnell die Aktion find­et, die man durch­führen möchte. Auf den Notizzetteln kön­nte der Kon­trast etwas höher sein, denn bei weniger gutem Licht ist beim grü­nen Ele­ment nicht immer leicht zu erken­nen, ob es sich um ein Plus oder Minus han­delt.
Das zwanzig­seit­ige Regel­w­erk kann zuerst ein­schüchternd wirken, ist aber gut bebildert und sollte kaum Fra­gen offen lassen. Aufge­lock­ert wird es immer wieder durch stim­mungsvolle Ein­schübe durch einen imag­inären Alchemis­ten­lehrer, welche oft den Bezug zwis­chen den Regeln und dem all­ge­meinen The­ma des Spiels ver­tiefen. Als prak­tisch haben sich auch die Erläuterun­gen zu den Gefall­en und Arte­fak­ten auf der Rück­seite des Hefts her­aus­gestellt. So muss der Spiel­er nicht ver­rat­en, um welche Karte es geht, find­et aber trotz­dem schnell die Antwort auf seine Frage. Das Regel­w­erk kann online einge­se­hen wer­den.
Bei dieser umfan­gre­ichen Ausstat­tung hat mich der Preis von 31,50 Euro doch sehr pos­i­tiv über­rascht. Auf Ama­zon schwankt der Preis aktuell noch, da das Spiel dort offen­bar erst am 10.12.2014 erscheint. Ich selb­st habe es in einem der Hei­del­berg­er Flag­ship-Stores erwor­ben.

Wieder­spiel­w­ert und Schwierigkeits­grade

Dank der zufäl­li­gen Zuord­nung der Zutat­en zu den Ele­menten wird man das Spiel schon sehr oft spie­len müssen, bis einem ein­mal die selbe Kon­stel­la­tion begeg­netDank der zufäl­li­gen Zuord­nung der Zutat­en zu den Ele­menten wird man das Spiel schon sehr oft spie­len müssen, bis einem ein­mal die selbe Kon­stel­la­tion begeg­net und selb­st dann wird es einem wohl kaum auf­fall­en. Auch bei den Kun­den und den Arte­fak­ten wird Wert auf Abwech­slung gelegt. Von den sechs trankdursti­gen Aben­teuern wird vor Spiel­be­ginn ein­er verdeckt aus­sortiert, so dass man nicht genau weiß, wer alles vor­beis­chneien wird. Von den ins­ge­samt achtzehn Arte­fak­ten tauchen nur neun in jedem Spiel auf. Durch bes­timmte Kom­bi­na­tio­nen kön­nen sich hier starke Syn­ergien zwis­chen den Gegen­stän­den ergeben, natür­lich voraus­ge­set­zt, dass sie einem nicht vorher von jemand anderem vor der Nase weggekauft wer­den.

Wer nach ein paar Run­den auf der Schwierigkeit »Lehrling« eine größere Her­aus­forderung sucht, stellt ein­fach auf »Meis­ter« um. Auf diesem Schwierigkeits­grad begin­nt man das Spiel mit ein­er Zutat weniger; die Alchemis­tenkon­feren­zen bestrafen Spiel­er härter, falls sie nicht genü­gend The­o­rien pub­liziert haben, aber vor allem ändert sich die Meth­ode, mit der geg­ner­ische Behaup­tun­gen wider­legt wer­den. Anstatt nur zu sagen, bei welchem Teilchen eines Ele­ments sich der Kol­lege geir­rt hat, muss man nun ein Exper­i­ment ken­nen, dass den Fehler beweist. Die Ergeb­nisse sind dabei nicht immer ein­deutig, so dass es zu Wider­sprüchen zwis­chen zwei The­sen kom­men kann, was die Veröf­fentlichun­gen gle­ich mehrerer Spiel­er auf Eis leg­en kann. Außer­dem kann man auf diese Art bess­er bee­in­flussen, wieviele Infor­ma­tio­nen die Mit­spiel­er beim Wider­legen erlan­gen.
Die Meis­ter­vari­ante kann auch ver­wen­det wer­den, um erfahre­nen Spiel­ern ein Hand­i­cap zu geben, wenn sie gemein­sam mit Anfängern am Tisch sitzen.

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Faz­it

Dank des fast auss­chließlich pos­i­tiv­en Tons der Rezen­sion ist es wohl nicht schw­er zu errat­en, dass mir DIE ALCHEMISTEN wirk­lich gut gefälltMan kann vom Ein­satz von Smart­phones oder Com­put­ern bei Brettspie­len hal­ten was man möchte, aber DIE ALCHEMISTEN macht es in meinen Augen genau richtig. Hier wird kein Brettspiel um eine App herum kon­stru­iert. Stattdessen dient diese als Hil­f­s­mit­tel, um eine neue Art von Deduk­tion­sspiel zu ermöglichen. Nur dabei bleibt es jedoch nicht. Tränke wer­den nur bei drei der ins­ge­samt acht möglichen Tätigkeit­en gebraut und man sollte sich gut über­legen wofür man seine Aktio­nen schließlich ein­set­zt. Die Veröf­fentlichun­gen bieten sog­ar eine Gele­gen­heit für Bluffs, auch wenn am Ende des Spiels die Zusam­menset­zun­gen der meis­ten Zutat­en bekan­nt sein dürften. Hier wer­den ver­schiedene Mech­a­nis­men erfol­gre­ich kom­biniert.
In Anbe­tra­cht zweier Spiel­bret­ter voller Bilder und Sym­bole, sowie der The­o­rie vom Trankbrauen, die ver­standen wer­den will, ist es ger­ade für Ein­steiger angenehm, dass in der ersten Runde noch nicht alle Tätigkeit­en zur Ver­fü­gung ste­hen und nur drei Aktion­swür­fel platziert wer­den müssen.
Die angegebene Spielzeit von 120 Minuten ist real­is­tisch bei vier Spiel­ern, wobei man für die Regel­erk­lärung etwa eine weit­ere halbe Stunde hinzurech­nen sollte. Während des Spiels gibt es prak­tisch kaum Län­gen, da Aktio­nen immer im Wech­sel abge­han­delt wer­den und selb­st wenn ein Spiel­er ein­mal länger zum Leg­en sein­er Wür­fel braucht, schaut man ein­fach auf seinen Ergeb­nis­bo­gen und ver­sucht noch weit­ere Kom­bi­na­tio­nen auszuschließen. Ich war jedes Mal über­rascht wie schnell die sechs Run­den dann doch wieder ›rum waren.
Bis­lang hat sich auch noch keine dom­i­nante Tak­tik her­auskristallisiert, was für eine gute Bal­ance der Sieg­punkt-Quellen spricht. In meinem let­zten Spiel waren am Ende drei Spiel­er mit ganz unter­schiedlichen Tak­tiken nur jew­eils einen Punkt voneinan­der ent­fer­nt.

Dank des fast auss­chließlich pos­i­tiv­en Tons der Rezen­sion ist es wohl nicht schw­er zu errat­en, dass mir DIE ALCHEMISTEN wirk­lich gut gefällt. Ich müsste wirk­lich lange über­legen, um neg­a­tive Kri­tik äußern zu kön­nen. Vielle­icht ist es etwas unin­tu­itiv, dass der Zug auf dem Spiel­brett oben rechts statt links begin­nt und sich dann im Uhrzeigersinn von Aktion zu Aktion bewegt. aber das ist wirk­lich Jam­mern auf sehr hohem Niveau. Bei schlechtem Licht kann es auch schon ein­mal als schwierig erweisen die Karten einzus­can­nen, was sich aber im schlimm­sten Fall durch die Eingabe per Hand kom­pen­sieren lässt.

Ich kann das Spiel also jedem, der seine Kochkün­ste schon mal am Zauberkessel aus­pro­bieren wollte, wärm­stens ans Herz leg­en. Kann sich­er nicht schaden, wenn die Fre­unde mal den ein oder anderen Weisheit­strank zu sich nehmen. Aber Vor­sicht beim Gift­mis­chen!

Offizielle Seite zum Spiel bei den Hei­del­bären
Link zum Regel­w­erk

Cov­er­ab­bil­dung DIE ALCHEMISTEN Copy­right Hei­del­berg­er Spielev­er­lag

 

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AutorIn: Mathias Heilmann

Brettspie­len­thu­si­ast mit ein­er Schwäche für frische Ideen. Gibt viel zu viel Geld für inter­es­sante Spielkonzepte bei Kick­starter aus.

5 Kommentare for “Schaffe, schaffe, Tränkle braue: DIE ALCHEMISTEN”

Thomas

sagt:

danke fuer den Review. ich hat­te auch grosse Erwartun­gen an das Spiel. wir haben es nun zu viert gespielt und wur­den gaen­zlich ent­taeuscht. es gab 3 dinge, die uns nicht gefall­en:

1) mit nur 4 cubes bei vier spiel­ern ist man schon sehr beschränkt und 2 cubes fuers tränke verkaufen schien uns zu teuer
2) pub­lizieren fuehrte dazu, dass es nur sinn hat­te, zu pub­lizieren, wenn man sich ganz sich­er war. Denn ein siegel zum absich­ern bringt unser­er mei­n­ung nach nichts. Es fuehrt immer zu 0 punk­ten, oder sog­ar zu 4 minussiegunk­ten oder 5 minus rep­u­ta­tion, falls man nicht abgesichert ist, da am schluss immer aufgedeckt wird. Den sinn eine these zu pub­lizieren ohne einen stern abzule­gen ist nicht ganz erkennbar. So macht man keine punk­te und die aktion kostet ein­fach nur aktio­nen und geld.
3) das vor­tra­gen der braukün­ste in der let­zten runde ist extrem aufwendig und man bekommt fast keine punk­te dafür. Es schluckt aktio­nen und viele karten, die man vorher geholt haben muss, was auch aktio­nen kostet, oder zwingt spaet in der spiel­er­rheinen­folge zu ste­hen.

Mal sehen, wie es zu zweit funk­tion­iert. Zu 4rt aber bish­er echt ent­täuschen, wo doch grafik und the­ma so gut passen.

Gruesse

Was meinen andere dazu?

sagt:

Hal­lo Thomas,

schade, dass das Spiel die Erwartun­gen nicht erfüllt hat. Ich habe es zu Sylvester ein weit­eres Mal mit zwei weit­eren Fre­un­den gespielt und finde nach wie vor kaum etwas am Spiel auszuset­zen. Um einen zweit­en Blick­winkel zu ermöglichen, möchte ich kurz auf die ange­sproch­enen Punk­te einge­hen:

1) Ja, wenn man vorher nur zu zweit und mit sechs Wür­feln gespielt hat, schafft der Einzelne nicht mehr so viel wie zuvor, für mich wird das Spiel aber dadurch eher inter­es­san­ter, da man noch genauer über­legen muss, wofür man seine kost­baren Aktio­nen ver­wen­den muss. Klar, das Verkaufen von Tränken ist dann sehr »teuer«, ist aber fast unab­d­ing­bar, wenn man sich im Ver­lauf des Spiels mehrere Arte­fak­te kaufen möchte.
2) Es kann sehr wohl Punk­te brin­gen unsichere The­sen zu pub­lizieren, denn am Ende jed­er Runde bekommt der­jenige mit den meis­ten Pub­lika­tio­nen einen Ruf­punkt. Außer­dem muss man vielle­icht etwas unsicheres veröf­fentlichen, weil die näch­ste Alchemis­tenkon­ferenz anste­ht, man aber noch keine der Zutat­en weit genug spez­i­fiziert hat. Weit­er­hin gibt es ja noch die Dritt­mit­tel, die der­je­nige be­kommt der zu­erst et­was zu den zwei bzw. drei ab­ge­bil­de­ten Zu­ta­ten veröf­fentlicht.
Außer­dem gibt es ein Arte­fakt, dass am Ende des Spiels einen Punkt pro Veröf­fentlichung bringt.
3) Die Leis­tungss­chau kann etwas dauern, wenn viele Spiel­er viele Wür­fel darauf ver­wen­den. Allerd­ings sollte zu diesem Zeit­punkt jed­er bere­its wis­sen, was er oder sie brauen möchte und mit welchen Zutat­en, was das Ganze wieder beschle­u­nigt. Ich sehe es eher als Möglichkeit die übrig gebliebe­nen Zutat­en, die am Ende nichts zählen, noch in Punk­te zu ver­wan­deln. Es gibt hier auch eine gute Syn­ergie zwis­chen den Arte­fak­ten »Hex­enkof­fer« und »Feder­hut«, mitunter ist man aber bess­er berat­en noch eine 5 oder 3 Punk­te Veröf­fentlichung zu machen, was zu diesem Zeit­punkt aber wahrschein­lich mehr als ein Gold­stück kostet, ger­ade bei vier Spiel­ern.

Alex

sagt:

Ich bin am über­legen dieses Spiel zu kaufen, das einzige was mich zum grü­beln bringt ist die Frage wie das mit dem Mis­chen der Zutat­en zus­tande kommt. Sind diese in jed­er runde gle­ich oder verän­dert sich das + und – (und die grösse von denen)??

sagt:

Hal­lo Alex,
zu Beginn jedes Spiels weißt die App jed­er Zutat (Kröte, Blume usw.) ein Ele­ment zu. Das bleibt dann auch für das ganze Spiel über so. Die Spiel­er wis­sen jedoch nicht, welch­es Ele­ment zu welch­er Zutat gehört und müssen das erst durch Exper­i­mente her­aus­find­en.
In der Spielan­leitung wird das gut erk­lärt. Du find­est sie hier: http://czechgames.com/files/rules/alchemists-rules-de.pdf

Alex

sagt:

Hal­lo Math­ias,

Danke für sie so schnele Antwort und den Link.
Super, genau das wollte ich wis­sen :)
Kann es kaum erwarten entlich mal ein Nettes grübler Spiel auszupro­bieren :D

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