PERRY RHODAN NEO: Frank Borsch — STERNENSTAUB

Ich war vol­ler Vor­freude und hielt es für eine gran­diose Idee, un­ter dem Ti­tel PERRY RHO­DAN NEO im Ju­bi­lä­ums­jahr ei­nen Re­boot der um­fang­reichs­ten SF-Serie welt­weit ver­su­chen zu wol­len. Nicht nur J. J. Ab­rams´ STAR TREK und Ron Moo­res NEW BATT­LE­STAR GA­LAC­TICA hat­ten ge­zeigt wie es geht: man be­dient sich be­kann­ter Ver­satz­stü­cke und in­ter­pre­tiert und die be­kann­ten Cha­rak­tere mehr oder we­ni­ger be­hut­sam neu, um ei­nem Thema fri­sches Le­ben ein­zu­hau­chen. Wich­tig da­bei ist nicht nur, dass man mit mo­der­ner Er­zähl­weise neue An­hän­ger ge­winnt, son­dern auch, dass man die al­ten Fans nicht ver­grät­zen darf — man muss Ehr­furcht vor dem Ori­gi­nal zei­gen und sich vor ihm ver­nei­gen, ohne ein­fach nur ko­pie­ren zu wol­len oder al­les in die Tonne zu tre­ten, was das Vor­bild aus­macht. Be­kann­tes und Neues müs­sen Hand in Hand ge­hen und sich er­gän­zen, wenn solch ein Re­boot funk­tio­nie­ren soll — je be­kann­ter und be­lieb­ter das Vor­bild ist, umso schwie­ri­ger das Un­ter­fan­gen.

Der Er­öff­nungs­band von PERRY RHO­DAN NEO un­ter dem Ti­tel STER­NEN­STAUB im For­mat »Ta­schen­heft«, ver­fasst von Frank Borsch, macht un­ter den eben ge­nann­ten As­pek­ten man­ches rich­tig, aber lei­der noch viel mehr falsch…

Klap­pen­text:

Das Jahr 2036: Über­be­völ­ke­rung, Kli­ma­wan­del und Ter­ro­ris­mus — die Mensch­heit steht kurz vor dem Un­ter­gang. Zu­dem stei­gen die Span­nun­gen zwi­schen den Machtblöcken.In die­ser Lage star­tet der ame­ri­ka­ni­sche As­tro­naut Perry Rho­dan mit drei Ka­me­ra­den zum Mond — denn dort ge­schieht Un­heim­li­ches. Mit ei­ner ur­al­ten Ra­kete bre­chen die vier As­tro­nau­ten ins Aben­teuer ih­res Le­bens auf. Auf dem Mond tref­fen sie auf die men­schen­ähn­li­chen Ar­ko­ni­den. Rho­dan er­kennt die Schwä­che der Ali­ens — und er schlägt ih­nen ei­nen ge­wag­ten Han­del vor. Sein Ziel: Er will Frie­den für die Mensch­heit. Sein Preis: Er muss sich ge­gen alle Re­gie­run­gen der Welt stel­len.

STER­NEN­STAUB trans­plan­tiert den An­fang der be­kann­ten Ge­schichte um den ame­ri­ka­ni­schen As­tro­nau­ten Perry Rho­dan und seine Ge­fähr­ten in die Zu­kunft des Jah­res 2036. Grund­le­gend will sich die Hand­lung an die Hand­lung von An­fang der 1960er an­leh­nen, aber min­des­tens eine Story im Stil der heu­ti­gen Zeit er­zäh­len, ohne Loch­kar­ten, ohne den teils mi­ni­ma­lis­ti­schen Duk­tus je­ner Zeit und je­ner Au­to­ren ins­be­son­dere im Be­reich Heftro­man. Will eine Er­zähl­form des 21. Jahr­hun­derts bie­ten. Will ohne den »Bal­last« des in 50 Jah­ren ge­wach­se­nen Hin­ter­grunds der Se­rie neu und frisch un­ter­hal­ten.

Ach wäre es doch nur so ein­fach …

Zu­erst war mein ers­ter Ein­druck beim Le­sen, dasss das al­les ei­gent­lich ganz cool sei, doch ir­gend­wie hatte ich das Ge­fühl, dass et­was fehlt, et­was nicht rund ist, wo­bei ich zu­erst nicht ge­nau fest­ma­chen konnte, wo­her die­ses Ge­fühl rührte.
Der Ro­man macht zwei­ein­halb Hand­lungs­ebe­nen auf. Zum ei­nen geht es selbst­ver­ständ­lich um die Män­ner an Bord der STAR­DUST, die zu ei­ner Ret­tungs­mis­sion auf den Mond star­ten. An der Stelle ha­ben wir auch schon das erste Pro­blem. In der Ori­gi­nal­se­rie ist Rho­dan der erste neu­zeit­li­che Mensch, der ei­nen frem­den Him­mels­kör­per be­tritt. Das ist epo­chal, episch. Im Uni­ver­sum von NEO gab es (ver­mut­lich) Neil Arm­strong und es exis­tiert be­reits eine Mond­sta­tion. Rhodans Be­such auf dem Mond ist so­mit ei­ner von vie­len und trotz (oder ge­rade we­gen) al­ler Pro­bleme der NASA in der Zu­kunft nun wirk­lich nichts Welt­be­we­gen­des mehr. Der pure Pio­nier­geist des Cha­rak­ters, die Ein­ma­lig­keit sei­ner Mond­lan­dung geht flö­ten.

Um wie­viel bes­ser hätte es ge­passt, den Mann auf eine echte »erste Mis­sion« zu schi­cken. Wa­rum nicht der erste Mensch auf dem Mars? DAS wäre we­nigs­tens ein Pla­net ge­we­sen, nicht nur ein lum­pi­ger Mond — Rho­dan hätte dann auch in die­sem Uni­ver­sum den Ers­ten, den ult­ma­ti­ven Pio­nier beim Auf­bruch der Mensch­heit ins All dar­ge­stellt…

Zum an­de­ren be­schreibt der Ro­man Ge­scheh­nisse um John Mar­shall, der hier ein ehe­ma­li­ger Investment-Banker ist, wel­cher den Job an den Na­gel hing, um sich mit Hilfe des er­wirt­schaf­te­ten Gel­des um hei­mat­lose Kin­der zu küm­mern.
Hier zeigt Frank Borsch was er drauf hat, diese Hand­lungs­ebene wirkt rea­lis­tisch, nach­voll­zieh­bar und macht al­lein schon ob der de­tail­liert ge­schil­der­ten Cha­rak­tere und der be­klem­mend »ech­ten« Stim­mung eine Menge Spaß. Was im Shel­ter ge­schieht reisst mit, umso mehr als sich früh ab­zeich­net, dass es hier nicht nur um ver­lo­rene Kin­der, son­dern auch um Per­so­nen mit PSI-Kräften geht. Da­ge­gen wir­ken Rho­dan und Co. auf dem Weg nach Luna nach­ge­rade blass, als habe Borsch bei der kom­plett neuen Hin­ter­grund­ge­schichte Mar­shalls frei schrei­ben kön­nen und sei von der Vor­ge­schichte und der Er­war­tungs­hal­tung in Sa­chen Rho­dan und Bull so mas­siv ein­ge­schränkt wor­den, dass diese eher Scherenschnitt-artig er­schei­nen.

Da­bei möchte ich aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass STER­NEN­STAUB an­sons­ten recht rou­ti­niert und hand­werk­lich ei­gent­lich brauch­bar ge­schrie­ben ist (des­we­gen habe ich ja so lange ge­braucht, um ein­gren­zen zu kön­nen, was mich störte). Doch Frank Borsch kann das viel bes­ser, das wis­sen wir. Lei­der trü­ben viele in­halt­li­che Pat­zer das Bild. Al­ler­dings muss man auch ganz klar sa­gen, dass ein paar For­mu­lie­run­gen nie durch das Lek­to­rat hät­ten kom­men dür­fen. Wenn Rho­dan vor den Ar­ko­ni­den seine leicht von Pa­thos trie­fende Mo­ti­va­ti­ons­rede hält, dann fragt man sich wirk­lich, wes­halb er ge­rade die »keu­chen« muss …

Wa­rum die Be­sat­zung der STAR­DUST an­fangs zu Fuß zur Start­rampe lau­fen und lä­cheln muss, er­schließt sich nicht. Mög­li­cher­weise für die Presse, er­klärt wird es nicht und Sinn macht es eben­falls nicht, ins­be­son­dere wenn man Shut­tle­starts be­trach­tet. Ein Wort der Er­klä­rung hierzu wäre pu­res Gold ge­we­sen.
Die ge­samte Raum­mis­sion — ei­gent­lich zen­tra­ler Punkt der Hand­lung — ist nur an­riss­ar­tig be­schrie­ben, so als habe der Au­tor da­vor zu­rück­ge­schreckt, De­tails of­fen­zu­le­gen. Ist der Flug des Se­ri­en­hel­den zum Mond denn wirk­lich un­wich­ti­ger als die Be­find­lich­kei­ten der Be­woh­ner ei­nes Kin­der­heims? Hatte Frank Borsch Angst vor der Be­schrei­bung der tech­ni­schen Ein­zel­hei­ten ei­nes Mond­flugs oder wurde mit vol­ler Ab­sicht dar­auf ver­zich­tet, um po­ten­ti­elle »Neu­le­ser« nicht zu über­for­dern? Aber wer SF liest weiß doch, dass er sich auch auf Tech­nik ein­lässt?

Was die Be­schrei­bung des Mond­flugs, bzw. des­sen feh­lende De­tails, an­geht, setzt sich lei­der auch an­sons­ten fort, wenn es um die Welt der Zu­kunft geht. Die Be­schrei­bung des Jah­res 2036 ist — wie sage ich es? — un­in­spi­riert, ohne Vi­sion. Zwar wird am Rande über glo­bale Er­wär­mung und ver­sun­ke­nes Land be­rich­tet, aber ins­be­son­dere die Tech­nik wirkt wie eine fast ex­akte Ko­pie des­sen, was wir heute be­reits ha­ben. In man­chen Punk­ten (Com­pu­ter und IT) so­gar na­hezu ver­al­tet. Wo ist die ver­netzte »always-on«-Welt? Soll­ten nicht ge­rade SF-Autoren bei der Ex­tra­po­la­tion der Tech­nik min­des­tens ein we­nig Mut be­wei­sen? Wenn man sich heute um­sieht und schaut, wie weit die Ver­net­zung des Le­bens durch das In­ter­net be­reits ge­die­hen ist, wa­rum fühlt sich die Welt von NEO dann an, wie ge­rade mal »Heute Abend« und eben nicht »Mor­gen«?

Beim Kaf­fe­klatsch auf dem Welt­con sagte Leo Lu­kas sinn­ge­mäß: »… das Jahr 5050 kannst Du leicht be­schrei­ben, das Jahr 2036 ist sehr, sehr schwie­rig!«. Weil es noch zu nah dran ist. Ge­nau den Ein­druck hatte ich beim Le­sen von STER­NEN­STAUB auch, hier lag of­fen­sicht­lich ein zen­tra­les Pro­blem.

Der ge­setzte, lang­jäh­rige PERRY RHODAN-Fan fühlt sich in die­ser Welt viel­leicht wohl, denn sie ist be­kannt — die un­ter an­de­rem an­vi­sierte neue Ziel­gruppe jun­ger Le­ser be­kommt je­doch »echte« SF in Form neuer Tech­nik und ei­ner durch sie und durch die neuere Ge­schichte ver­än­der­ten Ge­sell­schaft nur in ho­möo­pa­thi­schen Do­sen. Das darf doch nicht wahr sein …

Und na­tür­lich lei­det der Ar­ko­nide Crest wie­der un­ter Leuk­ämie… Wenn wir von der weit über­le­ge­nen Tech­nik der Au­ßer­ir­di­schen aus­ge­hen und zu­dem da­von, dass nach den An­spie­lun­gen im Heft diese nach wie vor mit der Mensch­heit ver­wandt sind, dann sind diese tech­nisch Äonen vor­aus und es ist un­glaub­wür­dig, dass sie nicht die me­di­zi­ni­schen Mit­tel ha­ben sol­len, diese Krank­heit zu be­sie­gen. Und auch wenn die Bord­ärzte der AE­TRON mit in der Luft schwe­ben­den Fik­tiv­spie­len be­schäf­tigt sind (keine Mo­ni­tore — wie ori­gi­nell — wie wäre es denn mit ei­ner Ver­net­zung ge­we­sen, ei­ner Art »Hyper-MMO«? DAS hätte nicht nur Sinn ge­macht, son­dern auch noch po­ten­ti­elle jün­gere Le­ser an­ge­spro­chen, wäre es ohne er­ho­be­nen Zei­ge­fin­ger be­schrie­ben wor­den), dann gibt es doch wahr­schein­lich im­mer noch Me­do­ro­bo­ter. Hier wäre bei­spiels­weise eine un­be­kannte, neue, nicht mit ar­ko­ni­di­schen Mit­teln be­han­del­bare, Krank­heit viel sinn­vol­ler ge­we­sen. Die hoch­ent­wi­ckelte Me­di­zin rat­los und der bril­li­ante Me­di­zi­ner Dr. Eric Ma­noli zeigt, was die »Tiere« drauf ha­ben, in­dem er Crest, das Mit­glied des ach so über­le­ge­nen Vol­kes, heilt. DAS wäre ein Plot ge­we­sen…

Als ganz zum Schluss dann »mal eben« in ge­fühl­ten Mi­nu­ten ar­ko­ni­di­sche Tech­nik in die STAR­DUST gefri­ckelt wird (in­klu­sive ei­nes zu­sätz­li­chen Sit­zes für Crest), um dann mit die­ser zur Erde zu­rück zu keh­ren, war ich froh, dass das Ta­schen­heft na­hezu durch war — das war der­art un­glaub­wür­dig, dass es fast weh tat.

Ach ja: Ta­schen­heft. Im di­rek­ten Ver­gleich muss ich zu­ge­ben, dass mir das For­mat rein er­go­no­misch nicht be­hagt. Ei­nen Heftro­man kann ich um­klap­pen, ohne dass er zu gro­ßen Scha­den nimmt und ihn mit ei­ner Hand hal­ten. Das Ta­schen­heft ist hier deut­lich sper­ri­ger und neigt auch eher zu Be­schä­di­gun­gen. Mag sein, dass es da­für im Schrank bes­ser aus­sieht, aber be­que­mer beim Le­sen ist mei­ner Ansicht nach der Heftro­man. Zum Co­ver hatte ich mich an an­de­rer Stelle schon ge­äu­ßert.

Oh Mann, wenn ich mir das, was ich so­eben ge­schrie­ben habe so be­trachte, dann sieht das nicht gut aus, was? Tut mir sehr leid, liebe Le­ser, lie­ber Au­tor und lie­ber Ver­lag, das war so nicht ge­plant, ei­gent­lich hatte ich vor, eine eher neu­trale Be­spre­chung zu ver­fas­sen, da ich mich grund­sätz­lich brauch­bar un­ter­hal­ten fühlte. Je län­ger ich je­doch über STER­NEN­STAUB nach­denke, desto mehr Schwach­punkte fal­len mir lei­der auf — ins­be­son­dere wenn mit dem An­spruch an­ge­tre­ten wird, eine mo­derne Neu­fas­sung zu lie­fern. Da ist lei­der viel zu viel selt­sam, alt­ba­cken, be­kannt und — man möge mir ver­ge­ben — kon­ser­va­tiv.

Nichts­des­to­trotz werde ich na­tür­lich wei­ter­le­sen, al­lein schon um zu se­hen, was die Au­to­ren­crew dar­aus macht. Und es gibt di­verse An­sätze, die sich noch sehr schön ent­wi­ckeln könn(t)en, bei­spiels­weise die Aben­teuer von John Mar­shall und Sid, oder was mit dem Agen­ten Mer­cant ge­schieht und wie sich der stin­k­rei­che Mä­zen Ho­mer G. Adams wei­ter ins Spiel bringt.
Mir ist klar, dass ein Re­boot keine ein­fa­che Sa­che ist, aber die er­folg­rei­chen Neu­starts aus Film und Co­mic ha­ben ge­zeigt, dass man Ri­si­ken ein­ge­hen, sich von man­chen al­ten Zöp­fen tren­nen und auch sehr grund­le­gende Ände­run­gen ein­bauen muss, um sich vom Ori­gi­nal ab­zu­he­ben — die Grat­wan­de­rung be­steht darin, ge­nug von die­sem Ori­gi­nal übrig zu las­sen, da­mit auch die »al­ten« Fans zu­frie­den sind. Und wenn die Zu­kunft rück­stän­di­ger er­scheint als er­war­tet, dann ist das grund­sätz­lich völ­lig in Ord­nung, aber man muss es zu­min­dest er­klä­ren — siehe zum Bei­spiel in NEW BSG. In STER­NEN­STAUB wurde aber mei­ner Ansicht nach zu we­nig ge­wagt.

Wie be­reits ge­sagt: ich hoffe, dass sich et­li­che mei­ner Kri­tik­punkte im wei­te­ren Ver­lauf der Se­rie noch ge­ben wer­den, bei man­chen da­von sehe ich al­ler­dings kon­zept­be­dingt lei­der keine Mög­lich­keit da­für — es stimmt ein­fach man­ches im grund­le­gen­den Set­ting nicht; ich hoffe je­doch wirk­lich, es kann noch das ein oder an­dere aus­ge­bü­gelt wer­den…

Hatte ich meine Er­war­tun­gen im Vor­feld etwa zu hoch ge­schraubt?

DIS­CLAI­MER: Ach­tung! Das eben Ge­le­sene stellt meine per­sön­li­che Mei­nung dar. Diese kann zum Ei­nen von eu­rer ab­wei­chen und zum An­de­ren rege ich drin­gend an, sich noch aus an­de­ren Quel­len zu in­for­mie­ren und ins­be­son­dere, euch ein ei­ge­nes Bild aus ers­ter Hand zu ma­chen (also den Ro­man selbst zu le­sen!) statt euch nur auf meine Worte zu ver­las­sen.

You have been war­ned! :o)

Creative Commons License

 

STER­NEN­STAUB
Frank Borsch
PERRY RHO­DAN NEO Band 1
Ta­schen­heft (auch als eBook)
Sep­tem­ber 2011
161 Sei­ten, 3,90 Euro
VPM

Co­ver­ab­bil­dung STER­NEN­STAUB Co­py­right 2011 VPM

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4 Kommentare

  1. Erstellt am 6. Oktober 2011 um 10:20 | Permanent-Link

    Hallo Holzi,
    so­weit weg bist Du mit Dei­ner Kri­tik nicht. Für mein Clan­zine SUMPF­GE­BLUB­BER habe ich eben­falls eine — wenn auch nicht so aus­führ­li­che — Re­zen­sion ge­schrie­ben, die ich, wenn ich darf , hier gerne wie­der­ge­ben möchte:

    Da wa­ren sie wie­der: Les­ley Poun­der, Perry Rho­dan, Re­gi­nald Bull, Clark G. Flip­per, Eric Ma­noli, John Mar­shall, Allan Mer­cant, Ho­mer G. Adams, Crest, Thora… – al­les alt­be­kannte Na­men. Die Reise der STAR­DUST zum Mond, die Be­geg­nung mit den Ar­ko­ni­den und die Leuk­ämie­er­kran­kung von Crest, die Erde am Rand ei­nes ato­ma­ren Welt­krie­ges… kommt uns die Hand­lung nicht be­kannt vor?

    Ist Perry Rho­dan NEO also doch nicht so neu?
    Die Frage muss ich mit »ja« be­ant­wor­ten weil die Haupt­hand­lungs­trä­ger in NEO ge­nau das ma-chen, was sie in der Ori­gi­nal­se­rie auch schon durch­lebt ha­ben. Ich muss aber gleich­zei­tig mit »nein« ant­wor­ten, weil auch neue Hand­lungs­stränge ent­wi­ckelt wur­den, die mit der al­ten Se­rie nichts ge­mein ha­ben. So bei­spiels­weise das Ver­hält­nis von Ge­ne­ral Poun­der zu Allan Mer­cant, oder auch von John Mar­shall zu Ho­mer G. Adams.
    Alt­be­kann­tes (mit dem Flair der Ori­gi­nal­se­rie) wurde also mit et­was Neuem zu ei­ner Sym­biose ver­mischt – das ge­fällt (zu­min­dest mir) und macht neu­gie­rig auf die wei­te­ren Bände.

    Wird sich die Se­rie am Markt be­haup­ten kön­nen?
    Ehr­lich ge­sagt, ich weiß es nicht, habe aber eher ein ne­ga­ti­ves Ge­fühl. Es sol­len und müs­sen ja neue Le­ser­schich­ten er­reicht wer­den – al­leine durch die Alt­fans wird sich die Se­rie wohl nicht tra­gen. Und da sehe ich schon ein ge­wis­ses Pro­blem.
    NEOs Zu­kunfts­dar­stel­lung, bzw. das Ge­fühl zum Stand der Tech­nik, wirkt auf mich eher wie die 80er-Jahre des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts und nicht wie eine Zu­kunft des Jah­res 2036. Wir ha­ben doch alle die ak­tu­el­len SF-TV-Serien im Kopf, wo al­les kin­der­leicht von der Hand geht (wie spre­chen mit dem Bord­com­pu­ter). Und viele von uns nut­zen im Jetzt die ak­tu­elle Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik mit Smart­pho­nes, Pads der ver­schie­dens­ten Her­stel­ler, ein all­ge­gen­wär­ti­ges In­ter­net mit sei­nen So­cial Net­works und vie­les mehr. Und jetzt stel­len wir uns vor, wie sich diese Tech­nik bis ins Perry-Rhodan-Jahr 2036 (= ca. 25 Jahre) wei­ter­ent­wi­ckeln wird. Von die­ser Ent­wick­lung ist in NEO nichts zu spü­ren — lei­der.
    Ich glaube auf den gan­zen 160 Sei­ten wird – wenn ich mich rich­tig er­in­nere – ein ein­zi­ges Mal das Wort »Touch­screen« be­nutzt. Man spricht nicht ein­mal von »Mo­ni­tor« son­dern ver­wen­det »Dis­play«. Es kommt kein Ge­fühl für die Zu­kunft und die tech­ni­sche Wei­ter­ent­wick­lung auf.
    Ob sich da­mit wirk­lich neue, me­di­en­ver­wöhnte Le­ser ge­win­nen las­sen?

    Preis/Leistung
    Ok, es han­delt sich um ein Ta­schen­heft mit 164 Sei­ten, vorne und hin­ten ein ein­ge­klapp­ter Um­schlag zu 3,90€. Ich habe jetzt die An­zahl der An­schläge nicht nach­ge­zählt, aber es sind ge­fühls­mä­ßig si­cher­lich nicht we­sent­lich mehr als viel­leicht 20% bis 30% im Ver­gleich zu den her­kömm­li­chen Heftro­ma­nen (zu 1,95€). Per­sön­lich ge­wünscht hätte ich mir eine Ver­öf­fent­li­chung in der Form von Dop­pel­hef­ten (ähn­lich der 5. PR-Auflage). Ir­gend­wie hat man schon das Ge­fühl, dass das Preis-/Leistungsverhältnis nicht so aus­ge­wo­gen ist.

    Und zum Ab­schluss
    Wa­rum habe ich bei der Be­schrei­bung der Te­le­por­ta­tion den Be­am­vor­gang der Reboot-Enterprise im Kopf?
    Ich werde trotz­dem NEO – zu­min­dest die acht an­ge­kün­dig­ten Bände – kau­fen & le­sen. Ein­fach des­halb, weil mir als Ju­gend­li­cher die ers­ten 50 Bände der Ori­gi­nal­se­rie ge­fal­len ha­ben und ich von Grund auf neu­gie­rig bin. Da­mals schon hatte ich meine Lieb­lings­fi­gur, mit der ich mich am bes­ten iden­ti­fi­zie­ren konnte… und diese Fi­gur gibt es auch in NEO. Ach ja, und als Thora habe ich ein­fach die Essy Pers­son aus dem miss­glück­ten Perry-Rhodan-Film vor Au­gen.…

    Viele Grüße
    Pe­ter

  2. Erstellt am 6. Oktober 2011 um 11:08 | Permanent-Link

    Ganz meine Mei­nung»
    Mein »Rant« geht in die­selbe Rich­tung. Wo­bei ich es eben­falls be­daure, dass es mir so we­nig ge­fällt. Hatte mich auf den »Re­boot« durch­aus ge­freut.

  3. cartwing
    Erstellt am 7. Oktober 2011 um 07:16 | Permanent-Link

    Stimme Ste­fan in den meis­ten Punk­ten zu. Auch mir hat die Hand­lungs­ebene um John Mar­shall bes­ser ge­fal­len, als der Rest, was an­ge­sichts des ei­gent­li­chen Plots schon selt­sam er­scheint. Zu­mal ich im­mer das Ge­fühl hatte, dass — bei al­lem Ver­ständ­nis für ein so­zi­al­kri­ti­sches Thema — die­ses über­haupt nicht zur Perry — Hand­lung passte.
    (Ne­ben­bei be­merkt: Wa­rum ist Mar­sahll, nach­dem Sid wie­der auf­ge­taucht war, ei­gent­lich nicht wei­ter auf des­sen »Aus­flug« ein­ge­gan­gen…?)

    Im Ge­gen­satz zu den an­de­ren hier werde ich wohl nicht wei­ter­le­sen. Ich hatte — mal ab­ge­se­hen von der Ne­ben­hand­lung, nicht den Ein­druck et­was neues oder auch nur neu­in­ter­pre­tier­tes zu le­sen. Es er­schien mir eher wie eine schwa­che Nach­er­zäh­lung des Ori­gi­nals. Kann sein, dass die Sa­che sich noch ent­wi­ckelt. Aber ich werde nicht alle 14 Tage 4 Euro be­zah­len, um diese Ent­wick­lung ab­zu­war­ten

  4. Erstellt am 8. Oktober 2011 um 10:28 | Permanent-Link

    Ich kann die Ent­täu­schung zum ers­ten Band ver­ste­hen. Ich ge­höre zu der Ge­ne­ra­tion von Le­sern, die bis Band 500 durch­ge­hal­ten ha­ben. Da­nach las ich nur noch spo­ra­disch. Die Ge­schich­ten um Kos­mo­kra­ten und Co wur­den ein­fach zu un­wirk­lich. Aus Neu­gier kaufte ich den ers­ten Band. Die Story um John Mar­shall fand ich ein­fach zu un­rea­lis­tisch. Ein ehe­ma­li­ger In­es­t­ent­ban­ker mit so­zia­lem Ge­wis­sen! Clark Flip­per ist im­mer noch das »Weichei«. Auch Re­gi­nald Bull, frü­her von mir gerne er­lebt, passt mit sei­nem Cha­rak­ter ein­fach nicht mehr in die Zeit, Naja und Per­rys Mo­ti­va­ti­ons­rede! Die passte zu K.H. Scheer und seine Zeit, aber heute? Das hätte doch an­ders for­mu­liert wer­den kön­nen. Und die Schlaf­müt­zig­keit der Ar­ko­ni­den hätte auch nicht als Hand­lungs­mo­tiv mehr her­hal­ten sol­len. Über­haupt bleibt Neo dem Heftro­man zu sehr ver­pflich­tet. Das Ta­schen­heft­for­mat bie­tet mehr Platz und sollte et­was mehr Ideen bie­ten.

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