Leseempfehlung: A DARKER SHADE OF MAGIC – V. E. Schwab

Cover A Darker Shade Of MagicFan­ta­sy. Wenn man etwas in dem Genre lesen möchte, bekommt man es lei­der oft mit abge­s­tande­nen Epigo­nen bekan­nter Werke zu tun. Seien es Autoren, die die Helden­reise aus Tolkiens HERR DER RINGE nachah­men, oder seien es die daraus entliehenen Völk­er, die gegeneinan­der vorge­hen, Elfen gegen Zwerge, Orks gegen Elfen, Zwerge gegen Tomat­en. Die andere Vari­ante ist Urban-Fan­ta­sy. Hier find­et man in let­zter Zeit zu viele Har­ry Dres­den-Kopi­en, etliche davon schlecht. Und wenn man viel Pech hat, dann stolpert man aus Verse­hen über irgen­deinen Roman­ta­sy-Schmonz, wie er seit TWILIGHT lei­der boomt, und der sich haupt­säch­lich darum dreht, wie die Haupt­darstel­lerin was mit irgendwelchen Fan­ta­sy­we­sen anfängt. Oder von der Vam­pir­jägerin zur Vam­pir­ma­tratze wird …

Orig­inelles zu find­en ist schwierig. Umso erfreuter war ich, so etwas in V. E. Schwabs Roman A DARKER SHADE OF MAGIC zu ent­deck­en. Ja, ich weiß, auch hier kom­men einem Ver­satzstücke bekan­nt vor, aber es gibt tat­säch­lich neue Ideen, und Sto­ry wie Pro­tag­o­nis­ten wis­sen zu überzeu­gen.

Hin­weis: Diese Besprechung kann Spoil­er enthal­ten.

Wer­be­text:

Most peo­ple only know one Lon­don; but what if there were sev­er­al? Kell is one of the last Trav­el­ers – magi­cians with a rare abil­i­ty to trav­el between par­al­lel Lon­dons. There´s Grey Lon­don, dirty and crowd­ed and with­out mag­ic, home to the mad king George III. There´s Red Lon­don, where life and mag­ic are revered. Then, White Lon­don, ruled by who­ev­er has mur­dered their way to the throne. But once upon a time, there was Black Lon­don …

Man kön­nte jet­zt vielle­icht ein­wen­den, dass Par­al­lel­wel­tengeschicht­en nun eben­falls nicht ger­ade neu sind. Das ist natür­lich kor­rekt. Aber Herange­hensweise und Umset­zung sind hier etwas anders.

Der Pro­tag­o­nist Kell ist ein »Antari«, ein Magi­er, der Tore zwis­chen den Wel­ten erschaf­fen kann. Erstaunlich dabei ist: es existieren vier bekan­nte Wel­ten, und in jed­er davon existiert eine Ver­sion von Lon­don. Auch wenn die Namen der Stadt und der Flüsse unter­schiedlich sind, die Geografie ist gle­ich. Auch die Gesellschaften der vier Wel­ten unter­schei­den sich. Grey Lon­don ist die Stadt, die wir ken­nen, im Eng­land der Ende des 18. Jahrhun­derts – und nahezu voll­ständig ohne Magie. Red Lon­don ist die Stadt des Pro­tag­o­nis­ten, dort flo­ri­ert die Magie, ist all­ge­gen­wär­tig. Und White Lon­don ist eine rohe, aus­ge­hungerte Welt, in der die Macht des Stärk­eren herrscht und in der die Magie schwindet. Früher ein­mal gab es noch Black Lon­don, ein Ort über­fließend von Magie. Die Tore dor­thin wur­den vor vie­len Jahren geschlossen.

Grey for the mag­ic-less city. Red, for the healthy empire. White, for the starv­ing world.

Kell wech­selt im Auf­trag des Königshaus­es von Red Lon­don durch die Real­itäten, um den Kon­takt zwis­chen den Monar­chien aufrechtzuer­hal­ten. Dabei bringt er bisweilen Gegen­stände von ein­er Welt zur anderen – was eigentlich ver­boten ist. Lila ist eine kleine Diebin in Grey Lon­don. Das Schick­sal führt sie mit Kell zusam­men.

Die Eröff­nungsse­quenz nimmt den Leser sofort mit in diese kom­plexe Welt mit ihren Pro­tag­o­nis­ten aus allen der drei erre­ich­baren par­al­le­len Real­itäten. Dann hätte ich fast schon aufgegeben, denn nach dem furiosen Start kommt es ein paar Seit­en lang zu einem Durch­hänger. Bloß gut, dass ich durchge­hal­ten habe, denn danach wird A DARKER SHADE OF MAGIC zu einem echt­en Page­turn­er, ein­er Tour de Force durch die Lon­dons, mit haufen­weise uner­warteten Wen­dun­gen.

Dabei ist der Magi­er Kell fra­g­los die zen­trale Fig­ur, weil er, bzw. seine Fähigkeit, Tore zu schaf­fen, das eigentliche Plot­de­vice ist, ohne ihn würde die Geschichte so nicht funk­tion­ieren. Doch die Autorin stellt ihm mit der Diebin Lila eine min­destens genau­so starke Pro­tag­o­nistin an die Seite, die vor allem ein schön­er, real­is­tis­ch­er Kon­tra­punkt zu Kell ist, der bisweilen zu Düster­n­is und Dra­ma neigt. Ich sehe sog­ar ein, dass das ander­swo über­stra­pazierte Klis­chee des Find­elkindes hier eine Menge Sinn für die Sto­ry macht – zumal die Andeu­tun­gen darauf hin­weisen, dass das mit dem Find­elkind so nicht ganz richtig sein dürfte.

Vielschichtig auch die Charak­ter­isierun­gen. Selb­st die Helden haben düstere Seit­en, und die Moti­va­tion manch­er Antag­o­nis­ten wird nicht aus den Augen gelassen, ist nachvol­lziehbar. Klar, gibt es auch diejeni­gen, die ein­fach nur wegen des Böse seins böse sind, aber selb­st bei denen kann man ver­ste­hen, warum sie tun, was sie tun.

Mit seinen Kapitel­cliffhang­ern erin­nert der Roman sich­er nicht ganz zufäl­lig an einen Film oder eine Fernsehserie. Durch die zwei Pro­tag­o­nis­ten kann die Autorin natür­lich, wenn es span­nend wird, den Fokus wech­seln. Aber das ist schon okay so. Auch der Schluss beste­ht aus einem ordentlichen Show­down, wie es sich gehört. Und auch wenn der Roman in sich abgeschlossen ist, gibt es mehr als genug offene Enden. Der zweite Teil mit dem Titel A GATHERING OF SHADOWS wird im Feb­ru­ar erscheinen, und ich freue mich bere­its darauf, denn am Ende der Geschichte ist vieles ungek­lärt, es gab haufen­weise Andeu­tun­gen, die in bes­timmte Rich­tun­gen weisen, und bei denen man natür­lich wis­sen möchte, wie es weit­erge­ht. So wie es aussieht, muss man sich derzeit auch eher keine Sor­gen darum machen, dass daraus eine End­los-Serie wer­den wird, der Deal mit Tor ist erst ein­mal nur über zwei Büch­er. Soll­ten die erfol­gre­ich sein, kön­nen daraus natür­lich mehr wer­den. Der Hin­ter­grund gibt das aber dur­chaus her.

Alles in allem war A DARKER SHADE OF MAGIC eine über­aus pos­i­tive Über­raschung, die zwar nicht alles ganz neu erfind­et, aber die zumin­d­est mehr als genug eigene Ideen ein­bringt, um sich wohltuend vom Ein­heits­brei ander­er Fan­ta­sy abzuheben.

Echte Kri­tikpunk­te kann ich nicht vor­brin­gen, abge­se­hen vielle­icht von dem kurzen Durch­hänger nach der Eröff­nungsse­quenz, aber das mögen andere Leser ganz anders sehen. Und: das ist natür­lich zur Unter­hal­tung geschrieben, aber es ist äußerst cle­vere Unter­hal­tung, deswe­gen werte ich auch eher pos­i­tiv, dass nicht ver­sucht wird, das kün­stlich in irgen­deine Form ver­meintlich hoher Lit­er­atur zu ver­wan­deln. Der neue George R. R. Mar­tin ist das nicht – und ich bin auch sehr froh darüber.

Mein Faz­it: Äußerst lesenswert­er Fan­ta­sy-Roman, der der Par­al­lel­wel­ten-The­matik viele neue Seit­en abgewin­nen kann und mit sym­pa­this­chen, aber vielschichti­gen, Pro­tag­o­nis­ten erfreut.

A DARKER SHADE OF MAGIC
V. E. Schwab
Fan­ta­sy-Roman
20. Feb­ru­ar 2015
Taschen­buch:
386 Seit­en, ca. 11 Euro
ISBN: 978–1783295401
Titan Pub­lish­ing
Hard­cov­er:
400 Seit­en, ca. 15 Euro
ISBN: 978–0765376459
Tor Books
eBook:
ca. 3,75 Euro
ASIN: B00SEU9TZK

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

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