WARM BODIES eher lauwarm

Auch wenn nur zwei der elf Pro­du­zen­ten tat­säch­lich mit der TWILIGHT-SAGA zu tun hat­ten, hält die Wer­bung mit »von den Machern von …« was sie ver­spricht. Kame­ra­mann Javier Aguir­res­a­ro­be und Cut­te­rin Nan­cy Richard­son waren auch noch bei TWILIGHT beschäf­tigt, das ver­spricht dann auch erhoff­ten Ton und Tem­po einer erprob­ten fünf­tei­li­gen Vam­pir­ge­schich­te mit Herz. Jetzt sind es Zom­bies, und die Idee dahin­ter scheint gar nicht so ver­kehrt. Denn was könn­te man anstel­len mit einer Geschich­te, in der sich ein Unto­ter und eine Leben­de inein­an­der ver­gu­cken? Aber was hat Jona­than Levi­ne dar­aus gemacht? Selbst die Haupt­dar­stel­ler Pal­mer und Hoult sind erwünsch­te Dupli­ka­te der TWI­LIGHT-Prot­ago­nis­ten. In vie­len Ein­stel­lun­gen von Tere­sa Pal­mer kann man glau­ben Kris­ten Ste­wart zu erken­nen, und mit den hohen Wan­gen­kno­chen und tief­lie­gen­den Augen ist Nicho­las Hoult ganz der Robert-Pat­ti­son-Typ. Isaac Mari­on hat eine Geschich­te geschrie­ben, die sehr lose an Romeo und Julia ange­lehnt ist, dem­entspre­chend hat Regis­seur und Dreh­buch­au­tor in Per­so­nal­uni­on Jona­than Levi­ne WARM BODIES auch gemacht. So ist die­ser Film für Splat­ter-Freaks genau­so inter­es­sant gera­ten, wie TWILIGHT für Lieb­ha­ber des Hor­ror­films.

Dabei ist WARM BODIES an sich kein schlech­ter Film. Er ist wit­zig, und sei­ne Dar­stel­ler sind anspre­chend. Wenn­gleich er dazu neigt etwas vor­her­seh­bar zu sein und sich in eini­gen Sze­nen unori­gi­nell zeigt. Die über­le­ben­den Men­schen sind in einer fest ummau­er­ten Stadt ver­bar­ri­ka­diert. Drau­ßen schlur­fen die Zom­bies durch die ver­las­se­nen Stra­ßen und Gebäu­de. R ist einer von ihnen und treibt sich am Flug­ha­fen her­um, war­um weiß er nicht. Er kann sich auch nicht wirk­lich an sei­nen Namen erin­nern, teilt er uns dank sei­ner Gedan­ken mit, er schlurft eben ein­fach so umher. Am Schick­sals­tag ent­sen­det die Stadt eine Grup­pe har­ter Jugend­li­cher, um medi­zi­ni­schen Nach­schub zu besor­gen, unter ihnen die wun­der­ba­re Julie mit ihrem etwas ein­fäl­tig wir­ken­den Freund Per­ry. R und sein Freund M, mit dem er sich mit Grunz­lau­ten unter­hält, beschlie­ßen, etwas essen zu gehen und sto­ßen so auf den Trupp des har­ten Außen­teams, das bei die­sem Din­ner gewal­tig dezi­miert wird. Nur Julie über­lebt, weil sie aus uner­find­li­chen Grün­den R nicht den Schä­del weg­schie­ßen kann, und R uner­klär­li­cher­wei­se Julie vor den ande­ren Zom­bies ret­tet. Zu ihrem eige­nen Schutz muss Julie eini­ge Tage in Rs Ver­steck ver­brin­gen, und ihm Ver­lauf die­ser Zeit pas­siert etwas voll­kom­men Uner­war­te­tes, Rs Herz mel­det sich mit einem Schlag zurück.

Was will man erwar­ten von einem Film mit einer Frei­ga­be ab 12? Genau hier beißt sich die Schlan­ge in den Schwanz. Denn BODIES muss sich sehr brav geben um die­se Frei­ga­be zu bekom­men, die wie­der­um not­wen­dig ist, um über­haupt ein Publi­kum zu errei­chen, das mit die­ser Geschich­te und wie sie umge­setzt ist, warm wer­den kann (muss­te jetzt sein). Aber das geht voll­kom­men an den Gen­re­freun­den vor­bei, die sich wahr­schein­lich anfangs noch täu­schen las­sen, um letzt­lich ent­täuscht zu wer­den. Noch ein Kalau­er muss jetzt sein, weil er ange­bracht ist, die­ser Film hat das Herz am rech­ten Fleck. Die Dar­stel­ler sind ein­fach sym­pa­thisch, der Humor wenn­gleich mild doch anspre­chend, und tech­nisch man­gelt es dem Film an nichts, obwohl man­che Spe­cial-Effec­ts nicht dem aktu­el­le Stan­dard ent­spre­chen. Die Atmo­sphä­re der Bil­der rich­tet sich nach den Ereig­nis­sen, so erhält WARM BODIES eine opti­sche Unter­stüt­zung in sei­ner Erzähl­struk­tur. Pro­duk­ti­ons­de­si­gner Mar­tin Whist hat zuletzt CABIN IN THE WOODS und SUPER 8 gemacht, daher wir­ken die Sets und Bau­ten bei BODIES eher hin­ter sei­nem krea­ti­ven Ver­mö­gen. Beacht­lich aller­dings, das er die Welt nach der Apo­ka­lyp­se außer­halb der Stadt inter­es­san­ter und weni­ger bedroh­lich wir­ken lässt, als die schmut­zi­ge, unge­müt­li­che Stadt, in wel­che sich die Über­le­ben­den zurück­zie­hen muss­ten.

Man müss­te Isaac Mari­ons Geschich­te gele­sen haben, um zu sehen, inwie­weit sich die Adap­ti­on künst­le­ri­sche Frei­hei­ten erlaub­te. Denn eini­ge Sze­nen wer­fen doch Fra­gen der Logik auf, die ohne gro­ße Mühe ver­meid­bar gewe­sen wären. Das fängt mit der Grup­pe Jugend­li­cher an, die den Nach­schub holen muss, wäh­rend hin­ter ihnen 150-Kilo-Eli­te­sol­da­ten in der Stadt zurück­blei­ben. Und dann fin­den Zom­bies ihre Stim­me wie­der? War­um? Weil es viel­leicht im Buch so steht, aber um wie viel komi­scher wäre es gewe­sen, hät­te sich R nur mit Grun­zen und Ges­ten ver­stän­di­gen müs­sen. Ein biss­chen mit dem Gen­re und sei­nen Kli­schees spie­len, das kann schon eini­ges auf­wer­ten. FIDO von 2006 und natür­lich der Klas­si­ker SHAUN OF THE DEAD haben doch vor­ge­macht, das man bei lus­ti­gen Zom­bies nicht auf Ner­ven­kit­zel und Logik ver­zich­ten muss. Die Sache mit Blut und Inne­rei­en steht dabei nicht ein­mal im Vor­der­grund, man weiß wie das Herz des Zom­bies schlägt, geht es um eine lecke­re Mahl­zeit, es ist also nicht zwin­gend erfor­der­lich ins Detail zu gehen. Aber einen Film für ein rein jugend­li­ches Publi­kum zu kon­zi­pie­ren, der in sei­ner Idee so viel mehr Poten­ti­al und Unter­hal­tungs­wert führt, ist ein­fach zu kurz gedacht. Nichts gegen Schmu­se-Zom­bies, schließ­lich hat jeder den Film ver­dient, den er auch ger­ne sehen möch­te, aber mehr wäre mög­lich gewe­sen. Dann viel­leicht doch wie­der ein­mal ZOMBIELAND, einer, der mit sei­nem Gen­re sehr ver­spielt umzu­ge­hen ver­stand, und dabei alles rich­tig gemacht hat.

WARM BODIES
Dar­stel­ler: Nicho­las Hoult, Tere­sa Pal­mer, Anal­eigh Tip­ton, Rob Cor­dry, Dave Fran­co, John Mal­ko­vich u.v.a.
Regie: Jona­than Levi­ne
Dreh­buch: Jona­than Levi­ne, nach der Geschich­te von Isaac Mari­on
Kame­ra: Javier Aguir­res­a­ro­be
Bild­schnitt: Nan­cy Richard­son
Musik: Mar­co Bel­tra­mi, Buck San­ders
Pro­duk­ti­ons­de­sign: Mar­tin Whist
zir­ka 98 Minu­ten
USA 2012

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

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