Fantasy Film Fest 2014: COHERENCE

Poster CoherenceCOHERENCE – Bun­des­start 06.11.2014

Acht Freun­de sit­zen gemüt­lich bei ein paar Glä­sern Wein. Die Stim­mung ist gelöst, es wird geplau­dert, es wird gelacht. Das alles über­span­nen­de The­ma ist natür­lich der Komet, der so nah an der Erde vor­bei zieht, wie kein Komet zuvor. Hat die­ser Komet Aus­wir­kun­gen auf irgend etwas? Wer kann das schon sagen. Es wird wei­ter getrun­ken und gelacht. Dass ohne erfind­li­chen Grund plötz­lich ein Smart­pho­ne kaputt geht, sorgt noch eher für Erhei­te­rung. Doch als nach einem kur­zem Strom­aus­fall nur ein ein­zi­ges wei­te­res Haus in der Stra­ße Strom zu haben scheint, wer­den die Freun­de arg­wöh­nisch. Die Tele­fo­ne sind tot. Um die Bewoh­ner des ande­res Hau­ses nicht zu erschre­cken oder zu ver­un­si­chern, schreibt man einen Zet­tel, mit der Bit­te ihr Tele­fon benüt­zen zu dür­fen. Als die Boten auf­bre­chen wol­len, hängt exakt die­ser Zet­tel an der eige­nen Haus­tür.

Was James Ward Byr­kit hier ent­wor­fen hat, geht weit über das hin­aus, was Sci­ence Fic­tion in den letz­ten Jah­ren sei­nem Publi­kum zuge­mu­tet hat. Wenn man von Sci­ence Fic­tion spre­chen kann. Modern gewor­den ist ja das Wort fff2014Mind­fuck. Soll­te die­ses Wort jemals eine Recht­fer­ti­gung benö­ti­gen, dann fin­det es die­se in COHERENCE. Es ist kein Film für einen sinn­be­frei­ten Abend oder ein­fach mal zum abschal­ten. Byr­kit ver­langt die vol­le Auf­merk­sam­keit sei­ner Zuschau­er, und die ist ihm auch gege­ben. Denn das sich ent­wi­ckeln­de Sze­na­rio ist der­art span­nend, dass sein Publi­kum unwill­kür­lich in jeder Minu­te ver­sucht, das Rät­sel selbst zu ent­schlüs­seln. Aber es wird den wenigs­ten gelin­gen. Denn  glaubt man die Geschich­te end­lich durch­schaut zu haben, schiebt Byr­kit immer eine wei­te­re, noch wil­de­re Ebe­ne von Gedan­ken­spiel hin­ter­her.

Gedreht wur­de ohne kon­kre­tes Dreh­buch. Die Dar­stel­ler beka­men ledig­lich Noti­zen, um die Eck­pfei­ler der jewei­li­gen Sze­nen abzu­de­cken. Die Dia­lo­ge wur­den dabei impro­vi­siert, soweit sie nicht hand­lungs­be­stim­mend waren. Wegen der Impro­vi­sa­tio­nen wur­de mit zwei Kame­ras gedreht, um even­tu­el­le Reak­tio­nen schnel­ler und eben­falls nicht gestellt ein­fan­gen zu kön­nen. Aus die­sen Vor­ga­ben her­aus, hat sich ein sehr inten­si­ves Kam­mer­spiel erge­ben, wel­ches ganz gewiss nicht irgend­wel­che Attri­bu­te von Sci­ence Fic­tion trägt. Anfäng­lich ist der Film noch sehr laut, zu hek­tisch, zuviel Dia­log. Das legt sich mit der Zeit, gönnt dem Zuschau­er auch ruhi­ge­re Momen­te, aber nicht ohne ihn wei­ter mit dem eigent­li­chen Rät­sel zu beschäf­ti­gen. Der eigent­li­che Makel an COHERENCE ist die Kame­ra selbst, die haupt­säch­lich mit Nahein­stel­lun­gen arbei­tet. Die unru­hi­ge Kame­ra­füh­rung und die stets das Bild beherr­schen­den gro­ßen Gesich­ter, sind ein­fach zuviel für eine gro­ße Lein­wand. Das Bild erschlägt den Zuschau­er, die Cha­rak­te­re sind viel zu nah, wir­ken teil­wei­se auf­dring­lich. Dabei sind die Dar­stel­ler alle­samt per­fekt besetzt. Jeder von ihnen ist schon län­ger im Geschäft, die Gesich­ter sind aller­dings so frisch und unver­braucht, dass es den Film nur noch inten­si­ver und ehr­li­cher macht.

In Deutsch­land hat sich der klei­ne Ver­leih Drop-Out Cine­ma die­ses klei­nen Meis­ter­wer­kes ange­nom­men, um ihn zwei Mona­te nach dem Fan­ta­sy Film­fest einem brei­te­ren Publi­kum zugäng­lich zu machen. Lei­der bedarf es bei einem Film wie COHERENCE einer tie­fer­ge­hen­den Medi­en­prä­senz, um ihn der Öffent­lich­keit näher zu brin­gen. Ungern, aber rea­lis­tisch betrach­tet, muss man anzwei­feln, dass dies ein so klei­ner Ver­lei­her zu stem­men ver­mag. Dabei hat die­ser Komet, der so nah an der Erde vor­bei zieht, wie noch nie ein Komet zuvor, Aus­wir­kun­gen auf so vie­ler­lei Din­ge. Zum Bei­spiel, im Kino wie­der ein­mal rich­tig gefor­dert zu wer­den.

Coherence

COHERENCE
Dar­stel­ler: Emi­ly Bal­do­ni, Mau­ry Ster­ling, Nicho­las Bren­don, Eliza­beth Gracen, Alex Manu­gi­an, Lau­ren Maher, Hugo Arm­strong und Lore­ne Sca­fa­ria
Dreh­buch & Regie: James Ward Byr­kit
Kame­ra: Nic Sad­ler
Bild­schnitt: Lan­ce Perei­ra
Musik: Kris­tin Øhrn Dyrud
89 Minu­ten
USA 2013
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AutorIn: Bandit

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